Ans Stadt und Land.
Gießen, 3. Februar 1910.
Tage >■ l u lend e r für Donnerstag, 3. Febr.: Oberbess. Gesell schatt iür Natur- und Heilkunde: 3. Vor- trag: Prof. Dr. A. Korn ans Berlin: Telegr. IlebernnUlnna von Bildern. Abends 8'/, Ubr im großen Hörsaal der Universitäl.
F r e i d e n l'e r- V e r e i n i g n n g : Vortrag von Dr. Bie den tapp an-: Frankfurt: Was erzählen wir unseren Kindern? Abends 8'/._. Uhr un Einbornsaal.
Deutscher P r i v a t b e a in t e n - P e r e i u: Vortrag von Ernst Nein em und ans Frankfurt: Die Bedeutung der Bestrebungen des Deutschen Vrivalbeanuen-Vereins für unser Wirtschaftsleben. Abends 8'/. Uhr im Hotel-Nestaurant Kobel.
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" Landwirtschaftskainmer. Ain Dienstag sand die ,-Ersatzw a bl für den verstorbenen Vertraucnschann Phil. Euler im 1. Vertrauens rnännerkreiS, bestehend aus der Stadt Eießen und der Gemeinde Klein-Linden, des 1. Wahlbezirks der Provinz Oberhessen statt. Aus der Wahl ging, hervor.Kommerzienrat L. Heyligen siaedt, Inhaber der Maschinenfabrik Heyligenstaedt u. Co. Ter 'Gewählte ist Mitglied der Handelskammer, Vorstand dcS Ortsgelverbevereins. Anfsichtsrat der Gewerbeschule und Beigeordneter der Stadt Gießen. Es verdient, hervorgehoben zu werden, daß bit hie- sige Landwirtschaft bei der Wahl ihrer BernfSvertretung nicht einen Handwirt, sondern einen Großindustriellen gewählt bat.
** Die hessisch e Tub er t ulo se-A u S ste llu ng war int Kreise Opp en heim in Badenheim und Undenheim von se 1100, in Wörrstadt von 4.50 und in Nieder-Saulffeim von über 3300 Personen besucht. Für den Kreis Mainz rammt nur . lieber-C.hn mit .5000 Personen in Betracht. In den nächsten Tagen wird das Museum im Kreis Darmstadt ausgestellt, nm alsdann die Wanderung durch die Provinz Ob erliess en zu beginnen, die aber im Mai und Juni unterbrochen werden muß, da das Tuberkulose-Museum in dieser Zeit in Luxemburg und daran anschließend in Passau, Deggendorf, Straubing und Landshut ausgestellt werden soll. Insgesamt wurden bisher über 270 000 Besucher gezählt.
** Vom Freisinnigen Verein wird uns ge-- schrieben: Nächsten Sonntag den 6. d. M., nachmittags,.HW' der Freisinnige Verein eine öffentliche Versammlung ob, in der Pros. D. Rade aus Marburg über „L i b:cr al is- musund Staatsbürger tu m" und LandtagSavgeord- neter Justizrat Reh aus Alsfeld über „Tie hessische Wach lr e ch ts v o rl<a g c" sprechen werden. Die Versammlung wird zweifellos in allen Kreisen großem Interesse begegnen. Herr Prof. Mtabc ist der bekannte Herausgeber der „Christlichen Welt", die mehr und mehr eine gewisse politische Bedeutung gewinnt. So hervorragend er auf wissenschaftlichem Gebiet ist, so unbe-stritten ist. seine Sach- funbe irr der praktischen Politik. Bon besonderer Eigenart ist seine Staatsauffassung, die auf der einen Seite im Gegensatz zum Sozialismus, auf der anderen int Gegensatz. zum Nationalismus steht. Der zweite Redner, Justizrat Reh, ist in Gießen wohlbelännt als kenntnisreicher Politiker, gewandter maßvoller Redner und schlagfertiger Debalter. Von ihm werden wir eine authentische Darstellung der bewegten Landtagsverhandlungen Wer die nächst der Finanzlage 6rcnn'ciib|te Frage der hessischen Politik und die überraschenden Ergebnisse, zu denen die 2. Kammer gelangt ist, erhalten.
