Tlv. 28 Erstes Blatt 16V. Jahrgang Donnerstag 3. Februar INI0
Der Siebener Anzeiger __ vezugoprei.»:
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=S= General-Anzeiger für Oberheffen UM
Annahme von Anzeigen tf I • » I u. Land" und ^GertchtS-
oorn^ttaA"s'E HotationsbriKf mtb Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. NedaMon. (Erpeöttion und vruckerei: 5chulstratze 7. Anzeigenreck?'^^BeL
Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.
Zur Umgestaltung öes hessischen rokalkaffenwesenr
Unsere bisherigen Artikel haben eine ganze Anzahl von Zuschriften veranlaßt, die teils Zustimmung, teils Bedenken und Ersatzvorschläge äußern. So wird uns aus Darmstadt zur Frage der Aufhebung der staatlichen Untererhebstellen geschrieben:
In Ihrem Artikel wird versucht, die Feststellungen in Nr. 14 der Darmstädter Zeitung, wonach bei einer Aufhebung der staatlichen Untererhebstellen und deren Ersatz durch B e z i r ks k a s s e n im günittgften Falle lgartz Abgesehen von den Nachteilen für die ländliche Bevölkerung) 25 773 Mk. gespart werden könnten, als auf schwachen Fußen stehend hinzustellen. Abgesehen von der Wiederherstellung der 18 im Jahre 1900 aufgehobenen Bczirks- kassen würde es sich wohl kaum umgehen lassen, etwa für folgende volkreiche Gemeinden mit stark wachsender Bevölkerung neue Be S'Massen zu errichten: Neu-Isenburg, Bieber, Bürgel oder iühlheirn, Groß-Steinheim, Rüsselsheim oder Bischofsheim, Mombach, Gonsenheim, Bretzenheim, Griesheim oder Arheilgen, Pfungstadt oder Eberstadt, Lorsch, Viernheim usw. Wollte man W die vorstehend aufgeführten zwölf £rtc, die fast durchweg Mcit eine Einwohnerzahl von 5000 bis 10 000 Seelen haben, Mrücksichtigeil, so würden alsdann schon allein 30 neue Bezirksassen errichtet lverdcn müssen. Die Gegenrechnung im Gießener Snzeiger stellt demgegenüber nur: 20 wieder- bezw. neu zu errichtende Bezirkskafsen ein! Ganz abgesehen von den Kosten der Eontrollbeamten, die dabei fast spurlos unter dem Tisch ver- schwinden, sollen die Untererhebstellen bei ihrer seinerzeitigen Einführung eine Verstärkung des Betriebskapitals der Dauptstaatskassc um „eine Million" verursacht haben. Die Zinsen dieser Million mit jährlich 35 000 Mk. ließen sich sonach bei Aufhebung der llirtererhebstellen ebenfalls ersparen! Nun waren aber unmittelbar voch den monatlichen Ablieferungen in den letzten Monaten bei sämtlichen hessischen Bezir'tskassen und Untererhebstellen nur
kirchschnittlich zirka 950 000 Mk. Barvorräte vorhanden bezw. maßten zur Weilerführung des Betriebs nach den Ablieferungen Erückbeb alten werden. Davon entfielen rund: 700 000 Mk. auf e 50 Bezirkstagen und nur, sage und schreibe: 270 000 Mk. auf e Untererhebstellen!! Es kommen sonach zurzeit durchschnittlich zirka 11 000 Mk. Betriebskapital auf eine Bezirkskasse und zirka 720 Mk. auf eine Untererhebstclle. Wollte man also die 375 Unter- rhebstellcn ausheben und an ihrer Stelle 24 Bezirkstassen neu km führen, so würden diese letzteren bei durchschnittlich nur 10 000 Kart Betriebskapital immerhin wieder ein Gesamtbetriebskapital ton 240 000 Mk. erfordern. Die Kostenrechnung würde sich »so bei Errichtung von 24 Bezirtskasseii 'anstatt 20) stellen auf: ^36 877 Mk. — 36 815 Mk. — l73 692 Mk., wovon bann wieder |Üt Tagegelder der Stcuerkonrrolle^und die ständige Aushilfe mit wiarnmen 4800 Mk. abgehen würden, so daß als Kosten verblieben: 168 892 Mt. An den ausgerechneten Ersparnissen da
gegen würden abzusetzen sein.
