Ausgabe 
4.4.1910 Erstes Blatt
 
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ShSmail £)<rtri Bey von Ipek in Begleitung des Majors Roschdi Bey em einem albanesischen Bey von Ipek gehörendes Haus verließen, wo sic eine gerichtliche Untersuchung vor gmommen Hutten, wurden von llnbefcrmiten Schüsse a u s sie abgegeben. Roschdi Bey b r a d; tot zusammen Mutessaris wurde verwundet, aber in Sicherheit gebracht. Durch den Mvrdanschlag in Ipek, der reaktionären Machenschaften zu­geschrieben wird, ist die dortige Bevölkerung in großen Schrecken versetzt. 'Die Bazare sind geschlossen. Die Einwohnerschaft be wafsnete sich). Die Regierung entsendet vier Bataillone nach Ipek, über das erforderlichen Falles der Belagerungszustand der- fügt werden soll.

'2er König von Serbien ist am Sonntag vormittag in Konstantinopel eingettossen und am Bahnhofe vom Sultan, dem Thronfolger und den Ministern empfangen worden. 'Der Sultan verlieh dem König den Hanedan-Ordeu, der König von Serbien dem Sultan und dem Thronfolger den Stern zum Karageorg-Orden in Brillanten.

£ente des Mullahs von Somali tötete n, wie aus Aden gemeldet wird, 800 Angehörige der england freundlichen Stämme und raubten ihr Vieh. Die Stämme fliehen nach der Küste.

'DerNewyork Herold" meldet aus Kaiyuanfu, daß bei einem Zusammenstoß zwischen Opiumpflanzern und So l - daten in der Provinz Shansi sechzig Menschen getötet und viele verwundet wurden. Ter Zusammenstoß sei das Ereignis der strengen Maßregeln zur Verhinderung der Opiumkultur.

Ans Stabt nnd Land.

Gießen, 4. April 1910.

** Tageskalender für Montag, 4. Avril: Vortrag von Frl. Büttner au-5 Hannover: Fröhlicher Unterricht. Nach­mittags 5 Uhr int Hotel Schütz.

In Audienz empfangen wurde vom Groß- Herzog am Samtztag u. a. Kreisrat Schliephake von Friedberg.

Justizpersonalicn. Der Großherzog hat den OberlandesgerichtSrat bei dem Oberlandesgericht in Darm­stadt Karl Theobald zum Präsidenten des Landgerichts der Provinz Starkenburg ernannt und den Amtsrichter bei dem Amtsgericht WormS Jobs. Gluckert auf sein Nach­suchen seines Dienstes entlassen.

**Lehrerpcrsonalien. Ernannt wurde der Real- tehrer an der Realschule zu Wimpfen Friedr. Frank zum Reallehrer an der Oberrealschulc zu Darmstadt, der Real­lehrer an dem Gymnasium zu Offenbach .Karl Gödtel zum Realtehrer an der Realschule zu Wimpfen, der Real- lehrer an der Obcrrealschule zu Darmstadt Karl Ost zum Reallehrer an der Oberrcatsule zu Darmstadt und der Leyrer an der Ernst Ludwig-Schule zu Bad-Nauheim Friedr. Wal­ther zum Rcallchrer an dem Gymnasium zu Offenbach, unter Belassung in der Kategorie der Votksschullehrcr. Er­ledigt sind: Tie mit einem tarh. Lehrer zu besetzende dritte Lehrerstellc an der Gcmeindeschule zu Münster (Kreis Dieburg). Dem Fürsten zu Jsenburg-Birstein steht das Präsentatinosrecht zu. Eine mit einem cvang. Lehrer zu besetzende Lehrerstellc an der Gcmeindeschule zu Schaaf­heim. Mit der Stelle kann O^ganistendienst verbunden werden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle zu Falken-Gesäß.

