Ausgabe 
2.12.1912 Zweites Blatt
 
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Konflikt zwischen dem Bischof Mllibrod Ben z ler und dem Abbe Thilmont, der bereits mehrfach deutsche Gerichte be> schäftigt hat. Abbe Thilmont gründete im Jahre 1891 aus Mitteln, die ihm Gönner zur Verfügung gestellt hatten, in Eber giningen eine Anstalt, in welcher verwahrloste Kinder auf rcli gi-ser Grundlage erzogen werden sollten. Diese Anstalt war das ureigenste Werk des Abbe Thilmont. Sie geriet aber schließlich in mißliche Vcrmögcnsverhältnrsse, so daß sic Abbe Thilmont an die Brüder der Shttstlichen Schulen verlaufen mußte. 'J(toe Thilmont, der ein guter Freund des verstorbenen Bischofs Fleck von Straßburg gewesen war, hatte sich von Anfang an in Gegensatz zu Bischof Benz l er gestellt. Als nun seine Anstalt von den Brüocrn der Christlichen Schulen übernommen wurde, verlangte der Bischof bezw. das Tomkavitel eine genaue Vermögensabrechnung, und als Abbe Thilmont sich weigerte, eine solche zu geben, wurde über ihn die suspensio a divinis ausgesprochen, d. h. es wurde ihm die Fähigkeit, Messe zu lesen und andere Funktionen als Priester auszuüben, unterbunden.

An diesen Streit knüpften sich eine Reihe von Beröffent lichungen, mit denen zunächst Abbe Thilmont auitrat. Unter anderem richtete er an den Landesausichuß eine Beschwerde über Bischof Benzler die er später als Broschüre verbreiten ließ. In dieser Broschüre sind eine Reihe von scharfen Wendungen ent halten, die sich auf Bischof Benzler beziehen und dessen Ber halten ihm, Abbe Thilmont, gegenüber kritisierten. Es wird darin behauptet, daß Bischof Benzler sich nicht immer schöner Mittel bediente, daß er die Entscheidung der römischen Monere gration fälsche und kindische Kunstgriffe gebraudK, um besser die öffentlict)e Meinung täuschen zu können. Weiter wird dem Bischof vorgeworfen, daß er sich weder um das bürgerliche., noch um das kirchliche Gesetz kümmere und die Gewissen vergewaltige. Ein Teil dieser Broschüre war von dec hier erscheinenden sozial- demokratisck-eu.Freien Presse" verössentliclst worden. Bischof Benzler hatte sowohl gegen den verantwortlichen Redakteur derFreien Presse", Redakteur Fischer, wie gegen Abbe Thilmont Strafantrag wege,i öffentlicher Be­leidigung gestellt, dem auch stattgegebcn wurde. Einbezogen in die Klage wurde ein Artikel imJournal d'Alsace", der die Ueberschrifl trug:Ter- Bischof als Pamphletschreiber".

Zunächst verhandelte die Strafkammer gegen Redakteiir Fischer. Dieser verteidigte sich damit, daß er die Angaben des aus der Broschüre entnommenen Artikels für wahr gehalten habe, zumal sie von einem Priester herrührten. Der Gerichtshof verurteilte Fischer zu 300 Mk. Geldstrafe, eventl. 30 Tage Ge­fängnis. In der Begründung des Urteils wurde ausgeführt, daß der Inhalt der Broschüre überaus ungetvöhnlich gewesen sei: es könne daher dem Angeklagten nicht so schwer angerechnet werden, wenn er seinen Lesern von dem Skandal Mitteilung nrachte.

