Nr. 257
Erstes Blatt
162. Jahrgang
Dienstag, 8. (Moder 1912
Der «testener Snjelget erschein! täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SlehenerZamlliendlälter, zweimal roÖdientLKtcis» blaNsurdenNreisSiehen lTrenstag unbiyrcitaq); zweinial monatl. Land« wirtschaftliche Aeitfraarn Rcmlpred) - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. ExvedidSn 61 Adresse für Depeschen:
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politischen Teil: August Goel;; für .Feuilleton', .Vermifchles' und ,Gerichtssaal-: K. 9ku- ratb; iik .Stadt und iland": Ix.pcb; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.
Ein Zchachzug der tückischen Diplomatie.
Während in ftonftantinopel und im türkischen Volke überhaupt die Krieg 3 In ft wächst und dem Sultan patriotische Kundgebungen dargebracht wurden, bewahren die -Diplomaten der hohen Pforte ihre Geduld und ihren Humor. Sie haben ja freilich das gute Recht und das Wohlwollen der öffentlichen Meinung Guropas bisher schon auf ihrer Seite. Da sie aber aus den Pariser Konferenzen die Witterung erhielten, daß an ihre Regierung wieder Mahnungen zu Reformen ergehn sollten, kamen sie dieser Botschaft zuvor und ließen durch ihre diplomatischen Vertreter beit Großmächten ertlären, daß die Türkei bereit sei, das Rc- ormprogramm vom Jahre 18H0 auszusühren und dement- prechend ein neues Gesetz zu erlassen. Cb unter diesen Um- tänden die Großmächte den in Paris vereinbarten gemein- amen Schritt, dem inzwischen alle Beteiligten zugestimmt haben, unverändert unternehmen werden, ist ein wenig in Frage gestellt. Oesterreich verlangt eine ausdrückliche Versicherung, daß der Besitzstand der Türkei völlig unangetastet bleibe; es hat anscheinend besorgt, daß man den Serben doch vielleicht einige Freiheit im Sandschak 9tovibazar lassen werde. Jedenfalls werden die Mächte nun auch den neuen Vorschlag der Türkei in Erwägung zu ziehen haben, aber wenn es an die Einzelheiten geht, wird man vielleicht einige Jährchen tagen massen, und die Ungeduld der kleinen Ballanktäffer wird fortbestehen. Denn das Reformprogramm vom Jahre 1880 umfaß: nicht weniger als 450 Artikel, vwr auf die Frage, wie die Reformen in die Praxis zu übertragen seien, blieben die Männer, die das Programm im Schweiße ihres Angesichts versaßt haben, die Antwort schuldig.
Die einzige Möglichkeit, den Krieg zu vermeiden, be- steht darin, die Baitanverbündeten, die ja auch die Absicht der Türkei auf Zeitgewinnung riechen werden, ganz energisch zur Ruhe zu verweisen. Aber, so soll nach einem Berliner Blatt, aus beutln Regierungskreisen verlautet haben, die Einigung wird nur bis zum ersten Kanvncn- schuß dauern Damit werden die Bulgaren und Serben rechnen; ihr Plan ist eben der Krieg!
Reformen für die curopäifchc Türkei.
Die türkische Regierung hat, so wird ans Konstantinopel gemeldet, in den letzten Tagen, besonders infolge der Schritte gewisser Mächte, Reformpläne für die europäische Türkei in Aussicht genommen, die auf dem Gesetz beruhen, das am 2 3. August 1880 von einem Ausschuß unter dem Vorsitz des damaligen Ministers des Aeußern Assim Pascha nach Anhörung des internationalen europäischen Ausschusses für Cftrumclien ausgearbeitet worden war. Das Gesetz, das die Folge des Artikels 23 des Berliner Vertrages war, ist durch ein Jrade )anItioliiert, aber nicht an gewendet worden. Die Zusammen beru- fung des Senats bezweckt, wie behauptet wird, bas Haus über die Zweckmäßigkeit der Maßregeln zu befragen, für die das Kabinett vielleicht nicht die ganze VeranUvortlich- keit zu übernehmen wagte. Der Senat konnte am Sonntag übrigens nicht tagen, weil nur acht Senatoren anwefeno waren. Die Absicht der Regierung ist erst in einem beschränkten Kreise bekannt geworden, scheint aber in gewissen türkischen Kreisen, be,onders beim Militär und den Jungtürken, einen schlechten Eindruck hervorzurufen. Das
Gesetz von 1880 ist ausschließlich in den Publikationen des britischen Parlaments Jahrgang 1880 Six. 16 erschienen.