.** G i c ß e n e r Volk S b a d. Im Januar wurden 87 78 Bäder verabreicht gegen 8600 im Dezember 1909 ii^b, 78s7 im Januar 1909 oder im Durchschnitt täglich 283 Bäder gegen 277 im Dezember und 2.54 im Januar 1909. Ter Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt:
Schwimmbad 1221 Männer, darunter 736 311 10 Pfg., „ 720 Frauen, „ 12J „ 10 „
Wannenbäder I. Kl.: 222 Mätmer, 67 Frauen,
II. , 777 „ 452 „
Brausebäder l. „ 814 „ 210
11. „ 949 „ 193
Daipps, und Hesiüustbäder sowie Aiassage zusammen 144 Männer, !> Frauen. Die Pcrsonenwage rourbc von 200 Personen benutzt, das Bad von 3 Personen besichtigt.
*’ Perbrannte8 Heu. Ein Bauersmann aus einem benachbarten Dorfe hatte gestern nachmittag einen Wagen mit Heit hierhergcbracht, den er henke morgen an einen ftäiffet übliefern ivotlte. Er logierte sich in einer Wirtschaft in der Hanunstraße ein unb ließ den Wagen Heu die Nacht auf der Straße stehen. Gegen 4 Uhr heute früh stand plötzlich das Heu in Flammen; an ein Ablöschen ivar nicht mehr zu denken unb so verbrannte der Wagen vollständig. Jedenfalls wurde das Heu von frevelnden Händen in Brand gesetzt. Ter Wagen soll versichert gewesen sein.
** Wahres G eschichtche 11. Eine recht ergötzliche Ber- wechsluug passierte kürzlich einer Bauersfrau in einem Orte des Lumdataies. Hatte da eine Tochter aus der Großstadt zu Weih- zu beackern fein, den bisher des Mannes Alleinherrschaft in Japan so zähe festhält? Mein Gegenüber ist nicht pessimistisch, aber auch nicht übertrieben hoffnungsvoll: Wir müssen ganz umncrk lich arbeiten, ist ihre Devise.
Die clnnbr dieses Interviews war eine der ästhetisch genuß rcidHlen in Javau. Ich hoffe nur, wenn morgen meine An fidyten und mein Autograinw in der Frauenzeitschrift prangen, daß td}' einen eben so guten Eindruck hinterließ!
Man hat Osaka, das iapanisck>c Essen, das japanische Birmingham, das japanische Venedig, genannt. Tas beweist allein schon, wie törichte Vergleiche „man" mairchmal mad)t. ES ist keines von den dreien. Zu den ersten beiden fehlt ihm die gewaltige Arbeitsatmofphärc, der überwältigende Eindruck.einer.einzigen großen konzeickisi uen ArbeitSmaschine, das Gefühl, daß hier eine Hlsamw.enaehörigkeit aller unter den unbeugsamen harten Willen einer unsichtbaren Maschinengotthell existiere. Zu all dem ist Osaka zu sehr Venedig, hm zu viel Lieblichkeit. Aber zum Venedig hot cs wieder zu viel Industrie! Wohl spielt sich auf seinen Kanälen ein bunt bewegtes Leben ab. Tie Rückseiten der Hölzhäuschen sind von einer leichten sorglosen Luftigleit unb Bmrtirä! die ganz dem Treiben entspricht. Aber die Gondeln erfetze.n schwer belaßene Arbcitskähne unb den blauen Himmel, und die warme Deane verdeckt ein dicker Rauchnebel, den Hunderte von kleinen ur.b Dutzende von großen Schornsteinen stets erneuern. Osaka hot ein interessantes Leben. An seinen Flüssen und Kanälen spielt sich ein Hosten und Rennen ab, daS viel eher dem einer europäischen Hafenstadt gleicht, als das Bild eines /xroßen inpaniidieit Hafens, KobeS oder Yokohamas. Es ist eine Unsumme, von >Ucinhandel, der Osakas Bedeutung ausmacht, nicht der mächtige Import oder Export — dazu ist der Hafen noch zu seidzt und muß erst gründlich neu angelegt werden Die Absicht ist and: vorhanden, aber nicht