Ausgabe 
10.4.1912 Erstes Blatt
 
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beabsichtigt.

KreiS Schotten.

Stürme und Schnee.

Ein (tarier Wettersturz ist in den letzten Tagen in fast ganz Europa euigetreten und vielfach ist die Baumblüte, die zu so großen Hosiuungen berechtigte, sehr stark in Mitleidenschaft ge­zogen worden. In Gießen schneite es gestern mehrfach recht tüchtig und in der Nacht sank das Thermometer auf + 1,7°. Aus dem Hoherodskops sank die Temperatur gar auf 7 Grad Kalte, und der Schnee ist 5 Zentimeter hoch gefallen. Auch im Taunus, in der Rheinebene, im Hunsrück usw. ist ein empfindlicher Äälto- rückfall eingelvuen, der fast in ganz Europa von heftigen Stürmen begleitet ist.

L i e Stürme der lenten Tage richteten in den Wal­dungen des Riesen- und Jsargebirges großen Schaden an. Biele Zehntausende Festmeter Hochwald sind niedergebrochen. W'.e aus Göllesberg gemeldet wird, haben die furchtbaren, zuweilen orkanartigen stürme im ganzen Waldenburger Berglande un­geheuren Schaden oecuriacht. Am Samstag und Sonntag

(ßericbttfaaL

♦♦ Strafkammer. Von den Rechtsanwälten Justizrat Grünewald uuo 'Sa>neiuc r luuo uhj geichcieoen: Zn der Privatklagesache Sp. gegen Weidenmann bitten wir den Gerichts­bericht in Nr. 82 dahin zu berichtigen, daß es sich in der Ver­handlung kelneswegs herauSgestellt hat, daß das WortBlausäure" nur infolge eines Druckfehlers in den Artikel des Klägers gelangt i|t. XleyUrer i)a. OiCy auerci..^ uci>auLput, aber femerlei Beweis für seine Behauptung erbracht. Tas Urteil hat die Frage oben gelassen, ob ein Truafehler vorliegt oder nicht.

O Laubach, 9. April. Der Vorsteher deS hiesigen Knaben-Alumnats, Dr. Burkarts, verlaßt nach zwei- jähriger Tätigkeit tue Anstalt, um sich m Bonn der akademischen Lausvahn zu widmen. An seine Stelle wurde ReligionSlehrer Mittel auS Hannover berufen. Im Gasthaus ,zum LchügenhosE sand heute nachmittag die Wahl deS Ausschuß- Hauptmannes statt. Als solcher ging Metzgeimetster H. Hügy aus der Wahl hervor.

der Anschuldigungen oes Aog. il e o c t, die er gegen einen großen Teil der hessischen Lehrerschaft in der 2. Kammer vorgebracht hat, zurückgewiesen und den Abgeordneten, die für die Lehrerschaft eingetreten sind, Tank entgegengebracht wurde. Tie Entscheidung der Regierung in der Sache Waldbauernbub-Offenbach wurde hutgeheißen, da öie enogüitiae Entscheidung über die Arn und Abschaffung von Büchern für die Schülerbibliotheken m den Händen des Schulvorstandes bleibt. Bei der Borstandswah». wird der Obmann Huff-Darmstadt wiedergewählt. Als stellv. Obmann wurde für den freiwillig zurückgetretenen Hauptlehrer Kahlick-Tarmstadt Landtagsabgeordneter Bach-Mainz cinftim»; mig durch Zuruf gewählt. Zu Schriftführern wurden Lutz und Loos-Darmstadt, zu Beisitzern Moll-Selzer, Joest- Offenbach, Wagner- Großen-Buseck, Lang- Beerfelden, L i n ck - Rudingsham und K o a>-^riedverg bestimmt. Zur Gründung einer Lehrerkrankenkasse wurde ein Ausschuß gewählt. Zum Schluß wurde über die Stellungnahme des Vereins zu der Regierungs - Besoldungsvorlage verhandelt. Land­tagsabgeordneter Bach und Obmann Huss suchten nachzuweisen, daß die Vorlage in keiner Weise den Hoffnungen der Lehrerschaft entspreche und den berechtigten Forderungen eines feit Jahren zurückgesetzten ganzen Standes durchaus nicht Rechnung trage. , Von einer Gleichstellung der Bolksschullehrer mit den mittleren

