Ausgabe 
7.3.1912 Erstes Blatt
 
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empfangen wurden vom Groß- u. a. Dr. med. Profesior Schott Beigeordneter Rechtsanwalt Grüne-

In Audienz Herzog am Mittwoch von Bad-Nauheim und wald von Gießen.

Au» Stadt und Land.

bleuen, 7. März 1912.

** TageSkalender für Donnerstag, 7. Diärz: Vor­träge von Prolefsor St (u nt t c r aufl Frankfurt und Prwatdozent Berliner aus oiicue» üvec moderne Probleme der Zwangs- erzielning. Abends ä1/, Uhr im großen Hörsaal der Universum.

Vortrag von Heinz RicharDi - ^rankmrt im ttaustn. mib OrtSgeiverbeverein: Norwegen, das Wunoerland der tzjorde. AbendS 8l, Uhr m der neuen UntversitäiSanla.

>A k a d. D ä r e r - B u n d : Wiederholung der John Gabriel Borkmann-Aufführung. Abends 7'/, Uhr tu der Turnhalle.

Lehrerpersonalien. Ueb ertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Nud. Blank aus Haarhaufen eine Lehrerslelle an dec Höheren Bürgerschule zu Badenhausen.

Richterperjonalien. Der Großherzog hat den LandgcrtchtSrat bei dem Landgericht der Provinz Starken­burg Dr. Aug. Nagel zum Landgertchtödlreklor bei biejcm Gericht ernannt.

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* Die Bewaffnung der hef fischen Gen­darmerie. Man schreibt uns: Infolge der in letzter Zeit wiederholt vorgekommenen gewalttätigen Ausschrei­tungen von Zigeunern, bei denen Gendarmen und andere Sicherheitsbeamten im Kampfe durch Schüsse verletzt oder sogar getötet wurden, war es notwendig geworden, ein größeres Gendarmerie-Aufgebot in einen Teil des Kreises Lauterbach zum Schutze der Bevölkerung zu kommandieren und hauptsächlich die an dem Mord des Mrsters Romanus aus Meßig beteiligten Gebrüder Ebender festzunehmen. Zu solchen außergewöhnlichen Tienslverricktungen, wo es sich um Verfolgung von Verbrechern handelt, sind die hessischen Gendarmen (Fußgendarmen) mit einem veralteten, nach dem Gewehr M 71 umgearbeiteten Chassejwtgewehr ausge­rüstet, das wohl vor über 40 Jahren eine moderne und gefürchtete Schußwaffe gewesen i|t, aber gegen die heutigen Gewehre der Truppen eine vollständig unbrauchbare Waffe ist, die wegen ihres größeren Kalibers wohl einen großen Knallefselt erzeugt, aoer teine genügende und sichere Trag­weite besitzt. Auch ist die Feuergei chwinüigkert wegen der Einzelladung des Gewehres gegenüber den neuen Sckuß- roajien sehr im Nachteil. Mir diesen veralteten Gewehren sollen nun die Gendarmen, größtenteils Familienväter, den Zigeunern gegenübertreten, die mit den modernsten Waffen aller Art verfehen sind und einen Beamten, ehe dieser aus Schußweite herangewmmen ist, mit ihren besseren Schuß­waffen zufammenschießen rönnen. Ter Genoarm ist der größte Feind der Zigeuner, er muß in Wäldern ost einer größeren Bande allem gegenübertreten und ist daher der Gefahr ausgesetzt, sich in einen Kamps mit denselben einzu­lassen. Man sollte deshalb den Gendarmen, die ihr Leden täglich aufs Spiel setzen, bessere Massen in die Hand geben, d>e wenigstens denen der Zigeuner nicht nachstehen.