In der daraus folgenden Berhandlimg gegen Abbe T h i l - m o n t hielt dieser zunächst eine drei Stunden lange Vetteidi gungsredc, in welcher er den Nachweis zu führen suchte, daß er von dem Bischof bezw. dem Domkapitel in allen seinen £>anb' hingen schikaniert und zu Unrecht behandelt worden sei. Er kam da bei auch auf die. Umstände, und Vorgänge bei der letztem Bischoiswahl zu sprechen, wobei er durchblicten ließ, daß der Daß des Bischofs Benzler gegen ihn dadurch entstanden sei, daß er «Abbe Thilmont, in Rom für die Wahl des Weihbischofs Zorn von Bulach gearbeitet habe. Nach kurhcr Beweisaufnahme k a m auf Anregung des Vorsitzenden ein Vergleich zu stände, ^Ibbe Thilmont erklärte sich bereit, seine Anschul­digungen mit Bedauern zurückzunebmen, worauf der Vertreter des Bischofs die Zurücknahme der Klage in Aussicht stellte.

Adreßbuch 19(5.

Die L«chstaben

IV bis Z

des alphabetischen Namensverzeichnisses liegen am 3. und 4. Dezember zu jedermanns Einsicht in unserer Geschäftsstelle offen.

Verlag der Adreßbücher für die Stadt und den Kreis Gießen

Schulstrahe 7/9.

Au» Stadt «nv 6an6.

Gießen, 2. Dezember 1912.

Ordensangelegenheit. Der Groß Herzog hat bem Kolonnenführer der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz zu Alzey I. Schmitz die Erlaubnis zur An­nahme und zum Tragen der ihm von dem König von Preußen verliehenen Note Kreuz-Medaille 3. Klasse erteilt.

** Personalien der Handwerkskammer. Finanz­aspirant Wilhelm Schüttler zu Darmstadt wurde ziim Handwerkskammerassistenten ernannt.

Handwerkskammer. Am Freitag fand zu Darmstadt eine VorstandSsitzuttg statt, in der die Re - vision der gewerblichen Genossenschaften, ferner die Abgrenzung der Gefellenprü fllngSbezirke, besonders die Neueinteilung einiger Bezirke der Streife Mainz und Bensheim behandelt wurden. Die längeren Verhand­lungen über die Bäekcreiverordnung konntert zum Ab- fchluß gebracht werden. AuS den, Gebiete des Ver- d ingungswesens wllrde beschlossen, die privaten Ver­dingungs-Protokolle auf die daS Handwerk schädigenden Be­stimmungen einer Prüfung zu unterziehen und deren Be­seitigung in die Wege zu leiten.

"Vortrag über die chinesische Revolution. Der Vortrag, den am Donnerstag, 5. Dez., der Missionar Martin Maier im großen Hörsaale der Universität über dir chinesische Revolution halten wird, darf ein beson­deres Interesse beanspruchen. Allerdings ist in den letzten Wochen Ehma durch die Vorgänge auf dein Balkan etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Aber beide sind doch gleichermaßen Etappen in der Auseinandersetzung zwischen Eilrova und Asien. Und wenn längst im Balkan wieder friedliche Zustände eingekehrt sein werden, dann erbebt im Osten die gelbe Gefahr ihr Haupt, d,e gelbe Gefahr, über die vor einigen Jahren Missionar Maier in so überaus fesselnde, und anschaulicher Weise vor einer stattlichen Zuhörerschaft zu unS geredet hat. Am Donnerstag hat er allerdings mit einer starken Konkurrenz zu kämpfen, einem Lichtbildervortrag in der großen Aula. ?lber unser Gießen hat doch Menschheit genug, um zwei solcher Vorträge zu füllen.

Kreis Büdingen.

rm. Lind heim, 1. Dez. Tie hiesige H a ushaltungS- '"chule hielt am Samstag ihre Schlußprüfnng ab, wobei Abg. Bähr die Landwirtschaftskammer vertrat. Rach der Prüfung hielt Pfarrer Bähr eine Ansprache an die Prüf­linge, wobei nach anerkennenden Worten deS Abg. Bähr die Zeugnisse und Andenken zur Verteilung kamen. Tie Schülerinnen bewirteten hierauf ihre Gäste durch Kaffee und Gebäck und lieferten damit einen Beweis ihrer erfolgreichen Tätigkeit.

Kreis Alsfeld.

