Ausgabe 
27.7.1910 Erstes Blatt
 
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jährt. ausscht. Bestellg. Zeilenpreis: lokal lb Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für

ton* und EDerrnlschtes^ K. Neurath; für, (Stabt

Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2.-viertel-

Nr. 178 Erstes Blatt 1«0. Jahrgang Mittwach S7. Juli 181«

SSietzener Anzeiger

für die Redaktion 112, l'Jr

Seneral-Anzeiger für Gderhesien

Annahme von Anzeigen V f 4 Vf ».Land" und ^Gerichts-

bis vörnuttaA"s'"iih" Rotationsdruck UN-Verlag dervrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei R. Langt. Redaktion, Expedition uns Druckerei: Schulpratze r. H^B-ck.

Dänische Grotzverlehrsprojette.

Die am 6. Juli 1909 erfolgte Eröffnung des Darnpf- fährenverkehrs Mischen Saßnitz und Trelleborg, die einen Verkehr der Reisenden zwischen Deutschland und Skan­dinavien ohne jegliches Umsteigen ermöglicht, hat für Däne­mark eine recht empfindliche Einbuße an laufenden Ein­nahmen zur Folge. Bis" dahin war nämlich der Weg über Kopenhagen und die Benutzung der Trajektverb in dang Warnemünde-Gjedser die schnellste und bequemste Route zwischen den meisten deutschen und skandinavischen Städten, besonders Zwischen Berlin und Stockholm-Christiania ge­wesen. Man sinnt daher in Dänemark auf Mittel und Wege, um den großenteils verlorenen Passagierdurchgangsverkehr wieder über dänischen BOden zu lenken und die über dänisches Gebiet führende Skandinavienroute noch angenehmer und vorteilhafter zu gestalten als die über den Saßnitz-Trelle- borg-Trajekt Ährende Verbindung.

Wie der Internationalen Wochenschrift aus Kopenhagen gemeldet wird, werden großartige Pläne zur Verbesse­rung der Warnemünde-Gjcdser-Route geplant. Sie bestehen zunächst in einer beträchtlichen Abkürzung der Reiseroute, die sich dadurch erreichen läßt, daß die Eisen­bahn den bedeutenden Bogen, den sie zurzeit noch westlich der Bucht von Kjöge beschreibt, abschneidet und daß der höchst unangenehme und zeitraubende Trajektverkehr über den schmalen, Seeland und Falster trennenden Storström- men zwischen den Stationen.Mansuedsund und Orehoved ausgeschaltet tvird. Während die Abschneidung des Bogens bei Kjöge eine ziemlich einfache Maßnahme ist, ist die Ver­meidung des Trajektver'kehrs über den Storströmmen schon schwieriger. Man beabsichtigt, zwischen Mansuedsund und Orehoved einen Eisenbahntunnel unter dem gar nicht tiefen Storströmmen hindurchzuführen. Die Bodenbe­schaffenheit bietet der Herstellung eines Tunnels gar keine Schwierigkeiten, und mau hat sich daher in Kopenhagen mit dem eigenartigen Projekt bereits so vertraut gemacht, daß der Reichsrat schon eine größere Summe für die notwendigen Vorarbeiten bewilligt hat. Um aber die Konkurrenz mit der schwedischen Verbindung wirklich aushalten zu können, müßte auch noch der Oeresund, der Seeland vom schwedischen Festland schneidet, als ein höchst störendes Moment ausgeschaltet werden^ Da an den 'Sau einer Brücke bei dem ungemein regen Schiffsverkehr auf dieser an der schmälsten Stelle 4 Kilometer breiten Wasserstraße nicht zu denken ist, so wäre eine feste Verbin­dung zwischen Dänemark und Schweden abermals nur auf dem Wege eines unter dem Meeresarm hindurchgetrieöenen Tunnels zu erzielen, ein Projekt, das von dem schwedischen Ingenieur F u i st g a r d aufgestellt worden ist. Zwar würden die Kosten der Ausführung sehr beträchtlich sein, aber die Möglichkeit ist dadurch gegeben, dereinst auf dem Wege über Dänemark eine vollkommen ununterbrochene Bahn­verbindung zwischen Deutschland und Skandinavien zu er­reichen. Aber auch dann würde die dänische Linie dem Saßnitz-Trelleborg-Trajekt erst gleichwertig, aber nicht über­legen sein.

