Ausgabe 
2.9.1912 Zweites Blatt
 
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Heinrich von Preußen übernommen, der sich jedoch gegenwärtig auf der Reise nach Japan beftndet, um an den Beiseyungsfeier- lichkeiten rür den Mikado leilrunebmen.

2er Andrang der Menscheninasscn, namentlich zu dem Start» platze Johannisthal, war an den beiden Tagen des Wettsluges ein ganz enormer. Namentlich am heutigen Sonntag brachten die Eisenbahnzüge in ununterbrochener Reihenfolge Tausende und iAbertausende nach den verschiedenen Stationen, die das Flugfeld darstellten. Die Flugbahn selbst charakterisierte sich etwa in der Form eines Drachens, dessen Spitze bei Lindenberg gelegen war und dessen Ende die Luftschiffhallen bei Potsdam bildeten. Die beiden Seitenecken wurden durch Schutzen dort und den Flugplatz selbst gebildet. Die durchzufahrende Stute belief sich im ganzen auf 101 Kilometer, die am ersten Tage des Wettsluges einmal und am zweiten Taye zweimal zurückzulegen war, das letzte Mal unterbrochen durch eme Zwischenlandung. An Geldpreisen standen dem Organisationskomitee nicht weniger als etwa 70 000 Mark zur Verfügung. Es war daher kein Wunder, daß die besten deutschen Flieger ihre Teilnahme an dem Wettbewerb angesagt hatten. Als ausgesprochener Favorit des Publikums galt Hirth. Starke Meinung war auch für den erfolgreichen »errenftjeger, Referendar Caspar, vorhanden. Am ersten Tage entließ der Starter nacheinander 11 Flieger auf den verschiedensten Maschinen in die Lüfte. Als erster verließ Boutard auf seinerTaube" den Flugplatz. Das Ergebnis des ersten Tages war, daß Leutnant Krueger, Baierlcin und Caspar das Ziel erreichen, und die Bedingungen absolvierten. Tas Wetter am heutigen Sonntag war den zweiten Konkurrenten besonders günstig. Ein schöner Derbsthimmel lachte über dem Gelände des Start­platzes und auch Gott Aeolus erwies sich den Fliegern günstig. Als erster stieg Leutnant Krueger auf, und zwar um 3,38 Uhr. Seine Landung erfolgte um 4,50 Uhr. Er benutzte einen Harlan- Eindecker. Es folgte Baier lein auf einem Otto-Zweidecker um 3,40 Uhr; Landung um 4,50 Uhr. Dirth benutzte einen Rumpler-Eindecker; et flog um 3,53 Uhr und landete um 4,45 Uhr. Für Fallet auf einem Aviattk-Ziveidecker lauteten die entsprechenden Zeiten 4,01 und 5,32 Uhr, für Hartmann auf einem Wrigth-Zweidecker 4,04 und 5,32 Uhr. Dartmann kam aber nur bis Teltow, da er einen Schaden an seiner Maschine erlitt. Schmidt aufTorpedo" flog um 4,09 und landete um 5,06 Uhr. Krueger auf Jeannin-Eindecker stieg 4,32 Uhr auf, mußte aber in Schönsließ wegen Magnetdefekt landen. Ter letzte «Flieger war Referendar Caspar auf seiner Etrich-Rurnpler- Taube mit den Zeiten 4,37 und 5,53 Uhr. Beim zweiten Rund- flug ging Dirth als erster in die Lüfte und zwar um 5 Uhr. Seme Flugzeit betrug diesmal nur 51 Minuten. Dadurch ver­besserte er seine Chancen, so daß er sich mit unter den ersten 4 Siegern qualifizierte. Bon den weiteren glücklichen Absolventen des ersten Rundfluges erreichten, soweit das Resultat bis in die späten Abendstunden bekannt wurde, nacheinander noch Leutnant Krueger, Baierlein und Schmidt das Zielband. In dieser Reihenfolge dürften auch, sofern nicht die anderen Kon­kurrenten noch eine besonders gute Zeit erreichen, die Sieger in dem Weth'luge zu suchen fein. Als vierter schließt sich bann der Favorit Dirth an. Trotz der ungeheuren Menschenmassen ereignete sich auf den Flugstationen, kein ernsthafter Unfall.

