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Anzeiger Gießen.
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Donnerstag, U- Januar fyf2
152. Jahrgang
Erstes Blatt
Vezuasvrels: moitatlich75Ps^ viertel« jährlich Alk. 2.20; d»irch Jlbbolc- il Zweiq'iellen monallidi 6ö Bi.; durch die Post Atk.2.—viertel- jäbrL misidiL Beilellg. Zettenpreis: lokal 15BÜ ausivurlo 20 Pfennig. (5 beiredaktenr: A Goetz. Bcrantivortlich für den politischen Teil: August (Loeq; für ,(\eiiille* ton', .Vermischtes" und „(Mcxiditefaal*: K. 9teu« ratb; für .Stabt und Land": C.Heß: für den Anzeigenteil: H. Beck.
General-Anzeiger für Oberheßen
Botations6rud und Verlag 6et vrühl'Ichcn Univ.-Such- und Steinbruderei B. fange. Bcbaftion, Srpeöition und Oruderei: Schulftratze 7. Bübingen: Zerusprechcr Nr. 269 Seschästsstelle Bahnhosftratze 16a.
Die heutige Nummer umfafjt 12 Seiten.
Lin Uabinettrwechsel in zranlreich.
Das Kabinett Caillaux ist in Frankreich nicht sonderlich beliebt. Was Wunder darum, daß man ilM, sogar aus dem für Frankreich äußerst vorteilhaften Abtommcu mit Deutschland tiber Marokko, einen Strick au drehen versucht. Zwar ist dieses Abkommen kurz vor den Weih- nachtsserien von der Kammer angenommen wordeu, aber nicht, weil man der Empfehlung durch das Ministerium, als dessen Vertreter der Minister des Auswärtigen, Marquis des Selves, eine völlig unzulängliche Rede hielt, vertraute, sondern erstens, weil der Abgeordnete Millcraud die Vorteile des Abkommens in das rechte Licht zu setzen wußte, und zweitens, weil man willens war, für die Ma- rokkovcrhandlungen mit Spanien eine gewisse Unterlage zu schaffen. So ging das Abkommen verfassungsgemäß an den Senat und wurde hier einem Ausschuß zur Berichterstattung überwiesen, dessen Zusammensetzung aus früheren Ministerpräsidenten, Mi cistern des Auswärtigen und Botschaftern schon an sich eine große Gefahr für Caillaux und sein Ministerium b.deutete, weil eben alle diese Leute, wie das in Frankreich üblich ist, gerne mal wieder eine Abwechslung haben möchten, um sieg an Stelle der jetzigen Portefeuilleträger zu setzen.
Es ist richtig: über den wirklichen Gang der deutschfranzösischen Marotkoverhandlungen schwebt noch immer ein geheimnisvolles Dunrel, trotzdem die Besprechung der französischen Kammer, das, was Herr v. Kiderlen-Wäch- ter im deutschen Reichstage sagte, zum Teil ergänzt, zum Teil auch richtig gestellt hat. Es scheint jetzt festzuüehen, daß die in Betracht kommenden Faitoren, also Monis uiiu Caillaux, die Minister des Auswärtigen, Cruppi uno Marquis de Selves, zeitweise ebensowenig miteinander in Verbindung standen, wie der Berliner Botschafter Jules (Sam« bon mit ihnen. Deshalb verlangt der Senatsausichuß die Vorlage der Aktenstücke, aber nicht so sehr in dem Bestreben, über die dunklen Punkte der Marotkoafsäre orientiert zu sein, als vielmehr, um die Schuld an den in Frankreich so demütigend empfundenen Kongoablretungen dem Ministerium Caillaux in die Schuhe zu schieben und sich dem Lande als seine Nachfolger zu empfehlen.
