Nr. 289
Erschein! tSglich mit Ausnahme des Sonntags.
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Dir mit der Hcrslel1u:e unseren Gießener La-
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Samstag, 7. Dezember 19(2
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersitätS • Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Dietzen.
estellkarten 'M! nii den Vorstand, Säm id. Wir bitten dirM ' Gebrauch zt rnachin. ustragen meröen gejo Schnnzenstr. 16, melk.
Ter Vorstand.
Das Optophon verwandelt Lick't in Schall. Ter Blinde, dem Organ für direkte Lichtempfindung fehlt, wird dadurch in Stand gesetzt, Licht mit den Ohren zu erkennen.
dunkel: es läßt nur die Richtung des Lichtes erkennen, l aber sehen die Welt in ihrer Weite und Tiefe, wir genießen Ml Schönheit von formen und Linien, die vielfältige Pracht der Farbe jubelt uns entgegen; denn das Auge ist unser vornehmster Sinn.
dtiung: lchtsratsinitgliedern
trifft man höchstens noch in Schweden und Norwegen. Ader ich will mich nicht weiter über den musikalischen Geschmack der Russen auslassen; cs könnte den Anschein erwecken, als märe ich_ voreingenommen für meine Landsleute. Das eine ist sicher, daß alles, was wir die Russen^ in der Musik lieben, alles, was wir schätzen, alles, was uns in Bewunderung versetzt, alles, wovor wir uns beugen, mit Chopin ein Ghtbe gwunden hat! i9?n6Tnwh frnnftjm dem Dilettantismus in der Musik, und wenn
Da; Gptophon.
Der englische Gelehrte Edmund E. Fournier d'Albe hat, wie wir schon n'.itteilten, einen Lichthörer erfunden, den er Opto - bhon nennt. Vollkommen Blinde vermögen mit diesem Apparat 5?id)t nicht nur wahrzunehmen, sie lörmcn auch versckstedene Licht- ftärfen unterscheiden Tie Konstrullion eines derartigen Apparates bietet an sich nichts Wunderbares, beim wir besitzen ja bereits eine ganze Reihe künstlicher Sinne für Energien, die wir nicht direkt wahrnehmen lönnen. Ich erinnere nur an die Empfänger elektrischer Wellen. Das Prinzip der künstlichen Sinne besteht in der Umwandlung der Energien, für die wir kein Organ haben, in solche, die wir mit irgendeinem unserer Sinne wahrnehmen können.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:«-^ 112. Tel.-Adr^AnzeigerDietzen.
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abend am Donnerstag bradüc eilten glänzenden, aut genauester Sachkenntnis und eigener Ansäiauung bernlwnden Vortrag des Baseler Missionars Maier über das Thema: „Die R c o o l ii t i o n i n Edin a". Der Vortrag war leider infolge gleich zeitiger anderer Veranstaltungen nicht so beiuchi. wie er es verdient frätte. Die Ausführungen dürften allgemeineres Interesse erwecken. Tic Ursachen des weltgeschichtlichen Ereignisses liegen einmal in den politischen Ereignissen der letzten 20 Jahre, andererseits in dem geistigen Erwachen Chinas. Ter Mricg mit Japan (1894 begann das schlafende China auszurütteln. Nachdem die europaisckzeil Großmächte sich Stücke genommen ober — gepachtet hatten, brach der Borei auf stand ans 1900). Der siegreiche Krieg Japans gegen Rusüand steigerte ganz gewaltig das Selbstbewuscksein der gelben Rasse. Zunächst aber galt es, mit der verhaßten Mandschudhuaslie. die das eigentliche Chiira immer als einen Fremdkörper empfand, abznrechneit.
