Ausgabe 
8.10.1912 Erstes Blatt
 
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Auch die serbische Skupschtina stimmte den Vor­schlägen der serbischen Regierung fru.

Türtisch-montcncgrinische Kämpfe.

DieNeue Freie Presse" meldet aus Cetinje: Die Aufständigen in Sera n e befinden sich im Kampfe mit türkischen Truppen

Ter Vorstand des deutschen Ltäbtetages und die Hleifchteuerung.

Ter Vorstand des deutschen Städtctages trat am Mon­tag vormittag im Ratdause ;u K ö l n -u einer Sitzung zusammen jum Vorsitzenden wurde der Oberbürger­meister von Berlin, Wermuth, gewählt. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war die ^le is ch t e u e r u n gfragt Ter Vorstand nahm zu den Massnahmen der Re­gierungen Stellung und saßt folgenden Beschluß-

Erstens: der Vorstand kann es nicht als die Ausgabe der deutschen Städte ansehen, dauernd in die Preisgeitaltung der Nahrungsmittel et trug reifen und Mängel der Wirtschaftspolitik durch kommunale Maßregeln auszngleichen^ ...

Zweitens: der Vorstand nimmt an, da» Die deutschen Ltaore unter Wahrung des vorstehend ausgedrückien grunbiätzlickren Ltaw. Punktes und in Würdimmg der vielerorts herrschenden Notlage ge­neigt sein werden, aus den Boden der inzwffchen von ber preußischen Staat-rcgierung beschlossenen und von de,l anderen Bundesregie­rungen vorausfichlich gleichartig zu treffenden Maßnahmen eine Absckiwtichuna der zurzeit herrschenden ,yleischteuerung zu ver suchen Nach den bisher vorliegenden Erfahrungen und Zmorrna ttonen glaubt der Vorstand allerdings einen durch­schlagenden Erfolg dieser Versuche bezweifeln -u müssen. , -

Drittens: unter Hinweis am diese Berurchttingen beschließt der Vorstand in einer erneuten P eti ti o n and en Herr n Reichskanzler, barauf hinzuweisen, daß nach Ansicht des Vorstandes die notwendige dauernde Entlastung des Fleischniarktes nur von der Einführung von Gefrierfleisch und damit von einer Aushebung oder Milderting des Paragraphen 12 des Fleisch­beschaugesetzes zu hoffen steht.

Viertens: der Vorstand wird in Kürze nochmals zu- sammentreten, um über den Erfolg der bisherigen Maß­regeln und etwaige weitere Maßnahmen zu beraten.

Als Tagungsort für den nächsten deutschen Städtetag wurde Köln gewählt.

Deutsches Ucid>.

Die Tagung des Verbandes für internatio­nale Verständigung.

In der letzten öffentlichen Versammlung des Verbandes für internationale Verständigung, der in Heidelberg tagte, behandelte Geh. Rat Professor Karl Lambrecht- Letpzig unter wiederholtem lebhaftem Beifall das Thema Tie a u s w artige .Kulturpolitik und die Ge­schichtswissenschaft". In der Einleitung zu seinen wissenschaftlichen Ausführungen verwahrte sich der Redner gegen die mißverständliche Auffassung einer Aeußerung über die sogenannteelsaß-lothringische Frage". Mit Bezug auf diese Auseinandersetzung nahm der Verhandlungsleiter und Verbandsvorsitzende Geh. Rat Prof. Dr. Ritter v. Ull- m an n -München Anlaß, im Namen des Zentralvorstanbes folgende Erklärung zu verlesen: Um Mißverständnissen vor­zubeugen, stellt der Vorstand des Verbandes fest, daß er durchaus auf dem Standpunkt steht, daß es keine in­ternationaleelsaß-lothringische Fra ne" gibt und daß vonseiten des Verbandes eine solche Be­hauptung nicht aufgestellt worden wäre. Weitere Vor­träge hielten Prof. Dr. Walther Schücking Marburg überDie wichtigsten Aufgaben des Völkerrechts" und Prof. Dr. Martin Rade- Marburg über den Beitrag der Kirchen zur internationalen Verständigung.

tReichstagsabgeordneter Dr. Becker liegt, derAlzeyer Ztg." zufolge, an einem schweren Gallen- steinleiden erkrankt in seinem Heimatsorte Ludwigshöhe dar­nieder. Die Anfälle sollen sehr schwerer Natur sein.

