km Dienst der Main-Neckar-Eiscitbahn angestel'lt und ging dann in den Dienst der Staatsbauverwaltung über, wurde 1883 Kreisbau- mcister des Greises Alsfeld, im Jahre 1885 in die Minister ial- abLeitung für Bauwesen berufen, 1888 zum Vortragenden Nat in dieser Abteilung ernannt. Tiefe Stelle lyat er über 21 Jahre bellcrdct, und zwar unter zuist Teil sckyvierigen Verhältnissen, die in mehr sack en Organisatioiisänderungen, denen das Straßen- bauwesen lmtcnuorfen tvar (zuletzt durch das Kunststraßengesctz van 1896) begründet waren. Am 25. November 1895 wurde ihm der Charakter als Geh. Oberbaurat verliehen. Er besah das Ritterkreuz 1. Klasse, sowie das Ehrcnkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Im Nebenamt war er langjähriges Mitglied des techuischcil Oberprüftingsamtes. — Karl Poseincr war ein überaus pflichteifriger Beamter, die Ministcrialabteilung für Bauwesen verliert in ihm ein namentlich um das hessische Straßenbauwrsen hochverdientes Mitglied, dessen Hinscheidcn sie gerade im geyenwürtigcn Augenblick, in dem wieder Organisationsänderungen im Vordergrund stehen, aufs tiefste bedauern muh. Ten Kollegen und Untergebenen war Geh. Obecbaurat Poseincr ein allzeit hilfsbereiter Freund und Berater, fein Andenken wird Bet ihnen stets in hohen Ehren gehalten werden.
IDas wird aus den Kälbern der Lymphgewinnungs- anftalten?
Ter xur sog. Schutzpockcni mpsung verwendete Stoff wird bekanntlich dadurch gewonnen, dah man die Pusteln eines geimpften Kindes anftitijt, die anssickernde Flüssigkeit auf eine Lanzette bringt inti> mit ihr über die ganze Bauchstäche eines Kalbes lange, 1 — 1,5 Zentimeter anseinandersteliende Schnitte macht. Wenn diese nach 3—4 Tagen 1-ock>gradig entzündet sind, wird die eitrige Masse avgekratzt und weiter verarbeitet. Die Wlber selbst werden geschlachtet und tierärztlich untersucht. Und dann? Ja, dann weroen sic verkauft mrd — gegessen. Viele Hausfrauen werden das vaum für glaubhaft halten, aber wir können mit Belegen aus amtlichen Quellen aufwarten. Tie „medizinal-statistischen Mitteilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte" enthalten regelmäßig eine größere Abhandlung über ,chie Tätigkeit der im Teutschen Zreichc errichteten staatlichen Anstalten zur Gewiimung von Tierlymphc", darin kehrt ein Kapitel über „die Impftiere" stets wieder. Taraus erfährt man die erbaulichsten Dinge, von denen sich die Hausfrauen sowie diejenigen, für die sie die Mahl- zetten bereiten, bisher gewiß nichts haben träumen lassen. Tie Kälber werden den Jwrpfinstituten häufig gegen eine Leihgebühr geliefert, d. h. der Fleischer nimmt die geschlackMen Tiere gegen eine Entschädigungssumnre zurück. Tas berichten die med.-stat. Mitt, ausdrücklich von den Jmpfinstituten in Cannstatt, Tarm- stadt, Schwerin, Weimar, Bernburg, Lübeck, Metz; vielleicht verfährt man tn_ anderen Orten ebenso. Keineswegs wird das Fleisch dieser Tiere bloß aus der Freibank verkauft. In Leipzig scheint es allerdings allgemein üblich zu sein, dah die Tiere „nach der Abimpfung und Schlachtung auf der Freibank verwertet" werden. Ebenso heißt es von München, dah die Tiere „bei einwandfreiem Sckilachtbefuitde der Freibank zum Verkaufe überlassen" werden. Tie Freibank ist an sich schon eine bedenkliche Einrichtung, da sie arme Leute durch den niedrigen Preis Verleitet, minderwertiges und somit gesundheitsschädliches Fleisch zu kaufen. Aber mehr als bedenklich sind folgende Fälle.
