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26.11.1910 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

160. Jahrgang

Samstag, 26. NooenMr 1910

vezn nsvreiZ: monntlicf)75'B1., viertel* jährlich Tlf. LL0- durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pst: durch die Post Alk. 2. viertel* jährst ausschst Bestellg. \ Zeilenprers: lokal 15 PfD auswärts 20 Pieuntq. Chetredakteur: A Goetz. VerautwoNlich für den. politischen Test: August

m. 278

<£rx rlcstener llszelgn IdKint täglich, auüet tzo'uuags. - Beilagen: rl< rinal wöchentlich HlthenclLamiliendlätler;

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in'e"»al monatL fanö« AlltlchaslUihe Leiltradr« sfli.iplrch - A.ischluöer " Lj tue llledultion 112. ___

8® General-Anzeiger für Gberheffen LLLM

" ?""o!^ra^estmmmer Notailombruck und Verlag öcr vrühl'schen Unlv.'vuch. UN- Steinöniderei R. tauge. Beöaftlon, Expedition und vruderet: Schulpratze 7. ralh; für .Stadl und j bit oorn'Utag» 8 Uhr. Expedition für&ingtn: vahnhosftratze Iba. - Eelephon Ur. 50. Auzeigenteü^Bett'.

Die heutige Nummer umfaßt 20 Seiten.

* jüüi».»! ja

politifd?» Wod?6nfd?au.

j Girgcn, 26. Nov.

3 Nun die große Sprechmühle im iKeidjstag wieder im Acmge ist, hort inan auch wieder von der deutschen inneren Oie Ul der Sommer- uiü) Herbstzeit alä stehendes .- ^civuiiet so manche Sunipspflanze oder Paneipolitik ge- H uuD bet Stadrveiordnetenwahlen verheerend die Lamme gebrochen haue. Aus die Fleischnotunteihiiltung in stabttjchen Raisstuben, wo etwaige Agrarier schonungslos I [n den Sand gestrebt rourben, lst eine Unterredung im höchsten Paclautenl gejvlgt. Sie war ohne Zweifel inte* rejianter und belehrender. Daß eure Fleijchieuerung be» st.yl, wird nirgends, auch von den Konservatlven nicht, ** geleugnet Aber ein Zaubermittel dagegen ist nicht gleich ^ur Hand. Klagen ist leicht, wirtlich heuen schwerer. Zieht Jaidn dies in Betracht, jo hat der Staarsselretar Leloruct J am Mittwoch euie inhaltsreiche Rede gehalten. Er bc* 'I leuchtete die Ein,uhrlunder, nach deren Grenzoffnung man rtei, nach allen Seiten: in Oesterreich klage inan nicht .3|nuibet über Fleischrnangel, dabei seien dort 62UO0 Q)e* hoste verseucht; die Grenzos.nung nach Frantreich habe nidjt -- oicl genuyt, und die Zufuhr ans Holland, das stark ver- .euch: ist, 1 ei uni|o weniger gerechtfertigt, als Irisches Fletsch Dun dort in großen Mengen eingesührt werden kann. Der oteußtsche LanDwirtf'chajtslninisier widmete gestern Holland L. nod) ein besonderes Kapitest In Holland kommt au| 10)0 Z Lmwohner jur duS Jahr nur eine Vieh- und Fleisdy- (Ttoöuttiun von 2u4 Doppelzentnern, wahrend Deutschland iiie Produktion von 4ö2 Doppelzentnern hast Nimmt man M hinzu, daß in den ersten neun Monaten dieses Jahres schon 341JU Doppelzentner an srischem Rind- und Kalb- j iln)d) aus Holland eingejührt wurden, so fallt es nicht 5 allzu schwer, daran zu glauben, daß eine starrere Einsuhr - SON dorr unsere Prei,e nicht wesentlich beeinjlussen wurde.

