Ausgabe 
10.5.1912 Drittes Blatt
 
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Trete Sen Wg. Selneft aus dem Saal sckaffen wollen. Er ruft den Beamten zu: Lassen Sie jetzt den Herrn los, und nehmen Sie den Ab?. Borchardt hier fest. Ter Abg. Borchardt wird hreraus durch drei Schutzleute aus dem Saal gebracht, während er sich, halb schwebend, heftig gegen diese Maßnahme sträubt

Abg. Hossmamr

ruft: Preußen in der Welt voran!

Im übrigen .Hause herrscht lautlose Stille, nur auf der Rechten »rtönt ein Ruf: Hoffmann hinterher!.

Präsident Dr. Frhr. v. Erffa:

Ich bedauere lebhaft diesen unanaenehmen Zwischenfall. Er war aber notwendig, denn wenn man dem Präsidenten nicht : gehorcht, so sind wir zu Ende mit aller parlamentarischen C o- nung. (Abg. Hoffmann ruft: Gehorchen?)

Abg. Leinert (Soz.):

Ich bitte ums Wort zur Geschäftsordnung.

Präsident Dr. Frhr. v. Erffa:

Mit Bezug auf diesen Zwischenfall kann ich daS Wort zur Geschäftsordnung nicht geben.

Abg. Hoffmann:

Ich bitte ums Wort zur Geschäftsordnung.

Präsident Dr. Frhr. v. Erffa:

Ich habe schon einmal gesagt, daß ich das Wort zur Ge- fchäftSordmmg zu diesem Zwischenfall nicht erteile.

Abg. Leinert:

Ich teile dem Präsidenten mit, daß ich von meinem Platz durch Schutzleute gewaltsam hinter den Regierungstisch geschleppt worden bin- (Wg- Hoffmann ruft: Er ist gewaltsam in die Negierung verseht worden.)

Präsident Dr. Frhr. b. Erffa:

Herr Abg. Leinert, ich muß Ihnen das Wort entziehen.

Auf der Zuhörertribüne spendet eine Dame Deifal-k- durch Händeklatschen., nebensihende Personen hielten ihr aber die Hände fest, um sie an weiteren Kundgebungen zu verhindern.

Präsident Dr. Frbr. b. Erffa''

droht, die Tribünen räumen zu lassen, sobald noch weitere Sninb» gebungen auf den Tribünen Vorkommen.

Inzwischen hat der Abg. Borchardt (Soz.)' den Saal wieder betreten und ruhig auf seinem Sih Platz genommen. Laute Rufe recht- ertönen: Borchardt raus! rauSl

Der Präsident bringt einen Scklußantrag zur Abstimmung, der gegen die Stimmen der Linken angenommen wird.

Der Antrag auf Ueberweisung der BesitzbefestigungSvorlage cm eine besondere Kommission wird abgelehnt. Sie geht an die Budgetkommission.

Abg. Schifserer (Natl.)

(zur Geschäftsordnung): Ich war infolge deS Zwischenfalles mit meinen Ausführungen nicht zu Ende gekommen und. der Schluß» antraa hat mir die Fortsetzung meiner Rede unmöglich gemacht. Ich bin aber unter den vorliegenden Verhältnissen natürlich nicht ge­neigt, meine Rede fortzusehen. '

Abg. Wolff Lissa (Vv.) _

erhält nunmehr als Antragsteller daS Schlußwort zu dem An» trage auf Verstärkung des Fonds zugunsten der deutschen Mittelstandskasse in Posen. Seine Aus­führungen bleiben bei der im Hause herrschenden Unruhe zunächst unverständlich. (Abg. Hoffmann (Soz.): Lauter, lauter! Hier hinten ist kein Wort zu verstehen.) Auch die nächsten Sähe deS Redner- gehen bei der Unruhe des Hauses verloren. Abgeordneter Hoffmann ruft von seinem Platze auS: Herr Präsident, hier hinten ist kein Wort zu verstehenI Präsident Fxhr, tz, jtzxf/a bittet um Ruhe.)^ - -

Mg. Wolfs-Nfsä -----

fäf;rt fort: Wir wollen keinen Zweifel darüber lassen, Laß totr die Maßnahmen, die zur Förderung deS Deutschtums in den ge­mischtsprachigen Landesteilen wirklich führen können, nach wie vor unterstützen. Bei der wieder steigenden Unruhe deS Hauses gehen weitere Bemerkungen des Redners verloren. (Abg. Hoff­mann ruft: Herr Präsident, von unserem Platze auS ist kein Wort zu verstehen!)

