Jrrnnce" ist, besonderes Interesse erwecken, weil er als Wacht- ttelftev des 15. Artillerieregimeirts den ersten Kanonenschuß in dem großer: Kriege abgegeben hat. Er erzählt Enapp tnb klar:
„Die dritte Division des zweiten Armeekorps unter den Beiehlen des Generals de Lavaucvupct lagerte in Mcrming-Merlebak. Am 2. August erhielt sie den Befehl, vorzurücken und den Feind Luzugrcisen. Wir brachen am frühen Morgen auf. Die achte Batterie des 15. Artillerie-Regiments unter Hauptmann Bsguin marschierte an der Spitze, von dem 10. Fußjäger-Bataillon und •hier starken Abteilung Genietruppen cingerahmt. Als wir in )as beutsche Gebiet einmarschieren wollten, fanden wir eine Weg- perrung. Die Genietruppen legten Bresche hinein, während die stanoniere der ersten Sektion, der meinigen, den Grenzpfahl um- 'türzten. .Die Eclaireurs zogen sich auf uns zurück, um die Gegenwart des Feindes zu melden. Die Deutschen nahmen uns mit drei Batterien in die Flanke, die hinter der Eisenbahnlinie! von Saarbrücken ausgestellt waren. Wir erklommen die steilen Höhen von Saarbrücken, wobei die Kanoniere die Räder der Kanonen stoßen mußten. Nur die erste Sektion konnte ihre zwei Geschütze aufstellen. Es war elf Uhr. In meiner Eigenschaft als Geschützführer ließ ich auf einen Bauernhof zielen, der von Preußen beseht war. In diesem Augenblick brachte der Marquis de la Tour du Pin, Adjutant des Generals Lavaucoupct, den Befehl, das Feuer zu beginnen. Ich kommandierte: „Erstes Geschütz, Feuer!" Das war der erste Kanonenschuß, der auf die Preußen abgefeuert wurde. Das vorzüglich gezielte Geschoß traf. Man sah die Flammen im Hose aufsteigen und die Preußen in aller Eile flüchten. Die feindlichen Batterien antworteten; das erste Geschoß schlug mitten in das 40. Linienregiment «und tötete einen Krankenwärter, der eine Arzneikiste trug. Saarbrücken wurde unter den Klängen der „Marseillaise" genommen, die Napoleon III. zu spielen und zu fingen erlaubt hatte."
Denthches Hdcb.
Aus Aalesund meldet man: Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser au Bord, die am Dienstag vormittag unter dem Salut der Kriegsschiffe von Molde abgegangen war, ist gegen 12 Uhr mittags hier eingetroffen. Der Kaiser begab sich an £anb, um den Kaiser-Bautastein zu besichtigen. Die „Hohenzollern^' hat nachmittags mW 4 stlhr die Weiterfahrt nach Bergen angetreten.
Die Teilnahme der K a i s e r i n an der Reise Kaiser Wilhelms nach Wien im September wird, Wiener Blättern zufolge, als wahrscheinlich betrachtet.
Im Ministerium der Oeffentlichen Arbeiten in Berlin sand nach einer Blättermeldung am Dienstag eine Besprechung über ein Lu f 1 v e r ke h r s a m t statt.
Als Termin für dre R e i ch s t a g s e r s a tz w a h k i n F r a n k- fur t a. O. -Lebus ist nach Meldungen mehrerer Blätter der 15. September festgesetzt worden.
Die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Anti - Duell-Liga findet.am Sonntag dem 13. November inStu11 - gart im Oberen Museum statt. Die Sitzung des AktionZ!- Komitees ist .am Tage vorher im Hotel Marquardt.
Der Neunte Deutsche S t e n o g r a p h e n t a g Gabels- berger, zu dem sich am Sonntag über 4000 Personen versammelt hatten, nahm in seiner Hauptversammlung einstimmig eine Entschließung an, nach welcher er in den von den deutschen Stenographen und Gabelsberger in die Wege geleiteten Bestrebungen zur Schaffung einer e i n h e i 11 i ch e n S t e n o g r a p h ie für das ganze deutsche Sprachgebiet ein im hohen Grade erstrebenswertes Ziel erblickt und hofft, daß unter Mitwirkung der Staatsregierungen es gelingen wird, dieses Ziel zu erreichen. Als glücklichste Lösung mürbe er es betrachten, wenn die altbewährte Echnellschrist Gabelsberger, die in Bahern, Sachsen und anderen Bundesstaaten solvie in Oesterreich Einheitsstenographie geworden ist, als solche für das ganze deutsche Sprachgebiet anerkannt würde. Zum Bundesvorsitzenden wurde Prof. P f a s f - Darmstadt wiedergcwahlt, zum zweiten Vorsitzenden und Geschäftsführer des Bundes Dr. Bode gewählt.