Eine deutsch-dänische Luftpost?

Nach einem Kopenhagener Blatt hätte die deutsche Postverwaltung der dänischen vorgeschlagen, eine regelmäßige Luftpost zwischen Deutschland und Kopenhagen einzuführen, die namentlich dann wirksam werden soll, wenn die u n g ü n st i g e n E i s Ver­hältnisse den regelmäßigen Postverkehr zwischen dem Kontinent und den nordischen Ländern unterbrechen.

Christlicher Gewerkschaftstag.

Am Montag vormittag traten in Dresden in Gegen­wart Don Vertretern der staatlichen unb städtischen Behör­den die C h r i st l i ch e n Gewerkschaften Deutschlands zu ihrer achten Hauptversammlung zusammen.

2hi$lan&.

Der belgische Staats Minister Seern a c r t f.

Staatsminister A u g u st B e c r n a e r t. der Präsident der Interparlamentarischen Union, ist heule im Alter von 8-1 Jahren

Avenue de l'Opöra so heimiscl wie ein alter Pariser. Aber Vas Spießbürgerlict.e, das wersällige, daS bei allen Wortspielen undWitzbrillanten" Geistlose steckt um'crnt Blumenthal nun ein­mal so im Blute, daß dieser unechte gallische Firniß, dieses müh­selige Jonglieren mit verstaubten Effekten aus der Rumpelkarnrn.w der Augier und Meilhac mehr belustigt, als all die flachen Späße, die in der bekanntenPerlenkette" aiwinandergereihl sind.

Auch die Tarstellung im Königlichen Schauspiel- Hause hatte uiärts Französisches, mar gut deutsch, und man be­dauerte nur, daß so ernsthafte Schauspieler wie Elewing und Frl. H a n u e nt a n n «n diese menschlich so lmwahren Figuren eine gewisse psyckwlogische Kunst verschwendeten. Tas Publikum der königlichen Bühne war wie immer freundlich und beifallsfreudig.

Dr. P. L.

Dte frankfurter Ausstellung zur Bekämp­fung der G e s ä> l e ck> t s k r a n l h e i t e n wurde am Sonntag für bie Allgemeinheit eröffnet. Tie umfaffeude Ausstellung bietet ein vollständiges Bild der wissensäxn'tliävn Erforschung der Ge säüeckuskrankheiten und gibt durch bildliäw nud graDbiidn Tar- stellungen, sowie Tabellen und Röntgenbilder einen umfangreichen Ucberblirf. Taueben führen Modelle und Bilder die Errungen- schaffen der Syphilissorsäning vor. Bet dieser Abteilung erregen btr Schaustellung derSalvarsanerzeugung, sonne die groß- atttge Bildersammlung aus Okbnmrat Ehrlichs Instimt besonderes 'ÄufKbfn.

Gegen die Futuristen. AuS Paris, 5. Oktober, nnrb gemeldet: Tas VTrnieinderatsmitglieb Lampue Hal an den UnterstaatSsekrctär der sätönen Künste, Berard, ein Schreiben gerichtet, tn dem er in sckurfen Worten seiner Entrüstung über dte tn^Herdnsalon aiiv-gencllten Bilder und Skulpturen der Mnbiftcn uiro (VHtunitcn Lust madn und bie Heb erzeug« ng aussvricht, ber V»»tf1 ItaatMefretar werde ftch nach Besichtigung des Herbstsalons 11 n»ckr das Recht Habe, ein öffentliches Gebäude E^Er^Bande von Uedeltäteni tu überlassen, bie sich in der Welt ber Künste^so benähmen, tmc die '?Uxidxn im gernebitltäten Leben üb « f t .In. W i e n ut 'der Mannte Lwrwffcke^llni^s^ ÄÄÄftÄ'nOt «« * 68Ä