Johannisthal, 1. Sept. Das bisherige Ergebnis des FlugesRund um Berlin" war heute abend folgendes: Ts legten die drei Runden, yleich 303 Kilometer, zurück: Leutnant Krueger auf Darlan-Eindecker in 3 Stunden 45 Minuten: er gewinnt damit den ersten Preis; Baierlein auf Otto-Zwei­decker in 3 Stunden 54 Minuten, Referendar Ca spa r auf Etrich- Rumvler-Taube in 'Stunden 12 Minuten, Helmulh Dirth auf Rumpler-Eindecker in ' Stunden 20 Minuten. Fünfter Preis­träger ist Faller auf Aviatik-Zweidecker, der den Flug in Stunden 10 Minuten .zurücklegte. Die anderen Flieger haben den Flug teils im Laufe des heutigen Tages oder bereits gestern ausgegeben.

Da8 MilitarluftschiffZ. IP.

Köln, 31. Aug. Als heute mittag das Militärluft­schiffZ. II" zu einer Fernfahrt aus der Dalle gebracht wurde, wurde es von einem heftigen Windstoß gegen das Dallentor gedrückt, wobei die Steuerung beschädigt wurde. .Infolge des Heltigen Windes erhob sich das Luftschiff, das berefts bemannt imrr und stieß einen Kamin um. Das Luftschiff wurde jedoch bann wieder zum Landen gebracht. Es hat einigen Schaden genommen.

Au- Stadt und Land.

Gießen, 2. September 1912.

Septembergesicht".

Ter Frühling ist zwar schön, Doch wenn der Herbst nicht wär'. Wär' zwar das Auge satt, Ter Magen aber leer." (Logau.)

Tas Volk hält es nicht mit dem astronomischen Herbstanfang, sondern mit dem meteorologischen. Seinem Gefühl nach beginnt vic dritte Jahreszeit nicht erst am 21. September, sondern schon drei Wochen früher. Ter ganze Septembermonat ist darum bei uns lange Zeit als ,Herbstmond" bezeichnet worden, undHerbst­monat" ist noch heutigentags sein amtlicher Name im Schweizer­land. Es kam auch vor, daß man den September denersten Herbst" nannte. Tann war der Oktober derander Herbst" und der November natürlich derdritt Herbst". AlsUeberherbst" bezeichnet man den September in Tegernsee. Tas verrät also, daß man im Gebirge schon den August als herbstlichen Monat emp­findet. Eine ähnliche Auffassung spricht auch aus der dänischen Benennung des Monats. Willkommen war der September jeden­falls dem Volke allezeit. Wenn man auch des Derbstmondes ersten Tag als einen der sogenanntenUnglückstage" betrachtete, so sah man doch den ganzen übrigen Monat als einen der glücklichsten des Jahres an.Septembre est le mai de lautomne lautet ein burgundisches Banernsprickiwort. Des Herbstes Mai! Dieses Lob hat er sich zweifellos weit weniger durch die idealen Reize feiner eigenartig schönen Naturstimmungen verdient als durch die realeren Gaben, mit denen er sich die erntelustige Menschheit günstig stimmt. Allerlei Freuden winken ja. wenn es draußen zuherbsteln" beginnt, wenn das Land durchtveht wird von der frischen Septemberluft", dieJäger zum Jagen ruft". Zum Tank für die Früchte, mit denen er uns überschüttet, hat man schon vorgeschlagen, den SeptemberObstmonat" zu nennen. In ihm, heißt es,gibt es überall zu essen". Der September, sagt man,mästet die Faulen". In Italien kennt man die Redensart: ,Hm September werde,! die Narren fett", und jemand, der sich auf mühelose Weise nährt, l-cißt man einSeptember­gesicht". Was übrigens der September selber für ein Gesicht macht, darauf wird tn Italien sehr geachtet. Denn man meint dort, aus seiner Witterung ließe sich die der folgenden sieben Monate erkennen.Nach dem September richten sich sieben Monate," sagt man darum in Venetien. Aber auch bei uns spielt der Mai des Herbstes" in Wetterregeln eine Rolle:

Ter September ist wie März,

Und Juni wie Tezembcr ohne Scherz" heißt es, ober:

Wenn der September noch donnern kann, Setzen die Bäume viel Blüten an."