Abg. Wolff-Lisia fährt fort: Bei unserem Anträge handelt es sich um Maßnahmen, die fick bewährt haben. Eine Erhöhung des Fonds ist berechtigt. (Beifall.) Der Antrag wird gleichfalls der Budgetkommission überwiesen. ----

Das Elfenbahnanlelfiegefefo.

Präsident Dr. Frhr. b. Erffa:

Ich eröffne die allgemeine Besprechung.

Abg. Hoffmann (Soz.)' ruft: Herr Präsident, hier ist kein Wort zu verstehenl Die Leute sind so unruhig!

Abermaliger gewaltsamer Ausschluß des Äbg. Borchardt.

Präsident Dr. Frhr. d. Erffa:

DaS Haus ist unruhig, weil dieMitgliedermitRecht Ifrritiert sind, weil Abg. Borchardt wieder im Saal? ist. (Zum Abg. Borchardt: Ich fordere Sie nun noch n, als auf, den Saal zu verlass en. Abg. Borchardt bleibt ruhig auf seinem Platz sitzen. Zurufe aus der Mitte des HauseS: Tribünen räumen! Gegenruf des Abg. Hoffmann: Warum beim? ES wollen auch andere die Komödie sehen!)'

Nach einer kurzen Pause wendet sich der Präsident zum wieder erschienenen Polizeileutnant und bemerkt: Zu meinem großen Erstaunen und zu dem deS Hauses, ist der Abg. Borchardt wieder im Saale anwesend. Ich bitte Sie,ihn nochmals zu entfernen,unddenWieder- eintritt zu verhindern.

DerAbg. Borchardt nimmt vom Polizeileutnant nochmals das ausgefüllte Formular entgegen. Tiefer spricht ruhig auf den Abg. Borchardt ein und fordert ihn dreimal auf, den Sitzungssaal zu verlassen. Da der Abg. Borchardt, dem Ersuchen nicht Folge leistet, ruft der Polizeileutnant wiederum Schutzleute herbei, die den Abg. Borchardt aus dem Saal« hinausdrängen. Abg. Hoff­mann ruft höhnisch: Preußen in der Welt voranl Gegenruf recht«: Hoffmann hinterher! Abg. Hoffmann zu dem Zwischenrufer: Aha. Herr Malkewitz, Sie sind auch wieder einmal dal Der rote Hugo!

Präsident Dr. ftrtir. b. Erffa:

Dir fahren in unserer Verhandlung fort. (Inzwischen ergeht sich Abg. Borchardt in der Wandelhalle. Bor den Eingängen zum Sitzungssaal haben Schutzleute Posten gefaßt, um gemäß der An­weisung des Präsidenten den Wiedereintritt des Abg. Borchardt in den Sitzungssaal eben, tuel! gewaltsam zu verhindern.)

Abg. b. Pappenheim (Kons.)'

(zur Geschäftsordnung): das uns vorgelegtc Material zur Frage der Elektrisierung der Berliner Stadt, und Ringbahn erscheint uns ergänzungsbedürftig. Wir wünschen, daß dieser Teil befl Gesetzentwurfes einer besonderen Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen wird.

Abg. Tr. Pachnicke (Pp.):

Mit der Verweisung d ci.3 Teile» an eine besondere Kom- .Mission kann man sehr wohl einverstanden fein. Da» schließt «bet die Verhandlung in erster Lesung nicht au».

Abg.j. PappenhetM (Kons.7?

Es handelt sich ja nur um einen Vorschlag. (Inzwischen hat sich Abg. Borchardt zu Arbeitszimmern der Journalisten be- geben. Auch als et ein solches Arbeitszimmer betritt, ^begleiten ihn der Polizeileutnant und zwei Schutzmänner, um über sein Verbleiben fortgesetzt unterrichtet zu fein.).