1. Aus Karlsruhe: „Das einzige gesundheitlich unangenehme Ereignis, das hauptsächlich aus wirtschaft liehen Gründen zu beklagen war, bestand darin, oaß sich bei zwei Tieren ungemein stark entwickelte Oedeme (Wassersucht) mit weitgehender Anschwellung und Turchtvänkung der Muskulatur des Bauches am Tage der Abnahme der Lymphe, also am 5. nach der Impfung zeigten; insolgedesjeu wurde das Fleisch dieser Tiere nach der Schlachtung der Freibank zugewiesen. Ter hieraus erwachsene Sckiaden im Betrage Don 238 Mark hätte dadurch vermiedest nxrden können, daß, wie es auch in der FMse -gesckxch (!), die Tiere bis zunrl Verschwinden der ödentatösen Schwellung ssthen blieben. 2. Aus Stuttgart: „Bei dem Tiere Nr. 53 sanden sich bei der Sektion am Nachmittage nach der morgens vorgenoinmeiten Ab- impsnng graurötliche Wuchwur.gen auf dem Rippenfell, die Lungen und Bronchialdrüsen waren geschwvllett uttd blutig durchtränkt, auch die Mi'lz war geschwollen. Tie Lymphe wurde daher von dem Tierarzt dec Anstalt wegen Verdachts der Tuberkulose für unbrauchbar erklärt, auch der Genuß des Fleisck-es würde von deut mit der Fleisckfschau im Cannstatter Schlachthause Beauftragten Ortstierarzt beanstandet und fein Verkauf auf der Freibank erst nach vorausgegangener amtlicher Durchkochung gestattet" (!!)
Also (uufji das war noch für arme Leute gut genug! — Tas Fleisch der abgeimpften, geschlachteten Tiere wird aber auch häufig als vollwertiges Fleisch verkauft, so in Straßburg i. Els.: „Tas als vollwertig anerkannte Fleisch der geschlachteten Tiere abzunehmen, verpflichtete sich ein Fleischer für das ganze Jahr, allerdings zu einem etwas geringeren Preise, als der Marktpreis betrug." Eine^ svnderlickie Stellung nimmt in den amtlichen Berichten die Stadt .Hannover ein, dort scheint man für einen geimpften Kalbsbraten geradezu zu schwärmen, wenigstens aus feiten der VerLänser, die wohl schwerlich ihren Kunden verraten, daß die Ware vom Jmpfkalbo fbantmt In dem Berichte üben das Jahr 1904 heißt es: „Ter Lieferant hat Über die Beschaffenheit des Fleisches nicht geklagt; im Gegenteil ist das Fleisch der! Jmpfkalber voll verschiedenen Seiten besonders gesuckst, da die Tiere in der Llnstalt gut ernährt werden;mü) an Gewicht zunahmen. Diese ^chnahme betrug bis zu 5 Kg., int Durchschnitt 3 Kg." Dieser Satz wird in dein Bericht über das Jahr 1905 fast wörtlich wiederholt.
Kopf der jungen Frau immer an derselben Stelle durchschnittest wird, daß sich dagegen aus dem Pariser Exemplar eine bedeutende Abweichung findet. Ter beste Bctveis für die Echtheit des Berliner W/tteau sei aber wohl darin zu sehen, daß aus ihm wie auf den beiden genannten authentischen Wiedergaben das von den Arbeitern in die Kiste geschaffte Bild gerade hineingeht, während es auf dem Pariser Exemplare etwas schief gehalten werden muß, um in der Kiste Platz zu finden.
