Ausgabe 
28.12.1910 Zweites Blatt
 
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Nr. 304

Lik.

771 3 6

1 612 346

483 221

6 256 276

975 420

198 641

720 891

1 627 496 .

4- 7 246

4- 6 824

gegen 1910 86 Mk.

4- 32 7ö8 M

LrfchetrU täglich mit VuSnahm« Ut Sonntag«.

TieSiebener Familien blätter** werden dem ,91naeifler* viermal wöchentlich beigelegt, daß Krtlsblatt fflr tat Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Leit' fragen** erscheinen monatlich zweimal.

Mittwoch, 28. vezemder 1910

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul' stratze 7. Expedition und Verlag: «--Obi. Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzeigerGreßen.

1. Zentralverwaltung mit . . . .

2. Lokal' und Polizeiverwaltung mit 3. Kirchen- und Religwusgemein- fchaften mit........

4. Bildung iin5 Erziehung, Kunst imb Wissenschaft mit.....

5. Oeffemliche Gesundheitspflege und Veterinärwesen mit.....

6. Fürsorge für Hinterbliebene von Beamten, Unterstützungs- und Versicherungswesen mit . . .

7. Landeskultur- r;tb Landwirt­schaft mit.........

8. Bergbau, Verkehr, Handel und Gewerbe mit.......

23 139

................, 29 825

^rn einzelnen sei folgendes bemerkt:

In dein Abschnitt Zentralverwaltung wird bei den Porto­rosten infolge der Kündigung des Portoversionierungsabkoms- men Vitt der Post, Verminderung der Speditionstage und anderer Maßnahmen mit einem Wenigerbcdarf vmr 12 200 Mk. gerechnet.

Z ent xat bauwesen ist die Einstellung eines Betrages von 12 500 Mk. für Errichten eines Anbaues an das Maschinen­bau-Laboratorium V für die Aufstellung von Papiermaschinen dte der technischen Hochschule aus Fabrikantenkreisen überwiesm wurden, zu erwähnen.

MiN'sterium des Innern, belaufen sich die Einnahmen auf insgesamt 7 321 758 Mk., die Ausgaben auf 19 967 355 Mk. An dem hiernach 12 645 597 Mk betragenden Zuschußbedarf 1910 --- 12 650 799 Mk. sind die einzelnen Abschnitte der Hauptabteilung hne folgt beteiligt:

Zuschußbedars überhaupt

ist zu bemerken, daß sich die von Preußen den Staaten der Hessisch- Thurrngischen Lotteri eg em ein schäft zu zahlende Rente nunmehr nacl) Ablauf der ersten fünf Vertragsjahre, in denen eine Rente von 1630 000 Mk. zu zahlen war, auf 163/1113 des rechnungs­mäßigen Ueberschusses der preußischen Lotterieverwaltung, aber auf nicht mehr als 1630000 Mk. berechnet. Für 1911 liegt ein Voranschlag der preußischen Lotterieverwaltung noch nicht vor; für 1910 ist aber der Ueberschuß einschließlich der zu zahlenden Rente m einer Höhe veranschlagt, daß für Hessen-Thüringen sich die bisherige Rente ergibt. Da anzunehmen ist, daß ein Rückgang des Ueberschusses in nächster Zeit nicht eintritt, kann für 1911 mit Der bisherigen Rente gerechnet werden und es ist deshalb auch wieder als diesseitiger Anteil hieran der Betrag von 805 810 Ml m den neuen Etat eingestellt worden.