** H e s s i s ch e A s s c s s o r e n i m B a h n d i e n st. Bon der Vormerkung von Assessoren für hessische Stel­len in der .Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft wird, wie dieTarmst. Ztg." von zuständiger Stelle erfährr, in Zukunft abgesehen wci'den. Dagegen wird zur Meldung für diesen Dienst öffentlich aufgefordert werden, sobald ein hessischer Assessor zur Ausbildung einberufen werden kann. Die Möglich leit hierzu wird sich voraussichtlich erst in crwa 2 Jahren ergeben.

** Der angekündigte Streik in den hessi­schen Jrrenan st alten ist nicht eingetreten und es »dürfte dazu auch nicht kommen, da infolge der letzten in Worms abgehaltenen Besprechungen die ruhigeren Elemente die Oberhand behalten haben, so daß die baldige vollständige Beilegung des Zwistes bei einigem Entgegenkommen auf beiden Seiten wohl zu erwarten ist. Ferner sei mitgeteilt, daß von einer Abgabe militärischer Sanitätsmannschastcn für den Dienst in den Irrenanstalten nicht die Rede war, da in den einzelnen Garnisonlazaretten nicht mehr Sanitäts­soldaten ausgebildet und vorhanden sind, als benötigt sind.

** Ein ober hessisch es Bauernfest wurde in einer Sitzung mehrerer Vertreter landwirtschaftlicher Kreise

Mumien als Heilmittel.

Zu den seltsamsten Arzcneien des Mittelalters gehört neben Froschlaich, Sargsplittern und Armesünderblul auch die Verwen­dung von Mumien. Es gab deren, wie der Bonner Aegyptologe Professor Wiedemann in derZeitschrift) des Vereins für rheinische und westfälische Volkskunde" ausführt, zwei Sorten, echte und künstliche". Die echten sind altägyptische Mumien, die nach­gemachten eingetrocknete, womöglich noch besonders hergerichtete Menschenleiber. 'Die echten Mumien gelangten durch die Araber nach Europa: sie fandeii sie beim Ausrauben der Pyramiden und erkannten, daß die einbalsamierten Leiber mit Asphalt be­handelt worden waren, dem man seit den ältesten Zeiten eine besondere Heilkraft zuschrieb: schon Galen und andere griechische Schriftsteller nannten ihn als Mittel gegen Husten, Ausschlag, Gicht, Epilepsie, Eiterungen und andere Krankheiten. Asphalt aber, der Jahrtausende hindurch mit dem menschlichen Körper sich vermischt hatte, mußte gemäß uralt-orientalischer Tradition eine ganz be­sondere Wirkung haben.

Das Wort Mumie selbst ist denn auch seinem Ursprung nach der persisch-arabische Ausdruck für Asphalt: erst später wurde er erweitert auf die einbalsamierten Körper selbst bezogen. In Per­sien war die Heilwirkung der Ääumie so sehr geschätzt, daß dev Schah fremden Souveränen als besondere Auszeichnung Mumien- teile schickte. Ludwig XIV. und Katharina II. erhielten goldene <5&ad)tcin, die damit gefüllt waren, und noch 1809 wurde der Königin Charlotte von England eine. Dosis Mumie gesandt. Neben dieser «hten uralten Mumie gab es noch eine nachgemachte, zu deren Herstellung schon ein hanüschriftticher Kommentar zu dem perpscheu Alexandergedicht des Nimmt ein Rezept gab. Es lautet: Man nehme einen rötlichen, rothaarigen Menschen und ernähre ihn vis zum 30. Lebensiahre mit Früchten. Dann ertränke man ihn in einem Steingefäß, das mit Honig und Drogen gefüllt sei und verriegele das Gesäß: wenn man es nach 120 Jahren: wieder öffne, so ist aus dem Leickmam und dem Honig Mumie geworden. Aber auch die medizinische Wissenschaft beö Okzident net, da die echten zu selten waren, zur Herstellung lünstlicher Mumien. Andreas Matteoli zum Beispiel, der Versasser berühmter medizinischer Bücher, schlug vor, die, Leichen der in den Hospitälern Verstorbenen mit Myrrhen und Krokus zu behandeln und als Mumie zu verwenden. Sogar und vor allem aber befaßte sich Paracelsus mit künstlicher Mumie. Am wirksamsten ist nach seiner Lehre der in der Luft zur Mumie gewordene Leib:Das ist der Leib, der an dem Lufft oder im Lufft zu einer Muntta ist ge, worden: Der Mensch der erhängt, gespießt oder gcrabbredit ist moram: denn er stirbt am Lufft, und im Lufft ist sein Grab und Verwesung. Und dieses lind die Constellirten Mumia, darinn das Ober Gestirn gcroaltiglidi Jmprimiert und Jusluiert. Und ."'ld. Mond bescheinet, ist er in seiner höchsten Exaltation, und in Krefften und Tugenden gar wunderbarlich."