Erst wenn der Trajektbetrieb, der stets seine Unbequem­lichkeiten und Schwierigkeiten hat, völlig beseitigt wäre, würde die dänische Verbindung triumphieren. Auch dafür besteht eine Möglichkeit, so daß man vom westlichen und mittleren Deutschland wenigstens unter Ausschaltung jeg­

licher Seefahrt und unter Vermeidung allzugroßer Umwege auf die dänischen Inseln, und nach Untertunnelung des Oeresund auch nach Skandinavien gelangen könnte. Dieser neue, durchweg feste Verkehrsweg würde Hamburg und Stock­holm in nahezu gerader Linie verbinden. Er würde von Hamburg über Lübeck und Oldenbürg in Holstein Zum Feh- marn-Sund verlausen, diese 2 bis 3 Kilometer breite Wasserstraße, an Stelle der heutigen Großenbroder Fähre, auf einer Brücke überwinden und weiterhin über Fehmarn hinweg, das bis 1864 noch eine dänische Insel war, und unter dem Fehmarn-Belt hindurch Laaland und Falster erreichen, um dann auf dem vorher skizzierten Wege unter dem Stor­strömmen hinweg auf Seeland mit Kopenhagen und unter dem Oeresund hinweg auf das schwedische Festland zu ge­langen. Die einzige Stelle, die außer dem Storströmmen und dem Oeresund ein ernstliches Hindernis böte, wäre natürlich der Fehmarn-Belt, der aber keine wesentliche Tiefe und eine günstige Bodenbeschaffenheit aufweist, wenngleich er 18 Km. breit ist. Seine Untertunnelung würde geringere Mühe machen als die des Oeresund und des Großen Belt, die in Kopenhagen schon eifrig in Erwägung gezogen werden. Durch eine solche durchgehende feste Verbindung wäre dann zwischen Skandinavien und ganz Westeuropa sowie einem Teil von Mitteleuropa eine Verkehrsroute geschaffen, die an Vollkommenheit und Schnelligkeit mit den heute vorhan­denen Verkehrsmitteln nicht mehr überboten werden könnte.

Eine neue preußische Wahlrechtsvorlage?

Wir lesen in derPost": Gegenüber verschiedenen wider­sprechenden Meldungen sind wir in der Lage sestzustellen, daß tatsächlich an einer neuen Wahlrechtsvor­lage im preußischen Ministerium des Innern ge­arbeitet wird. Es sind bereits bestimmte Entwürfe aus­gearbeitet, die zurzeit der Beratung der maßgebenden Steh­len unterliegen. Wann der Entwurf an den Landtag ge­bracht werden soll, darüber ist noch keine Entscheidung ge­fallen.

politische Tagesschau.

Rücktritt des Staatssektretärs v. Tirpitz?

lieber die Rücktrittsgerüchte, die über Staatssekretär v. Tirpitz verbreitet werben, wird uns von unterrichteter Seite aus Berlin geschieben:

An den amtlichen Stellen wird die Amtsmüdigkeit des Staatssekretärs v. Tirpitz nicht bestritten, doch wird als Grund nicht Unstimmigkeit mit dem Reichsschatzamt, son­dern das Bedürfnis des Staatssekretärs angegeben, hem Bureaudienst enthoben zu sein und lvieder in die Flotte zurückkehren zu dürfen. Bis 1917 sind die Flottenbauten festgetegt, so daß größere Arbeiten der Er­ledigung für den Staatssekretär nicht harren. Der Staats­sekretär hat dieses sich gesteckte Ziel, den Ausbau der Flotte zu fördern, erreicht. Allerdings wirken bei dem Entschlüsse, das Amt aufzugeben, wohl auch die jetzt aufgestellten S parsamkeitstheorien mit, doch sind wichtige For­derungen des Reichsmarineamts niemals vom Reichsschatz­amt beanstandet worden.

