Ausgabe 
28.12.1910 Zweites Blatt
 
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IfMWfc AnstrumentationS?unst einetz Aich. Vktäütz at* fejfett Als aber Strauß sich von bet Konzertmusik ab- und ter dramatischen Kunst zuwandte, aLs man sich an der reichen Menge programmatischer Konzertstücke, die von Nachahmern gezüchtet, wie Pilze wucherten, Kur genüge gesättigt hatte, besann man sich wieder emf Reger, den absoluten Musiker"', der (schon längst ein ganzer Meister) von der Partei derKonservativen" gegen fernen Willen zum Führer auserkoren wurde. Es wiederholte sich das­selbe. Spiel, durch das Brahms und Liszt-Wagner in eine Gegnerschaft hineingadrängt wurden. Auch jetzt war die Losung aus der einen Serteabsolute", aus per anderenprogrammatische Musik", jene schworen aus Neger, diese aus Strauß. Die Folgen hiervon waren u. a. bie Boykottierung der Regerschen Werke durch die Partei der sogenannten Fortschrittler auf den Musikerversamm­lungen und als Antwort darauf die Veranstaltung der Brahms- und Regerseste der letzten Jahre, bis man sich in jüngster Zeit eines Besseren besonnen und eingeseheu hat, daß auf musikalisck)em Gebiete für alle Kunstrichtungen Raum ist, und programmatische und absolute Musiker sehr wohl nebeneinander zur Geltung kommen können. Reger hat insofern aus der ganzen Linie gesiegt, als nunmehr auch bei den Versammlungen des Allgemeinen deutschen Musikvereins seine Werke zur Ausführung gelangen Reger und Strauß haben durch Handschlag den Frieden bekrästigt, der durch sie nie gestört und nur in den Augen der Heiß­sporne nicht vorhanden war. Ebenso neidlos, wie Reger die Errungenschaften eines R. Strauß um die dramatische Kunst anerkennt, schätzt der Programmatiker Regers Ver­dienste um die Kammermusik, die Chor-, besonders die moderne Kirchenmusik. Letztere hat Reger durch fein Auf- gehen in Bachscher Kunst in ungeahnter Weise gefördert und veredelt X.

Landkreis Gleßert

Watzenborn-Steinberg, 27. Dez. Am zweiten Weihnachtsfeiertage verschied in Steinberg sanft und still die älteste Person unserer Gemeinde, vielleicht auch die älteste der aanzen Umgegend, Katharina Harn isch, Witwe des schon 1870 verstorbenen Georg Melchior Harnisch, genanntBachbalsers". Im kommenden,Januar hätte sie das 96. Lebensjahr vollendet, sie war fast V* Jabr alter als Bis­marck. Sie erfreute sich einer seltenen Gesundheit und Rüstig­keit bis in ihr hohes Alter. Erst im letzten Jahre nahmen ihre Kräfte ab. Von ihren Angehörigen wurde sie mit rührender Liebe und Sorgfalt gepflegt. Still und saust, ohne jedes Schmerz­gefühl, rsd sie hinübergeschlummert

Leihgestern. 27. Dez. Die Vorarbeiten zu der an Pfingsten 1911 hier stattfindenden 50jährigenJubiläumS- feier des GesangvereinsEintracht" mit der ein, unter bem Protektorat des Provinzialdirektors Dr. Usinger stehender, nationaler Wettstreit verbunden wird, sind so weit gediehen, daß die zweiten Rundschreiben im Lause der vergangenen Woche an die Vereine zum Versand gelangten. Die ausgesetzten Geld­preise belaufen sich auf etwa 1500 Mk. Außerdem werden den wettstreietnden Vereinen wertvolle Kunstgegenstände und auch ein Ehrenpreis des Großherzogs zur Verfügung stehen. Der Ver­tretertag findet am 12. März 1911 statt. Vereine, denen die Bedingungen nicht zugegaugen sein sollten, können sie bei dem 1. Vorsitzenden des gelchästsführenden Ausschusses, Herrn Wilh. Schäfer anfordern. Der GesangvereinEintracht" hielt am ersten Weihnachtsfeiertag im Vereinslokal seine Weih­nachtsfeier ab, zu der die stattliche Anzahl von 110 Mit­gliedern erschienen war. Eingeleitel wurde die Feier mit einer Begrüßungsansprache des ersten Schriftführers Schäfer. Sein zum Schlüsse ausgebrachtes Hoch galt dem Verein und seinem Dirigenten Herrn Riemann. Hieraus sprach Lehrer Buß in warmen Worten über die Bedeutung des Weilxnachtsfestes und überreickste zum Schlüsse dem Dirigenten in Würdigung seiner Verdienste ein wertvolles Geschenk. Die zum Vortrag gebrachten Chöre, die von einer tüchtigen Schulung des Vereins zeugten, fanden ungeteilten Beifall.