Der Verband sozialdemokratischer Wahlvereine von Groß-Blerlin ließ in sechs Berliner Reichstagswahlkreisen eine Entschließung annehmen, nach der die Berliner Partei- genossenschaft von dem Magdeburger Parteitag erwartet, daß er Vorkehrungen trifft, um ür'Zukunft Parteibeschlüssen unter allen Umstanden Geltung zu verschaffen. Die radikalen Führer der Partei wollten die Ausschließung der Badener, weil sie für den Etat stimmten. Schließlich siegte der mildere Beschlich des Parteivorstandes.
Ausland.
Der K a i s e r v o n Oesterreich hat dem früheren deutschen Staatssekretär v. Scho n die Brillanten zum Großkreuz des Leopoldordens verliehen.
Aus Bukarest wird gemeldet: Dor Staatssekretär von Kinder l e n -Wächter, der bisherige deutsche Gesandte, ist nach M a r i e u b a d a b g e r e i st. Der König machte dem Staatssekretär von Kinderlen-Wächter sein Miniaturporträt in kostbarem Rahmen zum Geschenk.
Im englischen Unterhaus brachte Handelsminister Buston einen Gesetzentwurf zur Abänderung des bestehenden U r -
Daß Zwischenhandel und Fleischermeister
Am hohen Fleischpreis nur schuldig sei.
Trotzdem die Wiener Gemeinde als Stühe
Noch halte die Aklien-Großsehlächterei
Und einen Grafen an ihrer Spitze, Brach jämmerlich ihr Renommee entzwei.!
Die E i a enart der Fleischerbetriebe,
D i e läßt f i ch nicht in Schablonen pressen;
Läßt nicht wie manch' industrielle Betriebe, Nach gleichen Grundsätzen sich bemessen. Sachkenntnis und Umsicht vor allen Dingen Not tut unb persönliches Disponieren;
Soll Nutzen das Fleischergewerbe bringen, Muß Messer unb Feder die Frau oft noch fuhren. Wie oft wirb von den Sozialdemokraten, Denen sich noch die Agrarier anschließen, Zu Genossenschaftsschlächtereie,i geraten, Die Konsumschlächterei bis in* Himmel gepriesen. Daß immer noch Leute im Schädel verflacht sind, Nicht merken, daß leeres Stroh wird gedroschen, Trotzdem sie fast alle bis heilte verkracht sind, Von neuem stecken hinein ihre Groschen!
Wie auch sich die Noten unb Junker geberben, DaS Fiasko, das wieder in Wien wir erleben, Wird denen, die leider nicht alle werden, Als lvarnendes „Meile Tekel" vorschweben. Für uns bleibt als wariienb’ Exempel bestehen, Daß selbst die Kommunen an manchen Plätzen Mit unteren Gegnern Zusammengehen, Im Uiwerftanb gegen die Fleischer Hetzen.
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Operetten-Gaftspiel im Eichener Ztadttheater.
Giefzcn, 27. Juli.
Der Komponist des „Bettelstubenten" hat auch mit dem 1890 erschienenen „Armen Jonathan" noch einmal einen glücklichen Griff getan Die leichte Libretto-Stizze, die allerlei harmloses Zeug in einen weitmaschigen Zusammenhang setzt, erhält durch Millöckers flotte Töne Fleisch und Blut. Welch anderer Pulsschlag, welch temperamentvoller Schwung gegenüber ben matten und saftlosen „Heinerle- Heinerle"Klängen unserer neuen „Schlager"! Der „Arme Jonathan" verlangt eine ganze Anzahl guter Sanger und Spieler, und seine Wirkung inacht neben der sentimentalen Liebesgeschichte des krüntelnden Ameriiancrs gerade das bunte Gemisch der schmelzenden Liebeslyrik mit dem übermütigsten Soubretten-Geträller, das doch nicht ins grob Verzerrte ausartet. Ein liebensMrdigeS Ganzes,, dessen
Heberrechts ein und führte in seiner Begründung aus, die tm Entwurf enthaltenen Vorschläge seien das Resultat der Konferenz von Berlin, auf welcher man zu dem Uebereiilkornmen gelangt sei, die betreffenden Gesetze der vertretenen Länder miteinander in Einklang zu bringen. Dies Uebereinkommen mache eine Aende- rung der englischen Gesetze notwendig und zwar seien in England größere Aendcrungen erforderlich als in irgend einem anderen Lande, denn jedes andere Land habe die Urheberrechtgesetzgebung zu einer zeitgemäßeren gestaltet wie England.