Ls wurde von den Regiernngsvertretern überzeugend nach- zewiesen, und die Redner der Konjervatioen, des Zen* - Liumd, der Reich spartet und der Nationalliberalen schlo.sen ich ihnen in vielen Feststellungen an daß nicht grund- ählich von Mangeln bei der Handhabung der Einsuhr iber bei der Biehproduttion gesprochen werden kann. Tie .^leischoersorgung steht eben auch unter der Einwirkung -i mannigjacher wtrtjchastlicher Ur,achen, und man bekämp.t - )ie Fleischteuerung wirtlich am besten dadurch, daß man ~ )ie Biehprodultion in Deutjchlaiid weiter steigern Hilst. " namentlich an eine Herabsepung der Zolle nicht gedacht r uiib, wurde vom Regierungstijche auS besonders betonst ^wet Ratschläge erteilte der leandwirischaflsminister: an die Üb res, e der Lauern, daß sie durch genosjenjchastlichen Zu- ammenschluß und Le,ahren der Märkte stabile Preise - idjaiien uiochten das geht ein wenig gegen die Händler ~ und an die Stadtverwaltungen, biceti ol"!ch von Hol- _ land oder Dänemark zu beziehen, es an die Meyger unter ~ bejtünmien Ledingungen zu vertäusen oder-.selbst Leriaujs- - stellen einzurtchten. Man darf wohl annehmen, daß der - iHai, namentlich in größeren Städten, zeitweise bejvlgt - werden wird.

- , Wir haben wieder einen politischen Skandalprozeß, der kein Ende nehmen wilst Die ganze Woche verhandelt man schon über bm bekannten Moabiter Vorgänge, aber mit

11 Erfolg. Der Staatsanwalt mußte zahlreiche An-

(Siebener Staüttheater.

Der Gras von Gleichen

Schauspiel von Wilhelm Schmidtbonn.

I ließen, 26. Nov.

Die alte, in ihrem Ursprung noch nicht genügend auf* - öehellte Sage von dem Grasen von Gleichen, dem Mann - ben jiuei Frauen, die Ljilhelnr Schm dtbonn za einem >.0 Lluwollen Drama umgestaltet hat, sleht mit der Geschichte y unseres hessischen Fur,tenhauses in einigem Zusammenhang.

*ie 2age mag in Antnüpsung an ein je^t un Dom früher " bem Peterstloster zu Ersurt stehendes Grabdenlmal, aus

vom em Ritter zwisci-en zwei Frauen abgebildet ist, ent­standen sein und ,ie lebte lange un Lolismund, aber erst *ni 3^hre 1532 wurde sie ,U)ri,tlich erwähnt und zwar einer Denl'schrist, die M. Bucerus an Luther richtete, il)ii jur dir Doppelvermahlung Philipps des , Großmütigen geneigt zu machen.

7 Die Sage ist im Laufe der Jahrhunderte oftmals be- '5 ordcitet worden, u. a. von Goethe in seiner Stella, u cbcc auch er wurde demGleichen-Lrama" nicht völlig gc* * tedjt, denn die,es Drama muß notwendigerweise und . w i,t es auch der Sage nach ein Drama der Duldung lein' des Lerstehens, oer idealen, von allen irdischen Ge- 0eVeii losgelopen rweltanschauung; einer Lpeltan,u)auung, v öle 111 den modernen französischen Ehebruchsoramen ins 0 Wem humoripische verzerrt ist und die hier einen Meder- fiang bedeutet, wo sie in der Gleichen,age einen .Auijtrcg

0 Sur reineren LebenShöhe verjüuwitdricht.

4 Wilhelm Schmidtbonn hat die Sage in ihr Gegen- o vertehrt; aus der ,reiherzigen Notburg der lleoer- ) UL^erung hat er eine eifersüchtige, im inner,ten gelränl'te . und eroitterte Frau gejcha,seu und so muß ,ich das Werl

