Ausgabe 
11.1.1912 Erstes Blatt
 
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fung zweier gepanzerter Küstenverterdi- gungsschiffe. Außer den bereits gewilligten 927000 Kronen sind noch 900000 Kronen für Befestigungsanlagen und für die Marinestation Ofoten und 600 000 Kronen für Munition. Tas Flottenpersonal soll erhöht werden.

Tie im neuen Flottenplan vorgesehene Materialstarke umfaßt acht gepanzerte Küstenverteidigungsschifse, sechs Torpedojäger, 40 Torpedoboote, 12 Unterseeboote, vier Kanonenboote oder durch Kanonen armierte Hilfsscbiffe, einen schnellaufenden Minenleger, außerdem bewaffnete Schiffe oder Hilfsschiffe zur Bewachung der Minenlegung und eine Anzahl Minenfischer. Ferner wird erwogen, einen kleineren Typ von Unterseebooten zum Gebrauch an bestimmten Stellen der norwegischen Küste zur Stütze der Befestigungen zu schaffen. Pläne für die Befestigung von Horten und die Modernisierung von Oskarborg befinden sich in Ausarbeitung.___________________

türkisch-italienischen Miegrschaiiplatz.

Konstantinopel, 10. Jan. Nach türkischen Berichten bombardierten zwei italienische Kriegs schiffeam 2 Januar die Festung La hie am Roten Meer. Ein türkischer Scldat wurde getötet, drei türkische Barken zerstört. Am 5. Ja­nuar wurde das Bombardement erfolglos wiederholt. In Scheue an der Asirküste landeten italienische Kriegsschisse eine Abteilung mit vier Geschützen.

Elve deutsche Lieferung an die Türkei.

Den Benzwerken Gaggenau in Mannheim wurde vom türkischen Kriegsministerium soeben ein neuer Auftrag auf drei Lastzüge erteilt, nach deren Ab­lieferung 22 kriegsbrauchbare Benz-«Gaggenau-Lastzüge im Dienste des türkischen Heeres stehen werden. Die erneute Nachbestellung ist wohl der beste Beweis dafür, daß die Benz-iGaggenau--Lastzüae den hohen Anforderungen, die im Felddienst an sie gestellt werden, vermöge ihrer gut durch- gebildeten Konstrnktioil und der hervorragenden Quali­tät der verwendeten Materialien bestens gewachsen sind.

Deutsches Reich.

Zwischen Preußen und Braunschweig wurde von den Lazu bevollmächtigten Kommissaren ein Na cht r ag s ve r tr a g Mm Staatsvcrtrag vom 3. Juli 1905 betreffend die Herstellung einer Eisenbahn von Blankenburg nach Quedlin­burg mit einer Abzweigung nach Thale, abgeschlossen. Danach soll die Bahn in Blankenburg an die Halberstadt-Blankenburger- Eisenbahn, in Quedünourg an die preuistichL Suratsey erwähn angeschlossen werden. r m

DasMemeler Tampfboot" meldet: Ter Bäckergeselle P r u s - seit wurde wegen versucyten Landesverrats vergaltet. Er soll ein Geständnis abgelegt haben, daß er in russischen Diensten gestanden habe.

Aus Statt und Land.

(Steyen, 11. Januar 1912.

**'Tageskalender für Donnerstag, 11. Jan.: Qeffentl. Versammlung aller Beamten und Bediensteten. Redner: Land­tagsabgeordneter Justizrat Grünewald und Oberpostasiulent I e n e k - F-rankfurt. Llbends 9 Uhr imEinhorn".

Oeffentliche Wählerv.riammluug der soziaioenwkcatischen Par­tei. Redner die Reichstagskandioaten Kremser-Wetzlar und Beck­mann-Gießen. Abends. 8Vr Uhr im Kolosseum.

