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7.1.1912 Erstes Blatt
 
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(das roic in SUanunem angeben).

Zusammen 10u . (97 626) 96 677 (luO J4O) 101 383 (95 992)

crgebniS des Vorjahres Befördert wurden:

Linie (67 i.u2) (57 012) (55 070)

Cftbr.

Novbr.

Tezvr.

Sa.:

grüne Linie 41 160 (40 624) 39 62 - (48 127) 412 24» (40 922

steigt. Da der Großwesicr schwer krank ist, dürste ein neuer Großwesiec «ernannt werden, enrwcder Hillnr Pascha oder Touftk, der türkische Botschaster in London.

rote 69 tiuö 67 255 60140

Auslösung der Kammer herbeizusüyren, um Den ^ungruricn du Aufrechterhaltung ihrer Machtstellung zu sichern. Ter Unter- richtsmniister entgegnete namens der Regierung. Ter Groß­wesir, der immer noch krank ist, wohnte der Linung nicht bet.

Aus Chal o ns sur Marne wird gemeldet: Tie Snmt= Polizei verurtellte den Straßburger Oberst Lebrecht wegen Spionage zu zwei Jahren Gefängnis-.

nehmens für OktoberDezember 1911 stellt stch im ganzen auf Mk. 29 103. gegenüber Mk. 29 073. im gleichen Zeit­räume 1910. Ter Verkehr auf der Straßenbahn hat stch un letzten Quartal 1911 um 6000 Personen gegenüber dem Vor- fahre geueigect. LLährcnd hierbei der Verkehr der grünen Lime um 2600 Personen gegen 1910 zurückgeblieben ist, hat

Aus StaOt itnO Land.

G, el, en, 8. Januar 1912.

Von der Straßenbahn.

TaS DerkehröbUd unlerer Ltrageubahn im letzten Viertel fahr 1911 stellt sich recht erfreulich gegenüber dem Zahlen

Die Wirren in pcrfien.

Täbris, 7. Jan. Tas Todesurteil des Feldgerichts gegen den Führer der Fidais, Hedschiali Dawafurusch, gegen den Reffen Sattor Kchans, den Führer der Fidais des Stadtviertels Ernirhis, Emir Mohamed Khan, welcher dem fünften Regiment Widerstand leistete, und gegen seinen Gehilfen sowie gegen die Mitredakteure des Revolutionsblattes Schurak und K e r i n K Han ist fy-utc vollzogen worden. Sechs Angeklagte wurden freigesprocken. Tas Laus von Dawafurusch wurde in die Luft gesprengt. Ein Teil der Laubitzenbatterie ist ein- getroffen. Tas russische Generalkonsulat ergriff Maßregeln zum Schutze des Vaters des gegenwärtigen Ministers des Aeutzern, des Vorsitzenden des Endschumcn, Adlie Beledie und einer Reihe anderer Personen, welche an den Feindseligkeiten gegen die Russen nicht teilgenommcn hatten, gegen welche die Be­völkerung jedoch äußerst erregte ist wegen ihres früheren Zu­sammengehens mit den Fidais.

Teheran, 7. Jan. Der englische Konsul Smart ist mit seiner indischen Begleitmannschaft wohlbehalten in Schiras ein getroffen.

Ausland.

Oesterreichische Reisende berichten über österreichfeind- licheÄusschreitungenin den venetianischenGrenz- städten. Oesterreicher würden öffentlich beschimpft und miß­handelt, einige verwundet, andere auf den Bahnhöfen geschlagen, mit Steinen beworfen .und des .Gepäcks beraubt. Tie Aerzte weigerten sich, sie zu behandeln. Tie venetianische Presse ver­schweigt auf Befehl der Behörden diese Vorgänge.

Aus Rom wird gemeldet, der Papst habe an die portu­giesische Regierung ein Ultimatum gerichtet, in dem er die Zurückziehung der kürzlich für mehrere Bischöfe erlassenen Musweisungsdelrete verlangte. Falls Portugal diesem Ultimatum nicht Folge leisten werde, würde der .Vatikan seinen Vertreter in Lissabon abberufen.

Tem ,,Temps" zufolge wird eine Panzerdivision des französischen Mittelmeergeschwaders nach Gibral­tar abgehen, um den König von England gelegentlich seiner Rücksthr aus Indien zu begrüßen.

