~n Brr Hütat- und PolkzelverwaltUng sind' die Echreibhilskosten bei den Provmzialdirektionen und Kreis- Brütern, hauptsächlich veranlaßt durch Aufrücken der Gehilfen in beit VeraütungsMen, wiederum, und -war um 14 250 Mk., auf inun 148 275 Mk., gestiegen. Die Beitrage zu den Volizei- kost en der Gemeinden waren, dem steigenden Bedarf entsprechend, um 15 000 ML, desgleichen die sachlichen Ausgaben her Polizeikassen um 24 000 Mk. zu erhöhen. Dagegen konnten die Kosten der Gendarmerie um 25 372 Mk. verringert werden, ha beabsichtigt ist, die Distrikte auszulösen und ihren Dienstbetrieb mit demjenigen des Korpskommandos zu vereinigen und da weiter pud) die Zahl der berittenen Gendarmen eingeschränkt werden soll.
In dem Etat der Landesuniversität geht erstmals seit längerer Zett der Staatszuschuß hevab: er sinkt von 1042 332 Mark in 1910 auf 1 021 634 Mk., also um 20 698 Mk. Die Ausgaben halten sich im wesentlichen auf der alten Höhe, dagegen Lonnlen die Einnahmen aus den Kliniken auf Grund der am 1. Oktober 1909 in Wirksamkeit getretenen Erhöhung der Pslege- qeldsätze erheblich höher veranschlagt werden, so daß der Zuschuß- bcdarf dieser Anstalten von 339 085 Mk. in 1910 auf 320 313 Mk. hcrabgeht, sich also um 18 772 Mk. verbessert.
Auch bei der Technischen Hochschule konnten die Einnahmen, und zwar infolge Zunahme der Frequenz, um 16 200 Mk. höher angcseyt werden; der Zuschuß sinkt insolgedessen um 7595 Stark auf 427 825 Mk.
In dem Haushalt der Gymnasien, Realgymnasien, Oberreal - und Realschulen usw. kommen die zweiten Oberrealschulen zu Offenbach und Darmstadt hinzu; jene soll zu Ostern, diese am L Oktober 1911 eröffnet werden. Infolgedessen geben zwei Direktors!cllen, eine Hilfslehrerstelle und das erforderliche Pedellenpersonal neu zu. Die Lehrerzahl brauchte nicht vermehrt zu werden» da der an einigen Anstalten bestehende Melw- bedarj durch Abgabe van Oberlehrern von anderen Anstalttn gedeckt werden kann. Durch höhere Schulgeldeiunahmen infolge gestiegener Schülerzahl, durch eine andere Regelung des Zuschusses des Mainzer Universitätsfonds zu den Ausgaben der Mainzer Anstalten, sowie dadurch daß die bisher bei den Schulgeldeinnahmen erfolgte Absetzung von zwei Prozent für Ausfälle gestrickien wurde, konnte der ZuschußLtimrftvon 1008 872 Mk. in 1910 auf 979 901 Mark oder um 28 971 Mk. ermäßigt werden.
Unter Volksschulen mußten dem acsteigerten Büwrf ent* sprechend für Dienstzulagen an Lehrer und Lehrerinnen 45 000Mk. mehr, nun 2 095 000 Mk., und für Vergütungen an Vertreter und Gehilfen bei vorübergehender Dienstunfähigkeit von Lehrern usw. 15 000 Mk. mehr, nun 110 000 Mk., vorgesehen werden; auch war der Kredit für Unterstützung bedürftiger Gemeinden bei Aufbringung der Kosten des Fortbtldungsunterricl-ts um 7800 Mk., auf nun 50 000 Mk., zu erhöhen. Im ganzen werden jetzt für Volksschulen 2 781 510 Mk. aufgewendet.