r- Der freie Hals — die Mode des Sommers. Verständige Frauen, die sich dem Zwang der Aiode nur ungern unterwerfen, ahnen auf. Ter hohe Kragen, der den Hals bis l-och hinauf eng umschloß, wird mit den ersten, warmen Frühlingstagen verschwinden. Was haben sie unter diesen Uniformfragen gelitten! Nicht nur, daß' er die anmutigen Linien des Halses versteckte, nicht nur, daß er die Freiheit der Bewegung hemmte, — der hohe Kragen mackste auch beständige Mühe und Arbeit. Bald war er von aufstoßenden Haaren „schanuddlig" geworden, bald waren die Einlagestäbe, die ihn aufreckst erhielten, durchgestoßen. Selten saß er vorschriftsnräßig, — schloß der oberste Haken, so öffnete sich der unterste, und war der unterste Haken glücklich in der Oese, so sprang der «oberste wieder auf. Und .mit diesem hohen Kragen hing das ganze Elend des Rücken - schlufses der Blusen und Taitlen eng zusammen, — niemals wäre die Mode trotz ihrer Lannen auf den Gedanken gekommen, Kleiderschlüsse an Stellen anzubringen, die auch Schlangenmenschen nur unter Schwierigkeiten erreichen können, tot rat der hohe Kragen »lickst ben Rückeilschluß verlangt hätte. Unter dem Kinn sollte er glatt und faltenlos anliegen, folglich mußte er ürt Nacken geschlossen werden, nnb die Taillen mußte sich dieser Forderung anpassen, — ohne Kammcrjungfer war es bat Frauen fast unmöglich geworden, sich alt- ober ausznkleiben. Wo die Kammer- jungfer fehlte, mußte der Gatte entspringen, — wenn er sich ungeschickt zeigte, erntete er statt des Dankes 23onmii|C. Und Frauen, die weder über eine zhammerjungser noch über einen Gatten verfügten, blieb nichts anderes übrig, als dat Mantel über die ungehtöVitc Bluse zu ziehen und sich die Bluse unte r wegs v o it einer Bekannten schließen zu lassen. Zn Berlin sollen die Psörtner in vielen Häusern zu diesem Liebesdienst hcraitgezogen irorben sein, — sie sind also vielleicht die eiitzigat, die dc»st ho hat Kragen irachtrauerit lv-erden. Krause Löckck>en werden sich »uieber über dem blvßat Hals ringeln, der Kops wird sich wieder zwanglos und frei beioegen können, und wenn die schöne Agnes Bernaner mit der wirten Haut wieder lebciwig »vürde, würde man wieder den toten Mein durch ihre Küste rinnen sehen, — wenn ihr- Zeitgenossen nämlich nicht übertrieben Haven!
öcnmKMes.
• Am Oster - Sonntag verzeichneten die Instrumente der Straßburger Erdbebenwarte ein mäßig starkes Erdbeben, besten Herb ganz nahe bei Straßburg gelegen sein muß. Die erste»» Vorläufer setzten abenbs um 6 Uhr 53 Alin. 19 Sek. ein; bas Hauptbeben begann 4 Sekunden später und um 53 Min. 54 Sek. erreichte die Aufzeichnung ihr Ende. Tie Kaiser!. Haupt- Itatiou s»"»r Erdbebenforschung in Straßbrirg bittet alle, die das Erdbeben bemerkt haben, um möglichst genaue Mitteilung ihrer Beobachtungen.
Einträgliche Genealogie. Dtirch die Aufdeckrmg der großen Unterschlagungen, deren sich der französische Beamte Dliez schlildig »nachte, der die Liquidation der Kircheugüler durch- sühren sollte, hat man von dem Bestehen eines eigenartigen Berriics erfahren. In Paris leben etiva ein Tutzend Genealogen, die »nil der Ausstellung alter Stammbäume schöne Emnah»nen erzielen. Ihr Berus ist freilich nicht dornenlos, denn sie müssen täglich eine ebenso anstrengende wie langweilige Lektüre bewältigen: der Genealoge muß alle Zeitlingen mit allen amtlichen und gerichtlichen Nachrichten genau durcharbeilen. Wenn er dabei liest, baß irgenbwo in der Welt em Herr von Soundso geflorbcit ist, ohne Erben zu hinterlassen, so beginnt die Arbeit des Genealogen. Er ivendet sich an feine Mitarbeiter, studiert bei» Stammbaum beö Verblichenen und wischt so lange, bis er die Erbe»» entdeckt hat, denen er daun vorschlägt: „Soll ich Ihnen die Mittel verschaffen, eine Erbschaft vo»i der »mb der Höhe anzulrelen? Tann beanspruche ich 30 Prozent." In beit meinen Fällen ergreifen btc ahnungslosen Erben diese Gelegenheit, unverhostt Geld z»l bekommen, m»d der Genealoge verdient bann oft in kurzer Zeit ansehnliche Summen. Tazu treten noch die Erben, die sich an die Genealogen wenden, um das nötige Material zu beschaffen, damit sie ihren Anspruch auf die Erbschaft Nachweisen könnei», so daß die Pariser Stammbaumforscher über Mangel an lohnender Arbeit nicht klagen können.