Tie türkische Kammer setzte die Ausshrache über den Artikel 35 fort. Tie Sitzung verlief ruhig. Zwei Deputierte der Opposition wandten sich in langen Ausführungen gegen die Abänderung, die unangebracht sei uitd nur den Zweck habe, die

cc stcy aus der roten iruue i:;r v tu j^c.-oiun .. ... Zn den 2) o taten CUojec und Dezember wurde die Faar- qclegenbeit stärker und im Novemqer schwächer als in der- eiben Zeit 1910 benutzt (November-Ausfall rund 3500 Per­sonen). Dieses Weniger ist ans den sehr schlechten Geschäfts­gang, über den die Ladeninhaber im letzten Jahre zu klagen hatten, zurückzuführen. Wenn die Einnahme der Straßenbahn trotz der stärkeren Frequenz nicht einen entsprechend höheren Betrag gegenüber dem Vorjahre aufweist, so ist dies zum Teil darauf zurückzuführen, daß zweifellos stark auf Marken gefahren worden ist, die noch im Publtkum waren, und da­gegen weniger Marken verkauft wurden, daß aber auch bei 11 Fahrten, die mit Marken erfolgen, eine Freifahrt ist, und daß die zahlreichen Beamten, die im Dtcnste die Straßenbahn benutzen, nur zum halben Preis fahren.

** Tageskalender lür Montag. 8. Januar: Stadt- theater: .Die Frchche.' Anlang 8 Uhr.

* In Audienz empfangen wurden am Samstag vom Großherzog Gymnasialdirektor Ritz ert von Friedberg, Lehrer Gun drum von Eudorf, Oberlehrer Krämer von Büdingen, Professor Kramer von Fried­berg, Geh. Hofrat Pros. Tr. Fromme und Oberstaats­anwalt H o f m a n n von Gießen, sowie Oekonomierat Alles von Nieder-Florstadt.

**Ober-VersicherungsamtinHessen. Ebenso wie im Königreich Württemberg beabsichtigt man auch in Hessen auf Grund der Reichs-Versicherungsordnung nur ein Ober- Versicherungsamt und zwar mit dem Sitze in Darmstadt zu errichten. Tiefe Ver,icherungsbehörde wird voraussichtlich am 1. Juli 1912 ihre Tätigkeit beginnen. Zu gleichem Zeitpunkte werden die für die drei Provinzen in Darmstadt, Gießen.und Mainz bestehenden Schiedsgerichte für Arbeiterversicherung und das Großh. Lanbes-VeMche- rungsamt in Darmstadt aufgehoben werden. Bei dem Ober- Vers icherungsamt wird für jede der erwähnten drei Pro­vinzen eine Spruchkammer errichtet und zur Erledigung der Berufungen usw. aus der Provinz Oberhefsen und Rhein­hessen Sitzungen in Gießen und Mainz abgehalten wer­den. Auf diese Weise wird den Interessen der Versicherten in den beiden Provinzen in ausreichendem Maße Rechnung getragen. Die Errichtung nur eines Ober-Versicherungs­amtes in Hessen erscheint aus Gründen der Sparsamkeit durchaus geboten.

** Denkmalrat. Mit Ermächtigung des Groß­herzogs wurde der Direktor des mit den Funktionen eines Landesurkundenpslegers betrauten Haus- und Staatsarchivs Dr. Julius Reinh. Dieterich widerruflich bis auf wei­teres zum Mitglied des Denkmalrals bestellt.

** Reichstagswahl. Wir werden gebeten, auf das heutige Inserat der liberalen Parteien wegen Wahlhilfe

Freiburg, Jena, Königsberg, Marburg und Munster zugestosfen ist. Ter verhältnismäßige Anteil der Frau am deutschen Uni- versitätsstudium ist innerhalb der letzten drei Jahre von 2,3 auf 4,8 Prozent gestiegen.

Mit den nur an einzelnen Vorlesungen teilnehmenden 1737 G a st z u h ü r e r i n n e n nehmen diesen Winter 4532 Frauen am deutschen Universitälsmiterricht teil, gegen 4184 im Vorjahr.

*

Max Klinger über das Bismarck-National- d en km al. Zu der Frage des Bismarck-Nationaldenkmals gibt Professor Max Klinger jetzt imB. T." einen kurzen aber sehrkritischen Ucbcrblick, in dem cc die ganze Behandlung der Angelegenheit, besonders aber die letzte lÄrtscheidung scharf ver­urteilt. Ter Künstler, der für den Entwurf Hermann Hahns eintritt, schließt mit den Worten:Stellt eure Konkurrenz noch einige Jahre zurück. Wir sind noch nicht reif."