** Die Verwendung der Erträgnisse des Blumentags. Bald nach der Abrechnung über den allge­meinen hessischen Blumentag im Mai 1911 wurde aus der Be­völkerung heraus Der Wunsch laut, es möchte über die Ver­wendung der eingegangenen Gelder Aufklärung gegeben werden und es wurde die Erfüllung dieses Wunsches von der Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen zugesagt. Nun­mehr kann diesem Wunsche Rechnung getragen werden. Der Schwerpunkt der Tätigkeit Der Zentrale liegt in Der Einrichtung ärztlicher Beratungsstellen, in Denen Ntüttern unentgelt­lich ärztlicher Rat über Die Pflege und Ernährung ihrer Säug­linge erteilt wirD. Nur ausnahmsweise sollen Den Müttern Unter- ftüeungen unD Beihilfen gegeben werden, in erster Linie sollen sie in StanD gesetzt roerDen, sich selbst zu helfen. Die Beratungs­stellen haben sich sehr beivährt, sie roerDen stark besucht. Zur Einrichtung Der Beratungsstellen hat Die Zentrale aus Den Er­trägnissen Des Blumentages im letzten Jahre airta 30 000 Mk. verroanDt. Es bestehen Beratungsstellen in Alsfeld, Alzey, Arheilgen, DarmstaDt-Bessungen, Bingen, Birkenau, Bensheim, Bretzenheim, Tübingen, Darmstadt-Stadt, Dieburg, Eberftabt, Friedberg, Gernsheim, Gießen, Griesheim, Grotz-Gerau, Groß-Umstadt, Hechtsheim, Heppenheim, Kostheim, Lauterbach, Mainz, Michelstadt, Neu-Isenburg, Ober-RoDen, Offenbach, Pfung- staDt, Viernheim, Worms, Weisenau, WeiterstaDt, Wimpfen (in Vorbereitung Butzbach u. a. m.). In Notfällen roerDen in Den Beratungsstellen Beihilfen in Naturalien, Hafer, Tropon, Milch usw. gegeben. Allmählich sollen Beratungsstellen in allen Orten mit mehr als 3000 Einwohnern errichtet werben, es werden beshalb die Anforderungen in den nächsten Jahren erheblich steigen. Zu den 30 000 Mk. für die Beratungsstellen kamen 8500 Mk. an Honorar für die Aerzte der Beratungsstellen, ein einmaliger Zuschuß von 1500 Mk. an das Säuglingsheim in Gießen, ein? Zuschuß von 2300 Mk. an die Hebammenlehranstalt in Main-,: ein Zuschuß der Zentrale an die in Darmstadt bestehende Milcht Zuschuß zu den Kosten des Eleonorenheims in Darm­stadt von 9270 Mk. Für Vorträge von Aerzten, für belehrende Druckschriften, Stillregeln und Merkbüchlein (von denen etwa 40 000 Stück verteilt wurden), für Säuglings- und Wäschebündel wurden größere Beträge aufgewandt. Im Anschluß an die Be­ratungsstellen wurde die Einrichtung getroffen, den Frauen, Denen VerwanDte oDer FreunDe nicht beistehen können unD denen eine be­zahlte Hilfskraft fehlt, für die ersten Tage nach Der Entbindung eine Hilfe zum Waschen, Kochen, Putzen, eine sog. Haus- pflege unentgeltlich zu stellen. Diese Einrichtung ist sehr beliebt; sie hat schon manche arme Mutter, die sich durch zu frühes Ausstehen und Arbeiten im Haushalt dauernde Schädigung hätte zuziehen können, vor Siechtum und vielleicht vor dem Tod bewahrt. Eine derartige Hauspflege wird sich allmählich auch in den Gemeinden unter 3000 Einwohnern, wo Beratungsstellen nicht möglich sind, einführen lassen. Außerdem sollen in sämtlichen Kreisen beamtete Helferinnen der Zentrale (Kreispflegerinnen) an- gestellt werden, deren ausschließlicher Wirkungskreis der Land­bevölkerung gelten wird. Für die Landkreise von Mainz und Darmstadt sind derartige Kreispftegerinncn schon in Tätigkeit, die weiter vorhandenen drei Pflegerinnen erstrecken ihre Tätigkeit vor Der HanD über Das ganze Land. .