1 Kosten der Kontrollbcamten, da diese Kosten Lei Aufhebung der Kontrollbeamtenstellen in mindestens gleicher Höhe wieder anderweit zu Tage treten müßten, mir ........ 34 080 Mk.
2) Obige Zinsersparnis für 1 Million erhöhtes Betriebskapital mit ......... 35 000 Mk.
3) Weniger in Ansatz zu bringender Beitrag für Untererheber zur Fürsorgckasse mit . . 7 000 Mk.
Zusammen 76 080 Mk.
Setzt man nun von den auf dem Papier ausgerechneten Ersparnissen mit 269 080 Mk. diese Summe ab, so verbleiben noch: 193 000 Mk. Somit bleiben als Mehrkosten der derzeitigen Untererhebstellen im besten Falle zirka 95 0Ö0 Mk., wie dies in der Darmstädter Zeitung ja bereits festgestellt nrurbe.
Hiergegen erhebt der Verfasser des ersten Artikels Dieder folgende Einwendungen:
Es ist eine eigentümliche, aber auch schon in anderen 5tonten beobachtete Erscheinung, daß Ersparnisvorschläge für die Staatsverwaltung insolanae der lebhaften Zustimmung aller Bevölkerungskreise sicher sind, als diese Vorschläge sich im Rahmen a l l g e m e i n e r E r ö r t e r u n g e n bewegen. Sobald aber darüber hinaus bestimmte Maß-
Mainzer Brief.
Haben Sie vielleicht schon einmal gesehen, wie kleine Nägel- hen sich unter dem Einfluß eines Magneten in Bewegung setzen, in tollen Sprüngen um- und übercinanderpurzeln, sich aus die köpfe stellen und die Beine (wenn sie hätten) in die Luft strecken? so ähnliche Bilder können Sic hier in Menge sehen. Gehen vir z. B. auf den letzten Maskenball. In bunten Farben tritt »ns ein Bild sprudelnder Lust und überschäumender Freude ent- zeaen. Zwischen ernsten Kapuzinern und eisenstarrenden Rittern Drangen sich kecke Dominos, schlagen Clowns und Pierots ihre kunstvollen Purzelbäume. Dort sitzt ein stoisch dreinschauender Vnester mit ieinem Glase aus. nein neben dem Stuhl, und in leinen Armen liegt eine entschlafene Pivatta, mit Spuren ge- rrorfnetei Tränen auf den Wangen. Alles ist auf den Kopf ! mtellt. Tie Alten spielen die Jungen, die Ernsten werden die Mildesten, und die Lustigen wagen sich aus Scheu nicht aus sich heraus. Oder ein anderes Bild. Unser guter, alter „Ober" \ »ergibt seine hohe Würde und mischt sich unter die frohe Narren- ichar und wird einer ihrer treusten Jünger. Wieder ein anderes 18ilb. Die .Heringe verlassen ihr Element, bereichern sich bei lebendigem Leibe und werden zum „Bicking". So Untiere. llebrigcns ist hier in neuerer Zeit noch ein anderes Untier zu setzen. Hunderte von Menschen wandern mit Feldstechern und ' Doernnfäiet bewaffnet auf die Höhen vor der Stadt, um daS neue Wunoertier mit dem „langen Schwanz" zu betrachten, ut dessen >ine.hi,chatt sogar unser guter Prinz Karneval schmachtete, aber mit feilte bet Mainzer schutzmannschaft von ihm befreit umd herunurg. holt wurde (Narreilstück „Im Banne des Ko- n.eten". Da ick, gerade bei den Schutzleuten bin, will ich be- m erten, bai; die paar Mainzer, die sich im hiesigen Schutz fimnnslorpe befinden, nun jn fremden Sprachen imterrichtet ^trben, damit sie sich mit ihren übrigen Kollegen verständigen 'Amen. Für oie arme Lchutzmannfchaft kommen jetzt die Mimmstev Tage, denn die Mainzer, übrigens auch die anderen, .tun sich aui Fastnacht keinen Zwang an und sragen wenig noch Gesetz unv Rechten" in ihrem tollen Jubel, der sich jetzt schott «it raschen schritten seiner Höhe nähert. Am Samstag kommen -iie Sleltulen, um in die närrischen Garden eingereiht zu werden -nd am Montag bin großen Zug mitzumachen, dem sogar unser iüter Lavdesfürst beiwohnen wird. .