Kf. Russische Jubiläums marken. Im nächsten Jahre begeht Rußland das 300 jährige Jubiläum der Thron­besteigung des Hauses Romanow. Die russische Postverwaltung hat auö diesem Anlasse beschlossen, eine neue Briefmarkenserie einzuführen. Anstelle des kaiserlichen Adlers, der die jetzigen Briefmarken ziert, sollen sie die Bildnisse der versch.edenen Kaiser tragen, die im Lause der Zeiten das Zarenreich beherrscht haben. Die Kopekenmarke &. B. wird das Bildnis Peters des Großen zeigen.

Ein Raffael in Moskau entdeckt? In Mos­kauer Kunstkreisen erregt das Austauchen eines Gemäldes Auf­sehen, das von Kunstkennern als das verlorene GemäldeHei­lige Familie" von Raffael aus dem 15. Jahrhundert betrachtet wird. Das Bild war erst seit einigen Jahren im Besitze eines einfachen Bauunternehmers, der es beim Abbruch eines Hauses bei altem Gerümpel entdeckt, gesäubert und sich an seüiec wunder­baren Sclwnheit gefreut hatte, bis er es vor kurzem einem Antiquar für 3000 Ntarl verkaufte. Dieser beabsichtigt nun, haS Gemälde nach Berlin zu schicken, um es dort prüfen zu lassen.

Ein Rubens für 3 Millionen Mark. Der Herzog von R u t l a n d hat aus seiner GalerieDie Krönung der heiligen Katharina" von Rubens, wie ein Telegramm aus NetWork meldet, an einen amerikanischen Sammler für an­geblich 3 280 000 Mark verkauft.

Kurze N a ch r i a) t c n aus Kunst und Wissen­schaft. Einen Wettbewerb um den Julius H elfftschen Preis schreibt für das Jahr 1912 die Kgl. Akademie der Künste in Berlin aus. Der Preis beträgt 3000 Mark und ist zu einer Studienreise für einen deutschen Landsckxiils- maler bestimmt. Bewerbungen sind bis zum 20. April 1912 an die Kgl. Akademie der Künste in Berlin \V 8, Pariser Platz 4, zu richten.

tung auf 5000 Mk. erhöbe.

Nach einer einstündigen Pause folgte ein fröhliches Fest­mahl, während dessen noch eine ganze Reihe von Trinkiprüchen ausgebracht wurde. :Dr. H i r s ch f c l d sprach auf das Wohl des Großherzogs, Bankier B r ü n e w a l d auf die Stadt und Leer Beigeordneter Keller auf die israelitische Religions-Gesellschaft, Lerr Fröhlich auf Tr. Lirschfeld, Dr. Kahn (Wiesbaden) auf Tr. Hirschseck und Frau, Herr Bär auf die Herrn Klein und Würzburger, Lerr Klein auf die Presse und ein Lerr von auswärts auf die Festleitmig. Während des Festessens, das lehr angeregt verlief, und, auch von einem allerliebsten Scherzspiel unterbrochen war, wurde folgendes Telegramm an den Großherzog abgesandt:

Sr. Königlichen Loheit Großberzva von Hessen, Darmstadt. Tie anläßlich ihrer Jubiläumsfeier festlich versammelte israelitische Religionegesellichait zu Gießen entbietet Eurer Königlichen Loheit ihre verehrungLvollste Luldigung. Provinzialrabbiner Tr. Lirfch- seid. Für den Vorstand: Bankier Grünewald.

Darauf begann nach einer Pause, die von der, Festleitung eifrig vorbereitete Abendunterhaltung, zu der ein sehr schöner, abwechselungsreicher Spielplan ausgestellt war. Neben verschie­denen Musikstücken und einem witzigen Prolog wurden drei Bühnen­stücke aufgeführt, die sehr flott einstudiert waren und lebhaften Beifall fanden. Ter darauf folgende Ball, der alle noch lange in fröhlichster Stimmung beieinauderhielt, bilbcte den angenehmen Schluß des in allen Teilen äußerst würdig und abwechselungsvoll verlaufenen Festes.

25. Jubelfeier 6er3$raelitfd)eii Religions=@ejellfd)aft.

Gießen, 8. Januar.

Tie hiesige Israelitische Religions-Gesellschaft, die vor fünf­undzwanzig Jahren von mir wenigen strenggläubigen Juden ge­gründet worden war, beging am Freitag, Samstag und Sonntag unter sehr starker Beteiligung und in Anwesenheit von zahl­reichen hiesigen und auswärtigen Gästen ihre silberne Jubelfeier.