Minister b. Breitenbach:

Seit Jahren haben wir betont, daß wir eine L e i st u n g - - steigerung der Berliner Stadt- und Ringbahn für nötig halten. Als wir im Vorjahre neue DersuckMrecken an- forderten, galt cd festzustellen, ob die Elektrisierung der Eisenbahn die erwarteten Vorteile auch wirklich bringe. Bei der Elcktrisie- rung der Stadt- und Ringbahn werden uns finanzielle Vorteile nicht erwachsen. Alle die zahlreichen Einwendungen, die in der Presse gegen die Elektrisierung der Stadtbahn geltend gemacht worden sind, haben sich bei sorgfältiger Nachprüfung als hinfällig erwiesen. Trotzdem ist eine sorgfältige Klärung wünschenswert. Nur unter diesem Gesichtspunkt halte ich es für zweckmäßig, der Anregung dahin zu folgen, daß die Vorlage in einer Kommission eingehend besprochen wird. Ich glaube, eS wäre deshalb zweck­mäßig, die Beratung über die Elektrisierung der Stadtbahn zu­nächst von der Tagesordnung abzusetzen und die Sekundärbahn­vorlage ohne diese Frage zu behandeln.

Tie Abgg. Pappenheim (Kons.), Schmedding (Zentr.), Kreitling (Vp.), W 0 h n a (Freikons.) und M a c c 0 (Nall.) geben in kurzen Erklärungen im Namen ihrer Partei ihr Einverständnis kund, die Frage der Elektrisierung der Stadt- und Ringbahn einer besonderen Kommission zu überweisen.

Abg. Hoffmann (Soz.):

Da wir nicht wissen, ob wir einen Sitz in 6er Kommission haben werden, muß ich hier zu der Frage Stellung nehmen. UnS allen ist eine Broschüre zugegangen, in der die Gefahren der Elektrisierung bei einem Kriege ober einer Revolution in den schrecklichsten Farben geschildert werden. Nun handelt es sich doch hier nur um eine Elektrisierung der Stadtbahn, und deshalb kommt ein Krieg wohl kaum in Frage. Aber selbst wenn der Gedanke an eine Revolution die Gespenster wachruft Gespenster sehen ja immer nur diejenigen, die in Angst und Sorge herumgehcn, selbst bann würde man mi t der Stadt- bahn keine reitenden Schutzleute befördern können. Die Schutzleute zu Fuß aber kommen ja Mick ohne die Stadtbahn überall hin, selbst in dieses Hau» hinein, wie wir eben gesehen haben.

Im Verlaufe der weiteren Beratung nimmt Abg. Hofs, mann (Soz.) bai Wort zur Geschäftsordnung:

Abg. Hoffmann (Soz.)

'(zur Geschäftsordnung): Ich möchte fragen, 06 die Schließung der Mitteltüren auf Anordnung des Präsidenten v. Erffa geschehen ist? Hat der Präsident denn Angst, daß die paar Abgeordneten noch weglaufen?

DrzessrasiLeirt Dr. Krause:

Eine Kritik an den Maßnahmen des Präsidenten kann ich m'cht dulden.

Nachdem die offenen Saaltüren sämtlich bon Schutzmanns- posten beseht sind, hat die polizeiliche Begleitung des Abg. Borchardt aufgehört. Abg. Borchardt bewegt sich ohne Begleitung von Polizei in den Nebenräumen, im Lesesaal, den Wandelgängen usw. In einer Portierloge des Hauses ist aber eine Polizeiwache einge­richtet worden.

Abg. Hoffmann (Soz.)'?

Ist die Schließung vielleicht erfolgt, weil die Schutzleute nicht zur Bewachung aller Türen ausreichen? Eigentlich soll doch der > Leutnant mit zehn Mann erscheinen. f(Heiterkeit.)j

Vizepräsident Dr. Krause:

Ich kann eine solche Erörterung nicht zu lasier

ö*o bis 6<5 V.

810 bis 916 V.

3.

2is 91

Post mit Zug 45 von

11 w v. bis 1280 N.

4.

5i» b«B 610 9L

jtanliurt l*o N.

6 SU Posten d. Schnellzüge von Frankfurt u. Kassel 6" 9L

An» Statt und Land.