Am geistigen Erwachen Chinas hyt die M i s s i o n sehr großen Anteil. Der deutsche Missionar Tr. Faber z. B. schrieb ein fünfbändiges Werk über die europäisch-christliche Kultur im Vergleich, zur chinesischen. Dieses klassische Werk bat jeder gelehrte Chinese gelesen. Dazu kam die lebha-te Schultätigkeit der amerikanischen und englischen Mission und ihre große Schulliteratur. '.DZandic naive Leute stellen sich die Arbeft eines Missionars so etwa vor, als ob er bürd' 3 Lanb siebe und mit Bibelsprüchlein hausiere, aber sie täufffren sich. Tie Mission I.mc eine große Kulturarbeit. Tas hat Amerika unb England längst erkannt. Jetzt merken es and) die Deutschen draußen und fragen: Wo ist die bcutfdh* Mission? Aber vor 10 Jahren hatten dieselben Kreise nur Hohn unb Spott für sie übrig. Ter Verlaus ber chinesischen Revolution im einzelnen ist burdi die Zeitungen bekannt geworden, and) die abwartende, diplomatische Rolle, die der jetzige Präsident Juanschikai spielte. Wer interessant ist das Urteil einer chinesischen Zeitschrift, die fdiricb: „Es must zngeg'ben werden, das- ein großer Teil der führenden Männer im neuen China Christen sind. Die politisckren u.nb militärischen Führer sind Christen." «>icn nur Tr Sungats'^ das geistige
Hau t i er Rev lution, sowie der Vizepräsdei' nn Gen r l ssimus der Armee Liheiu/ang. -rie chinesischen christlichen Pfarrer unb Lehrer hatten von ber Manbschudynastie nur Bedrückung erfahren, v B waren sie in ber Verfassung vom aktiven unb passiven Wahlrecht ausgeschlossen worben, nun schlossm sie fid) sofort der Revolution an. Ueberhaupt bildeten die Christen durch ihre größsrc Berührung mit dem Enropäertum und ihre Sckiulbildung den aufgeklärteren Teil des Volles. Zweifellos ist durch ihre Teilnahme die blutige Revoliltion an manrfrn Orten auch gemildert worden. Es wird nun gelten, die großen durch die Revolution errungenen Güter, wie Religionsfreiheit, Anerkennung der europäischen Schulen u. a. zu verwerten unb die Zukunft vorzubereiten. Aller Voraussicht nad) wird China die republikanische Staatsform behalten. Jedenfalls wird ein ungeahnter wirtschaftlicher Aufschwung cintrcten. Wenn ,z. B der Plan Tr. Sungatfen gelingt, eine Anleihe von 15 Milliarden Mark für ein großzügiges Eisenbahnprojekt durchznsetzen, wenn nach Ausführung eines solchen die ungeheuren Bodenschätze verwertet und ausgeführt werden Töimcn, dann wird die Welt Wunder erleben.
Inzwischen wird es deshalb gelten, durch viel energischere Unterstützung der Missionen und ihren Sckmlen, Einfluß auf die geistige Entwicklung des Riesenreiches zu gewinnen und damit dem Volke selbst, dem Christentum und dem T)cutfd^ tum den besten Tienst zu erweisen.
Möchten doch reckst viele ihre veraltete, unmobernc Stellung zur christlichen Mission revidieren unb hierbei Hithelfen. <3.
Die „«lehener Famtlienblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- ßragen" erscheinen monatlich zweimal.
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bie Schneegrenze nickst bis nach Schotten Später, wenn erst auch die Niederungen des Vogelsberges oerfdmeit sind, dann ist das ein leichter Aufstieg, bann gehts auf flinken Hölzern voran. Vielleicht schon heute, denn die Wetlerberickste melden starken sckmeefall im Vogelsberg, unb von Schotte', kommt die fröhliche stunde, daß der Schnee bis tief ins Tal heruntergekommen sei. Am Hoherodskvpf werden sogar schon 60—70 Zentimeter Schnee gemessen.
Still unb feier(id) liegt bie Nacht; durch den zarten Dunst' scksteier lugen die Sterne, mit mattem Glanz. Zuweilen schlägt fern im Grund ein Hofhund an . . uilb die Zeit verrinnt Endlos lang dehnt sich der Weg zwischen Mich.lbacb und Breunges fxiin, und die Lichter des Klubhauses, die ffambcnn-cit sichtbar sind, kommen und kommen nicht näher. Wie große, kickstweiße Stern' hängen sie vor uns am Gesichtskreis. Endlich sind wir am Ein gang von Breungeshain, das sich scheu in bie Talmulde duckt, unb die größte Anstrengung des Tages, der Aufstieg zum Gipfel des HoherodSkopfes liegt nun in schimmernder Schneefülle vor uns. Langsam und schweigend geht es den Telegraphenstangen nach bergan auf die Lichter zu. Dunkele Schatten huschen fast lautlos burd) bie Nacht. Manchmal strauchelt einer unb sinkt in den Schnee; die langen Bretter schlagen aneinander. Einer will einen Witz darüber machen, da gleitet er aus und die Pointe erstickt in der weichen Masse des Schnees, die seinen Fall vorsorglich mildert.