Die persische M i n i st e r k r i s i s , die länger als zwei Wochen gedauert hat, ist beenbet. An der Spitze des neugebildeten Kabinetts steht Mustausich Memalil; das Ministerium des Innern übernimmt Prinz Ferman Ferma, das Ministerium des Aeußern Hussein Kuli Naval, das Kriegsministerium Kavames Saltaneh, das Justizministerium Debir cl Mulk, das Finanzministerium Chakim el Mulk. Mit Ausnahme des Ministerpräsidenten gehören alle Mitglieder des Ministeriums zu den eftreinen Nationalisten.
Deutsche JKotonmL
Berlin, 26. Juli. Der Staatssekretär des Neichskolonial- amts v. L i n d e q u i st wandte sich an die Handelskammern von Berlin, Köln, Chemnitz, Nürnberg, Bremen, Mannheim und Hamburg um die Benennung von Mitgliedern für einen ständigen Ausschuß zur Unter st ützungderKolonialverwaltung in wirtschaftlichen Fragen, die der Staatssekretär näher bezeichnet. Hamburg und Berlin sollen je zwei, die übrigen Handelskammern je einen Vertreter wählen. Es ist beabsichtigt, den Ausschuß von Zeit zu Zeit zu gemeinsamen Sitzungen unter dem Vorsitz des Staatssekretärs einzuberufen und auch in Einzelfällen das Gutachten von den Mitgliedern zu erbitten.
Aus Stabt und Land.
Gießen, 27. Juli 1910.
* * Tageskalender für Donnerstag, 28. Juli: I u g e n d f e st. Aufstellung des Festzuges 2 Uhr nachmittags.
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* * Bahn Personalien. Der Groß Herzog hat dem Eisenbahn-Bau- unb Betriebsinspektor Friedr. Horn, Mitglied der Eisenbahnbirektion zu Essen a. d. Ruhr, den Charakter als „Negierungs- unb Baurat" unb dem Eisenbahn-Vau- unb Betriebsinspektor Jos. Schilling, Vorstand der Betriebsinspektion I zu Darmstadt, den Charakter als „Eisenbahnbirektor" mit dem Range der Negierungsräte erteilt.
* * Der Vorstand der L a n d w i r t s ch a f t s - kämm er wird am kommenden Montag in Darmstadt eine Sitzung äbhalten, in der eine größere Anzahl wich- tiger spruchreifer Gegenstände beraten werden soll.
* * Fe l da rl i l l erl e - Schl e ß ü b un g. Nunmehr hat unsere 2 5. Feldartillerie-Brigade die diesjährigen Schießübungen vollständig erledigt, indem auch die feit dem 12. d. Mts. gleichfalls auf dem Truppen-Uebungsplatz Senne übende Neserve-Abteilung unter Hauptmann v. Hahn vom Großh. Artilleriekorps abqeschossen hat. Sie wurde zuvor durch den Korps- unb Divisionskommanbeur, v. Eichhorn und v. Strantz, im Beisein des Brigade-Kommandeurs Oberst Noeldechen und des Kommandeurs des Großh. Artillerie- korps Nr. 25 Oberst v. Müller, dem die Aufgabenstellung oblag, besichtigt. Die aus dem Beiirlaubtenstand einberufenen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften wurden entlassen, die vom aktiven Dienststand herangezogenen kehrten in die Garnison zurück.
* • Syndikatsfrei ist die Firma, der vom hessischen Staat die Kohlenlieferungen für den kommenden Winter übertragen wurden. Es ist die „syndikatsfreie Kohlenvereinigung" in Mannheim.