A Ruppertenrod, 29. Nov. Ein großes Trauer­gefolge begleitete heute die Leiche des Kaufmanns und Beig. Keiber zu Grabe Der Verstorbene war weit über da? Weichbild seines Heimatortes hinaus bekannt. Aus kleinen "Anfängen heraus hat er sein Geschäft zur Blüte gebracht. Die Gemeinde vertraute ihm verschiedene Ehrenämter an; 47 Fahre lang war er Beigeordneter. Als solcher empfing er 1907 das Ehrenzeichen für treue Dienste. Die Begleitung des Krieger- und Gesangvereins, die Grabrede des Pfarrers Fung und der Gesang des Schülerchores gestalteten die Begräbnisfeier recht erhebend. Unter den Kränzen, die das Grab bedeckten, sanden sich solche von den Buderusscheu Eisenwerken, von der Gailschen Dampfziegelei in Gießen und von der Nationalliberalen Partei.

Kreis Lauterbach.

r. Lauterbach, 30. Nov. In der Gemcinde- ratssitzung wurde die Anschaffung einer Tur­bine beschlossen, die in die im Besitz der Stadt befindliche Spittelsmühle eingebaut und das städtische Elektrizitäts­werk in ununterbrochener Stromlieferung unterstützen soll. Die Turbine soll in der Hauptsache Strom für Speisung der Nachtlampen liefern und etwa 5 bis 10 Pferdestärken entwickeln. Von den Abnehmern des städtischen Werkes, die den Strom zu Haushaltungszwecken (Bügeln, kochen, Heizen usw.) benutzen, ist die Anwendung des billigeren Äraststromtarifes gewünscht worden. Um dieser Art Stromlieferung mich fernerhin die Wege zu ebnen, wird die tostenlose Aufstellung von sog. Vergütungszählern beschlossen. Die Genehmigung des st ä d t i s ch e n Nutz- holzvertaufes, welcher mit gegen daS Vorfahr er­höhten Preisen erfolgt ist und von der Großh. Oberförsterei dahier im Submissionswege besorgt wurde, wird erteilt. Die Festsetzung der Jahrmärkte für 1913 wird unter Berücksichtigung der Konkurrenz benachbarter Städte vorgenommen. Es sollen 9 Märkte abgehalten wer­den und zwar Mittwochs (Prämienmarkt als Hauptmarkt nm 10. Juni». Von der Einführung einer Warenhaus- fteuer wird abgesehen, weil hierfür in unserer Stadt die Voraussetzungen zurzeit noch nicht gegeben sind. Die zur Prüfung vorgetegte S tad t rech nun g für das Rech­nungsjahr 1911 schließt mit 469 183 Mk. ab. Die Rechnung der A r m enka s s e für 1911 weist an ordentlichen Ein­nahmen 6810 Ml, a» Ausgaben 8210 Mk. auf, so daß die Stadt einen Zuschuß von 1900 Mk. zu leisten hatte. Der Armentasseuvoranschlag für 1913 wurde ge­prüft und gutgehcißen, er erfordert gleichfalls einen Zu­schuß aus der Stadttafse und zwar in Höhe von 2500 Mk. Auf eine Anfrage erklärt der Vorsitzende, die gelegent­lich einiger Vorkommnisse (Auftreten von Wasser in man­chen Häusern) aufgetauchten Zweifel an der -Zweckmäßig­keit der Anlage unserer neuen Kanalisation für durchaus unbegründet und verweist auf die bei Inbetriebsetzung jeden neuen Werkes zu gewärtigenden Zwischenfälle, ferner aus die Verwendung ungeübter Arbeiter, sowie verkehrt an­gewandter Selbsthilfe als die wahren Ursachen der vor- gelommenen vereinzelten Störungen hin. Die Anlage sei in dem für unsere Stadt allein richtigen Doppelsystem (getrennte Schmutz- und Regenwasserleitung > ausgeführt, keineswegs etwa fehlerhaft konstruiert und werde sich zweifellos auch in Zukunft in jeder Hinsicht bewähren.