Die Pforte hat ihren Botschaftern ihren Beschluß bc treffend die Durchführung von Reformen in Mazedonien notifiziert.
Ein griechischer Protest in Konstantinopel.
Konstantinopel, 7. CIt. Rach mündlichen Vor stellungen überreichte der griechische Gesandte der Pforte eine Rote, in der vroteftiert wird gegen die Beschlagnahme griechischer Dampfer. Weiter wird protestiert gegen die Besetzung von 10 griechischen Dampfern von türkischen Cfsizieren und Mannschaften.
Schon wird auch aus den Balkanhanptslädten gerne! bet, daß man an die Reformpläne der Türkei nicht glaube. Und in der türkischen Hauptstadt ist die Kriegsluft noch unvermindert und man betreibt eifrig
tie Rüstung zum Kriege.
Das Wiener Korrespondenz Bureau meldet aus Konstantinopel vom 6. Oktober: Heute ist der letzte Tag für bie ® inrückung d er R eser 6 i sten. In Konstan ttnopel strömen bie EinoerufÄten zu ihren Bataillonen und durchziehen mit Musik und Fahnen die Straßen, wobei auch b c g e i jt e r t e Kundgebungen für b i c Armee und den Krieg veranstaltet werden. Der Marine- minift er beschloß, alle im Hafen zurückgehaltenen griechischen Dampfer mit je vier Offizieren und einigen Matrosen besetzen zu lassen.
In der Provinz dauern die V e r s a m miungc n zugunsten des Krieges an. Gegen 3000 griechische Reservisten sind nach Athen ab gereist. Zahlreiche andere griechische Untertanen verlassen die Stadt.
Konstantinopel, 7. Okt. Gestern hat hier ein Kriegs rat ftattgefunben, an dem der Großwesir, der Kriegsminister, der Marineminister, die Generalstabschefs, der Kommandeur der Cfb und Südarmee, sowie alle höheren Offiziere teilnahmen. In dem Kriegsrai wurde die militärische Lage besprochen.
Saloniki, 7. Okt. Die Mitglieder des serbischen Konsulates haben bis auf den Generalkonsul Balugtschitsch gestern Saloniki verlassen. Der bulgarische Konsul erwartet stündlich seine Abberufung.
Seit drei Tagen wird unuickerbrochen die von Andrie- vitza nach der montenegr'nischen und türkischen Grenze führende F a h r st r a ß e v o n den Montenegrinern ausgebessert. Selbst Weiber und Kinder werden bei den Arbeiten beschäftigt. In Andrievitza sind sechs Bataillone und zwei Batterien konzentriert.
Die Treue der Albaner.
In der Stimmung d'er Malissoren ist plötzlich ein Umschwung eingetreten. Als Essad Pascha den Fluß Mali überschritt, kam ihm eine aus vier Malissoren- sichrern bestehende Abordnung entgegen, die versicherte, daß sich die Malissoren der Regierung ergeben und kein weiteres Blutvergießen wünschten. Essad Pascha ließ seine Truppen den Marsch nach Skutari sortsetzen.
Der LinigungsauLschust in Paris.
Die Agenee Havas veröffentlicht folgende Rote: Ministerpräsident Po ine ar 6 hatte am Montag vormittag mit dem russischen Minister des Aeußern Sasonow eme Unterredung, in der er die Antwort Großbritanniens mitteilte, aus der hervorgeht, daß das Einver
nehmen zwischen den Mächten über die Bedingungen hergestellt ist, daß unterdessen sowohl Jb ci b en Bälkanländern als in Konstantinopel Schritte unternommen werden sollen. Sasonow telegraphierte den Vertretern Rußlands bei den Ballanstaaten, sie möchten sich mit ihren österreichisch-ungarischen Kollegen ins Einvernehmen setzen, um gemeinsam, und sobald wie möglich, den verabredeten Schritt zu unternehmen. Bei der Pforte werden die Vertreter der fünf Mächte in Konstantinopel den verabredeten identischen Schritt tun.