Die Feier wurde am Freitag abcnd durch einen Gottesdienst 'n der Synagoge in der Steinstraße eingeleitet, bei dem der rubere Geistliche der Gemeinde, Rabbiner Tr. Cahn aus Fulda, predigte. Tr. Cahn, der bei der Gründung der Religions-Geiell- chaft tätig mitarbeitete, war in den Anfängen zeitweise von Fulda herübergekommen, um in der jungen Gemeinde die Seel­sorge auözuüben, und hatte sie so über die ersten schwierigen und anforderungsreichen Jahre hinweggeleitet. Am Samstag morgen fand im Beisein der staallick/Lli unö städtischen Behörden wiederum ein Gottesdienst in der Synagoge statt, in deren Mittelpunkt bie Festpredigt des ProvinzialraboincrsDr. Lirschfeld stand. Unter Zugrundelegung eine» bekannten Satzes aus den Psalmen dankte der Geistliche b:m Simmel für die Gnade, daß er die Religions- gcsellschast 25 Jahre hindurch auf dem Wege einer gesunden Ent­wickelung geleitet habe und begrüßte die Vertreter des Staates und der Stadt, den Provinzialdirekwr Dr. U sing er und Ober­bürgermeister Mecum, sowie d.e üorigen Gälte, die teilweise von weither zu der Feier gekommen waren. Mit eindrucksvollen, zu Lerzcn gehenden Worten eröffnete Tr. Lirschfeld dann den messianischen Ausblick in die Zukunft, in der sich alle Völker in einer Empfindling, in einem Gottesbewußtsein zu all­gemeiner Verbrüderung vor dem Throne beH Unnennbaren zu- sammensänden. Änknüpfend daran nahm der Geistliche den Offen- barungSsatz aus dem letzten Segen des sterbenden Patriarchen Jakob an seine Söhne zum Leitstern seiner Betrachtung: Lallet zusammen und höret ihr Söhne Jatobs und höret auf Jakob eueren Vater. Zum Schlüsse seiner gehaltvollen, mit rethorischer Meister­schaft vorgetragenen Predigt, erflehte Tr. Lirschfeld des Lim- mels reichen Segen für unser großherzvgliches Haus und den .Herrscher des 'Deutschen Reiches. Verschönt wurde die Feier noch durch Gesänge des unter Leitung des Herrn Würzburgers stehenden SynagvAenchoves, der ein treffliches Stimmmaterial und eine vorzügliche Schulung aufzuweisen hat. . .

Die weltliche Feier, die am geftrigcn Sonntag in StctnS Garten ungehalten wurde, begann am Vormittag mit einer aka­demischen Feier, die durch den Chor Preis und Anbetung eingeleitet wurde. Im Anschluß daran gab der Vorsteher der israelitischen Religions-Gesellichaft Lanlier Grünewald einen kurzen Ueberblick über die Geschichte der Gemeinde, die sich aus Heinen Anfängen heraus zu einer ansehnlichen, Achtung genießen­den Vereinigung strenggläubiger Juden entwickelt habe, die auch für die Zukunft reiche und »vertvolle Früchte verspreche, Namen der Provinzialdirektion und des Kreisamtes überbrachte yiegicrungdrat Welckerin herzlichen Worten die besten Wünsche für das weitere Gedeihen der Gemeinde, die sich so erfolgreich ent­wickelt habe. In bilderreicher Sprache dankte Tr. Lirsch­feld für die Glückwünsche der Negierung, indem er ausführte, daß wahre Religiosität auch wahre Vaterlandsliebe bedinge und in herzlichen Worten brachte er ein Loch auf den Landesherrn aus, den ersten deutschen Fürsten, der die strenggläichige Judenschaft als selbständige Gemeinde bestätigte. In formvollendeter Rede übermittelte dann der Beigeordnete Kel l e c die Segenswünsche der Stadtverwaltung, die an sich zwar unabhängig von Bekenntnis und Parteilichkeit sein müsse, die sich aber freue, eine so rührige Gemeinde in ihren Mauern zu haben. Ihm toie auch allen folgenden Rednern erwiderte der Provinzialraboiner Tr. Lirsch­feld in geistvollen, bLziehungsreichen Worten, die großen Ein­druck machten und jedesmal von starkem Beifall begleitet waren. Dr. Cahn ans Fulda, der die, hiesige Synagoge geweiht hat, brachte in längerer Rede die Grüße seiner Gemeinde, 'Dr. Marx cms Darmstadt in lebendiger, farbenreicher Sprache die der hes­sischen Religions-Gemeinschasten dar. Weiler sprachen dann noch das Vorstandsmitglied der Religions-Gesellschaft in Frankfurt am Main, Lerr Lirsch, der Vorsteher der Religions-Gesell­schaft Mainz, Lerr Bondi. Bon hiesigen Vereinigungen sprachen für den Synagogen-Chor Herr Fröhlich, für den Verein La- draskatisch Herr Klein, für die Ortsgruppe Gießen bed Ver­eins ber Sabbatfreunde Herr Son d h eim, für den Frauen­verein Einigkeit Frau Fröhlich, für die Religionsschule ein ehemaliger Schüler. Für den unabhängigen Verein Mischer Lehrer im Großherzvgttim Lessen überbrachte Herr Ehr man n aus Friedberg, für die von hier verzogenen Mitglieder der Gemeinde Herr Strauß aus Frankfurt die besten Wünsche.