Infolge einer Explosion im Karbidwerk Bei Mühl- thal flog ein großer Turm in die Lust, wobei ein Arbeite« getötet wurde.
Die Züricher Bezirksanwaltschaft ließ die in München »vvh- nende Gräfin Schönborn-Buchheim, geborene Prinzessin Katocuzene, verhaften und verlangt ihre Auslieferung. Tic Verhaftete soll im Jahre 1906 in Zürich eine Viertelmillion unterschlagen haben.
Der Schnelldampfer „Kronprinzessin Geeilte" des Norddeutschen Lloyd, der von einer Rei,e von Newyork am 28. März «um 4 Uhr 45 vormittags in Plymouth eintraf, erzielte nus dieser Reise eine Gesamtdurchschnittsgeschwindig- feit von 23.58 Seemeilen, womit er seinen bisherigen Wettsteg von 23.50 Seemeilen schlug.
Märkte.
O SauBadj, 29. März. Ein lebhaftes Getriebe herrschte auf deut heutigen S ch w e i n e m a r k t e. Aufaetrieben waren 248 Stück Jungschweine. Das Paar Läliier stellte sich auf 70 bis 80 Alk. Fast sämtliche Ware »vurde abgesctzt.
A Blcichenbach, 29. März. Das rauhe Wetter war für die Anfahr zum heutigen Schweinemarkt nicht günstig, fast nur die Hälfte der Schweine gegen früher waren abgetrieben. Ter Handel war schleppend, er bewegte sich mir unter spärlich vor- banbenen Käufern, Bauersleuten aus bet nächsten Umgebung, pandler waren gar nicht vertreten. Tte Preise waren außergewöhnlich hoch. 48—50 Mark für kaum 6 Wochen alte Ferkel waren durchgängig die Norm. Einleger waren nicht aufgetrieben. Trotz J>er hohen Preise wurde zieinUch verkauft. Tie Preise für fette Schweine sind rückgängig, 64—66 Pfg. wurden pro Pfand Schlachtgewicht bezahlt. Tie Kartostelpreise flehen »veil unter den Herbsipreisen, das Alalter gilt 3,80 Alk. bis 4 Alk.
* Unter eigentümlichen Umständen hat ein zweijähriger Knabe namens John 9)lilligan in Glasgow den Tod gesunden. Das Kind, das nut seinen Eltern in demselben Bett ichließ »vurde am Samstag, wie gewöhnlich, zur Nlihe gelegt und »ach einer Weile begaben sich and) die Eltern zur Ruhe. Ter Baler legte eine Ileme Flasche mit Whisky unter das Kopfkissen, wie er es gewöhnlich lat. Aut Sonntag morgen wachte er auf und sah, wie der Knabe die Whiskyflasche am Alimde hatte und den scharfen Schnaps in großen Zügen eiusog. Darauf »vurde es blau im Gesicht, konnte nicht mehr atmen, und bevor noch em Arzt Ijerbeigeljolt werden konnte, war der Tod bereits eingetreten.