in Luzern gestorben. Beernaert, der im Jahre 1828, tn Ostende geboren war, gehörte zu den bedeutendsten Voutikern feines Landes. Er hat über 40 Jahre Jang in Belgien bie wichtigsten Posten bekleidet. Im Jahre .1873 trat er zum enten Male in die Regierung als Arbeitsminister und verwaltete dann in verschiedenen klerikalen Kabinetten die Portefeuilles ber <yta nanzcn, der Justiz und der Landwirtschaft. Im ^ahre 1884 wurde er Ministerpräsident. Er war bis zum ^ahre 1894 am Ruder. Als er dann von der Regierung zurucktrat, wurde er zum Präsidenten der Kammer gewählt und legte erst im Jahre 1908 dieses Amt aus Gefnndheitsrucknchten medcn. Beernaert war trotz seiner streng klerikalen Gesinnung cm lehr kultivierter, literarisch und künstlerisch interemerter Mann, der Repräsentant seines Landes bei internationalen Seriammlungen und auch auf der Haager Konferenz. Später wurde er auch zum belgischen delegierten bei dem Haager Schiedsgericht ernannt. In dieser Eigenschaft erhielt er auch einen -teil des Friedens-Nobelpreises, den er jedoch nicht für NM iclbcr be­hielt, sondern seinem Vaterlande für allgemeinnützige und kul- rureHe Stiftungen überwies.

2lus Siafct un0»

Gießen, 8. Oktober 1912.

** Tageskalender stir Dienstag, 8. Oktober: Stadt­theater:Viel Lärm um nichts." Anfang 8 Uhr.

* Adelsverleihung. Der Großherzog hat den ehelichen agnatischen Nachkommen der verstorbenen Ehe­gatten Dr. Christian Gustav Clemm und Emilie (Stemm geborene von Grolman den erblichen Adelsstand des Großherzogtums unter dem FamiliennamenE l e m m v o n Hohenberg" verliehen.

* Ordensan gelegenheiten. Der König von Preußen hat den Roten Adler-Orden 3. Klasse mit der Schleife dem Oberst von T r o t t a gen. Trey den, Kom­mandeur des Ins -Regis. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, den Roten Adler-Orden 4. Klasse den Haupt'enten ©oft bau, Haehling v. Lanzenauer im Jnf.-Rcgt. Kaiser W'l- helm (2. Hess.) Nr. 116, dem Rittmeister v. Harnier im Gardc-Drag.-Regt. (1. Hess.) Nr. 23, den Stern zum Kro- nen-Orden 2. Klasse dem Gen-Major Hahn, Gen.-Adju­tanten des Großherzogs von Hessen und bei Rhein und den Kronen-Orden 2. Klasse dem Obersten H e r hu d t v. Roh­den, Kommandeur des Jnf.-Leib-Regts. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117 verliehen.

Lehre rpersonalien. Ernannt wurden die Lehrer Immanuel Gerstenmaicr und Hch. Michel, beide zu Bensheim, zu Lehrern an der Scminarschnle da elbt't, unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer. Erledigt sind: Eine mit einem cvang. Lehrer zu besetzende LehrerftcUe an der Gemeinbeschnle zu Gries beim. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Schwabs bürg; nut der Stelle ist Organtstendiensl verbunden.

** Erledigt ist die Stelle des Forstwarts der Forst wartei Alsfeld.

** Stadttheater. Es sei darauf aufmerksam ge­macht, daß am Samstag, 19. d. M., nachmittags 3y2 Uhr, als Schülervorstellung eine Aufführung von Les fingeNathan der Weife" stattfiuvet. Die Vorstel­lung findet zu Volkspreisen statt.

