Zweiter Blatt
162. Jahrgang
Nr- 284
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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sollte, berühren die »panische Zone nur bei vorheriger Zustimmnna Spaniens. Streitigkeiten, die über die Anwendung des Vek»
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Die „Siebener §<nnilienblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Krtis Sichen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Marktstrasse 9 MauebW3
Montag, 2. Dezember (912
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersilälS - Buch- und Sleindruckerei.
R. Lange, Gießen.
(ßerid?tsfaaL
Gin Streit zwischen Bischof und Pfarrer.
~ Straßburg, 30. Nov.
Nach mehrtägiger Verhandlung ist vor der hiesigen Strafkammer ein Streitfall zur Erledigung gelangt, der längere Zeit hindurch die politisch und religiös interessierten Kreise des Reichslandes in Spannung gehalten hat. Es handelte sich um den
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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:^«S112. Tel.-AdruAnzetgerGießen.
der Nähe der Stadt Phönix, westlich von Tontobecken auf einem Berggipfel der Mazatazalberge, eine in Trümmern liegende Stadt, deren genauere Untersuchung den Beweis dafür liefern soll, daß in vorgeschichtlichen Zeiten hier ein Volk von hoher Shiltur gelebt Hal. Nach dem Berichte des „Standard", dessen weitere Bestätigung abzuwarten ist, da es sich um eine amerikanische Meldung handelt, sind die Gebäude der Stadt nach den Angaben des Entdeckers aus Sandstein aufgeführt und stehen architektonisch auf hoh-r Stufe Sie sind von einer Sand- und Erdschicht von drei Metern verschüttet, die die Wirkung des Windes angehäuft hat. Zn einem der Gebäude null Lafave Baumwollballen (?) aufgefunden haben. Zn dieser Gegerrd ist nie Baumwolle gebaut worden, und daraus zieht Lasave den Schluß, daß Arizona ehemals ein ganz anderes Klima gehabt haben muß. In einem künstlich angelegten Schacht will der Ingenieur eine besonders wichtige Entdeckung gemacht haben. Er hat nämlich Wandmalereien und Tonwaren gcrunben. Die Wandmalereien sind religiöser Natur und deuten darauf hin, daß die unbekannten Bewohner dieser Gegend von Arizona eine Form der Sonnenanbetung pflegtell. Tie Tonwaren stehen nach Lafaves Angaben in künstlerischer .Hinsicht auf gleicher höhe mir dec Baukunst und der Malerei, deren Spuren er entdeckt zu lraben behauptet.
— Lebende Fische in Eis. Tie Fische können sich, da sie zu den wechselwarmen Tieren gehören und die Temperatur ihrer Umgebung annehmen, im Eis lange Zeit lebendig erholten. Sie geraten bei größter Ställe in einen Starrezustand, in dem schließlich alle Lebensfunktionen stille stehen, ohne daß doch das Leben erlischt. Tas lassen schon die während einiger Wintermonate bis auf den Grund gefrorenen großen Flüsse Sibiriens erkennen, in denen die Fische ruhig weiterleben. Wissenschaftlich beobachtet wurde diese Tatsache in neuesten Untersuchungen, über die die Umschau nach der Fischernzeitung berichtet. Ter bekannte Genfer Physiker Pietet setzte Süßwasserfische in Wasser, das er zunächst 24 Stunden lang bei 0 Grad hielt und dann gefrieren ließ, bis es mit den Fischen einen festen Block bildete. Ließ man den Block ein bis zwei Monate später schmelzen, so schwammen die Fische ebenso munter umher wie früher-. Für den Transport hat man diese Tatsache in Frankreich nußbar gemacht. Man umgibt die Fische mit einer einige Zentimeter dicken Scheibe Eis und versendet sie so. Wird dann dieser Eisumschlag langsam aufgetaut und erhält man die Fische mehrere Sturrden bei annähernd 0 Grad im Wasser, so erwachen sie wieder zum Leben- aber auch trenn einige tot sind, hat man sie dock aus diese Weise im allerbesten Konservierungszustande bewahrt.
