162. Jahrgang
Erstes Blatt
Anzeigenteil: H. Beck.
Büdingen: Kernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle vahnffofftrahe 16a.
Die heutige Nummer umfcfßt 10 Seiten.
Arbeit wie -um inneren Ausbau bc5 Reiches stets in mehr ober
seine Stimme den So-ialdemokraten geben.
haben wird, vollständig versagt, die Entwickelung des Reiches, wenn die staatsfeindlichen Verneinung in diesen malS eine ausschlaggebende Stellung
grundlegenden Fragen ic- erhalten sollte. Wie also beit bürgerlichen Parteien
Nr. 6
Der Siebener ünjeiget erscheint täglich, aiiüet SoimtagS. - Beilagen: n tc i inn l wöcheiultch E'.rhenerKnnlliei'. blätter, zweimal wöck',enrl.l»r«ir- blattsiirbcnllreir Sietzen (Tienslagnnd Freitag»; zweimal inonatl- Land- wirlfchaftliche 3eitf ragen Ferniprech - Anschlüsse: lür die Redattion 112, Lerlag n. Expedition 51 Adresse für Teichen:
Anzeiger «ießeu.
Annahme von Anzeigen für dte Tagevmnnmer bis vornuttagö 9 Uhr.
auch im übrigen die Gegensätze unter .
zum Ausdruck kommen mögen, bleibt doch das eine bestehen: Weder in der Hauptwahl noch in der Stichwahl Tann ein in ernster Zeit um die Zukunft des Vaterlandes besorgter Mann
vom tiMijch-ttalteMchcn Kriegsschauplatz.
Rom, 7. Jan. Tie „Agenzia Stesani" mclbet auS Tripolis: Gestern stellte ei'ne Erknndungsabteilung der Kavallerie fest, daß d-aS Land im Umkreis von acht Kilometer von Ainzara vom Feinde geräumt ist. In Bengasi war die Lage am 5. Januar unverändert. In Terna wurden am 6. Januar auf die im Dau besindlichen Festungswerke Schüsse abgegeben, die wirkungslos waren.
Tripolis, 7. Jan. In Hams tourbeit gestern zwei Bat- taillone, die zum Schutz? bet Verschanzungen an einer entfernten S.eac ix.-tvc.iviiti??:', i>;.i ,U/>reichen Arabern angegriffen. In einem heftigen Kampfe, der fast drei Stunden dauerte, erlitten die Araber schwere Verluste. .tic Jtattener litten 81 Verwandele.
Keine Fricdensneigunz bei der türkts.i,en Regierung.
Konstantinopel, 7. Jan. (Wiener Korr.-Bureau.) Hier ist von einem Rundschreiben des Groftwesirs, in dem er seine Ueberzeugung von einem baldigen Abschluß des Friedens ausspricht, nichts bekannt. Das Rundschreiben des Großwesirs vom 2. Januar, in welchem er den Provinzialbehörden seine Ernennung mittcil'te, enthielt nur die üblichen Ratschläge bezüglich einer guten Erledigung der Geschäfte und der Aufrechterhaltung der Ruhe und des guten Einvernehmens aller Elemente der Bevölkerung.
Ein amtliches Kommunique stellt fest, daß die in tendenziöser Weise verbreiteten Gerüchte über die Absicht eines Friedensschlusses jeder Grundlage entbehren. Die Pforte bahnte keinerlei Verhandlungen an und sondierte auch keine europäische Kanzlei. AngesiuM der heroischen Verteidigung der ottomanischen Kämpfer und der militärischen Lage gehe die Meinung der offiziellen Kreise des ottomanischen Volkes dahin, daß aus der Grundlage der italienischen Ansprüche vom Frieden keine Rede sein könne. Der „Tanin" bringt morgen eine vom Minister des Aeußern ausgehende Veröffentlichung, in der die Gerüchte über den Friedensschluß als unrichtig bezeichnet werden, der unter den gegenwärtigen Umständen unmöglich sei. Vom Kriegsschauplatz.
Ter deutsche Einfluß.
