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03/02/1910 Erstes Blatt
 
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Aus Sem eijatz-lsthrmgtjchen Lanvesausschuh.

Auch gestern gab es in Straßburg wieder intereifante Aus­einandersetzungen, wobei der Staatssekretär Zorn v. Bulach be­friedigende Erklärungen abgab:

Straßburg, 2. Febr. In dec Sitzung des elsaß- lothringischen Landesansschusses am Mittwoch legte der Abgeordnete X)«u ß namens der Zentrums- uartei Verwahrung ein gegen die Rede des Reichskanzlers über die Weißenburger D e n k m a l s f e i e r wegen salscher _ Beurteilung Elsaß - Lothringens, was auch der Grund sei, weshalb die Gewährung der Autonomie vorläufig keinen Fortgang nehme. Der Redner gab der elsaß-lothringischen Regierung die Schuld, daß sie den Reichskanzler nicht besser orientiert habe: in der Weißenburger Angelegenheit hätte sie großzügiger handeln müssen, und der Statthalter hätte als erster einen Kranz am Denkmal niederlegen müssen.

Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach führte aus: Der Vorredner habe der Rede des Reichskanzlers eine falsch. Deutung gegeben, dieser habe nur die Bemerkungen einiger Reichs- tagsabgeordncten beleuchtet. Die Autonomiefrage sei sehr schwer tzu lösen und eine Rede, wie sie der Abgeordnete Hanß hier soeben gehalten habe, würde die Erledigung noch für Jahre zutücksetzen. Der Staatssekretär verlas sodann einen Bericht der elsaß-lothringischen Regierung an den Reichskanzler über die Weißenburger Tenkinasts--Feierlichkeiten, in dem dargestellt wird, daß jene Vorfälle durch einige altdeutsche und französische Korrespondenten chauvinistisch verändert worden seien. Dann behandelte her Staatssekretär mit Bezug daraus, daß:.der Abg Hmrß die Bii^öse in Sl-utz g-enommen hatte, den Streik der Bischöfe und Lehrer. Die Schritte der Bischöfe seien entschieden voreilig gewesen, und es.sei die Pflicht des Staates, den Bischöfen entgegeyzuteeten, wenn diese ihre Mahnungen der» allgemeüwrten. Tie Bischöfe 'hätten für den Glauben in der Schule nichts zu fürchten, weil dieser durch das Gesetz gewahrt werde. Schließlich wies der Staatssekretär die. der Re gierung gemachten Unterstellungen, als hätte sie den Kultur­kampf beginnen wollen, energisch zurück.

Arrr Sem hessischen Zinanzaurschutz.

R. B. Darm ft a b-1, 2. Febr. Der Finanzaus­schuß. der Zweiten Kammer tagte heute wieder in Gegenwart der drei Minister und der Geheimräte Dr. Eisen Hut, Best und Weber. Zunächst wurde das Kapitel über die Provinzialdirektionen und Kreisämter, Ausgabe 062310 Mark, Einnahme 315630 Mark, erledigt, worüber Abg. Brauer bereits gestern eingehend referiert hatte. Unter Einnahme sind fast ausschließlich die Ge­bühren aus den Arbeiten der Kreisgeometer zu verstehen, und zwar an Gebühren für Fortführung der Ortsgrund­bücher und Grundbuchtarcen, sowie der Immobiläärlatäster 90 000 Mi. und an, Gebühren für Staats-, Kreis- und Privatarbeiten 224 000 Mk. Dafür erscheinen an Aus gaben für die Kreisqeymerer auf der anderen Seite 314 000 Mark. Die persönlichen Ausgaben des Kapitels für den Provinzialdireiror in Mainz mit 14 600 Mk. (inft. 7200 Mk. Repräsentantonsgehali , für Mei. Provinzialdirektoren in Darmstadt und Gießen mit 17 600 Mk., für 15 Kreisräte mit 98 700 Ml., für drei Räte mit 16 800 Mk., 26 .Kreis­amtmänner mit 102 800 Mk., 18 Kreisamtsbureauvorsteher mit 61500, 21 Kreisamtsgehilfen mit 51600 Mk. Gehalt usw. belaufen sich inkl. 23000 Mk. Wohnungsgeldzuschuß auf 570 280 Mk., für sachliche Ausgaben auf 78 000 Mk., darunter 39 600 Mk. für Bureaubedürfnisse und 31 000 Mk. für Tage­gelder und-Diäten. Namentlich die letztere Forderung wurde im Ausschuß bemängelt und wenigstens eine Kürzung um 4000 Mk. verlangt: ferner kritisierte man besonders die hohe A n s g a b e für die K r e i s a m t m ä n n e r und regte an, wenigstens vier dieser Stellen nur auf den In­haber zu bewilligen, wogegen Minister Dr. Braun Über­zeugeno auf die Notwendigkeit und die starke Beschäft'gung der Kreisamtmänner hinwies, die infolge der vielfachen Anforderungen auf dem Gebiete der Sozialpolitik des Reiches vollauf in Anspruch genommen seien.