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** In Audienz empfangen wurden gestern vormittag vom Großherzog u. a. Major Großmann, Batalllorrs- kommandeur im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm, (2. Hess.) Nr. 116 und Bürgermeister Dr. Völsing von Alsfeld.

**VomheffischenStaatsschuldbuch. In dem abgelaufenen Teil des Rechnungsjahres, also vom 1. April bis Ende Dezember 1911 haben sich die im hessischen Staats­schuldbuch eingetragenen Forderungen um 8 841200 Mk. vermehrt, wovon 2 773 800 Mk. bar eingezahlt wurden. Tie gesamte Burschuld beträgt heute auf 19u9 Konten 73837 600 Mark, das sind 16,8 Proz. der eintragsfähigen Staats­schuld. Die 1909-Konten verteilen sich auf die Zinssätze wie folgt: 581 = 14105 600 Mk. zu 4 Droz., 845 -- 33991400 Mk. zu 3y2 Proz., 483 = 25 740 600 Mk. zu 3 Proz. Die steigende Inanspruchnahme des Staatsschuld­buches ist in besonderem Maße zu beobachten seit dem In­krafttreten der Aenderungen zum -Schuldbuchgesetz, die neben der Befreiung von den Eintragungsgebühren wesentliche Erleichterungen bei der Lehi.tirna.iion brachten und ferner Bareinzal-lungen zur Begründung einer Schujdbuchforde- mng zulassen. Im letzteren ftaLle können entweder zum Eintrag bestimmte Schuldverschreibungen aller Zinsgattun­gen provisionsfrei angetaüjt werden, oder es erfolgt die direkte Eintragung nach dem jeweiligen Kurswert. Die direkte Eintragung ist zurzeit auf die 4 proz. bis 1918 un­kündbare Anleihe beschränkt. Annahmestellen sowohl für einzutragende Schuldverschreibungen als auch für Gcldcin- zahlungen sind in Darmstadt: das Großb. Staatsschuld- buchburau (Luisenstraße 1), die Staatsschuldenkasse und die Hessische Landes-Hypothekenbank; außerhalb Darmstadts sämtliche Reichsbankanstalten, die Bezirkskassen (mit Aus­nahme der Bezirkskassen Gießen I und Mainz I und II), sowie das Steueramt Gernsheim. Geldeinzahlungen für Schuldbuchzwecke werden auch von der Reichspost auf das Postscheckkonto der Hauptkasse (Nr. 17, J-ranksurt a. M.) 'enigegengenonunen. Der Antrag ist in diesem Falle un­mittelbar an das Staatsschuldbuchbureau oder an eine der oben genannten weiteren Annahmestellen zu richten.

** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Johs. Engel au5 Nieder-Weisel eine Lehrcrslelle an der Gemeindeschule zu Rüddingshausen; der Schul- amtsaspirantin Katharina Gölz aus Hartenrod eine Lehrerin­stelle an der Gemeindeschule zu Hausen (Kr. Offenbach).

** Die Hofbibliother zu Darmstadt, die von Großherzog Ludwig I. im Jahre 1817 der allgemeinen Be­nutzung als öffentliche Bibliothek erschlossen worden und 1836 in die Verwaltung des Staares übergegangen ist, hat, wie man uns schreibt, als Landesbibliothet auch den Beruf, die hessische Landesliteratur in nug.ichster Voll­ständigkeit zu sammeln, wohlgeordnet zur Benutzung bereitzustellen und künftigen Geschlechtern zu überllefern. Sie ist deshalb auch S a m m e l st e l l e für die im Gebiete des Großherzogtums erscheinende Tagesliteratur, die nicht durch den Buchhandel vertrieben wird und ersahrungs- gemäß im Privatbesitz bereits kurze Zeit nach Erscheinen verloren geht. Um dieser Aufgabe in vollem Maße ge­nügen zu können, erbittet sich die Direktion die Unterstützung aller Staats- und Gemeindebehörden, der Vorstände hessi­scher Vereine und Anstalten, sowie aller Privatpersonen uub ersucht, ihr zu der Landesiitera.ur gehörige Druck­schriften, wie z. B. Jahresberichte, Rechenscha^sberichte, Voranschläge, Programme, Satzungen, Festschriften, Mit­gliederverzeichnisse, Privatdrucke, wie Familiengeschichten, Sonderabdruae aus Zeitschriften unD Zeitungen u. dgl. m., wenn möglich in zwei Exemplaren, alsbald nach Erscheinen unter der Adresse:Großh. Hofbibllothek, Darmstadt, Re­sidenzschloß" zu übersenden.