beschlossen. Es soll am ö. und 6. Juni in Ober-Wid- dersheirn bei Hungen fhrttfinben.

** Die Schulen haben heute wieder den Unterricht und damit das neue Schuljahr begonnen.

** Ein Ballon, der aus der Richtung des Schiffen- berger Waldes kam, überflog gestern nm die Mittagszeit den Trieb.

** Jubiläums-Pferdemarkt. Die Ehrenpreise für das am Mittwoch nachmittag an der Hardt stattfindenoe Reiterfest sind im Schaufenster der Firma Karl Stückrath, Seltersweg, ausgestellt. Der Pferdemarkt-Verein Darm­stadt hat noch für das landwirtschaftliche Trabreiten einen Ehrenpreis gestiftet. Auf der Remistrecke wie auf der Uni­versitäts-Reitbahn kann man beobachten, wie die Reiter ihre Tiere über die Hindernisse üben. In der Hauptsache wird sich das Reiterfest auf der Radrennbahn und dessen Umgebung abspieten, doch gehen die einzelnen Rennen auch tveit darüber hinaus und bewegen sich aus der Bahn, hinauf auf die Terrasse, diese etwa auf halber Höhe entlang, wieder zu Tal auf der Straße, dsie an der Hardt in das Neu-f städter (Krofdorfer) Feld führt, um dann im Bogen über die Krofdorfer Straße hinaus, wieder auf dem Startplatz zu enden. Auch die Vorführung von Pferden und Herr­schafts-Equipagen, Geschäfts- uno landwirtschaftlichen Wa­gen wird sich glänzend gestalten. Wenn der Himmel ein freundliches Gesick)t macht, kann es L>ei der in Aussicht stehenden Beteiligung nicht ausbleiben, daß das erste Reiter­fest in Gießen befriedigend verlaufen wird. Tie aus­führlichen Programme für das Sportfest sind von morgen ab in der Zigarrenhandlung von Buchacker zum Preise von 30 Pfg. zu haben, ebenso am Mittwoch auf dem Festplatz.

** Vom Kolosseum wird uns geschrieben: Das Beste, was seit langer Zeit geboten wurde, ist unstreitig Madame Stefanie, die Primadonna des Kais. Königl. Theaters in Wien. In dieser Dame lernt das Publikum eine Sängerin kennen, wie man ihr mit ähnlich großen/ künstlerisch durchbildeten Mitteln selbst an einer Opernbühne wohl selten begegnet. Die Stimme der Künstlerin ist von außerordentlicher Klangschönheit, sie besitzt ungemein war­mes Empfinden und reiche Ausdrucksfähigt'cit. Die Zuhörer zeigten sich entzückt von dem herrlichen Gesang und spen­deten der Sängerin stürmischen Beifall. Auch die übrigen Tarsteller in dem Sketch verdienen Anerkennung. Willy Hellmitz gab den eifersüchtigen Gatten sehr gewandt und Renate Delmar als Zofe war reizend in ihrer Rolle.