* Kempinski. Ter kürzlich berftorbene ehemalig? HänÄlcr mit Ungarmcin, der sein Geschäft vor etwa 40 Jahr eia in befdjeibenftem Maß stabe im Zentrum Berlins eröffnete und 1889 das jetzige Stammhaus in der Leipziger Straße bezog, halte nicht die Absicht, die oberstem Vierhundert und die verwöhntesten Feinschmecker aller Länder zu Kunden zu gewinnen, sondern wollte dem Berliner Mittelstand ben häufigen Besuch eines Wein Hauses und beii wo hl sei neu Genuß der am lstiuslichen Herd und in den vornehmni Linben-Rechaurants nur den ivenigslen zugänglichen Telikatessen der jeiveiligen Saison crmöglidjeiL Sein Ziel errichte er, mic die „Köln. Ztg." schreibt, durch die Einrichtung^ seiner Speisekarte mit den drei Einheitspreisen von 30 Pfg., 75 Pfg. und 1,25 Mk., die wegen der sortichi'eitenden Verteuerung der meisten Lebensmittel in den letzten Jahren auf 35 Pfg., 80 Pfg. und 1,30 Mk. erhöbt wurden. Auch seine Austernpreife setzte Kempiiisli durchschnittlich um die Hälfte oder ein Tritlel billiger an als die anderen Weinrestaurants. Dazu kam im Lause der ÄatM die Einrichtung von Sfwzialplatten, praktischeii Kabaretts mit einem Fleisch- und Fischgericht und drei ober vier pikanten Beilagen, die bat gastronomischen Neuling ober notgedrungen Sparsamen bet Qnal der Wahl passeitber Zutaten unb Sonderausgaben enthoben. An diesen Einheitspreisen bat der alte Kem- pchsli mit unerschütterlicher Zähigkeit festgehalten. Tarik dem Einheitspreis lernte bei Kempinski mancher kleine Mann, der sich anderslvo an die Bestellung von Hummer oder Kaviar nicht traut, diese Delikatessen zum erstell M.ale in seinem Leben kennen, und manche sparsame Haussrau, die für den Restaurantbesuch onft nicht viel übrig hat, hielt es für keine Sünde, fonbern vielmehr für vorteilhaft für ihre Kasse, einen Logierbesuch bei Kemt- Piuski abzuspeisen oder »rach dem Tlieoter mit Kind unb Kegel dort das Abendbrot eiuzunehmen. Dem nickst unberechtigten weitverbreiteten Vorwurf, daß gegenüber den Speisen die Güte der Meine, zunral in der mittleren und niedrigen Preislage viel zu wünscheil übrig lasse, suchte die Firma im letzten Jahrzehnt durch unmittelbare Beteiligung an den rheinischen Weinversteigerungen unb große Ankäufe ganzen Kreszenzen zu begegnen. Turch die abwechselnde Einführung von .allerlei in- und ausländischLU. Leckereien unb Nachtischbissen kam der findige Gasvvirt den ver- chiedenen Geschmäcker»i entgegen, vor allem aber durch bie Schnelligkeit der Abfertigung unb Bedienung den Bedürfnissen des eiligen Geschäftsmannes und Reisenden, der unter einer großen Anzahl fertiger Platten zu wählen »vünscht. Eine für feine Gäste nicht minder nützliche Einrickstung hat er mit der Anordnung getroffen, baß Speisen, die einmal die Küche verlassen haben, nicht mehr in die Küche znrückgelangen dürfen, sondern zu dem Abfall geschüttet werden, aus dessen Verkauf zwecks Verwendung als Viehfutter ober zur Seifenfabrikation hie Firma nicht weniger als 20 000 Mark jährlich löst.
— Zur Psychologie der Zeugenaussagen. Aus Newyork wird berichtet: Pros. Mac Keever, der Psychologe der Kansas-Universität, hat lüngft, um die Unzuverlässigkeit der Zeugemmssagen bei raschen Vorgängen zu beweisen, mit seinen Studenten ein interessaiiles Experiment gemacht. Drei seiner Schüler müßten eine Raubszene vor fuhren, bei der mit Shuß- toaffen gedroht wurde, die andern sollten bann den geschauten Vorgang genau so beschreiben, wie sie ihn gesehen zu haben glaubten. Dabei stellte sich heraus, daß die Aussagen von der Wirklichkeit erheblich