** Zur Reichstags wähl. Wir werden um die Mit­teilung ersucht, daß die Provinzialdirektion nicht in der Lage ist, morgen abend auf telephonische Anfragen Auskunft über das Wahlergebnis zu geben, da durch solche Anfragen, nur die Feststellung des Wahlergebnisses verzögert wird. Auch wir bitten, telephonische Anfragen beim Gießener Anzeigen nach Möglichkeit zu vermeiden, da hierdurch ebenfalls nur Verzögerungen bei der Feststellung des Wahlergebnisses cnt|te6en. _ Tie bei uns einlaufenden Wahlnachrichten werden auf rascheste Wei|e durch Aushang und Sonderausgaben mitgeteilt.

** Der Verwaltungsbericht der Bürger- meisteret unserer Stadt für das Rechnungsmhr 1910 ist erschienen und heute den Stadtverordneten zugestellt worden. Ter Bericht gibt ein erfreuliches Bild gesunder kommunaler Finanzwirtschaft. Tie Betriebsrechnung weist eme Einnahme von 3 424 460 Mk. auf, der an Ausgaben 3 016 3M, Mk. gegen­überstehen, so daß ein Ueberschuß von 40A1^0 Mk verfügbar bleibt, zu dem noch ein Betrag von 50 000 Mk. kommt, der von der Betriebsrechnung für einen noch zu bestimmenden Zweck in die Vermögensrechnung überschrieben wurde. Die Verm.genS- rechnung stellt sich in Einnahme auf 2 18o3d5 Mk. und in Ausgabe auf 1765 707 Mk. Tas städtnche Vermögen betragt im ganzen 26 985 306 Mk., wahren) der Schuldenstand 18^0 /6u Mark betrügt. Es bleibt sonach ein Vermogensüberichutz von 8 610 539 Mk. Tie Verzinsung und die Tilgung un.erer .städti­schen Schuld wird aus den werbenden Kapitalanlagen (städtische Werke usw.) mehr als gedeckt.

** Der Schadenersatzklage der Frau Gelzenleuchter, der von der Straßenbahn ein Arm abgefahren wurde, gegen die Stadt wurde vom Oberlan. esgericht dem Grunde nach Itatt» gegeben. ^Das Landgericht hatte die Klage abgeroieien.