Nach einer halben Stunde ist ber Kamm erreicht, unb auf atmend tritt man in bas behaglich burchwärmte Klubhaus ein. Froher < ruß fliegt von Mund zu Mund, Spott unb Scherz Derweil man es sich bequem macht, wird ein rascher Imbiß ge rüstet unb darnach dehnt man in gemächlicher Unterhaltung die müden Glieder, lieber ein Weilchen setzt sich Einer ans Klavier, der Bumbaß klirrt dazu, und rasch einen sich bie Paare zum Tanz. Scknmännlein und Schiweiblein drehen sich in munterem Taft. Doch bald wieder tritt Ruhe ein. Der Sonntag bringt strenge Arbeit, da tut die Nachtruhe not.
Am andern Morgen gehts zeitig aus den Federn. Ein Teil ber Läufer übt am Hang. Unverdrossen versuchen die Anfänger Tücken ihrer Bretter zu überwinden, unb immer wieder ar beiten sie sich tapfer aus dem Schnee heraus. Ein paar andere ziehen fefrarfe Schwünge in das weite Feld, daß die Flocken auswirbeln in sprühender Gicht, doch auch mancher mutig bc gonnene Schwung spidef vorzeitig ein unrühmliches Ende. Da ragen ein paar Schneeschuhe steil in die Lnst und mistend N'ischt sich ihr schmählich abgesetzter Besitzer den Schneestaub aus hem Gesicht, um sich nach grünblidjer Ueberlegung über die Zusammengehörigkeit von Fuß unb Schi mühsam wieder zu mensch kicher Gestalt herznrichten. Ein anderer Trupp, der den Bosheiten des Weges schon zu begegnen weiß, zieht auf lustiger Fahrt in den Wald, nm sich in genußvoller Streife an den Schönlstiten des winterlichen Forstes zu ergötzen. Unter tiefverschneiten Bäumen über Gräben, Halden und Hängen geht der Weg in toller Luft, und dann kommt man gerade recht, um mit den anderen am Mittagstisch Platz zu nehmen.
Nack) einer kurzen Pause wird wieder geübt; ein paar Herren ziehen zum Sprunghügel, um ihre Künste zu versuchen unb mit ihnen gleitet eine große Zusck^auermenge zu ber steilen Schanze, bie durch das Eingreifen des Großherzogs und durch das Ent gegenkommen der Oberforstbehörde, insbesondere des Geheimen Oberrorstrats Diefenbach uttb des Forstmeisters Hoffmann nicht nur tadellos angelegt werden konnte, sondern nun auch mustergültig ausgebaut werden bars. Mit dem Sprunghügel hat der Gießener Schiklub eine Anlage geschaffen, die künftighin nickt nur sportlich, sondern and) wirtschaftlich von größtem Nutzen für den Vogelsberg sein wird.
Nach den an manchen heiteren Zwischenfällen reichen Sprung- Übungen, bei denen der Läufer seine Kraft und seine Kühnheit beweisen kann, geht es nach dem Klubhaus zurück, und nach ein vaar fröhlichen Abfahrten auf ber Remrbahn rüstet man sich schweren Herzens zum Absdped. Ein kurzes Signal, und bann geht es in langer Reihe schnell und schneller talnieder, ber Eben zu, die irgendwo in der Ferne hinter grauftt Duitstwolken liegt In Schotten hält man noch eine kurze Rast, bann v.rstaut man sich und feine Schneeschuhe in dem Zug — — die Maschine zieht an, die^Räder rattern, und heimwärts geht es auf blanken Schienen. Schade, daß zwischen zwei Sonntagen immer sechs Werktage liegen, denkt einer, denken alle. Im Winter wenigstens!
Das ist Schisonntags Ende. K. N.
Die Revolution in China.
Gießen, 7. Dezember.
Ter vom Ol> erhess. Verein für Baseler Mission in dem großen Hörsaale der Universität veranlaßte Vortrags
Wie bei so vielen der wundervollen mübenten ?lp parate, bie ben Inhalt unseres Lebens bereichern, spielt auch beim Ovtophon bie Elektrizität eine bedeutende Rolle. Es gibt einen merkwür- ■ lügen Stoff, ber dem Schwefel uerroanbt ist, das Sele n,^ dessen Widerstand für elektrische Ströme sich im Licht verändert. Starkes »Lickt har naturgemäß einen stärkeren Einfluß als schwaches. Ibclligkeitsschwankungen rufen also- Stromschwankungen hervor. I klektrische Ströme aber lassen sich in einem Telephon hörbar mad?cn. »Das sind die wesentlichsten phpsikalischen Gesetze, von denen bei Iber Konstruktion des Optophons Gebrauch gemacht wurde. Ein elektrischer Strom, den eine kleine Taschenbatterie liefert, fließt ’ durch einen Selenwiderstand. In einer sinnreichen Weise ist nnt diesem Stromkreis ein Telephon derart verbunden, daß es nn Dunkeln von keinem Strom erregt wird. Fällt aber Licht auf beit Seelenwiderstand, so wird das Stromgleichgewicht gestört, unb das Telephon spricht an. Da int Telephon sich nur plötzliche D-tromveränderungen bemerkbar machen, wird ber~ durchfließende o-lrom durch ein Uhrwerk etwa zehnmal in der Sekunde unterbrachen. So nimmt man das Licht als ein geheimnisvolles o-imimen wahr, je l-eller das Licht, desto stärker das Summen.