** Kun st verein. Tie für die neue Ausstellung be­stimmten Gemälde sind eingetroffen. Es werden diesmal Werke des Münchener Malers George von Hoeslin zur

Ausstellung gebracht.

**EineMonatsversammlungdesKrieger- vereins Gießen fand am Dienstag statt. Nach Erledi­gung einiger geschäftlicher Anyelegenyeiten hielt der erste Vorsitzende, Staatsanwall Trümpert, einen sehr lehr­reichen Vortrag überdas eheliche Güterrecht des bürgerlichen Gesetzbuchs". Der Besuch der Versammlung hätte besser sein dürfen. Zwei weitere Vorträge stehen in Aussicht. Mitte April spricht Referendar Dr. Locher über das Erbrecht des bürgerlichen Gesetzbuchs und Mllte Mai Oberlehrer Dr. Faber über ein Thema aus der deutschen Literatur.

** Zum Konzert des Evang. Arbeitervereins wird uns geschrieben: Musik- und Gesangsfreunde Dürfte es inter­essieren, Näheres über Die einzelnen Programmnummern zu er­fahren. Zunächst wäre zu erwähnen, was aus MehulsJoseph" zum Vortrag auSgewahlt ist. ES ist dies vor allem DieO uo e r- türe", die in ihrer schlichten Größe rwch heute wie vor hunDert Jahren wirkt, sodann DasMorgen geb et Der Israeli­ten", Das geradezu als Schulbeispiel gelten Darf, für Die Erreichung höchster Wirkung nut einfachsten Mitteln (Der Chor, abwechselnb Männer- unb Arauenchor, später gemischt, wirb nur von »roei Trompeten und zwei Hörnern eingeleitet unb begleitet). TieR o - manzedesBenjamin" wirb in der Uebertragung für O b o e- Solo mtt Der Original-Begleitung zu Gehör gebracht. Den Be­schluß der Stücke ausJoseph" bildet Der herrliche Chor Der jungen Aegypterinnen ,Ä!obt den Herrn mit Saiten» spiel unb Harfen".

* Vom Natur Heilverein Gießen wirD uns ge­schrieben: In Dem am Freitag ün Steins (harten stattfindenden Vortrag überLiebe unD E h e" nnrb Schriftsteller Emü Peters u. a. folgende Einzelheiten besprechen: Wann sollst du heiraten'? Soziale und wirtsä-aftliche Grundlagen Der Ehe. Moderne Sittlich- keitsbegriffe des Mannes. Tas Weid von heute. Zweck der Ehe. Vom Wesen Der Liebe. Was ist WahloerwanDtschast? Geistige unb biologische Werte. TieRätsel" der Liebe. Gelbehe unb Versorgung". Liebesschacher. Natürliche Geschlechtsauslese ober gesellschaftliche Wahl? Tie Liebe, eine formende Kunst. Tie Gatteuwahl. Physiologie ber Sinne. Ter Schonheitsoegrift bei Weib und Mann. Männliche und weibliche Liebe. Geschlechtliche Zuchtwahl. Mäniüiche unb werbliche Gefchl echtscharallere. Tie Zeugung. 2ad Gesetz ber Verervung. Aikoholismus. Wen darfst Du betraten ? Die Geschlechtstrantheiten in der Ehe. Ehe unb Prostitution. Der Geschtechtstrieb, ein Führer zur Regeneration. lLschlechtAehen m der Ehe. Die Folgen lugenüllcher Verirrungen.

jvrrtschaflSpolitischen Rede im Plenum vor einigen Tagen ein­gehende Ausführungen gemacht hatte, für Den Beginn Der Herbsttagung in Aussicht. Aus Antrag der National- liberalen und des Zentrums soll Die Bilbung eines besonberen Ausschusses von 21 Mitgliebern für bie Beratung sämtlicher auf Die Wohnungsfrage bezüglicher Initiativanträge Der Parteien oorgeschlagen werden. Es rourDe schließlich eine eon national- liberaler Seite beantragte Entschließung angenommen, die Den Reichskanzler um Die Vorlegung eines Gesetz­entwurfs ersucht zur Revision Des Vereinszoll­gesetzes vom 1. Juni 1869, woDurch die Bedingungen fettgestellt werben, unter benen ber Bunbesrat einen Erlaß von Abgaben beschließen kann.

