Nr. 175 Erstes Blatt 160. Jahrgang Freitag SS. Juli 1910
Der Lietzener Anzeiger VeznqSpretS:
erscheint täglich, außer ö ' x Ml W monatlich 7öPf., viertel-
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bis DornS's’u^ «otatkonrdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Such- und §teindnickerei E. Lange. Redaktion. Srpedition uns Druckerei - Schulstratze 7.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Die Deutschen in Rußland.
Aus Rußland kommt eine Reihe von Rachrichten, die auf das Anwachsen einer entschieden deutsch-feindlichen Stimmung im Zarenreiche schließen lassen. So wird berichtet, daß eine Anzahl deutscher Kolonisten aus Wolhynien ausgewiesen s«, allein deshalb, weil sie sich weigerten, die russische Staatsangehörigkeit anzunehmen. Es wird weiter gemeldet, daß die Gouverneure der Grenz-gebiete angewiesen sind, die politische Gesinnung der reichsdeut^- schen Kolonisten zu erforschen, weil dem Premierminister Stolypin schon seit längerer Zeit amtliche Berichte zugegangen sind, die die Deutschen als ein politisch gefährliches Element schildern. Drittens aber wird mitgeteilt, daß der Duma int Herbste ein Gesetzentwurf zuaehen soll, der die in Rußland lebenden Isländer, bei denen es sich doch in der .Hauptsache um Deutsche handelt, unter eine Art Ausnahmegesetz stellen, und sie in mannigfacher Beziehung, namentlich Hinsichttick) des Erwerbs von Grundbesitz, soviel als möglich einengen soll.
Wenn man bedenkt, daß in den Tagen Peters des Großen und Katharinas, ja, bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinein die Deutschen das eigentliche Ku l tur elem en t Rußlands darstellten, von dem die Slawen lernten, so wird man diese Nachrichten leider als das nehmen müssen, was sie in der Tat bedeuten, nämlich als einen Umschwung der Stimmung, als eine offene Erklärung der Feindschaft gegen alles, was deutsch ist Gleichzeitig'aber auch als ein Akt der Undankbarkeit gegen die deutschen Kulturelemente in Rußland, denen das Zarenreich doch im Grunde genommen seine Entwicklung zu einem Halbwegs zivilisierten ©taate verdankt.
Es mag ja sein, daß man in gewissen echtrussischen Kreisen das intellektuelle und wirtschaftliche Uebergewicht der deutschen Kolonisten fürchtet, daß sie aber jetzt als politisch gefährliche Elemente hingestellt werden — dafür gibt es auch nicht den geringsten Beweis. Waren es doch gerade die Deutschen, die in den Jahren der russischen. Revolution treu zur Regierung standen und sich aller Putsche, aller Bombenattentate usw. enthielten. Wie allso will man danach an ihrer staatstreuen ©efinnung gegenüber ihrem Adopttvvaterland zweifeln und zum Beispiel den Märchen eines Gorski und Bobrinski Glauben schenken, daß im Jalle eines kriegerischen Konflikts zwischen Deutschland und Rußland die im Zarenreich lebenden Deutschen einem Einmarsch deutscher Truppen in die Westgouvernements Vorschub leisten würden!
Eine Behandlung, wie sie jetzt unseren Stammesbrüdern in Rußland gegenüber seitens der russischen Regierung beliebt und mit ihrer angeblichen landesverräterischen Gesinnung entschuldigt wird, verdienen diese nicht. Man will in St. Petersburg durch das beabsichtigte Ausnahmegesetz nur die Massen des xussischen Volkes für die Regierung gewinnen, indem man den Deutschen das Fortkommen erschwert und dadurch den russischen Gewerbetteibenden und Bauern den Deutschen gegenüber konkurrenzfähiger zu machen sucht. Daß es sich hierum Und nicht, wie die russische Regierung vorgibt, um die Bekämpfung einer Rußland int Innern drohenden deutschen Gefahr handelt, geht zur Genüge aus der Begründung des neuen Fremd enge s e tz e s hervor, wo es ausdrücklich heißt, daß die deutschen Kolonisten, nachdem sie einmal festen Fuß gefaßt hatten, als das wirtschaftlich stärkere Element Die russischen Bauern rasch überflügelten und sie jetzt von ihrem Lande zu verdrängen suchten. Wenn aber in der Denkschrift außer-
dem geltend gemacht wird, daß die Deutschen das int Jahre 1887 erlassene Gesetz, welches allen Ausländern den Erwerb von Grundeigentum in 21 Gouvernements des westlichen Rußlands untersagte, dadurch umgingen, daß sie russische Staatsangehörige wurden, ohne ihre Nationalität aufzugeben und ohne sich mit der russischen Bevölkerung zu verschmelzen, so mag das für die russische Regierung, insoweit es ihr Bestreben ist, die fremden Elemente zu russifizieren, bedauerlich sein, rechtfertigt es aber keinesfalls, daß man jetzt daran geht, die Deutschen in Rußland in ihren Rechten noch mehr zu beschränken.