das Geld sondern die Versorgung Japans selbst in erster Linie mit seinem Jndiistriebedarf. Aus den großen Fabriken wandern bie Waren in der -^tabt selbst zu den Groß unb den immer kleineren Kleinhändlern. Ter Ver- tcilungsprozeß, der sonst in allen Himmelsrichtung w iid), ab spielt, geschieht ui er zum großen Teil noch in der rtaöt selbst unb das gibt ihr Leben miö Lebhaftigkeit. Das sckeiick vielleicht größer als es in Wirklichkeit ist, well es in enge Gäuchen und Sträßchen sich zusammendrängt. >vo man sich schiebt und stößt unb jede Ridfcha fast ein Verkehrshindernis ist. Europäische
Methoden herrschen auch hier. Die Dampfhärnmer dröhnen in den Eisenwerken unb die Elektrischen surren bitrd) ein paar breitere Straßen, die Banken haben Steinpaläste errichtet und Pinasson unb Motorboote kreischen unb tuten, als wären fix bie größten Seedampfer. Aber das Herz der Stadt ist echt japanisch. Die Hauptstraße ist eng itub hat keinen einzigen Steinbau, das Arbeiterviertel ist unberührt geblieben von der Moderne, in deren Bann seine Bewohner arbeiten und verdienen müssen. Und aud> die Bevölkerung im allgemeinen ist unberührter, japanischer geblieben, gleich der des benachbarten Klwto. Es ist tvpisch, daß der OsakamaNn von dem Wert' des Zeitbcgrifss nodi viel weniger weiß, als fein üitl weniger industriereicher Genosse aus Tokio. Es ist bezeichnend, daß in Japan das Osakamädchen als besonders schön gilt, aber daß man ihr, gleich wie ihrer Kchoto- schwester, ein wenig Beschränktheit nachsagt, nickst weil sie wirklich dumm wäre, sondern mir, weil sie noch naiver ist und roe* Niger moderne Methoden kennt. Nur ihr sittlicher Ruf ist nickst besonders unb wenn ich damit eine Einrichtung vergleiche, bie sich in kleinen Seitengäßchen Osakas heute noch findet, begreife ich das. Daß es Liebespärchen gibt, deren Liebe nur eine kurze Spanne Zeit dauert, EonmU auch anderswo vor. So bequem wie hier ist. es aber kaum: Man kommt in ein Haus, daS gänzlich leer unb verlassen scheint. Nur int Zimmer auf den TadansiS liegt das japanische Bett mit zwei Kopfkissen Unb man verläßt das Haus, nachdem man ein paar sen Zimmermiete auf ein Tableit gelegt. Kem Mensch läßt sich dabei blicken, fein Laut stört. Unb die Polizei, bie vielgewandte und menschenkmidige, drückt ihre särnllichen Augen zu. Ihre Organe wissen natürlich nicksts davon!
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Plan soll über japanische Dinge immer mit einer vorsichtigen Reserve sprechen unb das wenn unb das aber nicht vergessen. Es gibt nicksts was schwerer zu verstehen ist, als die Psyche des Japaners. So viel uns zum Beispiel über das stcreottspe Lächeln geschrieben und erklärt wird, ganz verstehen werden wir es nie. Jüngst unterhielt ich mich mit einem Dolmetscher über seine Familie. Er erzählte mir, er habe vor drei Monaten den einzigen siebzehnjährigen Sohn verloren. Tas bedeutet in Japan, roo die Fortpflanzung der Familie eine ganz andere Rolle spielt als bei uns, einen schweren Schlag Aber der Mann lachte, ober besser er lächelte krampfhaft dieses Universalgesicht, das
den sie hier ausgeführt Hai.
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deck N i d d e r t a l -
<9erkl?tsfaaL
Gießen, 3. Febr.
Ein gefährlicher Betteltrick.
