Ausgabe 
29.7.1910 Erstes Blatt
 
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Spanien und der Vatikan.

Das - Zerwürfnis der spanischen Regierung mit dem Vatikan scheint nach der folgenden Meldung immer ernster $u werden.

Madrid, 28. Juli. Zu der Meldung des Blattes Liberal", die den Bruch mit dem Vatikan als Folge einer eingegangenen unversöhnlichen Note des Papstes als bevorstehend bezeichnet, erklärte Minister­präsident Canalejas, ohne die Meldung richtig zu stellen oder zu bestätigen, die Regierung habe eine Note des Vatikans erhalten, die besage, die Verhandlungen über die Beschränkung der religiösen Orden könnten unmöglich fort­gesetzt werden, wenn nicht die Regierung ihre letzten, in der religiösen Frage getroffenen Anordnungen rückgängig mache. Canalejas fügte hinzu, er werde bei den Ver­handlungen mit dem Vatikan alle Mittel der Klugheit an- wcnden, aber er sei entschlossen, den von dem Land ein­gegangenen Verpflichtungen nachzukommen.

Empfindlichkeit und Aengstiichkeit der Engländer.

Mit welch ängstlichem Interesse die englischen Parla­mentarier die Ereignisse in der Welt verfolgen, geht wieder aus folgenden neuen Anfragen im Unterh'ause hervor:

London, 28. Juli. Im Verlaufe der Donnerstag- Sitzung im Unter Hause fragte Paver den ersten Lord der Admiralität, Me. K e n n a, ob er Kenntnis davon habe, daß erstens, während das sch wer st e Geschütz der eng­lischen Marine nur Geschosse von 1250 Pfd. feuere, das neue deutsche Geschütz solche von 1600 Pfund feuern würde, daß zweitens, während bei der englischen Marine das Gewicht der von den schweren Geschützen der Breit­seite abgefeuerten Geschosse nur 147 900 Pfund betrage, bei der deutschen Marine sich dieses Gewicht auf 161 000 Pfund belaufe und drittens die neuen mit vierzehnzölligen Geschützen auszurüstenden Schiffe der deutschen Marine 8000 Tons größer seien, als die ursprünglichen englischen Dreadnoughts".

Mc. Kenna erwiderte: Ich kann für die Richtigkeit der Frage und die angegebenen Zahlen die Verantwortung nicht^übernehnlen.

Stewart (liberal) fragte Grey, ob er feilte Auf­merksamkeit der Errichtung eines Kolonialamts in Japan zugewandt habe, dessen Aufgabe es sei, die An­gelegenheit von Korea, Formosa und Japanisch-Sachalin zu überwachen und ob die britische Regierung Grund zu der Annahme habe, daß von Japan ei ne formale An­nexion Koreas beabsichtigt sei und ob ferner die Regierung in diesem Falle Schritte tun werde, um die kommerziellen Rechte der englischen Kaufleute in Korea zu schützen.

eie Edward Grey erwiderte, seine Antwort auf die erste Frage bestätigend, im Falle der Annexion Koreas sei beschlossen worden, daß die britische Regierung sorgfältig über die besten Mittel sich klar werde, ihre kommer­ziellen Interessen in Korea zu schützen.

jL o n d o n , 28. Juli. Die von deut Premierminister Asquith vorgeschlagene Fassung der Erklärung des Königs bei der Thronbesteigung wurde mit 244 gegen 54 Stimmen an g en o mm eit.

Aus Marien bad wird gemeldet: Staatssekretär von Kid erlen-W achter ist am Donnerstag abend i/29 Uhr nach Berlin ab gereist. Graf v. Aehrenthal begleitete ihn an den Bahnhof, wo auch der Vizebürgermeister, .Stadt­rat Rubritius erschienen war.

Ans Stadt nnd Larrd.

Gießen, 29. Juli 1910.

" Hessische Schlachtungsstatistik. Nach der amt­lichen Statistik über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau wurden in Hessen im April, Mai und Juni 1910 (bezw. 1909) geschlachtet: 262 (254) Pferde, 4211 (4340) Ochsen, 353 (418) Bullen, 10319 (9069) Kühe, 9590 (10 266) Jung­rinder über 3 Monate alt, 21 821 (24 076) Kälber bis 3 Monate alt, 75 296 (78 435) Schweine, 1979 (2113) Schafe und 12 456 (11591) Ziegen.