Gegenüber der Bedeutung der Mission des Erzher­zogs Franz Ferdinand in Ofenpest tritt der Inhalt der Delegationstagung einigermaßen zurück. Man wird sich dort, da der ungarische Reichstag sowohl das Bankprovi- soruim, als auch den Handelsvertrag mit Serbien vertagt hat, vorläufig nicht mit diesen Materien beschäftigen kön­nen, sondern zuerst in die Beratung des gemeinsamen Bud­gets für 1911 eintreten, wenn auch bei der vorgeschrittenen Zeit zunächst nur in der Form eines Budgetprovisoriums für die nächsten Monate. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß schon hierbei alle die Fragen, mit denen sich^die Delegationen erst in ihrer Frühjahrstagung be­schäftigen sollen, angeschnitten werden, daß also die Er­neuerung des wirtschaftlichen Ausgleichs zwischen Oester­reich uno Ungarn ebenso in die Erörterung gezogen wer­den wird, wie die Einführung der zweijährigen Dienst­zeit, die Erhöhung des Rekrutenkontingents, die Neube- wasfnung der Arttllerie und der Bäu von Dreadnoughts. Uno wenn die Reise des Erzherzogs-Thronfolgers nach Ofenpest zur Eröffnung der Delegationen das ihrige dazu beiträgt, die Ungarn diesen mit einer großen Belastung ihres Haushalts verbundenen Vorlagen geneigt zu machen, so hätte sie ihren Zweck voll und ganz erfüllt, und der Erzherzog auch hier ein Werk vollbracht, baä Oesterreich- Ungarn nur zum Segen und dem Dreibund nur zu einer wei­teren Stärkung gereichen kann.

II.

Zur Hauptabteilung IV: Lotterie

mung sämtlicher Agnaten erfolgen könnte, so wird es zu­nächst auf die Ungarn ankommen, wie diese sich zur Frage der Erhebung der Herzogin von Hohenberg zur Königin stellen. Möglich, daß man in Ofenpest nur bereit ist, 5er Fürstin Hohenberg ad personam den Ehrentitel einer Kö­nigin von Ungarn einzuräumen, und man sich in Oester­reich damit begnügt, ihren Kindern, vielleicht unter dem Titel Herzöge von Lothringen, das Recht der Ebenbürtig- keit zu verleihen. Viel wahrscheinlicher aber ist es, daß, wenn der Thronfolger es versteht, die Herzen der Ungarn zu gewinnen, er seine Gemahlin in Budapest mit Zustim­mung des Parlaments als rechtmäßige Königin von Un­garn ausrufen lassen kann und, hierauf gestutzt, auch in Wien kaum vergeblich fordern würde, daß feine Gemahlin als Kaiserin von Oesterreich in die Hofburg einziehe. Ist aber das erst erreicht, so dürfte die Anerkennung der Suk­zessionsberechtigung seiner Nachkommen, die in Ungarn dann feststeht, auch in Oesterreich keinen Schwierigkeiten mehr begegnen.

Bei der Hauptabteilung V:

Direkte Steuern, Regalien, indirekte Auflagen und Einnahme» aus verschiedenen Quellen

ist zunächst ein starkes Steigen der Einnahmen aus direkten' Steuern hervorzuheben. Bei Anwendung der auch nn Finanz­gesetzentwurf für 1911 vorgeschlagenen 1910 er Sätze werden bei der Einkommensteuer 376 500 Mk. mehr, also mm 14 234 000 Mk., und bei der Vermögenssteuer 34 967 Mk. mehr, also nun 4 468 300 Mark, erwartet. Zusammen mit der Wanderg eurer besten er, die nun mit 86 000 Mk. bisher 83 000 Mk. erscheint, bringen sonach die direkten Steuern 18 788 300 Mk. 414 467 Mk. mehr auf. Wenn trotzdem die Hauptabteilung mit einem um 244 388 Mark geringeren Ueberschuß abschließt, als 1910 sie beziffert: ihre Gesamteinnahme jetzt auf 23 645 255 Mk. und ihre Gesamt­ausgabe auf 2656 554 Mk., so ist dies in erster Linie auf die bereite oben erwähnten Verhältnisse bei der Erbschaftssteuer zurückzuführen. Von 1911 ab erhalten die Bundesstaaten statt' bisher V2 nur noch V4 der in ihrem Gebiet aufkommenden Reichs- erüschaftssteuer. Ueberdies läuft mit dem 31. März 1910 die Geltungsdauer der bekannten Uebergangsvorschrift der 1906 eck Reichsfmanzgesetzgebung pb, die den Bundesstaaten ihre Durch­schnittseinnahme an Erbschaftssteuer aus 1901/05 gewährleistete. Hiernach konnte für 1911 einschließlich der eigenen Einnahmen des Großherzogtums aus Zuschlägen zur Reichserbschastssteuer und aus alten Erbschaftssteuerfüllen nur ein Betrag vow 360 000 Mk. eingestellt werden oder 552 650 Mk. weniger als 1910. Weiter nrußte der Kredit für Ausfälle, Abgänae und Nach­lasse, insbesondere der erhöhten Einnahme an diretten Steuern: unb der Entwicklung des Verhältnisses dieser Ausgaben zu den) ErnnalMen in den letzten Jahren entsprechend, um insgesamt rund 87 000 Mk. erhöht werden.