* * 4 0 Jahre treue Dienste. Dem nunmehr über 40 Jahre in der Familie Pfarrer Lindenborn beschäftigten D-ienstmädchen Margarete Jank wurde kürzlich von der Kaiserin bas Goldene Kreuz' mit der Aufschrift: „40 Jahre treuer Dienste" verliehen. Gleichzeitig, ging der Empfängerin eine Urkunde über die Auszeichnung mit eigenhändiger Namensunterschrist der Kaiserin zu.
* * Die Rogge n ernte hat begonnen unb die Felder füllen sich mit Kornhaufen. Körner- und Strohertrag sind gut, doch macht das Abernten große Schwierigkeiten, da die Halme infolge der Stürme und Regenwettec kreuz und quer liegen. Auch die Frühkartoffeln liefern gute Erträge, die Spätkartoffeln leiden aber infolge der Feuchtigkeit, und zahlreiche Krankheiten machen sich bemerkbar.
** Zur Mäuseplage! Gerade wie int Herbst 1907 erhöben jetzt wieder die Landwirte Klagen über den großen Rahmen aber ausschließlich die musikalische Kunst gezogen hat. Das Stückchen erjorbert denn auch neben dem Können zahlreicher Mit wirkend en eine flotte Regiekunst. Dieser Aufgabe scheint der lebhafte Regisseur Norden unserer Bad-Nauheimer Gäste, der zugleich den fidelen und eifervollen Impresario Tobias Quikly frisch und zungenfertig machte, vollauf gewachsen zu sein. Wiederum war, wie das letzte Mal ai^ch beim ^,Susten Mädel" das Zusammenspiel präzise und ausgezeichnet. Die etwas resignierte Hamletstimnlung lag dem jungen Amerikaner Bandergold des Herrn Wernert sehr gut; seine modulationsfähige Stimme, die er nur stellenweise zu Kraftteistungen erhebt, erreichte schöne Wirkungen. Seine angebetete Harriet erhielt durch Frl. Rosarita eine nicht minder erfolgreiche Verkörperung. Das angenehme „Willst Du mein Liebster sein", eine Art Leitmotiv, bildete einen Höhepunkt in der Aufführung, und ebenso nahm Frl. Rosarita im 2. Akt an der fidelen Spielhöllenstimmung in Monako sehr beifallswürdigen Anteil. Dort stand freilich die Molly des Jonathan, und zwar nicht nur auf dem Spielzettel, int Vordergründe. Frl. Grete Brill ist eine temperamentvolle und stimmbegabte Soubrette, die mit hinreißender Beweglichkeit alle Feuer des übermütigen Persönchens entfachte. Ihr Jonathan, Herr Scyboid, stand ihr im Eifer nicht nach, und auch aus ,ihm quollen die populären Lieder frisch und sympathisch. Selbst mit der etwas steifen „Sein oder Nichtsein"-Szene, die den Glückstausch zwischen Bandergold und Jonathan ergibt, wurde man ohne Stocken fertig. Alle Mitwirkenden haben ihre Schuldigkeit getan, und ein Hauptanteil an dem Erfolg des Abends gebührt dem Dirigenten Herrn Mourot, der das Orchester und die Singspielkräfte in Schwung und Ordnung hielt. Die Vorstellung war verhältnismäßig gut besucht.
* X.
— E i n Barbara -Utt mann- Denk mal im Erzgeb i r g e. Jahrhunderte sind dahingegangen, seit Barbara Utt- manu durch Einführung der Spitzenklöppelei im Erzgebirge den Bewohnern dieses LäuderstricheS einen neuen Berufszweig brachte und neue Erwerbsquellen eröffnete, welche Tausenden und Abertausenden großen Segen und Gewinn brachte. Zur Erinnerimg au diese Wohltäterin hat die Stadt Elterlein, in welcher der Ueberljeferung nach die Wiege Barbara Uttmanns gestanden haben soll, ein Denkmal errichtet, das am Sonntag feierlich enthüllt wurde. Es ist ein Werk des Bildhauers Felix Pfeiffer in Dresden. An dem in Brunnenform gehaltenen Monument sehen wir auf einem Bronzerelief Barbara llttmann, zwei kleine Mädchen im Spitzenkloppeln unterrichtend, während eine Tafel dem .Wanderer .Kunde gibt, daß diese Frau 1561. die Spitzenklöppelei im,
Mäuseschaben in ihren Getreidefeldern. Alle bisher angewandten Mittel, um diese schädlichen Nager zu vertilgen, haben nichts geholfen. Man macht sich laum einen Begriff von der starken Vermehrung der kleinen Unholde, wurden dtzch Mäusenester bis.zu 30 Tierchen üorgefunben. Jetzt I beim Ab ernten der Roggenfelder zeigen sich so recht wieder die Freunde des Ackersmann, die ihm tüchtig helfen, die Schädlinge 511 verruchten. Es sind Ibic sonst fo viel geschmähten Krähen, die sich jetzt ausschließlich durch das Wegfangen von Mäusen nähren. Auch dem Fuchs, der ja meist mit Mäusen vorlieb nehmen muß, dürfte mehr schütz zuteiL werden.