Beamten sei in der neuen Vorlage nichts zu merken, und der Unter­schied in der Bezahlung der beiden Gruppen werde noch erheblich vergrößert. Nach mehrstündiger Aussprache, an der auch Land- tagsabgeordneter Köret t - K^nigsluvien fiu) beteiligte, wurde ein­stimmig eine Entschließung angenommen, wonach von der Regie­rung zunächst eine Gehaltserhöhung von 15 Pro-, (gleich der der Beamten einschl. Dienstwohnung) verlangt, die teilweise Abwalzung der Kosten auf die Gemeinden entschieden verurteilt und grundsätzlich die gleiche Bezahlung mit den mittleren Beamten gefordert werden soll, ^e Regelung der Witwen- und Waisenversorgung nach

I Art der übrigen »taaiebcamien wiro Danu-ar begrüßt.

Hessen-Nassau.

Q Cappel, 9. April. In Anwesenheit von etwa 200 Ver- I tretern tagte heute hier im Restaurant Carle unter dem Vorsitze des Kreisbrandmeisters Heuser aus Marburg der 14. Ber- I treter tag des Kreisfeuerwehr-Verbandes Mar- Iburg. Dem Verbände gehören jetzt von 90 im Kreise vorhandenen I Feuerwehren 87 an. Die Hessische Brandkasse hat im letzten Jahre zu vier Wasserleitungen und zwei Spritzen Beiträge geleistet. Tas I Normalkuppelstück ist jetzt bei sämtlichen Kreisieuerwehren zur I Einführung gelangt. Als Ort des nächsten Vertretertags wurde I G o ß f e l d e n bestimmt. ______________ _______

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Daß sich die Gebrüder Ebender in der hiesigen Gegend aufhalten, wurde der Polizei von einem in Fulda in Unter­suchungshaft befindlichen Genossen der Ebender verraten. Danach hat sich der eine Ebender geäußert, daß er die Osterfeiertage in Mudersbach verbringen wolle. Die Gendarmerie erhielt Auftrag, ihn dort festzunehmen. Da die Ebender inzwischen am vergangenen Mittwoch in Salzböden gesehen wurden der eine soll Frauenkleider getragen haben verfolgte der mit der Leitung der Nach- lorschungen beauftragte Gendarmerie-Wachtmeister von Wißmar die beiden und war immer etwa eine Stunde hinter ihnen her. Wenn man dem Rate dieses Beamten gefolgt wäre und hätte mit der Durchsuchung des ver­dächtigen Hauses in Mudersbach bis zu den Feiertagen gewartet, so wäre die ganze Bande wohl der Sicherhetts- vehbrde aus einmal in die Hände gefallen. Statt dessen wurde auf Anordnung eines Wetzlarer Beamten schon am letzten Mittwoch die Durchsuchung vorgenommen. Man fand auch etwa 20 Zigeuner, darunter einen wegen Pferdedieb- stahls Verfolgten, aber die Ebender waren zufällig gerade nicht da.

Kreis Friedberg.

L. Ba?k-Nauheim, 8. April. Zurzeit befinden sich hier über 900 Kurfremde, wozu noch die Insassen des Konitzty- stilles und die Militärgäste aus dem Militärkurhauie kommen.

' = Bad-Nauheim, 9. April. Johannes T h et 8 aus Elpenrod wurde zum Oberaufseher und Verwalter tm Kurhaus von Bad-Nauheim ernannt. , . .