In den ersten Tagen des Dezember tauchte hier eine Frau Bauer auf, die. allgemein auffiel. Von schlankem Wuchs, elegant
Sängerbundes. Die Vorbereitungen zu dem Wettstreit sind in vollem Gange. Neben zahlreichen .KunstgegenNändeu und Medaillen stehen 1400 Ml', in bar und mehrere Fürsten- preise zlir Versügung. Der Meldeschluß ist auf 1. März und der Telegiertentag auf den 10. April festgesetzt.
)( Marburg, 2. Febr. Die theologische Fakultät der hiesigen Universität ernannte den Propst Wilhelm Buß- mann in Jerusalem in Anerkennung seiner Verdienste um bie Auslanosdiaspora zum Ehrendoktor. B. war früher Geistlicher in Hannover. — Der Gewerbevercin und der kaufmännische Verein hielt gestern abend eine gemeinsame V c r s a m in lung ab. Das Handelskammermitglied Kauf- mann Stumpf gab eingehende Erläuterungen über das Gesetz zur Sicheruitg der B au f 0 r d eril n g e n.
-jtircicten oer „x_sonrnalt|tin , die vor dem Schöffengericht auf- gedeckt wurden, Pellen lange nicht bin ganzen Schwindel dar, (
iß et t ft reit und dem Bnndesfest
stoisch alle Gefühle der Mßenweft verbergen, das innere Erlebst i nur auf das Innere auch wirklich beschränken soll. Europäisch^' J Gefühl kann in diesem. Momente miterleben uub schweig-nd teil- j nehmen. Kurz darauf aber überfuhr unser Zug einen Mann, b$r ' gräßlich verstümmelt aus Den Schienen lag, und als mir nie» -j Dolmetscher erklärte, der Uebcrfahrene sei gewiß gleich tot, bis- | eine Bein sei ihm glatt abgefahren, da wandte idt mich schaudernr' j vor demselben Lächeln ab. Wir können in solchen Momente j die Größe bewundern, die in solcher gewallsamen Neberwinduny 1 der Gefühle liegt, mit dem Nach fühlen aber ist cs zu Ende. Aich ] das gehört ins unerschöpfliche Gebiet der Uniformität des Lebets j hier.
Man wird die nötige Reserve insbesondere bei Vergleichen I nicht außer Acht lassen dürfen. Mau sollte JapMi überhaupt en 1 europäischen Vorbildern nicht messen, selbst wo es das will, I weil man ihm meist damit bitter Unrecht tut. Man kann dm | Engländer und den Deutschen vergleichen, n>ell die Grundlage ihrer 9 Kultur dieselbe ist, well die stetige Verbesserung aller Kommunikationsmittel einen lückenlosen Austausch aller Gedanken uni , aller positiven Errungenschaften ermöglicht. Aber diese garste Prämisse fehlt in Japan. Weder ist das Verkehrswesen so ausi d gebildet, daß im ganzen Jnsclreiche die aeivaltigcn Uw Wälzungen der letzten Jahrzehnte gleichmäßig hatten wirken können, noch ist der kulturelle Einfluß des Westens langsam uni' j ruhig gemig gekommen, um Boden zu fassen. Aas man an Kultur des Westens in Japan hat, ist Firnis, aus deutschen, englischem. französischen und sonstigen Ingredienzien zusammengesetzt. Aerm der Japaner sagt, er habe von allen Völkern chr bestes 0- - rtommen, so stimmt das technisch beiraikstet vollkommen. Kulturell aber nicht, beim daS Beste ist es nickt immer, was <r sich geholt hat. All bie Eiiizelresilltate des Amalaamieiung^ Prozesses, bei dem so viel Altes und Schönes zu Booen getreten wird, zu einem für Iben Osten passenden Gebäude zusammenzickrage."., ist bie Aufgabe Japans. Von ihrer Vollendung nach vielen Jahs- zehnten sollte man nimmer sagen: Von unserem Europäeritank'- punkt aus gesehen ist das so und so, vom Piedestal des Oster!» aus sielst es aber ganz anders aus. Sckade nur, daß die Japan.: in einer solchen vorsichtigen Betrachtmigsweije immer eine Zuruo- setzung und eine Feindlichkeit des JMtiferö wittern.