Kreis Friedberg.

r. Butzbach, 30. Nov. (G eure in de ra tss itzun g.) An­wesend: Bürgermeister Flach, Beigeordnete- Heil, die Gemeinde­ratsmitglieder Braubach, Grauer, Heil, Hend, Küchel, Müller, Oppenheimer und Tröster. Bürgermeister Flach berichtete, daß wegen Sanierung der B n tz b a ch L i ch e r Eisenbahn eine weitere Bürgermeisterversammlung hier stattgesmiden habe und von der Versammlung das Gemeinderatsmilglied Tr. Bogt beauf­tragt worden sei, mit der Firma Lenz n. Eo. in Berlin endgültig zu verhandeln. Herr Dr. Vogt weile gegenwärtig in Berlin und habe mitgeteilt, daß die Verhandlungen im Gange seien Am 2. Dezember, nachmittags 2 Uhr findet im Rachaussaal die Wahl eines Mitgliedes zum .Kreistag statt. Die Einladung sämtlicher GemcinderatSmitglieder mit Ausnahme des Herrn Tröster, der zu den Höchstbesteuerten gehört, wurde bekannt gegeben. - Tic Anschaffung eines neuen Kassenschrankes für die hiesige Stadckasse wurde genehmigt. Die Lieferung desselben soll dem Herrn Friedr. Krogmann in Gießen übertragen werden. - Die Eingabe des Eisvereins Butzbach an die Feldbereinigungskommission wegen Zusammenlegens des dein Kugcstzaus- und Armenfonds gehörigen Geländes an die jetzigen Eiswiesen soll bepirru ortet werden. - Tic Erhebung eine. Billettsteuer wurde abgelehnt. Beigeord neter Heil wurde beauftragt, wegen Beseitigung von Aesten der Alleebäume in der Tannusstraf', die den angrenzenden Grund besitzen! Sckiaden verurfackten, das Erforderliche zu veranlassen. - Herr Müller beantragte, die Stelle eines Vorarbeiters aus zuschreiben. Dieser Gegenstand wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt.

Starkenburg und Rheinhessen.

ch. Bingen, 29. Nov. Die heutige Sitzung der Stadtverordnetenversammlung hatte sich mit der Teuerungsfrage zu beschäftigen. Ein Antrag des sozialdemokratischen Wahlvereins tritt an die Stadtver­waltung mit dem Verlangen heran, daß diese entsprechende Maßnahmen zur Hebung dieses Notstandes unternehmen soll. Hierzu teilte der Bürgermeister mit, daß er sich mit der hiesigen Metzgerinnnng ins Benehmen gesetzt habe, von dieser jedoch eine abschlägige Antwort erhalten habe. Die Innung habe auf die Frage, ob sie bereit sei, die Fleischversorgung in der angedeuteten Richtung gemein­schaftlich mit der Stadt zu unternehmen geantwortet, daß weniger Schlachtvieh gebraucht würde und man mangels geeigneter Müt)Iräume dem Verlauf von Gefrierfleisch nicht naher treten könne. Nach einer Aussprache wurde die An­gelegenheit dem Finanzausschüsse überwiesen. En Antrag des gleichen Vereins, dem auf dem hiesigen Wochenmarkte eingerissenen Ankauf von Waren durch die Großhändler

ein Ende zu machen, wurde gleichfalls an den FinanzauL schuß überwiesen.

Heffen-Raffau.

Hüttengesäß, 29. Nov. Ter von Lorbach ge­bürtig c Taglöhner Jobs. Dadk, der bei einer hiesigen Dresch, maschine beschäftigt war, geriet heute mit der linken Hand i- die Strohpresse, die ihm die Hand zergu tschte. Ec wurde in das Krankenhaus nach Büdingen verbracht, wo ihn ein Finger abgenommen werden mußte.