Es ist ein überaus tüchtiges Element, das diese nicht nur für Rußland, sondern überhaupt darstellen. Brachten sie es doch fertig, nachdem man ihnen durch das Gesetz vom Jahre 1892 den Erwerb von Grundeigentum noch weiter erschwert, dieses Gesetz aber 1895 wieder aufgehoben hatte, allein im Gouvernement Wolhynien während der Jahre 1902—04 14300 Deszjatineu Land zu erwerben, ja, von 1905—1908 sogar 36 000 und allein im Jahre 1909 deren 21598, so daß die deutschen Kolonisten in Wolhynien jetzt im ganzen 700 000 Deszjatinen ihr eigen nennen und 12 Proz. des Gouvernements in ihrem Besitz haben. Solche wirtschaftlichen Erfolge gehen natürlich auf das Konto des russischen Bauern, gleichzeitig aber lernt er auch von den Deutschen, wie man es machen muß, um rationell zu wirtschaften. Und eine solche Unterweisung, mag auch der russische Bauer dafür noch so viel Lehrgeld zahlen, ist nicht zu unterschätzen. Sie muß früher oder später der russischen Landwirtschaft zugute kommen, so daß Rußland sich in sein eigenes Fleisch schneidet, wenn es jetzt unter dem Vorgeben, die Deutschen in Rußland seien politisch-gefährliche Elemente, ihnen das Fortkommen durch ein speziell auf sie zugeschnittenes Ausnahmegesetz erschwert, sie unter gewissen Voraussetzungen sogar des Landes verweist und sich dadurch tausender fleißiger Arme beraubt. Deutschland und vor allem seine Kolonien werden den Strom deutscher Auswanderer aus Rußland, den das neue Gesetz wahrscheinlich im Gefolge haben wird, mit offenen Armen aufnehmen.
Das Zentrum und der Reichskanzler.
Anscheinend in völliger Nichtachtung der abenteuerlichen Eisenbahn-Enthüllungsgeschichte, die durch die „Germania" verbreitet worden war, bespricht Julius Bachem im „Tag" das undurchdringliche Schweigen des Kanzlers, die „Rätsel der Sphinx Bethmann", Bachem kommt zu folgenden Schlüssen:
Er wird sich schwerlich int Sinne des alten Kartells engagieren, ehe er sieht, ob die Vorbedingungen dafür gegeben, ob namentlich die Mehrheitsverhältnisse im Reichstage einigermaßen danach sind. Das wird sich aber erst im nächsten Jahre zeigen, und darum/ wird wohl Herr v. Bethmann bis dahin weder viel reden und noch weniger in der einen oder anderen Richtung sich feftiegeru
Das sollte ihm niemand verdenken. Im Zentrum verdenkt man es ihm auch sicher nicht. Dort wartet man ruhig ab, was werden wird. Man tut Herrn v. Bethmann schwerlich unrecht, wenn man annimmt, daß er dem Zentrum weniger freundlich gegenüberstehe als Fürst Bülow in den ersten Zeiten seiner Reichskanzlerschaft und Ministerpräsidentschaft. Daraus folgt aber noch nicht, daß Herr v. Bethmann Antizentrumspolitik treiben werde. Das wird zum guten Teil davon abhängen, wie die entscheidenden parlamentarischen Faktoren sich demnächst gestalten, und namentlich wie das Zentrum in dem allgemeinen Kuddelmuddel sich behaupten wird. Darum hat auch die Zentrumspartei meines Erachtens viel weniger Interesse an der Erforschung der politischen Psyche des Reichskanzlers als daran, daß durch ihr umsichtiges und energisches Eingreifen in die nächste Wahlbewegung die innerpolitische Situation sich so gestaltet, daß der leitende Staatsmann,
auch wenn er gern möchte, eine ausgesprochene Antizentrums- Politik nicht treiben kann, sondern das Zenttum als den anderen Parteien, auch etwaigen Lieblingsparteien, gleichberechtigten, in den wichtigsten Fragen unseres parlamentarischen Lebens mit» bestimmenden Faktor gelten lassen muß.