Konstantinopel, 8. Jan. Der Ministeerrat, deut infolge der andauernden Krankheit des Großwesiers Sais As- 1 int präsidiert, beschloß, im Prinzip der Reklamation des deutschen Botschafters gegen bic Schließung der italienischen Bankinstitute st a t t z u g e b e n und die Wiedererösimmg ixr Banken, auch der Banea i?-i Roma, za gestatten. Ties bedeutet, daß der deutsche Einfluß wieder
Zeilenpreis: lofal 15t1!., auswärts 20 Vie mich. Ehesredalteur: A Goetz.
Verantwortlich für den _ polnischen Teil: August
General-Anzeiger für Gbertzchen LW«
Rotationsisriid und v-rlag 6er EriiM’fien Univ.-Such- und Stcinbruderet R. fange. Reöaftlon, Srpcöition uni» Druderet: Schnlftratze 7. S"’c.öet-’üi d-n
standidaten einzutretm.
Gruudsä lich begegnet einer Wehrvorlage, und sei sie noch so groß,'wmn die Regierung ihre Notwcnd.g- teit nachweist, was unter der heutigen politischen Konstellation nicht schwer ist, seitens der Liberales kaum ein Widerstand. Sie aber als Wahlparole benutzen zu wollen, darin wird der Liberalismus vielleicht ein .Haar finden. Denn man hat es .Herrn v. Bethmann- Hollweg bisher immer als ein großes Verdienst a-.rgerec:^ nct, dag er die Lösung nationaler Ausgaben nicht in den Wahlkampf cinbezcg. Bei der fyrtschrt'tlicheu Partei ist jedenfalls die Errnnerung an die Septennatswahlen vom Jahre 188», wo die Kriegsgefahr mit Frankreich und Rußland als Grund für die Heeresverstärmng benutzt wurde, keine erfreuliche. Und wenn auch ijeiue die Fortschri tli.de Vollspartti Militär- uno f ortenstr.uüblich geworden ist und sich damit den Nationatliberalen genähert hat, so werden doch beide Parteien den Versuch Bethmann-Hollwegs, die kommenden Wehrvorlagen in die Wahlerörterung zu ziehen, bis zu einem gewissen Grade als eine Maßnahme ansetzen, die ihren Vorscoß gegen die blauschwarze Mehrheit wesentlich schwächt.
Es liegt deshalb der Gedanke nahe, daß, wenn die Regierung damit die Unterstützung der reaktionären Parteien gegen die Sozialbemocrattn bei den S.ichwatzlen durch die Liberalen erreicheir will, sie den Liberalen auch die oben angedeuteten K o n z e s s i o n e n (Raastaßsteuer, Preußische Wahlresorm) in Aussicht stellen muß, sollen btationaltiberale und Fortschrittler bei den Stichwahlen ihren Wählern die Unterstützung üüii Konservativen und Zentrum plausibel machen. Geschieht dieses, so würde, da durch die nationale Wahlparole zwei,ettvs auch die große Partei der Nichtwähler (3 dis 4 Millionen), und zwar zum größten Teile für den Liberalismus, mobil gemacht wird, bei den Wahlen nicht nur die bisherige Mehrheit der Konservativen und des Zentrums gebrochen werden können, nein, es würden auch die Mandate der Sozialdemokratie beschräntt werden können. Die Hauptsache ist, daß der Liberalismus bei dm Stichwahlen aus Grund des Ergebnisses der Wahlen vom 12. Januar geschickt operiert. Wenn keine Aussicht besteht, den schwarzvlauen Block wirklich zu stürzen, wird es seine Ausgabe sein müssen, zwischen Reaktion und Sozialdemokratie so zu lavieren, daß die Sozialdemokratie nicht zum tonangebenden Faktor innerhalb der Opposition wird, auf der anderen Seite aber auch Konservative und, Zentrum nicht in der Lage sind, einen Block zu bilden,' ohne Hinzuziehung liberaler Elemente. Der Liberalismus — das ist für die Neuwahlen die Mindestforderung — muß im kommenden Reichstag das .Zünglein an der Wage bilden.