Das nächstfolgende Kapitel, Gendarmerie, er­fordert eine Gesamtausgabe von 603 680 Mk., wovon 555 326 Mark auf persönliche Kosten entfallen. Kap. 32, Polizei, erfordert insgesamt 128692 ML., und zwar für Polizeiamt Darmstadt 13 304 Mk., Polizeiamt Gießen 3300 Mk., Poli- Mamt Bad-4.au beim 4200 Mk., Polizeikommissar für die Landgemeinden des Kreises Offenbach 2888 Mk. und Bei^ träge zu den Polizeikostell der Gemeinden 105000 Mk. In Kap. 33, Polizeilässen, werden für Starkenburg 84 500 Mk., für Oberhessen 35 460 Mk. und für Rheinhessen 53 650 Mk., in Summa 173 610 Mk. und für das Arbeitshaus Dieburg 69471 Mk. angcfordert und ohne Widerspruch gebilligt.

Im Kap. 35, Kirchen, betrügt die Gesamtausgabe 483 221 Mk.; davon entfallen auf die evang. Kirche (Zentral­kirchenfonds) 310 000 Mk., auf die katholische Kirche 171372

erstattete Douglas Carruthers Bericht über seine Expedition durch die nordarabiiche Wüste, die er im Januar des verfbossene.s Jahres angetreten im im -Kerbst beendet hat. Das Ziel der Expedition war die Erforschung der Fauna des nördlichen Arabiens. Carruthers drang dabei bis zu der Oase Teima vor, die seit Jahrzehnten von keinem Europäer besucht worden ist. Tie Oase besitzt eine auferordeutlich große Wasserstelle, an der 90 Kamele auf einmal getränkt werden lönnen. Ter englische Forscher trotte zahlreiche Abenteuer mit räuberischen Beduinen. An einer Wasser­stelle wurde er plötzlich von vier Beduinen überrascht, die mit an­gelegten .Gewehren den Engländer auffordcrten, sich gefangen zu geben.Ich war im Begriff, zu feuern," so berichtet dec For- icker,als mein Führer die Räuber als seine Stammesgcnvssen erkannte und sie umarmte und küßte. Dieser Zufall bewahrte mick vor einem Kampfe, der mir uernmtlidi meine Kamele gekostet hätte, ohne die ich inmitten der Wüste verloren gewesen wäre. Eine große Anzahl Gräber in nächster Mhe dec Wasserstelle erzählte von anderen Reisenden, die bei einem solchen Zusammentreffen weniger glücklich gewesen waten." Ein zweitesmal wurde Car­ruthers in der Nähe von Teima von einer Horde räuberischer Araber gefangen genommen und entführt. Diesem Abenteuer; verdankt der englische Forscher eine außerordentlich interessante! Entdeckung.Die Wasserstelle Bayer, an der die Räuber lagerten, liegt im oberen Teile des Wadi Bayer, etwa 55 englische Meilen vstnordöstlich von der Oase Maan. Tas ist auf der Wegstrecke, von der man annimmt, daß sie einst den ganzen großen Handels- berlehc der ältesten Zeiten von Aegypten nach Bnsca und um­gekehrt aunrahm. Den Beweis für die einstige Existenz einer solchen großen Handelsstraße fand ich hier in den Ruinen einer uralten gewaltigen Karawanserei. Ein so großes Bauwerk in­mitten einer unfruchtbaren Wüste ist der Beweis einer einstigen Fruchtbarkeit Ins Landes. Mit dem Verfall von Babylon und der Zunahme der Dürre und Unfruchtbarkeit von Nordarabien verlor die grosse Handelsstraße mit der Zeit ihre Bedeutung, um schließlich vergessen zu werden."