Lich, 27. Dez. Die beiden stärksten hiesigen Vereine, der Turnverein und der GesangvereinCacilia", haben sich seit Jahren dahin geeinigt, da ßsie ihre Weih­nachtsvergnügungen nicht beide am zweiten Weihnachtstag abhalten. Sie wechselten immer in oer Weise ab, daß der eine am zweiten Weihnachtstag, der andere am Reujahrs- tag seine Abendunterhaltunst abhält. Gestern war die G.äcitia"' an der Reihe, die ihre Mitglieder und Freunde mit einer schönen Wei hnachtsfeier erfreute. Ein aus­gewähltes Programm, das Theaterstücke, Gefangsvorträge und Tanz enthielt, sand allgemeinen Beifall. Unter den Gesangsvorträgen, die unter Leitung des Dirigenten Lehrer Zimmer exakt ausgeführt wurden, befanden sich manche alte liebe Bekannten von dem erst letzthin an Großherzogs Geburtstag gemeinsam mit demGemischten Chor" ver- Mtstalteten Konzert, aber auch einige fleißige Neueinstudie­rungen. Besonberen Beifall fand wieder das Lied von Andreas Hofer" mit seiner Einlage für ein Doppelquartett. > Morgen abend veranstaltet der hiesige Zweigverein des V. H. C. seine Weihnachtsfeier. Die Sitte, den dritten Feiertag als voll zu feiern, die sich hier ziemlich lange gehalten hat, verschwindet fast ganz; besonders seitdem der dritte Weihnachtstag für den Ge- sindewechsel nicht mehr in Betracht kommt. Das (Gesinde »geht hier jetzt auch an Neujahr, in einzelnen Fällen noch am Peterstag in seine neue Stelle. Der dritte Feiertag, derB i n d e l s g e b u r t s t a g", wie er im Volksmund früher hieß, hat dadurch viel von seinem richtigenGlanz" verloren. Recht gefährlich war heute abend in einigen engen Gassen der Stadt das Passieren der Straßen. Ueberall bildeten sich aus den Dächern kleine Sch ne elawinen, die unter donnerndem Getöse zur Erde kamen und die Vorbeigehcnden belästigten.

X Treis a. L., 27. Dez. Gestern abend hielt der hiesige Turnverein eure wohlgelungene und in allen ihren Teilen, jedem Teilnehmer ansprechende Weihnachtsfeier ab. Der il. Vorsitzende, Lehrer Walter eröffnete die Feier mit einer von christlichem unb vaterländischem Geiste getragenen Begrüßungs­ansprache, die mit einem begeistert auf genommenenGut Herl" auf das deutsche Vaterland schloß. Alsdann nahm das reiche Pro­gramm des Abends einen flotten Verlauf; turnerische Vorfüh­rungen am Reck und Pyramiden wechselten mit schönen Weihnachts- aufsuhrungen, Sologesängen, Duetten und Quartetten; besonders schön nahmen sich die beiben von der Frauenabteilung des Turn­vereins gestellten Stabpyramiden aus. Mit dieser Feier hat der Turnverein unter der trefflichen Leitung seines Vorsitzenden ge­zeigt, daß er nicht nur, wie seither schon bekannt, in turnerischer Beziehung, sondern auch auf gesellig-unterhaltendem Gebiet aus­gezeichnetes zu leisten versteht Wenn er so weiter fortfährt, wirb es nicht mehr nötig sein, sich aus Mangel an darstellenden Kräften, sogenannteHumoristen" aus der Stadt für teueres Geld zu ver­schreiben, die ihren Zuhörern dem Abend mit Gassenhauern und schmutzigen Kouplets verekeln, wie es vor einigen Wochen zum Leidwesen der Veranstalter hier vorgekommen ist. Die kirch­liche Weihnachtsfeier fand hier, wie gewöhnlich, am Abend des 1. Feiertags bei vollbesetzter Kirche statt und wurde durch mehrere vorzüglich vvrgettagene Chöre des hiesigen Kirchengesang­vereins, unter Leitung von Lehrer Walter, und der L Schulklasse Verschönert.