Mainzer Stadttheater. Agnes Svrma in Grill-
nahmen zur praktischen Durchführung empfohlen werben, wirb in den Kreisen, denen aus der Reform eine Benachteiligung persönlicher Interessen droht, ein Sturm des Unwillens entfesselt. Tas ist auch bei der Frage der Untererhebstellen der Fall, denn sowvhl die Untererheber, als auch ein anderer Jtteressent, vermutlich ein Kontrollbeamter, sind auf den Plan getreten, um der Oeffentlichleit glauben zu machen, daß die Beseitigung der Untererhebstellen keine Ersparnis von 100 000 Mark bringen würde und daß das Fortbestehen dieser lokalen KossesteUen von großem Vorteil sei. Untererheber und Kontrollbeamte haben ein begreifliches Interesse an der Erhaltung des bestehenden Zustandes, denn erstere beziehen Hebgebühren, und auch die Stellung der Kotnrollbeamten steht und fällt mit den Untererhebern. Aber gerade weil mit dieser Frage materielle Interessen Einzelner verkettet sind, lönnen diese als eine zur objektiven Beurteilung geeignete und gewillte Instanz keineswegs angesprochen werden. Diese an Entstellungen und sachlichen Unrichtigkeiten krankende Darstellungen richtig zu stellen, ist eine P licht, welche man der Mlgemeinheit namentlich in einer Zeit schuldet, in welcher eine außerordentlich unglückliche Finanz age gebieterisch verlangt, daß mit den Staatsgeldern streng haushälterisch umgegangen wird, will man dem Volle nicht eine seine Leistungsfähigkeit über-steigende Steuerlast ausbürden.
Einer der beliebtesten Gründe, mit denen man die Notwendigkeit der Untererhebstellen zu erweisen sucht, i>ft der, daß der Landbevölkerung alsdann die Möglichkeit genommen wäre, ihre Steuern am Wohnsitze zu zahlen. Wenn man erwägt, daß die Mehrzahl der Steuerzahler jährlich nur 6 bis 7 mal mit der Kassestelle in Verkehr zu treten hat, und daß der Bezirkskassier 7 auswärtige Erhebungslage abhalten kann, wird man zugeben müssen, daß nur die säumigen Zahler den Weg zu der Bezircskasse zu machen haben. Aber auch diesen wird es bei den Verkehrserleichterungen unserer Zeit (Eisenbahn, Postscheckverkehr usw) nicht sehr schwer gemacht, ihre Verbindlichkeiten gegenüber der Bezirkskasse zu regeln. Im übrigen darf man nicht vergessen, daß nur 375 Orte sich einer Untererhebstelle erfreuen und daß also ca. 600 Gemeinden auch jetzt schon ihre Steuern usw. an einen auswärts wohnenden Kasfe- beamten zu zahlen haben.
