Aus Petersburg wird gemclbct: Minister Iswolski verschob wegen plötzlicher Erkrankung seines Sohnes die für Mittwoch angesetzte Abreise ins Ausland.
Aus Alexandrien wird berichtet: Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich traten an Bord der „Schleswig" vom Norddeutschen Lloyd die Reise nach Jaffa zur Teilnahme an den Einweihungsseierlichkeiten in Jerusalem an.
Der König von Serbien trat am Mittwoch nachmittag von Kiew die Weiterrei>e nach Konstantinopel an.
Zur 'Teckung für die innere Anleihe in Persien werden zwangsweise von zehn Kaufleuten je 50 000 Tomans und von 15 Kaufleuten je 5000 Tomans eingctrieben. Tic Kaufleute fordern eine Kontrolle und die Verausgabung des Geldes für die Bedürfnisse der Provinz Aserbaidschan.
Aus Philadelphia wird gemeldete Alle Eisenbahn- resellschastenPennsylvaniens haben sich freiwillig ent- chlossen, dem Beispiel der Pennsylvania Railroad-Company zu olgen und die unter 300 Dollars betragenden Monatslöhne ihrer Angestellten um 6 Proz. zu erhöhen. Die Lohnerhöhung kommt 195 000 Angestellten zugute und vermehrt die Lohnbcträgc insgesamt um 10 Millionen Dollars.
Die Bewegung der Bevölkerung, insbesondere die Sterblichkeit in der Stadt Gichen im Zahre ,909.
Lebend geboren wurden in der Stadt Gießen'irn Jahre 1909 1190 Kinder, 597 Knaben und 593 Mädchen; hiervon kommen als Bevölkerungszuwachs in Betracht 659 Kinder ober — bei einer um die Mitte des Jahres geschätzten Einwohnerzahl von 31100 — auf 1000 Bewohner 21,2 (im Votjahre 22,1 °/00); die übrigen 531 Neugeborenen gehörten ortsfremden Müttern an und sind bald nach der Gteburt wieder wcggebracl-t worden.
Totgeboren zählten wir 40 eheliche und 10 uneheliche, zusammen 50, von welchen ebenfalls ein gröberer Teil von fremden Eltern abstammte.
Gestorben sind im Berichtsjahre 320 Einheimische und 321 Ortsfremde, zusammen 641 Personen (im Jahre 1908: 644), sie verteilen sich nach verschiedenen Altersklassen folgendermaßen :
Es starben im Alter von:
0-1 1—15 15-30 30-60 60—70 über70Jahre Einheimische 55 4b 37 77 49 57 =3-0
OrlSiremde 86 39 öS 122 41 25 = 821
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Die Sterblichkeitsziffer für alle Todesfälle beträgt 20,61 auf 1000 Einwohner, für die uns allein interessierenden 320 Einheimiscl)en die Hülste, nur 10,3 %o (im Vorjahre 21,12 und 11,21 °/oo). Diese Ziffer ist eine im Vergleiche mit der Gesamtfterblichkeit von Helsen oder Deutschland sehr günstige und zeugt von guten hygienischen und sozialen Verhältnissen der Stadt; es ist jedoch dabei zu berücksichtigen, baß in Gießen die verhältnismäßig starke Garnison, die höheren Schulen und die Universität eine große Zahl jugcndträftiger Leute als Bewohner liefern, welche durch das Leben bedrohende Krankheiten sehr wenig gefährdet sind.
Wie wichtig es ist, um ein llares Bild über die Sterblichkeitsund Gesundheitsverhältnissc der Einheimischen zu erhalten, daß wir die verstorbenen Ortsfremden aussck>eiden, geht ans dem Vergleiche der Sterbezahlen des besten Mannesalters von 15—60 Jahren bei den Einheimischen und Ortsfremden hervor: es starben in der genannten Altersklasse 114 Einheimische und 180 Ortsfremde.
3 m ersten Lebensjahre sind verstorben 55 Kinder (im Vorjahre 67) ober 17,2 Proz. aller Gestorbenen und 1,7 (2,2) auf 1000 Einwohner, und der Jahresüberschuß der lebend Geborenen, b. h. ber Zuwachs durch Geburten, beträgt rund 600 Kinder; es ist je der zwölfte Säugling in Gießen verstorben. Das ist ein außergewöhnlich günstiges Verhältnis und zeugt von rationeller Pflege durch Mütter und Pflegemütter. Ja, das Verhältnis wird noch besser, wenn wir die an Lebensschwäche infolge von Frühgeburt, Mißbildungen usw. zu Grund gegangenen 9 Säuglinge (oder ein Sechstel der (fKstorbenen), die den Todeskeim schon mit zur Welt brachten, abzählen. Hoffen wir, daß die viel besprochene Säuglingssterblichkeit durch Belehrung seitens der Aerzte und Hebammen eine immer noch günstigere werde!