** I in Zirkus H e n r y , auf Oswaldsgarten, war gestern abend Eröffnungsvorstellung. Tas Zelt hat den gewohnten Um­fang der größten Wanderunternehmungen, ist gut elektrisch be leuchtet und bietet alle Bequemlichkeiten. Tie Vorstellung ent- ivrad) den besten Erwartungen. Ter größte Stolz des Herrn Henry sind wohl seine vier prächtigen indischen Elefanten, die er manch unterhaltsame Kunststücke gelehrt hat. Es ist dock) immer wieder ein Genuß, die Tierriesen so ruhig und fid)er auf einer Reihe von Flascl)en spazieren gehen zu sehen, und es l>at etwas Behagliches, wenn sie sich mit ihren plumpen Körpern in Trab setzen und man ganz und gar ihrer Gutmütigkeit ver­trauen dars. Einer, der noch seine großen Stoßzähne trug, machte sich ab und zu den Spatz, den Holzstaub der Manege mit dem Rüssel aufjiineunten und auszupuyen. Schließlich versetzte ihm einer der Wärter zornig einige kräftige Peitschenhiebe, und anstatt diesen Störer mit dem Rüssel durch das Zeltdach zu be­fördern, ließ er ganz einfad) seine Tu mm hei len. An einer Schaukelpartie, die sodann die inbiidyen Kolosse unternahmen, nahm auch ein hübsches Pserdck)en teil, dem bei dem traulichen Tete 6. tete aber doch nicht so ganz geheuer war. Schließlich legte sich der 'Herr Luigi Talotta auf dem Boden nieder, und sein Lieb lingdclcfant schritt bedächtig ein paarmal über ihn weg, um sich bann auf ihm nieberzulassen: eine Last von 20 000 Psunb. Als bas Tier fobann auf Befehl seines menschlichen Meisters bieten mit bem Rüssel emporhob unb vom Schauplatz hinwegtrug, gab es fröblidjen Beifall. Auch fünf ostasiatische Kamele zeigten gute Dressuren im Lausen unb Nieberlegen. Von be- ionberer Wirkung waren bie Tänze unb Gesänge einer Neger- truppe, wovon bie weiblichen Mitglieder, sehr junge hübfdje s.ytäbd)en, fid) als idjneibige Balletteusen «ulpuppten, naäi- bem sie, in entspreä-ender Gewanbung, >uerft lieimatliche Hopser gemacht hatten. Die schwarzen Geifflemeii vollsührtcn das gewohnte unb beliebte Trommeln auf dem Srett erb ob en: alles Leben und alle Intelligenz geht in die Seine; die obere Partie, and) Verstand und Gemüt, zeigen eine nur wenig »»adelnde Passivität. Ein Negergreis, mit einer blinkenden Schwert­klinge, raste einen Kriegstanz. And) diese originellen Bilder­chen erregten lebhaften Beifall. Einen gewissen Gegensatz dazu boten die japanischen Hofkünstler, die eine vollendete Harmonie typn Kraft und Gewandtheit offenbarten. Es tarnen die bekannten Hebungen an der Bambusstange, dann aber einige Balancier künste unb reizenbe Handfertigkeiten. Alles wurde- dielnb unb in größter Gelassenheit vorgebracht. Wenn sich bie Lanbsleute Nogis gegenseitig einen leid)ten oder schweren Gegen­stand zuwerscn, so erfolgt dies mit so meisterhafter Sicher­heit, da ß man gar nicht auf den Gedanken kommt, es könne and) einmal ein Fehlwurf passieren. Einer dieser Künstler zeigte sich auch als Gelenkigkeitswunder mit ganz erstaunlichen Leistungen, ein anderer tat sich als Seiltänzer hervor. Ein ähnliches Trio waren die als Teufel anfgeputzten Hutdr oher, die in allerlei schwierigen Stellungen mit kleinen Stäben Tücher in den Lüsten schwenkten unt> formten und daneben als Sprung künftlcr lebhaften Beifall erzielten. Eine Hauptfehenswürdigkeit bot aud) Direktor Henry mit feinem tadellos jedem leisen Druck gehorchenden Schulpferd, sowie mit seinen übrigen Dressuren. Reiter und Reiterinnen brachten gleichfalls einen angenehmen Wechsel in das Programm, und ivas bann an Humor noch fehlte, besorgten die drolligen Spässe ber Clowns. Ein »wiberspenmger, spassig breffierter Efel svielte dabei eine Haupt rolle. Am fävmngenden Reck versetzten bie Geschwister W a 1 - lenda bie Zuschauer in Spannung unb Bavunberunq Lebhaft beivcgtc Reiterbilder, wobei ber reiche unb sckwne Pferbcl'efitz des Tirektors Henry zu guter Geltung kam, idjloffen die Vor- Itcllung. Wir können den Besud) deS Zirkus beßens empfehlen

- «in Kürbis Uon 108 Pfund ist gegenwärtig tn ber Gescbaftrfftelle des Gietzener Anzeigers ausgestellt Ter schwerste aus der Gießener landiv Kreisschaü aus­gestellte Knrbis wog nur M Pfttnb, er wird alfo von dem jetzt ausgestellten Stück nod> um 9 Pfund übertrossen Der Züchter des schönen zkürbrs ist Herr Georg Hoß' vom Nahrungsberg. w

n " Von einem Automobil überfahren wurde ge­stern abend in ber Steinstraße ein 3-, Jahre altes Ktnb. s.as Kind wurde alsbald nach ber Chirurg. Klinik ge"

brackt unb es stellte fick heraus, baß ber erlittenen Verletzungen lediglich m Hautabschürfungen bestanden und Lebensgefahr nicht besteht. Ten Fahrzeuglenker trifft feine Schuld, denn das Kind lief hinter einem mit Stroh beladenen Wagen her und zupfte Stroy heraus. Als es dann auf das Trottoir laufen wollte, kam aus entgegengesetzter Richtung das Automobil und das Kind lief direkt davor.