tz.- Dvnarn, 87. Dez. An Ker DnnhaHe veranstaltet« am zweiten Weihnachtsfeierlag der GesangvereinEintracht" eine Weihnachtsfeier, Sie sehr gut besucht war und einen chönen Verlaus nahm. Mit einer Ansprache des Präsidenten wurde die Feier eröffnet, woraus der aktive Chor verschiedene Lieder in schöner Weise zu Gehör brachte, die allseitig Bestall anben. Während der Tanzpausen fand eine Verlosung statt, zu der wertvolle Gegenstände gestiftet worden waren und steter wurde der hübsch geschmückte Tannenbaum astweise versteigert. Leb­haften BeifaU ernteten einige sehr exakt üorgetragenen Rlatner» dicke. Gestern abend fand im Saale derTraube" eilt Ball statt, zu dem der GesangvereinL ie ber kran z" seine Mitglieder eingeladen hatte. Ein Teil der Kaeplle des Jmanterie-Regiments Kaiser Wilhelm war hierzu engagiert und übte besondere An­ziehungskraft äus. Die Mitglieder waren zahlreich erschienen und eute stattliche Anzahl Paare traten zum Tanze an. Der Ball verlief bei froher Stimmung aufs schönste. In einigen Wochen soll wieder ein Vergnügen des Vereins stattfinden.

Hessen-Nassau.

Kirchhain, 27. Dez. Nach einer vorläufigen Fest- stellung hat unser Kreis 10737 männliche und 12016 weibliche Einwohner zusammen 22 753 Einwo hner, gegen 10 440 männliche und 11183 weibliche, zusammen 22 273 Einwohner im Jahr 1905.

X. Schlüchtern, 27. Dez. Im Bahnhof «Ge­münden blieb der StationSdienstgehilfe Anton Hart­mann nach dem Zusammenkiippeln von Wagen mit dem linken Fuße an der Schiene fyänj n und geriet unter d e in Bewegung befindlichen Wagen. Er wurde so schwer verletzt, daß er noch vor Eintreffen des Bahnarztes verschied.

Die oberhessischen volkszählungrergebnisie. Kreis Frievderg.

Gemeinde H eldenbera en. Hohl der Haushaltungen 371, Einwohnerzahl 1562, davon sind 264 evangelisch, 1177 katholisch, 118 israelitisch, 3 anderer Religion. (1905: 1469.)

Universitäts-Nachrichten.

hc. Marburg. Professor Dr. Rudolf B e n e k e, Ordi­narius und Direktor des pathologischen Instituts, hat den Ruf in gleicher Eigenschaft an die Universität Halle als Nachfolger des zum 1. April 1911 vom Lehramte zurückttetenden Geh. Rats Pros. Eberth angenommen. Prof. Beneke war früher in Göttingen und Königsberg tätig.

Dermijebfej.

Russische Erfinder. DaS vierzigjährige Jubiläum der Glühlichtlampe gibt derNowoje Wremja" Gelegenhrit, wieder einmal daS alte Klagelied über das Schicksal der russischen Er­finder anzustimmen. Wie so viele andere Erfindungen, meint das russische Blatt, verdanke die Welt auch die Glüylichtlampe einem Russen. Genau vor vierzig Jahren, Ende November 1870, umhüllte ein gewisser Alexander Nikolajewitsch Lodygin einen Heinen Zylinder aus Kohle mit einer Glasglocke, pumpte die Luft aus dieser Glocke und demonsttierte zum erstenmal ein Licht, bei dem der das Licht erzeugende Körper nicht verbrannte. Edison und dann Siemens, fährt die Nowoie Wremja fort, haben später durch die praktische Verwertung der Lodyginschen Idee Dutzende Millionen gewonnen, wobei sie nicht in Abrede stellten, daß Lodygin die Priorität der Ersindung gebührt. Schließ­lich besann man sich in Rußland auf die Verdienste Lodygins, und im Jahre 1874 erkannte ihm die Akademie der Wissenschaften, die nach ihren zwei Jahrhunderte alten Traditionen fast nur aus Deutschen besteht", die Lomonossow-Prämie zu.Ueber- haupt," ruft dieNowoje Wremja" aus, haben denn die Russen wenig bemerkenswerte Erfindungen gemacht? Die Explosivstoffe und oas rauchlose Pulver Tschelzows, Kostowitschs Idee des Luft- schifses, Moshaiskis Aeroplan, Popows drahtloser Telegraph, Mendelejew, Menschutkin, Pirogow, MetschniLow, die erste Idee des Unterseebootes Drshew^kis usw. Wann wird man endlich aufhören, zu behaupten, daß die Russen nur den Ssamowar er­funden hätten?"