Die Kosten der Jrrenvflege wachsen fortdauernd und in starkem Maße cil Von 1911 ab erfahren sie eine weitere Steigerung durch den Zugang der Irrenanstalt Gießen und durch eine für novo endig erkannte Ausbesserung der Wärterlöhne. Es ist pcSfyalb eilte abermalige Erhöhung der Pflegegeldsätze, die erst 1909 neu geregelt wurden, nickst zu umgehen. Aus ihr wird eine Mehreinnahme bei den alten Anstalten von rund 220000 Mk. erwartet, die den Mehraufwand bei diesen von rund 102 700 Mk. tunb den Zusckwßbedarf für die Gießener Anstalt mit 117 250 Mark decken soll. Der Zuschuß für bfc vier Anstalten beträgt bann 603 594 Mk. gegen 603 606 Mk. für dis drei alten Anstalten in 1910. Die neue Anstalt zu Gießen ist wie die zu Alzey für 400 Kranke berechnet und wird voraussichtlich am 1. April 1911 dem Betrieb übergeben werdest. Durch Entlastung der alten Anstalten und Neuaufnahmen soll sie in der Weise belegt werden, daß zu Ende des Etatsjahres 1911 ein Krankenstand von 300 Personen und im Durchschnitt des ganzen Jahres ein solcher von 200 vorhanden ist. Aivch bei der Anstalt für Blödsinnige .„Alicestift" zu Darmstadt wird eine kleine Erhöhung der Pflege- -geldsätze beabsichtigt und daraus eine Minderung des Zuschußbedarfes um 15 500 Mk., auf nun 20 000 Mk., erwartet.
Eine Mehrforderung von 22 680 Mark unter dem Kapitel lASwehrundUnterdrückungvonViehseuchen gründet sich auf die Vorschriften des Reichsviebseuchengesetzes vom 26. Juni 1909. Insgesamt werden sich hier Die lausenden Ausgaben für das Großherzogtum in Zukunft auf jährlich rund 70 000 Mk. stellen; man konnte sich aber diesmal in der Annahme, daß das Gesetz erst Anfangs August 1911 in Kraft treten wird, auf eine Anforderung von 59 680 Mk. beschränken.
Unter dem Abschnitt Landeskultur und Landwirtschaft sind nunmehr auch die Einnahmen und Ausgaben für Kreisgeometer, die bisher in dem Abschnitt »Lokal- und Polizei- Denualtung" aufgeführt waren, eingestellt.
> Schließlich wird noch auf die dem Harchtvoranschlag als Anlage 22 a beigegebene Denkschrift über die Staatszuschüsse für die Lnndwirtschaftskammer und die Handelskammern. verwiefen,
. In der Hauptabteilung IX:
Ministerium der Justiz, kommt eine Vereinfachung im Strafvollzug zum Ausdruck, über die in Anlage 28 zum Hauptvoranschlag nähere Angaben gemacht
werben. Die Vereinfachung besteht in bet Aufhebung der Weiber- strafanstalt Mainz und Ueberfübrung ihrer Zucht haussträfl inge in das LandeszucksthauS Marienschloß und ihrer Gefängnissträflinge mit mehr als 14 Tagen Haft oder Gefängnis in das Provinzialarresthaus Mainz und solcher mit geringeren Freiheitsstrafen in die amtsgerichtlichen Haftlokale. Außerdem sollen die jugendlichen männlichen Sträflinge aus dem Provinzialarrest- haus Darmstadt in die Zeilenstrafanstalt Butzbach übergeführt werden. Hierdurch werden 29 300 Mk. gespart. Im ganzen gehl der Zuschußbedarf der Strasanstalten von 973 807 Mk. in 1910 auf 937 260 Mk. herab.