Der Zuschußbedarf der Hauptabteilung Vit Landslande,

konnte, nachdem den Mitgliedern beider Ständekammern freie Fahrt auf den Hessisch-Preußischen Staatsbahnen von ihrem Wohn­ort nach Darmstadt und zurück gewährt worden ist, von 142 378 Mark auf 132 578 Mk. ermäßigt werden.

Die Hauptabteilung VII:

Staatsministerium,

bedarf eines Zuschusses von 293 260 Mk. Sie weist keine nennens- werten Aenderungen gegen den lausenden Hauptvoranschlag airfv Zum Kapitel Oberrechnungskammer ist dem Hauptvoranschlag als Anlage Nr. 6 eine Denkschrift über die Organisation dieser Be­hörde beigegeben.

In der Hauptabteilung VUI:

3um Zusammentritt der österreichisch - ungarischen widerspricht, deren Abänderung nur mit Zustim- m M r Delegationen. ------------- '*

Oktobertagung der österreichisch^uttgarischen Dele­gationen in Wien folgt am nächsten Donnerstag ihr Zu- sammentritt tn Ofenpest, der dadurch eine ganz besondere ^pr«n°'Tlrfrfe Bedeutung gewinnt, daß der Thronfolger, Ieiherzog Franz Ferdinand, die Delegationen in Stellvertretung des Kaisers mit einer Thronrede er- offnen wird. Daß der greife Kaiser Franzn

unpäßlich ist, um selbst nach der Hauptstadt Ungarns kom- men zu tonnen, glauben wir nicht; vielmehr scheint bei durch den Thronfolger bie-beftimmtc Ab- fuf)t obzuwalten, den Erzherzog auch dem politischen Leben Ungarns naher zu bringen und durch ihn die wichtigen Gesetzesvorlagen, wie das neue Wehrgesetz und die Marine­vorlage, mit denen sich die Delegationen in ihrer nächsten Tagung zu beschäftigen haben werden, fördern zu lassen.

Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, in Oesterreich schon feit längerer Zett der eigentliche In­spirator der inneren und äußeren Politik ist, weiß man zur Genüge und ist damit in Anschauung der Erfolge, die er unö ©raj Aehrenthal während der Annexionskrise auf» Auweisen hatten, jauch voll und ganz zufrieden. In Ungarn bogrgen brachte man dem Thronfolger bisher stets einiges Mißtrauen entgegen, weil man in ihm den Mann erblickte k seines Einflusses aus Kaiser Franz Joseph

den Absonderungsbestrebungen der Magyaren in wirtschaft- licher und militärischer Hinsicht die größten Schwierig- taten bereitete. Dieses Mißtrauen der Ungarn soll die des Erzherzogs nach Ofenpest jetzt beseitigen. Er wird sich rhnen durch Verlefung der Thronrede vor der un­garischen Delegationen in magyarischer Sprache empfehlen und ^trch Fühlungnahme mit den führenden Magnaten und Reichstagsabgeordneten beweisen, daß man ihn in Cfenpeft allzu schwarz gemalt hat. Und für diese Aktion findet er durch die Tättgkeit des Kabinetts Khuen Heder- vary den Boden bis zu einem gewissen Grade vorbereitet, ^st doch seit den Maiwahlen die bisherige Vorherrschaft der beiden Flügel der Unabhängigkeitspartei, welche die Forderungen zu einer conditio fine qua non für den Frieden mit Oesterreich machte, zertrümmert; Graf Khuen Hedervary hat an ihrer Stelle eine nationale Arbeits­partei geschaffen, die vom Standpunkt der 1867er Ver- fassungspartei nur wenig abweicht, und die Erhaltung der wirtsck-aftlichen und militärischen Einheit der Doppel­monarchie, wenn auch mit gewissen, aber nur rein äußer- Uchen Konzeffivnen, auf ihr Panier geschrieben hat. Und kommt erst die ungarische Wahlreform zustande, die dazu berufen ist, durch Einführung eines demokratischen Wahl­rechts den bisherigen Einfluß der speziell magyarischen Politiker zu Gunsten der breiten Volksschichten und der Rationalitäten zu beseitigen, so dürfte die gemeinsame Poli­tik Oesterreich-Ungarns an dem neuen ungarischen Reichs­tag eine Stütze finden, die sich als kräftig genug erweist, bie jetzt noch bestehenden Differenzen zwischen Oesterreich und Ungarn vollends zu beseitigen.