* Was i ft amerikanisch? Ter Name Amerika bezeichnete anfänglich, was wenig bekannt sein Öiitfte, nur Südamerika,^nnd zwar speziell ziierst bie User Brasiliens, spater das östliche Süv- ammfa, dis Mercator im Jahre 1541 das Wort Amerika für die ganze neue Welt anwandte So hat eigentlich der Brasilianer von allen Ainerikaliern europäischer Abkinift das meiste Recht, sich .amerikanisch^ zu nennen. Iiidesien haben die Be>vohuer der Ver­einigten Staaten dou Nordamerika mehr und mehr die Aufsasinny verbreitet, als ob sie allem .die* Amerikaner seien im Gegensatz zu allen anderen Leuten, die in der neuen Welt wohnen, seien es nun Kanadier, Dlexikaner oder Bürger der südlichen Republiken. Tie Schuld an diesem bereits zum Gewohnheitsrecht gewordenen Tnnkel weist Lllexander F. Chamberlain voii der Clark-Uiiiversikät zu Worcester, der iin®lobu§* die Bedentung des Wortes »ameri­kanisch uiitersuchl, zum großen Teil and) den Eurpäern zu, die die AusdrückeAmerika^ uiid »Vereinigte Staaten* als gleichbedeutend zu gebrauchen pflegen. In diesem Sinne ist die Frage sogar schon amtlich geregelt worden: im Juiii 1904 ordnete der Staatssekretär Iohii Hay ausdrücklich an, daß im diplomatischen Verkehr statt Ambassador of the United States,Lesration of the United States usw stetsAmerican Ambassador", American Legation usw. gejagt und geschrieben werden sollte. Ganz anderer '?imlcf)t sind natürlich die Dkilltonen von Amerikanern, die den südlicheii Teil des Kon­tinents beivohneii. Hier erinnert man an die Tatsache, daß an den Ufern des St. Lorenzsiromes französisch-kanadische Bailern wohneii, deren Vorfahren sehr lange vor der Landung derPilgerväter" m Massachusetts-Bai als Amerikaner hätten gelten können, und daß Vorsirio Tiaz, der Präsident von Mexiko, einer der echtesten Ameri­kaner ist, da in seinen Adern nicht nur das Blut der alten Aztekeii, sondern auch das rer spanischen Konquistadoren stießt. Heutziltage wird die erweiterte Bedeuinng des Wortes ,an enfamfd)N in einem Sinne gebraucht, der gerade feine Höflichkeiten einschließt. Der Franzose z. B. sagtä lam6ricaine, indem er auf die unbegrenzte . . . Freiheit vieler Pankces hinwelst. Dos Schivindeln allerlei Art nannte der Gamin, und nach ihm auch die gebildete Sprache von Paris,vol ä, larn^ricaine. Tem Genossen eines solchen Schwindlers legte man den Namen un americain bei. Die eng­lische Volkssprache feimt den Ausdruckamerican tweezers, womit man die Drahtzange der Gasihantzdiebe bezeichiiet. In seinem un Fahre 1905 perösfentlichtenDizionario moderno erwähnt Panzim das Wort americanata, für das er iolgende Erklärung gibt: .Eine übertriebene, überraschende, kühne Handlung oder Unternehmung, deren charakteristische Heimat 9lorbamerifa ist*. Auch die bekannte Hast und Neivosität, die in Nordamerika zu Hause ist, wird in Europa Amerikanismus genannt