Leider war eine wesentlich Erhöhung des Kredits für Schreib- hilfekosten bei den Amtsgerichten um 51580 Mk., auf nun 514 025 Mk. nicht zu umgehen. Sie ist außer durch Ausrücken der Gehilfen in den Vergütungssätzen veranlaßt durch die mit der fortschreitenden Grundbuchsanlegung den Amtsgerichtsschreibereien zuwachsende Arbeit der Fortführung der Grundbücher und durch die Mehrbelastung, die die Zivilprozeßnovelle vom 1. Juli 1909 — in Kraft getreten am 1. April 1910 — den genannten Stellen dadurch gebracht hat, daß die Zuständigkeitsgrenze der Amtsgerichte von 300 Mk. aus 600 Mk. heraufgesetzt und daß der amtliche Betrieb im Zustellungswesen erheblich ausgedehnt wurde. Aus letzterem Grunde mußte auch der Kredit für den Allaemeöten Fonds um 30 000 Mk. auf nun 195 000 Mk. erhöht wewen. Aus der Zuständigkeitsänderung ist wohl eine Arbeitsverminderung bei den Kollegialgerichten und demgemäß fine Verringerung ihrer Schreibgehilfenzahl zu erwarten, doch läßt sich dies erst später überschauen und bewerten. Die Ersparnismaßnahmen bei der Spedition von Dienstsachen ließen eine Herabsetzung des Kredits für Porto um 15 400 Mk. zu.
Die Hauptabteilung schließt bei einer Einnahme von 2 599 774 Mk. und einer Ausgabe von 5 584 809 Mk. mit einem Zuschußbedarf von 2 985 035 Mk. ab oder 89 072 Mk. mehr als 1910.
.Der AuschußbÄ>arf der Hauptabteilung Xj Ministerium der Finanzen, sinkt von 1990 443 Mk. 58 Pfg. in 1910 auf 1928340 Mk. 08 Pfg. Die Besserung ist in der Hauptsache darauf zurückzuführen, daß unter Kataster die Beiträge der Gemeinden zu den Kosten der Parzellenvermessungen der voraussichtlichen Einnahme gemäß um 33 110 Mk. erhöht und daß die Portokosten auS den mehrfach erörternden Gründen um 14 200 Mk. ermäßigt werden konnten. Auch waren für größere Herstellungen bei den Brücken und Ueberfahrten 10 000 Mk. weniger vorzusehen.
Die Hauptabteilung XI:
Ausleihungen und Staatsschuld beziffert ihre Einnahmen auf 2 753 238 Mk. 88 Pfg., ihre Ausgaben auf 17 518 687 Mk. 08 Pfg., sie verlangt also einen Zuschuß von 14 765 448 Mk. 20 Pfg. ober 1582 275 Mk. 03 Pfg. mehr als 1910.
Vie Einfuhr von Rohtabak - nach Deutschland hat, so schreibt die „Deutsche volksw. Korr", in den letzten Jahren erheblichen Sck)wankungen unterlegen. Am größten war sie mit 791 360 dz im Jahre 1905; diese Höhe hat sie seitdem nicht wieder erreicht. In der Tabaksteuervorlage von 1905/03 war eine Erhöhung des Nohtabakzolles vorgesehen, deshalb ist die Einfuhr von 631490 dz im Jahre 1904 aus 791360 dz im Jahre 1905 cm- gewachsen. Das Jahr 1903 brachte dann den Rückschlag, nämlich eine Herabminderung der Einfuhr aus 578110. Im folgenden Jahre war die Einfuhr mit 690 190 dz ziemlich normal, aber die Tabaksteuervorlagen von 1908 und 1909 hatten wiederum erhebliche Vorverzollungen zur Folge, so daß 1908 die Einfuhr aus 752 420 dz und 1909 aus 713 561 dz stieg. Tie Vorverzollungen dauerten indessen nur bis Juli- August 1909, denn am 15. August 1909 trat der vierzig- vrozentige Wertzollzuschlag auf Rohtabak in Kraft. Von da ab war die Einfuhr natürlich sehr gering, und erst in den letzten Monaten des lausender Jahres hat sie allmählich ihre normale Höhe wieder annähernd erreicht. In den elf Monaten Januar bis November 1910 sind 590 579 dz Rohtabak ein geführt worden gegen 713 561 dz gleichzeitig 1909. Dabei ist besonders bemerkenswert, daß zwar die Einfuhr von Rohtabak zur Zigarrensabrikation beträchtlich abgenommen, die Einfuhr von Rohtabak zur Zigarettenfabrikation aber zugenommen hat. Dieser Tabak unterliegt nicht dem vierzigprozentigen Wertzoll, und an der Hand der statistischen Einsuhrnachweise ist daher leicht zu ermitteln, wieviel von dem eingeführten Rohtabak zur Zigarettenfabrikation bestimmt ist. Von den bis Ende November 1910 eingeführten 590 579 dz waren 587 511 dz zollpflichtig; die übrigen 3028 dz sind ohne Aollentrichtuna — hauptsächlich im Veredelunasverkehr — emgegangen. Verzollt wurden 512 989 dz zu dem Gewichtszollsatz von 85 Mk.