Für den Erzherzog Franz Ferdinand ist das auch per­sönlich keineswegs gleichgülttg. Denn wenn man in ihm auch in Ungarn, wie in Oesterreich den Nachfolger Kaiser Franz Josephs zu erblicken hat, für seine Gemahlin, die Herzogin von Hohenberg und ihre Deszendenz bedarf es, um sie zur Kaiserin von Oesterreich und Königin von Ungarn zu erheben und ihren Nachkommen die Thron­folge zu sichern, eines Aktes der Gesetzgebung, nachdem Erzherzog Franz Ferdinand bei Eingehung seiner mor­ganatischen Ehe auf die Rechte für seine Gemahlin ver­nichtet hat. Da aber in Oesterreich überdies die Erhebung der Herzogin von Hohenberg, die .ttcht ebenbürtig ist, zur Kaiserin oen Bestimmungen des Habsburgischen Haus-

Sweffts Blatt ,60. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesjen

Wien, 27. Dez. Wie dieNeue Freie Presse" erfährt, ift von der beabsichtigten Reise des Thronfolgers nach Skierniewice in unterrichteteii Kreisen nichts bekannt. Der Thronfolger kehrt am 29. D^ember von der Eröffnung der Delegationen von Ofenpest nach Wien zurück. Ueber die weiteren Reisedisposilionen für die nächste Zeit verlautet nichts.

Aus dem hessischen Voranschlag für fylf.

Urin st, Wissenschaft und Leben.

Volksiestfviele. Aus Süddeulichland kommt der Rui, in allen großen Städten Deutschlands Volksfesliviele zu oerarv stallen. Zu solchem Unternehmen wurde die Anregung geschöpft aus den Atisflihrungen des Sovlwkleischen ,Kömg Oedious" in Nlünchen und Berlin. Der Attfrui ift von vielen hervorragenden Persoulichkerten unterschrieben, die zur Förderung und Venvirk- lichung des Planes aufsordern. Als Darsteller sollen die bedeu- teudfteii Schauspieler der Deutschen 93ühne herangezogen werden. Die Spielleitung der Aufführungen wird Aiax Reinhardt übernehmen.s2In Alle, ohne Rücklicht auf Stand, Beruf und Partei, ergeht hierdurch die Aufforderung, sich der Gesellschaft für dcutiche Bolksfeüspiele anzuschließen.*

Eine kostbare Papyrussammlung für Atne- rika. Der Aegypwloge an der Newyorker Harvard-Universität, Pros. Max Müller, der im Auftrag der Carnegie-Institution nach Llegypicn entsandt war, um Kopien aller Jnsäniften von den Bauten auf der Insel Philae abzunebmen, hat feinen Auftrag erfüllt und ist bereits wieder in Newyork eingetroffen. Seine Reise ihat der amerikanischen Wissenschaft ein kostbares Geschenk ge- > brockst: durch einen glücklichen Zufall konnte er von einem «Lammler in Kairo eine prachtvolle Kollektion seltener Papyri erwerben, die dem Universitäts-Museum eüwerleibt werden und wertvolle avchäologische Schätze enthalten.