Und will man erfahren, was für Durchschnittswetter während des ganzen Herbstes herrschen wird, so muß man aufpassen, was derandere August" auch so wurde einst hier und da der Sep­tember genannt für eine Miene bei feinem ersten Neumond auf- setzt, denn:

SBic der neue Herbstschein tritt ein, So wird das Wetter im Herbste sein."

*

. ** M a n ö v er b a t ail lo n. Beim 5. Grvßh Infan­terie-Regiment Nr. 168 wurde, wie auch früher schon, für die Skiucr der Herbstübungen das fehlende 3. Bataillon zu- sammengestellt. Jedes der bestehenden Bataillone gab dazu eine geschlossene Kompagnie und jede der 8 Kompagnien soviel aktive Unteroffiziere und Mannschaften ab, daß alle

12 Kompagnien gleichmäßig mit Aktiven ausgestattet sind. Vervollständigt wurden die Kompagnien durch Einberufung von Unteroffizieren und Mannschaften aus dem Beurlaub­tenstande. Die erforderlichen Kompagniefübrer und Offi­ziere wurden teils aus dem Beurlaubtenstande einberufen, teils von der Division aus den 4 übrigen Jnsanterte-Regi- mentern ab kommandiert. Tie 9. und 10. Kompagnie wurde beim 1. Bataillon in Butzbach, die 11. und 12. beim 2. Ba­taillon in Offenbach aufgestellt; am 5. September tritt bann das Bataillon unter Führung des Majors R e h f e 1 d vorn Stabe des Regiments zusammen und rückt ins Ma­növergelände ab.

Kreis Lauterbach.

~ Stockhausen, 30. Aug. Pfarrer Lenz wird in den nächsten Tagen unsere Gemeinde verlassen, um eine Pfarrstelle an dem Diakonissenhaus zu Darmstadt zu über­nehmen. Wahrend seiner neunjährigen Wirksamkeit im hiesigen Kirchspiel hat er sich einen großen Anhängerkreis erworben und durch die Gründung eines Posaunen- und KirchcnchoreS besonders verdienstlich gewirkt. Tie AbschiedSpredigtcn am Sonntag zeugten bei gefüllten Gotteshäusern von der An­hänglichkeit der Bewohner an ihren liebgewonnenen Geist­lichen, den sie itr icrn verlieren. Ein Nachfolger ist bis jetzt noch nicht ernannt. BiS zur Wiederbesetzung wird Pfarrer Göttert in Altenschlirf die Stelle mit versehen.

Kreis Friedberg.

^Friedberg, 1. Sept. Gestern abend bewegte sich unter Vorantritt der Militärmusikschule ein Lampionzug nach dem Kriegerdenkmal. Er war gebildet von der Iugendwchr und dem Militär-Veteranenverein Friedberg. Am Denkmal hielt der ehemalige Sanitätsbeamte Gramin'jch eine An- spräche.

L S ab Nauheim, 1. Sept. Heute morgen legten die beiden hiesigen Kriegervereine an dem Grabe, worin die 1870 71 im hiesigen Lazarett Gestorbenen beerdigt sind, einen Kranz nieder. Darnach fand ein Festgottesdicnst statt.

Starkenburg und Rheinhessen.

6. Mainz, 31. Aug. In der Mittwoch-Nacht ist im Winterhafen auf dem Lausbrett eines vor Anker liegenden Schiffes eine Frauensperson in den Rhein gestürzt und ertrunken. Wie die Untersuchung ergab, war die Er­trunkene die 36jährige Witwe und Prostituierte A. H. Klefisch auS Chemnitz, die mit einem Matrosen an Bord gehen wollte, aber der Kapitän beS Schiffes gab dies nicht zu und während der Verhandlungen stürzte die betrunkene K. in den Rhein und ertrank. Gestern wurden der Kapitän und der Matrose von der Polizei vom Schiffe geholt und ajtf der Kriminal- Polizei vernommen. Die Vernehmung ergab, daß die beiden Leute völlig unschuldig an dem Unfall sind, worauf sie ent­lassen wurden.