lr.achten allerhand nützliche Sachen gefchickl, unter anbenn auch ein Paket Tee. Als sich nun ein paar Abende später eine ansehnliche Spinngesellschaft eingefunden hatte, servierte die Frau die, nebenbei gesagt, etwas kurzsichtig ist, von dem neuen Trank "Ick hu aber immer schon gchvt, deß mer viel Zocker cnen muß tu, löst schmechk c nout," meinte, die Bäuerin, worauf eine andere Frau entgegnete: „Des mus^ stimme, ich hu schick 4 Stecker in mcicr Tatz unb es schmeckt immer noch bett er." Aber trotz allcbem wurde der „Tee" flott getrunken, beim er wär gar gesund, meinte der Hausherr. Aber schon nach kurzer Zeit stellte stch bet allen Teilnehmern eine solche Uebelkeit mit nachfolgendem Erbrechen ein, daß der Herr des Hauses die Frage für auqc- bracht hielt: „Wo hast Du denn eigentlich den Tee genommen*-1" „(ii, hei guck doch, aus dem Paket." „Best.Du berridt," schrie der Mann, „das i)l ja der Tnwack, den ich mitgeschickt hab kriegt." Die enttäuschten Gesichter dec Teegesellschaft kann man sich denken.
— Klein-Linden, 2. Febr. Ter Kauinchenzuchi- verein hat beschlossen, den Verein in 'Kaninchen- und Ge fl üqclziicht verein nmzuändern. In den Vorstand wurden die Herren Ph. Reuschlinq, Gg. Dönges unb L. Lud wiebergewählt. Demnächst hält der Verein in der „Deutschen Giche" einen Familiengdend mit KaniucheNcssen ab.
— Rödgen, S. Febr. Der Kriegerverein Rödgen feierte am Samstag abend den Geburtstag des Kaisers in, Saale des Gaslwiits Wagner. Ter Vorsitzende In dcrtha'l begrüßte die Aiiwesenden. Pfarrer Groth hielt eine längere Ansprache, die nut einem Hoch auf den Kaiser enbcfc. Weitere Ansprachen hielten noch Lehrer Koch-Rödgen und Bahnsteigschaffner Oswald von Gießen. Sämtliche Redner ernteten reichen Beifall.
----- Groß en. Buseck, 2. Febr. Heute wurde die bie- ligc Gemeindejagd in vier Abteilungen ans 6 Jahre verpachtet. Die Herren Geh. Kommerzienrat Gail-Giesten, Stadtverordneter Goll - Frankfurt a. S.VL, Dr. Alker-Gießen und Dr. Reinewald-Greßen pachteten je eine 'Abteilung. Der Aesamterlös beträgt für bas Jahr 2495 Mk., etwa 300 Mk. inehr als bisher.
— Beuern, 2. Febr. Am Sonntag, 6. Febr., feiert der Gesangverein Liederkranz sein 6. Stiftungsfest, verbunden mit Theateraufführungen und Gesangsvorträgen. Die Vorbereitungen weiden mit regem Eifer betrieben und versprechen einen recht genußreichen Abend.
? H ungen, 2. Febr. Heute nachmittag stellte sich in einem hiesigen Manmattiirwareligeschäst ein Unbekannter ein unb kaufte für 35 Mk. Ware. Er legte; zur Bezahlung einen 100-Mk.-Schein vor, auf den ihm 65 Mk. zurückgegeben wurden. Nachdem sich der Mann entfernt hatte, gewahrte die Frau des Geschäftsinhabers zu ihrem Schrecken, daß der schein falsch war. Sie verständigte sofort die Gendarmerie, die die Verfolgung des NkanneS aufnahm. Dieser war sich seines Vergehens wohl bewußt, beim er hatte sich querfelbcin zu entfernen versucht, unb als er sich verfolgt sah, warf er bie eingetauften Waren fort. Ec wuxde ergriffen und in polizeilichen Gewahrsam gebracht.