= Steinfurth, 9. April. In diesen Wochen sand in unserer schön renovierten Kirche die Aufstellung der neuen Orgel statt, die die Firma Förster und Nikolaus in Lid) geliefert hat. Da ein Artikel, der unterselbstspielende Orgel durch verschiedene Blätter die Runde machte, mancherorts Auf­merksamkeit erregt hat, so sei über Art und Zweck die,er Vor­richtung einiges gesagt. Von ersten Fachleuten der rllrAn- musik gutgeheißen und empfohlen, wurde sie, zumal fie styon in einigen Gemeinden Hessens Eingang gefunden hat, unter ver­hältnismäßig geringen Kosten in das Orgelwerk eingebaut und läßt auch den Unkundigen ahnen, welche Fortschritte die Technik deS Orgelbaues in letzter Zeit gemacht hat. Freilich mutz man der vielleicht von mancher Seite gehegten Auffassung entgegen» treten, als solle und könne sie den Organisten auf Die Dauer Überflüssig machen. Wer die Einrichtung kennt, weiß, datz es nicht so ist, daß nun gleich jeder spielen kann, sondern daß die ; Handhabung doch schon ziemlich Aufmerksamkeit und Verständnis erfordert. Aber dann ist auch freilich der Organist instand gelebt, völlig die Führung des Spiels zu behalten, es durch einfache Hebelgriffe schneller oder langsamer gehen zu lafien und ihm unter Benutzung der automatischen Umschaltungen durch einfaches Drücken auf einen Knopf jede Stärke und Klangfarbe zu geben. Tie Vorrichtung kann unter Umständen dem Organisten die technischen Schwierigkeiten abnehmen, kann seine Leistungsiähig- keit in einer Weise steigern, daß er jederzeit imstande ist, ohne besondere Vorbereitung bei einem Festgottesdienst als Präludium eine Fuge von Bach usw. zu spielen. Tann aber ist durch die Vor­richtung der Fall vorgesehen, daß die Ausbildung der Organisten in unserem Hesfenlande nicht mehr in der alten sorgsältigen Weste geschieht wie bisher. Kommt doch schon heute auf den Semi­naren die Leistung in Musik für die Gesamtnote nicht mehr in Betracht. Ta kann es dann zuweilen als angenehm empfunden werden, wenn bei einer etwaigen Verhinderung des Organisten eine Vertretung sich schon leichter ermöglichen läßt, wenn es sich selbstverständlich immer nur um eine Aushilfe handeln kann. Freilich die Registrierung, d. h. wie oben gesagt, dem Spiel die rechte Stärke und Klangfarbe zu geben, das Spiel dem Gc- meinbegefang anzupassen, mit anderen Worten,,dem mechanstcheii I Spiele Seele zu geben und es lebensvoll zu. gestalten, wird dabei I immer die vornehme Ausgabe des Organisten bleiben.

Starkenburg unb Rhein liessen.

(rm) Darmstadt, 9. April. Drei Darmstädter Touristen, darunter ein russischer Student, sowie zwei Angestellte sind am ersten Osterseiertag von dem Falken- schrofsen bei Achern im Schwarzwald abgestürzt. Die drei Touristen sind der Diplom-Jnaenieur Karl Osse, der Bauführer Ferd. Schütz und der Kaufmann Karl Mittler. Die beiden Erstgenannten, die nur leicht ver­letzt sind, sind bereits hierher zurückgelehrt. Ter 20-jährige aus Augsburg gebürtige Mittler nmrde schwer ver­letzt in das Offenburger Krankenhaus gebracht und dort operiert. Die Operation ist glücklich verlaufen und es be­steht Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten.

m. Mainz, 9. April. Heute sand im ©tabtgarten die iVertreterversammlung des Hessischen Landes- Lehrervereins statt. Im Anschluß an den Tätigkeitsbericht I des Vereins fand eine Entschließung einstimmige Annahme, in

im unklaren. w .