In der Altersklasse von 1—15 Jabren sind 45 (62) Kinder verstorben. Die 220 Erwachsenen haben ein durck)schnittliches Lebensalter von 55,36 Jahren erreicht, eine die mit dem Durchschnitt der vorauSgegangenen 12 Jahre ziemlich auf gleicher Höhe bleibt, dieser ist 55,25.
Von den 57 Personen, welch« das 70. Lebensjahr überschrillen hallen, sind 21 über 80 und, 3 über 90 Jahre alt geworden.
Von den Monate n brachten März, Februar und September mit 36,33 und 32 die meisten Todesfälle, b)e kleinsten Zahlen 19 und 20 der August und der Juli.
Auf die wichtigsten Krankheiten und Krankheitsgruppen, welck>e Todesursachen gewesen sind, verteilen sich die Sterbesälle wie folgt:
Wie bereits bemerkt, waren 9 Säuglinge an Lebensschwäche zu Grunde gegangen (im Vorjahre 12), an Altersschwäche 17 (16) Personen gestorben.
An den vornehmlich die Jugend bedrohenden akuten Infektionskrankheiten sind zusammen 23 Personen gestorben, und zwar von 189 Erkrankungen an Scharlach, die uns bekannt geworden sind, 14 oder 7,4 Prozent ber Kranken.
An M asern sind 3 ftinber gestorben.
Bei 42 an Diphtherie Erkrankten hatten wir 2 Tobcs- sälle zu verzeichnen.
Dem Keuchhusten sind 3 Kinder, dem Typhus ein junger Mann, im Auslande infiziert, erlegen, 'Sie einzige Infektion mit Unterleibstyphus, welche auf Gießen oder seine Umgebung zurückzusühren ist, ging in Genesung über.
An Tuberkulose sind 64 (61) Personen gestorben, hiervon kommen auf Lungenschwindsucht 46 (34) (14,8 auf 10 000 Einwohner) und 18 (27) auf Tuberkulose anderer Organe.
Lungenentzündung und Influenza sührten 26 Mal (20), andere entzündliche Erkrankungen der Atmungsorgane 16 (46) Mal zum Tode.
An Krankheiten des Herzens und ber Blutgefäße starben 22 (82), an Gchirnschlagfluß 21 (20), an anderen Krankheiten dcS Zentralnervensystems 14 (22) Personen.
Fast ein Viertel ber verstorbenen Säuglinge 15 (15) litten an Magendarmkatarrh; an anderen Krankheiten ber Verdauungsorga ne starben 6 Perfonen, an Wurmfartsatzentzündung 1 (4).
Krankheiten ber Harnorgane brachten 17 (18), bösartige Neubildungen, meist Krebs, 25 (18) Todesfälle (an der letzten Krankheitsgruppe starben außerdem 49 Ortsfremde'.
Durch Selbstmord endeten im Januar 1 und im März 4, zusammen 5 (7) Personen, gelötet wurde ein neugeborener Kind, 9 Personen sind tödlich verunglückt.
Der Rest der Todesfälle (29) ist auf minderwichtige Krankheiten verteilt.
Großh. KvciSgesulidhcitsamt Gießen.
F. Habcrkvrn.
Au» Stafct unö CaiiO.
Gießen, 31. März 1910.
•* In Audienz empfangen wurden gestern vom Großherzog u. a. Provmzialdiiektor Geheimerat Dr. Brei dert von Mainz und Pcovinzialbircktor Dr. Usinger von Gießen.
