Ausgabe 
28.5.1910 Erstes Blatt
 
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Unter diesen Umstünden jinb die Aussichten craj eine friedliche Beilegung zur Zeit ziemlich gering. Die Ver- handlungen werden morgen fortgesetzt.

Die Reichrversicherungrortznung.

:: Berlin, 27. Mai.

Der Reichsvcrsicherungsausschuß begann heute vor- mittag die Beratung. Er beschloß, bis auf weiteres täglich eine fünfstündige Sitzung.abzuhalren, die in der Regel vor­mittags um 9 Uhr, pm Montag nm 3 Uhr nachmittags be­ginnen soll. ES wurde angeregt, einen von einem Regi-e- rungsassessor verfaßten Bericht über die Ausfchußverhand-- lungen herauszugeben. Bon mehreren Seiten wurden da­gegen lebhafte Bedenken erhoben: schließlich einigte man sich dahin, daß versuchsweise die Beschlüsse auf diesem Wege wer Oefsentlichkeit übermittelt werden sollen. Eine lebhaftere -Aussprache veranlaßte der Vorschlag, einen § 14a einzu- fchalren des Inhalts:Die Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten werden nach den Grundsätzen der Verhält­niswahl gewählt." Die Annahme des Antrages erfolgte #mtt großer Mehrheit. Gegen den Strafenpara­graphen, § 17, wurde von verschiedenen Seiten lebhaft opponiert. Der Absatz 2 des Paragraphen erhielt folgende Fassung:Der Vorsitzende kann .gegen ein Mitglied des Vorstandes, das sich der Erfüllung seiner Pflichten entzieht, eine Geldstrafe bis zu 50 Mark und im Wiederholungsfälle bis zu 300 Mark, wenn es sich jedoch um eine Krankenkasse handelt, nur bis zu 100 Mark verhängen. Er hat die Strafe zurückzunehmen, wenn nachträglich eine genügende Entschul­digung nachgewiesen wird." In § 18 wurde bestimmt:Der Versicherungsträger hat den Gewählten ihre baren Auslagen tzu erstatten und den Vertretern der Versicherten Ersatz für Entgangenen Arbeitsverdienst zu gewähren. Außerdem kann Die Satzung einen Pauschbetrag für Zeitverlust den Ge- tzvählten zubilligen." Bei § 22 wurde nach lebhafter Aus­sprache beschlossen:Die Einnahmen und das Vermögen der Versicherungsträger, insbesondere die ihnen gehörigen, zur Erfüllung der ihnen obliegenden Pflichten 'dienenden Ge­bäude und Grundstücke, die Invalidenhäuser, Krankenhäuser, Erholungsheime und dergleichen sind von staatlicher und kommunaler Einkommensteuer sowie von der Treuer vom .Grundbesitz befreit."

Ms § 26a wurde eingefügt: Der Anspruch auf fest­gestellte Leistungen der Versteh erungsträg er verjährt in vier Jahren nach der Fälligkeit. § 29 wurde wie folgt gefaßt: Die Aufsichtsbehörde kann verlangen, daß die Organe zu Sitzungen einberufen werden: wird dem nicht entsprochen, so kann sie die Sitzungen selbst anberaumen. In letzterem Falle kann sie die Verhandlungen leiten.

Aus Hessen.

R. B. Darm stadt, 27. Mai. Der Wahlprüfungs­ausschuß der Zweiten Kammer hielt heute vormittaa unter dem Vorsitz des Abg. Breidenbach eine Sitzung ab und beschäftigte sich mit. Wahlprüsungen. lieber die Wahl des Abg. Bach (Stadt Mainz) berichtete Mg. Orb, über die Wahl des Abg. Dr. Wolf (9. Wahlbezirk Rheinhessen, Nieder-Olm, Ober-Ingelheim) Abg. Breidenbach. 9£uf An­trag der Berichterstatter beschloß der Ausschuß, für beide Wahlen die Gültigkeitserklärung zu beantragen, lieber die Vorstellung der Steinbrucharbeiter zu Aschbach f. O., das dortige Granitlager betreffend, worüber Abg. Pennrich berichtete, wurde beschlossen, vorerst nock) einige Sachverständige vernehmen zu lassen.