Aus dem Mainzer naturhistorischen Mn- seum. Der von Herrn Professor Dr. Dyckerhoff, dem Ehren- mitgliebe der Rheinisck-en naturforschenden Gesellschaft, der Anstalt Lugeroiesene Fund einer Sirene oder Seekuh (Haliherium Schinzi) aus dem Septarienton der Flörsheimer Grabe ist gegenüber dem Sleichanigen Skelett aus dem Meeressande zu Flonheim zur Auf­hellung gelangt. Beide Skelette sind nicht ganz vollständig, er­gänzen einander aber in so vollkommener Weise, daß kein Museum ähnliches aufzuweifen hat. Das neue Skelett zeigt die vollkommen «halten gebliebene Mittelhmrd und die beiden Beckenhälften mit dem Oberschenkelbein in der Pfanne in nie angettoffener V^ll- kommenl/eit. Der letztgenannte Teil, das Becken, ist bei diesen Pflanzenfresfern des Meeres stummelhaft geworden. Die jetzt lebenden Seekühe zeigen an dieser Stelle nur zwei eben noch als BeckenHälften zu deutende Stäbe. Bei deu fossilen Stücken aus dem Mainzer Tertiärbecken zeigt das Becken noch alle Form­elemente von einem solchen der Landsäugetiere, scheint also ge- wmermaßen aus dem halben Wege zur Stummelwerdung stellen geblieben zu fein. Das Aauarium erhielt von Starnberg in Obn:-- dayern drei prächtige Rotfische ober Huchen lSalmo huck-o), die ww im Donaugebiete vorkommen und nahe Verwandte unseres Rheinlachses oder Salmes fiitb. Ferner treffen wir an den Bach- jaiblmg, die Mec,r- und BaMvreUe, den Elsäfsex Saibling, hie*

AestA, den Zander, Flußbarsch, die Aalraupe, ben Hecht, Aal, bte Karpfen und viele andere Süßwasserfische mehr neben den Erzeugnissen des Meeres, die in Seewasserbecken gehalten werden, alle rm besten Wohlsein.

Dickens-Reliauien unter dem Hammer. Aus London wird berichtet: Seit der Zeit, da vor 40 Jahren zum erften Mal allerlei Gegenstände aus dem persönlichen Besitz von Dickens verkauft wurden, ist das Interesse des Publikums für Dickens-Reliquien immer mehr gewachsen. Der kürzlich ver- storbens Teilhaber der bekannten Londoner Auktionsfirma Christie, Mr. Wood, hatte den Plan gefaßt, eine Reihe von Dickens- Reliquien zu vereinigen und dann zur Versteigerung zu bringen. Die nun erfolgte Ausführung dieser Absicht ist ein neuer Beweis oafür, wie gewaltig das Interesse für ben großen Dichter in ben letzten.Jahrzehnten gewachsen ist. Zum Verkauf stand damals der ausgestopfte Rabe Grip, um ben sthon in jenen Tagen ein harter Kampf entbrannte. Diesmal stritten sich die Dickens- Verehrer um ben Rednerpult, das Dickens bei seiner amerikanischten Vorlefuiigstournee bemifcte, die er bekanntlich kurz vor feinem1 Tode absolvierte. Das schmucklose, einfache Brettergestell er­zielte 600 Mk. Für einen alten, zerbrochenen Korbstuhl, den Dickens rn seinem Bureau in der Wellington Street benutzt halben soll, wurden 3 Guineen bezahlt, und eine alte Brille des Dichters fand für 45 Mk. einen Liebhaber.

«Ein neues Mittel gegen tuberkulöse Fisteln. Im ^-ahre 1900 stellte der Chemiker Dr. Kronstein in Karlsruhe gelegentlich feiner Arbeiten über Harze und Balsame ein Zimmt- säurederivat her, von dem er, auf Grund seiner Studien, annahm daß es du Ursubstanz im Perubalsam vorkommenden Harzes fei. Diese theoretische Erwägung veranlaßte Dr. Kronstein, die Wirkung dieses Derivats auf Tuberkulose prüfen zu lassen. Dr. Bios (Karlsruhe) schildert nun in berDeutschen Mebizinischen WockZm- schrift" unter Bekanntgabe einer Reihe behandelter Fälle aus ber Krankenhaus- und aus feiner Privatpraxis die günstigen Er­fahrungen mit dieser Substanz, die er nun seit zehn Jahren an- wendet. Er kommt zu dem Schlüsse, daß wir es hier tatsächlich mit einem Mittel gegen Knochen- und Drüsentuberkulose zu tun haben, das auck) da überraschend schnell wirkt, wo andere Mittel, auch Operationen und Glüheisen, vollständig versagen.