uostoeiidigerwLi,e zum hagoollen Eiier,ua)tsdrama ent* ^uteln. Die Notourg Sa)midlooniis duldet toine anocre vrau neben sich, ,ie haßt die Uteue, d^e chren Mann aus ^buiijaijuger öierrerhait erwst hat, sie haßt sie vom ersten ^genoau an, denn ujr ist es ein or^wdes, un.abbarws, oag in Mann zwei Frauen nut gid^er xübe zug^t^n (.in Linie, er um ujneii lustwandeln tonne uoer oi^ye.we Lswsen, 5le ^ugeu voll tlarev Freude, umwehst opL blondem und

geklagte aus der Haft entlassen, durch den Eifer der vielen Verteidiger schien es oft so, als säße die Polizei aus der Anklagebank. Unbegreiflich, daß eine Verhandlung jo writschwei.,ig werden kann! Hal inan gegen den ein­zelnen der erwischten Radaumacher keine schlagenden Be­weise, so sollte man chn von vornherein lausen lassen. Alles hat aber den Anschein, als hatten die Schutzleute bei den Unruhen nur üis volle Menschenleben greifen können, auss Geradewohl zugefaßt, üwej,en die Haupt­gauner sich aus dem Staube machten. Strafe muß jein, und die Zeugenaussagen haben nochmals nut vollster Deut­lichkeit gezeigt, wie-amloS der Pöbel gehaust hat, wie er von Radau- und Mordgier brannte. Aoer es hat wenig Zweck, Leute, von denen man nicht viel mehr zu wissen scheint, als daß sie in der schreienden Menge gesteckt halten, durch umstanduche Bernehniungen und Folgerungen zwar zu belasten, aber nicht zu überführen. Aua- die Art, wie man durch gerichtliche Aussragung führenderGenossen" Die Schuld der Sozialdemokratie an den Vorgängen nach­zuweisen sucht, ist verfehlst Natürlich leugnen Die Geno,sen alles ab und schieben alles Fluchwürdige auf die Polizei- ,abcL So ist der Eindruck auf das Der Verhanolung nur Itüchtig folgende Publuum ungünstig, niederoruckend. Kann man (ich Denn nicht an ernne,ene Tatsachen halten und kurz und gerade aufs Ziel loSgehen?

In London ist mun nach Der Festnahme der 153 Stimm* rechtlerinnen, die es mit einem Sturm ans Ministerwoh- nungen versucht hatten, kluger zu AZerte gegangen. Man hat |ie wieder laufen lajen. Allerdings war das Vorgehen Der Megären mehr lächerlich als gefährlich. London hatte mitten m Den ernsten politischen Auseinandersetzungen einen lustigen Tag. Erst heute, tommen aus,uhrlichere Berichte:

Es war ein düsterer Nachmittag. Dillster Nebel lag über beut Schlachifew. Die murine des Varmments in oerAboch verichwaauuen un Dunft. Jede S^rage wurde so zu einer sta-ercu ibereuucliung, lebe Ette eine Art von Himer halst Die Damen, wenn es erlaubt ist, sie ui diesem Zmamuienhange so zu nennen, kommen meistens Den Oelzweig in der Hand um) Den Dolch un Gewände. Sie lormen zunächst eine Deputation, Deren Zahl nach einem alten Parlamentsbeichlufj auf 12 be,chiänkt fein muß, unD eine Depu­tation, um irgeiidweliste politiiche Ansprache vorzutragen unD zu vertreten, genügt in England ein merrwurdiges Vorrecht. Mit Die,cm Vortrab gelangen die Frauenreastlerinnen meist baljm, wo ,ie wollen, und die;e Vergünstigung wird Dann dazu benutzt, um mit Dem Gros der Unterrocks ar mee lioch-zuorängen uno Die Voiition mit Gewalt zu nehmen. So war es am Freuag un Variamem, so war es gestern in DownstiLstreet.

Es war ein Bild, das oer ^i-amasie eines Wiertz würdig war, wie die einzelnen Lrupps der fanatiichen grauensimuier plötzlich aus Dein Durste! berausbrachen und mit geradezu hbstLrischer Ärait» enuoialung den slrets der Polizisten zu Durchorechen suchten. Mit Vannern, Schirmen, Fausten jüjiugen sie au, Die Diieiemerle ein, die, mit einer guten Schis aiiengliiajen Humors begabt, den Uniiiin über sich ergehen ließen. Dazu whlte, lachte Die Meiige.