Gießen, 10. Mai 1912.

Postbeförderurrgö»Gelegeuheiten in Gießen nach dem Sommer-Fahrplan 1912 zusammengestellt.

Folgende Züge werden zur Beförderung von Sendungen be- benutzt und es bedeuten: Beförderung von Sendungen jeder Art, Q Beförderung von Briefsendungen jeder Art und Beutel­stücken, Beförderung von gewöhnlichen und Einschreibbriefen, + Beförderung von Paketen, Beförderung von Briefen in ge­schlossenen Beuteln, * Beorderung von Sendungen jeder Art in geschlossenen Wagenabteilungen, ( an Sonn- und Feiertagen nur Eilbriefe und gewöhnliche Pakete, () Benutzung nur an Werk­tagen. Tie mit O, Q und bezeichneten Züge führen Postwagen Briefkasten.

a) Richtung nach Frankfurt: 2*7#, 4690, 6130, 64,, 8ioO, 10 <, 10«+, 128 (), 12i2(e, 217(#, 315(), 5*, 5630, 6<»+, 7-0», 8«», 914».

b) Richtung nach Kassel:

12£Q, 11»+, l^ie, 40.G, 71S», 818G, 1016», 1210», 189® Z12O .i-'+, 506», 807», 1011Q, 1147 0.

c) Richtung nach Köln:

4»0.-, 6*7», 817», 1289 (»), 323(»), ei»», IOK-.

d) Richtung nach Koblenz:

469», gis», 8io», 12"», Z18(), 604(j, 666..., gib»

e) Richtung nach Fulda:

687», 8", 1218», 2" (), 386(), 5»» (), 9»o».

f) Richtung nach Gell, Hausen: 5"», 8i«(), 1284 (»), 216 (), 601», (804...),

g) Richtung Gießen Lollar Grünberg: 689», 2°7(»).

h) Richtung nach R 0 dheim (Bieber):

469(*), 780» (nur Sonntags), 12i5(e), 6R>(0).

i) Landposten:

1. Gießen Wieseck Alten-Buseck:

6i6», 880(Q), 380(»), 6v(0) (Sonn- und Feiertags Botenpost).

2. Gießen Steinberg Grüningen:

8"(») sLonn- und Fe,erlags Echaffnerposl mit Zug 5f» 93.].

3. Gießen-Lützellinden:

680(»), 3io(»), [Sonn- und Feiertags Bolenpost].

Beim Postamt 1 treten die Schlußzeilen im allgemeinen ein: für gewöhnliche Briefsendungen 1020 Almuten, für Euifchreib- briefe 2530 Bim., für Wertbriefe und Pakete 30-60 Sim. vor Abgang der Züge.

Die Stadtbriefkasten werden geleert:

Werktags zwischen 6*o und 6*6 <ß 31° und 918 D., IQio und Ilio V., Hao. und 1230 gh 2*6 und 3*0 gr 6" und 6*o 9> 660 und 80. R., 9 und 1030 N.

Sonntags zwlscheiUso u. ^0 93., iqso und 110 B., 7£ und 822 N. Genaueres ergeben öte Leerungstafeln an den Briefkasten.

Tie eingesammelten Briefe gelangen mit der nächsten Beför- derungsgelegenhelt zur Absendung.

Bom Postamt 2 (Schulitraße) gehen werktags Versande nach dem Postamt 1 und dem Bahnhof ab:

916, 1115, 1250, 155, 2*6, 415, 6*3, 555, 655 750 8^6;

an Sonn- und Feiertagen: 9»6, 12*6, 145.

.. *2l,c Schlußzeilen treten ein: für gewöhnliche Briese 6 Minuten,

für Einschreibbriefe 15 Minuten und für Wertbriefe und Pakete 30 bis 40 Min. vor Abgang der Versande.

B r i e f b e st e l l u n g:

Um das Publikum über die rechtzeitige Bestellung der Briefe zu unterrichten, geben wir nachstehend eine Uedersicht, welche Briefe bet den einzelnen Bestellgängen planmäßig abgetragen werden.