•• Lehrerpersonalien. U ebertragen wurde bem Lehrer Ernst Gorr zu Eich eine LehrersteUe an der Gemeindeschule zu Griesheim; dem Lehrer Gg. Hering in Pfungstadt eine Lehrerstelle an der Gemeinbcfchulc zu Griesheim; dem Lehrer Pet. Heiser zu Alzey eine Lehrerstelle au der Ge- meinbejchule zu Haßloch; bem Lehrer Will). Ohly zu Stein
heim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Arheilgen; dem Lehrer Friedr. Gläser zu Eppertshausen eine Lehrer- stelle an der Gemeindeschule zu Eberstadt (Kr. Darmstadt); dem SchulamlSaspiranten Hugo Hei,n auS Dettingen (Bayern eine Lehrerstelle an dec Gemeindeschule zu Nieber-Roden; dem Lehrer Beruh. Willen borg in Jügesheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bieber; eine Lehrerstelle an der höheren Bürgerschule zu Grünberg dem Schulamtsaspiranten Bud. K ohl dach auS Tonndorf (Sachsen-Wein,ar); eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lauterbach dem Lehrer vch. Dörr zu Landenhailsen. — Lehrer Joh. Alt zu GraS- Ellenbach wurde auf sein Rachsuchen von ber Uebernahme der 'hm übertragenen Lehrerstelle an d^r Gemeinbeschule zu Wochenheim unb Lehrer Joh. Wagner zu Fehlheim aus sein Rachsuchen von er Uebernahme der ihm übertragenen Lehrerstelle an der fa. . Schule zu Alsheim entbunden. — Erledigt ist eine mit einem eocmg. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lauterbach.
** Ober-Postbirektion. Wie die Darmst. Ztg. hört, ist dem Obcc-Postbircltor, Geh. Ober-Poslrat Kobelt, die nachgesuchte Dienstentlassung erteilt und der Charakter als Wirtlicher Geheiiner Ober-Poslrat mit dem Range eines Rats erster Klosse verliehen worden. Herr Kobelt wird am 1. Jul, — nach einer Dienstzeit von 48 Jahren — in den Ruhestand treten.
•• Der frühere Polizeisekretär Bilo, gegen den ein Strafverfahren wegen Amtsvergehens emgeleitet worden >var, ist durch Gerichtsbeschluß außer Verfolgung ge- jetzt worden. Es handelte sich nicht so sehr um den Erlös verkatifler Polizeialten als vielmehr ooriviegend um die Erhebung und yinetßtumg von Gebührenbeträgen, die in die Stadlkasse hätten stießen müssen, wenn sie überhaupt erhoben werben durften. Bei dem Mangel an bestehenden Vor- ichuften über polizeiliche Gebühren und der Unsicherheit der hierüber getroffenen Anordnungen konnte die Vecteidlgungs- behaiiptung beS Angeschulbigten, er habe sich zur Verein- nahmung ber erhobenen Betrage für berechtigt gehalten, nichi ividerlegt werden. Die Bestimmung über den Erlös für die verkauften Polizeiakten ging von dem Vorsteher des Polizeiamts aus, ber sich zu bieser Anorbnung ebenfalls f berechtigt hielt.
** Schneefälle und Kälte sind wie von hier aus zahlreichen anderen Gegenden Deutschlands zu berichten, nachdem die Oslerfeiertage überall das Gezmeige richliger Früh- ahrStage gezeigt halten. Während dec Rachwinter hier noch ziemlich gelind auftcat, werden auS bem Vogelsberg heftige Schneegestöber unb starke Kälte gemelbet, der Reuschnee liegt )iö z»i 15 Zentimeter hoch. Auch aus dem kurhessischen Oberhessen werben Schneefälle gemelbet.
** Im Kolosseum finheii beute abenb bie Schluß- kämpfe statt, woran Pierre le Boucher, QJiacbonalb, Weber unb der Unbekannte teilnehmen. Wie es vorccuszusehen ist, giot es sehr spannende Kämpfe, ba sich ebenbürtige Gegner gegenüber» tehen. Tas ErgeoniS bcs gestrigen Abends war: Der Kampf Aivifchen Weber unb Pierre le Boucher war unentschieden. Ter Gang Nhacboualb gegen Eigeinann endete mit ber Niederlage Eigemvims, der jetzt auch aus der Konkurrenz ausschieb.
•• Wohltätigkeit für Ober-Mockstadt. Auf Anregung beS V. H. C.-Zweigvereins in Frankfurt hat bie dortige Gewerbekaffe einen Geldbetrag an das Hilfskomitee nach Ober-Mockstadt gesandt, waS der Verband Frankfurter Brauereien deinnächst auch ausführen will. Daran sollten sich alle oberhessischen Genossenschaften ähnlicher Art em Muster nehmen.