Mudersbach ist überhaupt ein Hauptstutzpunkt der Bande, die anscheinend in enger Verbindung mit einer dort wohnen­den Korbflechter-Familie steht, die nicht besonders beleu­mundet ist. Die Bettelzüge der wandernden Gesellen gehen in der Regel so vor sich, daß ein Paar sich einem Dors nähert. Wenn die Luft rein ist, geht die Frau in das Dors und bittet in den Häusern hauptsächlich um Lebensmittel. Der Mann bleibt in der Nähe im Wald und wartet auf den Ausgang der Bettelsahrt. Das geschieht offenbar, um sich .noch zurückziehen zu tonnen, wenn die Bettelnde aus irgend einem Grunde festgehalten wird. Auf diese Gewohnheit baute sich der Plan aus, der zur Verhaftung des zweiten .Mitgliedes der Zigeunerbande und der dazu gehörigen Frau führte. Die in dem Bezirk stehenden Gendarmen nehmen es mit der Verfolgung 0er Zigeunerbande sehr ernst einer soll in vier Tagen etwa 200 Kim. Patrouillengänge gemacht haben und der an einige Bewohner von R o d e n- haus en von einem der Gendarmen gegebenen Anweisung ist die gestrige Verhaftung zu verdanken. Das etwa 24JahrealteZigeunerweib kam nach Rodenhausen, um zu betteln. Es wurde von einem Ortseinwohner fest- gehalten und ins Spritzenhaus gesteckt. Den im Wald har­renden Mann lockten einige beherzte Männer durch die Ein­ladung zu einem Imbiß in das Dors, wo er alsbald ebenfalls sestgehalten wurde. Man benachrichtigte alsbald den Gen­darmeriewachtmeister in Wißmar, der gleich hierheriam, die ersten Vernehmungen vornahm und die beiden Verhafteten nach Gladenbach ins Amtsgerichtsgesängnis brachte. Der Mann gibt an, Hermann Weiß zu heißen und am 19. Ott. 1894 zu Deckenbach im Kreise Alsfeld geboren zu sein. Er gibt zu, mit den Gebrüdern Ebender bekannt zu sein, doch will er ihren Aufenthalt nicht kennen und leugnet entschie­den, mit dem jüngsten derBrüderEbenderidentisch zu sein, wie auf Grund der Personalbeschreibung im Steck- > orief gegen die Ebender angenommen wird. Hermann heißt auch der jüngste Ebender und nach seinem Steckbrief hat er sich auch früher schon Weiß genannt. Das verhaftete Mäd­chen nennt sich einmal die Frau und einmal die Braut des sog. Weiß. Einmal sagte sie auch auf Befragen, daß sie den Kerl überhaupt nicht kenne. Man vermutet in ihr eine gewisse Karoline Mettlach, deren Großellern in Darm­stadt wohnen. Wenigstens hat die Polizei Kenntnis von einer Karte bekommen, die an einen gewissen Mettlach nach Darmstadt adressiert war. Tarin wird im Zigeuneridiom erzählt, daß es ihnen gut gehe und sie keine Angst hätten, von den Gendarmen erwischt zu werden. Auch wird um die Ucbersendung von Auswcispapieren gebeten. Unterschrieben war diese Karte mitMutzli", worunter man den Zi­geunernamen der Verhafteten vermutet. Die Antwort war Postlagernd Bottenhorn" erbeten.

Verschiedentlich fand man im Walde Feuer st eilen. Bei einer, die offenbar vor dem zur Verhaftung des Paares führenden Bettelgang nach Rodenhausen b-nutz, worden ist, sand man noch einen Kochtopf mit Speck, Lassen usw. Etwa 100 Schritte davon ist eine zweite Feuerstelle gefunden wor­den und man ist der Ansicht, daß hier einer der alleren Brüder Ebender gerastet tyat. Es entspricht ganz der Ge­pflogenheit der geiährlichcn Bande, niemals im g.schwsscnen Trupp auszutreten, aber stets einander so nahe zu bleiben, daß gegenseitige Unterstützung möglich ist.

Hoffentlich gelingt es, bald auch noch die beiden auf freiem Fuß befindlichen Ebender von denen der eine aus Usenborn und der zweite aus Mick)elnau ist, während man von dem Dritten überhaupt nicht weiß, wann und wo er

Au» Statt mit Land.

Gießen, 10. April 1912.

II. Kurs mit Kongreß für Familien- - sorschung, VererbungS- und RegenerationS- lehre. Tie Zahl der Anmeldungen ist bis Montag abend auf fast 150 gestiegen. Der EmpsangSabend am Montag war sehr stark besucht und verlief sehr angeregt. Am Dienstag und Mittwoch hielten die Herren Dr. Ke tu le von Stra- donitz, Sommer, Tanne mann und Berliner Vor- träge aus dem Gebiet der Genealogie und der Lehre von der angeborenen Anlage m den verschiedenen praktisch wichtigen Gebieten, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden. Die Ausstellung m der Klimt ist nicht nur für Fachleute, sondern auch für die weitere Oefsentlichkeit inter­essant, da sie die verschiedenen Teile deS Programms er- läutert und praktische Familienforschung bringt. Mit Rück-1 I sicht auf daS große Entgegenkommen, daS der Kongreß bei | der Universität und bei der Stadt Gießen gefunden hat, hat daö vorbereitende Komitee beschlosien, den Preis für I Eintritt intl. Katalog während der Zeit von Donnerstag bis SamStag von 9 bis 1 Uhr und */,3 bis 6 Uhr auf I 50 Pfennig festzusetzen und den Besuch der Ausstellung am! Sonntag von 9 bis 1 Uhr für jedermann frei zu machen. Sonntag um 10 Uhr findet eine Führung der Stadiverord- iieten in der Ausstellung durch Profesior Dr. Sommer statt. Wir weisen besonders als für das weitere Publikum inter­essant auf die künstlerischen Ahnentafelteppiche von A. von! dem Velden (betr. Bismarck, MolUe, Roon, Zeppelin, Goethe, Schiller und andere) hm. Die formelle Eröffnung des sich anschließenden Kongresses etsolgt am Donnerstag um I ll*/4 Uhr in dec UniüeqiUit.