Recht eigentümlich mutet uns die Behauptung an, daß an Stelle der Untererheber 30 neue Bezirkskafsen errichtet werden müßten. Tie Erfahrung würde demgegenüber be- stätigen, daß 20 vollkommen ausreichen. Nun, die Regierung glaubt in ihrer „vorsichtig gehaltenen Feststellung" schon mit 24 ausz-ukommen, und die wird jeden falls eine zutreffendere Schätzung haben als der Herr Artikelschreioer, dem der Ueberbüa über das Ganze abgeht. Von einer vollständigen Verkennung der Verhältnisse zeugt es aber, wenn mgn die Errichtung und Vermehrung von Be- zirksla sen von der Bevöllerungs'ahl abhängig macht. Wie müßten sich dann in den Städten mir ihrer gewaltig aufsteigenden Devölterungsziffer bie Bezirkstagen vermehrt haben? Ta die Haupttätigkeit der Konirollbeamten in der Revision der Untererhebcstellen bssteht, werben sie mit Aufhebung der Untererhebstellen ebenfalls überflüssig und können alsdann als Bezirkskassierer weiter verwendet werden. Ein erheblicher Schnitzer ist dem Herrn Einsender bei dem Betriebskapital unterlaufen, indem er den baren Kassevorrat und das Betriebsrapital für ein und dasselbe hält, obwohl jedem Halbwegs mit Kassenverhältnissen vertrauten Laien der große Unterschied einigermaßen verständlich ist.
Zu unserer Berechnung sei bemerkt, daß sie unter Benutzung der 1910er Budgetzrffern als der neuesten und zuverlässigsten Grundlage aufgestellt wurde. Selbst wenn wir die Zinsen des Betriebskapitals als angeblich strittigen
Posten außer Rechnung setzen, wird die von uns errechnete Ersparnis von 132 203 Mb in Wirklichkeit keine Verminderung erleiden, denn durch die von uns nicht berech-nete Ersparnis an Schreibhiljekosten, Porto, Papier und Bureaw losten würde dieser Ausfall mehr als ausgewogen. Zum Schluffe sei noch darauf verwiesen, daß die Untererhebstellen in 1900 wohl kaum eingesührt worden wären, wenn man Die finanzielle Tragweite richtig ermessen hätte, denn der Mehrbedarf war seinerzeit zu nur 5 4 00 M k. 0 er an» schlagt worden, während er jetzt 132203 Mk. beträgt
Die von den Landständen geforderte Vereinfachung und Verbilligung der Staatsverwaltung läßt sich ohne Preisgabe der Interessen einzelner unmöglich durchführen. Von den Landständen als der verantwortlichen Vertretung des Volksganzen darf erwartet werden, daß sie sich von denjenigen nicht beirren lassen, denen eine finanzielle Einbuße aus den Reformen droht. Tie Volksvertretung darf sich oielmehr nur von der Rücksicht auf das Gesamtwohl des Staates leiten lassen und darf an einer Ersparnismöglichkeit von über 100 000 Mk. nicht achtlos yorübergehen. Es würde bei den Steuerzahlern Unmut rege werden, wenn nicht gleichzeitig mit der Steuererhöhung auch der Wille bemerkbar würde, Einrichtungen, deren Kostenaufwand in einem großen Mißverhältnis zu dem damit erhielten Er» )olg steht, einfacher und billiger zu gehalten und auf diese Weise einen Beitrag zur Sanierung unserer Staatssinanzen zu leisten. *
Jn diesem Zusammenhang möge mitgeteilt werden, daß der Zweiten Kämmer eine Vorstellung des Untererhebers Wagner in Gundheim ^gegangen ist, der sich gleichfalls gegen die Aufhebung der Untererhebstellen wendet:
Wir Untererheber haben gewissermaßen die Polizeikontrolle in unseren Gemeinden ausgeubt, indem manche Steuern, Ge- richtsgebühren, Polizeistrafen, Hundesteuer usw. nicht an den Staat gezahlt worden wären, wenn wir solche nicht überwacht hätten. Ich selkh't habe in meiner Dienstzeit als Untererheber in 2 oder d Jahren 5 Hunde zur Anzeige gebracht, welche dann nachher die üblichen Strafen nebst Kosten und den festgesetzten Steuerfus; zahlen mußten, und ich glaube sicher, daß cs auf allen ländlichen Untererhebstellen so zugegangen sein dürfte, der Staat hätte also eher Gewinn als Verlust an dem weiteren Fortbestehen der Untererhebstellen in Hessen.