= Heuchelheim, 26. Juli. Am Sonntag hielt hier auf dem Treppchen der „S t 0 l z e - S ch r e y s ch e B e z i r k s- verein Biebertal" sein S 0 m m e r kr ä n z ch e u ab. ; Die äußerst starke Beteiligung sowie der schöne Verlanf des Festes zeigten, daß es dein Vereine stets gelingt, seine Bestrebungen, Pflege der Stenographie und der Geselligkeit mit einander zu vereinigen, in die Wirklichkeit umzusetzen., Die Vorführungen, unter denen ein flott gespieltes Theaterstückchen besonders zu erwähnen ist, fanden lebhaften Beifall. Wie schwer man sich zu trennen vermochte, zeigt, daß die um 4 Uhr anfangende Feier erst am andern Morgen ihr Ende fand.
r. Londorf, 26. Juli. Am Sonntag nachmittag brachte der Gesangverein Frohsinn unter Leitung seines Dirigenten, Musiklehrer Kasten aus Gießen, dem Grafen Eberhard von Schwerin und seiner Frau, einer geb. von Eulenburg anläßlich deren Vermählung, die kürzlich war, im Herrngarten ein Ständchen. Nach dem Gesang einiger Lieder beglückwünschte Bürgermeister A u m a n n das junge Paar namens des Vereins und der Gemeinde sund brachte ein Hoch auf es aus. Graf Schwerin dankte und versicherte dem Verein seines Wohlwollens. Die Sänger wurden hierauf mit Speise und Trank bewirtet.
B. Treis a. Lda., 25. Juli. Vom herrlichsten Sommer- wetter begünstigt wurde gestern nachmittag auf dem alten, mitten im Dorfe befindlichen Kirchhofe, ein Missionsfest ab gehalten, das erste seit Menschengedenken. Ueber 1000 Zuhörer, die aus nah und fern herbeigekommen waren, lauschten gespannt den trefflichen und packenden Ausführungen der Festprediger, des Pfarrers Fischer-Alten- , Buseck, des Mifsionars Gsell von der Goldtüste und des? Mijsionszöglings Walter von Beuern. Viel rrugen auch zur Erbauung der Zuhörer und zur Verschönerung des Festes die beiden schönen Chorgesänge des hiesigen Kirchen- gesangvereins unter Leitting des Lehrers Walter bei. Die Festlollelte betrug 167 Mk., auch wurden noch für 40 Mk. Mission ss chri ften v er lau st.
O Vom hessischen Taunus, 26. Juli. Die HeideIbeerernte hat jetzt überall begonnen. In manchen Orten gibts Heidelbeerferien. Besonders die Bevölkerung von Ober- und Meder-Rosbach v. d. H, die auf dem nahen Winterstein die Beeren sucht, bringt große Mengen aus den Markt.
x Bad-Nauheim, 26. Juli. Ein alljährlicher unb beliebter Gast, der bekannte Liederkomponist und Sänger Thomas Koschat, veranstaltete heute im Sprudel-Hotel mit seinem Quintett wieder einen Vortragsabend unb erntete vor ausverkauftem Hause stürmischen Beifall. — Im Kurhaus veranstaltete heute abend die Geographische Gesellschaft zur Förderung der Länder- unb Völkerkunde einen Projektionsvortrag über „Mit Sven Hedin nach Tibet".
L. Friedberg, 26. Juli. Zum 1. Oktober ds. J§. hat die Reichsbank hier für eine Reihe von Jahren ein ganzes Hau8 in der verlängerten Bismarckstraße gemietet, in dem auch künftighin ihre Beamten Wohnung nehmen werben. — Der Voranschlag der Handelskammer Friedberg für 1910/11 beträgt in Einnahmen und Ausgaben 8533 Mk. Eine Erhöhung des Beitrages der Beitrags- pstichtigen findet nicht statt.