Eine weitere Note bt;r Agenee Havas besagt: Ministerpräsident PvincarS cnTpfing am Montag nachmittag den englischen B o t sck a f t e r. Er hatte darau7 nacheinander mit dem türkischen Botschafter und den Gesandten von Griechenland und Bulgarien Unterredungen.
Tic Mißstimmung und Ungeduld in Bulgarien und Serbien.
Die bulgar ische Sobranje hat der Mobilmachung und den sonstigen Forderungen der Regierung zugestimmt und der Ministerpräsident Geschow hat die Sitzung am Montag mit folgenden Worten geschlossen:
Die Volksvertretung hat alle legislativen Maßnahmen, die die Regierung vorgeschlagen hat, angenommen. Diese Maßnahmen sind nicht zahlreich, aber sie find entscheidend für das Schicksal unseres Landes. Wir wollen hoffen, daß dieses Schicksal in der cndgiltigcn Schaffung des Friedens und in dem höchsten Glück Bu 1 gariens bestehew w i r d. Da der König allen Beschlüssen der Sobranje zustimmt, hat er mich beauftragt, in seinem Namen die außerordentliche Sitzung der Nationalversammlung zu schließen. (Andauernder Beifall.) /
Während der kurzen Pause, die dem Schluß her Sitzung vorauSging, stimmten zahlreiche Abgeordnete die Nationalhymne an. Die Abgeordneten haben zugunsten der Armee zum Ankauf von Militärflugzeugen auf ihre Diäten verzichtet.
Dem „Temps" wird von seinem Sonderberichterstatter, aus Sofia gemeldet: Die ins Auge gefaßte österreichisch-' russische Aktion in Sofia hat hier ein gewisses Uni behagen hervorgerufen. Man ist der Ansicht, daß das! Zusammenwirken Englands und Oesterreichs in den Balkansragen, welches unangenehme Präzedenzfälle ausweist, für Bulgarien nichts gutes bedeuten kann. Bon sehr berufener Seite erklärt man, daß diese Intervention^ falls mau durch sie den Krieg zu verhindern hofft, mir-* kungslos fein werde und daß sie, wenn sie nach dentz Kriege erfolge, dem Bestreben der Balkanvölker zuwider; laufen werde.
Ucbcr die Absendung eines Ultimatums au die Türkei das wahrscheinlich jeder Battanslaat getrennt stellen wird,, sind nach Angaben von zuständiger bulgarischer Seite bisher keine Beschlüsse gefaßt worden. Vorher dürsten die Forderungen Bulgariens den Großmächten mitgeteilt werden, so daß eine Ueberstürzung der Ereignisse schwerlich eintritt.
Der Berliner Lokalanzeiger meldet aus Belgrad: Von unterrichteter Seite wird erklärt, der Vorschlag Poincarss biete Serbien zu wenig des Tatsächlichen und die türkische Note ließe nur erkennen,, wie wenig ernst es der Türtei mit der Durchführung der Reformen sei. Es iönne nicht oft genug betoiu werden, daß Serbien keine Gelüste nach dein Sanoschak hege. — Vor Ende dieser Woche dürfte das Ultimatum der Pforte nicht überreicht werden.
Der Konjcrtoerein und sein Programm für den Winter 19(2/15.