** Zur Veranstaltuna des Automobil- Klubs Gießen und Umgebung, A. D. A.--K., zu­gunsten des hiesigen Säuglingsheims, erhalten wir folgende Zuschrift: Am kommenden Samstag findet im hiesigen Stadttheater ein Wohttätigkeitslonzert statt, für welches noch immer eine ganze Anzahl, namenilich billiger Plätze, unverkauft ist. Wenn man zunächst bedenkt, daß der Automobil--Klub Gießen für seine Veranstaltung namhafte Künstler gewonnen hat, wie Herrn Bayrhammer aus Frank­furt, der in ernsten und heiteren Rezitationen jedermann etwas nach seinem Geschmack bringen wird, wie den aus- den hiesigen Opernvorstellungen genügend bekannten Bari­ton der Tarmstädter Hofoper, Herrn Kammersänger Weber, wie schließlich unseren Landsmann, Herrn $tammerinu)i£er Kümmel, der auf seinem Piston ganz außergewöhnliches leistet und an dem betrefsenoen Abend ats Bravourstück ein Violinsolo blasen will, müßte eigentlich heute schon das Haus ausverkauft sein. Herr Kammersänger Weber wird mit den Arien ausHans Helling" und aus dem Maskenball" den Besuchern einen großen Kunstgenuß be­reiten. Schließlich sollte auch die Aufführung einer Szene ausSamson und Dalila", in der ein Mitbürger unserer Stadt in Begleitung des vom Sängerkranz in entgegen­kommender Weise eingeübten Jsraeliten-Chores die Sam- sonrolle übernommen hat, iyre Anziehungskraft nicht ver­fehlen. Es fei darauf hingewiesen, daß der hiesige Lrchester- verein, der in seiner Besetzung aus 40 aktiven Mitgliedern lediglich die Zuziehung ztveier auswarllger Künstler (eng­lisches Horn uni) Harfe» notwendig gemaust hat, in fleißiger uni) unermüdlicher Arbeit es sich hat angelegen fein laifen, bei seinem ersten öffentlichen Austreten Würdiges zu lei|ten. Herr Kapellmeister Kittel von der Darmstädter Hofoper hat bei den Proben sich recht anerkennend geäußert und sich gewundert, daß eine Stadt wie (Siegen ein Derartig wohlbesetztes Liebhaberorchester be.itzt, worauf man stolz sein könne. Bei einem abwechstmig^eichen^uno interessan­ten Programm werden alle Bevöirerungsklassen auf ihre Rechnung kommen uhd die Veranstalter rechnen geraoe au| den Besuch der breiten Masse unserer Mitbürger. Darum sind doch gerade eine sehr gro^e Anzahl von Plätzen zu billigem Preise zum Venaus gestellt worden. Wenn eme einzelne Perfvnllchtell sar unjer Säuglingsheim, das jetzt wieder dringend einer Unterstützung bedarf, früher einmal auswärts Einkäufe für dasselbe machen wollte, so kann deshalb doch jetzt daraus kein Grund znm Nichtbesuch einer Veranstaltung abgeleitet werden, die in erster Linie einem äußerst sozialen Zwecke dienen soll.

Brau d. In einer Tapez'.ererwerlstatte in der Kaplansgasse entstand gestern nachmittag ein S ch a d e n f e n e r. Tie Feneriochr löschte den Brand ab und wurde ein Um- nchgreifen verhütet. Dec Brand soll durch Ueberheizung eines Ofens entstanden sein.

** Zum Vortrag des Obersten a. D. Spohr er­sucht uns dieser um die Mitteilung, daß er von k e i n e m a n i h n gerichteten Briefe des Herrn Dr. Werner gesprochen habe, son­dern von dessen a.t den Vorstand des hiesigen draturhellv^reins gerichteten Antwort. Ferner habe er nicht gesagt, xr. Werner trete für die Aufrechtechalt'ing der sog. Kurierfreihell ein, lonbcrn er werde Linen auf unuiouia-uiig uer yra*.ULVeu«neii)ubc gecia>- leten Bestrebungen zustimmen".

Landkreis Gießen.

§. Lollar, 10. Jan. In einer der letzten Nächte luurbeii aus der Wirt|chaftsi-alle der Rejtauratiou zur ichönen Aussicht eine größere Anzahl zum Trocknen Mkfge­langte Wäschestücke gestohlen. Der ober bie Täter tonnten bis jetzt nicht ermittelt werden.

X Treis a. d. L., 10. Jan. Der Krieger herein Germania hier hielt dieser Tage in der Wirtschaft von Becker seine Hauptversammlung ab. Der Jahres­bericht des Vorsitzenden wie die Rechnungsablage des Rech- nerS zeugten von einem regen Vereinsleben und guten llasfenvemMnissen. Die weiteren Verhandlungen drehten sich hauptsächlich um die an Kaisers Geburtstag vorzw- nehmende Einweihung einer Kriegergedäckstnistchel in der hiesigen Kirche uno um die Feier von Kaisers Geburtstag selber. Letzterer soll mit ziitchenparooe am Vormittag und mit Konzert uno Ball am Abend begangen weroen.