Der französische Ministerrat hatte beschlossen, dem Senatsausschuß über die nichtoffiziellen Pourparlers nur einen kurzen Bericht zu unterbreiten, und Nttrrquis de Selves, der allein auch hier auf der Vorlage der Aktenstücke bestand, hätte sich diesem Beschluß fugen und die Solidarität des Ministeriums aufrecht erhacten müssen. Statt dessen gab er gestern im Senatsausschuß auf die für das Kabinett sehr gefährliche Frage des alten Mi- nisterstürzers Clemeneeau, ob der französische Botschafter in Berlin über alle Verhandlungen und Pourparlers zwischen Berlin und Paris dauernd auf dem Laufenden gehalten worden sei, eine Antwort, die das Kabinett Caillaux utid vor allem den Ministerpräsidenten selbst in höchstem Maße schädigen mußte. Denn Caillaux hatte soeben sein Ehrenwort daraus verpfändet, daß er niemals wider Wissen deS Ministeriums des Auswärtigen Verhandlungen über das Projett einer Kamerun-Kongddahn, für daS sich ein deutsch-französisches Konsortium gebildet hatte, gepflogen hätte. Marquis des Selves aber wich der Frage Ele- meneeaus dadura) ans, daß er sagte: „I ch fühle mich z w i s ch e n z w e i P f l i ch t e n, z w i s ch e ii d e r P f l i ch t, die Wahrheit zu sagen, und zwischen der Pflicht, die miitifteric 11e Solidarität zu wahre n", und verließ nach dieser Antwort den Saal.
Daß §err Caillaux dem Marquis de Selves darauf seinen Rücktritt nahelegte, ist nicht zu verwundern. An
seine Stelle wird nun der bisherige Marineminister T el- c a s s 4 treten, der trotz aller Jnsubordinations- und Pulverskandale in seinem Ressort heute der populärste Mann Frankreichs ist, weil man in ihm den llrheoer der Entente mit England, die sich bei den Marolkoverhand- lungen so bewährt hat, sowie der ganzen Marokkopoli.ik Frankreichs überhaupt zu sehen hat. Auch umgibt ihn, der 1905 das Ministerium des Auswärtigen ans Verlangen Deutschlands räumen mußte, sollte es darüber nicht jum Kriege kommen, der Nimbus des Märtyrers, an dem man jetzt, wo Frankreich die Früchte seiner Marokkopolitik erntet, vieles wieder gcktmachen will. Und wenn das französische Volk jetzt in ihm den Heros der Revanche fielst, wer will es ihm verdenten, nachdem Theophils Tck- easfs erst wieder im September v. I. in Toulon einige herausfordernde Reden gehalten hat?
Aber Herr Deleafso ist ein viel zu kluger Mann, als oaß wir nun wegen 7 Jin er Ernennung zum Minister des Auswärtigen einen Krieg mit Frankreich, England und Rußland zu gewärtigen hatten. Er weiß zur Genüge, daß bei der Staue des deutschen Heeres Frankreich auch im Falle einer Niederlage Drut.ch.ands auf See die Kosten zu tragen hatte, und hat außerdem Gelegenheit genug, durch engere Ausgestaltung der Enten e mit England, sowie durch allerlei Eist.ane bei der Kongogrenzregu.ierung Deutschland Verlegenheiten zu berst en, an denen das französische Volk seine Freude hat.
Herr Caillaux hat jedenfalls mit der Ernennung Del- eassös das Beste getan, was er zur Festigung seines Kabinetts tun konnte. Trotzdem mußte das Kabinett Caillaux als gefährdet gelten. Vor altem haste sich der Ministerpräsident selbst von dem Verdacht, sein Ehrenwort falsch abgegeben zu haben, reinigen müssen. Das mußte an- ge,icyts der Ent.-uilungen, mtt denen heute die Prc,se über uie Kongo-Kämeruit-Va.lU-Verhandutngen auswartet, recht schwer sein. Die maßgebenden Politic^r yramreiujy hatttn eben die ausgeiprochenr Ab, ich t, Herrn Caillaux zu stürzen. Sie haben diese AlMft, wie eine letzte Meldung beriajtct, auch 'durchgesetzt. " Wer Caillaux' Nachfolger fein wird? Wahrscheinstch ClSmeneeau, der nicht um der schönen Augen anderer Männer willen die Lunte an das marofla» nische Pulverfaß gelegt hat, um das Kabinest Caillaux in die Lust zu sprengen.