* Die 2 7. Hauptversammlung des Hessischen Oberlehrervereins tagt bicr nächsten Freitag und Samstag. Am Freitag fmben mehrere oa^libungen im Realgymnasium Itatt. Daran sa-tietzt sich die BencyUguug der Unwersttätsvibliothek mit Handschriftensammlung. Adenos ist Begrützungsfeier in Steins Garten. SamStag vormittag ist ein Besuch im Museum beab­sichtigt. Tie öftenlliche Haupwersammlung linbet in SteinS Garten Halt. Dabei hält Geh. Schulrat Dr. yenfeil-Gießen einen I Vortrag üoerDie freiere Geftaltung des Unterrichts in den höheren Klassen".

* Betrüger. Der zu Wiesbaden geborene Kauf­mann Ernst Scyanß hat in letzter Zett unter der Vor- spiegelung, große Plantagen in Brasilien zu be,itzen, junge Leute als Angestellte zu werben gesucht und 2000 Mark Kaution von jedem Bewerber verlangt. Da er sich in Untersuchungshast bejindet, weroen alte, die mit uim in Verbindung getreten sind, gut tun, sich bei der Polizei zu melden.

Landkreis Gietzea.

Staufenberg, U. Apru. uui Veteranenappell , für die Orte der hessischen unb preußischen Umgebung Lollars unb Gießens ist sllr ben 20. April bei GafUvirt Zecher hier

geboren ist sestzuneymeu, baniit bei der jetzt vielfach in Angst lebenden Bevölkerung in den hessischen Wäldern wie­der Beruhigung eintritt.

Ueber die Verhaftung des Zigeunerpaares wird uns von einem

Augenzeugen

noch geschrieben:

Tie Bauern griffen die Zigeunerin um i3S Uhr auf imb itierrten lie ins Spritzenbaus, um dann bte Festnahme

Die Antunst der Kaiserin in vad-Nauyeim. 1

== Bad-Nauheim, 10. April.

Vor Ankunft des kaiserlichen Hofzuges fanden sich auf bem Bahnsteig als Vertreter der Bade- und Kurverwaltung Baurat Es er und Kurdirektor v. Franken berg ein, ferner Bürgermeister Dr. Kayser, Kreisrat (Sd)txe^)- hake von Friedberg, Regierungsrat Pustan von der Eisen­bahndirektion Frankfurt und Hausmarschall Freiherr von Lynker Punkt 8,10 Uhr lief der kaiserliche vofzug ein. Die Kaiserin entstieg elastischen Schrittes und gmg, ge­folgt uon der Hofdame Gräfin Keller und Oberhofmeister Kammerherr Freiherr v. Mirbach, fteundlich grüßend nach dem auf dem Bahnsteig errichteten Fürstenzell. Hier stellte Freiherr v. Lynker die zum Empfang erschrenenen Herren der Kaiserin vor, die mit jedem einige Worte sprach. Ein kaiserliches Automobil brachte die Kaiserin und ibr Gefolge nach dem Sanatorium Groedel. Vor dem Bahnhof und in den zum Haufe Groedel führenden Straßen hatten sich von hier und außerhalb taufende von Menschen emgefun- den, die die Kaiserin mit lebhaften Hurrarufen begrüßten.

Aus den Spuren der Sigeunerbanöe Ldender.

-- Wißmar, 9. April.