Kreis Büdingen.

§ Büdingen, lu. Jan. dem Konkursverfahren über das Vermögen bev Vor,rnug- und Kredilliereins Ober-Mockstadt soll minnic^r eine vier.e Abschlags­zahlung erfolgen. Zu berstcisichllgen sind 2 0^2 159.64 Mark niast bevorrechtigte Foroerungen, deren Verzeichnis auf der Gerickstsschreiberei des AmrSgerichts niedergelegt ist. Zur Verrellung verfügbar sind diesmal 160 000 Mt., Die durch den ^oninrsverwalter Rechtsanwalt Sandmann in Hungen ausbezahlt werden sollen.

Kreis Friedberg.

L F r i c b b e r g, 10. Jan. Durch vaS seitherige Regenwetter und das Tau.n des Schnees sind bi: Wiesen der lübltdxn und uullleren Wettcrau überschwemmt. Se-wach, Ufa, Weller und 'JiiDDa stlhrcn viel Wasser mit sich und sind vietsach über ihre User getreten. , . _

F. C. Vilbel, 10. Jan. Gestern abend strahlten die Strafen VilbctS uno cuizetue 4)uurec ui une.H.'.'llCi von reicht", es brannten juni c r U e n M a l die Laterne n aur den Gtraßcn und die Lampen in den Wohimngen das von ijranrfurt a. M. gelieferte G aS. Als die ernen neuen Gaslichter aufstammteii, vertündctcn Böllerschüsfe dieses. Ereignis.

Starkenburg und IN krr in Hessen.

bs. Darmstadt, 10.'Jan. .Heute fand im Rllidenllchloß der zweite Hofball stall, zu dem etwa.400 Einladungen ergangen waren. Anwesend wurm Prinzenm Friedrich Karl von Hessen, Prinz Ehri^ian von Hes en, Fürst und Fürstin zu Solms-Hohensolms-Lich, Graf und Gra in zu 3l?rburg-Buchngen in Meerholi, Prinz und Prinzenln Leopold Jwndurg-Biruc n, Prinz und Prinzessin Alfons Jienburg-Villtein, Prinz und n- zessin Löwenstein, die Füttlin-Muller.zu ^jenburg-Budingen und zwei Prinzesfinnen-Töchler, die Gräfin-Mutter Solms-Laubach, Gräfin Luitgarde Solms-Laubach, der bayeri che Gesandte Gras Moy und Gemahlin, der preußische Gesandte Frechecr v. Jenncv. der österreichische Geschäftsträger Legallonsrat Baron Rubwo- Zichy, der russische Ministerre ident van der Bliet und G:madtm, der großbritannische Geschäftsträger Lord Acton und Gemahlin. >ie Minister Tr. Ewald, Dr. Braun und von Hombergk mit ihren Gemahlinnen, Divisionskommandeur von Plüskmv, ,oww )cr Gouverneur von Mainz, Graf von -schlieffen. Der -nall nahm um 8 Ubr seinen Anfang, um 10-1 Uhr sand das ^ouper tatt Um 1 Uhr schloß der Ball. Tie Ballmmik wurde von der Kapelle der 23 er Dragoner ausgesührt unter der Leitung des Musikmeisters Mittelstadt. Am 11. Januar ,mdet im Neuen Palais ein Tiner statt, wozu die beim Hosball anwe,enden Standesherren Einladungen erhalten haben

rnt. Darmstadt, 11. Jan. (Pttv.-Tel.) Der fluchtige Gerichts schreiben: Gabel mann von Alsfeld, der wegen Unter­schlagung steckbrieflich vrrsolgt wurde, wurde nach einer hier em- gelaufenen Nachricht in Dresden verhaftet.

rb. Worms, 11. Jan. ->m vio^ngacten hat sich heute nacht ein Liebesdrama abgespielt. Die 17jährige Kath. W e b e r ans Darmstadt wurde ton einem Gg. 3t.mann aus Groß-Umstadt erschossen. Jttmann selbst wurde schwer üer- etzt aufgefunden und in das Wormser Krankenhaus gcbrachll

Hessen-Nassau.