Wir erhielten folgende Meldungen:
Der Minister des Aenßern, de Selbes, richtete an den Präsidenten der Republik Falliöres folgendes Schreib en:
Ruch dem peinlichen Zwischenfall, der die hcn- tige Sitzung des SenatsausschuiseS gekennzeichnet hat, habe ich die Ehre, ^hnen meinen Abschied als Minister des Aeußern zu überreichen. Ich fönn.e tatsächlich nicht länger die Vcrarnwockung sür eine solche Polickk übernehmen, dec bi.* E.nhe.t Der Austastung und die Einheit der solidarischen Tätigkeit fehlen. Von Dem Wunsche getestet, die schmier.aen B.rhanotunge.t zu einem guten Ende zu führen und deren Genehmigung durch das Parlament sicherzuftcllen, glaubte ich, mein Amt beha.ten zu socken, aber die zweifache Sorge, an der Wahrheit keinen Verrat zu üben und doch nicht gegen die Korrektheit zu verstoßen, die meine Stellung mir ausertegr, gestattet mir nicht, dem Kabinest weiter anzugehoreu. Ich werte mich immer des Wohlwollens erinnern, mit dem Sie mich in heiklen und für mich unvergeßlichen Verhältnissen beehrten.
Paris, 10. Jan. Ministerpräsident Caillaux und die übrigen Minister beabsichtigten, die Krise auf den Austritt des Ministers de selves zu beschränken. Caillaux bat Telcasss dringend, das Ministerium deS Aeußern zu übernehmen, Telcasse machte zahlreiche Einwände und erklärte, seine Aufgabe in der Marine sei noch
lange nicht vollendet. Auch scheine es ihm, daß er unter den gegenwärtigen Umständen für das Ministerium des Aeußern nicht besonders geeignet sei, jedock lehnte er nicht endgültig ab.
Drleasfö Minister deS Auswärtigen.
Paris, 10. Jan. Delcasss hat daS Ministerium des Aeußern angenommen.
Die Abstimmung über das deutsch-französische Abkommen wird wahrschck. lich im Saufe der nächsten oder ubernä.t st.m Mock* erfolgen. ~.e 'Ablehnung Poincar^s bestimmte TelcaNö, das Ministerium zu übernehmen. Er machte die Annahme aber ab hängig von der Bedingung, daß ein Mar.neminister ernannt werde, der entschlossen sei, das begonnene Werk sortzufetzen. zte einzige Schwierigkeit liegt also noch in der E 'nmnung drs neuen M a r i n e m i n i st e r s. Da der Name des Admirals Verminet einige Bedenken hervorrief, lenkte dec Name t l l e ra n d ge.;eu- wär.ia die Aufmerksamkeit der Regierung am sich, st er Minister rat wird heute Nachmittag die Frage der Ernennung des Manne- ministers endgül.ig entscheiden, ieener sich über die .Haltung der Regierung vor der Kammer schlüssig werden, wo morgen wahrscheinlich der gestrige Zwischenfall zur Sprache kommt.
Paris, 10. Jan. st as getarnte Kabinett hat seinen Abschied gegeben. Nach d.m Ministerrat wurde folgende Note verösfentt'icht: Angesichts der Schwierigkeiten, welche Eaickaux bei der Besetzung des Marinemini st eriums begegnete, und im Hinblick auf die Notwendigkeit, für dieses Portefeuille ungesäumt einen Inhaber zu ernennen, ist Herr Caillaux der Ansicht, daß er nicht länger die Verantwortung für die Negierung tragen könne.