Es würde sich in den Gemeinden sehr viel Geld ersparen lassen, wenn die Untererhebstellen, an die das ganze Landvolk gewohnt ist, sortbestehen bleiben, weil dann durch bie Gebühren der Untererheber die Gemeinde sich mit einer Pauschalsumme für ihre Erhebung abfinben könnte: z^D.: in meiner Gemeinde bekommt der Gemeinde-Einnehmer 4 Prozent, und da unsere Umlage sehr hoch ist, beläuft sich dessen Gehalt mit Invaliden-, Krankenkasse, Forst- und Landwirtschaft, Wassermiete usw. auf über 1000 Mk. Die Gebühren für mich, den Untererheber, belaufen sich auf zirka 230 Ml. Zusammen könnte nun nach meiner Ansicht (ba unser Gemeinde-Einnehmer zirka 70 Jahre alt ist und ich als Untererheber bereits zirka 9 Jahre zur vollen Zufriedenheit meiner Behörde gearbeitet habe) viel Geld gespart werden, indem ich die Untererhebstelle verwalte für 230 Mk., die Gemeinde-Eiw nahme würde ich übernehmen für ein Fixum von 500 Mk.; mithin hätte die Gemeinde in 10 Jahren eine Ersparnis von 5000 Mark gemacht, vorausgesetzt, daß unser Einnehmer nicht mehr verwalten wollte ober- könnte.
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Wir erhalten folgende Zuschrift aus Alsfeld:
In dem Leitartikel der Nr. 20 Ihres gesch. Blattes wirb von ben Großh. Hauptlehrern der Gewerbeschulen behauptet, bajj sie nur fünf Monate des Jahres beschäftigt seien und daß der Staat verlangen könne, daß diese Beamten voll beschäftigt würden. Dem gegenüber sei festaestellt, daß sämtliche Hauptlehrer von Gewerbeschulen an durchschnittlicher jährlicher Dienststunbenzahl hinter feinem hessischen Beamten zurückstehen.
parzers Lustspiel „Weh' dem, der lügt." Bei dem glänzenden Rufe, den bk Künstlerin überall genießt, ist e5 nicht nötig, durch klingende Worte ihr Spiel zu rühmen. Nur so viel, sie wußte auch hier durch ihr liebeus.pürdiges Auftreten, ihr hervorragendes Können die Zuschauer zu fesseln und mit sich fortzureißen. Sie bot ein liebliches Bild als naturfrohe Germanentock)ter, und ibr schlossen sich die Mitglieder der hiesigen Bühne würdig an. Besonders ist Herr Tr. Groß zu erwähnen, der eine ausgezeicknrete Gestatt des Kochs Edrita bot, nrenn auch sein Spiel an manchen Stellen etwas matt und kraftlos war.
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— Gutenbergs Grab. Früher glaubte man, daß Gutenberg in der Kirche des ehemaligen Franziskanertlosters in M a i n z beigesetzt worden sei. Aber bie vor Jahren vorgenommenen Nach- forichungen nach dem Grabe Gutenbergs in den noch vorhandenen Ueberresten d:s ausgedehnten Klostergebäudes, das in der Nähe des Theaters staird, hatten zu keinem Ergebnis geführt. Neueren Forschungen zufolge ist Gutenberg nicht in Mainz, sondern in Eltville verstorben, wo er auch seine letzten Lebens.ahre zu- gebracht hat. Dort unterstützte er eine Buchdinckerei, bk schon (465 bestand und die Eigentum von Bechtermünze, einem Schüler Gutenbergs, war. Es toird deshatb vermutet, daß Gutenberg, nach seinem in Eltville erfolgten Tode auch dort bestattet worden sei, und zwar in der dortigen Pfarrkircl>e oder auf dem dar an!- stoßenden Kirchhoft. Da jetzt beabsichtigt ist, bie Pfarrkirckte in Eltville einem Umbau zu unterziehen, sollen auch, rote der Mainz. Anz. mitteilt, nach ber Grabstätte Gutenbergs Nachforschungen an- gestellt werden.