K l e t n e Chronik aus K unst und Wissenschaft. Ter Mprdpotwrscbrr P e o r D wird, einer Einladung der Ber - Liner Geographisch n Gesellschaft folgend, im Mai einen Licht- Lil der-Vort rag über ieilte Nordvolreise halten. Em zweiter öffend- Tidyrr Vortrag micv sich diesem Privatvortrag anschließen. Ter Verein für bM-erisaVon stunde und Mundartforschung hat fol­gende Preisaufgab g.i-.'Ht: Die Besiedlung eines Keinen Gebiets innerhalb Bayerns >st geschichtlich und Volts ländlich barzusteilen Der Preis beträgt 300 s'.*lart. Die Arbeiten find bis zum 1. Juli 1911 einzureichen bet Uuiv ersitätspcoj essor Dr. Brenner in Würzburg.

Mark (darunter jährlicher Anschuß zur Dotation des Bischofs und Domkapitels zu Mainz 42088Mk.) für Kanzlei- und Reisekosten des Bischofs 6172 Mk. und Staatsgehalte der Geistlichen in Starkenburg 5936 Mk-, in Oberhessen 3137 Mk. und in Rheinhesien 38 886 Mk., und an die altkatholische Gemeinde zu Offenbach 1849 Mk.

Bei PositionGendarmerie" wurde vom Abg. Ulrich beantragt, die Distrittskommandeure nur auf den Inhaber zu bewilligen; beim KapitelKirchen" verlangt derselbe Abgeordnete völlig getrennte Zettel für die Kirchensteuer.

Dann gelangten noch die Kapitel 5356 zur Beratung. FürAerztlicher Dienst" beträgt die Anforderung 254698 Mk., für Impfwesen 5130 Mk., für die Hebammen- Lehranstalt zu Mainz 45 760 Mk., für die Landesirrenanstalt Philipps-Hospital bei Goddelau 891550 Mk.

Hierbei wurde die Beratung abgebrochen. -Nächste Sitzung: Donnerstag vormittag 10 Uhr.

R. B. Darmstadt, 2. Febr. Der Finanzaus­schuß der Ersten Kammer trat heute unter dem Vorsitz seines Präsidenten, Grafen Erbach-Fürstenau zu einer Besprechung der vom Finanzausschuß der Zweiten Kammer gemachten Ersparnis-Borschläge int Staatsbudget zusammen. Die Beratung fand ohne Ncgierungsvertreter statt und dehnte sich bis gegen 2 Uhr aus. Der Ausschuß wird dem Vernehmen nach eingehende Vorschläge zu durchgreifenden Ersparnissen sowohl un neuen Staatshaushalt wie in der Staatsverwaltung machen und seine diesbezüglichen Beschlüsse voraussichtlich noch vor der gemeinschaftlichen Sitzung beider Finanzausschüsse auch dec Leffentlichkeit zur Beurteilung unterbreiten. (Man darf auf diese Vorschläge um so mehr gespannt sein, als be- tannilich die bisherigen Erfpa.rnisvorschkäge des Finanz­ausschusses der Zweiten Kammer säst sämtlich von der Re­gierung abgelehnt, resp. nach eingehender Darlegung wieder fallen gelassen worden find.)

politofebe Cttges?cbarr.