Der iiucüe Angrsts war gegen Das Herz des Feindes: gegen Towiilngstreet selbst gerichtest Da mußten Die Munster springen wie Hajen übers Feld! Jri der impoianien Stärke von annähernd bOO Unterröden (vorausgesetzt, Daß jede nur einen getragen hm), er)d;ien das Heer vor Dowlungstreet. Und nur mit genauer Nm gelang es Der Polizei, den Eingang zu sperren. Der Druck der Franenüberniadst war aber so stark, daß die erste Kelte der Schutzleute Durd)brod)en wurde. Triumphier end ergossen sich Die Mänaderi in das Allerheiligste der englljchen Staatskunst. In Die,en Augenbliden ereignetet sich D^e gemclDeten Zwischenfälle. Pjundschitere Steine wuiden gegen die Hau,er geschleudert. Ldeit aber kämm die E.indriiiglüige nicht. Denn letzt nahte Verstärlung aus der männlidjeu Scste. lind nach hartem Kampfe wurde Dvw- ntngsfteet, das sonst noch niemals einen siegretd-en Gegner in

schwarzem Frauenhaar in einer Liebe. So erwacht ihr Reid, ihr Haß und sie stürzt die Nebenbuhlerin vom Fel,en ui den Abgrund, damit ihr Haus wieder ein Haus der Liebe werde, nach der sie mit bittenden Augen uno flehen- Munde verlangt. Die Notburg Schmidtbonns ist eine mo­derne, nervöse Frau, die sich nie vollkommen über ihr 'Sollen klar ist, im Widerstreit zwischen herz und Hirn beständig überlegt und erwägt und zu keinem Ende kommt. West sie eine moderne Frau ist, lomue das Gicichen-Drama Schmidkbonns fein Hoheslied der Duldung werden. Mit den Augen der heutigen Welt, muß es in Eifersucht und Tod enden, der leine Befreiung bringt.

Die Verkehrung der ursprünglichen Idee, die von un­seren heutigen Dichiern nicht nur Hardt mit seinem Tantris beliebt hat, sondern fast sämtlichen dramatischen Bearbei­tern überlieferter Stoffe (Achill, Griselda, Elektra, Geno­veva z. B.) befchrantt jedoch nicht die Bedeutung des Schmiotbonnschen Werkes an fich, und gerade die Notburg ist Dem Dichter am prächtigsten gelungen. Der Bonner Literaturpro.essor Litzmann fieht von diesem Grafen von Gleichen sogar den Beginneiner neuen Epoche des deut­schen Dramas" aber wenn das auch eineloialpatriotifche" steberschätzung ist, der ioarnie Herzschlag des echten Poeten ist überall m den drei Auszügen deutlich fühlbar, und nur ein Begnadeter kann jo in Menschenseelen lesen. Aber auch technisch ist das Stück meisterlich angelegt und die Auseinander,etzung zwisck^en den beiden Frauen ge­mahnt in ihrer unausdring.rchen Wucht an den Zwist zwifd)Ln Brunhild und Krimhüd vor dem Dome des mitlel- altcrlidjcn Worms. Mit packender Kraft sind die Gegen- ,äye herausgearveitet, Die sich in biutwoller Lebendig<. zur Katastrophe entwickeln. Zart und innig ist die Liebes­not der Gräfin, die nach zwölf freudearmen Jahren der glutenwarmen Umarmung ii^res Mannes begehrt, in lhrijch ,üßen Versen gebildet, ,acht und schlicht das kurze, jinn* voste Gespräch mit der Magd, Die rasch ihrer Leioen,chaft leben dar,, und das necklfche Spiel der verliebten alten Leutchen. Feine, finge Beziehungen. Zwar, die Verse sind nicht immer genau und |ie wuroen ge^ecu auch nur ,'etten mst Bedacht gebrochen, aoer Dic,e Uicitug.eilen ge^en unter m der Macht des oichrerifchen Aufdrucks, u Dem bedeuten* otm Zauoep der RheurrornantiL