** V. H. C. ES ist eine F-reude, zu hören, daß der Vogelsberger Höhen-Club, der nicht lediglich ein Wander- unb Gebirtzsverein, sondern wegen seiner verschie- )eitcit idealen Heimatsbestrebungeii ein gemeinnütziger Verein sür ganz Oberheifen ist, im uergangenen Vereiiis-- jayr ivicoer um mehr als 600 Milgliedec zugenommen hat, o daß er jetzt gegen 3000 Mitglieder zu reger Arbeit vereint. Das frisch puljierenbe^Leben hat im vergangenen Monat die zwei Zweigvereine in S ch l i tz unb Grost - Fe. lba entstehen tasten, Hal bie Mitglieberzahl des erst Vor einem Jahre gegründeten Zweigvereins in Os send ach über JOü gebraut, >ie schöne Tat des Frankfurter V. H. C., 1200 Mk. an die bedrängten Ober-Mockstüdler Kassenniilglieder abliefern zu können, gezeitigt, ferner die Einrichtung der Schüler - H er der gen in Gedern, Schotten nnd Ulrichstein durch Gewähr eines Frühstücks außer freiem Nachtlager zum Wohle >er wandernden Jagend erweitert und endlich bei der Frü h- ahrs Wanderung am 20. März nach Hirzenhain iber 200 V. H. C.-Brikder und -Schwestern aus Büdingen, Frankfurt, Geocrn, Hirzenhain, Offenbach usw. in heller Begeisterung Vereint. Uel>erall herrscht nichtige Frühttngs- lininiung, die günstige Weiterentwicklung und sichere Durch- ührung neuer Aufgaben zum Vorteile unserer Provinz verbürgt.
** Wie meid) ft ein beinah einmal berühmt g e - worden wäre. AuS Ulrichstein wird uns geschrieben: Es find ck>on einige Jahre her; mau wußte damals noch wenig von Luftschiffen und Flugmafchiiien, da befaßten sich zwei unternehm unps- lustige Herren, ein Kaufmann und ein Gerichtsbeamter, in Wiidy* tein mit der Konstruktion einer Fl u g in a f chi n e. Alltäglich wurde mit Eifer an der Maschine gearbeitet unb alles würbe geheimnisvoll gemackst, baß ja lein unberufenes Auge bas große Weck vor feiner Ucocrgabc an bie Ocffenllichkeit fehe. Enblich war es fertig. Am kommenden Sonntag, ganz in ber Frühe, ollte ber erste Flug unternommen werben. In ber bem großen Tage vorhergeheitben Nackst ließ die Aufregung unsere Erfinder kein Auge zutun. Enblich kam die große Stunde. Als AbstugS- ftcllc war bcc Schloßberg gewählt worben. Wetter und Winb ivaren günstig. Noch einmal würbe bie Flug maschine in allen Teilen genau nachgesehen. Alles klappte. Höher schlugen zwei Männerherzen. Jetzt würbe ber Grundstein zu ihrer Berühmtheit gelegt. Noch ehe cs Abenb würbe, konnte ber Telegraph es aller Welt mclbcu: Das große Problem ist gelöst. Aus allen Gegenben würben Berichterstatter fonimcn und Photographen. Im Geiste sahen sie sck>on ihr Bild in den FamilienbUittern. ,— Wie friedlich lag iwch zu ihren Füßen daS schlafende Ulrichstein. Ja, Die ahnten nicht, daß Großes sich eben auf bem Schloßberg vorbereitete. Ulrichstein, halb sollst bu bekannt sein aller Welt! Also los: Eins, zwei, brci! Hopp! Bis drei klappte alles, doch weiter kam eS nicht. Am selben Tage sah man die kühnen Lust- schiyec nicht mehr, auch am folgenbcu Tage nicht. Der Apotheker ivnnbcrte sich, daß in den nächsten Tagen so viel Verbandzeng geholt wurde. £ic Flugmaichine aber hat niemand gesehen. Ob ber Winb sie weggefuhrl, ob ihre Trümmer auf der Tiefe des Schloßbergweiherü ruhen, oder was fonfl mit ihr geschehen, man weiß es nicht und bie Erfinder hüllten sich in Schweigen und in ihr Verbandzeug. .