Neuer Handelsvertrag mit Spanien?

Vor kurzem ging' durch die spanische Presse eine Nachricht, wonach der von der Regierung eingesetzte Zollausschuß in Madrid Vorschläge entgegcnniinmt, die ihm von Handelskammern und anderen tausmännischcn Vereinen unterbreitet werden. Hieraus würbe in deutschen Erpottlreisen vielfach gefolgert, daß der Zoll­ausschuß in erster Linie damit beschäftigt sei, Handelsverträge mit bestimmten Säubern, insbesondere Deutschland, vorzubereitcn ober auch bic Grundlage für eine allgemeine Tarineo.sion zu schassen. Diese Vermutung würbe bestärkt burch eine Mclbung ber Madrider Presse, baß bic spanische Regierung beabsichtige, bemnächst in Vertragsvechaublungen ruii Frankreich unb Deutsche lanb einzutreten.

Wie der Hanbelsvertragsverein von amtlicher Seite erfährt, beruhen biefc Mutmaßungen auf Irrtum. Der Zollausschuß in Madrid hat Vorschläge lediglich zum Zweck ber Statistik eilt- gefordert, um bie jährlichen tablas de va.lores über die fpanische Ein- und Ausfuhr au'zustellen. Mit ber Vorbereitung von Han- belsverträgcn haben dieie Vorschläge nicht das geringste zu tun. Außerdem hat ber Ministerpräsibent Morel bie Pressevertreter in Madrid ausdrücklich zur Dementierung ber Nachricht er­mächtigt, baß Spanien mit Deutschland« ober Frankreich in Bertragsverhanblungen stehe ober solche Berhanblungeu schon in feite Aussicht genommen seien.

*

Eine amer-kcmifchc Prophezeiung.

_ Zu ber Erhöhung dec Lebensmittelpreise in ben Vereinigten Staaten wicd derMorning Post" aus Washington berichtet:

Pwscssvr (Samer von bei1 Univ.u utät Harvard, eine an? erkannte Autorität -auf dem Gevicle b e ri- 9iai es mit öt-ono n t ie, ber die GÄdpanik des Jahres 1.907 vorher sagte, erklärt, baß bic hohen Preise der Lebensmittel bie Vorläufer einer großen Geldpanik Wien, bie in ein ober zwei Jahren kommen müsse.Ich will meinen jRuf als NationalöLmom aufs Miet setzen," fall cc gesagt haben,baß unser Lanb in ben Jahren 1912 oder 1913 oie schlimm ste Panik erleben wirb, bic es jemals gesehen hat. Tie Versorgung unseres Landes mit Lebens­rnitteln wirb allmählich aber sicher geringer, als» die Nachfrage, und vor Ablauf vieler Jahre irerbr.n bie bereinigten - Staaten gezwungen sein, .Fleisch unb andere Lebensmittel zu importieren."

2hts Hoffe«.

Der Vocstanb der Vereinigung der mittleren Ban­de a m t e n des Großherzogtums Hessen hat der Zweiten Kammer folgende Bitte unterbreitet:

Hohe Zweite Kammer der Lanbstände wolle über die Re­solution zur Milderung dec Notlage ber Bauaspiranten ge­eignete Beschlüsse fassen.