Wenn nicht alle Spuren trügen, halten sich die Ge- brüder Ebender, denen der Boden in der Gegend von Schlitz und Fulda durch die wochenlange Verfolgung offenbar zu heiß geworden ist, in den 9 r " ß e n Wa ld e r n nordwestlich von Gießen, zwischen Krofdorf und Gladenbach auf. Seit Wochen treibt sich dort eine Anzahl | sahrender Gesellen herum, die zumeist mit Frauen paarweise die im großen ganzen recht dünn bevölkerte Gegend ab­streifen und fich ihren Lebensunterhalt zumeist mit Betteln, daneben aber auch durch Diebstähle, verdienen. Em Haupt- stützpunkt der Bande ist B o t t e n h o r n, wohin sie ihre Briefe usw. postlagernd kommen läßt. Aus seinen Fahrten vermeidet das fahrende Volk es sorgfältig, Gendarmeri^ und Telephonstationen zu berühren. Wird schon hierdurch die Verfolgung sehr erschwert, so ist dies noch mehr dadurch der Fall, daß die Ortseinwohner aus Furcht vor der Rache des Gesindels, bei dem die Schußwaffen sehr leicht los­gehen, sehr zurückhaltend in den Angaben über das Tun und Treioen der braunen Gesellen sind und den Behörden entweder gar keine oder nur sehr verspätete Mitteilungen über die Bettelfahrten der einzelnen Bandenmitglieder ma­chen. Immerhin liegen Angaben aus Mudersbach, Salz­böden, der Schmelz, Rodenhauscn u. a. Orten vor, die sest- 'stellen ließen, daß es sich im ganzen um vier Manner und lebensoviele Frauen handelt. Man vermutet auf Grund der vorliegenden dürftigen Personalbeschreibung^, daß es sich um die drei Brüder Ebender und einen Helfershel,er han­delt. Letzteren hat man offenbar am vergangenen Mittwoch in Mudersbach verhaftet. Er sitzt in Ehringshausen in Untersuchungshaft, über seine Personalien ist man noch

im Wirtshaus durch einen Osrerfrühschoppen zu begehen. | Hier stellte sich bald ein kräftiger Zigeunerburfche ein, der tu dem Umtrunk eingeladen wurde. Man trank dem braunen Gesellen tapfer zu und hoffte ihn voll zu machen, um ihn dann leicht überwältigen zu können. Von der Zigeunerin im Spritzenhaus wurde fein Wort gesprochen, dagegen er- zählte der fremde Gast, daß noch mehr seiner Stammes- genossen im Walde lagern. Nach Stunden des trinkens wurde jedoch der Zigeuner unruhig und erklärte, er musie erst sein Mädchen aufsuchen, das ins Dorf gegangen fei. | Die ^echgenossen beruhigten den Mann um so leichter, als mehrere von ihnen erklärten, sie hätten eine Zigeunerin in ein Haus gehen sehen, worin sie noch weile, und sie seien bereit, ihn dahin zu führen. In Begleitung von vier Hand- festen Bauern gings nun an das Spritzenhaus; sie öffneten dessen kleinere Pforte, man gab ihm einen kräftigen Stoß, so daß er kopfüber in das Gewahrsam hinein flog, dessen Türe man schnell verschloß und zwei Mann zur Sicherheit hinstellte. Nun erst, nachdem man beide Vogel sicher im ! Käsig hatte, wurde an die Gendarmen der Nachbarschaft über den Fang berichtet und diese zur Uebergabe der Ge­fangenen herbeigerufen. Mtt großem Gefolge wurde das Zigeunerpaar von den Beamten in das Amtsgerichtsgesang- nis nach Gladenbach gebracht. In Gladenbach stellte man fest, welch wichtigen Fang die Bauern aemacht hatten. Von Wißmar aus, von wo ebenfalls der Gendarmerieposten zu Hilfe gerufen war, hatte der Beamte telephonisch vom Bahn­hof Meßen eine Autodroschke requiriert; mtt dieser kam er allerdings in R. zu spät an, denn die Koll-egen hatten die Zigeuner schon abgehvlt. Die Autofahrt wurde nach Gladen­bach fortgesetzt. Das Gesährt fuhr wieder zurück nach R. wo der Wald nach den übrigen Zigeunern abgesucht wurde. Man fand zwar in einem Schlupfwinkel des Forstes die Reste eines eiligst verlassenen Lagers, aber trotzdem man mittels des Autos nach allen Richtungen die Dörfer der Umgegend mobil machte, und die Wälder abfuchte, waren die Zigeuner verschwunden.