. r. n m "etzte Post Letzte Briefkastenleerung 1. Bestellung <« V. Brtespost o. Lich 6»7 V. E"* * -* " u

2. , lO»o D. Briesposl mit Zg. 71

von Frankfurt lu°e B.

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Lancnchachzugen ent Minter haben viel mhr Vorteile und Sade den Politiker ensart und Wohl, zront gänzlich zurüc Tie Folgen habe Idgeordnetenhause i Bgt. Tort hatte ft ;esannnell. Ter not Seform des Wahlreä ührtzung und Eroitt ne als sehr kleine Mi linssuß üben können, daraus, iu^Temonstre bekannte Lauherdent lonservanve Me! entsprechenden Gege 'chen rechts und lüi

Zweifellos hat: knt höchst nnchlige ^rnehmer Lebensart :cn-onbern zu ntil *r. öte rauhen Prak -olltchkeil und tlugt Sporne entwaffne Ne enUarven. ras *Hiofraten im preuk «neifr W»entbet strenge b gut er kann, Deutliche Meinun '!chr «ntariicheu Uns »8 und Wr im "lchl als das

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KreiS ÄlKfelh.

D S t o r u d o r f, 8. Mai. Wie aründkich durch daS Feldberetnigungsverfahren die Aistvlätz« un­serer so nützlichen heimischen Bogel well beseitigt wer­den, dafür bietet wieder einmal die Feldbereinignng in unserer Gemarkung ein entsprechendes Beispiel. Bor kaum vier Jahren wurde die Bereinigung beschlossen, urrd seit y dieser Zeit sind viele Hecken aus unserer Gemeinde ver­schwunden. Die meisten Grundbesitzer gehen von dem Standpunkt aus, möglichst viel urbares Land -u besitzen und mancher gefiederte Sänger wird, wenn er int Frühling wiederkehrt, der Stätte, wo er jahrelang sein Nest baute und seine Jungen großgezogen, enttäuscht den Rücken keh­ren müssen.

Kreis Lauterbach.

O Eichenrod, 9. Mai. Gestern ereignete sich in unserer Gemeinde ein bedauerlicher Unglücksfall. Eine Schar Kinder spielte in der Mhe einer Kalkgrube. Aus Unversehlichkeit rutschte ein junges Bürschchen in die Grube Hinern, die mit frisch gelöschtem Kalk gefüllt war. Die anderen Spielgenossen riefen sogleich benach- , barte Leute herbei, die den verbrühten Knaben aus dem heißen Kalk herauszogen. Der Arzt stellte schwere Brand­wunden fest. Das Kind konnte trotz der schnellen Hilfe nicht mehr gerettet werden.

f He sie n-Nassau.

= Braunfels, 9. Mai. Im Hotel Bellevue hier I findet am nächsten Sonntag ein Militärkonzerl der Ka- J pelle des Infanterie-RegimentsKaiser Wrll-elm" in I Gießen statt. (S. Inserat.)

Märtte.

A Grünberg, 9. Mai. Unseren heutigen Walpenmarkt begünstigte gutes Wetter, bas man nach bem gestrigen, fo lange erwarteten Landregen kaum erhosste. Ter 'JJiarft hatte eine sehr starke Auffahrt an Jungschweinen, wohl über 1000 Stück. Die« mächtige Angebot brudte bie Kauflust; der Handel ging schleppend, bezahlt ivurDe für daS Paar Ferkel im Alter von 6-7 Wochen Alk. 4b öu, von 89 Wochen Mk. 56-60, ältere Mk. 7080. Viele Stück biteben unverkauft.