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Die Erweiterungsbauten am Nordostfeekanal.
Die Erweiterungsbauten am Nordostfeekanal haben der östlichen Kanalmündung ein völlig verändertes Aussehen gegeben. Zwei gewaltige Bauwerke sind, so wird der „Köln. Ztg." aus Kiel geschrieben, neben der Kanalerweiterung im engeren Sinne im Entstehen: die neuen Ostfeeschleusen und die Holtenauer Hochbrücke. Die Gutehoffnunghütte hat die Ueberspannung des neuen Kanals schon so weit gefördert, daß die lichte Höhe über dem Kanalwasserspiegel deutlich erkennbar ist. Die Ueberbrückung geschieht im freien Vorbau, es werden keine Gerüste, die die Schiffahrt behindern würden, im Kanalbett errichtet. Die Hochbrücke bei Holtenau wird als erstes Monumentalwerk des Erweiterungsbaues in Betrieb genommen werden. Die Fertigstellung erfolgt 1911, und c§ heißt, der Kaiser werde der Einweihung in der Kieler Woche 1911 beiwohnen. Baggergeräte, Pumpwerke, Kräne umgeben die Baustätte der neuen Schleusenkammern, die die größten der Welt sein werden. Es wird hier eine Tiefe von 24 Metern ausgebaggert. Jede Schleusenkammer erfordert; 400 000 Kubikmeter Mauerwerk.
Um die vorgesehene Bauzeit für den Kanal einzuhalten, wird mit Tag- und Nachtschicht gearbeitet. Das große Unternehmen soll in allen seinen wesentlichen Teilen Ende Dezember 1914 fertiggestellt sein, so daß im Frühjahr 1915 die feierliche Eröffnung erfolgen kann. Bisher haben die Arbeiten einen sehr guten Verlauf genommen; abgesehen von einzelnen kleinen Rutschungen und Dammbrüchen sind Störungen nicht Dorgefommcn, die Schiffahrt hat noch keine einzige Stockung erlitten. Handelsschiffe befahren nach wie vor den Kanal. Für die Kriegsstotte sind Kanalfahrten im Geschwaderverband nur dadurch unmöglich gemacht, daß die Blücher- und die Nassauklasse der Hochseeflotte einverleibt worden sind.
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Vom Vierwaldstätter See über die Wolga nach Sirdbrafilien.