Zum Schluß der akademischen Feier teilte Herr Bankier Grünewald mit, daß er eine Stiftung fron 5000 Mk. für einen von ber Gemeinde nach zu bestimmenden Zweck aussetze und daß er die bereits bestehende Jakob- und Lelene-Grünewaldsche Stif-

Line neue Organisation zur Tuberkulosedekamp ung.

Im Reichsamt des Innern traten unter Vor­fitz des Staatsministers v. Moeller Vertreter der ver» schiebenen über Deutschland verbreiteten Mittelstandsver­bände und führende Persönlichkeiten auf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung zusammen. Das Reichs­amt des Innern war durch Reg.^liat Pähler, das Reichsgesundheitsamt durch Reg.^Rat Hamel vertreten. Auch der Direktor im Reichsamt des Innern Le Wald wohnte ber Versammlung bei.

Durch die neue Reichsversicherungsordnung und das Gesetz über die Angestelltenversicherung werden neue Möglich keitender Tuberkulosefürsorge inner­halb des Mittelstqnbes eröffnet, auf die sich die berufenen Stellen beizeiten einrichten müssen. Nack einem Vortrag von Reg.-Rat Dr. B e r g e m a n n (Stettin) und zustimmen­den Erttärmtgen von Vertretern der Mittelstandsverbände wurde unter allgemeiner Zustimmung ein Organi- sationsausschuß gewählt, der die einleitenden Schritte unternehmen soll. Besonders wurde der Volksheilstätten- verein vom Roten K^reuH ersucht, die Errichtung einer neu­artigen Muster Heilstätte für Frauen und Kinder des Mittel- standes in die Wege zu leiten.

Deutsches Reich.

Ter Kronprinz wohnte am Sonntag im Kleinen Theater in Berlin der Vorstellung von ,Mttchens^ .Geburtstag" von Ludwig Thoma bei.

Das Jahrbuch des Hansa-Bundes für 1912, das überall int Buchhandel zu haben ist, behandelt in kurzen Artikeln z. B. das Thema:Agrarier und Fleischer- gewerbe",Beamtenkonsumvereine", bie Zollforderungen des Bundes der Landwirte, die Branntweinliebesgabe u. a. Ferner enthält es die Angaben über bie Entwicklung ber politischen Parteien von 1884 bis 1907, über bie Ergeb­nisse ber bisherigen Reichstagswahlen, über bie Vertei­lung ber politischen Parteien im Reiche unb über bie Kon­fessionsverhältnisse unb Berufsglieberung ber Äbgeorb- iieten.

123 U2u (-ilitilv) (16^uo4) 299 u2j (39jBöö)

Tie Einnahme ans dem Perfonenoerlehc bcS Unter'

lsinzuw eisen.

** Wohltätigkeitsveranstaltung. Wie uns mitgeteilt wird, ist es dem Großherzog leider nicht möglich, beim Wohltätigkeitskonzert des Gießener Automobil-Klubs anwesend zu sein, da anderweitige Abhaltungen sein Fern­bleiben bedingen. Wer gestern zufällig im Vorübergehen Zeuge der Probe im Cafs Ernst Ludwig unter der Leitung des Hofkapellmeisters Kittel war, wird mit allen Betei­ligten nur bedauern, daß der Großherzog das Fest leider nicht besuchen kann. Die Probe läßt nur eint sehr schöne Aufführung erhoffen, so daß der Besuch des Festes, soweit noch Karten zu ljabeii sind, sehr empfohlen werden kann. Das Interesse des GroßherzogS für den edlen Zweck bleibt dem Konzert trotzdem erhalten. Tem Automobil-Klub kann für seine gehabten großen Bemühungen nur ein guter Verlaus des Festes und ein guter Kassenerfolg im In­teresse des sozialen Zweckes gewünscht' werden. Wie uns mitgeteilt wird, sotten die Zuwendungen aus dem etwa er­zielten Ueberschuß nur unter der Bedingung erfolgen, daß die Bedürfnisse des Säuglingsheimes in Gießen gedeckt werden. Die Leitung des Automobil-Klubs bürgt, so glau­ben wir, für die richtige Verwendung des zu erhoffenden lleberschusses und wird bafür sorgen, baß biefer roicber Gießener Geschäftsleuten unb Lieferanten zugute kommt.