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feinen Mauern gesehen, wieder geräumt. Unter den Angreiferinnen befand sich auch eine verkrüppelte Frau, die ihren Krankenwagen. gleidyiQm als Streitwagen benutzte, und ihre Genossinnen anfeuerte, dyn den Sdyutzleuleu gegen die Schienbeine zu rennen. Als nach wiederholten Versuckyen der Wagen in Stücke zu gehen drohte.^ nahm man dies ,elt|ame Wesen zu feinem größten Entzücken endlich in Hast. Auch ein Beweis sür die Hysterie der ganzen Sache.

Der englische Minister des Innern dachte vor den Neu­wahlen sehr wilde. Auf seine Veranlasjuiig wurden die meisten der verhajteten Frauen auf freien Fuß gesetzt. UnD Vor allen Dingen wurDe kurze Arbeit gemadyt Einige der tollsten toteiiuuerjerinneii erhielten em paar > Wochen Gefängnis, andere Eamcn mit Geld,trafen davon, die ,ie in ihrer Marchrerlust selbst zu GesangniSstrasen um» ivanbelleiL Weitspurige politische Auseinandersetzungen unD überftüssige Unteifuchungen wurden vor Gericht oer* micbeiL Man wollte den Wahlagitationsstojs nicht unnütz vermehren. Auch bei uns hatte man von solchen Erwä­gungen ausgehen muffen und nur die Unterlagen jür| em präzises nechtsnrteil schassen sollen. Aber Da-, nächste Mal wico die Schutzmann,cha,t auch keine Handschuhe an/ zleheu tonnen, lueiui sie Au,rühr und Lanosriedensbruch unterdrückt. Vielleicht werden die polizestichen Gegeiimaß» regeln nbch entschiedener und nachdrucclicher zur Amocndung ivmmen. Mitgegangen, mitge,angen; das muß sich jeder­mann bei solchen Voclouiuuiisfen zur Warnmig Damen la j, cil

Suttctmüleßöüe.

Tie Deutsche Volisa-iriicyasiiiche norrespondenz schreibt:

Die Aiurage der bayerischen iHegierung beyuss Herabmin­derung Der Ficiichpreise beziehen sich u. a. auch aus Die Auihiwung des Euisuhrzolis sur Maus unD Fiuiergerste. Der Zock aus Mais beträgt ö Mark, Der aus Fmierger,te L,<x) Mark sur 1 Doppel* zcnuier. Selbständig tonn Der Bundesrat diese Zölle Leder oouibergebeuD noch dauernd aus heb en, vielmehr bebars er dazu Des öununniunfl Des Reichstags. Uno joiue Der Biuidesrat sich Dem Antrag Bayerns auch an,chließen, so ist es doch recht frag* liay, ob er dajur euie Mehrheit un Reichstag sindeu wird. Lnich unieni neuen Zolltarif uno Die neuen Bandeisoer trage ist Der Maiszoll erhöht worden, weil Die cuiiyemuKiyen Fuiterstosfe, ins-, befoiwcre FuttergetreiDe, gegen Die starke Maisein,uhr geschützt' werden jollteiL tatsächlich i,t auch seitdem die Emsuhr von Maus' zuruugegangen. Dasur hat ober Die Einfuhr von Futtergerste ganz ueDcuieno zugenommen. Der Holl aus Futtergerste ist rtamlich uichi erhöht, )onoern von 2 Mark aus L,<k) Rtart herabgesetzt, lualjieiibf gleiuj^euig der Zoll jur Malzgcrfie von 2 Mart auf 4 Mark yuiaujgeießt nmroe. Da eine Ermäßigung des Ncal^gerstezoileä uiayt ui Frage kommt, so wurde ml) Der BollmckerschieD für Malz* unD Fnaergerste, Der setzt 2,/U Mark sur X Doppelzentner be­nagt, un Falle per .Aushebung des .FuUugerftezockes. aus i Mark eihohen.