** Besitzwechsel. Das Anwesen der Frau Gerber Ploch Wttv., Großer Steinweg 22, ging für 31000 Mk. durch Kauf an Frau Fabrikant Halm Wtw. über.

Hessische Domänenmeine wurden auch von einer hiesigen Wein Handlung gesteigert, nämlich ein Halbstück St. Albahn Nießling.

A Schotten, 3. April. Eine neue Schulklasse ivird von morgen ab an unserer Volksschule errichtet. Die neue (fünfte) Stelle wurde dem Schulverwalter W. Lenz aus Klein-Linden übertragen. Auch im nahen Rudingshain tritt heute eine neue, und zwar die zweite Lehrerstelle in Kraft. . Der neue Lehrer Schaf aus Heimertshausen traf heute ein.

r. Lauterbach, 2. April. Eine öffentliche Sitzung des Kreistages fand heute im Kreisamtsgebäude statt. Nach Erledigung bczw. Genehmigung der Prüfung und statt. Nach Erledigung bzw. Genehmigung der Prüfung und Begut­achtung der Kreiskassenreckniung und des Berwalttmgsberichts für baltungs- und Koch schule beschlossen. Ferner wurde der Voranschlag der Krciskassc für 1910 genehmigt, der mit 228,893 Mk 3G Pfg. abschließt. Hierbei sind u. a. für die restliche Befesttgung mit Klempflafter der Bahnhofsttaße in Lauterbach 8000 Mark in Ausgabe gestellt, während eigentliche Straßenneubanten für 1910 nicht vorgesehen sind. Die Sttaße Obersükendorf-Untcrsicken- dorf-Allmenrod soll auf Nachsuchen der betreffenden Gemeinden mit Unterstützung des Kreises bezw. der Provinz ausgebaut und damit eine direkte Verbindung Wallenrod-Allmenrod geschaffen werden. Herr Boreen-Lauterbach legt sein Amt als Kreisausschuß­mitglied nieder. Rittmeister Freiherr Riedesel zu Erfenbach wurde dafür als Mitglied des Kreisausschusses neugewählt.

X Helden bergen, 3. April. Zwischen Hcldenbergen und Erbstadt der Sttecke FriedbergHanau stürzte heute vormittag ein achtjähriger Knabe, der mit seiner älteren Schwester reifte, aus dem fahrenden Eisenbahnzuge. Jedenfalls hatte er spielend die Wagentür geöffnet. Tie Notbremse wurde sofort gezogen und der Zug zum halten gebrndjt. Glücklicherweise hat der Knabe keine schweren Verletzungen erlitten. Er wurde in das Land­krankenhaus nach Hanau gebracht.

Moch die meisten Aerzte des 18. Jahrhunderts haben die echte und künstliche Mumie empfohlen; bis 1843 sand manägyptische Mumie" in österreichischen Apotheken, und 1855 fand man in der Apotheke zu Trettnang bei Friedrichshafen unter den seit einigen Jahren zurückgestellten Sachen auch Mumienstücke. Fk.