R. B. Darmstadt, 27. Mai. Der S on heraus^ schuß für die V e r w a l t u n g s g e s e tz r e v i s i o n setzte heute unter Vorsitz des Abg. Oberbürgermeister Dr. Glas sing seine Beratung über die Stäoteo r d nun g fort und erledigte die Art. 50120 des Gesetzentwurfs, die sich mit den Wahlen zur Stadtverordnetenversamm­lung, der Besoldung, der Wahl und dem Ausscheiden des Bürgermeisters aus dem Amt, sowie mit der Tätigkeit der Stadtverordnetenversammlung beschäftigen. Bei der Ein­leitung und Durchführung der Stadtverordnetenwahl ist ein enger Anschluß an die Wahlrechtsbetzimmungen des Reichs­tags vorge'sehen. Dies gilt besonders von den Bestimmun­gen über die Stimmzettel und den Vorschriften des Wahl- afteS. Die Vorschriften über die Besoldung, die Wahl und das Ausscheiden des Bürgermeisters und der Beigeordneten aus dem Amt haben eine genauere Fassung erhalten. Die Entscheidung über die Staatsaufsicht, die Genehmigung ge­wisser Entscheidungen der -Stadtverordnetenversammlung seilens des Kceisamts wurde mit Rücksicht auf die Wichtig­keit dieser Materie vorläufig ausgesetzt. Es herrscht im Ausschuß die Tendenz, die Selbstverwaltung zu stärken und auch in dieser Beziehung zur Vereinfachung des Verfahrens beizutragen. Bei der Frage über die Protokollierung der Sitzungsergebnisse der Stadtverordnetenversammlung wurde darauf hingewiesen, daß die Mitglieder der Stadtverord­netenversammlung die Verpflichtung haben, die Nieder­schriften im Sitzungsbuch zu unterzeichnen und daß aus die Erfüllung dieser Verpflichtung der größte Wert gelegt wer­den müsse. Die Weiterberatung des Ausschusses erfolgt anr nächsten Montag.

Deutsches Reich.

Der Kaiser leidet an einem Furunkel in der Gegend des rechten Handgelenks und ist deslwlb genötigt, die Hand zu schonen. Er beauftragte den Militärattache bei der Botschaft in Paris, dem französischen Marineminister anläßlich des Unfalles des Tauch­bootesPluvivse" sein Beileid auszusprechen.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiff­brüchiger hielt am 27. Mai in München ihre 44. Haupt­versammlung ab. Prinz Ludwig von Bayern sagte u. o_, in Bezug auf den Ausbau der W a s s c r st r a ß e n sei zu hoffen, daß bald der erste Schrüt gemacht werde, wenn die leidige Frage der Schiffahrtsabgaben erledigt ist.Möge sie auf eine Art erledigt werden, daß niemand berechtigte Klagen darüber haben kann. Ich wünsche, daß auch wir im Süden an die See angeschlossen werden. Ich glaube, wir sind auf dem Wege dazu."

Aus Berlin wird gemeldet: Der italienische Mi­nister des Acußern, Marchese di San Giuliano, ist in Begleitung seines Kabinettschefs, des Grafen Sforza, Freitag abend nm 11 Uhr hier eingetroffen und auf dem Bahnhöfe von dem italienischen Botschafter Pansa und dem Botschaftspersonal empfangen worden.

Der großbritannische Minister des Aeußcren ersuchte aus Befehl des Königs Georg den deutschen Botschafter in London, dem Reichstage mitzutcilen, wie tief der König die sympathische Kundgebung des Reiclrstages bei dem Hinschciden des Königs Edward empfunden habe.

Der in London verstorbene Baron v. Schroedcr hinterließ jl a. folgende Vermächtnisse: Der deutschen industriellen und landwirtschaftlichen Arbeitcrkolonie 10000 Pfund Sterling, dem deutschen Krankenhaus in Dalston 10 000, dem beuticben Waisenhaus in Dalston 5000_uitb der deutschen Stadt- und See Mannsmission 2000 Pfund Sterling.