---Frankfurt a. M., l.Dez. Das l e n kb are Luf i. schiff haben wir alle seinen Siegeszug durch die Weit machen sehen. Nun kommt ein Ingenieur auf den Gc. danken, das Luftschiff unbemannt zu lassen, es von Erdboden her, aus irgend einem verborgenen Winkel heraus, zu steuern. Derselbe Funte, der drahtlos von Kontinent zu Kontinent Telegramme sendet, ist verstärkt, läßt Elektro, motore angehen und stillestehen, je nachdem sie abgestimmt sind, und setzt so Schrauben in Beivegung, die das Lust schiff steuern. Der Ingenieur Bohle, der' Erfinder dieses unbemannten Ballons drückt auf einen Änops seiner Tast?, tur, und aus der Gondel des Luftscknffes fallen explodierend die Wurfbomben. Die kolossale Tragweite einer derartige» Erfindung für die Praxis des Kriegswesens liegt auf bet Hand. Der Circus Sarrasani, der Ingenieur Bohl zur Vorführung seiner Erfindung innerhalb seiner Vor stellungen gewann, bringt hier eine besonders aktuelle Tax bietung.

vermischter.

* 23 o n ei nem verwegenen Ausrcißcrstück be-- richten die Straßburger Blätter Danach überfielen zwei Höst- linge des Arbeitshauses in Falzburg ihren Ausseher, nahmen lhni Kleider und Schlüssel ab und verließen unbehindert die Anstalt In einem Nachbarort kehrten sie in einer Wirtschaft ein, wo der eine als Gefängnisauffeher Verkleidete den andern an der .stelle führte Ter Aufseher erzählte, daß er den ausgerissenen Arbeitshäusler gefangen habe: nun habe er Hunger und Durst und der Straf ling auch, er bitte den Wirt, ihnen Essen und Trinken zu geben und die Rechnung der Gefängnisverwaltung zuzuschicken (?: wird behauptet, die Verwaltung habe die Rechnung tatsächlicl' auch bezahlt. Ob eS sich bei dieser letzteren Behauptung nm einen Witz handelt, oder ob sie zutrifft, wird sich wohl nvlb aufklären.

Kleine Tageschronik.

In New 'Dorf ist in einem elenden Raum, in dem lir seit vielen Jahren in Gemeinschaft mit 15 Katzen hauste, die 70jährige Oktave Friedrich, die über ein Vermögen von f ü n s-M illioncn Dollars verfügte, tot aufgefintben worden Der Tod ist durch KohlengaSöergiftung eingelretcn.

Süchettifch.