in der spanischen wie in der französischen Zone bestehen, aber di- Berwaltung wird Veränderungen erleiden können, die der terri torialen Organisation jeder Zone angepaßt sind. Die beide- Regierungen behalten sich das Recht vor, das Tabaksmonopol ir. ihrer Zone zurückzukausen. Der Zolltarif kann nur im ge meinsamen Einvernehmen abgeändert werden. Tic Vertragsbestimmungen über Schutzgenossen usw. sollen nur im Ein vernehmen mit den anderen Mächten abgeändert werden fönnen. Frankreich und Spanien können in ihren -Zonen Gerichts organisationen entsprechend ihren eigenen schaffen, denen auch die Franzosen in der spanischen-Zone und die Spanier in der französischen Zone unterworfen sind. Tic beiden Mächte werden sich gegenseitig in der Unterdrückung des'-Waftenschmuggels unter stützen. Verträge, die der Sultan etwa in Zukunst abschließen
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mit dialektischer Grazie fand ein begeistertes Publikum, das den' Werk einen starken Erfolg bereitete.
— Z u in zehnjährigen Todestage Hieronymus Lorms. Am 3. Tezember 1902 starb Hieronymus Lorm, der mit seinem bürgerlichen Namen Landesmann hieß. Seine sympathische Tichterpersönlichkeit, die in zahlreichen Werken zutage trat, hat nach seinem Tode viel mehr Freunde als vu seinen Lebzeiten geinnben — nnb -war druck seine Briefe. Er hat einmal Byrons bekanntes Wort mit Bitt erteil variiert, als er sich mit seinem Schäften nicht durchsetzen lonmc, er erwache jeden Morgen und sinde sich nicht berühmt. Aber er bescheidel sich, die Welt in seinen Freunden zu sehen, mögen auch seine Schriften so einsam und ungesuchl blechen mic er selbst. Eine solche Zndioidualität war prädestiniert zum Künstler des Briefes. Nicht nur des Briefeschreibers, sondern auch des Briefeempfangens, denn, wie er selbst einmal schön ausführt, auch das was man ans einem Korrespondenten heraus!ockr, gehört einem zu. Briese mit denen zu wechseln, die ihm nahesvehen, ist ihm „innere Notwendigkeit", sie sollen immer „Abdruck des Augenblicks sein, in dem sie geschrieben wurden". Oskar Blurnertthal, einer seiner treuesten jüngeren Freunde, sagt von ihm, er war „einer der wenigen, die den Brief zu einem stimmungsvoll abgerundeten Kunstwerk ausgestaltet haben", und Mario Ebner apostrophiert ihn als „Meister des epistolarisck'en Stils". Mann kann laum einen bezeichnen deren Ausdruck finden. Wer je das Glück batte, Briefe von der Land unserer guten österreichischen Dichterin zu erhalten, mirb Lorm das ganze Entzücken nachfühlen, mit dem er diese „Glocken töne des Gemütes" grusle, die ihm ihre „eigenste Persönlichkeit so lebenbig" ab'piegelten, daß sie ihm „fast den ^Genuß eines unmittelbaren menschlichen Verkehrs gewähren". Seine Briefe, ohne nir die Oeffentlickkeit zugerichtet zu sein, sind viel mehr Episteln: formell vollendet, abgerundet, „schön", mag er selbst auch den Ausdruck perhorreszieren. Sie wurden gelegentlich fast zu Essais, zu Tentübimgen. Lorm, der das schwere Schicksal hatte, sein Gehör und z. T. auch das Sehvernrögen zu verlieren, ist ein schynes Beisviel dafür, wie der^Geist und das Glück, ein Schäftender zu fein, die schwersten Schicksale überwindet. Hat er sich do chselber einmal den Dichter des grundlosen Optimismus genannt! Es ist eine Ehrenpflicht, an seinem Gedenktage die Erinnerung an diesen österreichischen Dichter' zu beleben!
ks. Eine vorgeschichtliche Stadt in Arizona Spuren einer mehr als 7000 Zähre zurückliegenden Kultur will der amerikanische Zngenieur Lafave, der nebenbei Archäologe ist, in Arizona entdeckt haben. Nach seinen Angaben ftndet sich in
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Eberhessen
28ms ßeiien.