-s- Marburg, 10. Jan. Gestern wurden hier zwei rembe Männer wegen Hausfriedensbruchs und Bedrohung verhaftet. Es stellte sich heraus, daß der eine von ihnen wegen KörperverletzungmittödlichemEr- olg steckbrieflich verfolgt wurde.

+ AusdemKreisBiedenkopf, 10. Jan. Durch die aus den Hinterländer Bergen kommenden Wassermassen ist auch die sonst so unscheinbare Pers aus den Ufern getreten und hat die Niederungen überflutet. Zwischen Wolzhausen und Breidenbach drohte der Tamm der Bahn Oberscheld-Wallau einzurutschen, weshalb sofort Arbeiter beordert werden mußten, um der Gefahr entaegenzutreten. In Gladenbach vergiftete sich ein junger Kann, nachdem er vorher, wie erzählt wird, versuch: hatte, seine Mutter ums Leben zu bringen. Der anscheinend Geistesgestorte war aus der Fremde zurückgekehrt.

Die (Einförmigteit in der ländlichen Bauweise.

(Aus der Dürer-Bundes-Korrespondenz.)

Unter den vielerlei Bedenken, die man von andauernd sehr besorgter Seite nicht müde wird, der praktischen Heimatschutz- arbell entgegenzubriugen, spielt neuerdings auch dieEinstrmig- keit" eine große Rolle. ES besteht so ist die Meinung die Gefahr, daß die im Sinne und unter der Verantworllich- keit des Heimatschutzes ausgesühtten, in der Hauptsache länd­lichen Bauten einförmig, eintönig, über einen Seilten geschlagen, nad) einem Schema F gebildet werden. Grund: Well allenthallen, wo Heimatschutz praktisch getrieben wird, wo Bauberatungsi.ellen eingerichtet sind, Baugesuchc umgearbeitet werden, immer nur einige wenige und immer dieselben Namen am Werke sind und somit dem ganzen Landschafts- oder Ortsbild ihren cimcitigcii Geschmack als Stempel aufdrücken. Weiter: Well diese wenigen tatsächlichen Arbeiter des Hcimatschutzes überbürdet zu fein pst egen, die Arbeit zumeist ehrenamtlich nebenher erledigen und so gar nicht anders können, als zu einem einmal ausprobierten Schema F zu kommen und dieses immer und immer wieder zu empfehlen und durchzusetzen.

Beweis für die Berechtigung dieser Besorgnisse: In d«l Arbeitsgebieten des HeimatsckMtzes macht sich dessen Tätigkell schon ganz llar erkennbar, das aufmerksame Auge findet bic von ihm beeinflußten Bauten unschwer heraus, sie gleichen ein­ander alle, haben alle einen gemeinsamen Zug von Nüchtern­heit und was weiß ich sonst, und sallen damit aus dem ab» wechslungsreichen Bilde der übrigen zeitgenössischen Bauten her­aus.

So oder ähnlich sagt man.

Nun soll man nicht unbesehen alles gut und schön finden, was aus einer an sich guten und gesunden Bewegung heroor- geht. Auch der Heimatschutzgedanke kann und wird da und hort in die unrechten Hände geraten, da und dort Unheil anrichten und unerfreulick/e Zerrbilder des Gewollten hervorbringen. Aber solche Ausnahmen sind von jenen Bedenklichen nicht gemeint, denn ihre Bedenken sind grundsätzlicher Art. dürfen daher auch unter Hintansetzung unerfreulicher Einzelfälle grundsätzlich besprochen und widerlegt werden.