abwichen. Der wirkliche Vorgang war be- Eannt, berat alle Einzelheiten waren auf geschrieben, und die ganze Szene mehrmals sorgfältig geprobt. Tie 3ufd)iaucr hatten in ihrer Wiedergabe die Worbe, die gefallen iviarcn, durch andere ersetzt, die nickst einmal dasselbe ausdrückten, einige behaupteten, einer der Angreifer hätte mehrmals mit dem Revolver geschossen, was »tickst der Fäll war. Keiner batte bemerkt, daß, dem Revolver seilt wichtigster Bestandteil, die Tvonmtcl, fehlte. Tie Szene toar so angcorbnct, baß bie ZusckMuer immer nur einen der „Schauspieler" Ijatten sehen tonnen. Trotzdem machten sie entgegengesetzte Angaben. (Siner gab sogar dem einen „Räuber" einen Stock in bie Hand, von dem gar nickst bie Rede war. Wie unzuverlässig! Zeugenaussageit oft siitd, ist längst befaitiü; aus diesen Versucheit Prof. Mac Keevers aber ihre völlige Unbrauchbarkeit zu entnehmen, wäre natürlich sehr voreilig. Zu bemerken ist zu den Versuck>e»t noch, daß das Alter der Studetcken »ticht angegeben ist, und daß es sich nicht um unbefangene Zeugen Ijanbelt, berat es waren Schüler eines Psychologen, die jedenfalls wußten, daß ein Experiment mit ihnen gemackst werden sollte, ivenn sie auch nicht wissen Eoiuiten, worauf es abzielte. Es sei hierbei daran erinnert, daß vor einigen Jahren in Berlin Ge^imrat Prof, v. Liszt in seinem Strafrecht-Seminar von einigen feiner Schüler auch eine „ Revolverszene" bat vor führen lassen, die alle Un- eingetveihten für eckst gehalten Haden; als darauf zur Prüfung der Zuverlässigkeit der Zeugenaussagen der Vorgang schriftlich gesckstldert wurde, kam nicht ein einziger ganz fehlerfreier Bericht zustande, und die ungenauesten Beobackster hatten sogar übersehen, daß der gefährlickst Revolver eine harmlose Kinderpistole war.
Stiebte Tageochrottik.
Das von Hettingen mit der Post nach Würzburg gebende Automobil stürzte bei dem Einfahren in den Ort Höchstberg eine ',2 Meter hohe Böschung hinunter. Dabei wurden 36 Reisende zum Teil schwer verletzt.
In Dortmund wurden mehrere deutsche Bergleute von vier polnischen mit scharf geschliffenen Dolchen angegriffen. Einem deutschen Bergarbeiter wurde der Lord auf’ geickstcht, ein zweiter erhielt einen Stich yt die Lunge.
Familien-Nachrichten
G c b o r e »i e:
Hcrnr E. Neuenhage»r tn Romrod eine
Meteorologische Beobachtungen öer Station Gießen.
März
Wetter
■s
1910
Aiär-
Niedrigste
28.
hv4/a
Handel
Türkeulose . .
7 179.40
110.60
7-
22.20
16D.20
r
VWMi
Höchste Temperatur am 28.
4‘/,°/0 russ. Staatsaul. 1905 100.25
4*/,°/o Japan. Staatsanleihe 98.30 4% Conv.Türken von 1903 94.60
65.40
66.40
49.60
91.75
69.40
99.75
bis 29.
„ 29.
106.10 139.30
214 60 143.20 199.60 172.00 104.50
99.00 180.90 136.90 251.80 155.00 luu.90 165 50 214.30
Ele’-.triz. Lalnneycr . . 7 . Elektriz. S'i'buekert Eschweiler Bergwerk . . (iclseuldrcben Bergwerk . Hamburg- - Amerik. PaketL Harpener Berg werk Laurahütte . . . . * .
Nordd. Lloyd .r. . . . Obcrscbles. Eisen-Industrie
Chinesen
Aktien
Bochum Guss .
Buderus E. W./«**..*'.
Berliner Handelsgcs. Darmstädter Bank v. Deutsche Bank . . Deutsch 7Asiat. Bank Diskonto-Kommandit Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio
Eisenbahn Gotthardbahn . Lombard. Eisenbahn.
9345 84.85 93.45 84.80
92.20 91 50 99.80
98.50
95.20
4n/0 Griech. Monopol-Anl. ■.
4°/0 äussere Argentinier
3°/0 Mexikaner . -o,...,«. c.
Tendenz: abgeschwächt.
Berliner Börse, 29. März. .ViUnfit fu.
.it.^242.60
no.80
Harpener Bergwerk Laurahütte . . . . ;
Lombarden E. B. . _.
Nordd. Lloyd.. T.-'!
Türkculuse . t.; .
COo
Tochter.