Der Abg. Dr. Winkler beantragt in ber Zweiten Kammer:

Streichung ber als zweite Rate für bie Dammveibesserun- geu in beit Gemarkungen Guntersblum, LubwigShöhc, Dien­heim unb Oppenheim einschließlich ber Dammverlegnitg ge- forberten 400 000 Mapk, ferner: bie Regierung zu ersuchen, ben Stänbcn über biese Angelegenheit eine bejonbere Vorlage zu machen, bie Regierung auch zu ersuchen, vor Erlebigung bieses Antrages bie bereits bewilligte erste Rate nicht anzugreifen, sonbcrn bic geplanten Arbeiten vorerst zu unterlassen.

Zur Begrünbung führt ber Abgeorbuctc an:

1. Die Tammvcrleaung bebeutet eine burchaus überflüssige Maßnahme, bie 230 0Ö0 Mark, hie hierzu erforberlich sind, können gespart werben. Bereits bic am 27. Oktober 1.884 gebildeteReichskommission zur Untersuchung ber Rheinstrom- verhältnisse" hat erklärt, baß eine Erweiterung bes Hochflut­profils bes Rheines an keinem Punkte desselben für unbedingt notwendig erachtet werden solle.

2. Die Dammverbesserung, so wie sie von der Regierung geplant wirb, erforbert erhebliche Gelbmittel unb bietet ben Gemeinben von Oppenheim bis Guntersblum einschließlich keinen hinreichenben Schutz gegen bie Wassergefahr.

Deutsches Resch.

Ter Kaiser hat am Mittwoch dem Präsidenten des Staats- ministeriums, den Ministern der Justiz und des Innern die Ermächtigung erteilt, den Entwurf des Gesetzes auf Abänberung der Vorschriften über die Wahlen zum Hause der Abgeordneten dem Landtage vvrznlegen.

TieNordd. Allg. Zkg." schreibt: Der Kaiser ließ durch ben Botschafter Fürsten Rabolin der französischen Re­gierung seine Teilnahme an dem Unglück auKbrücken, von bem Paris unb Frankreich heimgesucht worben seien. Zur Linderung ber Not spenbete ber Kaiser einen Beitrag von 2 0000Mark.

In ber Gießener Klinik starb im 67. Lebensjahre ber f r ü h e r e Reichs- unb Lanbtags-Abgeorbnete Gust. Münch aus Diez a. b. L., wo er seit mehreren Dezennien wohnte. Ter Verstorbene, welcher von Hof Traisfurth bei Runkel stammte, war Ingenieur unb von 18741879 an ben Hafenbauten von Kiel tätig. Von 18861888 war er Milglieb des preußischen Abgeorbnetenhauses, von 18811893 Vertreter bes 4. nassauischen Wahlkreises im Reichstag. Er war Mtglieb ber Freisinnigen Volcspartei. Außerbem war Münch ein eifriger Förberer des Genossenschaftswesens.

Der BubgetausiclMß des Abgeorbnetenhauses bewilligte für beit Neubau bes Polizeipräsidiums in Frankfurt als erste Nate zum Ankauf eines Bauplatzes 300 000 Mk.: bic Gesamtkosten erfordern 1 750 000 Mk. Tas alte Polizeibienst- geEäube soll für Zwecke des AmtsgericAs Fcankfun verwendet werden.

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AttsL.rttd.

Aus Prag wird gemeldet: Die Vollverfamm^ l u n g der deutschen L a u d t a g s a b ge o r d n e t e u hat einstimmig einen Antrag des Kluboorstandes angenommen, angesichts des Fehlens irgendwie hinreichender Bürgschaf­ten der Regierung für eine entgegentommende Behand­lung der nationalpolitischen Forderungen der deutschen?Ui> geordneten von ihrer bisherigen Haltung im Landtage nicht abzugehen.