Zwerg elefanten in Afrika. Don einer inter­essanten zoologischen Entdeckung weiß ein englischer Offizier zu berichten, der in Uganda im Dienste steht. Bei seinen Jagd- zügen stieß er auf einen Trupp Elefanten, der sich völlig von Ser bisher bekannten Art der afrikanischen Elefanten unterschied. Es ist wahrscheinlich, daß diese neue Tierart in größerer Menge vorhanden ist, aber bisher sah man nur diesen einen Trnpp, dessen Weidegebiet in den Virunya-Bergcn in einer Höhe von etwa 2500 Meter Hegt. Der Trupp bestand aus etwa 30 bis 40 Tieren. Was sofort die Aufmerksamkeit des Beobachters erregte, waren die ausfällig fieinen Dimensionen der Stoßzähne. Keines der Tiere hatte Stoßzähne, die über ein Gewicht von etwa 20 Pfund hinausgingen. Der Offizier schoß einen dieser Ele­fanten, ein vollkommen ausgewachsenes Tier; die Untersuchung ergab, daß die Zahne nicht ganz 16 Pfund wogen. Merkwürdig klein sind auch die Ohren, die Füße und vor allem der Kopf. Ter ganze Körper erreicht eine Höhe von 3 Metern, ist also nur wenig kleiner als der des gewöhnlichen afrikanischen Elefanten. Tie Zwerghaftigkeit beschränkt sich somit auf gewisse Partien des Körpers. Ter Rumps ist etwas kürzer und weniger go- drunaen als bei den anderen Elefanten. Zweifellos handelt es sich hierbei um eine Abart, die den Zoologen bisher unbdannt geblieben war.

©fe Kulsur Sei Wilrtelf 1«8. VNtt SA Kulturpflanze, deren Name an ihre ursprüngliche Heimat, mc nordischen Meeresküsten Europa- bis nach Sibirien innert, in Süddeutschlanb aber allgemein Kren heißt, sind eigentlich nut die oft armdicken, walzenförmigen, weißfleischigen Wu^e^ Lücke bekannt, die sich wegen ihres scharf beißenden, habet jeben» würzigen Geschmacks großer Beliebtheit erfreuen unb meift als pikante, gesunde, appetitanregende Zuspeise zu Fleischgerichte» gerieben, roh ober gekocht genossen werden. Wie gr^ß bet Bedarf an Meerrettich ist, beweist schon bie Tatsache, baß die Stabt Lübbenau im Spreewalbe alljährlich über 36 000 Zentner tm Werte 360 000 Mk. allein nach Berlin liefert ganz abgesehen von dem bedeutenden Ertrage in der Umgebung von Nümoera, Bam-< berg, Würzburg, Rastatt und anderen süddeutschen und öster- reichischeii Ortschaften. Der Meerrettich gedeiht, wie Wilhelnt Wölkerling in der /Landwirtschaft!. Umschau" mitteilt, am besten in schattiger Lage in einem feuchten, lehmartigen, fetten, her durchgegrabenen Boden. Tie Vermehrung erfolgt in der Regel vuvck) die kleineren Nebenwurzeln ober durch bie Krone bet bieten Stöcke, bie man im Herbst oder im zeitigen Frühjahr einige Zentimeter lang ab schneidet und sogleich schräg in das vorbereitete Erbreick) steckt. Sie fangen bald an zu treiben, müssen abej wahrend des Sommers vom Unkraut reingehalten werden inwl 2 Jahre unberührt bleiben, wodurch bie Wurzeln ungemein an Stärke unb Länge zunehmen. Will man barum in jedem Jahre eine Ernte haben, so empfiehlt sich die Anlage von drei Kulturen, die für später keiner besonderen Nachpflanzung bedürfen, da der Meerrettich so stark wuchert, baß er fast nicht mehr zu vertilgen ist. Bei ber Aufbewahrung muß man barauf achten, daß die Stöcke nicht zu warm liegen, weil sie bann zu treiben anfang en, ihren kräftigen Gefchmack verlieren unb feine marktfähige Ware mehr abgeben.

Handel.

X M atbutg, 27, Dez. In bem Konkurs« über dvs Vermögen des Kautmamrs JujtuS WUhclm B e r b u x in Ivuurüutg, Inhabers der Bankfirma Justus Wilhelm Berbux in Marburg und Besitzers des BasaltwerkeS DreUZausen bei Marbnrg, be­tragen nach bem jetzigen Stande die angemeldeten Forderungen mit Vorrecht etwa 4000 Mk. Die angemetbeten Forderungen ohne Vorrecht stellen sich auf 1 233 500 Mk., wovon 214 500 Mk. festgestellt sind, 766 500 Mk. bestritten werben und 252 500 Mk. Ausfallforderungen find. In der Masse liegen bar 26 000 Mk., noch zu erwarten ist ber Eingang von 48 000 Mk., so baß bie Vermögenswerte mit 74 000 Mk. anzusetzen finb unb für bic auzunchmenben Forderungen ohne Vorrecht etwa 16Vr bis 17<>/o in der Masse liegen. Der Zusammenbruch dieser Dankfirmw hängt zusammen mit bem Konkurse ber Niederdeutschen Bank in Dortmund.