2iitsiai80.

Der König von Dänemark empfing den Minister­präsidenten Zahlender das Abschiedsgesuch des, Mini­steriums überreichte. Der König nahm die Demission an: er ersuchte den Ministerpräsidenten, die Geschäfte vorläufig weiter zu führen.

Aus Cetinje wird derFranks. Ztg." gemeldet: Wie ich zuverlässig erfahre, wird anläßlich der bevorstehenden Jubiläums- sestlichkeiten Montenegro zum Königreich,er hoben werden. Die europäischen Großstaaten, denen Fürst Nikolaus von seiner Absicht Kenntnis gab, haben alle zustimmend geant­wortet.

2lus Stadt und Land.

Gießen, 28. Mai 1910.

"Tageskalender. Stadttheater: Sonntag, 29. Mai: Opernball/ Ansang 8 Uhr.

Konzert zum Besten des SaalbansondS (Kron- baner'scher Qnartettverein und Schuler'scher Alännerchor-Franksurt). Sonntag nachmittag 5 Uhr in der Turnhalle des Turnvereins.

Kolosseum: Täglich Vorstellung.

K i n e m a t o g r a p h : Täglich Vorstellung.

Biograph: Täglich Vorstelltmg.

Hundeausstellung am Sonntag aus der Liebigshöhe, veranstaltet vom Hundcsportverein. Montags Polizeihundeprüfung.

*

'* Vom Großherzoglichen Hofe. Prinz und Prinzessin Hermann zu Stolberg-Wernigerode nahmen, n. d.Darmft. Ztg.", am Donnerstag an der Früh- Iiückstafel im Neuen Palais zu Darmstadt teil.

** Erledigte Lehrerstelle. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zti Sprendlingen (Kr. Offenbach).

" Vertreter der hessischen Städte sollten beute Samstag in Mainz znsammenkommen, um zu dem Ent­wurf des Einkommensteuergesetzes, nainentlich bezügl. des Grundsteuerkapitals und der Billetsleuer, Stellung zu nehinen. Wegen Verhinderung einer Anzahl attswärtiger Städtevertreter wurde die Zusammenkunft vertagt.

** Männer-Turnverein. (Feier des 25jährigen Bestehens vom 11.13. Juni.) Man schreibt uns: Am 26. Mai tagten im Saale des Hotel Einhorn sämtliche Aus­schüsse gemeinsam, um die Festordnung zu beraten. Es waren ca. 70 Personen anwesend, lieber die Vorbereitungen zum Fest wurde berichtet. Ein großes, stattliches Festzelt, 28 x 48 Meter, von dec Rheinischen Zeltfabrik und Zelt- Leihanstalt A Ries in Mainz ist bereits im Rohbau vollendet. Tie Festwirtschaft ist dem Restaurateur Spuck hier über­tragen, außerdem befinden sich auf dem Festplatz eine bay­rische Bierhalle, vier weitere Bierhallen und ein Cafszelt, so daß den Besuchern in genügender Anzahl Gelegenheit zur Erholung geboten ist. Freiquartiere werden den aus­wärtigen Turnern, die in stattlicher Anzahl angemeldet sind, bereitwilligft geschaffen und darum dürften aus den Nach­barorten fröhliche Turngenossen nach Gießen zusammen­strömen, das ihnen auch durch seine landschaftlich schöne Lage und die Gastfreundschaft seiner Einwohner frohe Stun­den bereiten wird. Es sei noch erwähnt, daß am Samstag den 11. Juni eine Ehrung der verstorbenen Mitglieder auf dem alten Friedhöfe stattfinden wird. Die übrige Fest­folge wird in den am kommenden Montag zum Aushang gelangenden Plakaten ersichtlich sein. Nachträglich sei noch erwähnt, daß die Verkaufsstände alter Art, Karussells und sonstige Schaustellungen, die außerhalb des Festplatzes Auf­stellung finden, ein lebhaftes Bild und ein Anziehungspunkt für Jung und Alt bieten werden. Auch für die tanzliebende Jugend ist Sorge getragen worden, indem zwei Tanzböden auf dem großen, schönen Festplatze geschaffen iverden. Zu dem Schülerturnen, das am Montag den 13. Juni nach­mittags stattfindet, haben sich bereits 350 Schüler sämt­licher hiesigen Lehranstalten gemeldet. Um dem Feste ein schönes Gepräge zu geben, wird die Bürgerschaft ihr ge­messenes Teil dazu beitragen, unsere Stadt durch Fahnen und Laubgewinde in ein festliches Gewand zu kleiden.