Hj: Rieder-Mörlen, 2. Febr. Bei der Versteigernng der Jagd auf der Nieder-Mörler Feldmark am 1. b. M. würbe nur ein Drittel des bisherigen Pachtpreises geboten, so baß ber Zuschlag nicht erteilt wurde. Die Genehmigung hatte ziveifellos auch sehr preisbrückend auf die noch in Aussicht stehenden zahlreichen übrigen. Zagdverpacht- ungen der Wctterauer Gemeinden als Muster gewirkt, bereu Gemeindesäckel mit den Jagbeiniiahmen zu rechnen hat.
— Heldenbergen, 2. Febr. Der Gesang verein ^Thalia" feiert am 11., 12. unb 13. Juni fein 25jähr. Iublläu m, verdunben mit einem nationalen Gesangs-
sc. Limburg, 2..'Febr. Im August v. I. war in Schadeck ent Brand ausgebrochen. Die Feickrwehrcn ans der Umgegend 4 jaljcn wichen, darunter auch die von Steeden. Nach- dem Pranüeß lecksten die ^teebener ihren Durst dann in Runkel. Als am Abend ß bte schulernineii ber HauShaltungsschule mit ber Lehrerin spazierenß gingen, begaben sich die Steedener 3eucmehrLeute in das Pen-1 wnat unb verübten allerlei Unfug. Tann lehrten sie zur Aisi-I fchast zurück. Bor ihr hakten fid} unterdessen' Burschen von RunkefD etngciunben. Als bie Steedener bie Runkeler sahen, stürzten sic» aus bie etrape, wnrfirn mit Steinen aus' bie 3runle.ee unb schrien:»
1 türmen wir Runkel." Die Runkeler ergriffen die Fluckt, 1 bie viteebenet rückten nach mit Messern und Steinen Be1va.ffn.2t, I MM kno Wirtschaft von^Thomas, dem Zufllidstsorl der Rmtl-rlmM ^.aS Haus würbe mit Steinen bombardiert, so daß -ein Fenster I gonz blieb. Dann drangen bie Rvwdies in btc Wirkschask unb veriuchten btq Türe einzuschlagen. Ter Wirt leistete Wibcrstand, tz.. er konnte. Schliesstich wurde ein Schreckschuß aus ber Airtid^ust auf bie Eindringlinge abgegeben, iniolaeüessen sie Reißaus nahmen. Wegen Haussriebensbriid), Sachibesck'äbigung mtb Körperverletzung hatten sich deshalb 13 Burschen ans Steedeil im Aller ^von 20—30 Jahren vor der Slr-afkämmer zu veranl- worten. Lieben Angeklagte erhielten G e sä n g n i s stx a sen v.m 2, 3, 4, 6 unb 7 Atonalen; sechs erzielten einen Freispruch.
fc. Mainz, 2. Febr. Ter 36 jährige Gärtner Heinrich - Rv) c aus Gonsenheim hatte einen wertvollen Kranz, beit bie Eltern seiner verstoßenen Frau zu Allerheiligen ans das Gr.u> 1 berjelben niebn-gellgt, am 5. November 1909 gestohlen unb nodi $ Wtesbaben verkauft. Das hiesige Schöfscngericht verurteilte ben | Ateb wegen dieser n-o-ch obendrein an den Tag gelegten Gefühll I roheit zu zwei Wochen Gefängnis.
Wandern und Reisen.
** Die Schülerherbcrgcn am Rhein. Wie bk Leitung ber Schüler- unb Stubentcnherbergen am Rhein mittcUt, hat ber Unterrichtsminister dem Rheinischen Verkehrsverein feinen' Dank ausgesprochen wegen seiner großen Verdienste, und zwar wegen der Errichtung ber Schülerherbergcn unb Herausgabe dis 3ihcin-Wanberbuches. Zur Unterstützung der rheinischen Verbergen bewilligte ber Minister 200 Mk.