In par.amen:arisu-en Kreisen verlautet, daß D e l e a s s 6 unter der Einwirulng seiner engeren politischen Freunde im letzten Augen- vckck von neuen B. ducken wegen Üb ernahme des Portefeuilles des Aeußern erhoben habe. .
Um 9 tthr abends begab sich Caillaux ins Elvste, um die Ent- schxrdang bc.» ioackioux wird
dem Präsidenten morgen das Demcs । ious ich reiben des Kaoinelts überreichen, sc dann wird er seine Mitarbei.er um sich versammeln, ihnen ebenfalls den Rücktritt des .Kabinetts anzeigen und ihn kurz begründen.
Paris, 10. Jan. Tie gemäßigten republikanischen Deputierten Charles Benoist unb Eseudier hoben bereits Anfragen über die Vorfälle in der gestrigen Sitzung des Senatsausschusses aiujehinbigt. Der eine will an die Regierung eine Anfrage richten über die Rüekwirkungen des Ministerrücktritts, auf, ine äußere Politik, insbesondere bezüglich dec sranzösisch spanisck-en Verträge von 1902 und 1904. Eseudier will über bie Ur- sachen des Miiiisterwechscks^iittervcklckreit.^
Horro.gens Rüstung zur See.
Der norwegische Staatsrat beschäftigte sich mit dem Fittan zgesetz für das Steuerjahr 1912/13. Im Extraordinarium stnd 6i/i Millionen Kronen für Eisenbayn- bauten vorgesehen. Ferner wird vorgeschlagen, aus dem Kassabestand 8 Millionen für außerordentliche Zwecke zu bewilligen, davon 6 Millionen für den Bau von K r ie gs- schiffen und eine Million als Beitrag für eine neue norwegische Dampferlinie n a ch Amerika. Das Fiuanzjahr 1910/11 ergab einen Reinüberschuß von 6y8 Millionen Kronen. Im weiteren Verlauf der Sitzung beschloß der Staatsrat, eine Regierungsvorlage eiinubringen, ui welcher der Storthing ausgesordert wird, folgende Be-^ schlüsse zu fassen: Erstens: Die Verteidigung zur See wird hauptsächlich als mobiles Glied der Küsten und Schärenverleioigung geplant, wie dies im wesentlichen von der norwegischen Vertcidiguttgslonimission vorgesehen ist und mit dem Ziel, das Flottenmaterial möglichst bald auf die von dem Verteidigungsausschuß im Jahre 1910 vor- gcschlagene Stärke zu bringen, zweitens für außerge-> wöhnliche Verteidigungsmaßnahmen sind zu bewilligen 1 5 Millionen Kronen für die A n f ch a f -
Aunst, Wissenschaft nnd Leben.