** Zu dem Konzert des Kronbauerschen Quar­tettvereins, das «morgen tzattftndet, schreibt man uns: Es wird für die Hörer von besonderem Interesse sein, zu erfahren, daß die beiben ChöreFrv hsinn" undHeimkehr" von dem Bruder des hier wohnenden Geheimrat Spengel in so aus­gezeichneter Weise im alten Madrigalstil eines Orlando di Lasso verfaßt fütb, daß man sie von den alten Originalen kaum zu unterscheiden vermag: sie passen sich also dem Valestrina'schen 0 bone Jesu" (das vyn deut Berliner Tontchor in so unprrgleich- licher Weise gesungen >vird) in hervorragender Weise an. Be­merkenswert ist, daß außer den genannten Komponisten im Pro­gramm nur die besten Meister der Männerchorliteratur Bruch, Hegar, Grieg vertreten sind, und daß auch das Volkslied in seinen verschiedenen Phasen vom altdeutschen an bis zum Men- delssohn'schenJägers Abschied" nicht vergessen wurde. Tie jugendliche Eellovirtuosin H e g y e s i wird neben bekannten Werken von Boccherini, Nardini, Popper auch einStändchen" aus der glücklichen Feder ihres verstorbenen Vaters zu Gehör bringen, während Herr A. Müller sich bemüht, hier noch nicht gesungene Lieder von Hugo Kann, Hans Hermann und B. Schn- ntacher einzusühren.

** Ausschuß der Studentenschaft. In der ersten Gesamt-Ausschußsitzung der Studentenschaft wurde der engere Ausschuß wie folgt gebildet: Den Vorsitz führt die Burschenschaft Franconia, den stellvertretenden Vorsitzenden stellt die Verbindung Wingolf, den Schriftwart der Perband wissenschaftlicher Vereine, den stellvertretenden Schriftwart die Nicht-Korporationsstudenten und zwar die philosophische Fakultät, den Kassenwart die Verbindung Adelphia, seinen Stellvertreter die Landsmannschaft 'Darmstadtia, den Bei­sitzer Korps Teutonia. Die Nicht-Jnkorporierten find durch folgende Herren im Gesamtausschuß vertreten: die theo- log'rsche Fakultät durch stud. theol. Dell, die juristische durch stud. jur. Nonweiler, die medizinische durch stud. med. L. Dahmer, die philosophische durch die stud. Phil. H. Keil, M. Schmidt, F. Zschech, Ferd. Pfeifer. Die neu- gegründete Verbindung Vandalia wurde in den Ausschuß ausgenommen. Es" wurde der Beschluß gefaßt, baß der engere Ausschuß wegen der Gründung cüter al Qbe = mrs.ch en Lesehalle mit dem Vorstand des Lesehallen­vereins in Unterhandlungen treten solle.

**Der AlldeutscheVerband wird, wie man uns schreibt, nächsten Freitag eine öffentliche Versammlung in Steins Garten abhalten, in der Herr Universitätsprofcssor Dr. W. Sievers über seine vorjährige Forschungs­reise in Südamerika sprechen wird. Südamerika ist als Siedelungsgebiet für uns von besonderer Wichtigkeit, als dort die in Nordamerika begangenen Unterlassungssünden vermieden werden können, und die Bestrebungen, die deut­schen Auswanderer, ihrer Sprache und Gesinnung nach deutsch zu erhalten, dort große Aussicht auf Erfolg haben; der Alld. Verband besitzt z. B. in Brasilien drei blühende Ortsgruppen.