Hessen-Nassau.

Frankfurt a. M., 30. Aug. Ein größerer Trans­port norbafrikani scher Wüstentierc, barunter Selten­heiten, bic teils seit längeren Jahren nicht mehr im Handel ge­wesen sind, teils überhaupt erstmalig lebend eingeführt werben, ist im Zoologischen Garten in Frankfurt von einem Geschäfts­freunde Dieses Instituts, dem Reiseunternehmer Spatz, eingestellt worden, bis zum Verkauf derjenigen Tiere, bic ber Frankfurter Garten nicht übernimmt. Tie interessante Sammlung gewährt einen Einblick in bas Tierleben ber Sahara. Die Glanzstücke sind bie entzückenben Fenoks ober Großohrf ü ch s e, bie zierlichsten und in Gefangenschaft liebenswürdigsten Miniatür- räuber des gesamten Hunbegeschlechts. Die reizenden kleinen Schelme, bie kaum ben 3. Teil ber Größe unseres heimischen Reinecke erreidjen, sind schon äußerlich durch ben wolligen, weiß- gelben Pelz als Wüstentiere getennzeickmet. An bem feinen Köpf­chen fallen bie schwarze Nase, die listig blickenden dunkelen Augen, besonders aber bie geradezu riesenhaft entwickelten Lauscher auf, diese befähigen ben kleinen Räuber die leisesten Geräusch zu er­lauschen; sowie auch andere Wüstennager sind gleichfalls lebend bei dem Transport vertreten. Wissenschaftlich neu ist ein gleich­falls mit enorm großen Ohren ausgestatteter und mit weißer Schwanzspitze gezierter kleiner W ü st e n f u ch s. Interessante Igel, darunter der Weißbauchigel, ferner Klippen Hühner, Palmentauben, Saharaturteltauben vervollstän­digen die schöne Sammlung, deren größte Stücke einige prächtige Gazellen bilden, dabei eine bisher noch nicht eingefüprte Art in einem niedlichen Kälbchen und ein abnorm starker prachtvoller Bock. ' Dem Reptilienhaus überbrachte Herr Spatz Wüstenwarane, Dornschwänze, seltene erftmalig lebend eingeführte Stinte und gemeine Chamäleone von einer Größe wie sie bisher noch nicht befannt waren.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 80. August. Wegen Vergehens gegen daSPersonenstandsgefetz waren die Standesbeamten R. von R., A. von D. und B. von tz. v. b. H. angeklagt. TaS Gericht hat die beiden ersten zu einer Geldstrafe von je 5 Mk. und B. zu einer solchen von 3 Mark verurteilt.

Unterschlagung.

Der Handlungsgehilfe H. G. von Altena war vom Schöffen­gericht Grünberg wegen Unterschlagungen zum Nachteile einer Frankfurter Firma und Dc§ Kaufmannes K. zu Grünberg zu einer Gefängnisstrafe von 4 Wochen verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hat G. Berufung verfolgt. Während G. die in Frankfurt a. M. begangene Unterschlagung zugibt, bestreitet er ganz entschieden, sich in Grünberg einer strafbaren Handlung schuldig gemacht zu haben. Die Beweisaufnahme ergab jedoch, daß sich der Angeklagte öfters in dem Ladengeschäft des K. vereinnahmte Gelder rechtswidrig an­geeignet hatte. Tas Gericht verwarf deshalb die Berufung des G. und beließ eS bei der von dem Gericht erster Instanz ausgesprochenen Strafe.

Schwere Körperverletzung.