pro dz und außerdem zu Dem Wertzollsatz von 40 ProzenL Diese Menge ist vorzugsweise zur Zigarrenfabrikatton eingeführt worden. Die übrigen 74 522 dz haben bloß denk Gewichtszoll unterlegen und dienen demnach ausschließlich zur Herstellung von Zigaretten. Danach scheint die Fabrikation und der Verbrauch von Zigaretten in Deutschland noch immer in starker Zunahme begriffen zu sein. Während die Rohtabakeinfuhr aus fobi)en Ländern, die ausschließlich oder vorwiegend Zi- garr-ntabak liefern, bedeutend zurückgegangen ist. weist die Einfuhr aus Ländern, die Zigaretten-Rohtabak liefern, so z. B. aus der Türkei, aus Südruhland und Oesterreich- Ungarn, eine beträchtliche Steigerung auf.
Gedenket der hungernden Vögel!
Aur Stadt und Land.
Gießen, 28. Dezember 1910.
**VomSchlackthofs-Neubau. Der innere Ausbau der neuen Schlachthossanlage hat in den letzten Wochen erhebliche Fortschritte gemacht. Geht man über die Lahnbrücke nach „Sachsenhausen", so nimmt man wahr, daß die Pavpeln, die bisher die lange Front dec Eiserzeugungs- und Maschinenanlage verdeckten, gelichtet und derartig gekröpft wurden, daß die Schlachthofbauten jetzt von der Lahnbrücke aus sichtbar sind. Beretts raucht der mächtige Schornstein, weil man einen der Kessel unter Feuer hält, um bi». Isolierung des weitverzweigten Rohrnetzes zu trocknen. In allen Räumen der Anlaae hat man die Wand- slächen mit weißen Porzellanplättchen bekleidet und durch jarbigen Sockel und Fries wirkungsvoll abgeschlossen. Die S ch w e i n e s ch l a ch t h a l l e, die bis auf Kleinigkeiten fertig gestellt ist, hat eine für Gießen neue Jußbodenbefesti- gung erhalten, mit der auch der Boden der großen Vorkühlhalle und die Gänge der Hauptkühlhalle befestigt sind. Es handelt sich um das nach dem Erfinder benannte patentierte Kieralingsche Basalt-Zementpflaster, das den Vorzug besitzt, ganz eben wie Asphaltbelag zu sein und durch das Beaehen nicht glatt zu werden. Auch im Kesselhaus und in oen Majchinenräumen, dessen Fußböden mit Platten belegt sind, ist nicht mehr viel zu tun. Die Prüfung der Maschinen hat ergeben, daß sie tadellos arbeiten. Im Maschinenhaus aroeitet man noch an der Schautafel für die elektrische Beleuchtung, dem Manometer und der Uhr, die ein Prunkstück werden wird. Die Einrichtungen für die Eisfabrik sind bis auf die Isolierung der Rohre fertig. Es fehlt dann nur noch die Kohlensäure und die Herstellung von Eis kann vor sich gehen. Auch die Warmwasserbereitungsanlage ist vollständig montiert Der Raum mit den 58 MHlzeilen sowie der PökelkeUer mit seinen aus Pitschpineholz hergestellten gitterartig abgegrenzten 16 Pökelzellen könnte schon benutzt werdeü. Im Januar wird man mit den Tüncharbeiten beginnen. Es bleiben außer Kleinigkeiten dann noch die Herstellung der Straßen uno der Einfriedigung übrig sowie der Einbau der Uhr im Turm, die vier Zifferblätter erhalten folt Der neue Schlachthof wird voraussichtlich Ansang April t I. in Betrieb genommen werden.