Aus der deutschen U niversitätsstackisti k. Jin vorigen Jahre hat die zweitälteste Universität des deutscher Reiches, Leipzig, ihr 500 jähriges Bestehen glanzvoll gefeiert, in diesem Jahre rüstet eine der jüngsten, deren Errichtung zur Wieder­erweckung deutschen Mutes und deutsck^r Kraft beitragen sollte, Berlin, sich zum Feste des hundertsten Geburtstages. Aus diesem Anlasse werden auch einige Zahlen über den heutigen Stand der 21 Universitäten unseres Vaterlandes nicht unwinlbmmen sein. Wie toon angeführt, 's st Leipzig die zweitbeste Universität in Teutschland: ihre ersten Studenten wanderten zum' großen Teil cais der 1348 gegründeten Universität Prag ein, aW dort nationale Streitigkeiten ausgebwchen waren. .Heute wir führen nach K. Knabes BüchleinDas deutsck)e Unterrichtswefen der 6>cgeniuart" die Zahlen vom Sommersemester 1909 an steht Leipzig, der Zahl der Studierenden und der Dozenten noch, an dritter Stelle; es zählt 4581 Studierende und 233 Tvzenten. An erster Stelle ist natürlich Berlin, das, als Reichshauptstadt, auch auf die Aus­länder eine bedeutende Anziehungskraft ausübt, w-ie auch« die Zahl der studierenden Frauen recht stattlich ist: die Gesamtzahl der Studierenden beläuft sich, auf 7194, zu deren Unterweisung 488 Dozenten vorhanden sind, so daß ungefähr auf 15 Studenten ein Dozent kommt. München, 1826 gegründet und die jüngste bcutfdx* Universität, abgesehen von dem erst 1902 zur vollen Universität erhobenen Münster, dessen Hochschule ober bis 1786 zurückreicht, stand mit 6547 Studenten Berlin nur um etwa ein halbes Tausend nach: dagegen betrug die Zahl der Dozenten nur 250. Mehr als 3000, nämlich 3801 Studierende hat die zweitjüngstc Universität Bonn, deren Lehrerschast sich auf 196 beläuft. Sechs Universitäten zählen mehr a.s 2000 Studenten: Freiburg i. Br. 2760, Breslau 2317, Halle 2310, Göttingen 2289, Heidelberg, 1385 gegründet nnd die älteste deutsche Universität, 2171 und Marburg 2134. Straßburg, dessen Hochschule schon im Jahre 1621 begründet worden ift, die aber als deutsche Universität jetzt erst 38!Jahre zählt, battr un vorigen Jahre 1935 Studierende: fast ebensoviel, 1921, wies Tübingen ^auf: ein ziemlich schnelles Wachstum zeigt Münster mit 1/60 Studenten: auffällig ist die Verschieden heil in der Zahl der Dozenten bei diesen drei Hochschulen: den 170 Straßburgern flehen 112 Tübinger und nur 92 MÜnstcwer gegenüber. Di" genngftc Frequenz weist nach immer die l»0 Jahre nach Leipzig begründete mecklenburgische alma matcr Rostock aus: hier werden 713 Studierende von 67 Dozenten betreut. Greifswald, das auch jdi^u^das ehrwürdige Alter von 454 Jahren hat, zahlte wenigstens 967 -studentm und 106 Dozenten. Es sind die beiden einzigen

= Wißmar, 3. April. Die hiesige J'agd ist noch nicht verpachtet. Weder dem Angebot auf die Wald- jagd mit 1000 Mk., noch demjenigen auf die Feldjagd Wiß­mar mit 430 Mk. wurde bis jetzt der Zuschlag erteilt und er wird auch wegen der zu niedrigen Gebote nicht erteilt werden. Der Pachtpreis der Wald- imb Feldjagd betrug bisher 3000 Mk. jährlich. Der Jagdbezirk hat neben einer guten Feld- und Wasscrjagd in seinem 700 Hektar großen geschlossenen Wald, der sich an ausgedehnte Staats- und Gemcindervaldungen anschließt, einen guten Rotwild- und Rehbestand.

[] 'IW ar bürg, 2. April. Der Kreistag hielt heute unter dem Vorsitz de§ Landrats v. Negelein eine Sitzung ab. U. a. wurde der KreiShauShaltetat beraten u. mit 348 254 Mk. festgesetzt. An Kreissteuern sind insgesamt 166 500 Mk. auf­zubringen, das sind 20 Proz. Kreissteuern und 10 Proz. Bezirksabgaben. Als neue Einnahmequellen gelten die Kreis- Umsatzsteuern und die Hundesteuer. Der Voranschlag der Kreisbahn MarburgDreihausen schließt ab mit 77 880 Mk. Einnahmen und 67 850 Mk. Ausgaben, so daß der Kreis zur Verzinsung und Abtragung des Baukapitals rund 41 305 Mk. an Steuern aufzubringen, bezw. zuzulegen hat. Bei der Ge­legenheit wurde auch darauf hingewiesen, daß die Verhand­lungen wegen Weiterführung der Bahn nach der Station Mücke an der Bahn GießenFulda mit der hessischen Re­gierung im Gange seien und jedenfalls bald zu einer befrie­digenden Lösung führten.