Randbemerkungen zu -er Wassernot iu Parisi
Die Pariser, die von dem Hochwasser nicht birett ober um zum Teil Betroffen mürben, etwa dadurch daß die elektrische LelluW . unterlioitcn ist, die Zentralheizung nicht smiktionierl oder bas Telephon außer Bettiel gesetzt würbe, verfolgen mit großer 9Uf . merksam leit nicht nur die Berichte der Presse- die vielfach durv ihre llctertrcibuitgen unangenehm berühren, sondern aud) bie Laitaen . Listen der Spender, von denen nnmentltd> die des „Teinps" roätnrn- btc ausgLbehickesten und höchsten sind. Ten auinierlianteit Lesern ist es offenbar ipeniM darum zu tim, sich selbst und ihre Bekannieii dort zu finden, als vielmehr auf diejenigen zu fahnden, b'c „nicb.' da sind". Und da ejitbcdt man, nierati man so sagen darf, in erster Linie die beiden Präsidenteil auf dem französisi-2N Thron, solvehl den „Kaiser", wie den „König". Wenn Prinz Victor Narv" llon, der bie reiche Erbin des Königs Leopolds von Belgien noch nicht a'IS Gattin heimgeführt hat, selbst von den republil.mischLi I Blättern als relativ armer Schlucker angesehen wirb, so zeigt null
m Kllidung, mit großem Hut, lief verschleiert mit einer jchwarienl Mappe unter bem Arm betrat bie Frau unsere besseren 'W.n rantö und Cafes unb erregte in ihrem tief ausgeschnittenen .ühihel bie Neu gier ber Männerwelt. Sie verstand es denn auch, 4
kamckschaften zu machen und sich die Zeche bezahlen zu lapen. I Frau Doktor nannte man die Dame, bie erzählte, baß sie für I auswärtige große Zeitungen über Gießener Kunst unb Wisjai I imart Artikel ichreibe. Plötzlich, anfangs Januar, verschwanb bi „^oiirnaliftm" von der Bildfläche und man erfuhr, bok der -Vcrr Amtsanwall ein besonderes Interesse baran hatte, si-V ar 'cr_?cnncn 5U fernen unb sie deshalb in .Haft nehmen lies! Am Dienstag verhandelte das Schöffengericht gegen oic Dani.- rocgcit Betrugs und Zechprellerei unb man erfuhr, baß thu g_ans geriebene Perfon einen neuen Trick der Bettelei in unserer ^tabt ausgeübt hat. In vier. Falken hat die Frau, oic m ihrem Mamie gejehieben ist, weif sie dem Trunk ergeben iü, lUosi.gc Aerzte besucht, ihnen erzählt, sie suche in Gießen schasiigung, habe bas Matururn gemacht und mehrere Semester Medizm studiert und sich als Ärankensckwester betätigt. Tie könne auch Abschrickcn von wisscnsckafckichen Arbeiten'machen, sie wolle nur Arbeit, um sich zu ernähren. Das Mitleid ber?
erregte sie mit ber Angabe, ihr Mann hahe, nachbem er 2UUU0U Mk. burchgebracht, sich erschossen unb sie mit ihren fünf Stmbcrn zuruckgelasten, bie sie ernähren müsse. Da bie öerrettI ber Arbeit suchenben eleganten und rehegemaubten Dame leiderW nicht bienen konnten, so bat biefc schließlich um eine Unter-1 Nutzung unb erhielt sie auch reichlicher als landläufige Betller ■ ana-1VClfl)el •ei’e ^at Dame auch einen Geschäftsmann mit Mark heremaelegt. Auch ein Geistlicher befchenkte sie mit
-^0 Ml. Gastwirt, bei bem btc Augellagte gewohnt hat. / geht nick 30 Mk. zur Leiche. Tie Angeklagte, bie wegen Betrug vorbestraft ist, würbe vom Schösfengericht wegen ihrer Schwin--. dclcten zu fünf Wochen Gefängnis verurteilt, von benen dr« Wochen als durch btc Untersuchungshaft verbüßt in Abzug kommen. Der Bitte ber Angeklagten, ihr auch ben Rest ber Strafe zu schenken, konnte ber Vorsitzestbe bes Gerichts nicht willfahren, du Herr meinte aber, bie 14 Tage gingen schnell herum. Tic Zetteleien ber „Journalistin", bie vor dem Schöffengericht