Der Zweiten Kammer
linb als Drucksachen zugegangen: Bericht des Ersten Ausschüsse s über die Regierungsvorlage betreffend Summarische Uebersicht über bie Einnahmen und Ausgaben der Großh. Landeskredit rasse in den Finänzperioben 19 08 und 1909. Ter Ausschuß beantragt, die Verwaltung der Landeskreditlasse in der Finanzperiode 1909 für gerechtfertigt zu erklären und deren Ergebnisse mit einem am 1. April 1910 vorhandenen Aktivbestände von 12 883 813.07 Mk. gegenüber einem Passivsiande von 12 7*1.10 Mk., demnach mit einem lieber- schusse der Aktiven über die Passiven von. 118 987.97 Mk. als richtig anerkennen. Ferner liegt der Bericht des Ersten Ausschusses über die Vorstellung des Stationsassistenten i. P. Balthasar Schmidt in Darmstadt wegen Aufbesserung seiner Pension vor. Hier beantragt der Ausschuß, die Vorstellung für erledigt zu erklären. Auch bie Borstel- .'ung des Balmhofsverwalters i. P. C. Kell er zu Worms -eantragt der Ausschuß für erledigt zu erklären. Zu dem Antrag Diehl, betreffeno Weingesetz, beantragt der Ausschuß: Die Kammer wolle beschließen, die Regierung ;u ersuchen, im Bundesrate zu beantragen: Die Reichs
egierung möge bei einer Neuordnung der Handels verfüge solche Bestimmungen treffen, die den einheimischen Weinbau und Weinhanbet vor einer Schädigung durch Ucberschwemmung mit ausländischen Weinen schützen und durch die eventuell Maßregeln im Sinne des Antrages Diehl durchgeführt werden könnten. Endlich ist die Regierungsvorlage, betreffend einen Gesetzentwurf, die Vereinigung der Landgemeinde Kostheim mit der Stad- Mainz, als Drucksache erschienen, über die aber bereits der Zweite Ausschuß schon verhandelt und der Kammer zur Annahme empfohlen hat.
Kunft Wivicnfcbcnt und Leben.
— Eine nette Komödie von Schnitzler. Aus Berlin wird uns geschrieben: Zn dem neuen Werk Arthur Schnitzlers, der fünsaktigeu Komödie „P r o f e f f o r Bernhard i", bie an; Kleinen Theater ihre Uraufführung erlebte, klingen zwei Grundw.otive seines Schaffens zusammen, die schon oft in ihrer tieferlebten Melodie die heimliche Fuge seiner Werke gebildet haben: Leelenlage und Seelenkonflikt des Arztes und der kon fessionelle Zwiespalt unserer Zeit, wie er in der Zudenfrage zum Ausdruck kommt. Ter Held ist Arzt und.ist Jude, und daß in einem dramatischen Augenblick seine Weltanschauung mit auf wallender Heftigkeit in den Kreis seiner beruflichen _ Pfttchteu cingrcift, das bietet den tragikomischen, eine Zeitlang sogar sehr tragisch betonten Konflikt des Dramas. Der, berühmte: ^tttcrniK Professor Bernhards verweigert einem Priester den Zutritt v.i dem Sterbelager eines jungen Mädchens, das in ieiner Klinik in der letzten Todesnerzückung, ihres Schicksals unbewußt, den Geliebten erwartet und das der den Trost der Religion bringende Geistliche aus der letzten irdischen Seligkeit in die bittere Todes gewißheit hinübersühren würde. Diese .Handlung, die der i.ie das leibliche Wohl seiner Kranken sorgende Arzt sür berechtigt _b.Hi, die aber kein Verständnis für den tieferen Sinn der katholnck.u Religion beweist, bringt dem Professor eine Fülle von UnaunJjm lichtesten: er wird von seinem Amte suspendiert, eines Religions vergehens angeklagt und zwei Monate ins Gefängnis gesperrt. Und schließlich muß er sich von einem iveltklngen Hoftat jagen lassen, daß er, der Arzt ist mit Leib und Seele und die politisch religiösen Wirrungen analvoll empfindet, übereilt gehandelt habe, daß ihnt das Zeug zum Bekenner, zum Reformator und Märtyrer fehle und daß es richtiger sei, nicht unüberlegt einen -schritTjvu tim, dessen letzte Konsequenzen man bann nicht ziehen wolle, aer Grundfehler des Dramas, das in vielen Szenen die retse^ Kunst der Charaktergcstaltnitg und in feinen Bemerkungen des Dialogs die abgeklärte WcltweiMit des Dichters »errät, scheint nur darin r,u liegen, daß Schnitzler seinem Helden gegenüber eine zwiespältige Stellung cinnimmt. In den ersten drei Akten stellt er nns in ihm ein Idealbild eines echten Mannes und großen Gelehrten vor, während in den beiden Schlußakten die ernsten und mannhaften Töne ins Zronische, Skeptische, KomödienhaNe um- gedeutet werden. 11 nb so fällt auch der künstlerische Stil aus- clnanber: zuerst wuchtige Schlager, eine spannende Dramatik, die bei dem Wiener Meister sogar bisweilen grell und absichtlich »ranntet, und dann ein spielerisch leichtes Ausklingen in elc- jjantcr Causerie. Die ungewohnte Theatralik in ihrer Mischung
Alldeutscher öcrbaniistag.