** Dein Vergleich wegen des Eigentums des Stadt- kirchturmes und der Fri ed h ofs kape lle ist jetzt auch

die unbekannten Faktoren werden erst durch den Flug über den Ozean geklärt: ob die Ballonhülle durch die trans­atlantische Atmosphäre geschädigt wird, ob die Wmdström- ungen günstig sind und überwunden ivecden können. Aus alle Fälle wird Ende September die Fahrt angetreten. Die Amerika" führt einen Apparat für drahtlose Telegraphie an Bord, durch den Wellmann die Gefahren des Fluges auf ein Minimum zu reduzieren hofft. Er will sich bei dem Fluge möglichst an die Routen halten, die die Passagierdampfer be­nutzen. so daß Hilfe im Notfälle leicht zu erlangen wäre. Darum hält Wcllmann auch das Unternehmen keineswegs für so gefahrvoll, wie das Publikum im allgemeinen glaubt.

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. r- Narkotisierende Wirkung deselek­trischen Schlafes". Die Elektrizität macht immer weitere Eroberungen auf dem Gebiete der Heilkunde, wie Dr. Schnees interessante Mitteilungen in der Elektro- techntschen Zettschrift über Versuche, Gefühl- und Bewußt-, lostgkett mittels elektrischer Ströme herbeizuführen, be­weisen. Tie vorgenomntenen Experimente gingen darauf aus, dte sonst übliche Aerher- oder Chloroformnarkose durch eine rem physikalische, in diesem Falle also elekrrophysi- kaltsche, zu eiffetzen. Im Jahre 1902 hatte schon Professor Ledue aus Nantes in Bern auf daraufbezügliche Erfolge aufmerksam gemacht. Dieser Arzt bediente sich zur Er­zielung anästhesierender^ und narkotisierender Wirkün- aen deselektrischen Schlafes", eines besonders ge­stalteten Gleichstromes hoher Frequenz, der auch nach ihm Leduestrom genannt wird. Die auf diese Weise künstlich aufgehobene Gehirntätigkeit soll nach Unterbrechung des elektrischen Stromes sofort aufhören, d. h. der Patient erwacht alsbald. Folgeerscheinungen oder Nachwirkungen der Narkofe sollen nicht auftreten.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissen sch aft. Wie wir hören, ist am 20. Juli der Privatdozent an der Tech- ngcheu Hochschule in München Dr.-Jng. Martin Näbauer zum ordentlichen Professor für Geodäsie an der Technischen Hoch- lchule zu Braunschweig ernannt worden. Er tritt dort o? Stelle von Prof. H-ohenner, der nach D a r m st a d t über- uchelt. Dem Vernehmen nach hat der Privatdozent an der Unit)erntat Straßburg i. Els. Dr. Ernst Stadler den Ruf out den neuerrichteten Lehrstuhl für deutsche Philologie an der llnmecntat B r u s s e l angenommen. Aus M a r i e u b a d wird gemeldet: Der Geheime Baurat uird ordentliche Professor für ^ngenlcurwesen an der technischen Hochschule in Dresden, August Frühling, ist hier, 63 jährig, gestorben,. . ,, ,

da§ Oberkonsistorium beigetreten. Die Genehmigung der Stadtverordneten steht noch aus, doch ist an deren Zu­stimmung nicht zu zweifeln. Der Turm wird unter gewissen Bedingungen Eigentum der Kirchengemeinde,'die alte Fnedhofs- kapelle dagegen bleibt Eigentum der Stadt.

Erledigt ist eine mit einem cvang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Groß- Rohrheim.

Studentische Unterrichtskurse für Arbeiter und Unterbeamte. Sonntag, 31. Juli, findet ein Familien-Ausstug nach dem Heuchelheimer Mühlchen statt.

Der Sängerkranz veranstaltet am Sonntag am Ludwigsbrunnen ein Wald fest, zu dem hübsche Unter­haltungen, namentlich auch für Kinder, vorgesehen sind.