Daß Tirpitz sich mit dem Gedanken einer Abrüstung oder einer Einschränkung der Flottenbauten nicht befreunden

kann, dürste nicht verwunderlich erscheinen, da er die deutsche Flotte als einen dem deutschen Heere ebenbürtigen Faktor betrachtet. Die Bewegung für eine Verständigung auf dem Gebiete des Flottenausbaues zwischen Deutschland und Eng­land ist über allgemeine akademische Erörterungen noch nicht herausgekommen und hat auf die Absichten des Staats­sekretärs keinen Einfluß ausgeübt. Ob ein Stellenwechsel im Marineamt unmittelbar bevorsteht, läßt fid) zurzeit nicht sagen, dürste aber nicht unwahrscheinlich fein.

*

Aus der badischen Sozialdemokratie.

Der Landtagsabgeordnete Kolb äußert sich im Karls« ruh er Volksfreund über dieHofgängerei" der badischen Sozialdemokraten. Er meint: Daß die Anwesenheit der sozialdemokratischen Abgeordneten bei der Schluß feier des Landtags zweckmäßig gewesen sei, Zeige die hochgradige Entrüstung der Zentrumspresse, während früher von der­selben Presse das Fernbleiben politisch ausgeschlachtet wor­den sei. Wenn aber ein Teil der sozialdemokratischen Land- tagssraktiou an der Schlußfeier teilgenommen Hut, dann habe es auch den einfach st enRegelndesAn st andes und des in der ganzen kultivierten Welt üblichen Taktes entsprochen, daß die Anwesenden bei dem Hoch auf den Großherzog aufgestanden sind. Wenn auf den sozialdemo­kratischen Parteitagen ein Hoch auf die Partei ausgebracht wird, erheben sich die anwesenden Gegner auch, ohne daß sie damit eine Demonstration für die Sozialdemokratie mit- gemacht hätten.

Und nun kommt Kolb darauf zu sprechen, daß sich auch Atoei Vertreter der sozialdemokratischen Landtagssraktion, hie dem Kammerpräsidium angehören, an der Gratu­lation beim Großherzog anläßlich der Silbernen Hochzeit des Großherzogspaares beteiligen werden. Kolb führt hierfür folgende Begründung an:

Jedesmal/ wenn es sich um den Eintritt unserer Genossen in ein Präsidium gehandelt hat, haben wir auch im Reichstag erklärt: wir erfüllen anstandslos alle in der Verfassung' und in der Geschäftsordnung vorgesehenen Bedingungen. Was darüber hinaus geht, lehnen wir ab. An diesen Standpunkt haben auch wir uns gehalten und unser Beschluß hält sich im Rahmen dieser Erklärung. Die Geschäftsordnung der Zweiten badischen Kammer enthält in dem § 74 die Bestimmung, daß der Landtag an den Großherzog eine Deputation entsenden kann, die aus beit Mitgliedern des Präsidiums und etwa noch dazu ausgelosten weiteren Mitgliedern der Zweiten Kammer besteht. Nun har die Zweite Kammer beschlossen, dem Großherzog anläßlich seiner silber­nen Hochzeit ihre Gratulation zu übermitteln und damit oas Präsidium auf Grund des § 74 der Geschäftsordnung beauftragt. Wollten wir nicht wortbrüchig werden, dann blieb nichts übrig, als daß unsere Vertreter im Präsidium sich ebenfalls bereit er­klärten, den von der Zweiten Kammer seinem Präsidium erteilten Auftrag mit auszuführen." Kolb meint schließlich, wenn die Sozialisten im Parlament die absolute oder relative Mehrheit haben, daß sie dann den ersten Präsidenten stellen müssen, wenn sie sich nicht für politisch bankrott erklären wollen. Dann wird aber auch die Partti den Landesfürsten, der verfassungsmäßig nicht nur der Repräsentaitt des Staates, sondern ein mitbestim­mender Faktor der Gesetzgebung ist, nicht mehr ignorieren können.

Der erste französische Aanonenschutz im Kriege 1870/71.

Durch die Gedächtnisfeier in Niederbronn sind wieder Erinnerungen von Augenzeugen der ersten Feindseligkeiten im Jahre 1870 wächgerufen worden, von denen dte Ides Elsässers Bernard, der heute Kassierer an derGazette de

Bon vaterländischer und politischer Lyrik.