Ter WahlprüfllvgsauSschuh

hatte auch in seiner heutigen Sitzung mit der Prüfung der WahldesAbg. Dr. Becker (natl.) zu tun und verwendete fast Die ganze Sitzung darauf. Abgesehen von den beiden Sprendlinger-Stirnrnen hatte die Prüfung der Wahlein­sprüche gestern den Stand des Dr. Becker noch um eine Stimme verbessert. Auch heute konnten ihm mehr Stim­men zugezähll werden als seinem Gegner. Wegen weiterer Stimmen aber, die nach der Behauptung der beiderseitigen Proteste von Entmündigten u. dgl. abgegeben sein sollen, ist eine Untersuchung an Ort und Stelle erforderlich. Darum beantragt der Wahlprüfunysausschuß beim Plenum Be­weiserhebung. Auch diese soll, wie auch in den sonsti­gen Fällen, nach Möglichkeit beschleunigt werden, wie ja auch die Beschlüsse des Wahlprüfungsausschusses im Plenum des Reichstages zu schleuniger Erleoigung kommen werden. Tie ursprüngliche Absicht, sie formell alsschleunige Anträge" zu behandeln, läßt sich nicht durchführen, da die Geschäftsordnung des Reichstags schleunige Anträge nicht kennt. Dem Sinne nach aber wiro sie durchgeführt werden. Die Verhandlung im Plenum wird stattfinoen, wenn der> Antrag des .Wahlprüfungsausschusses etwa drei Tage in den Händen der Mitglieder gewesen ist. Nach Erledigung dieser Wahl prüfte der Ausschuß noch die Wahlen der Abgg. Tunajski 'Pole, Preuß.-Skargardt) und Jckler (natl., Göttingen). Beide Mandate wurden für gültig erflärt.

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Kreis AlSfeld.

w. Alsfeld, 5. Rtärz. Stadtvorstandssitzung. Zu Beginn der Sitzung gab Pinächst Gemeinderat Jakob eine persönliche Erklärung dahin ab, daß es ihm fern ge­legen habe, mit dem in der letzten Beratung wegen Herab­setzung des Lichtstrompreises von 50 auf 40 Psg. pro Kwsl. gebrauchten Ausdruckbestellte Arbeit" irgendwie das Mi­nisterium des Innern zu beleidigen. Po st Verbindung Alsfeld-Neustadt. Tie Postverwaltung wlll das bier bestehende Privatpersonenfuhrwerk künftig eingehen lassen, wenn nicht die interessierten Gemeinden einen jährlichen Zuschuß zu den Kosten leisten. Nach längerer Ausfprache, in der die wenig oerkehrssreuttdliche Haltung der Postver- waltung wiederholt betont wurde, beschloß man, einen jähr­lichen Zuschuß von 100 Mk. zunächst auf die Dauer von 3 Jahren zu bewllligen. Bezüglich der Eigentums­verhältnisse an dem Grundstück Flur XXXIL1 Nr. 68, das zwar im Grundbuch der Stadt Alsfeld auge- schrieben ist, aber feit unvordenklicher Zeit im Besitze anderer Personen gewesen ist, wird beschlossen, in Die Ueberschrctbung aus den Flamen des derzeitigen Besitzers einzuwilligen, wenn dieser eine Entschädigung von 50 Mk. an die Stadl bezahlt Die Angelegenheit wegen Ankauf von Gelände zwecks Verwertung bei der Feldbereinigung wurde der land­wirtschaftlichen Kommission zur näheren Prüfung über­wiesen. Ein Gesuch um Ueberlassnng einer Erb begräbnisstätte wurde genehmigt. Volkss chul' neubau. Ter Zuschlag für die Lieferung der Schulbänke wurde der Alsfelder Möbelfabrik zu ihrem Angebot vor 2166.50 Mk. erteilt Für die Anschaffung von weiterer 8 viersitzigen Bänken wurde außerdem noch ein besondere: Kredit von 144.50 Mk. bewilligt. Zur städtischer Müllabfuhr wurde beschlossen, dem Fuhrmann Heinrul Ernst Koch das Abfahren für weitere 3 Jahre zu Dem seil herigen Preise von 9 Mk. für den Tag zu übertragen.