Vom Konzertverein wird uns geftpricben:
Der Vorstand des Konzertvercius veröffentlicht im Anzeigen teil dieser Wummer als Ergebnis seiner nunmehr mit einer Airzahl .von Künstlern, Kapellen und Behörden abgefa;lD)fenen Verhandlungen, die vollständige Reihenfolge der musikaiiichen Darbietungen im bevorstehenden Winter. Wie im Vorjahre werden auch diesesmal ''IO Konzerte im ganzen veranstaltet, von denen 9 in das Wintersemester und das 10. in das Sommersemester fallen. Sie gliedern sich in 3 Soliiicnabcnöc, 3 Kammcrmuiitabenbi* und 4 Ehor- und Orchesterkonzerte. Die erwählten Künstler bürgen baiür, daß unsere Musikfreunde ganz außergewöhnlich geiiuiji-eichen Darbietungen entgegensetzen dürfen. Mit Absicht sind hauptsächlich solche allentl-alben bewunderte, reife Künstler berufen luoroen, die bisher in Gießen noch nicht zu Gehör kamen. In diesem Sinne sei besonders hingewtesen au,: Fran Kammersänge.i.i Hermine Bose 11 i aus München und den bekannten Pianisten Professor Josef P e nt b a u r aus Leipzig mit seiner an Li.zrscye Zuge gemahnenden Vortragsweise. Er wiro int Eröisnungslönzert nicht nur als Solist auftreten, sondern auch mit seiner Frau und würdigen Partnerin hervorragende Kompositionen für zwei Kiamere voi.ragen. Eine weitere interessante Bekanntschaft in der von alten diesjährigen Bayreuthbesuchern ob seiner herrlichen Stimme und Geuauungs frait gepriesene Bassist Kammersänger Paul Knüpfer von der Berliner Hofoper und die jngendliä-e Geigerin Frl. E v a ii g e l i n e Anthony aus London, welche int vergangenen Winter in vec schiedenen Städten Mitleid, m.mlands Uu^e Anerkennung erntete. Im Mittelpunkt des Interesses duiite der Kölner Geiger Adolf B u s d) stehen, der noch ein Jüngling und Ooui scyo.t (i.i aneriaiinter Meister in seinem Fache ist. Seine vollendete Tecynik unö Jein mit tiefer Empfindung gepaartes Spiel bildeten üoerall die Sensation der Konzerte. Das Engagement des jugendlick-en Künstlers ist auch um deswillen 1 reu big zu begrüßen, weil er demnächst eine glänzende Stellung in Wien aniriu, die ihn für voraussichtlich lange Zeit unserem Musikbezirke entziet?.. Für Gießen fein Reu Ung, aber in dankbarer Eiinnerung von ihrent letzten Austreten im Konzertverein her, bei dein sie so herzlich ge,eiert wurde, ist die ausgezeichnete Kütt|ikri.t .s.r,ji-iinidiigctiit Frl. Gertrud Geyers bach aus Darmstadt. Auch sie inlgt in kurzem einem ehrenvollen Ruse nach Wien, so daß die Gelegenheit, iic noch ein mal hier zu hören, gewiß gern mangenommen nnrd.
Die Ausführung der Kammermu|it liegt dem bewahrten Dnol der Herren D r a u t m a n n , Redner und Öeg_ar ob; außerj ihnen werden an "diesen Abenden auch tüchtige Sangeskünfller, Frl. Karola Hubert aus Köln u. a. austreten.
Für die Orck-ester- und Chorabende sind 2 auswärtige Kapellen gewonnen, das verstärkte Sinfonieorchester des Frankfurter Palmengartens (der Stamm des neugegründeten Tonkünstlerorck/esters), sowie die Meininger H o f 1 a p e 11 c. Der zweite Absckstuß ist insofern von besonderer musikalischer Bedeutung, als die „M c i it i n g e r" im Februar am 1. Tage unter Max Reger ein Sinsonielonzert, am folgenden Tage unter Pros. Trautmanns Leitung m Beethovens M issa s o - lemnis spielen werden. Das Sinsoniekvnzert unter Siegers Leitung bringt einem von vielen Seiten und der Kritik geäußerten Wunsche entsprechend unter anderem eine B r u ck n e r s ch e Sin- jonic, sowie unter Mitwirkung des akademischen Gesangvereins das Regerftye Chorwerk: Die Nonnen. Im 1. Sinsoniekonzert pom 17. November unter Trautinanns Leitung wird sich der Liebling der Frankiurter, Herr Robert Hutt, nut seiner köstlichen Denorüimmc Horen lassen und im sinfonischen Teil soll — gewiß zur Freude aller Musikfreunde — Beethovens 7. Sinfonie erklingen. Den Besastuß der Saison bildet das herrliche '(Requiem von Berlioz, bcianntiid) ein Eyvr- und Jnslrumeiilaiwerk enien Ranges, das neben dem Hauptora-ester noch mehrere Reöeiwrchefter erfordert.