** Stadt thea ter. Es wird gebeten, für die Billetts zur ausgefallenett Freitags-Vorstellung den Betrag an der Tl)eater- | kaffe in bar zu erheben oder die Billetts in Karten zur Sonntag- I Aufführung umzutauschen. Dies bezieht sich, natürlich nicht auf

jene ^Donnementsvtnetts, Die oyne weneres rur oen oonntag zur Aufführung vonOpernball" als dritter Abonnementsvorstellung Gültigkeit haben.

* * Lange Reise. Eine tun 15. April 1878 zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags in Lauterbach aufgegebene Karte an eine hiesige Firma ist gestern morgen angenommen. Sie hat also von Lauterbach bis hierher volle 32 Jahre gebraucht.

* * Der Bismarckturm a u f dem Tauf st ein beftanb gestern abend seine Feuerprobe, die gut verlief. Der Flam­menschein war weithin zu sehen, noch in der Gegend von Lanbach war das Feuer gut zu sehen, lange nachdem es angezündet war. Zufällig war gerade die 1. Klasse der hiesigen höheren Mädchen­schule auf einer Wanderung durch den Vogelsberg auf dem Hohe- rodskopf und begrüßte das Feuer mit dem Gesang vonDeutsch land, Deutschland über alles". So verlief die erste Feuerprobe durchaus würdig.

* Fahrraddiebe. Gestern nachmittag versuchten der angebliche Walter Schuhmacher aus Frankfurt a. M. und der Schlaffer Adolf Bertram aus Köln je ein Fahrrad hier zu billigem Preise zu verkaufen. Die Kriminalpolizei nahm sich der Sache an, da es sich offenbar um gestohlene Näder bandelte, beschlagnahmte beide Räder und nahm den Schuh­macher fest, während es Bertram gelang, zu entkommen. Heute morgen entdeckte man, daß auch Schuhmacher au§ dem Polizeigefängnis ausgebrochen und verschwunden war. Die beschlagnahmten Räder sind: ein Viktoria-Rad mit Fab- r>k-Nr. 17246 und ein Opel-Rad, Fabrik-Nr. 235340. Die Eigentümer wollen sich mit der Kriminal-Abteilung des Poli­zeiamts in Vecbindling setzen.

* Sie Maul- und Klauenseuche ist au?» gebrochen in Puchowken, Kreis Olesko, Regierungsbezirk Gumbinnen, am 26. Mai.

x Bad-Nauheim, 28. Mai. Gestern unternahmen die 18 Klassen unserer Stadtschule ihren Frühjahrs» tagesausflug, zumeist nach dem Taunus (Winter­stein, Cransberg, Hausberg, Lochmühle, Saalburg's, aber auch teilweise bis nach Gießen, Kloster Arnsburg, Lich, Schiffen­berg und Gleiberg. In Gießen besichtigten die Ober-, klassen den Botanischen Garten und das neue Völkermuseum. Gestern abend wurde im Park an der Terrasse das erste Feuerwerk in dieser Saison veranstaltet. Es war von Pyrotechniker Lippold-Ronsdorf zusammengestellt und war von prächtiger, eindrucksvoller Wirkung. Besonders ein Riesenwasserfall, der unser Bad weithin erleuchtete, erzielte großen Beifall. Der Andrang zum Park und zur Terrasse war riesig. Im Park war kaum durch das Gewühl und das Gedränge zu kommen. Um im Interesse der Kurgäste den Besuch der Terrasse zu ent­lasten, wurde zum erstenmal auf Kur- und Dauerkarten ein besonderes Eintrittsgeld von 50 Pfg. erhoben. Der Platz für das Beneke-Denkmal ist nun endgültig bestimmt worden. Das Denkmal des einstigen Marburger Professors, der den Ruf unseres Bades begründen half, kommt an das' untere Ende der Parkallee, in die Nähe der neuen Kolon­naden zu stehen. Heute abend konzertierte auf der Ter­rasse die Kapelle des Gießener Regiments. Im Theater­saal des Kürhauses wurde zum erstenmal eine Neuheit im Unterhaltungsprogramm, ein sogen, literarischer Abend, veranstaltet. Ludwig ThomasMoral" fand gute Darstellung und vorzügliche Äusnahine. In der heuttgen Sitzung der Stadtverordneten wurde der Plan für den Umbau des Empfangsgebäudes am Bahnhof geneh­migt. In der Nähe des Teiches hat sich ein Uebergang über die Itsa als notwendig erwiesen. Es wurde deshalb die Errichtung eines Steges, dessen Oberbau aus Holz her­gestellt werden soll, für die Summe von 5300 Mk. be­schlossen, wozu der Staat 3000 Mk. gibt. Die Beneke- Straße soll hergestellt und dabei zugleich für die Summe von 5700 Mk. ein Kanal für Schmutzwässer, der dem Kanal­netz angeschlossen wird, und für die Summe von 12 200 Mk. ein solcher für Regenwässer, die in die Ufa zu leiten sind, gelegt werden. Ta sich seit diesem Frühjahr mit der Eiw führung der neuen Marktordnung der Marktv erkehr sehr belebt hat, haben die Stadtverordneten die Aufstelkung von Tischen auf dem Markt beschlossen.