Man schreibt derStraßb. Post":Daß ein hoher preußischer Offizier die Redaktion eines Witzblattes um die Erlaubnis ersuchte, ein in dem Witzblatt erschienenes Ge­dicht in goldenen Lettern an einem dem Militärfiskus ge­hörenden Gebäude anschlagen zu dürfen (wir haben darüber in Nr. 168 berichtet. D. Red. d. Gieß. AnZ), ist wohl ein noch nie dagewesener Fall. Das Gedicht, das General von Ujttdom so für das Berliner Zeughaus erwarb, war freilich nicht witziger Art. Es war eine Huldigung für Preußens unvergessene Königin. So nett und anheimelnd der Vor­gang anmutet,er gibt zu denken und zu lächeln und zu nagen". DerKladderadatsch" war immer ein patriotisches

pariser Allerlei.

O Paris, 25. Juli..

Die Montmartre-Köpfe ruhen nie. Wenn es an wahren Ideen fehlt, so muß auf der Butte-Sacrse der Ulk oft in gewagtester Form in seine Rechte treten. Ein Humorist der Feder und des Pinsels Avelot hat da wieder etwas sehr Lustiges ausgeheckt. Er ist ein abgesagter Feind der jn Frankreich nur zu üppig wucherndenFanfares", jener Ver­bände von sonst harmlosen Personen, die an der edlen Musika die schreiendste Ungerechtigkeit begehen zu müssen glauben, indem sie sich ihr mit Pauken und Trompeten, mit Waldhörnern, Klarinetten und gellenden Pfeifen un­ermüdlich widmen. Avelot will nun eine Montmartre- Fanfare ins Leben rufen, deren Ankündigung allein jedem eine Gänsehaut über den Rücken lausen läßt und die echten Fanfaristen mit wilder Wut erfüllt. Es sollen nämlich nur Künstler, Literaten und anderes freies Volk zu ihr zw- gelassen worden, die eine strenge Prüfung darauf zu be­stehen haben, daß sie nicht das Geringste von Musik verstehen und daß ihnen die Harmonie der Töne etwas absolut Un­zulängliches ist. Wer ein E von einem A, eine Hoboe von einer Flöte zu unterscheiden vermag, wird unerbittlich aus­geschlossen. Die Musikinstrumente werden diesen schreck­lichen Menschen wahllos verteilt, und diese Phantasie- Fanfare soll an allen großen Wettbewerben, die die Jünger der edlen Musika in Frankreich veranstalten, teilnehmen. Das wird einen Höllenspektakel geben; darum aber gerade wird diese Avelot-Kapelle vielleicht ganz gut bei manchen dieser Wettbewerbe abschließen. Denn wer diese kennt, weiß aus bester Erfahrung, daß der Lärm für die Preisrichter oft die Hauptsache bildet.

Träger von großen Namen findet man hier und da in der demokratischen Republik unter den allerbescheidensten Leuten. So ist der letzte Sprößling der großen Familie Beaufort in den Markthallen als Gemüse­züchter in Montgervn geschätzt. Damit setzt er eigentlich nur Ueberlieferungen der Familie fort, denn der Stamm­vater des Hauses, Francois de Vendöme, Herzog von Beau­fort, Enkel Heinrichs IV. und der schönen GÄrielle, der während der Aufregungen der Fronde sehr populär war, hatte seinerzeit wegen seiner ungezwungenen Sprache den BeinamenHallenlonig" erhalten. Er war sehr stolz auf diesen Titel der Urwüchsigkeit und hatte deshalb seinen Palast aufgegeben, um in der Rue Quineampoix mitten in dem ihm zuerteilten Königreiche zu wohnen. Da er aber mit

seinem Lärmen, Schimpfen und Anrempeln zu lästig wurde, sandte man ihn nach Kreta, um die Türken zu bekämpfen, und dort verschwand er in sehr geheimnisvoller Art. Einige Zeitgenossen wollten in ihm sogar den Mann mit der eisernen Maske erkennen.