, ** Das 29. mittelrheinische Kreisturn-

fest, das von morgen ab in Kreuznach stattfindet, wird aus dem ganzen Kreisgebiet ungemein zahlreich besucht werden und die turnerischen Wettkämpfe werden bei un­gewöhnlich starker Beteiligung vor sich gehen. Zum Ver- einswetturnen, das in drei Starkeklassen vor sich geht, haben sich 203 Vereine gemeldet, darunter aus dem Gau Hessen die beiden Gießener Turnvereine und Tgm. Marburg mit Rwgen am Reck, Tv. Butzbach an 3 Pferden, die Tv. Wetzlar, Marburg und Ak. Tv. Marburg am Barren. 23 Vereine bieten Sondervorsührungen, darunter der Gau Hessen Frei­übungen (50 Mann > uno die beiden Gießener Turnvereine mit Fechtriegen. Außerdem findet Einzekwett-urnen im Sechstampf und Drei kam Pf, Wettfechten, Hindernis laus en, Wettspiele und Wettschwimmen statt, sowie ein Turnen der geübteren Turner des Kreises. Als allgemeine Heftungen sind diesmal Keulenübungen gewählt, für die man mit 2000 Teilnehmern rechnet.

w Homburg, 28. Juli. Bei dem Offiziers-Tennis- turmer errang den K a i s e r p r e i s der L e u t n a n t von Haugk^vom Grenadierregiment Nr. 100 in Dresden.

** Spieler-Bezirksfest. Kommenden Sonntag indet auf dem neuen Sportplatz des Gießener Sportvereins von 1900 an der Rodheimer Srraße das Bezirks fest des 8. Bezirks des Westdeutschen Spielver- ftandes statt. Die olympischen Spiele, die aus diesem Anlaß veranstaltet werden, stehen unter Aufsicht der deut- chen Sportbehörde für Athletik. Gleichzeitig kommen sämt­liche Bezirksmeisterschaften im Laufen über 100, 400, 1500 und 110 Mir. Hürden-Hochsprung, Weitsprung, Diskuswerfen usw. zum Austrag. Eine starke Beteiligung bei dem Fest ist sicher. Bis jetzt sind 112 Meldungen und 10 Stafetten­mannschaften angemeldet worden. Besonderes Interesse dürfte das Austragen der Meisterschaft der 400 Meter- Stafette zwischen dem Turnverein Jahn-Siegen und dem Gießener Sportverein von 1900, welch letzterer mit Clarins, 91:6061, Wenzel und Noll eine gute Besetzung aufzuweisen hat, erwecken.

* Schülerwetturnen. In diesen Tagen wurden den einzelnen Schulen Ehrentafeln mit den Namen der­jenigen Schüler, die an den zehn ersten Preisen jeder Gruppe beteiligt waren, übergeben. Ebenso erhielt die Oberrealschule eine Ehrenurkunde, in welcher ihr der Besitz des Ja hu­sch il des für 1910 bestätigt wurde. Die eingerahmten Ur­kunden sind in dem Schaufenster des Leib'schen Einrahm­geschäftes (Kirchstraße) für einige Tage ausgestellt.

* * Stadttheater. Tie Aufführung derF örster - christl", mit der die Operettengastspiele dieses Jahres schließen, gilt als Mustervorstellung des Emser Kürtheaters. Der Herzog von Anhalt, der als kompetent gelten darf, da er sich an seinem Hoftheater in Dessau mit regdm Interesse und aktiv an der Regie beteiligt, wohnte jüngst in Ems einer Aufführung des Werkes bei und sprach am Schluß Direktor Steingoetter die lebhafteste Anerkennung über Darstellung, Zusammenspiel und Ausstattung aus.

* * Besitzwechsel. Das Haus Wilsonstraße 15 wurde von dem Restaurateur Bez für 23 000 Mk. an den Werkmeister Männche von den Hassia-Werken verkauft.

* * D i e Erntefericn nehmen in den Landorten jetzt ihren Anfang, ist doch allenthalben die Getreideernte in vollem Gang. Eine lange Schulzeit liegt seit Ostern hinter der Schuljugend.