Was ist der erste und kräftigste Eindruck, den wir von einem unberührten charaktervollen Dorsbild erhalten? Die Einheitlich­keit der äußeren Form, der Farben, der Baustoffe, sogar der Lage. Der Laie, der zum Beispiel ein niedersächsisches Dorf mit seinen hohen Strohdachgiebeln und nieberen Fachwerkwänden betritt, wird kaum ein greifbares Unterscheidungsmerkmal zwilchen den einzelnen Bauten herausfinden, und ebenso wird es ihm gehen, wenn er ein in Schstesergrau gehülltes Mosel|tädtä>en oder ein buntes hessisches Fachwerkdorf sieht. Der kunstverstän' Inge Begleiter wird ihn auf die seinen Unterschiede aufmerkiam machen müssen, die Haus von Haus unterscheiden, auf die Ver­schiedenartigkeit der Türbildung, aus die Mannigfaltigkell des Schnitzwerks, des Giebelschmucks und dergleichen. Tann aber, wenn die Wanderer in die Bahnhofstraße und das dort ent - stehende neue Viertel kommen, dann wird's allerdings anders. Dann sieht auch der blindeste Laie, daß da handgreifliche Unter schiede vorhanden sind! Zum Beispiel die aus ro^en und dunkel glasierten Backsteinen gefügte gotische deutsche NelchSpost und der stattliche ledergelbe Bahiihos mit Holzzementdach und aus­gesägten Holzornamenten, und die ganze Schar der durch solche benachbarte Vorbilder zu individueller Eigenatt aufgestachelten Maurermeisterbauten! , ..... ,,

Aber wie denn? Waren es nicht eben diese uidividuellcn, ach so abwechslungsreick)en Gebilde, die seinerzeit dem Heimat- schutz das Scpwert m die Hano odicuen ? u»u> waren es nicht anderseits die schonen, einheillichen Dörfer und Landltadtchen, auf die als leuchtendes Ziel, als verlorenes, aber wiederzuerstte- dendes Paradies lärllilicher und lleinlürgerlicher Baukunst mit gezücktem Zeigefinger hingewiesen wurde? .

Und nun nähern wir uns diesem hochgesteckten Ziel ui zehn­jähriger ehrlicher Arbeit, auf Um- und Irrwegen vielleicht, aber doch so sehr, daß die Werke des Heimatichutzes bereits als ein- heilliche, schlichte und fachliche Bauten sich dem vorhandenen guten alten Bestände bescheiden und ohne Anspruch auf Äleichbcwcrtung einstigen, sich von dem wildeii Ungeschmack der Maurermeister- ardjiteftur wohltuend abheben da soll es wieder nicht recht |cin.

Vergessen wir doch nicht ganz die Ausgabe, die bem Heunit- schutz gesetzt ist! Soll er denn die hohe Laulunst auf dem Lrnoc einsühren? Gewiß nicht! Weil nämllch noch niemals die hohe Baukunst im Dorfe ihren Sitz aufgeschlagen, noch nie bei der Aus bÜbung typischer bodenständiger Bauimne das entschechenoc Wort gesprocoen hat. Sondern well einzig und allein das Bauhandwerk, erwachsen auf dem Nährboden eines uncerworbenen iniimttiocn Sdiönb llsgefüh.s und gestarrt durch gescylechteralte Ueoeclleserung, unsere köstlich, n allen Dörfer und Stadtchm mit ihren cmiurmifltii Bautypen geschaffen hat . v. . n

Gin fotaice auhai'ck)werk wieder aut die Bei ne zu stelle.' und ihm den Weg zu neuen ^authpen als sinngemäßer Eniwicklmig der aiten Typen zu zeigen (nich; ihm diese Typen fertig zu hcicrnj, das scheiill doch wohl die Aufgabe des Heimatichutzes zu icin.