Ausgabe 
21.11.1910 Fünftes Blatt
 
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ahnworl

in letzter Stunde

®ie Wahlbewegung hat eine Entwicklung genommen, welche die Besorgnis derer wachruft, denen das Wohl der Stadt am Herzen liegt. Die Parteien, seren es politische oder städtische, gehen blind drauf los, die fragen nicht mehr, welche Kräfte der Stadtverwaltung nottun, nicht mehr wer von en Kandidaten geeignet ist, ihr zu dienen, sie sind von dem fanatischen Eifer beseelt, ausgerechnet gerade ihre Kandidaten durchzubringen. Prüft man ehrlich und unbefangen, so wird man sich sagen müssen, daß eine ganze Menge Leute als Kandidaten auftrcten, die ganz tüchtige Handwerker oder Geschäftsleute ,ei !W ehrenhafte Charaktere, die aber nichts, rein gar nichts besitzen was sie geeignet erscheinen läßt, tätig und fruchtbar

mitzuarbeiten an den Aufgaben einer Stadtverwaltung.

, *!* $u Beginn der Wahlbewegung schon darauf hingewiesen worden, daß diese Aufgaben hauptsächlich auf dem Gebiete des Bauwesens,

bei Rechtsangelegenhelten, des Finanzwesens, des Schulwesens und der sozialen Fürsorge liegen,

.n Befinden sich in der Stadtverordnetenversammlung eine Anzahl intelligente, auf wenigstens einem dieser Gebiete orientierter Personen, so hat der Bürgermeister an chnen eine gewaltige Stutze,, sie helfen an der Lösung der Aufgaben und wirken fördernd. Aber der Bürgermeister hat an kontrollierende und gegebenenfalls korrigierende Instanz, die umso kräftiger ist, umso geeigneter, eine bureaukratische Entfremdung zwischen Verwaltung und Bevölkerung zu verhüten je stärker in ihr die Intelligenz und die Sachkunde vertreten ist, ^ JlK°.r-nClenbeX'amm U"9 t f on'f° 8chwcher? ihre Beschlüsse und Kundgebungen sind umso bedeutungsloser, der Bürgermeister ist . ®,.. J (^Vren^®r pe.utc, nt 'hr sich befinden, die Kenntnis von den vielgestaltigen Erscheinungen unseres öffentlichen, wissenschaftlichen, tech-

iifchen und gewerblichen Lebens, Kenntnis der Gesetzgebung auf dem Gebiete der Stadtverwaltung, des Bauweftns re. besitzen.

.fatln' °^,e jemanden wehe zu tun, bekennen, daß ein Schlossermeister, ein Gastwirt, ein Schreinermeister, nicht geeignet ist er zeichne Drtsftihif ,hSaäfUnb Ausbildung aus ein Referat nt irgend einer wichtigen Sache, beispielsweise wenn es sich um die neue Bauordnuna :.-ps nMf rt2nn 9?. um eine Stellungnahme gegenüber der Regierung handelt, zu übernehmen. Abstimmen kann jeder, aber daunl

frs nicht getan, denn Leute die nur dies vermögen, werden stets genug da sein, die braucht man nicht erst hinzuzuwählcn.

21, ben unbefangenen Beurteiler offensichtlich, daß der fortschrittliche Vorschlag dem Bedürfnis, geeignete Mitarbeiter in die Stadtvcr.

Vel^^aeftllt aufaeltÄ ÄS S Bezirksvereinen, zu denen sich auch der christlich-soziale, der deutschsoziale und bei nationalliberale

Itirfit anaenebme E2^ + ? ^rabe Bczirksvereinen aggregierten politischen Vereine erheblich dazu beigetraqen hätten, daß politisch ihnen

ch angenehme Bewerber zuruckgedtangt wurden und daß sie hierbei bte Gevattermanns und Stammtischwirtschaft der kleinen Vereine gut ausgenützt hätten, demokratischen Mn,ente aussÄieß7n müsie.' Wn^e Zettel auch sozialdemokratische Kandidaten enthalte und daß man deshalb auch seine nichtsozial hrt6 be_ ^5Ifti^e" Partei er auch angehöre und wie sehr er auch die sozialdemokratische Lehre mißbillige, muß sich sagen-

r h tE,ns ^etttetun9 w der Stadtverwattuug gehört. Die Jntereffen der Arbefter werden gar häufig von den Maßnahmen

ÄtadtverwaÜung direkt berührt und es. müßen Personen da sein, zu denen die Arbeiter vertrauen haben und die ihre Anliegen Vorbringen.

sie sich äußern KunUnfU9, bcr Unzufriedenheit den Mund zu schließen, es ist viel klüger, ihr ein Ventil zu öffnen, eine Stelle zu gewähren, an der btallim Twan 4 saaialdcmokrÄische Vertreter, so mag er 3 oder 2 Wahlen, aber er soll gerecht sein und billig denken, nicht von der

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Sanä töricht ist nun gar die Ansicht, daß der ganze fortschrittliche Zettel verwerflich sei.

nisse AAnfSabe11 eines Stadtverordneten denken und sich dann die Kandidaten ansehen auf Intelligenz, Kennt- msse, Arbeitskraft, Ueberzeugungstreue; dann wird man den richtigen Weg finden.

Ein alter Giessener Bürger.

O'-/o

Gegenfrage?

Warum find Kommerzienrat Georgi

Ein Neugieriger

Gin Neugieriger.

und sein Sohn aus dem freifinnigen Verein ausgetreten?

In Frankfurt, Darmstadt, Mainz, Bingen gingen die Freisinnigen mit den anderen bürger­lichen Vereinen, sogar mit dem sonst von ihnen so sehr bekämpften Zentrum zusanimen gegen die Sozialdemokratie vor. Warum soll in Gießen die Abwehr des sozialdemokratischen Ansturmes gegen den Liberalismus verstoße»? Oder sollte dahöhere Politik" dahinlerstecken?

MnMI

Sn letzter Stunde erlauben wir uns nochmals die Kandidatur D»i/n Max Friedberger angelegentlichst zu empfehlen. 4

§en Max Friedberger hat zu allen Zeiten sich gern in den Dienst städtischer Unteres,en gestellt. Wtr erinnern nur daran, daß er Jahre lang den Vorsitz der ^mmbus-Gesellschaft geführt hat. Er ist Mitglied der Handelskammer und f0: mit mit den Handels- und besonders den Verkehrsinteressen unserer Vaterstadt eng verbunden. Seine kaufmännischen und finanztechnischen Kenntnisse machen chn weiterhin geeignet in unserem Stadtparlament zu sitzen.

Er ist ferner ein recht und gerecht denkender Mann, der für alle Bevölke- nmgsllassen etwas übrig hat.

Darum wählen wir ihn als Stadtverordneten.

Mehrere Wähler.

Wollt ihr die fteisinnig-sozialdemokratische Konsumvereins- u. Waren- Hauspolitik unterstützen, so wählt den Zettel der Freisinnigen und Sozial­demokraten.

Wollt ihr aber

euere eigenen Jntereffen

gewahrt wiffen, so wählt die Liste des DB/

Bürgerschafts-Ausschusses.