Ein charaktenstisches Beispiel über die Wanderungen deutsch-bäuerlicher Kultürpioniere, bei dem es sich um Deutsch- Schweizer handelt, entnehmen die Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum im Ausland einem Bericht aus dem brasilianischen Staate Parana. Es heißt darin:
Gute deutsche Landsleute trifft man auch in der Nähe voir Lapa. Dort finden sich zwei Kolonien mit den so recht heimatlich klingenden Namen Mariental und Johannesdors. Mehrere deutsche Familien haben sich dort vor zirka 30 Jahren niedergelassen, nachdem sie ihre früheren Wohnsitze an der Wolga in Rußland verlassen chatten. Hier wie dott lebten sie stets treu nach dem Beispiele ihrer Väter. Vor 150 Jahren waren ihre Vorelterw von Luzern (Schweiz) an die Wolga gezogen, um dort deutschen! Fleiß und Sinn weiter zu entfalten. Durch Ukas der Kaiseriw Katharina war den Ansiedlern für 120 Jahre Befreiung vom Militärdienst zugesichert. Nach Ablauf dieser Frist zogen es! manche Familienväter, die zahlreiche mllftärpflichtige Söhne hatten, vor, von der Genehmigung der Regierung zur Auswanderimscr Gebrauch zu machen. Sie wandten sich nach Südbrasilien. Trotz der anderthalbhundertjährigen Abwesenheit vom Vaterland leben jetzt noch deutsche Sitte, Sprache und Charakter unter ihren Nachkommen dermaßen rein und unverfälscht fort, daß man glaube^ möchte, in einer Gegend des ursprünglichen Mutterlandes zu ferm
dem war er ein Mann, der selbst bedenklichere Situationen überlegen zu beherrschen verstand. Davon erlebte Werther ein besonders hübsches Beispiel. Er konnte der Tacitus- Lektüre kein besonderes Interesse abgewinnen und schmökerte dafür während des Unterrichts heimlich im Shakespeare, der damals seine leidenschaftliche Teilnahme erweckt hatte. Plötzlich hörte er Meinecke sagen: „Keiner von Ihnen hat die Stelle richtig übersetzt; jetzt werde ich mal einen fragen, der sich eben mit ganz fremder Lektüre beschäfttgt, der wird sie übersetzen können, nämlich Werther." Blitzschnell führ Werther auf und warf den Shakespeare unter den Tisch. Alle lachten. Dann stieg der Professor zu ihm heran und sagte leutselig ironisch: „Hier, mein Bester, halten wir, nun lesen Sie sich den Satz erst durch unh dann übersetzen Sie ihn!" Wertster schämte sich, aber es ging, so daß der Professor ausrief: ,,^ch wußte ja, der kanns, obwohl er weder ausgepaßt noch sich zu Hause präpariert hat."
Zum T h e a t e r ist Werther auf einem großen und ganz merkwürdigen Umwege gekommen. Der Tod seiner Mutter warf ihn so völlig aus dem Geleise, daß es ihm wie eine Erlösung war, in ganz andere Verhältnisse, nämlich auf das Kueiphöfische Gymnasium in Königsberg, versetzt zu werden. Dort war sein Onkel Chemiker an der Universität, und dieser, sowie fein Freund und Kollege, der später weltberühmte Helmholtz, gewannen auf den jungen Werther solchen Einfluß, daß er das Studium der Natur- wissenschaften, insbesondere das der Geognosie und des höheren Bergfachs wählte. Der innere Ruf freilich fehlte völlig, aber er absolvierte doch ganz ord^- nungsmäßig 5 Jahre des Studiums an der Berliner Universität uno der praktischen Tätigkeit im höheren Berg- fache, machte auch fein Bergexspektanten-Examen und den Dr. Phil. Als aber dann sein Vater gestorben war, da konnte er dem alten in ihm schlummernden Drang zur Bühne nicht mehr widerstehen, hing seine ganze Karriere an den Nagel und fuhr nach Wien zu Laube, der damals das Burgtheater leitete. Laube war früher manchmal Gast im Werth ersehen Hause gewesen, ihm schüttete Wertster jetzt fein Herz aus und fragte ihn um Rat. Laube prüfte ihn und riet darauf besttmmt zu. Mit einer wahren Leidenschaft
Aus den Erinnerungen eines Theatermannes.
Julius von Werther, der verstorbene Theaterveteran, der durch feine Wirksamkeit als Generalintendant der Stuttgarter Hofbühne weit bekannt geworden, und, wie wir schon kurz mitteilten^ auch in Darmstadt noch nicht vergessen ist, hat noch kürzlich in der „Münchener Allgemeinen Zeitung" Erinnerungen aus seiner Jugend veröffentlicht, die auf den Werdegang des geistvollen Mannes interessante Lichter werfen. Seine Kinderjahre verlebte er auf dem väterlichen Ritter gute Thüringen bei Roßla, das in der Goldenen Au am Fuße des Kyffhäusers lag. Dort war er mit Unterricht nicht sehr geplagt worden: ein Hauslehrer hatte ihm das Abc und was so drum und dran hängt beigebracht und der junge Werther sah sich daher in eine völlig neuq Welt versetzt, als er mit 9 Jahren in die Oberquinta des durch seine hohen Ansprüche bekannten Joachimsthal- schen Gymnasiums in Berlin eintrat. Dort hatte er nun allerlei Erfahrungen zu machen. Zunächst sah er sich wegen seines thüringisch-sächsischen Dialektes oon seinen Berliner Mitschülern verspottet. Das Thüringische hat er sich später abgewöhnt, aber das Berlinische ist ihm, wie er beinahe mit Befriedigung her vor hebt, nie gelungen. Der junge Werther hatte aber noch eine andere Eigenschaft, die ihn der Quinta des Joachimsthalschen Gymnasiums merkwürdig machte; er hatte nämlich bereits ein Tr a u erspiel versaßt. Dieses scheint einige Ähnlichkeit mit Schillers Räubern gehabt zu Haden, denn Werther erinnert sich, wie er mit feinen Kameraden eifrig Tüten klebte, deren Aufknallen am Abend die Pistolenschüsse der Räuber vorstellen sollte.