** Wahres Geschichtchen. Ein heiteres Erlebnis wird von einem Mimen des Darmstädter Hoftheaters mit- geteilt, der während der Sommerferien mit verschiedenen Kollegen zur Besserung der nicht allzugünstigen Gagen­verhältnisse Konzerte veranstaltet. Zu diesem Zweck be­fand er sich in einem größeren Landstädtchen bei Darm­stadt, als er an einem Vormittag den Besuch einer nett und einfach gekleidten Frau erhielt, die ihn bat, in der von ihrem Verein veranstaltetenFreischütz"-Vorstellung denKaspar" zu übernehmen, die anderen" Rollen seien von Vereinsmitgliedern besetzt. Dem sonst humoristisch ver­anlagten Künstler wurde schwül bei diesem Gedanken, zudem das kleine nette Frauchen ihm auch noch einige Verse der Agathe", die sie selber spielte, ;mit Pathos vortrug. Er machte sie darauf aufmerksam, daß der Freischütz doch einige Schwierigkeiten biete. Im Interesse K. M. v. Webers bat er sie, davon abzusehen und ein leichteres Stück zu wählen vielleicht eine kleine Operette von Offenbach. Ta sprach die kleine Frau verlegen:Ach ich sein ja (elfter von Offe-bach!"

** Die Pilz zeit ist da und hat die Zahl der wirklich nahrhaften Gemüse um ein weiteres vermehrt. Es sei darauf hingewiesen, daß auch genießbare und sonst bekömmliche Sorten wohl geeignet sind, eine Pilzvergiftung herbeizuführeu. Selbst der beste Speisepilz ist der Gesundheit schädlich, sobald er sich in Zersetzung befindet, ivas besonders bei warmer imd feuchter Witterung vorkommt. Darum lasse man beim Ein­sammeln alle schon alten, ausgewachsenen, übelriechenden ober von Maden schon zerfressenen und durch Regen erweichten Pilze stehen; beim Einkäufe achte man darauf, nur junge und vollkommen gesunde Pilze zu erwerben. Man reinige sie sofort und lasse sie nicht ungereinigt bis zum anderen borgen stehen. Es gibt nur ein unfehlbares Kennzeichen, giftige Pilze von guten, unschädlichen zu unterscheiden, das ist die genaue Kenntnis der einzelnen Arteii und Unterscheidungs­merkmale der einander ähnlichen Speise- und Giftpilze. Die gewöhnlich angegebenen Merkmale giftiger Pilze bei der Zubereitung: das Schwarzwerden einer mit den Pilzen zu­sammen gekochten Zwiebel ober das Braunwerden eines in die kochenden Pilze hineingehaltenen silbernen Löffels sind keineswegs ein sicheres Beweismittel dafür, daß keine Gift­pilze vorhanden sind.

* * Zehn Gebote für Fuhrleute. 1. Du sollst immer auf der rechten Straßenseite fahren. 2. Tu sollst überholende Gefährte immer links vorbeilassen. 3. Du sollst entgegenkommenden Fahrzeuge immer rechts aus-

weichen. 4. Tu sollst immer eine Laterne mitführen. 5. Tv sollst bei Tunkelheit deinen Wagen immer so beleuchten, i daß die Laterne von vorne und hinten gesehen werden kann. 6. Tu sollst nie auf deinem Wagen einschlafen. 7. Du sollst die Kinder belehren, daß sie nicht Steinen nach Wagen und Automobilen werfen. 8. Du sollst in eine Querstraße nach rechts immer möglichst kurz einbiegen. 9._ Du sollst in eine Querstraße nach links in möglichst großem Bogen auf die rechte Seite der Quer, straße einbiegen. 10. Tu sollst auf die Warnungssignale der Autonrobile achten und sie befolgen, auf daß kein Un­glück geschehe, du auch nicht zur Anzeige gebracht und bestraft wirst.