Die wandernde Statue. Seit einigen Tagen sind bte Londoner Zeugen eines merfroürbigen Schauspiels. Sie sehen wie ber Excelsior erzählt, die neue Reiterstatue Ebu arbs Vif inn den Buckingham Palace herumirren. Allerbings ist es nicht die Statue selbst, sondern nur ihre Silhouette, in Holz ausge- fdmitten, nach ber Art eines riesenhaften chinesischen Schatten­spiels. Phantastisch begrüßen die eindrucksvollen Linien von dem hohen Piedestal herab, das selbst wieder auf einem kleinen Roll­wagen ruht, und das eigentümliche Gefährt, das von einem kräf­

tigen Lastpferd gezogen wird, erscheint, hält an, verschwindet ganz nach dem Wunsch und Willen der fünf ober sechs Herren, bte ihre iJiegeiWrme schwingen und die Statue bald dahin, bald dorthin dirigieren. Dieses kuriose Manöver hat aber seine sehr gewichtige Bedeutung:^ die Herren, die diese Experimente machen, sind das erwählte Kunsllerkomttee, das den Auftrag hat, den endgültigen Platz nrr bte Statue zur dlufstellung aussinbig zu machen. Sie wollen sich durch diese eigenartigen Proben über die Wirkung der Silhouette an ben verschiedenen Seiten und Ecken des Buckinoham- Palastes unterrichten und haben dazu diese ingeniöse Methode er- funben.

Etn merkwürdiges Skelett der Urzeit. Aus Neu vor k wird berichtet: Eine ungewöhnliche Entdeckung ist m beseit Tagen rm Bannkreis ber Stabt Neuyork gemacht worben, m benPalltfaben" fand man ein wohl erhalten es Skelett eines Dvnoiauriers, das eine Länge von 40 Fuß ausweist bei einen Öobe roon 15 bis 18 Fuß. Die Sachverständigen vmn amen- konischen Naturhistonschen Museum, die fofon an die Fundstelle gerufen wurden, erklären bte Entdeckung als eine ber bebend« lamltni, die je östlich vom Mississippi gemacht wurden , Der Dlnomurier", fo äußerte sich der paläontologische Assistent'des Museums,könnte vielleicht am besten als eine Art Kreuzung, zwischen em em Krokodll und einem Strauß bezeichnet werben wobei alle Dimensionen auf das Höchstmaß übertrieben erscheinen. Es ist nn seltsamer Gedanke, sich auszumalen, baß dieses groteske Riesentier Dor vielleicht zehn Millionen Jahren an ber Stelle' baufte, wo sch beute am Brodway die gewaltigen Wolkenkratzer erbeben. Das Skelett wird dem Museum einverleibt, bas sich bereits heute rühmen !ann die großartigste Sammlung von Dynomurier-Gchemm yu besitzen. Unternehmende Inhaber von E^aubuden haben Riesen,ummen für die leihweise Ueberlaffung be§ Fundes geboten, aber dasSkelett soll unverändert am ^unk- n,r,r.. rÖCn bleiben, bis Mi Museum ein geeigneter Raum zur Ausnahme dieser kostbaren Reliquien der Urzett bereit stcht/

- TT D er st a inerte Riesentiere in Deutsch-Ost- ^ra°ä. v°r einigen Safnrcn wn einer Seife iMDch JkutfcMpftafnfa die ersten Nachrichten übet den eigenartiger Riesenkochen und ^Wetkife !^imgebrachü nrat svstemntische Ansgrabungen vorgenommen nror.

sroßartiye Reiuttate ®c. bans Reck in der Um- I^hre lang hat die deutsche Expedition, o' Tendaguru, vier Tag«

vmi -dem basenplatze Sutbt ent,ernt, erbaute, die ganze Umgegend b-s Berges nach den vielerorts aus der Erde hervorlugendM n»0 ' ? v fvn dadurch besänftigte, daß mnn

bte ^n£d*en würden zu heilkräftiger Medizm »er. arbeitet, ®te am best-n erhaltenen Fnnüc wertet in tiefet (&£