Ter Fuhrknecht R. von Groß-Karben war wegen schwerer Körperverletzung, Verübung von grobem Unfug und ruhestörendem Lärm angeklagt, während der Fuhrknecht W. von Groß-Karben der Sachbeschädigung, des Wersens von Steinen nach Menschen und des groben UnfugB und ruhestörenden Lärms beschuldigt wurde. Der Angeklagte R. ivar in der Nähe der Wirtschaft ,znr Linde' mit einigen jungen Leuten in Streit geraten. Als die Zeugen B. lind P., die an dem Streit völlig unbeteiligt waren, aus der Wirt- schast auf die Straße traten, um zu sehen, was da geschehe, stürzte sich der Angeklagte R. ohne jede Veranlaffung zunächst auf den Zeugen B. und versetzte ihm mit dem geschloffenen Messer einen Schlag ins Gesicht, so daß eine blutende Wunde entstand, hierauf ging R. auch auf den Zeugen P. los und brachte ihm zunächst mit offenem Messer am Arme eine b Zentimeter lange, tiefe Schnitt­wunde bei und gab ihm außerdem noch einen Stich in den Rücken. P. mußte sich sofort in ärztliche Behandlung geben und war drei Wochen arbeitsunfähig. Mit Rücksicht auf die zutage getretene rohe Gesinnung des Angeklagten und mit Rücksicht auf die vielen Vorstrafen wegen gleicher und ähnlicher Telikte erkannte das Ge- richt gegen R. auf eine Gesamtgefängnisstrafe von 1 Kahr und 2 Monaten Ter Angeklagte W. der für seinen Kollegen R. Partei ergriffen hatte, suchte R. dadurch zu unterstützen, daß er nach de ff en Gegner nut Steinen war«. Er trat dabei eine Fensterscheibe der gegenüberliegenden Wirtschaft, die in Scherben ging. W., der ebenialls vielfach vorbestraft ist, erhält ivegen Sachbeschädigung 3 Wochen Gefängnis und wegen Werfens mit Steinen nach Menschen eine Woche Haft. Bon der Anklage des groben Unfugs und ruhe- störenden Lärms wurden sie freigesprochen. Ter Angeklagte R.,

der mit Rücksicht auf die Hohe der gegen ihn erkannten Strafe fluchtverdächtig erschien, wurde sofort in Hast genommen.

Hinterziehung der Wandergewerbe st en er.

Ter Reisende G. von Usingen besuchte im Auftrage deS Kauf­manns Sch. von Usingen verschiedene Bewohner von Rupperts­burg, ohne im Besitze eines WandergewerbcfcheineS zu sein. (&. und Sch waren deshalb durch Strafbescheid in eine Ordnungs­strafe von je 10 Mk. genommen worden. Beide beantragten hur auf 'gerichtliche Entscheidung. TaS Amtsgericht Laubach erkannte auf Freisprechung, weil bic Angeklagten eine Bescheinigung der betr. Bewohner von Ruppertsburg verlegten, die die allgemeine Aufforderung enthielt, daß Sch. oder sein Vertreter die Unter- zeichneten aussuchen sollten, damit sie Bestellungen machen konnten, '.'li f Berufung deS Staatsanwalts gegen dieses Urteil erkannte bie Strafkammer gegen beide Angeklagte auf eine Geldstrafe von je 10 Mk. TaS Gericht war der Ansicht, daß eine derartige all- gemeine Aufforderung nickt als vorhergängige Bestellung im Sinne der Gewerbeordnung aufgefaßt werden könne, daß eS sich vielmehr hier nm einen Gewerbebetrieb im Umherziehen handelt, der wander- gewerbesteiierpflichtig ist.

wandern uni) Reisen, SäSer und Sommerfrifdjcn.

= Salzungen, 31. Aug. Dis zum heutigen Tage futd 4230 Personen zur Kur hier eingetroffen.

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Irrsinnstat eines ehemaligen schweizerischen Soldaten-