— Die Deutung desS tä dten am ensLübeck. lieber die Deutung deS Namens Lübeck bat sich Wilh. Ohnesorge in der Festschrift zur Begrüßung beS 17. Deutschen GevgraphentageS, der 1909 in Lübeck stattfand, geändert. Erweitert fegt er seine Ausführungen im Programm des Katheiinnvins zu Lübeck vor. Ans den ersten Mick er lehr int die Namens form wohl deutsch und man hat sie auch noch im 19'. Jahrhundert vorwiegend ans dem Deutschen (jerfeitni wollen, ohne doch zu einer aintel)mhairit Erklärung zu ßonrmcn. Jn ber Tat zeigt bereits eine historische Erwägung, daß der Name nicht ans dein Deutschen herstammen kann. Das dÄsche Lübeck, die Gründung des ©djnumburger Grasen, trat 1143 an die Stelle einer älteren slawischen Ansiedelmrg und entfeinte von ihr auch ben Namen, dessen Ursprung btifjer im
Slawischen zu suchen ist. Indem nun Ohnesorge die in ben Qucklen bis zum Ende deS Mittelalters vvrkommenben Namens- chrmen zusammenstellt und fast sämtliche versuchte Erklärungen prüft, kommt er zu dem Ergebnis, daß sck>on der alte lübische Chwnist Detum das richtige getroffen hat, indem er erzählt, der Name brücke im Wendisckxn aus, „was allen Leuten Freude mache". Die ältesten nachweisbaren Namensformen Liubiee und Liubec lind nämlich (das ist Ohnesoraes wohl kaum in Zweifel zu zielxmdes Ergebnis) mittels ber polabischen Suffixe, icr und ec aus att> slawisch ljuba gebildet, was lieb bedeutet. Lübeck bezeichnet also ben lieblichen, schönen Ort.
Hk. Die Gründung eines Lande sm useums für Togo ist mit ber Zeichnung ansehnlicher Beiträge bereits fieber-- gestellt. Nach bem „Geogr. Anzeiger" soll bas Landesmuseum naturwissenschaftliche und ethnographische Sammlungen des £an- d.s aufnehmen, Ausstellungen von Landeserzeugnissen veranstalten und eine Bibliothek kolonialer Werke erhalten. Es wäre höchst erftenlich, ivenn auch die anderen deutschen Kolonien bem Beispiel Tvgcs folgen würden.
— E in neues Schauspielhaus für Paris. Ein neues Theaterunternehmen ist zurzeit in Paris in der Gründung begriffen, ein Kunstinstitut, das auch ber deutschen Literatur und ihren Vertretern nicht unwillkommen sein wird. Es handelt sich, wie der B. B. C. mitteilt, um ein Theater, das in erster Linie der in Paris so arg vernachlässigten ausländischen Kunst ein Obdach gewahren will, ber zeitgenössischen Dramenlitevatur Deutschlands in erster Linie, dann aber auch der Englands, RusjlmidS imb Italiens. Dem neuen Theater, an dem auch ein Berliner Verleger und deutsche Kapitalisten beteiligt sein Iollen, soll Andrö Antvine, der Direktor des Od^on Theater, der von iefrer bezüglich ausländischer- Dichtkunst rovitfichtiger war als seine Kottegen, nicht fern stehen, doch wirb an eigentliche llcbcr- nahme dcs Tlwaters burch den noch auf lange Zeit an das stnat fi-cbe Institut gefesselten Bühnenleiter nicht gedacht. Man spricht davon, daß das neue Theaterunternehmen bereits int Herbst ins Leben gerufen werden wirb, zunächst in einem schon bestehenden, bisher der heiteren Muse geweihten Bvnlevardtheater, dessen Be sitzec eine Absindnng erhält, dann aber, vom Herbst 1911 ab in einem eigenen, etwa 1000 Personen fafsendcn neuen modernen Bühnenhaus.
— Die Ersorschung de r no rd a ra b i scheu Wüste. In der letzten Sitzung der stdolMl Gevgraphical Society in London