Tie ,,R o r d d e u t s ch e Allgemeine Zeitung" schreibt:
In bic kommende Woche fallt der Termin für die Haupttvahl sunt Reichstage. Wir haben dargelegt, welche Grundsätze bet der Wahl für jebeii staatstreuen Mann maßgebend fein sollten und cs war nicht unsere Aufgabe, für oder wider diese oder jene bürgerliche Partei Stellung zu nehmen. Woraus es ankam, war, einen Blick von dem Hader der Parteien hinweg auf die großen Aufgaben des kommenden Reichstages zu lenken und darauf hin- surocifen, wie die Sozialdemokratie sich zu diesen Aufgaben stellt.
Montag, 8. Zanuar W2
Oeinnttret 3: monatlich75VE viertel- jährlich Ml. 2.20: durch Abbole- u. Zn -n stielten monatlich 6u Vch Durch bic'Boft D<r. u: eitel- fahrt. mi-SichL Beucliq.
Die We^vorla^e als 5ti.' wahlpa o!e.
Schon lange wurde in Anbetracht der ernsten internationalen Ereignisse deS letzten Sommers und des ihnen gegenüber unzulänglichen neuen Quinquennat-Sgesetzes da^ von gemunkelt, daß dem am 12. Januar neu zu wählenden Reichstage eine Wehrvorlagc zugehen w rde. Heute staben wir es schwarz auf weiß, denn die „Nordb. Mlg. Ztg." schreibt in Erläuterung der Wahlparole des Reichs- lanzlerS vom letztet: Sonntag, daß die Sozialdemolratie ganz besonders deshalb bei den Neuwahlen zu bekämpfen sei, „weil sie bei allen Aufgabe^ zur Sicherung der Wehr- l aftigfeit unseres Vaterlandes, für die der kommende Neia-S- rag, und wahrscheinlich bald, einzutreten haben wird, vill- ständig versagt". Gleichzeitig aber meldet die „Neue Gc- sellschaftSkorrespvndenz", „man nehme in poli ischen Kreisen an, daß nach der Haup..wahl die Regierung sich wohl dazu entschließen würde, in irgend einer Form an, das Land zu appellieren, wenn die Gefahr entstände, daß die Sozia.- Demokratie einen allzugroßen Einfluß im neuen Reichstag gewinnen könnte."
Das Zusammentreffen dieser beiden Mitteilungen i'st wohl nicht zufällig. Die genannte Korrespondenz hatte etwas von einer Aktion der Regierung lau;en hören, war aber insofern am dem Holzweg, als sie annahm, die Neuerung würde die Eröffnung des preußischen Landtages stm 15. Januar, also erst die Stichwahlen abwarten, um eine Stichwahlparole auszugeben. Die Regierung hat aber nicht so lange gezögert; ihr mußte es daran liegen, das vermutliche Emporschnellen der sozialdemokratischen Stimmen schon bei den Hanptwahlen nach Kräften zu unter» binden, wobei allerdings gar nicht ausgeschlossen ist, daß sie zwischen Hauptwahlen und Stichwahlen noch in einem Exposee über die gefährdete Lage Deutsch- l a n d S die Notwendigkeit einer Heeres- und vielleicht auch Flottcnvcrstärkuug begründet und den Liberalen wenigstens ui Aussicht stellt, nicht nur die Wiedereinbringung der preußischen Wahlreform, sondern auch die der N a ch l a ß st e u e r im Reichstage, um die wahrscheinlich sehr hohen Kosten der Wehrvortagen zu decken.