Bad-Nauheim, 27. Mai. Bis zum 26. Mai sind 7544 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 4998 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 26. Mai 66 032 abgegeben.

X Ockstadt, 27. Mai. Gestern wurden von hier die ersten F r ü h k i r s ch e n , die bei der günstigen Witterung der letzten Tage rasch zur Reife gekommen sind, nach Bad-Nauheim auf den Markt gebracht. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das ein seh^ früher Termin.

R.B. Darmstadt, 27. Mai. Aus Anlaß der Feie: des 100jährigen Jubiläums unseres HoftheaterS hat die Stadtverordneten-Versammlung beschlossen, dem Hilfs­fonds für die Hofmusik und dem Hilfsfonds für den Hof­theaterchor und den Ballettchor je eine einmalige Spende von 2000 Mark, sowie dem Hoftheater-llnterstützungsfonds eine Spende von 1000 Mark zu überweisen; die letzere soll nur zu Gunsten der Arbeiter und der unteren Bediensteteu des Hoftheaters verwendet werden.

Offenbach, 27. Mai. (Priv.-Telegr.) Der 9jahrige Schüler Heinrich Quandt, der gestern von seinen Pflegeeltern zu einem Besorgungsgang nach Bürgel geschickt worden war lind von da nicht mehr zlirückkehrte, ist, wie dieOffen- bacher Zeitung" meldet, an der Schleuse in Oberrad als Leiche gekündet worden.

N. Mainz, 27. Mai. Heute morgen verkündete Land- gerichtsdirektor Bockenheimer, Vorsitzender der ersten Zivil­kammer des Landgerichts, das Urteil im Prozeß Haus- waldt gegen die Stadt Mainz wegen unrechturäßiaer Benutzung von Materialien der Firma. Der Antrag auf GrlaB einer einstweiligen Verfügung zur Einstellung der Ar­beiten am Theaterumbau mürbe kostenfällig abgewiesen.

Worms, 27. Mai. Oberbürgermelster Köhler, deffen Dienstzeit am 1. September d. I. abgelaufen ist, wurde auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung einstimmig auf Lebenszeit wieder gewühlt.

rm. Mörlenbach i. O., 27. Mai. Diebe bemitzten die gestrige F r o n l e i ch n a rn s s e i e r , um in die leerstehende Wohnung des Pfarrers einzn brechen und die Woh­nung nach Geld und Wertsachen zu durchwühlen. Dabei ist ihnen der Betrag von ca. 600 Mk. in die Hände gefallen. Man glaubt, daß es ortsfremde Personen waren, die sich vorher orientiert und dann den Raubzug ausgeführt haben. _ -4

[J Marburg, 27. Mai. Hier starb nach kurzem Kranksein im Alter von nur 45 Jahren der Privatdozent der mittleren und neueren Geschichte Professor Dr. phil. Hermann Di em ar. Der Verblichene, ein geborener Kasseler, habili­tierte sich im Jahre 1896 an der hiesigen philosophischen Fakliltüt und int Jahre 1903 wurde er zum Titular- Professor ernannt. Besondere Verdienste erwarb er sich als Mitglied der historischen Kommission für Hessen und Waldeck