Die s r a nz ö sisch e Kan; in cx setzt bic Beratung des Etats der öffetttlichen Arbeiten fort. Im Laufe der TiSkicssion for­derte ber Abg. Schmibt ben Ban einer Eisenbahn von Saint-Hie nach bem Elsa ß. Der Rebncr legte bie Not Wendigkeit engerer Verbinbungen zwischen Frankreich unb dein Elsaß bar. Die Verteibigung des Landes würde durch bic neue' Linie nicht gefährbet werben. Minister Millcranb erwiderte, bie Entscheibung über den Dur chbru ch ber Vogesen hängc nicht von ihm allein ab, sonbeim auch vom Kriegsminister, bem' .er bie Akten unterbreitete.

Die russische Reichsbu m a sprach sich in der heutigen Sitzung, ber ersten nach ben Weihnachts-Ferien für bie Not wenbigkeit ber Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes aus, dem­zufolge die administrative Verschickung von Personen, bic bie Staats- unb Gesellschaftssicherheit gefährden, eingestellt werden ! soll.

Die schwedische Regierung brachte im Reiwstagc eilte Gl setzesvorlage über bie Verlängerung des d eüt s ch - s ch W c d i s ch en Handelsvertrages ein.

Die Blätter melden aus N e w Y o r k: Der F l e i s ch b o 1> k o > c ist auf ber ganzen Linie gescheitert. Tie alten Preise sind wieber in Kraft getreten. Die Hauptleibtrageilben sind die kleinm Händler.

Dentscl-e KeUnicn

** Neue Karten f n r u n s e r e Schutzgebiete. Kartographie unserer beutschcn Schutzgebiete hat, wie uns mi- geteilt wird, in neuester^Zeit einige sehr bemerkenswerte Neu­erscheinungen gezeitigt. So sind zu der in dem großen deutsch-^, vom Reichs'l'oloniatamt herausgegebenen Kolonialatlas enthaltens sechsteiligen Karte Kameruns zwei neue Blätter erschienen, de gerate die int ^iitblicf auf die letzte Grenzregnlierung interessanteste Teile bcs Schutzgebietes, nämlich Abamaua und bie Tschaoscetände, umfassen. Eine nod» wichtigere kartographische Schöpfung will» in wenigen Tagen im Buchhandel erscheinen, nämlich eine,neu:, vorzüglich gelungene Karte unseres s üb we sta fr i ka u i sche» Schutzgebietes. Gerabe für diese Kolonie wurde schon sek einigen Jahren das Fehlen einer aktuellen, bic neuesten For­schungen und jungen Siedl u_n gen berücksichtigenden Kare in allen interessierten Kreisen außecorbentlicv schmerzlich emp­funden. ____ ____________ _

Aus Stadt ttttd Laud.

Gießen, 3. Februar 1910.

* In Audienz empfangen wurden vom Groß' \ Herzog am Mittwoch u. a. Pfarrer Köhler von Stein bar.) und Kreisstraßenmeifter Jungmann von Vilbel.

* * Ordensangelegenheiten. Der Kaiser hat den hessischen Wickl. Geh. Rat Dr. Adolf Buchner-Dacnistat!i die Rote Kreuz-Medailte erster Klasse verliehen. Großherzog hat den Oberbricfträgecn Joh. Wassern in Ulrichstein und Christoph Vatter in Darnistadt, sowie den Oberleitungsausseher Karl Dort in Gießen die Erlaubnis zu- Einnahme unb zum Tragen des ihnen vom König von Preuße, verliehenen Allgeineinen Ehrenzeichens erteilt.

* Von der Straßenbahn. In der zweiten Halst des Januar benutzten die Stcaßenbahi: 51 343 Personei gegen 45 599 Fahrgäste in der ersten Hälfte des Monats, ! daß bie Gesamtfrequenz für Januar 96 912 ober im Durch schnitt täglich 3127 Personen beträgt Die Einnahme uv Januar beläuft sich auf 9432 Mk. Unter ben tm Ian"a: beförderten Passagieren befanden sich 1077 Beaw.äc öt(U

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Eine vertraulichc Beratung der jtäitntfiiljrenbett Mitglieds? des Bundesrats dauerte aut Mittwoch mehrer? Stunde:

Nack^ bet^Bossischen Zütuug" wirb dem Reichstag in y.j allernächsten Tagen eine Vorlage über die Regelung der «v a n belsbezie Hungen 5 u ben Bereinigten 5 taatekN zugehen.