* Zur Aufführung derFrösche" wird uns ge- chriebeu: Eine Erstausiührung nach mehr als 2300 Jahren! Tas Hingt wie ein Märchen!, und doch ist es keins!Die Fröfche", ein Lustspiel des Aristophanes, hatte seine Uraufführung in Athen im Januar des Jahres 405 vor Christus und wird feine erste Ausführung in Gießen nächsten Montag, den 8. Januar 1912 nach Christus haben. Und wie uns Lerr Regisseur Hacker, der dieses berühmteste Lustspiel der Alten für die moderne Bühne ein- gerichtet, versichert, textlich in derselben Weife wie damals, nut mit Hinweglassung alles dessen, was sick lediglich auf damaliae, kaum dem Fachgelehrten bclännte Verhältnif'se und Personen be­zieht und darum unverständlich ist. Herr Hacker suchte die Ciroig- tcitswerte dieses Werkes, das im Wesentlichen den Kampf zwischen Realismus und Idealismus zum Gegenstand hat und darum auch nie veralten kann nach den jeweilig besten, für jedermann ver­ständlichen Uebersetzunaen zu bringen, und das scheint ihm, wie >ic uns vorliegenden Berichte über die bereits stattgehabten Auf­führungen in Darmstadt, Worms, München, Bonn und Saar- brücken hervorheben, auch geglückt fein.

** Konzert. Konzcrtfänger Schöbel aus Marburg beabsichtigt mit Frau Ella Steffens-Hanischfeger aus Frankfurt und der Regimentskapelle am 23. Januar tn Steins Garten ein Konzert zu veranstalten.

* |2>er Schützens ercin beschloß, am 10. Februar einen großen MoSkendatt abzuhalten. Sämtlich Räume der LieöigS- hühe sollen dem Feste entsprechend umgestaltct loerden. Tie sorg­fältige Vorbereitung verspricht, daß das Fest besonders genußreich und amüsant wird.

** Der Militär-Anwärter-Verein veranstaltete gestern seine Wei hn achts s ei e r auf der Liebigshöhe. Ter Saal war bis aus den letzten Platz besetzt. Nach einem von Frl. Haak gesprochenen Prolog hielt ber Vorsitzende, Obertelegtaphen- assistent dceitz, eine d:r enbpreajenuc Aniprachc, Die mit einem begeistert aufgenommenen Low auf den Kaiser schloß. Ein slott gespieltes TdeatersiückFriede auf Erden" und eine humo­ristische SzeneIn der Sommetftische^^ füllten den Lanpttcil des Abends aus. Die Mitwirtenfreil, besonders die Geschwister LKchnitz ernteten ungeteilten Beifall für ihr frorzügliches Spiel. Nach einer sehr reichhaltigen Verlosung setzte bann der Tanz dn, per die Gäste noch seht lange beisammen hielt.

** Maul- und Klauenseuche. Das österrei­chische Ackerbauministerium hat auf Grund desViehseuchen- überemkommens mit dem Deutschen Reich und des zuge­hörigen Schlußprotololls die Einfuhr von ftlauenticren zu Nutz- und Zuchtzwecken aus den an Maul- und Klauen­seuche verseuchten Gebietsteilen des Deutschen Reichs, unter diesen aus Starken bürg und Oberhefsen, bis auf weiteres verboten.

** Vom Wetter. Durch die gestern eingetretenen Negenfatte schmolz die Schneedecke im Gebirge schnell zu­sammen, so daß alle Bäche und Flüsse Locqwasfcr führen. Auf der Bahnstrecke Marienberg Erbach (Westerwald) stand stellenweise das Wasscr :ibc teil Schienen; die Bahn kann nur mit verminderter 0 .schwitt- digkeit fahren, zumal riet vor einiger Zei .>'w>