** Reger — Strauß. Vom Konzertverein wird uns geschrieben: Vor etwa 20 Jahren tauchten in einigen Festschriiten kleine kirchliche Werre für gern. Chor, Choralbearbeitungen u. dgl. m. von einem jungen Komponisten Namens Reger als Beilagen auf, die insofern größere Aufmerksamkeit erregten, als sie unzweiielhaft Arbeiten eines Marines darstellten, der seinen „Bach" wohl studiert haben mußte; man ahnte damals nicht, daß mit oiesem Manne bald als mit einer ersten musikalischen Größe zu rechnen sein würde. Zwar veröfsentlichte Reger in jener Zeit einige größere Kammermusikwerke, deren Arbeit achtunggebietend, deren Harmonisation aber zu tollkühn erschien; überdies wurden sie noch nach jener unglückseligen neuen .Phrasierungsmethode gedruckt, die als die Riemannsche bezeichnet wird und dem Musikfreunde ebensoviel Leiden unb Pein verursacht, als sie ein etwa nicht vor- hartdenes Verständnis doch nicht zu erwecken imstande ist Man ging über die ersten größeren Versuche Regers zur Tagesordnung über. In jenen Tagen wurde Ohr und Sinn mehr denn je durch die blühende Melodik und blen-
schichtcn geinadjt, die alle in einem ziemlich weichen, lehmigen oder sandigen Boden lagen. Die Ausbeute des ersten Jahres belief sich auf 700 Trägerlasten Knochen, deren Gewicht nicht toeiliger als 22 000 Kg. betrug unb die nach Berlin beförderrt wurden. Damit war eine ungemein reichhaltige Sammlung von Exttemiläten riesiger Saurier verschi^»enüen Baues gewonnen, aber cs fehlten noch Wirbel, Nippen und besonders Schädel. So mußte denn roeitergegraben werden, und erst die zweite Grabungs- periobe war von einem einzig dastehenden, alle Erwartungen über* treffenden Erfolg gekrönt. Diesmal wurde mit 400 Arbeitern gegraben und abermals 700 Lasten Material ans Licht gefördert, das in 146 Kisten mit etwa 30 000 Kg. Gewicht nach Berlin abgegangen ist. Als Hauptergebnis sind diesmal eine ungemein reiche Zahl von Wirbeln unb Nippen, auch Schädelbruchstücke unb sogar ein ganzer Schädel gewonnen worden. Die gefundenen Änod)cn gehören reptüarligen Tieren an, die zur Kreidezeit lebten Und größer als der vielbesprochene Diplodozns waren. Welch ungeheure Dimensionen diese Tiere erreichten, geht daraus hervor, daß der Oberarm des von Carnegie dem Kaiser gesd-enkten Diplo- docus-Modells 95 Zentimeter lang ist, während der Oberarm eines der in Deutsch-Ostafrika ausgegrabenen Tiere 2,10 Meter wißt Ein Halswirbel von 1,20 Zentimeter Länge wurde gefunden, dann Teile eines Tieres, dessen Wirbelsäule 8 Nteter lang ist. Nippen von 15 Zentimeter Breite und 3,50 Zenliuieter Länge. Eine ganze Anzahl neuer, bisher unbekannter Zierformen wurden ans Licht gefördert, große unb kleine, schlanke unb gedrungene, von deren letzteren z. B. ein einziges (ätbgtieb, eine Zehe des Fußes, über 30 Zentimeter lang, 20 Zentimeter breit unb 15 Zentimeter dick ist