e Braunschweig, 1. Dez.
Unter überaus zahlreicher Beteiligung von Vertretern aus allen Teilen des Reiches begannen beute hier die Verl-andlungen des Gesamtausschussces des Alldeutschen Verbandes, die durch die Besprechung der Balkan Frage
besonderes Znteresse erregen. Die Verhandlungen wurden eingeleitet durch einen „Deutschen Abend", auf dem u. a. der trübere Gouverneur von Deutsch-Ostafrsta, Reichstagsabgeordneter Exzellenz Siebert, das Wort nahm. Er wies darauf hin, daß unser Volk zwar eine 2000jährige Geschichte habe, aber erst seit 40 Zähren eine politische Nation sei. Und doch würde eine elende Philisterpolitik getrieben. Die Festrede hielt Universitäts- vrosessor Dr. Gras du Mo ul in -Eckart »München. Eine Einlehr vor Zena sei besser als nachher. Auch vor dem Jahre 180B sei nicht alles morsch und schlecht gewesen, auch damals sei gewarnt worden, aber man habe auf die Warner nicht gehört.
Bei den geschäftlichen Verhandlungen berichtete der Vorsitzende Rechtsanwalt Claß sMainz) über die politische Lage mit besonderer Berücksichtigung des Balkan kriege s. Der Redner gab einen • Ueberblick über die Ereignisse ber letzten Wochen und verwies auf den offenbar erfolgreichen Widerstand der Türken an der Tsckwdal tschalinie, durch den der anfängliche Siegeslauf der Balkanstaaten zum Stillstand gebracht worden sei. Die wichtigste politische Folge hiervon sei, das; die Verbündeten an die endgültige Beseitigung der türkischen Herrschaft auf europäischem Boden nicht mehr dächten und sie jedenfalls in diesem Kriege nicht mehr durchsetzen würden. Damit hänge zusammen, daß zurzeit die Aufteilung des türkischen Besitzes nicht in betracht komme. Was aber solk^eschehen, wenn Oesterreich sich veranlaßt sieht, zum Schwert zu greifen. Der Redner betonte, daß in einem solchen Falle Deutschland Oesterreich von vornherein zur Seite stehen müsse. Man müsse am Ende, wissen, um was heute das Spiel gehe. Oesterreich sei der einzige Grenzstaat, der nicht als offener oder heimlicher Feind Deutschlands angesehen werden müsse. /Bei dieser Sachlage bc beute eine Schwächung des Bundesgenossen eine Schwächung des Reiches selbst. Seine Niederlage würde uns in schwerster Weise lie fen. Taher müsse beides verhindert werden durch rechtzeitigen Beistand, über den die Welt sich nicht zweifelhaft sein dürfe.
Sehr richtig!) An sich könne es uns gleichgültig sein, ob Serbien einen Hafen am Adriatischen Meer erhalte. Nicht gleichgültig sei uns aber sein Streben, sich zur südslawischen Großmacht aus - a^fen und im Zusammenarbeiten mir Rußland Oesterreich zu Der» Nichten. Heute geht es um das Schicksal des gesamten mitteleuropäischen Deutschtums, des im Reiche und in Oesterreich. Ter Redner legte dar, inwieweit unser Heer und unsere Flotte des Ausbaues und der Ergänzung noch bedürftig seien, und schloß mit dem Aufrufe, alles daran zu setzen, die allgemeine Wehrpflicht auch praktisch durchzuführen.