* Ungetreues Laufmädchen. Eine vorübergehend sich hier auf haltende Herrschaft hatte ein 16 jähriges LaufnTädcken angenommen. Gestern wurden mehrere goldene Ringe unb son­stige Gold- und Silbersachen vermißt. Eine' Nachforschung bei dem Lausmädchen ergab, daß es alle die fehlenden Gegenstände, die einen ziemlich großen Wert haben, fortgeschleppt hatte. Der größte Teil fand sich in feinem Besitz vor und konnte ber Herr schäft 5urikfgegeben werben. Offenbar kannte bas Mädchen den Wert der Gegenstände gar nicht.

Landkreis Gießen.

A Grünberg, 6. Okl. Ter diesjährige Gallus markt findet am 16. Oktober statt.

Kreis Büdingen.

A Ortenberg, 7. Okt. TerKalte Markt" findet vom 28. bis 31. Oktober statt. Am 28. und 29. Oktober ist Vierde- und Fohlenmarkt, am 29. Oktober Rindvieh- und Schoveine- marft. Ter Krämermarkt dauert bis zum 31. Oktober. Auf der Bahnlinie StockheimGedern werden mehrere Sonderzüge eingelegt.

Kreis Alsfeld.

f. Kirtorf, 7. Okt. Heute nachmittag gegen Vs6 Uhr brach in der Scheuer des Heinrich Hannstein I. Feuer aus: es griff so schnell um sich, daß auch die N a ch b a r s cheu e r n des Ludwig Köhler alsbald in Flammen standen. Beide Scheuem brannten bis auf die Mauern nieder. Turch die Hydranten der Wasser­leitung war es möglich, das Feuer rasch und sicher auf seinen Herd zu befdjränfai. Als Brandursache wird Selbstentzündung vermutet.

Kreis Lauterbach.

~ Herbstein, 7. Okt. Zur Erweiterung deS Wasserwerks wurden der hiesigen Gemeinde mehrere im fiskalischen Walde befindliche Quellen durch die Domanial- vcrivaltung zur Verfügung gestellt. Um dieses Quellengebiet m Eigentum der Gemeinde zu bringen, wurde mit der Forst» dchörde ein gegenseitiger Gelandcaiistausch von je 6 Hektar Nabelholzivald imBurgfrieden^ bewerkstelligt. Eine verauszahlung findet von keiner Seite statt, die auf den Grundstücken stehenden Holzbestände verbleiben den seitherigen Eigentümern, sind jedoch bis 1. April 1913 abzutreiben. Die von der Gemeinde beabsichtigte kätifliche Erwerbung deS Qtlellengebiets konnte nicht berücksichtigt werden.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 7. Okt. Sdion einigemal hat die Stabt» oerorbnetenüerfammlung beschlossen, ein stäbtisches Schlacht­haus zu erbauen. Aber immer stellten sich bem Beschlüsse Hin- berniffe entgegen. Im fommenben Frühjahr soll enblid) bas Schlachthaus erbaut werben. Es kommt in den Stabtteil Fauer­bach, in die N^he des neuen Güterbahnboss. Zurzeit wird feine Erlaubnis für ein Privatschlachthaus mehr erteilt. Gestern abend begann das Wintersemester des Lehrerseminars. Direktor Tr. Schäfer hielt eine Ansprache und stellte den neu­ernannten Lehrer Referendar Junk vor, der an die Stelle des nach Büdingen versetzten Seminarlehrers Baldauf kommt.