— Bobenfchätze am Toten Meer. Das heilige Land, für dessen wirtschaftliche Erschließung noch so viel zu tun bleibt, wird wahrscheinlich bereits im fommenben Jahre der Schauplatz gewaltiger industrieller Unternehmungen werden: ein großes Syndikat, das hauptsäclüich über amerikanisches Kapital versugt, bat von der türkischen Negierung eine Konzession von weittragender Bedeutung erworben, das Recht, die unermeßlichen Bodenschätze Bu heben, die bisher unausgenutzt an der Umgebung des Toten Meeres schlummerten. Das Minenrecht hatte ursprünglich Suad Bey, ein führender Pattamentarier der türkischen Kammer, erworben, der jedoch nun, wie das American Magazine mitteilt, seine 9ied)te für die verhältnismäßig geringe Summe von 1 400 000 Mark an die Amerikaner abgetreten hat. Die Umgebung des berühmten Meeres, jene althißorische geheiligte Rcaion, ist von der Natur mit einem außerordentlichen mineratiftifajen Reichtum bedacht worden. Dort findet sich das feinste unb reinste Erdpech, unb in der Zeit von Byzanz war die Gegend durch ihre reichen Kupferbergwerke berühmt. Daneben finden sich Marmor, Porphyr und andere kostbare Steine. Doch auch große Mengen von Phosphat, das für die Landwirtsä)aft von so großer Bedeutung ist, sind in jenen Gegenden gefunden worden, ofyne daß je systematisch eine Hebung dieser Schätze betrieben worben wäre. Aber die Reichtümer des Toten Meeres sind damit noch nicht erschöpft.
die Amerikaner, die die Gegend nun genauer untersucht und das Tote Meer in allen seinen Teilen befahren haben, haben an den Ufern gewaltige Salzanhäuftmgen gesunden, und auch Anzeichen entdeckt, die auf große Fundquellen für Petroleum und Kohlen Hinweisen. Wie weit die Gewässer heilkräftig sind, wird eine wissen- scl/astliche Untersuchung erweisen; das Tote Meer zählt zu den salzreichsten Gewässern der Erde; während das Kaspische Meer in einer Tonne Wasser durMchnittlich elf Pfund Salz enthält, die Ostsee 18 Pfund, das Schwarze Meer 26, der Atlantisdie Ozean 31, der Aermelkanal 72, bas Mittelmeer 85 unb das Rote Meer 93 Pfunb, zeigt bas Tote Meer auf eine Tonne Wasser einen Salzgehalt von nicht weniger als 187 Pfunb.
— Der Taschenapparat für brahtlose Telegraphie. Prof. Cerebotani, der Erfinder des Telautographen, des Apvarates, der bei der AufnalMe von Telegrammen die Handschrift des Msenders genau wiedergibt, hat einer Versammlung von Ingenieuren unb Fachleuten in Paris nun einen neuen Apparat vorgeführt, befsen Konstruktion er soeben vollendet hat. Es ist eine vollkommene Ausrüstung zur Abgabe unb zum Empfange drahtloser Telegramme; die Apparate aber sind so klein unb leicht, daß sie bequem in der Tasche getragen werden können. Der Absender der Meldung halt eine kleine Tafel in der Hand, auf der Bucliftaben und Zahlen ausgezeichnet sind. Mit einem kleinen Melallstift berührt er die erforderlichen Buchstaben. Der Empfangsapparat hat fast die Form eines Zifferblattes; der Zeiger deutet bei der Abnahme von Meldungen auf die von dem Absender berührten Buchstaben. 'Die Fachleute, die der Vorführung beüvohnten, sind der Ansicht, daß der neue Apparat insbesondere für militärische Zwecke von weütragender Bedeutung iß. Zugleich zeigte Prof. Cerebotani eine interessante Neuerung für die großen drahtlosen Telegraphie-Apparate. Das Instrument, das die Telegramme absendet, gemahnt an die Tastatur einer Schreibmaschine. Diese Erfindung bringt eine bedeutsame Vereinfach ng uitb ist besonders wertvoll, weil Abgabe- und Emp- sangsapparat ohne Schwierigkeit aus eine bestimmte Wellenstärle abgestimmt werden können, so daß Kollisionen mit anderen drahtlosen Meldungen leicht zu vermeiden sind. Für militärische Zwecke und für die Marine ist das von besonderer Widrigkeit, weil die Gefahr, daß Meldungen „abgefangen" werden, ftch Damit auf ein Minimum reduziert.