= Wißmar, 26. Juli. Unser Turnverein feiert am' 14. August hier sein Stiftungsfest, verbunden mit Fa h il e n w e ih e. Die Fahne liefert die Fahnenfabrik Hischen in Lich. Der Verein wurde im Jahre 1904 mit wenigen Mitgliedern gegründet, und hat es in den 6 Jahren seines Bestehens, auf eine Mitgliederzahl von weit über 100 gebracht. Die Vorbereitungen zum Feste, das recht schön iverden soll, sind in vollem Gange; bei ihm wird zum ersten Male die Damenriege mitwirken. Als Festplatz ist der schön gelegene Garten und Wiesengrund des Gastwirts Brük ge» Erzgebirge einführte. DaS Deulmal ist ein Geschenk, dessen Kosten auS dem Königlich Sächsischen Kunstfonds bestritten wurden. Auch auf dem Marktplätze in A n n a b e r g , wohin Barbara llttmann später übergesiedelt war und sich mit dem Burgherrn Christoph llltmann vermählt hatte, ist der verdienstvollen Erfinderin schon früher ein schönes Denkmal gesetzt worden.
he. Sven von Hedin ist damit beschäftigt, die Ergebnisse seiner großen Tibetexpedition zu veröffentlichen. Nach der „Umschau" soll die neue Arbeit in drei Textbänden von zusammen 1500 Seiten und zwei Bänden Atlas erscheinen. Ter zweite Atlasband wird eine Neuheit aufnehmen und zwar die Panoramen, die Sven Hedin von den allermeisten Lagerplätzen und _ dominierenden Pässen aus zeichnete, um von der wechselnden Gestaltung -der Landschaft und dem Aussehen der Gebirgsformationen der verschiedenen Gegenden einen Begriff zu geben. Es sind im ganzen 1736 Panoramenstreifen, die eine Gesamtlänge von 875 Meter haben. Wenn man diejenigen, die Sven Hedin in Persien und Belutschistan gezeichnet hat, hinzu- nimmt, so wird die Länge dieser Originalzeichnungen fast 1 Kilometer betragen.
— Eine ärztlicheErfindung. Ein französischer Arzt, Professor D'Arsonval, will eine Erfindung gemacht haben, mittels welcher Glieder des menschlichen Körpers nicht nur ohne Anwendung des Messers und vollkommen schmerzlos amputiert werden können, sondern auch ohne irgendwelche üble Nachwirkungen zu hinterlassen. Das Glied, so sagt er, fällt ab wie durch Zauberei und die Wunde ist bereits geheilt und vernarbt. Die Amputation wird durch Anwendung starker elektrischer Wechselströme bewirkt. Mit Tieren angestellte Versuche haben ergeben, daß die Empfindlichkeit und die Aktion der Muskeln nicht im geringsten beeinflußt wird. Die Wärmeentwicklung war in manchen Fällen so bedeutend, daß gewisse Glieder buchstäblich gekocht wurden, während seltsamerweise die Tiere nicht die geringsten Schmerzen zu empfinden schienen. Einige Tage nach der Operation fielen die mit dem elektrischen Strome behandelten Glieder von selbst ab, unb die Stümpfe waren vollständig vernarbt.
— Kurze Nachrichten ausKunst u. Wissenschaft. In Wien ist am Dienstag der Internationale Blindenlehrer-Kongreß, an welchem zahlreiche Vertreter Oesterreich-Ungarns, Deutschlands, Rußlands und Griechenlands teil- naljmen, eröffnet worden. — Zum Nachfolger des Geh. Med.-Rats, f ord. Prof. Wagenmann auf dem Lehrstuhl der Augenheilkunde an der Universität Jena wurde der a. o. Professor und erste Assistent bei Prof. Arenfeld an der Augenklinik zu Freiburg i. B r. Dr. med. Wolfgang Stock berufen. — „D e r Rodel-- z i g e u n e r", Sportoperette von Josef S n a g a , hatte bei der ! Aufführung in Nürnberg einen außergewöhnlichen Erfolg. Der bekannte Schriftsteller Heinz Tovote ist nach einer Meldung des „LokalanzeigerS" vom Eigergletschcr in der Schweiz abgekürzt unb hat sich babei den Arm gebrochen.