w. Frankfurt a. M, 3. April. Tas Automobil des Fabrikanten Otto Rasche stieß heute mittag in der Kälbachergasse mit einer Herrschaftschaise so heftig zusam­men, daß Rasche herausgeschleudert wurde und be­sinnungslos liegen blieb. Er trug neben schweren inneren Verletzungen eine Gehirnerschütterung davon, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.

W. Siegen, 2. April. Heute nachmittag 21/» Uhr wurden auf dem Bahnhose Wehbach der Kleinbahn KirnenFreudenberg durch die Einfahrt des Personenzuaes 140# infolge un zeitig er Entriegelung und Umstellung der Weiche die fünf letzten Wagen des Zuges in ein Nebengeleise abgelenkt und gegen dort aufgestellte Lokomotiven geworfen, wobei drei Personenwagen entgleisten und er­heblich beschädigt wurden. Zwei Reisende wurden schwer, drei andere und ein Sck)afftier geringfügig verletzt. Aerzt- liche Hilfe war sofort zur Stelle. Tie Schwerverletzten wurden in das Krankenhaus zu Kirchen gebracht.

<ßcrtd?tsi<iaL

L. L. Darmstadt, 2. April. Der 26 Jahre alte Arbeiter Rudolf Genzheimer aus (ließen stahl in der Nack;t auf den 10. Januar bei einer Tanzmusik in der LudivigShalle einen Ueber- zieher. Trotz Leugnens wurde er für überführt erachtet und, da es sich um Nückfallsdiebstahl handelt, von der Strafkammer zu 1 Jahr 4 Monate Gefängnis, abzüglich 1 Monat für Untersuchungshaft verurteilt.

Opfer der Lüfte.

Der BallonPommern" unterqegangen.

Noch haben sich die GäNrüter über das schreckliche Unglück ibei Mülheim nicht beruhigt und idjon Meldet drst Draht ein neues entsetzc'nsvMes Unheil, wie es dem modernen Verkehr von allen Seiten droht. Der BallonPommern", der gestern vor­mittag unter Führung des Rcichstagsabgevrdneten Tr. D> e ( b r ü ck in Stettin anfgestiegen wär, ist nach einer kurzen, aber ver­hängnisvollen Fahrt, wobei die Teilnehmer teils sehr schwer verletzt wurden, teils ertranken, im Hafen von Saß­nitz untergegangen. Seither liegen folgend? Nachridsten Dor:

Saßnitz, 3. April, 2 nachm. Heute mittag 11 _ Uhr ist der BallonPommern", der heute früh in Stettin auf- gestiegen war, gegenüber dem Herrenbad in die Ostsee ge­fallen. In der Gondel befanden sich vier Perso-nen, darunter der Reichstagsabgevrdnete Delbrück-Stettin. Bisher wurden zwei gerettet, einer brach den Fuß, der andere er hielt eine schwere Kopfwunde und ist besimmngslos. Die Feh­lenden zw'Li tverden noch gesucht.

Die Schreckensfahrt.

Stettin, 3. April. Die beiden ausgefundcmm Insassen des in die Ostsee gefallenen Ballons sind der Kaufrnamr Hein und der Bankbeamte Semmel hack. Hein ist tot, Semmelhack hat, wie bereits gemeldet, ein Bein g>eb rochen. Die beiden anderen nod; Vermißten sind der R c i ch sck a g s a b ge o r d n e t e Delbrück und Stadtbaurat B e n d u h n. Tas Unglück ereignete sich 1000 Meter vom Lande.