Jn dem Wogen der Boulevards kommen auch in unseren das Außergewöhnliche übertünchenden Tagen einige Origi­nale zur Geltung. Seit Jahren spaziert beispielsweise ein sehr hochgewachsener Mann zwischen Oper und Porte Saint- Denis umher, der ganz in Schwarz gekleidet ist und auf Schultern und Brust kleine weiße Kreuze trägt. Noch kein Mensch hat erfahren können, wer er eigentlich ist und was sein Aufputz bedeutet. Er murmelt hier und da Unverständliches vor sich hin, bleibt nie stehen und wirst nur schrecklich flammende Blicke denen zu, die wegen seiner seltsamen Erscheinung sich nach ihm umsehen und lächeln. Stellt sich ihm jemand in den Weg, so weiß er ihn mit einer kräftigen Handbewegung beiseite zu schieben. Noch kein Mensch kann sich rühmen, je eine Antwort auf eine Frage von ihm erhalten zu haben. Solche unermüdlichen Boule­vards-Wanderer gab es übrigens immer. So starb vor ungefähr zwanzig Jahren ein Herr Daniel Raimcs, der bis zu seinem hohen Alter von 82 Jahren 50 Jahre hin­durch täglich 20 Kilometer auf den Boulevards auf und ab gewandelt war, mochte es mit Kannen gießen, mochte der Wind würen, wie er wollte. Auch er zog durch seine eigenartige Kleidung Filzhut aufs Ohr gestülpt, ungeheure bis an die Ohren strebende und den Hals einzwängende Kra- vatte, Gehrock mit zahllosen Falten und Hase, die unter den Füßen befestigt war, die Blicke der gewöhnlichen Boulevard-Gäste auf sich.

Witzblatt, nur hat man unter Vaterlandsliebe zu allen Zeiten immer etwas anderes verstanden, und wer weiß, ob nicht in Hund ent Jahren auch einmal derSimplizissi- mus" sich die Hörner so weit ab gelaufen hat, daß <er militärfähig wird. Aber noch etwas anderes berührt sonder­bar. Das Kladderadatschgedicht wird niemand als eine besondere dichterische Tat preisen können. Es ist aber eine der ganz wenigen Huldigungen in dichterischen Fonn, die zu Königin Luisens Todestag überhaupt er­schienen sind. Unsere Poetenwelt hat sich von den Dingen des Tages, mehr aber noch von den Ereignissen des Vater­landes ganz entschieden abgewendet. Und wenn man die Poeten sucht, die heute noch einem Stück Tages- oder Vaters landsgeschichte einige mühselige Verse abringen, so wird, man sie eben höchstens in den sSpalten der Witzblättett finden. Wir leben in der Zeit der Prosa nicht einmal der besonders guten Prosa und die eigentümlich feurig: und allgemein wirkende Macht des Verses ist, zumal in öffentlichen Dingen, verblaßt. Die Leiern politischer und vaterländischer Dichter sind Ocrftummt." Daß dem so ist, halteri wir nicht für bedauerlich. Die patriotische Lynk war nie die beste, und ein abschreckendes Beispiel dafür, daß man auch die umstrittenen Probleme in Politik und Geschäft nicht immer mit Erfolg in ein lyrisches Gewand kleiden kann, liefert die letzte Kummer derMgem. Deut­schen Fleischerzeitung". Sie brachte in fetten Lettern fol­gendes imposante und rührende Gedicht überDas Fiasko der Wiener Aktien-Großschlächterei":

Eine Million 260 211 Kronen Verlust! . . .

Was könnt' mit dem Geld inan viel Gutes schaffen, Statt diese Summe so selbstbewußt

Als Konkurrent der Fleischer zu verpaffen.

Soviel nämlich heute d i e S u m m e ti b c t r a a e n, (h Die die Aktien-Großschlächterei in Wien

Seit ihrem Besteh'n in dem gräßlichen Magen Des Dtolochs Verlust sah verzweifelt entflieh'm Dreihundertsünfundsiebzigtausend neunhundertundvierzia Betrug das Manko im letzten Jährchen

An Kronen allem man glaubt erst, man irrt sich Man hält solche Tatsachen fast für ein Märchen. Trotz dem Umsatz von sechzehneinhalb Millionen Jn einem Geichäitsjahr, es ist kaum zu fassen, Da mußten, statt daß das Geschäft sich lat lohnen . Die Aktionäre so viel Haare lassen. '

Der Fall in Wien, zur Genüge beweist er, Wie unrecht der Herren Agrarier Geschrei,