Verlobte: Fräuleiir Ella Stamm mit Herrn Albert Fisch, beide in Bad-Nauheun. — Fräulein Elisabeth Beutel mit Herrn Jean Bechtold, beide in Bad-Nauheinr. — Fräulei»: Frieda Fuckert mit serrn Hugo Vogtmann, beibe m Friedberg. — Frt. Aiarltza Arnstein mit Herrn Ist Stahl, beide in Friedberg. — Frl. Alaria Scherf in Aschaffenburg mit Herrn Jean Törr in Frredberg. — Fräuleur Minna König in Enzhein» mit Herrn Wilhelm Trabandt
Telefonäsche
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und IndustrieV'Giessev.
Frankfurter Börse, 29. März, 1.1 i Uhr.
S-L c
-e'
KZ eo
200.90
174.60
22.00
105.00
178.70
Oesterr. Staatsbahn . " . y. 16ü.2u
Prince-Henri-Eisenbahn?. 135.00
in Klein-Karben. — Fräulein Alarie Appel in Rinderbügen mit Herrn Heinrich Schwarz in Büdingen. — Fräulein Wisa Roßbach in Laubach mit Herrn Karl Becker in Alzey. — Fräulein Ella Koch mit Herrn Karl Schuchard in Atsield. — Fräulein Luise Welker in AtSield mit Herrn Wilhelm Möller in Spangenberg. — Fräulein Klara ThltSnelda Pfaff in Stockhauseir mit Herrn Wilhelm Schöndorf in Ulin. — Fräulein Fr»eda Jserloh in Solinge,r mit Herrn Georg Hill in Alsfeld. — Fräulein Alarie Frischkörir tu Gelnhausen mit Herrn Karl Gniß in Schlitz. — F> äulein Alarie Grethe»» m Siegen mit Herrn Bernhardt Klumbeck in T»»iäburg.
G e st o r b e n e: Herr Johaimes Hartleb tu Darntstadt. — Fra»t A»»tonie Krebs, geb. Heeie, in Wetzlar. — Fra»l Luise Siebert, geb. Rohde, tu Marburg. — Frau Pauline Frank, geb. Heineberg, in Trier.
Tausendfach bewährte Nahrung bei:
Brechdurchfall,
-Kind.rm.hi Diarrhöe.
•Krantak.^ Darmkatarrh, etc.
Montecarlo und in Nizza ist man natürlich gegen Erkältung geschützt. Daheim im rauhen Norden aber muh man hübsch auf der -Hut fein und vor allem darf man Erkältungen im Anfang nicht vor- nachlässigen. Daö Wichtigste ist dann, daß man fick sofort in der nächsten Apotheke oder Drogerie für 85 Pfg. eine Schachtet Fans ächter Sodener Mineral Pastillen kauft und nach Vorschrift gebraucht. Hal man diese, dann kann man zur Not schon auf Nizza verzichten, und jedenfalls bleibt man auch bei der Anwendung von Fayö Sodener gesund. |ss4/i
•5 = 4- 8,9 °C.
----- — 2,9 eC.
Canada E. B.......182.—
Darmstädter Bank . ..c. . 137.40 Deutsche Bank . . . - . 252.90 Dortmunder-Union Ca*'.» . 94.90 Dresdner Bank . . 166.00
Tendenz: behauptet.
3Keichsanleihe 75?.
3°/n • do.
3'/,°/o Konsols MH..6.L.
3°/n « do. .Ää. i;.
3'/.;Vn Hessen
3*/iu|n Oberhessen
4"ln Oesterr. Goldrente .v». 4*/67o Oesterr. Silberrentc.' 4U/O IJngar. Goldrente .Ä.: 4°/0 Italien. Rente .
3°/0 Portugiesen Serie I .i 3% Portugiesen ■ „ III .
1/ ■ ■ ■ liefert billigst die BrühPsche
KliVPnQ mnt r irmil Universitäts-Buch-undStein- IVUWUI IO lllll I lllllU druckerei,Gießen,Scbulstr.7
29.
2”
757,0
8,8
4,8
56
N
4
7
Bem. Himmel
29.
757,7
3,5
5,0
85
E
o
0
KlarerHimmel
30.
7"
752,9
3,9
4,6
75
NW
2
10
Bed. Himmel
J