Stettin, 3. April. Ueber den MsMeg des verunglückten deutschen Hockstchülen, deren Studentenschaft sich auf weniger als 1000 Häupter beläuft. Die Gesamtheit der Dozenten betrag 3403; unter ihnen waren 1229 ordentliche, 119 Honorarprofessoren, 741 außerordentliche Professoren und 1097 Privatdozentew

; Ainus in London. Tie japanisch-britische Astsstsl- lüng in London, die demnächst eröffnet werden soll, wird auch einige Vertreter der japanischen Urbevölkerung^ aufweisen. Diese Ainus, die heute noch in spärlicher Anzahl vorhandenen 11 rein =1 wohner des Landes der ausgehenden Sonne, werden auch Haar- menfchen genannt, w«eil sie unter allen Völkern der Welt die stärkste Behaarung aujweisen. Wenige Tausende dieser starken, kleinen und wilden Rafse leben noch auf den. ziemlich unbcfanntenl Inseln des nördlichen Japan, wo sie mit Fischen und Jageü kümmerlich ihre Nahrung finden. Sechs solcher Ainus sind nun unterwegs, um auf der Ausstellung die Urahnen des heutigen Japaners darzustellen. Ein anderes interessantes ethnologisches' Scharispiel wird durch die Vorführung einer .^Familie" der Ur­einwohner mit Formosa geboten; es sind 24 Personen, darunter eine Anzahl von Mädchen. Unter den anderen beachtens'-perten. Erscheinungen der Ausstellung befinden sich auch 50 japanische Ringer, die sich in Japan Ruhm ertolorben haben und in Preis­ringkämpfen auftreten werden.

Rotes Wasser. 'DerKosmoshandweis^ berichtet hierüber: Jedermann weiß, daß das lange, schmale Meer zwischen Arabien und Afrika dasrote" Meer heißt. Die große Mehrzahl der 2300 000 Reisenden, die alljährlich diesen Weg nach Ost­indien und Oftasien zurücklegen, wird aber diese Bezeichnungf für ganz unbegründet erklären. Nichtsdestoweniger ereignet es sich bei ganz stillem Wetter, daß große Strecken dieses Meeres/ mit einer rötlichen oder gelblichen Farbenschicht überzogen werden, so daß man den Eindruck hat, als fahre dos Schiff durch Blut> Wer diesen eigenartigen Anblick einmal gehabt hat, vergißt ihn so leicht nicht wieder. Dicht an der .Küste, namentlich in den! geschützten Buchten, ist die rötliche Farbe ganz allgemein. 'Diese seltsame Erscheinung rührt von einer mikroskopisck)en Alae her, die int Wasser oft in ungeheuren Mengen Dorfomnit, vielfach in ausgelöstem ober schon verfaultem Zustande. Auch an der inhifdjen Küste hat man diese Rotfärbung schon beobachtet, und ebenso vor einigen Jahren nn einem ganz entgegengesetzten Punkte der Erde, nämlich bei Rhode Island in Nordamerika. Die Algeti traten dort in solchen Mengen aus, daß das Wa'ser undurchsichtig wurde, und die verfaulten Pflanzeiimengen verbreiteten einen widerlichen Geruch, wahrend zugleich viele Fische abslarben, eine Ersckfeinung, die üud) im roten Meere schon öfters beobackstet wurde. Der Gedanke, daß die erste der ägyptischen Plagen, von der im zweiten Buck) Moses, Kapitel 7, die Rede ist, derselben Ursache eiitsprach, liegt nahe.

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Üeblon bolliüljttc trotz das Meer, als der 5fußi jagte und aus großer S war auf der Stelle tot

San Sebastian, denselben UugaMrat bi habe. Infolge einer B ckpvaral zuerst und sti Schnelligkeit in die Sei von bem aus ihn falle: erfolgte josori. Lie Uhr stehen. 2er Vcrunglüci ungeheure Menge versc dem Ausstieg bei, unb r an das User wo man ii man sie vorerst zurück, wobei iirf) eine herzzen Nichte den AugapWal

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