w. Lang-Göns, 30. März. Wer nut der Mam- Weser-Bahst au unserem echt hessischen Bauerndorf vorbei- fuljr, freute sich über das idyllische Bild, das in seinem Vordergrund wirkungsvoll durch den zwischen dem Bahn-
körper und bem Oct liegenden Wiesengrstnd gehoben wurde, '.en ber Mühlbach in vielen Windungen durchzieht. Roch schöner aber wurde dieses Bild durch die alten gebooteten Weiden- unb Erlenbäuine, welche den Mühlbach ninsäninten. Mit diesem schönen Anblick, der einem Maler 311111 Vorwurf hätte dienen können, ist cS nun für immer vorbei. Die Feldbcreinigung, bie jeden Streisen noch so unfruchtbaren Landes auSzuniitzen sucht, springt mit Hecken und Bäumen, besonders solchen, die der Landschaft nur'zur Zierde gereichen, gar grausam um. Der Mühlgraben wird jetzt schnurgerade gelegt und sein altes Bett beseitigt. Ob inan das neue Bett aiiszementicren will und dann mit städtischen Kngelakazien bepflanzt, bleibt abzuwarten. Einige Bauersleute, die Sinn für Raturschönheiten haben, wollten ihre Bäume sieben lassen, bekamen ober von der Behörde den Bescheid, daß im Unterlassungsfälle von behördlicher Seite abgeholzt würde und ihnen für jeden Baum 3 Dik. Strafe abverlangt würden. Tie schönen Poppeln in unserer Gemarkung und die alten Tannen am Friedhof sind ebenfalls verschwunden. (In der Gießener Stadtverordneten-Vcrianun- lung wurde wiederholt über die Allesgleichmachcrei der Feldbereinigung lebhaft geklagt; hier kommt dieselbe bewegte Klage üom Lande, und zwar mit Recht. Gibt es keine Behörde, bie bem Barbarismus, mit dem man bie Landschaft verschandelt, Einhalt zu gebieten vermag? D. R.)
)-( Lich, 29. März. Eine alte Sitte, bie fast allenthalben mehr und mehr ver,chwinpet, hat sich hier noch gut erhalten: bas „Eierwerfe n" an den beiden öfter tagen. Jang und alt zieht hinaus aus eine große, an der Bahnlinie "ach Gießen zu gelegenen Wiese, wo immer ein fröhliches Treiben beginnt, be,onders wenn dabei das Werter noch günstig ist wie dieses Jahr. Ein bewegtes Bild und recht vuntes Leben, die unwillkürlich an den Frühlingsspozirrgang in Goethes „Faust" erinnern, zeigten sich den vielen Fremden, die an den beiden Tagen zu Fuß ober iin Eisenbaynzug an oec „Eierwiese" horüberiamen. — Der Krämer mark t, der am 3. Ostertag immer mit dem Schweinemant verbunden ist, hat viel von seinem früheren Glanz verloren. Noch reihte sich heute am Rathaus Mestbnoe an Meßbude, nocy mt ein Karustell der Jugend frohe Belustigung, aber man vermißte gegen früher vas bewegre Marttleben, das besonders durch die auswärtige Bebötterung, die jetzt mehr unb mehr sernbleibt, verursacht wurde.
8 Ruppertenrod, 30. März. Vorgestern unb gestern abeno hielt der Gesangverein unter Leitung des Lehrers ReiberZrn Gastl-aus zum Löwen Aoenbunterhaltungen ab. Ter Saal war b.s auf den letzten Platz gefüllt. Die Vorträge wurden gefchickt unb hübfch ausuefühtt; |ie sanden stürmischen Beifall. Die Leistungen ber Vortragenden verdienen um so mehr Anerkennung, a.s tue Einübungszeit sich nur auf vier Wochen erstreckte. — Heute abenb fand im gleiten Saale ein Lichtbilder- vuttcag über unsere Flotte durch Pfarrer 11111 g von Ober- OlMen stall.
= Bettenhausen, 29. Marz. Einen in jeder Be-, ziehung gelungen vertäutenen Unterhaltungsabend Veranstaltete gestern unser Lehrer Diey mit seinen Schü- er n unter Mitwirkung des Gesangvereins. Tas abwechs- un^sreiche unb pajsenD ausgewählte Programm stellte in Gelängen, Derlamationen, Aiiipracyen und lebenden Bildern einen Gang durch die deutsche Geschichte dar. Das Ganze war ein vaterländisches Festspiel, dessen treffliche Wiedergabe unserer Schulewas beste Zeugnis ausstellte. Die zahlreich anwefenden Eltern spendeten reichen Beifall. Welch begeisterte Auftrahme die Veranstaltung gesunden hat, be- iüti|t am besten ber allseitige Wunsch, solche tm Dienste allgemeiner Volksbildung stehenden Uniechaltungsabenbe öfters in unserem Orte stattfinden zu lassen.