Nach einer An spräche wurde folgende Entschließung unter stürmischem Beifall angenommen: „Die politischen Ereignisse der letzten Wochen haben den schweren Ernst ber Lage des gesamten Teutschtums in Mitteleuropa enthüllt und klar gemacht, das; ihm der Kampf um fein Dasein nicht erspart bleiben wird. Von dieser Ueberzeugung ausgehend, ist der Gesamtvorstand des Alldeutschen Verbands der Ansicht, daß das Deutsche Reich die Schwächung oder gar Niederwerfung Oesterreich-Ungarns nicht zulassen darf. Er erblickt in dem serbischen Vorstoß gegen die Donaumonarchie den Anfang zu einem umfassenden Angriff des Slawentums gegen das Deutschtum und beurteilt die Frage des Strebens nach einem Hafen an der Adria von diesem Gesichtspunkte ans. Aus dieser Auffassung ergibt sich für den Alldeutschen Verband die Pflicht, von neuem und nachdrücklich den lückenlosen Ausbau unserer Land- und Seemacht zu fordern und er glaubt, daß bei der jetzigen politischen Lage das beutfdye Volk zu allen Opfern bereit ist, um die deutsche Wehrmacht für jeden Fall zu rüsten."
An zweiter Stelle berichtete noch Pfarrer Spieser (Alt- Hambach) über Zustände in Elsaß-Lothringen.
Der frauzöfisch-svanische Marokkovertrag
enthält 30 Artikel, die sich in drei Teile zusamenfas'en lassen. Der erste Teil behandelt besonders die Berichtigung der Grenze der spanischen Zone und die Enklave von Jfni. Der z w e i t e T e i l behandelt ausschließlich finanzielle Fragen, besonders die Garantien für die Inhaber der Anleihen von 1904 und 1910, die Staatsbahnen und das Ta bakmo nopol. Der dritte Teil bereitet für die Zukunft eine abgeändertc Bestimmung über die S ch u tz g e u o s s e n und die Schaffung von Justizorganen vor. Der Vertrag wird allen Signatarmächten mitgeteilt und sobald als möglich in Madrid ratifiziert werden.
Staatsbank und Tabakmonopol bleiben mit allen ihren Rechten
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polififcbc Tagesschau.
Die schriftliche Beantw"rtu"q von kurzen Anfragen im Reichstage
Der Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg.) hatte, wie mit- flctätt, im Reichstage lurze Anfragen an den Reichs- kanzler gerichtot über die Eisenbahnverkehrs- stockungcn im Westen des Reichs und über die dadurch bedingte Ucberbürdunc^des Eisenbahnpersonals. Der Fragesteller hatte sich mit einer schriftlichen Beantwortung seiner Anfragen begnügt. Diese Antworten sind ihm f j e tz t z u g e g a n g e n. Sie lauten:
Die wirtschaftlichen Schäden, die durch den Wagenmangel int Ruhrbezirk hervorgerufen werden, insbesondere die durch ihn an vielen veranlaßte Einlegung von Feierschnchten für die be teüigten Arbeiter sind dem Reichskanzler bekannt. Tic Ursache der Störung in der Wagenstellung ist in der Haupisack'e in Be triebsschwierigleiten zu suchen, die sich bei der Bewältigung des galt) außergewöhnlich gestiegenen Güterverkehrs in diesem Herbste auf einem Teile des Netzes der Preußisch-Hessischen Staalsbahnen — im Westen — gezeigt haben. Die Störungen haben den Minister der öffentlichen Arbeiten^ veranlaßt, das betroffene Gebiet selbst AU bereisen irnb eine Aussprache mit den Vertretungen des Handels und der Zndustrie herbeizusühren, nachdem bereits vorher der zuständige betriebstechnische Reserent des Mftiisteriums der öffentlichen Ärbeiten zur Unterstützung der Eisenbahndirektionen bei den betrieblichen Maßnahmen und zur Wahrung der Einheitlichkeit der zu treffenden Anordnungen abgeordnet worden war. Wie die Prüfung an Ort und Stelle ergeben hat, sindcküe Schwierig Teilen in der Abnahme begriffen, und es ist, falls nickt unvorhergesehene Umstände eintreten, auf eine baldige Gesundung der Äerhältnisse zu hoffen. Insbesondere ist auch das Lahn-, Dill- und Sieggebiet wieder in ausreichender Weise mit Brennstoffen versorgt worden. Um der Wiederkehr ähnlicher Zustände vorzubeugen, ist eine beschleunigte bauliche Ausgestaltung des westlichen Eisenbahnnetzes sowie die v c r ftärftc Beschaffung von Betriebsmitteln in die Wege geleitet.