Am Freitag kaufte sich in Romanshorn ein kürzlich aus dem Militärdienst entlassener fünfundzwanziajähriger Soldat namens Hermann Schwarz nach seiner Heimkehr scharfe Munition. Um 7 Uhr abends begann er plötzlich von seiner Wohnung aus mit einem Lrdonnanzgewehr aus das Publikum zu feuern ; er tötete durch den ersten Schuß einen Bahnangestellten namens We­ber. Als ein Fleischeraeselle seines Nacbbars in seine Kammer eindringen und ihn festnehmen wollte, tötete er auch biefen. Dann schoß er von feiner Dachkammer aus in die dunkle Straße hinab, tötete einen drit- ten und einen vierten Mann und verwundete eine Person tödlich und sieben weitere zum Teil schwer. Vierzig Schützen belagerten das Haus und feuerten auf dasselbe in oer Hoffnung, den Wahn­sinnigen zu treffen. Es herrschten im ganzen Dorf Furcht und Entsetzen. Im untersten Stock des Hauses war noch eine Frau mit ihrer Tochter eingeschlossen: sie schwebten in Todesängsten und fonnten nicht heraus. Trotz aller Vor­sichtsmaßregeln ist der wahnsinnige Soldat aber in der Dunkelheit und lvährend der allgemeinen Aufregung seinen Belagerern entkommen. Es hat den Anschein, als ob et sich nach bem Bodensee geflüchtet hat. Von der Brücke einer einem Dr. Baenziger gehörigen Fabrik hörte man die ganze Nacht das Kttallen seiner Schüsse, manchmal fünf utiD acht hintereinander. Es ist rätselhaft, wo der Soldat so viel Munition her hatte, da er über Hunden Schüsse abgegeben hat. Angst und Aufregung waren in ber Bevölkerung so gestiegen, daß man sich in der dunklen Regennacht nicht aus den Häusern wagte. Heute wurde bei der Durchsuchung des Hauses das Gewetzt aufgefun­den. Tageben steht fest, daß Schwarz noch einen Re­volver bei sich trägt. Auf die Fährte des Flüchtigen wur­den Polizeihunde gesetzt.

Ter Geistesgestörte ist schließlich von der Polizei über­wältigt worden, nachdem er noch einen Verfolger, den Küfer Enderli, erschossen hutte. Schwarz hat sich selbst durch Schüsse schwer verletzt. Er tötete insgesarnr sieben Personen und verletzte mehrere schwer.

Nachweisung über den Stand der Maul- und Klauen- seuchc in Hesse« vom 24. bis 80. August 1912.

KreiS:

Am 24. August waren verseucht:

Vom 24. bis 30. August sind neu ver­seucht :

Vorn 24. bti 30. August ist die Seuche erloschen in

Darmstadt .

Arheilgen

-

Bensheiin .

Dieburg . .

-

Erbach . . .

Neustadt, Beerfelden

-

Är.-Ge>au.

Heppenheim

Offenbach .

Tietzenbach

Gießen

Lang-Göns

Alsfeld .. .

Gontershausen

Büdingen. .

Friedberg .

Lauterbach.

Holzmühl

Holzmühl

Schotten. .

Mainz .. .

Alzey....

Bingen . . .

Oppenheim.

Worms. . .

Handel.

# Bergwerks-Versteigerung. Arn 11. September kommen beim Kgl. Amtsgericht Braunfels a. d. Lahn die der Ck werkschaft Vindobona gehörigen BergwerkeHaus Dramen" uni? Landeskrone"/ unweit von Braunfels und Leun gelegen, zur Versteigerung. Sie sollen auf Hauptzügen liegen und eine Lager mächtigkcit bis zu 4 Meter führen. Ter Eisenstein, der abgebaut wurde, soll 50 000 Tonnen und darüber gehabt haben.

* Nieder-Scheldener-Hütte, A.-G. Die Gesell­schaft stellt den erzielten Rohgewinn für 1911/12 auf 98 165 Ml (i. V. 52 665 Mk.- fest, wovon 36 707 Mk. (i. V. 27 074 Mk) für Abschreibungen, 4458 Mk. (i. V. 0) für gesetzliche Rücklage sowie 2000 Mk. (i. V. 0) für die Talonrücklage verwandt unD 46 000 Mk. als 4 Proz. Dividende (L V. 0) zur Verteilung kommen sollen.

Stanfcesamtsnad>rid>ten.

Großen-tinden.

(Wiederholt, weil ein DruckseLer vorgelegen.) Geborene: August 23. Dem Magazinsarbeiter Lndwll Schäfer II. ein Sohn, Walter.

WatfenborivStemberg.

(Nachträglich eingegangtn.)

Eheschließungen: August 24. Heinrich SameS, Bäcker zu Dori-Gill, mit Maria Philipp zu Watzenborn. Karl Schmitt, Schlosser, mit Katharina Jung, beide von hier.

Geborene: August 27. Dem Werkmeister Karl Wilhelm Hof ein Sohn, Karl.

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