S ch a d e n b a ch , 29. März. Ter Landivirt H o r n m a n n rutschte beim Hcrabwcrfcn von Stroh vom l-ochslen Balten feiner SllMrer, dem sogenannten .stabenbalten, und stürzte in die Scheuer tenne. Ter Llbgcstürzle zog sich Verletzungen am Hüls, an Arnien und Beinen zu.
= Lauterbach, 30. Kllärz. Der Rechner der Bezirks- 'parfaffe Laiiterbach, Rendant Jakob Wahl, ist heute im 62. Lebensjahr gestorben. Dec Verstorbene, ber in allen Kreisen bcc Bevölkerung sehr geschätzt war, war 31 Jahre ang Rechner ber Sparkasse.
X Ba b Nauheim, 30. März. Ein Gesuch um Errichtung einer Bahnmeisterei Bao Nauheim hatte der Gern erbe verein an dieiEisenbahndlrelUon Frankfurt a. M. gerichtet. Die Eingabe wurde zwar abschlägig beschieden, aber nur für die nächste Zeil, da für die Um und Neubauten der Bahnhöfe Friedberg und Bad Nauheim Vorerjt eine eigene Baubehörde in Friedberg errichtet werde. — Eine ausführliche Wochenin ar 110 r b n 11 n g, bie vom Mini ich um bes Innern genehmigt unb vom Polizeiamt jetzt veröffentlicht worben ist, tritt mit bem 1. April in Kraft. Sie entspricht in jeber Beziehung, besonders auch in hygionischer Hinsicht dolltommen Den ncuzeillichen Forderungen. Wochenmärkle werden jetzt jeden Werttag abgehalten, als alleiniger Ort des Martrvertehrs gilt der Burgplatz, auf anderen Straßen und Plätzen ist er untersagt.
)( 3fr i ebb er g, 30. März. Im Zeichen der Lehrer Zusammenkünfte stand heute unsere Stadt. Neben den jungen Lehrern, die vor 10 und 15 Jahren das Seminar verließen, sah man auch Viele alte tm Dienst ergraute Männer.
ck. Mainz, 30. März. Die Stadtverordneten- Versammlung beschäftigte sich heute bei Beratung des Haushalts-Voranschlags auch mit dem durch den Wegfall bc5 Oktrois auf die Lebensmittel entstehenden, noch ungedeckten Ausfall von 237 068 Mk. Die Bürgerineisterei machte beit Vorschlag, den Ausfall durch Erhöhung der Umlagen von 106,5 auf 111,6 Proz. vorzunehmen, während 29 Stadtverordneten beantragten, in diesem Jahre die Bürgerschaft, Die durch bie Steuerreform unb bie stäbtischcn Abgaben (Erhöhung bcS GaSpreises, der Oktroigebührcn auf Wein, Vier sc.) schon genügend belastet sei/ von einer Steucrerhöhung zu verschonen und den Ausfall aus deu früheren Betriebs- Überschüssen zu decken. Dieser Antrag wurde mit großer 'Mehrheit angenommen. Im übrigen wurden die Anträge veS Finanzausschusses, die stch auf größere Sparsamkeit im Haushalts-Voranschlag beziehen, angenommen. Von dem Berichterstatter Stadtv. Dr. 'JJlüUcc wurde der Antrag der 'Regierung, daß in Zukunft ein Teil der Kosten der Ober- rechnungSkammer vo«i den Gemeinden getragen werdcii sollen, entschieden bekämpft. Sie Prüfungen dec Obercechnungs- lärnmer, die sich auf die abgelaufenen städtischen Rcchmingc» beschränkten, hätten überhaupt keinen Zweck; noch mcnialS seien wesentliche Beanftaiidungen vorgekomme».
** Kleine Mitteilungen auö H e f s c n nnb^bcn Nachbarstaaten. I» '21 r i c 1 b brannte bas Hans drs^clwy maidiiciä /sinliof nieder. Ein der Branbftistung u.-nY.icl)ugi*r M-.aue wurde vcrl-afwt. — In K i rchha in geriet bas Wohnhaus des