** I rr Amerika gestorbene Hessen. In Newhock Ccky starben Montz Vogel, 71 Jahre alt, aus Nieder-Saulheim und Joh. Jak. Schmidt, 72 Jahre alt, aus Zwingenberg. In Rom der in Columbus ansässige Ludw. S i e b er t, 80 Jahre alt In Hopetowio Adam Gärtner, 86 Jahre alt. In Chicaag Elis. Kempf, geb. Vömel, 66 Jahre alt, aus Vilbel. Milwaukee Jos. F. De ntz, 60 Jahre alt, aus Vilbel. Mara. S i t t i g , geb. Schäfer, 37 Jahre alt, aus Daubringen, in Rockwell Iowa. Marg. Gräuel, 50 Jahre alt, in Newark. Witwe Marg. Weller, 71 Jahre alt, aus Villingen in Oberh., » Erie. Jak. Decker, 76 Jahre alt, aus Albig, in Erie. Konr Althaus, 57 Jahre alt, in Museatine. CH. Betz, 64 Jahr­alt, in Denver. Konr. Kunkel, 79 Jahre alt, in Chicago'

Heuchelheim, 29. Juli. Der Turnverein Heuchelheim hält am Sonntag, 31. Juli, in dem Garten des Gastwirts Ludwig Kröck fein Abtnrnen ab. Das eigentliche Abturnen ist vormittags, während nachmittags Schauturnen und daran anschließend Tanz stattsindet.

= Großen-Linden, 25. Juli. Der hiesige Ka- ninchen-undGeflügel-Zucht-Verein hält am 7. Aug ferne 3. Ausstellung in den schön gelegenen Räumen de- Gastwrrts H. Fischer ab, verbunden mit Prämiierung, Preis­schießen, Konzert und Tanz.

Lich, 28. Juli. Eine Versammlung, die sich mit dem Elektrizitätswerk Lißberg befaßte, fand heuti im ^Holländischen Hof" statt. Ihr wohnte bei Provinziab direktor Dr. Usinger, Oberingenieur Müller, Ingenieur Schiss, mann, zahlreiche Bürgermeister und Interessenten, besonders auch die in Betracht kommenden Großabnehmer. Die erst­genannten Herren gaben Aufklärungen über die Absichten bet Provinz; die Versammlung war sich in dem Wunsch einig, daß das Elektrizitätswerk bestimmt und bald zustande kommen möge. Die Herren Sehrt-Grünberg, Bürgermeister Fendt« Hungen, Bürgermeister Dörmer-Lich und Bürgermeister Niklaus- Steinheim wünschten, daß die Provinz die noch fehlenden 600 000 Mk. wenn irgend möglich auch noch auf, bringen möge, doch solle hieran das Projekt nicht scheitern.

s. Ulrichstein, 28. Juli. Eine Frau aus Eichelhain wurde dabei ertappt, wie sie auf dem Markte ein Paar Hosen an einem Stande ohne Bezahlung mit* * nehmen wollte. Nicht genug damit. Als man ihr die Hosen wieder abgenommen und die Frau ohne weiteres lausen ließ, machte sie sich an einem andern Stand zu schaffen und ließ ein Taschenmesser in ihren Korb ver­schwinden. Der Besitzer des Standes merkte den Diebstahl und verständigte einen Gendarmen, der die Personalien der Frau feststellte.

m. Bad-Nauheim, 28. Juli. Gestern abend fuhr der Müllerssohn Heinrich Kremer von Nieder-Mörlen von Fried­berg über Bad-Nauheim nach Hause. Kurz nach dem 1. Gradier­bau kam ein Automobil von Friedberg hinter ihm her­gefahren, erfaßte den Unglücklichen und schleifte ihn eine Strecke weit mit. Der Chauffeur ließ ihn in seinem Blute liegen und fuhr ruhig in die Autogarage. Ein benachbarter Bahnwärter, der die Hilferufe des Unglücklichen hörte, eilte herbei, wusch den- Mann ab und gab dem am Bahnhof stehenden Schutzmannposten Nachricht. Dieser veranlaßte die sofortige lieberfüftrung des Mannes in das Nauheimer Krankenhaus, wo er kurz nach der Ein­lieferung starb. Ein amerikanisches Automobil, das von einem jungen französischen Chauffeur geleitet war, hatte das Unglück verursacht. Heute nachmittag fand die Tatbestandsaufnahme durch die Staatsanwaltschaft Gießen und das Amtsgericht Bad-Nauheim an der Unglücksstelle statt. Aus der Beweisaufnahme ging hervor, daß der Verunglückte erst vorschriftsmäßig rechts, dann aber, nachdem er sah, daß das Autonwbil ihm immer mehr auf die Fersen kam, links ausbog. Wer die Straßenverhältnisse zwischen Friedberg und Nauheim, auf der von Automobilen und sonstige« Fuhrwerken vielbefahrenen Straße, kennt, muß sich wundern, daß bei der rasenden Schnelligkeit, die besonders die ausländischen Automobile in , ber Nachtzeit einzuschlagen pflegen, nicht schön öfters Unglücksfälle vorgekommen sind. Der junge Mann, der durch den Leichtsinn eines Chauffeurs sein Leben lasten mußte, war der Vorsitzende des Nieder-Mörler Turnvereins, Heinrich Kremer.