Das ist, wie gesagt, möglich, und darauf, daß die Regierung, wenn die sozialdemokratischen Mandate im neuen Reichstag eine beängstigende Zahl erreichen, mit solchen Plänen umaeht, nm die Liberalen zur Unterstützung der reaktionären Parteien bei den Stichwahlen gegen die Sozialdemokratie 311 bewegen, scheint bis zu einem gewissen Grade der PassuÄ in der Auslassung der Nordb. Attg. Ztg. „Es war (nämlich am letzten Sonntag) nicht unsere Ausgabe, für und wider diese oder jene bürgerliche Partei Stellung zu nehmen", hinzudeuten. Denn diese Worte schließen eine gewisse Absage an die Konservativen ein, die mit der Wahlparole des Reichskanzlers „Gegen die Sozialdemokratie" nicht zufrieden waren, vielmehr von ihm, wie Dr. Oertel in Breslau erklärte, erwartet hatten, er würde gegen die Liberalen ebenso vom Leder ziehen, wie gegen die Sozialdemokraten. Damit war es nun nichts, unb in Anbetracht der durchaus notwendigen Wehrverstärtung werden die Teutschkonservativen, da sie auf die Hilfe des Regierungsapparates durchaus angewiesen sind, es sich sehn überlegen müssen, ob sie bei liberal- sozialistischen Wahlen nicht doch den liberalen Kandidaten unterstützen. Tas Zentrum, das bisher seine Stichwahl-
minder erbitterter Lpposition gestanden und vollends hat sie ' btt allen Ausgaben der Sicherung und Wehrhaftigkeit unseres Vaterlandes, für die auch der kommende Reichstag wahrscheinlich schon bald einsutreten ----- ' ' Verhängnisvoll wäre für Sostaldemokratie mit ihrer
untcrftül’unq von ter Persönlichkeit des liberalen Kan- Ist die so-ialdemokratische Partei gelegentlich auch einmal aus didaten abhängig machte, wird hier, schon um es mit der ihrer beständigen Negation herausgetreten, tz hat N-^ dock> be: ben Regierung nicht in einer nationalen Frage ju verschütten, Werken unterer Gesetzgebung ,mn Schuke.der nationalen in vielen Füllen ungerade gerade sein lassen, unb die Reichsparlei bat von vornherein die Carole ausgegcben: bei jeder liberal-sozialistischen Sttch'.vahl für den liberalen
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Gietzener Lonzertoerein.
5. jlonzcrt: Zweiter Kamurermufikabend.
Gießen, 7. Januar.
Tie Erkrankung deS Violaspielcrs Herrn Natterer — einer der tleinen Zwischenfälle, die den geplagten Konzertlcitern das Leben noch saurer 511 wachen pflogen — bedingte eine Aendrrung des Programms, die uns den Getcust zweier in Aussicht gestellter Neuheiten (Quintette von CSiar Frank und G. Sgambati) für diesmal entbehren ließ. Tie Lücke wurde aber so rasch als glücklich durch die beiden Trios von Haydn und Scytckert ausgefüllt, und cs jeugt für die reife Künstlecschast der Herren Redner (Violine), Hegar (Violvncetl^ und TraMmmtn (Klavier), dos- die notgedrungene Kürze der Vorbereitung die Qualität per Lecstung nicht zu beeinträchtigen vermochte. — Ter Gesangssolist des Abends pilegt für einen Teil der Besucher im Vordergrund des Jnter- esses ö-u stehen; Herr Hofopernsänger Semper-Tarmstadt (Bariton) glänzte durch prächtige, wohlausgebildele Stimme und durchgeiltig- ten Vortrag: nicht alle Bül>nensänger sind wie er auch in der io ganz anders geatieten Atntoiphäre des rivnzensaaleS gleick) gut zu Hause; hervorheben möchten wir besonders seine tadel- .ose Aussprache und die neben der Wucht der Stimmittel nicht immer zu findende Fähigkeit, auch über ein schönes Piano in allen Stimmlagen zu verfügen. Die Wahl der Lieder zeigte selbständigen Geschmack: die drei Lieder Von Mahler sind — abgesehen etwa von den Schlüssen — nicht dankbar im gewöhnlichen Sinn; es lallet auf ihnen der Mahler eigentliche, in seinen Symphonien oft so befremdende grüblerische und abrupte Geist, der cs nicht so recht zu dem natürlichen Fluß eines Liedes kommen laßt; doch elüschädigt hierfür eine gewisse Größe der Linienführung und der Ernst der Auffassung — die Kompositionen gewinnen sicher bei öfterem Hören. Vn Strauß ist letzteres weniger nötig; seine drei Lieder, denen man übrigens auf den Programmen jetzt häufig begegnet, haben inii der F-dur Sonate (Violoncell und Klarer) des gleichen Bisters die g'ttinLende Faktur und die echt Straußsche erfolgsichere Zuspitzung auf das Wirt'amc gemein Am wertvollsten unter den drei Liedern dürfre der „Traum durch die Dämmerung" sein. Diese Lieder und besonders die, aus der klassizistischen Zeit deS Komponisten stammende Sonate läßt no6) sehr wenig ans die späteren Trillantfeuerwerke von Lawine, Elektra usto. schließen — abgesehen von der nochmals hervorzus ebenden Ge- toaubtbeit und Treffsicher heft, der es auch nichts schadet — ja eher zugute kommt — daß gelegentlich mit unentwegt pompöser Geste eine ganz handfeste Trivialität mit aufgelischtuvird — aber: es iv ir ft, das muß man Ltrnuß lassen, das t ersteht er unb dafür hat er zweifellos eine ganz besondere Begabung und geschulte Routine, der man den Respekt nicht versagen kann.