In demselben Maße würde sich die Zolldifferenziemng der ö st erreichiich-ungarischen Gerste versd-ärfen. Aus Oesterreich-Ungarn erhalten wir fast ausjdstießiich RialzÄerste> aus Rußland Dagegen Futiergerste. Tie Eutsupi aus Rußlomb wurde daher m ^utunft zollfrei ersolgen, wählend Die Einfuhr auS Bcfterrera--Ungarn nach wie vor Dem FoUsatze von 4 Mark unter­liegt. Oesterreich-Ungarn wüioc gegen Diese neue Bevorzugung Den ru, lisch en Euisuhr voraussichtlich Einspruch erheben, Denn der letzte Handelsvertrag zwi,a-en dcm Deut,chen Reich und Oesterreich« Uiigani ist doci- unter Der Voraus,etzung abgeschlossen worden, baß Der Follunterschicd zwiicheii der österreichi,chen und der rufiiidyen Gerste nicht über den Betrag von 2,7U Mark hinausgehen weide. Und bekanntlich hat es Oefterreich-Ungarn beim Abschluß des träges auch Darchgeictzt, daß teu^ichi^id bei Der Ausiuhr voy Malzgerste und Malz nur eine Zollvergütung von 1,30 Mark/ nidyt 4 Mark gewähren darf. Mclttye Zollvergütung soll nun in .................. ~ ! ----r:.-~

Die Aufführung, die zur Feier deS Geburtstages un­seres Großl-erzogs mit der unter Obermusikmeister», der sehr gut gespielten Leonoren-Ouverture und einer' kurzen, geharivoaeu Ansprache Des Oberbürgermeisters ein-: geleitet wurde, l^mühte sich mit glücklichem Erfolg, den Gehalt der Dichtung zu erschöpfen. Mit gutem Recht war der Ausstattung eine aufmerqame Beachtung geschenkt wor­den, und der Morgen, der mit dem girrenden Vogelgesang; langsam in den Tag wachst, war Volt reicher, reiner Slim-' rnung. Den FelS aber hätte ich mir etwas weniger llapperig^ gewünscht, mehr festgefügt, wie Felsen Jüib. Die Einzel^ teijtungeu zeugten un großen ganzen ebenfalls von einer cuiijeitiidjen Durck)dildung. Gertrud Baumeister- Felsegg als Notburg, die klaraugige Hüterin ihres ehe­lichen Friedens, überzeugte durch Die iu)iick)te Innigkeit chres' Spieles unD manchem mag sie vielleicht als die eigentlich^ UebeiicQeue erfckyienen sein. Das wäre zivar des Dichters^ Absichten entgegen, der in der Gestalt des hier mit Recht geftncyenen Trogiuechtes das Schicksal svgar persönlich auf­treten und ein wenig allzu frei schalten ließ, aber es be-, wiese die feste Wurzemng unserer Einehe. Den verträum­ten Schwärmer, denn das soll der Graf von Gleichen in dev Dichtung fein, spreite Richard Bruno in schöner Durch- geiftigung. Seiner Darstellung fehlte aber die Geschlossen­heit unD dte geruhige Wurde. Schlank und edel von Gefialt, auSgejiaiiet mit prachugen stimmlichen LttUeln, ließ sein Spiel eine klug gemäßigte Geberdensprache vermissen. In den ruhsamen, wenig erregten Steilen bot er jein Bestes, sowie aber em Sturm in das Herz kam ruderte er wie wcuanü Demosthenes unaufhörlich mit den Schultern, die Arme schnellten unschön umher, Die Sprache wurde zur Deklamation. Die wenig glückliche Gestalt der schemenhaften Nasmi, die bei der Ur» ausführung int Beniner Deutschen Theater selbst eine Ka- milla Eibenschütz nicht recht beleben konnte, spielte Hilde Engel etwas gar zu kindlich im Ton, sonst aber nidjt übel. Don den übrigen Tarsteckern sind noch Kurt Güyne ^Burgvogt), und Lari Volck (Wetzel) zu nennen.

Laxt Leirrath-