Zu der allseitig als dringend anerkannten Beseiftgnng der Verkeltrsstockungen im rheinisch-westfälischen Industriegebiete hat sich die Heranziehung des Eisenbahnpersonals zu außergewöhnlichen Dienstleisttmgen nicht vermeiden lassen. Zu seiner Entlastung ist eine große Anzahl von Kräften aus allen.Landesgebieten heran gezogen nwrden. Auch werde dem hanvtsächlich betrosfenen Personal genügende Ruhezeiten — nötigenfalls nachträglich — gewährt, und außerdem für außergewöhnliche Dienstleistungen besondere Entlohnungen bewilligt.
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träges entstehen könnten, sollen gemäß der spanisch-französischen .Konvention von 1904 und der Haager Konvention von 1907 geschlichtet werden, mit Ausnahme der Fälle, in denen man diese Monoention im Augenblick des Entstehens der Meinungsverschieden heil ausdrücklich in gegenseitigem Einvernehmen außer Kraft setzt.
Dem Vertrage ist ein Protokoll über die Eisenbah it_T a n ger - Fez angefügt. Danach werden Frankreich und Spanini in einer Frist von drei Monaten nach der Unterzeichnung einen allgemeinen Entwurf der Linienführung Herstellen, und die häuft sächlichen Bahnhöfe in ihren Zonen bestimmen. Sie werden in gegenfeitigem Einvernehmen die Punkte sestsetzen, an denen die Linie die diord- und Südgrenze des spanischen Gebiets über schreiten soll und im Einvernehmen mit den Behörden von Tanger die Linienführung von der Nordgrenze der spanischen Zone bis Tanger Die ganze Linie wird einer einzigen Ge s e l l s ch a s t k o n z e s s i o n i e r t w e r d e n, die sie int endgültigen Bauplan auszuführen hat und den Bau und deir, Betrieb der Linie übernimmt. Tie Gesellschaft kann die stonzefsion für keine andere Bahnlinie erwerben mit Ausnahme derjenigen Linien, die zum Hafen von Tanger führen. Sie kann jedoch den anderen Linien, die von Frankreich oder Spanien konzessioniert werden, den Anschluß an ihre Bahnhöfe nicht verwehren.
Die Aktien und das Obffgationskapital der Bahn besteht zu GO Prozent aus französischem, zu 40 Prozent aus spanischem .stapital. Ter Verwaltungsrat besteht aus neun Franzosen und sechs Spaniern: ein IG. Mitglied einer dritten Nationalität >vird im Einverständnis mit Frankreick) und Spanien ernannt werden können. Ter Generaldirektor der Gesellschaft wird ein Franzose sein, der zweite Tirektor ein Spanier.
In dem sranzösisch-spanischen Vertrage erhält Frankreich ii. a. territorialen Vorteilen weite Erzreiche in dem Gebiet zwischen Heb Draa und Sus, wodurch dem saharischen Hinterland ein neuer Zugang zum Atlantischen Ozean gegeben wird. Spanien b hält die Enklave Jfni. Frankreich bekommt im Norden einen Teil des sehr fruchtbaren und bevölkerten Tales Uergha, außerdem strategisch und wirtschaftlich bedeutende Grenzberichtigungen am Muluja und Lullos. Es bleibt nun noch über die Sonderverwaltung in Tanger im EinNange mit der allgemeinen Verwaltung des Reichs zu entscheiden.