Bei derartigen Interessen war es ganz natürlich, daß das „Pennal" bis zur Untertertia für Werther ein Passions- Weg war. Später aber kam er in die Hand von Lehrern., die ihm das Leben der Geschichte und Die Schönheitswelt des Altertums zu eröffnen wußten. Es waren dies der spätere Historiter der deutschen Kaiserzeit, Giesebrecht, der nachmals so berühmt gewordene Philologe Kirchhoff, endlich und vor allem aber der Direktor Meinecke, der den Homer glänzend den Schülern nahezubringen wußte. Außer
stürzte sich Werther in das neue Fach, das seine alte Liebe war, und war nicht aus dem Burgtheater herauszubringen. Zwei Jahre später nahm Dingelstedt ihn nach Weimar als Jntendanturlehrling, uud.'damit hatte nun Werther die Laufbahn gefunden, auf der er sein Bestes im Leben leisten sollte.
Wellmann über seine Ozean-Luftfahrt.
Mit wachsendem Interesse verfolgt Amerika die umfangreichen Vorbereitungen, die in der kühnen Luftfahrt gipfeln sollen, in der Wellmann im Herbst mit seinem Lenk» baIton „Amerika" den Atlantischen Ozean überqueren und in Europa landen will. Der unternehmende Amerikaner, der seinerzeit durch seine unglücklichen Versuche, mit einem Lenkballon den Pol zu erreichen, bekannt wurde, hat sich in „Atlantic City" über die Aussichten seines Vorhabens geäußert. Sein jetziger Versuch sei ein Echo des Planes, den Nordpol mit dem Luftschiff zu erreichen, den er damals, den Spuren des unglücklichen Andre folgend, gefaßt habe. Die „Amerika" ist von Paris bereits unterwegs und in 14 Tagen werden die Versuchsfahrten beginnen, die das Wagnis des Ozeanfluges vorbereiten.
„Ich weiß nicht, ob ich mein Ziel erreichen kann, aber versuchen können wir es. Die „Amerika" kann 17 000 Gallonen Gasolin mitiühren. Wir könnten wenigstens 33 englische Meilen m der Stunde zurücklegen, was schneller wäre wie die Fahrt bei „Maurelania". Aber das ist nur eine theoretische Erwägung: in Wirklichkeit werden wir langsamer fliegen müssen, weil sonst unser Heizmaterial zu schnell erschöpft wäre. Bei günstigem Winde werden wir mit 17 englischen Meilen in der Stunde zufrieden sein; sollte das Wetter uns wirklich günstig gesinnt sein, dann erst würden wir beide "Diotoren benutzen, um größere Geschwindigkeiten zu erzielen. Mit meinen Gefährten trage ich die Verantwortung, unä wir tun alles, um die gefährliche Sache auf möglichst gefahrloses und sichere Wege zu leiten. Vielleicht gelingt es uns, vielleicht endet alles mit einem Mißerfolg; aber wir haben keine Angst vor dieser Möglichkeit, zu scheitern und ausgelacht zu werden."
Daß die „Amerika" imstande ist, eine 3000-Meilenscrhrb zu vollbringen, sollen in den nächsten Tagen die Landflüge bei Atlantic City beweisen. Aber die entscheidenden Fragen/