E i n ehrendes Zeugnis deutscher Tatkraft liegt vor uns. Es ist das WerkBorn Kongo zum Niger und Nil" (gebunden 20 Mk.), das soeben in zwei prächtig ausgestatteten Bänden bei Brockhaus erscheint, gerade rechtzeitig für Weihnachten Ä erzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, ber- gegen wattige .kaiserliche Gouverneur unserer Zkolonie Togo, bettchttt mit seinen Begleitern über seine letzte große Afrika-Expedition, tron der er erst im vorigen Jahre zurückgekchtt ist. Sie Hal über Deutschlands Grenzen hinaus allgemeines Aussehen erregt durch die hervorragenden Entdeckungen, die ihr beschieden )Daren. Reiche Schätze für die deutschen Museen und Zoologischen Gatten formte der Herzog Heimbringen Aber die Eroberungen für die Wissen schäft waren nicht ohne Kampf. .Mriegerifdr Verwicklungen hemm­ten die Expedition, und die Natur öffnete ihr Arsenal au Schreck­nissen, um die glückliche Durchführung der Haupt und der Teil expedition aufs äußerste zu erschweren. Der TitelVom Kongn ,vum JRiger und Nil" läßt ei kennen, welch ausgedehntes Gebiet der Sck»aiiplatz der Expedition war. Jeder der Führer der Teil' cxpedittonen erzählt in charakteristischer Weise seine Erlebnisse und Erfahrungen, und die verschiedenen Berichte schließen fiö> zu einem fesselnden Ganzen zusammen. Der Herzog selbst cr> forfdrte die Geknetc des riefiaen Tsckwd-Sees und seines mächtigen Zuflusses des Stfxiri. Er Italic sehr interessante Erlebnisse mii den prachtliebendcn Sultanen jener uralten Negerreiche, in denen ein Stück Mittelalter wittnrerstanden erscheint, und er versteht r: ausgezeichnet, die deutsche und die iranzösische Kolvnialverwal lung in ihren Vorzügen und ihren Gegensätzen zu charakterisieren und auf Erstrebenswertes in unseren Kolonien hinzu weisen. Sein treuer^Begleiter und Adjutant Hauptmann v. W i c j c drang vom Schart durch die riesenhaften Urwälder des Uelle-Gebiett auf die weiten Steppenflächen des Nilbeckens hinaus. Dabei machte er Bekanntsckwft mit Stämmen, die zu den grausamsten Meufchenfrcfsern gehören. Auch der Zoologe Dr. Schubotz durchgucttc dieses Urwaldgebiet. Es war ifjm das außerordentlich seltene Gluck beschirden, ein nahezu sagenhaftes Tier zum crjW male in frischgeschoftenem Zustand photographieren zu fönnflt. Dieses Tier, das berühmte Okapi, ein Bewohner des tiefsten ajrikanifcken Urwaldes ist so scheu, daß es Europäern noch nie­mals geglückt ist, das Tier lebend zu f-eben. Der schwarze Jäger des Dr. Schubotz erklärte, die Europäer seien für die Jagd auf das Okapi zu dumm und machten zu viel Lärm. Schnbotz entrollt ein überaus anheimelndes Bild von einem irdischen Paradies, und man gewinnt mit ihm das Volk der Mangbettu außerordentlich lieb, stimstmaler Heims versteht es nicht nur, die Leutchen, mit denen er in jenen unbekannten Gebieten.zu tun hatte, im Bild festzul,alten, sondern sie auch trefflich zu schildern, und mit xclxtgcn lieft man den Bericht von seinen mannigfaltigen Er lebnissen. Auch seine Freundin Simba, die Löwin, die inzwischen Berlinerin geworden ist, gewinnt die Sympathie des Lesers durch ihre Backfisch streiche. In ein ganz unbekanntes Giebict Süd kameruns führt uns Dr. Sck u l tze. Ein ungeheuer dichter Urwald verbirgt reiche Sckxive, und zum erstenmal erfährt das deutsche Publikum näheres über Land und Leute in diesem zu kunftsreichen Gebiet. Zwerge und Menschenfresser bc Völkern den Urwald. Der Forscher hat es verstanden, mit den Zwergen, den Jagern des Urwaldes, die als<Fleischlieferanten von den Negern hoch geschätzt werden, auf vertraulichen Fuß zu koinmcv und sie in ihrem Familienleben zu beobachten. Die MenfcheN' frefferei ist in Südkamerun unglaublich ausgeartet. Werden doch die eigenen Eltern mit denen befreundeter Familien zum Fressen ausgetauscht! Mer glücklicherweise hat die deutsche Kolonial- rerwaltung es oerftanben, au(b im undurchdringlichen Urwald o-w ztultur We«w zu ebnen. Freilich war dies nur unter außer- ordentlichen Schwierigkeiten und 'Jlufbietung aller Energie möglich, wie die Schilderungen Dr. Schultzes zeigen. Der Botaniker der Expedition Dr. Mildbraed entrollt entzückende Bilder oet Inseln Fernando Poo und Annobon, dieser HvHeu des Golfes von Guinea. Diese Inseln sind nickt nur landschaftlich ausgezeichnet, sondern besitzen insbesondere einen Hoheit wirtschaftlichen Wett. Erstaunlich ist der Reichtum des Buches an ausgezeichntten bunten und einfarbigen Mbildungm, .Kabinettstücken der modernen Repro­duktion. Für den Preis von 20 Mk. ist das, was in dem Buch' des Herzogs in Wort und Bild geboten wird, als außerordentlich billig zu bezeichnen, und jedem, der gern von eigenartigen Ländern und Völkern hört und der sich für deutsche Fottäierarbeit int schwarzen Erdteil intcreffrert, kann das Buch mir empfohlen werden.

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