§ Aus dem nör d lichen Lberhessen, 6. März Tie Aufregung der Bevölkerung über die Zigeuner, du durch die irrmorbung des Försters bei Schlitz zunächst o« Dortigen Bezirke ergriff, hat sich auch im Kreise Alssell überall verbreitet Durch Die Anordnung des Kreismnü daß nachts in j ehern Torfe scharfbewaffnete Posten die Dors- eingänge bewachen, erhielt Die Zigcunersurcht einen wtv teren Impuls. Sie beginnt aber jetzt schon abzuflauen, ob­schon Die Posten nachts von 10 Uhr bis 4 Uhr noch drautzei. Wache hallen. Die Xüren und Fenster werden zeitiger nno

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Deutsches Reich.

Aus Wilhelmshaven wird berichtet: Der Kaiser ist am Mittwoch um 12 Uhr an Bord derDeutschland" bei reg­nerischem Wetter nach E u x h a v e n in See gegangen. Im Fahr» wasser folgte der kleine KreuzerHela" mit dem Chef Der Hoch­seeflotte, Mmiral von Holtzendorff.

DerBerliner Lokalanzeiger" melDet aus Berlin: T i e b e i - Den Wehrvorlagen sind dem Bundesrat zugegan­gen. In Den nächsten Tagen roerDen Die Wehrvorlagen halb­amtlich veröffentlicht. Tie Flottenvorlage bringt Das Dritte aktive GeschwaDer, Das gewonnen wirD Durch Verzicht auf Das Reserve- slottenflaggschiff, weiter durch Verzicht auf die Materialreserve unD schließlich durch Den Neubau von Drei Linienschiffen unD zwei kleinen Kreuzern. Die Ausgaben beginnen mit 15 Millionen und steigen in fünf Jahren auf 45 Millionen. Der Reichs­kanzler setzte sich erst mit Den Finanzministern Der Einzelstaaten in VerbinDung. Tas Wolft'sche Bureau fügt Dieser Notiz fol- genDe Bemerkung zu: Amtliche Auskunft über diesen Gegen­stand wird nicht erteilt.

Wegen der Reichstagspräsidentenwahl am nächsten Freitag ist eine Einigung zwischen den Fraktionen bis heute noch immer nicht erfolgt. Nach dem augenblick­lichen Stande der Angelegenheit erscheint, so schreibt man und aus Berlin, eine solche Einigung auch nicht möglich, da die Nationalliberalen ihre Absicht, nur einen Kandidaten für den Präsidentenposten zu normieren, nicht aufgegeben haben. Die fortschrittliche Volkspartei wird diese national- liberale Forderung unterstützen. Die sozialdemokra­tische Fraktion wird jedoch für einen nationallibe­ralen Präsidenten nicht stimmen, da die Nationalliberalen erklärt haben, daß sie ihre Stimmen zugunsten der Sozial­demokratie bei der Wahl von Vizepräsidenten nicht abgeben werden. Die sozialdemokratische Fraktion wird sowohl bei her Präsidentenwahl als bei per Wahl des ersten Vize­präsidenten für ihre Kandidaten stimmen. Das Zentrum und die gesamte Rechte werden bei der Präsidentenwahl für den Kandidaten des Zentrums stimmen und bei der Wahl des ersten Vizepräsidenten für den Kandidaten der Konservativen. Ueber die Taktik bei der Wahl eines zweiten Vizepräsidenten steht indes noch nichts fest.