h. Friedberg, 7. Okt. Ter Bureaugehilfe Wolff von hier wurde am Samstag von einem nach Frankfurt fahrenden Zuge überfahren und so fdyroer verletzt, daß er heute früh seinen Verwundungen erlag.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 6. Okt. Die Feier ihres 50jähr. Bestehens beging heute die Darmstädter Volks- bank, nachdem tn der am Freitag abbehalteneii General­versammlung eine I u b i u m s st i f t u n g beschlossen worden war. Bei dein heutigen Festakt begrüßte der Vor­sitzende des Aufsichtsrates Roll die Gäste, darunter auch ben Finanzminister Dr. Staun. Direktor PH. Stein gab eine eingehende Geschichte der Volksbank und dankt dann den großen Banken, welche dem Institut in seiner Entwicklung so große Dienste geleistet hatten. Rühmend gedenkt er besonders auch des jetzt verstorbenen Direktors T hiv r w a r t-Frankfurt, der der Volksbank ein treuer Freund und Berater war. Er machte dann die Stif­tung bekannt, aus deren Mitteln befähigte Handwerker durch Reisestipendien, Zuwendung für Mittel zur Beteili­gung an Ausbildungskursen usw. gefördert werden sollen. Im Namen des Ministeriums überbrachte Ministerialrat Hölzinger Glückwünsche und überreichte dem Direktor Stein das Ritterkreuz 1. Kl. des Philippsordens. Weitere Ansprachen hielten Bürgermeister Müller, der Annxil't der deutsckfen Genossenschaften Prof. Dr. Erüger-Char» lottenburg, Iustizrat Dr. Alberti- Wieslxtden im Namen der Deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, Direktor Malz im Namen der Dresdener Bank, Geh. Re- gierungsrat Noack im Namen des Landesgewerbevereins und der Zentralstelle für die Gewerbe, Gewerberat Falk im Namen der Hess. Handwerkskammer, Direktor Meisel usw. Ein Festessen sckfloß sich an.

M. Offenbach, 7. Okt. Das von der Stadt eingeführte holländische Schweinefleisch ist nunmehr eingetroffen unb wirb von 3 hiesigen Schweinemetzgem und in einer Ver­kaufsstelle im Schlacht Hof verkauft. Bezahlt wurden für Fleisch wie gewachsen mit Beilage 85 S]g., Gähnten mit Sein 90 Pfa Kovi mtt Backen 60 Psg Füße 55 Psg., Speck und Schmalz' 88 Pfg., Vorderschinken 8o Pfg., Rippen und Halsstück 1 Mf zurechtgeschnittenes Bauchfleisch 95 Psg. und Bauchabschnitte 80 Pig. bas Pmnb. Ter Masästnist Peter W olf geriet in einer in ber Walbstraße gelegenen Wirtschaft mit seiner Frau m Streit, ben ber Vorarbeiter tVarl Hecker zu schlichten suchte. Wolf zog im Verlaus beö Streites seinen Revolver und feuerte ihn auf H. ab. Hecker wurde in die rechte Kopfseite getroffen und schwer verletzt ins städtische Krankenhaus gebracht Die beiden batten im Laufe des Tages eine Anzahl Wirtschaften besucht unb dem Alkohol gehörig zugesprochen. Wolf will in ber Notwehr gehanbelt haben, da Hecker mit einem Messer auf ihn losgegangen sei.

Kreis Wetzlar.

== Wetz l a r , 7. Oft. Eine größere hier abgehaltene Ver­sammlung befchlotz, im Jahre 1913 eine Ausstellung für heimliche H a n d w e r f s f u n st und Industrie für den Kreis Wetzlar altzuhalten.

. $ °d)c ( beim ,7. Oft. Die Frau eines hiesigen Land-

wiNS gen et dcimTr eichen mit ber Dreschmaschine mit ber vin ^ne Znhnräbe r. Drei Finger würben abge- quetsebt unb bie Hanb schwer verletzt. Tie Fran mürbe noch Än- legung eines Nolverbanbes in die Klinif nach Gießen verbracht.

Gctrcidc-Wochenbericht

der Preisberichtsstelle des Deutschen LandwirtschaffSratS vom 1. bis 7. Oktober.1912.

Tie Verschärfung der politischen Lage am Balkan übte auf bem Getrnbemarkte naturgemäß eine befestigenbe Wirkung ans, penn im Falle eines Krieges würden Serbien und Bulgarien für bte Jcriorgung ausscheideii, und von noch größerer Seixiriintg mären tue ^dtroicrigfeiten, die sich dem rumämschen und russischen i^eireibeerporr durch fricgerifdK Verwickelungen in ben Weg stellen mürben, xurd) bie Zriebensverbanblungen zwischeii der Türfri unb Italien unb gewisse Zugestänbnisse der Pforte gegenüber bar oaliannaaten crsd-emt bie Lage in etwas freunblidjerem Licht immerhin lyabcn bie Verhältnisse auf bem Frachtenmärkte sich