Um also z. B. das Licht einer Lampe zu „hören", hält der olinbe ben Apparat in der Richtung, in der er am stärksten iottnt, d. h. dorthin, wo die Lampe sich befindet.
'•Uten'
Leben.
äenMrogramm.
$d)ifonntag im Do elsberg.
OHefccn, den 6. Dezember 1912.
Krü^?' ,aIdvC5 wE in den letzten Jahren seine Art war, hat sich der Wtuter dtesmal auigemaa,! und l2. L, <■ g.IU1M- uni innidien Forst und Fels seinen rauhreilglitz^rnden Thron' aufzurtchiew Und mit ihm unb seine flinken G.-selten, die Ritter vom schlanken Brett dahergekommen und haben Besitz ergriffen von den weißen, weilen Flächen, die in schimmernder Reinheit über ben Fluren liegm. Hei, ist -das eine Lust, so dahinznfahren auf den langen M, mal en Holzern, frei von allem was den Mensch-n in das graue Einerlei der lvinterlichen Städte zwingt, ganz der vollen reinen Lust des Schilaufs dahingegeben Wie beschwing gleitet man einher auf seinen blanken Schneeschuhen, die zischend tn den Schnee schneiden, und Weite, und Welt wächst im Fluge.
Wer zum erstenmal talnieder saust, ungehemmt und unverzagt, der cmprmbet mit Hopienbem Herzen, daß er eine ganz andere ganz Neue Da,einsform gefunden hat, daß er losgelöst ist vm b? Erbe unb ihrer schwere, baß er frei unb ledig im Raume ickivebt. Man rltegt! Aber nicht wie ber Flieger, der mit lauernder Spannung bei seinem ratternden Motor sitzt nein leicht unb elastisch, lautlos fast, lvie ein Vogel, der auf Beute Et. Nur bas Raunen des Schnees knistert leise im Ohr sonst Ht rundum feierliche, heilvolle Stille.
Es ist etwas wunderbares um den Schilauf, etwas Scelen- volles, wenn man nur erst die Anfänge übenvunbeii hat und fickrer auf den langen Brettern stehen kann. Es ist eine groß zügige Kunst des Wanderns durch die winterliche Natur, es ist ein Jungln-nnue-n für Geist unb Leid, eine lustvolle Entfaltung aller geiunben Kräfte im Menschen Her; und Lungen weilen sich im Genuß der weiten, weißen Flächen und alle Sinne werden wach und klar im Anblick der tiefverschneilen, wintei'lid)en Wälder und ber nnabfehbaren, schimmernden Fluren. Der Winter in seiner ganzen Größe unb Erhabenheit tritt plötzlich vor uns hin, die wir aus dem Tunlt ber grauen Stäbte hinaufsteigen auf bie «icrgc, bie in wuchtiger Klarheit leuchten. Noch ist heuer der Walb nickst zu ejstlarem Kristall erstarrt, noch klingen bi? Acste nickt wie )vringenbe> Glas, wemi ber Wind >ie berührt, noch bat die Natur den Schmuck des strahlenden Nauhfroftzierratcs nicht über ihr schneeneißes Geivand geworfen, aber schon bchnt es sich nie weiche, samtene Polster über Hang und Tal fernhin sowril das Auge zwischen Zweigen und Stämmen schweifen kann
Winterpracht! Wer hat sie gekannt, als ber Großvater die Gronmntter nahm, wer kennt sie heute? Damals war der Winter nod allen eine Plage, wie er es heute noch für di- ist die s-cki cHtniummrüt in dicke wollene Decken unb mit gerümpfter Nase tmterm Oien hocken. Sachre, sachte, weckt sie nicht an, aus ihrer 'Hube, damit sie uns ihren Griesgram nicht in die Berge tragen, 'umut unser heiliger Winteiirald still und einfach bleibe und nickt kleinlich werbe. Wintersport, das ist nichts für behagliche Üeute unb erst recht nichts für Salonpüppch.-n unb Kleinigkeits- ’rämn. Wintersport, wie man ihn edel treibt, verlangt ein wendiges Herz unb einen offenen, klaren Blick für die winterliche Landschaft, die nicht so vielgestaltig wie die des Sommers ist, iiickst so bunt und reichbelebt, dafür aber einen überwältigenden -vg ins Große unb Erhabene hat unb doch auch mieber voll heim- /«her, schöner Reize ist, die inan mit feinen Sinnen auskosteu muß.