Die vorstehenden Mitteilungen werden zur Genüge bartun, wie sehr der Konzertverein bemüht ist, den Must: reunden gute Musik in jeder Form zu bieten. Er hegt die Zuversicht, daß «einen Be- [trebungeu das Interesse des Puolckums nicht fehlt, und daß fie durch zahlreichen und regelmäßigen Besuch per Konzerte die unerläßliche Unterstützung fiiiden. Abonnenten scieit^ daran erinnert, daß ihnen die seither iiinegel-abten Platze bis 2u. LUober längstens zur Verfügung gehalten werden, sofern fie nicht innerhalb biefer Frist irgendwelche Aenderungen bei Herrn Ernst Ehallier ausdrücklich beantragen. Das Abonnement bedeutet uörigens — worauf Musikfreunde beionders aufmertfam gemacht werden — eme erhebliche Ermäßigung gegenüber den Einzelpreisen der Karten.
Die Konzerte finden (außer den 2 Orchester- und 2 Chorkonzerten; in der Universitätsaula statt. Zu näherer Aus- fuiiit ist Herr Ernst Ehallier jederzeit bereit; bei ihm werden auch 'Jtcuanmcluuiigen zum Avonne.,:ent eiuQeaenaenonimcn.
öcrliner Lheatirbries: Der neuche v.umcnti,al.
Wenn Oskar Blumenthal einen „2B a f f e n g a n g" in einem breialiigen Lustspiel mit deut Publiium ausficht, bann ist es natürlich ein Waifengang der Kritik mit der Liebe. Kritik und Liebe find ja Die beiden Mächte, die ihn uno seine Helden jung erhalten; Die eine spornt ihn durch ihren Tadel an, die andere perwöhrit ihn durch ihre Gunfl. Und wie Krilil zu Liebe fuhrt, das ist so reckst der Inhalt seines neuesten Werkes.
Der bekannte Dickster Dartois, der seinen schriftstellerisck)en Ruhm bereits durch zwölf Duelle mit Kritikern außerordentlich gesteigert hat, steht vor dem dreizehnteii Duell, dem Schiusals- Wasfengang. Aber diesmal muß er die Spitze seines Floretts senken, bevor sie sich mit der seines Gegners gelreuzt, denen der böse Kritikus, aus dessen Blut er Reklame sckstagen roiil, ist eine Dame uiid natürlich bie schöne Unbekannte, die er liebt. Wie anders konnte dieser Wassengang enden, als mit der Verlobung? Aber wir sind ja erst am ersten Aktschluß, und so müssen die beiden Duellanten künstlich getrennt, Hinlangehalten werden, bis zum Dritten Aktschluß, wo die emanzipierte Fechterin in schämigem Erröten ihr Ja flüstern wird. Dazu braucht unser nie verlegener Autor folgende Requisiten: einen Onkel, eine Malerin uno eine Zackst. Statt der von Anfang an erwarteten Verlobung zwischen Dichter und Kritiker erfolgt beim zweiten Aktschluß Verlobung zwischen Onkel und Malerin, wobei der Onkel natürlich der Onkel der Dame und bie freigeiuige, leidenschaftliche Malerin Die frühere Geliebte des beleidigten und liebenden Schriftstellers ist. Und diese .Verlobung enolgt auf der Jach: des Onkels, wo im zweiten Akt alle zusammen kommen. Diese Zackst ist die cigentlicl-e ck-aralteristi- sche Rote des neuesten Blumenthal. Der Theaterzettel hatte aus sie üereil» tzingennesen, indem er von den extra für das Lufispiel angefertigten, von dem königlichen Hofltzeatermaler Kautsky entworfenen Dekoration erzählte. Als den Blumentt-al mit der Jacht im zwecken Akt wird man sich das Stück merken müssen, denn sonst unterscheidet er sich in nichts von seinen vielen, vielen Vorgängern; nur daß es noch mittelmäßiger, langweiliger und an komisipen Ein- lällen immeo ärmer ist, als die meisten Kinder dieses fruchtbaren Vaters. Um die im yoeiten Akt geschloffene kerlegenyeitsoerlobitng auizuheben, braucht Blumenthal den ganzen dritttn Akt, unb dann fäll: der Vorhang rasch über den versöhnten Duellanten. Der Verfasser des „Weißen Rößl"" kommt uns diesmal französisch, und Das nt das heimtia. Komische an der Sache. Es schwirrt und wimmelt in dem faden Dialog von sranzosftchen Namen, und wir sollen glauben, dieser Autor sei aus den Boulevards und in der