— Rossini und der Zar. Die Tochter des berühmten italienisdien Tenors Mario, Frau Godfrey Pearse, hat in London eine Biographie ihres Vaters er (deinen lassen, in der auch die Erinnermigen des einst so vielbewunderten Sangers enthalten sind. Mario, der aus Sardinien stammte und Offizier der königlichen Leibwache war, hat in seiner späteren Künstlerlausbahn viele berühmte Männer kennen gelernt, unter ihnen auch Rossini, von dem er eine bisher unbekannte Anekdote erzählt, die Rossini ihm selbst verraten habe. „Eines Tages arbeitete ich in Paris in meiner Wohnung, ich war gerade beim Komponieren, und wie immer bei dieser Tätigkeit, bödtft unvollkommen bekleidet. Mein Negllgö ließ icbensallS an Lässigkeit .nichts zu wünschen übrig.
und die Kleidungsstücke lagen in größter Unordnung im Zimmer verstreut umher. Da plötzlich höre ich, daß es an der Tür klopst. „Wer ist da?" rufe id) ärgerlich, aber im selben Augenblick hat sich die Tür auch bereits geöffnet, und ein großer, eleganter Herr tritt ins Zimmer. „Nikolaus", sagt er in freundlicher Beantwortung meiner unwirschen Frage. „Der Kaiser!" rufe ich entsetzt unb suche mich hinter irgend ein Möbelstück zu verstecken, das mich verstecken könnte. Der Kaiser von Rußland aber — denn er war es selbst — zog sich diskret hinter die Tür zurück unb rief mir zu: „Großer Meister, ich wollte Ihnen nur einen kleinen Ueberraschuugsbesuch machen." Dann entstand eine kurze Pause, und der Zar fuhr dann fort: „Kann ich jetzt vielleicht ein- treten?" „Ich werde nie vergessen," so sagt Mario in seinen Erinnerungen, „was für ein Gesicht Rossini machte und wie seine Augen leuchteten, als er mir diese Geschichte erzählte,"
— Ein NeujahrSgedicht von Wilhelm Busch. Die Nadftabschätze des Wiedensahler Philosophen scheinen schier unerschöpflich zu fein. Schon haben seine Erven mehrere Bände damit gefüllt und noch tft der Segen nicht versiegt. So bringt das Jauucirhelt von .Westermanns Monatsheften^ ein umfangreiches Gedicht, eine bisher unveröffentlichte Neuiahrsbetrachiung, die mit ironischer Wehmut das Fazit des verstoffenen Jahres zieht und gerade jetzt in manchem Herzen verwandte Saiten an- klingen lassen wird. Die ersten beiden Strophen des Gedichtes seien hier mitgeteilt:
Bald, so wird eS zwölfe schlagen. Prost Nenjahr! wird mancher sagen. Aber mancher ohne--rrrren;
Denn eS gibt vergnügte Herren. Anch ich selbst auf meinen Wunsch Mache mir ein wenig Punsch. Wie ich nun aühler so sitze Bei des Oiens milder Hitze Angetan den Rock der Ruhe Unb die schönverzierien Schuhs Und entlocke meiner Pfei e Langgedehnte Wolkenslreise, Da spricht mancher schnell entschieden: Dieser Alensd) ist sehr zufrieden. Leider muß ich dem entgegen Schüttellid meinen Kopf bewegen. Schweigend lüfte ich baS Glas — Ach, rote wohl bekommt mir bo5!
Sonsten wie erfreulich war eS, Wenn man so am Schluß des JahreS Oder in des Jahres Muten Ztim beraubten Schrein geschritten Und, in süßen Traum verloren, Emsig den Coupon geschoren. Aber itzo auf die Schere Sickert eine Trauerzähre.