Die Schar der Schneeschiihläufer ist in den letzten Jahren autzerordentlich gewachsen, unb kaum loschen bie ersten Schneeslocken durch bie Luft, da rüsten Frau Holles Trabanten ihre glatten Hölzer zur frölstichen Fahrt. Halb mitleidige, halb überlegene Blicke folgen ihnen, wenn sie durch die regennassen, auf-- iKipeidtcn Straßen unserer lieben Stadt Gießen zum Bahnhof riehen, aber der Schiläufer schätzt das gering. Draußen ist klarer Wintertag, und auf den Bergen leuchtet der Schnee.
Durch das Entgegenkommen ber Bahn Verwaltung stehen jetzt meistens besondere Wagen für die Schneeschuhlänfer bereit, unb wenn man hier auf bie besonderen Interessen des Wintersport- oerkehrS and* noch nicht die Rücksichten nimmt wie in Bayern, flaben, Württemberg unb Westfalen, wo besondere Wint?''virt- lüge im Verkehr stehen, so ist man doch schon ftir das Wenige SnTbar, und wenn jetzt am Samstaae von Mainz ans ein wrtzug direkt nach Freiburg abgelassen nnrb, der Anschluß ch Titisee hat, so darf man wohl darauf hoffen, daß künftighin ruck) noch einmal ein beschleunigter Wintersportzug von Gießen nach Ackotteu eingelegt wird. Tic seitherige Verbindung, die zwei Stauben beansprucht, ist nickst der schönste Cßennß einer Schifahrt. Aber bie Zeit vergeht mit gutem Humor und von Schotten an ist der Weg frei. Ta die meisten Schiläufer mit dem um 5 Uhr ui Gießen abgehenden Zuge fahren, wird der Aufstieg zum Hohe- radskops in ber Dunkelheit zurückgelegt. In kleinen Trupps geh' es bergan, mit den Schneeschuhen auf benr Rücken, denn noch reich:
lsvorsitzende:
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Ebel
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r Kapelle des Inf.-Regldn
: Entree bi I
ff. Rubinstein über den Musikgeschmack der Völker. „Die wahre Musik, die erhabene Musik ist nur in Deutschland zuhause." So urteilt Rubinstein in seinen Erinnerungen, mit deren Veröffentlichung die „Annales" fortfahreu. Ein welch froher Bewunderer Deutschlands unb seiner Musik Rubinstein war, geht auch noch aus den weiteren Ausführungen hervor., „Was ben musikalisckzcn Geschmack der Völker anbe- trifft, so möchte ich bie Deutschen an erster Stelle nennen. Zwar wütet in Deutschland» ein besonderer Patriotismus in ber Musik, der sich mit einem gewissen mystischen Pietismus paart, zwar loofrnt alle Kraft Deutschlands in seinen Kanonen, welche der Tob ber Kunst sink», aber nichtsdestoweniger bleibt die deutsche Nation die musikalischste der Welt. Wollte man die Musikverständigen unter einzelnen Völkern in Prozentsätzen ausdrücken, so kommen nach meiner Ansicht in Deutschland auf 100 Personen 50, welche musikverständig sind, in Frankreich 16 unb in England — 2. Die Engländer sind bas unmusikalischste Volk, welches ich kenne, und sie übertreffen barin selbst die — Amerikaner, welche bie Musik^weit mehr schätzen unb auch von ihr mehr verstehen als sie. Ich spreche hier unparteiisch; denn in England ist mir stets ber wärmste Willkomm bereitet worden. Deutschland ist das Heim der,erhabenen Musik. Frankreich pilegt nur einen Zweig der Musik, und man muß zugestehen, es pflegt ihn gut: aber es ist Deutschland in musikalischer Hinsicht bei weitem nicht an die Seite zu stellen. Nur in Deutschland vermag man musikalische Werke erhabenen Inhalts ;u würdigen. Eine brionbere Stellung unter ben Völkern, was Musik anbetrifft, nehmen die Russen ein. Tie russischen Melobien ich spreche hier von ben Volksmelodieni sind wirklich hübsch, und berartige reizende Lieder
Aus Stciöt und €anö.