Nach einer Mitteilung betNordd. Allg. Ztg." gingen b gwß.oritannischen Regierung von der ütdiscben Regierung Narr richten zu über bie Mörber .der deutschen Forsche B r un Huber u n d S ch m i tz. Danach sind vier an dem Mvr) beteiligte Angehörige des LutznstammeS von der Slrase^pediti«: ergriffen worben. Auf Befehl ber chinesischen Behörden ivitn Teng-Juch hingcrichtet.

Tas G r 0 ß h e r zo g s paa r van Sachsen-Weimar iik Mittwoch nachmittag in Berlin ein getroffen. Zuin Empsaiiq waren ber Kaiser unb bic Prinzessin Eitel Friedrich erschienen ! Das Großhcrzogspaar nahm im Schlosse Wohnung. Am MittwoÄ fand im Königlichen Schlosse mit bem üblichen Prunk der erst: Hofball statt, an bem auch bas japanische Prinzenpaar Fushimi tciluahm. Bei bem in ber Tanzpause eingenommenen Souper führte der Kaiser die G.roßherzog-n von. Sachsen und ber Großherzmj von Sachsen bie Kaiserin.

Von sozialbemotralischer Seite werden weitere Straßen- demonstrationen für das allgemeine Wahlrecht angetündigt: ebenso eine scharfe Agitation zum Austritt aus der Landes­kirche.

Nachdem der H a n f a - B u n b , so wirb uns berichtet, bic 1 Frage ber Abhilfe ber mittelstänbischen Krcbitnot in Bear'ocilunq genommen hat, würbe in ber letzten Präsibialsitzung bie anstaltung eines Preisausschreibens über praktisch burck führbare Mittel zur Hebung bes M i 11 c l st a n b e s beschloi- sen. Die Einzelheiten sollen demnächst besonders veröffentlicht werden.

Ans Hamburg wird gemeldet: Tie amtliche Feststellung des Ergebnisses ber Bürgerschafts-Wahlen, bic am Dienstag stailfanben, bestätigt bie vorläufig mitgeteilten Re­sultate, bic einen namhaften Erfolg bet Vereinigten Liberalen mir Kosten ber Linken unb bcs Zentrums unb damit zugleich einen Pro­test gegen bic Wahlresorm von 1906 bedeuten.

Das herzoglich braunschweigische Staats- m i n i st er i um nimmt durch eine amtliche Erklärung Stellung 'zu den Behauptungen der sozialdemokratischen Presse, daß es von den K u n d g e b u n g e n vorher Kenntnis gehabt und den 'Angriff der Polizei au.f die Menge mit blanker Waffe planmäßig rorausbestimmt habe, umdurch ein Blutbad der Arbeiterschaft für immer die Lust zu t>cr treiben, gegen das Treitlajsensystem zu bentonifrieren". Die Erklärung des Ministeriums lautet:

Diesen Ausführungen gegenüber ist festzustellen, daß toebet ber Staatsminister v. Otto, noch einer ber beiben andern Mi­nister von bet beabsichtigten Demonstration vorher die geringste Kunde gehabt hat. Den Ministern, die . sich in ihren in dem Vkinisterialgebäube nach bem Hofe hinaus belesenen Arbeit-:- räumen befanben, ist erst, als schon eine nach Hunberten zali- lenbe Menge vor dem Ministerialgcbäube demonstrierte, Mit­teilung von bem Vorgang gemacht ivorden. Tic herzogliche Pv- lizeibirektion hat baher bezüglich ihres Verhallens den Demon­stranten gegenüber keinerlei Anrveifung erhallen, noch erlialten können."

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