Der Sänger war so liebenswürdig, nach dem „Ständchen" von Strauß den banta.iren Hörern noch ein bekanntes entzückendes Lied von Hugo Wolf zuzugeben. Den würdigen Schluß machte das unvergleichlich schöne V-dur-Trio von Schubert. Es überragt weit alles übrige an musikalischem Gehalt, au unerschöpflicher Erfindungsfülle und uatürlid^m Fluß. Schubert schenkt uns hier echte Feierstiinden für Phantasie und Herz — dabei ohne Spur von Sentimentalität oder gravitalischem Pomp. Wer hier nicht innerlich gehoben und niitgerissen ist, ober gar über die „Himmlischen Längen" sich aufhalten lann, ist zu bttlageu; solch himmlische Musik — zumal in dieser vorzüglichen Ausführung — kann man gar nicht oft und nicht lange genug hören! — Warme Anerkennung gebührt Herrn Prof. Trautmann, der bei sämtlichen 9tummern unermüblich unb mit bekannter Künstlerschast mitwirkte. Ter >ttrtbsaal zeigte (erber einige Lücken, die man der^ Ungunst der Witterung uno der gegenwärtigen Ablenkung der Jnieressen durch politische Kämpfe zugute halten mag. Wo fäirde sich übrigeitö eine idealere Ruhe- und Sammelstätre für alle Kämpfenden als die Friedcnsinsel der Kunst. P.
Oas zrauenftndwm an den deutschen Universitäten im Winter (9H 12.
An den 21 Universitäten des R^ick)s sind diesen Winter bei einer Gesamtsrudentenzahl von 57 415 2 7 9 5 Frauen als vollberechtigte atabuniidr Lürger eingeschrieben, die höchste Zahl, die das ent wenige Jahre ake <yraacnftnbium bis letzt zu Vrr> zeichnen hat. Ter Zuwachs binnen Jahresftist beträgt 383 und die Steigerung gegenüber dem Sßtnier vor 3 Jahren etwa 150" . Im Sommer 190-5 waren es 137 weibliche Studenten, 1908, als den Frauen die preußischen Univ-ersitäten geöffnet wurden, stieg ihre Zahl auf 1108. Diese rwcnde Steigerung, b:e indessen, wenn auch in geringerem Maße, angel alten hat, ist aber nicht als reiner Zufluß an „Füchsinnen" anänsehen, da zweifellos ein wesetlicher Teil dieses Zugangs schon bisher als „Gastzuhörerinnen" an den Universitäten des Reicks studierten, die den Frauen für das eiaeitt- licke Studium erst in neuerer Zeit zugänglich wurden. Zivar sind auch heute noch nicht alle wirklich studierenden Damen fti der Zahl der Studeniinnen enthalten, ianbern aus rein for.nellen Gründen noch unter den Gastruhörerimven begnyren. Es sind dies die Frauen (deren Zahl übrigens nicht erheblich ist), denen, obwohl sie den Anforderungen für dis Immatriiulation Nicht entsprechen Eonnteii, vom preußischen Kultusminister rum die Beendigung ihrer Studien gestattet wurde. Die reinliche Scheidung her an unserem UnivrrsitärsunterrichL leilhabenden Frauen in S5!'.?enttiNlen, mit l:r 2lbirci;:, auf das StuviuM einen Beruf zu gründen und der „Gastsuhörerinnen", der nur gelcgenthd) Um= r^rsitätsporlesungen beiuchenden Damen, gibt jetzt ein klares Bild