kf Entdeckung von Wandmalereien in der alten Kirche von Pellworm. In der alten Kirche auf Pellworm sind einige alte Malereien zum Vorschein gcbnimcn, bic teils wegen ihrer künstlerischen, teils, wegen iyrcr augemcincu geidüa,tiid,'cn Bcd-urung beachtenswert sind. Unter den bei uns erhaltenen friesischen Bauwerten ist die Pellwormer Kirche das vornehnistc: ihre Lurmrmne ist weit und breit sichtbar, auch in ihren örtlichen Testen itt die Kirche ftark bauraliig. Prosenor ALoritz Haupt berichtet nun in der „Kunftcyronit", da« bei lürzlid) in vorgenommenen Bauarbeiten b..e alte Bemalung des Ehorbogens und der ihn soeben umgebenden steile der Wand zutage getreten ist, ist einige Zeit nach der ertten Erbauung oer Kirche, aver noch in der roinanischen Periode ausgesühct. Die Kettung des Bogens und bic Ränder sind auf anmuttgC und lebhafte Weise mit ttrnamentcn überzogen, das in ttemen runven Fe.dern aud) Figürliches (uuiiiertc Tiece) einschlA,t. Ein breiter Fries umgibt den Bogen. Darüber, unter der stecke her,^ ziehr sich ein Lireifen mit nebeneinanvecgesteckten Szenen der Schöpfungsgeschichte bis zur Austreckung aus dem Paradiese. Ein anderer Streif wird durch den Ehorbogcn unterbrochen; er enthält eine Anzahl Rundbogen; in jedem scheint eine Engclsgesialt gervesen zu sein. Von dem, was weiter niueii an Malereien vorhanocn gewesen, ist kaum eine Spur erhalten. Gering und aud) die paar bis jetzt im Ehor gefundenen Reste; hier fcheint in der Apsis Chrstrus fcargciicllt gewesen zu lein, umgeben von Symbolen der Evangecksten. Alles iit in vetrickcnDem ytaitt zerstört, und eine Wievcrhcrsteckung wäre von größter Schwierig- icit unb i|t auch wohl überhaupt mir teilweise möglich, steshato ist sogleich die Ausnahme der Reste bewirte worben. Es ift jebod) nad) Kräften danach zu streben, sie nidjt unicrgehen zu lassen, iw die Arbeit von namhaften stosslid)om und grolzem, dekorativem Wert ist.
— Das Museum der Stadt London, dessen Plan erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit gefaßt wurde, i|t jetzt bereits so weit gefördert, daß mau das neue Museum in den Kensington Garbens schon mu Beginn des roinmenoen Früh,ahrs erösjneu wirb. Die Sammlungen, Die sich zum gcößien steile aus freiwilligen Sckckungen reicher Londoner Sammler zusamm n- setzen, sind bereits so gut wie völlig geordnet und rnnsaffen
sck)on mehr als 40 000 Ausstellungsgegenstände. In diesen Tagen ist für das Mufeum noch eine prächtige Sammlung alter Sckber- arbeiten gestiftet worden, Erzeugnisfe Londoner Goldfd)mieeekunst von der Regierungszeit Karl II. bis zu den Tagen der Königin Viktoria. In dem neuen Museum wird aud) das kürzlich in der Themse aufgefundene altrömische Boot Ausstellung sinden. Besonders rcichhalcig ist die große Porzellansammlung und die Töpfereien, die bis in die älteite Zeit englischer Geschichte zurück- greisen. Aud) eine große Sammlung historischer Kostüme aus der Lueas-Lummlung in dem Museum gestiftet worden, dabei eine große Reihe gestickicr alter Geldbörsen und faltbarer Spitzen und Stickereien aus der Zeit der Stuarts. Tie Königin hat der Verwaltung leihweise eine Anzahl Reliquien aus dem königlichen Hause zur Verfügung geftellt, darunter die ersten kleinen Schuhe, die König Eduard als Bavy getragen hat.
(CD Ein Institut Pasteur in China. Aus Paris wird berichtet: Der bekannte französische Arzt Tr. Brog u et, der sich während der im Vorjahre in der Mandschurei herrichen- den Pestepidemie im fernen Osten um die Bekämpfung der Pech sehr verdient gemacht hat, sieht seinen Plan, der in China Die Errichtung eines Institut Pasteur eritrcbt, nun unmittelbar vor der Vollendung. Ter französische Gesandte in Ehina de Margeric hac dem jungen Forscher die ersorderliche bakteriologische Aiis- rüstung überwiesen und die chineiische Regierung hat bereite vor mehreren Monaten dem ftanzösiswen Arzte in Tientsin die nöligen Räumlichkeiten zur Einrichtung des Laboratoriums zur Versügung gestellt. Tr. Broquet weilt gegenwärtig in Paris, um noch die nötigen Instrumente und Apparate für die bakteriologischen Untcriuajuitgen zu erwerben. Inzwischen steht das einit- weüen provisorische Laboratorium von Dicntsin unter der Obhut einer Anzahl von europäischen Gelehrten ausgebildeter chinesischer Aerzte.