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»* Bon Der Zago. '4it5 JagenrnfLn u« un5 die Düte, darauf hinzumcisen, daß die Setzzeit der Hafen und Rehe, die Brutzeit von Feldhühnern und Fasanen gekommen ist. Bei dem noch hilflosen Zustande, in dem sich das junge D.ld befindet, ist erhöhter Schutz und besondere Aufmerksamkeit notwendig. Für den Jäger und Naturfreund ist dies selbstverständlich. Bie! aber durch die Gedankenlosigkeit be» großen .Publikums gesün­digt, hauptsächlich durch das Laufculasscn von Hunden aller Art in Wald und Feld. Sie stöbern nia,t nur das Wild in allen Lagern und Schlut"winkeln aus und beunruhigen das Jagdgebiet derart, daß das Wild sich allmählich vollständig in andere Ge­genden verzieht, sondern die noch unbehüslichen Jungen füllen ihnen zum Trier, die brütenden FasäNen und Feldhühner derlernt aur Nemmcrwiederkehr Gelege und Nester, die Brut gebt zu Grunde: Rehkitze und junge Hasen werden tot gebissen, ohne daß der harmlose Spaziergänger und Hundebesitzer etwas^ davon merkt. Kommt dies wie häufig in der Nähe großer Städte öfter vor, dann wird die Jagd vollständig ruiniert. Bei der Höhe der heutigen Jagdpachtpreise und der großen Mühe und hohen Unkosten, die auf die Hegung des Wildes verwandt werden müssen, ist ein der­artiger Zustand für den Jagdpächtcr unerträglich und bringt eine Gemarkung in 5>ägerkreisen in Verruf, der sich bei J>er nächsten Verpachtung auch für die Gemeindeeinnahmen und Steuern un­angenehm bemerkbar machen muß. Aber auch ganz abgesehen von jagdlichen JMeressen sollte jeder anständig Tcnkendc seinen Hund im Revier niemals unangeleint mitiühren. Wer einmal das Entseven und die Angst mit angesehen hat, die zuni Beispiel eine Rehgeis ersaßt, wenn sie ihr üis von einem Hund bedroht sieht, oder wer sich die Qualen der dem Hungerlode preisgegebenen Jungen vorstellt, deren Mutter von einem Hund zerrissen wurde, der wird ohne weiteres zugeben, daß es direkt als eine Roheit zu bezeichnen ist, Hunde im Revier jagen zu lassen. An alle Hundäresitzer richten wir daher die dringende Bitte, ganz besonders in den nächsten Wochen ihre Hunde cni- weder zu Haus« zu lassen oder an der Leine zu führen. Ganz abgesehen davon, daß die Hunde durch das Jagen nach Wild der Zucht eMwachsen ynb das Herumstromern sehr rasch lernen, wird jeder, der seinen Hund außerhalb der erlaubten Verbindungs­wege über 100 Schritte von diesen entfernt frei herumlauseii läßt, ober dessen Hund allein m dec angegebenen Weise frei her­umläuft, nad) Art. 25 des Hessischen Jagdstrasgesetzbuches bestraft. Jagd- und Feldschützen sind zur Anzeige verpflichtet und macken sich selbst strafbar, wenn sie diese unterlassen. In Bayern Tauu jeder derartig frei jagende Hund ohne weiteres vorn 3agbberedp tigten weggeschossen werden; in Preußen besteht in einzelnen Lanbesteilen bie Bestimmung, baß in biejent Falle ber Hunde- besitzer auch bas Schußgelb zu ersetzen hat unb schließlich läßt sich bas Wegschießcn seit Inkrafttreten bes Bürgerlichen Gesetz- buches in ganz Deutschland» als erlaubte SelbsthÜfe rechtfertigen

Lanvlrcio iwcijni.

(?) Allendorf a. b. Lahn, 9. Mai. Das Hassia- Verbanbskriegerfest wirb am 23., 24. unb 25. Juni hier abgehalten, verbunben mit bem 25jährigen Stif­tungsfest unseres Kriegervereins. Tie Festplay- srage, die anfangs einige Schwierigkeiten bereitete, ist jetzt geregelt. Durch bie notwenbig geworbene Verlegung i)t eine bessere Lage bes Platzes erzielt worden. Nach den Vorbereitungen scheint bas Fest schön zu werben; Ein­ladungen sind bereits an 70 Vereine ergangen. Ter hiesige Turnverein hat seinen Turngang auf den Himmelfahrttag nach Bad-Nauheim festgesetzt.

m. Londorf, 10. Mai. Tie Vorarbeiten zu dem an Psingsten stattfindenden Radfahrer-Stiftungs- feste sind soweit fertig. Ter Festausschuß beschäftigt sich jetzt mit den Anlagen auf dem herrlich gelegenen Fest­platzedie Bettwiese" am Bahnhof, der Ausardercung des Festjzuges usw.

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