von dem zielbewußten Konkurrrnzcampfe der Frau, auf den vor- sch*cdensten Gebieten der Wissenschaft.^ Dieser darf übrigens in ihrer schließlichen Wirkung nicht überschätzt werden, denn nicht gering ist die Zahl ccr Damen, die der veränderten wirtschaftlichen und lozialcn Struktur der Neitzeit entsprechend auf Gebieten und in Stellungen tätig werden, in denen ihre Arbeit für den Mann überhaupt keine Konkurrenz bedeutet; ferner besuchen zahlreiche Damen die Universität nur eine Zeitlang zur Weiierbildung uno ein nickt ganz geringer Teil scheidet ans der wissenschaftlick)en Betätigung schließlich infolge Verheiratung ans.
Tie neueste Verteilung der Studentinnen auf bieeinzelnenZweigedesakademischenStublumv und die im Laufe der letzten drei Jahre Darin eingetretenen Aen- berungen zeigen immer deutlicher, nach welchen Berufen ^>ie gebildete Frau vorzugsweise strebt. So stieg bic Zahl der Stuben (innen der Philosophie, Philologie unb Geschichte seit 1908 von 505 aut 1563, die der M a t b c m a 11 f unb N a - turwissenschasten von 175 auf 504 unb die^ Mcb i i inerinnen erhöhten ihre Zahl von 322 auf 582. Tie Staats Wissenschaft en studieren 67 Frauen gegen 40 vor drei Jahren. Rechtswissenschaft 39 gegen 20, Zahn Heilkunde 27 gegen 40, Pharmazie 8 gegen 3 unb evangelische Theologie 5 gegen 3. Tarnach ist die Zunahme am stärksten bei den Fächern Der philosophischen Fakultät, was begreiflich ist, da zur gegenwärtigen Ueberaangszeit noch ein erheb lieber Teil der Studentinnen nur das Lehrerinnenzeugnis besitzt unb sich daher dein höheren Lehramc widmet. Ter allem bei den Zahnärztinneu vorhandene Rückgang, Der übrigens bei den männlichen Kommilitonell in ähnlichem Maße zu beobachten ist, beruht auf der Erhöhung der Anforoerungen für die Vorbildung uno Verlängerung der Studienzeit durch bic neue Prüfungsordnung vom 15. März 1909.
Tie Verteilung der Studenlinneli auf die einzelnen Universitäten des Reicks ergibt eine Bevorzugung Der preußischen Hochschulen, was sich aus der Herkunft der Stuben timten erklären Dürfte, da aus dem Norden verhältnismäßig mehr studierende Frauen stammen, als aus dem Süden. Eine jiäber • Untersuchung der Heimatsverhällnisse würde ergeben, daß etwa gegen zwei Trittel aus Preußen stammen und daß etwa 500 AInländerinnen in Deutschland studieren. An der Universität c . Reick^hauptstadt befindet sich denn auch fast ein Drittel, nämlich 845, am nächsten steht Bonn mit 253, Dann folgen Göttingen mi. 224, München hat 188, Heidelberg 165, Freiburg und Münster je 149, Breslau 134, Leipzig 103, Königsberg 98, Marburg 87, Greifswald 74, Jena 69, Halle 62, Straßburg 42, Tübingen 40, Stiel 32, Gießen 29, Erlangen 27, Würzburg 17 unb Rostock 6. Im Vergleich mit dem Vorjahr sind zurückgegangen L'cünchen, Er- langen, Roswck und Gießen; während die Steigerung koesenlüch