m. Schwalheim b. Bad-Nauheim, 28. Juli. Bei der heutigen Gemeinderatswahl fielen die seitherigen Ge- meinderäte durch und die sozialdemokratischen Kandidaten wurden gewählt, nämlich Welßbin.dLr Georg Bopp mit 57, Packarbeiter Joh. Findling mit 55 und Friedr. Nikolaus mit 52 Stimmen. Von 157 Wahlberechtigten machten 108 von ihrem Wahlrecht Gebrauch, aufgestellt waren sieben Kandidaten.

m. Ober-Mörlen, 28. Juli. 'Nächsten Samstag findet die Wahl eines Beigeordneten statt. Der seitherige Beigeordnete amtiert nun schon seit 27 Jahren und ist jetzt zum vierten Male aufgestellt. Die hier sehr stark vertretene sozialistische Partei hat nun einen eigenen Kandi­daten ausgestellt in der Person des Landwirts Johs. Hch. Born. Es wird dem seitherigen Vertreter schwer fallen, seine Stellung zu behaupten, da er ein Gegner der pro­jektierten Bahnlinie Bad-NauheimUsingen ist, die unserer Gemeinde zwar viel Geld kostet, aber für die Arbeiterbevöl- kerung von größtem Vorteil sein würde; täglich benutzen etwa 400 Menschen den Weg über den Johannesberg, (im zur Arbeitsstätte nach Nauheim und Friedberg zu gelangen.

w. Wetzlar, 28. Juli. Es dürfte von Interesse seim welche Beträge die seit dem Jahre 1906 eingeführte Kreis­umsatzsteuer bisher erbracht hat, und wie sich dieselbe verteilt. Im Jahre 1906 ergab die Kreisumsatzsteuer (füx 2 Vierteljahre) 74 586 Mk., 1907 36 290 Mk., 1906 22 428 Mk., 1909 22 415 Mk. (letztere nur für 3 Viertel­jahre). Von diesen Beträgen fielen für bas Jahr 1906? Stabt Wetzlar 5476 Mk., Stadt Braunfels 459 Mk., ßanbl gemeinde 68 561 Mk., 1907: Stabt Wetzlar 9689 Mk.,! Stabt Braunfels 792 Mk., Landgemeinde 25 908 Mk., 1908: Stadt Wetzlar 8079 Mk., Stadt Braunfels 1261 Mk., Laub-' gemeinde 13 088 Mk., 1909: Stadt Wetzlar 9430 Mk., Stabt Braunfels 1376 Mk., Landgemeinbe 11 608 Mk. Auf in­dustrielle Werke entfielen von diesen Summen 1906: 60 983, 1907: 8275, 1908: 459 und 1909: 1550 Mk.

b. Biedenkopf, 28. Juli. .Am Montag, 8. August, wird hier die Bezirksschau im Zuchtbezirk II für die Vogelsberger Rasse (umfassend den Hinterland- und Dillkreis) >abgehalten. Es kommen Staats- und Vereins- Preise z:lr Verteilung für Rindvieh, Schweine und Ziegen. Mit der Bezirksschau ist eine Verlosung verbunden. .Als AusstellungsplaH !wsurde der Seewasen gewählt.