— Tie Bakterien der menschlichen Haut. Vor kurzem wurden in Professor pteissers Breslauer Kiiuik von einem Japaner, Herrn Dr. Hittda, expwimentetle Unter,uchungcn über den Batterienreichtum der Haut bei gesunden und franicu Menschen angestellt. Das Zick ver Versuche war, wie wir der „Hctt- amtalt" entnehmen, Re ^estircklung. Wie wcke Die ungeheuer gcoye Baiterienjlvra der menschlichen Daut durch physikaliiche und chemische Prozesse becinslußt werden tonne. 91 aa) H.taoas Unter- judjung der vckickenhaut gesunder Menschen ergaben |ia> als Durch-
schnittsbatteriengehack für 1 L.uabraLiciüimeicr »aut 152U Steinte. Tie Gejichtshcnit erwies sich im Tuichschnttt als bedeutend batte- rienreicher. Zwischen dem Datteriengehalt gesunder Haulpartien »autlramer und der Gesunder ließ sich ein Unterschied nicht feststecken. Die Haut der Männer ist durchschnittlich balterieureicher als bie ter Frauen; indessen ist Die Haut von Kindern bis zum 14. Lebensjahre int Verhältnis zu dec Haut Erwachsener relativ balterienann. Nach dem 14. Kcbensjahr bedingt das Lebensalter feine Unterschiede. Magere Menschen und solche mit talgarmer, rauher Haut weisen eine erhebliche größere Keimzahl auf als fette Menschen und solche mit glatter und talgreicher Haut. Die Sdjweißscfretion spickt bei dec Wirkung am Den Bakteriengehalt der »aut eine bedeutend geringere Rolle. Angehörige verschiedener Berusst.assen zeigen feine Durchgreisenben Untencliicuc in der Größe des Batteriengehaltes ihrer »aut. Gewöhnliche Ncknigungsbäder beicirtcn nicht eine Verminderung, sonder eher eine Vermehrung Des Batteriengehaltes, facks nicht nach Dem Bade eine Abgießung mit reinem Waiser ersolgt. Beiondcrs macht sich diese Zunahme der Hautbaf.erienslora bet Leuten geltend. Die zu mehreren hintereinander in einer nur flüchtig gesäuberten unb wieder gefüllten Wanne baden. Bei Bestraluuitg mit Röntgenstrahlen zeigte der Baktcriengehalt der »aut eine unwesentliche Abnahme. Quarz- lampenbestrahrnngen dagegen ccrntincern bic »autftora um oas Zehnsache. Unter Salbenverbändcn mit Vaselin ober Lanolin ersolgt in 24 Stunden eine enorme Vermehrung der '-Batterien. Auch unter einem Verbände mit Zinlpaste findet ein, wenn auch geringeres, iermehrtes Wachstum statt. L.arl war die keimtötende Wirkung von essigsaurer Tonerde und Spiritusdunst- verbänden.
* Das lebende Denkmal. Eine wohlbekannte Ktu.st- lerin einer Kondouer Varielsouhne bat dieser Tage den originellen (pedanten verivirckicht, in einem östentUchen Park Der etnöt als Statue zu figurieren. In enlsprechenDet A.nsle und eiuspreelieiiDcin Stoiiüni wu.leie |ie versteckt nut Den giinsltgen Angenolttt, Der ihr geiiatiele, tuibeineilt em Pteoeiial zu beueigen, um als Hebe zu polieren. Tie Porübernebenden iviinöerten sich wohl über bns aeukutal, Das ibren Blicken bisher entgangen war, nahmen Die Sache aber, ohne |ich weiter den Mopi zu zetbrechen, zur Scemttnts, unb Die lebendige Staute baue Die Genugtutmg, Dau ße wirklich tue das geyalien wurde, was |ie Dav|iellte.