DasBerliner Tageblatt" meldet aus Leipzig: Bon dem Verein der Fortschrittlichen Volkspartei für Leipzig und Umgebung war der frühere Pfarrer I a t h o für einen Vor­trag über geschichtlick-e und persönliche Reliaion geladen worben. Zu dieser Versammlung hatten außer den Mitgliedern auch ein* geladene Gäste Zutritt erhalten. Das Polizeiamt hat jedoch, in der Annahme, daß diese Versammlung den Charakter einer öffentlichen trage, den Vortrag untersagt.

Die W i r t s ch. V e r e i n i g u n g hat zur zweiten Lesung des Etats eine Reihe von Entschließungen eingebracht, von denen eine auf Grund der Reichsversicherungsordnung die Schaffung von Berufsgenossenschaften für den Klein­handel und die Gärtnereien fordert. Tie Fort­schrittliche V o l k s p a r t e i hat eine Entschließung ein­gebracht, in der sie den Reichskanzler ersucht, unter gleich- mäßiger Zuziehung von Mitgliedern aller ^Fraktionen des Reichstags önentliche Reichsenqueten zu veranstallen und zwar über das Interesse der einzelnen Gewerbezweige an der Zollpolitik, über die Lage der Landwirt­schaft und das Jnertesse der verschiedena^igen landwirt- schaftlichen Betriebe an der Zollpoltlll, über hie Einwirkung her Zollpolitik auf die Konsumenten, sowie auf die Finanzen vom Reich, Bundesstaaten und Gemeinden.

X Nid Da, 6. März. Ter VereinKrankenpflege' . hielt gestern seine Hauptversammlung ab. Der Vorsitzcnhe grr. Stork bezeichnete bas Jahr 1911 als eins Der günstiasten tu jeder I Beziehung; Denn einmal wuchs Durch zahlreiche ZuwenDungcn -1 Das Vermögen Des Vereins mehr Denn je in einem anDcrn Jahre; 1 soDann ist Die MitglieDerzahl auf Der Höhe geblieben (350;; end­lich ist für ein neues Krankenhaus ein verhältnismäßig billiger, aber sehr schön unb gesunb gelegener Platz erworben worden. Auch war ber Gesunbheikszustanb im abgelausenen Jahre gut. Die von Rechner Ruppel vorgetragene Rechnung ergab in Ent­nahme 4321,74 Mark, in Ausgabe «einschließlich ber ausgeliehenen Kapitalien) 4214,92 Mark. An Sck-enkungen hatte Der herein int ganzen 3127,21 Mark erhalten. Tie Hauptversammlung gab Die Genehmgiung zum Erwerb Des Bauplatzes. Tie ausschetdcn- Den Mitgliedern Des BorstanDes, Bürgermeister Erk, Rentner Rcn- ning und Gastwirt Ruttmann wurden wiedergewählt. Zum Schluß teilte Oberst z. D. Weimer mit, Daß Die Wiederbelebung Deo seit 1897 ruhenden Vereins vornRoten Kreuz" beschlossen fei, nicht etwa für Kriegszwecke allein, sondern um zu jeher Zeil für Unglücksfälle ausgebildete Leute zu haben, bie in geschicttei Weife Hilfe leisten könnten (Sanitätskolonne). Er richtet an bie Versammlung bas Ersuchen bes Vereins zumRoten Kreuz' für ben Fall eines Sieges in bem gegenwärtigen provisorischer unb später in dem neugebauten Krankenhaus Räume zur Unter­bringung unb Verpflegung von Verwunbeten zur Verfügung zu stellen. Das Gesuch wurde einstimmig bewilligt. 1870/71 Hai in Nibba ein Lazarett bestauben, imGambrinus", in bem zahl­reiche Verwunbete gepflegt unb geheilt wurden. Gestern zogen Sahlreichc Scharen Kraniche über unsere Stabt nach Norden, öffentlich sind es keine falschen Propheten. Die Ba u tätig - c i t desGemeinnützigen Bauvereins" wird auch in diesem Jahre rege sein. Dem Vernehmen nach roerDen in der Nähe DesKarlshofs" vier Häuser gebaut