Markte.

ke.Frankfurt a.M. Vi e 5 v oi-.'ü a t kt b e ri cht vom 27. Dez. 2luftrieb: 723 Rinder, darunter 201 Cchfen, 21 Bullen, 412 Kühe und Färsen, 145 Kälber, 216 Schafe, 1806 Schweine.

Tendenz: Rinder gedruckt, Kälber flott, ausverkauft, Schafe ruhig, auSperkauft, Schweine mäßig. Preis für 100Pfd.

Lebend- Schlacht­

gewicht Ochsen. Mk. Mk,

Vollfleifchige, auSgeinäftete, höchsten Schlacht­

wertes, höchstens 6 Jahre alt 4851 8688

Junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete ........... 4447 80 85

Mäßig genährte junge und gut genährte ältere 4043 7479

Bullen.

Vollfleischige, cuisgewachlene, höchsten Schlachtw. 4345 7176

Vollfleischige, jüngere 8740 6166

Färsen, Kühe.

Vollfleischige ausgenr. Färsen höchst. Schlachtw. 4044 7379

Bollfteijchige ausgemcisleleKühe hüchstenSchlacht-

werles bis zu 7 Jahren 3841 7074

Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gut ent­

wickelte jüngere Kühe und Färsen .... 8287 6271

Mäßig genährte Kühe und Färsen .... 23 30 4660

Gering genährte Kühe und Färsen 1821 4148

Kälber.

Feinste Mast-(Vollinilchmast) u. beste Saugkälber 5862 96108

"Mittlere Masi- und gute Saugkälber .... 5257 8897

Geringere Saugkälber 4751 8086

Schafe.

Mastlämmer und jüngere Masthcrmmel . . . 3637 7678

Aeltere Masthammel und gut genährte Schale 3100 7400

Schweine.

Vollfleischige Schweine über 2 Zentner

Lebeiidgewlcht 55.0056.00 68^070.00

BollUesichige Schweine über 2'/, Zentner

Lebeiidgeivicht 54.6056.00 68.0070.00

Feltichweme über 3 Ztr.Lebendgew. . 54.5055.50 68.0070.00

Fleischige Schweine ... . . 52.0054.00 67.0069.00

Heber den Markt ist wegen der Maul- und Klauenseuche die Sperre verhängt.

ch L i m b u r g a. L., 24. Dez. Der Zutrieb bei bem letzten Viehmarkte bezifferte sich auf etwa 1000 Tiere. Der Ge­schäftsgang war belebt und ber Absatz flott Es erbrachten ber Zentner Schlachtgewicht: Fette Ochsen 1. Qualität 8284 Mk., fleischige 2. Qualität 7880 Mk., 3. Qualität 7576 Mk.; fette Rinder 1. Qualität 7881 Mk., fleischige 2. Qualität 7476 Mk., 3. Qualität 7072 Mk., 4. Qualität 6668 Mk.: fette Kühe 1. Qualität 8182 Mk., fleischige 2. Qualität 7879 Mark, 3. Qualität 6568 Mk., 4. Qualität 6064 Mk.: Schweine 6468 Mk.: Kälber 7076 Mk. Das Paar Fahr­ochsen kostete 650850 Mk., bas Stück Gehrauchskühe unb -Rinder 320500 Mk., jüngere Rinder 100240 Mk., Ferkel bas Paar 2470 Mk.

Meteorologische Beobachtungen ber Station Stehen.

Dez.

1910

- o h C G 9

s c ii

Wetter

Höchste Temperatur am 26. bis 27.

Dezember

10

10 0

Niedrig e Vuebeviailaq

, 26. , 27.

4,5 mm.

27.

z

;so,8

+ 1.0

4,7

94

NNE

2

27.

9

<47.3

+ 0,8

4,6

94

NE

3

28.

; 1»

748,0

-2,9

85

N

2

Schneefall

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= + 8,3'2.

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