G jenen, 7. Dezember 1912. Der Kampf ncflcn die Tnbcrkulofc.
Tic Bekämpfung der Tuberkulose wird von den Landes- Versicherungsanstalten energisch und planmäßig, durchs greifend und erfolgreich betrieben. Nicht nur, daß die rerlbaren Lungenkranlen den Lungenheilstätten überwiesen werden, sondern auch den Lungenlranken, die bereits Invalidenrente beziehen, wird eine ihrem Zustande entsprechende Fürsorge zuteil. Gerade den Kranken, die wegen ihres vorgeschrittenen Leidens einer besonderen Behandlung und Verpflegung bedürfen, fehlt es oft an dem Alternod- wendigsten. Daneben besteht für ihre Umgebung, besonders für ihre nächsten Angehörigen, die Gefahr, durch lieber» tragung von Kwantcheitskeimen von dem gleichen Leiden heimgesucht zu werden. Zur Ausnahme solcher Personen sind deshalb in verschiedenen Krankenhäusern Hessens sog.
| uit Schmähungen unb Beleidigungen überhäuft worden bin, so hat I meine Ansicht doch nur wenig andern können Die Önin» bang des Konservatoriums hat nur wenige musikalische Reformen in Rußland zur Folge gehabt.
— Die Ergebnisse der Ausgrabungen bei den Eskimos, bie Stefansson, ber Entdecker der weißen Eskimos, im vergangenen 3afrrc bei Point Narrow an der Stätte eines ver^ lassenen alten Eskimodorfes vorgenommen hat, sind nun im Aew Borker Natnrlnswrischcn Mweum ausgestellt. Zu den inter- chantelten Stücken -zählen eine Anzahl ausgezeichnet erhaltener Felle von Mosckmsochsen, bü höchstens 50 Jahre alt sind unb damit ben Beweis erbringen, das: in icnem Teile Alaskas entgegen der bisherigen Annahme der Wissenschaft vor einem halben Jahr- frunbert Moschusochsen lebten.
— Die Kohlen schätze Großbritanniens. Auf dem Kongreß der geologischen Gesellschaft von London gab der Vorsitzende Prof. Watts einen interessanten Ucberblick über die Kohlenschätze Großbritanniens. Wie ein Bericht in der Internationalen Monatsschrift mitteilt, haben die Untersuchungen der Kohlenmission ergeben, daß von der in Großbritannien unbearbeitet bleibenden Kohle in den untersuchten Kohlenieldern 100000 Millionen Tonnen unb in ber unumersuchten 40 000 Millionen Tonnen sind Tiefe Menge bürite nach vorsichtigen Untersuchungen vor bem Jahre 2200 erschöpft fein. In weiten Gebieten sei eine wirkliche Erforschung zur Auffindung neuer Kohlenfelber durch Bohrung noch nicht versucht worden. Tie Zeit zur Organisation einer spstematischen Vermessung dieser Gebiete mittels einer beträchtlichen Reihe von Bohrungen sei aber nun gekommen, denn die Zukunft der englischen Nation hinge aufs engste mit der Dauer ihrer Kohlenvorräte zusammen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen-- schäft. Tie drei Frankfurter Autoren Emil August G l o g a u, Karl Noort unb Josef Wolff haben eine in Heidelberg spielende Studentinnenoverette, betitelt „Tas neue Weib" geschrieben bie demnächst in Hamburg zur Uraufführung gelangt" und auch sckon von weiteren Bühnen angenommen worden ist. — In Göttingen ist am 2. b. Mts. ber Privatdozem für Didaktik der mathematischen Wissenschaften an der dortigen Universität und Oberlehrer am Gymnasium, Dr. phil. Rudolf Schimmack im 32. Lebensjahre gestorben.
vietter Blatt (62. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Direkt: Herm,nn Stel'l*
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So kunstvoll dieser Apparat erdacht ist, so viel er dem Blinden wovor wir un:
Ü^t, so armselig erscheint er im Vergleich mit unseren Augen. Rußland kranft c Optophon gestattet nur die Wahrnehmung von hell und «ich auch, als ich dies zum erstenmal im Jahre .1860 aussprach.