Tie Mittel zur Verhütung D.: Enirsängnts in ihrer fitthcen. gci'unbbeiuicfccn uiw voll-wirtschaftlichen Bedeutung. Tas ber Siebe in ber Ehe, wie es gerooniun, gewahrt und erhalten wird.

" Branb. In verstossener 91ad)t gegen 4 Uhr Höne eine SchutzinannSpatrouille in dein Automaten »Restau­rant em auffälliges Knistern. Ter Besttzer wurde geweckt. ES stellte sich heraus, daß im Lokale Die Holzgestelle brannten, auf denen bie Automaten stehen. TaS Feuer wurde ab» gelöscht unb so größerer Schaben verhindert. Tie EntstehungS» Ursache bedarf noch der Aufklärung.

Landkreis Gießen.

s. Lollar, 7. Marz. (Priv.-Tel.). Heute nacht wurden im Hangelstein zwei Bruder, Heinrich unb Philipp Fey, unter dem Verdacht der Wilddieberei verhaftet. Beide sind geständig und kamen nach Gießen in daS Untersuchungs- gefängniS. Ter eine der Verhafteten ist wegen Wilddiebere' mit zwei Jahren Gefängnis vorbestraft.

---Lumda, 6. März. Heute wurde ber seitherige Bürgermeister Peter Schultheiß zum vierten Mal mit 87 Stimmen einstimmig als 33ürgermei|lec wieder- gewählt.

= Grüningen, 6. März. Am Montag abend ver­anstaltete der hiesrge Zweig verein des G ö a n_g. Bun­des einen gutoesuchten Familienabend. Ter Saal der Benderschen Gastwirtschaft war bis zum letzten Platz besetzt. Nach gemeinsamem Gesang und srcu>'dllchen Bc- grüßunasworten des Vorsitzenden Kirchenrechnt.rs L e i b i cb hielt Missionar Gs eil-Frankfurt a. M. einen Lichtbilder- vortrag über die Arbeitsgebiete der Baseler Mission. Tie zahlreichen farbenprächtigen Bilder fanden auch hier, wie an anderen Orten, reges Interesse und lebhaften Beifall. Im Verlauf des Abends wies der Ortsgeistliche Pfarrer Römheld auf die Bedeutung der heutigen Zusammenlunft hin. Mit einem ermunternden und ermahnenden Sck)luß- wort des Missionars sand Der wohlgelungene Abend fein Ende. Daß er nicht ohne Eindruck an den zahlreichen Teil» nehmern vorübergegangen ist, haben die Spenden für Die Mission bewiesen, die von den Zuhörern dargebracht wurden.

= Linden st ruth, 6. März. Am Sonntag fand ein Familienabend statt, der sehr gut besucht war. Es wurde geboten: Unter Vorbereitung und Leitung des Lehrers Hahn von den Schullindern Das Naglersche Singspiel Vom Morgen bis Abend (aus dem Tageslebcn Des Kindes)" und Erzählungen aus Der Geschichte un- erer Gegend Durch Pfarrer Hofmann, beides ein- )erahnet durch Gesänge. Ter reiche und herzliche Beifall, >en das Singspiel erntete, war ein Zeugnis dafür, daß bic Annahme irrig ist, um wirklich zu fesseln, bedürfe es der sogenannten Schlager, der Machwerke, die weniger Tiefe als Aufputz oder Abenteuerlichkeit kennzeichnet.

Kreis Büdingen.