250
Zweites Blatt
160. Jahrgang
Dienstag 25. Oktober 1910
Kch«l Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhefsen
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Blich- und Steindruckerei. R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e®51. Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerDießen.
erscheint ISgNch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „«ithener Zamlliendlötter- werden dem .Anzeiger" vierinal wöchentlich beigelegt, das „Krrisbiatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Selb fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Der neue Herrscher Siams.
Aus der Berliner siamesischen Gesandtschaft werden der ^Znsormatton" über den neuen siamesischen Herrscher folgende Angaben gemacht: Der neue Herrscher, der sich richtig Uaha Vajiravudh schreibt, ist tatsächlich der erste König, der eine wirklich europäische Erziehung genossen hat, denn der verstorbene König Chulalongkorn, dem irrtümlich nachgesagt wurde, daß er europäisch erzogen worden se: besaß irur nne englische Erzieherin. Der neue König erhielt seine Ausbildung und Erziehung in England wo er auch Geschichte und Staatswissenschaften studiert hat Lr wird am 1. Januar 1911 30 Jahre alt und hat nach siamesischem Gesetz ohne weiteres nach Ableben seines Vaters den Thron bestiegen. Ursprünglich war er nicht zum Thronfolger designiert. Der eigentllche Kroiiprinz starb im Jahre 1893, woraufhin König Maha Vajiravudh zum Thron; olaer bestimmt wurde. Ohne dem Byzantinismus zu huldigen tonn man wohl sagen, daß der neue Herrscher hochintelli- gent, scharf von Verstand und sehr gebildet ist. Besonders huldigt er literarischen Neigungen. Er b.schüft qt sich sehr viel mit englischer Literatur und hat bereits viel ms dem Englischen in das Siamesische übersetzt. Sein Wesen atmet Liebenswürdigkeit und herzliche Offenheit Dem Aeußeren nach stellt er etwa eine Htittelfigur dar )ie ziemlich stark und kräftig ist.
Nach Beendigung seiner Studien in England unternahm rr eine ausgedehnte Weltreise, die ihn auch längere Zeit lach Europa führte. Im Jahre 1902 weilte er in Deutschland, wo er sich auch dem Kaiser vorstellen )urfle. Er unternahm damals eingehende Besichtigungen n der Hauptstadt, machte die Parade mit und erhielt vom Kaiser Wilhelm den damals erst vor kurzem geschaffenen Verdienstorden der preußischen Krone. Ferner konnte er ich auch dem österreichischen und italienischen Monarchen ms seinen Besuchsreisen vorsteilen. Wenn auch zugegeben Derben muß, daß er entsprechend feiner Erziehung in erster ’inie eine Vorliebe für die Engländer hegt, so ist doch leiannt, daß er die deutsche Kultur bewundert. Militärisch letleidete der neue König in Siam bisher den Rang eines Generals, und er zeigt auch für militärische Angelegen- leiten und sein Heer viel Interesse. Seit der Zeit, während welcher der jetzige König als Kronprinz im Lande tätig oar, hat er sich viel mit Verwaltungsgeschäften befaßt. Der verstorbene König entsandte ihn zu seiner Information iel auf Reisen in die Provinzen. 9Lach dem Urteil von kennern zeigte sich in den von ihm verfaßten Berichten ine scharfe Urteilsfähigkeit, und überall kam das Bestreben um Durchbruch, vor allem für Verbesserungen nach euro- chschem Rtuster zu sorgen. In dieser Hinsicht war auch elanntlich der verstorbene König Chulalongiorn sehr tätig, er von der Verpflanzung europäischer Kultur nach feinem I anbe sehr viel hielt und sich in diesem Sinne, wo es nur rigängig war, betätigte.
Was die Krömtngsfeierlichkeiten anbetrifft, so werden ie erst später statt find en und mit den üblichen Zeremonien n Szene gesetzt werden. Der verstorbene Herrscher, dessen !eiche sofort nach dem Tode einboifamiert wird, wird nach iamesischem Brauche verbrannt.
Die augenblicklich herrschende Dhnastiein Siam ist nach roßen Wirren auf den Thron gekommen. Im Jahre 1782 wurde ie damals herrschende Königsfamilie von Chrakki, einem Feldherrn es Königs, nach schweren Kämpfen entthront und Chrakki be» rundete eine neue Dynastie. Im Jahre 1824 kam einer seiner infel namens Krvma-Rtom-Tschll auf den Thron. Dieser -errscher, der ein großer Feldherr war und im Jahre 1829 Laos zuiem Lande cuiuerleibte und dessen Königsfamitte hmrichten ieß, war der grausamste Tyrann. Im Jahre 1851 erkrankte er. lls er sich dem Tode nahe fühlte, setzte er auf den Rat seines Zriesters Chow-Phya-Sri^Sury-Wongse keinen seiner eigenen zwölf ööhne, die alle illegitim waren, zu seinem Nachfolger ein, mdern er erwählte einen Nachkommen der von König Chrakki ntthronten Dynastie. Der neue König Khan-Fa-Ätongkut starb ber schon ein Jahr später. Ihm folgte sein Bruder Somdet-Phra- .Lvarandev-Maha-Piongkut, der im Jahre 1866 seinen Ver- randten Chulalongkorn zum Nachfolger einsetzte. Während dessen slinderjährigkeit war der greise Chow-Phya-Sri-Sury-Wonase, der aeser Dynastie auf den Thron verHolsen hatte, Regent des Landes.
blieb es bis zum 16. diovember 1873, wo Chulalongkorn den
Thron bestieg. Chulalongkorn war der erste Monarch, der die fremden sehr begünstigte. Das Königtum ist, wie schon aus dieser Darstellung zu ersehen ist, in beschränkter Weise erblich, da auch Chulalongkorn nickst der direkte Erbe seines Vorgängers war. Der König wird derart gewählt, daß der Minister konsell in Gemeinsck)ast mit den Prinzen und Fürsten ber vier höchsten Rangklassen den Nachfolger aus der Zahl der Söhne des Königs erneimt. Der Reichtum der Könige von Siam ist sprichwörtlich.
£anöesausfd}u& - Versammlung der fortschrittlichen volkrpartei sür Hessen.
In Mainz fand, so lesen wir im „Mainzer Anz.", am Sonntag eine von Über 200 Delegierten aus allen Landesteilen Hessens besuchte Sitzung des Landesausschusses der fortschrittlichen Volkspartei des Großherzogtums Hessen statt. Der Vorsitzende der Landespariei, Justtzrat Gallus- Darmstadt, verlas ein Be-- grüßungstelegramm des Zentralausschusses der fortschrittlichen Voltspartei in Berlin. Den Kassenbericht, der mit einer Einnahme von 8226 Mk. und einer Ausgabe von 7645 Mk. ab schließt, erstattete Stadtverordneter S ä u g - Darmstadt. Nach dem Ge- schäftsbericht des Landesparieisekretärs Kuhlmann -Darmstadt besteht der Lundesverein aus 99 Vereinen mit rund 9000 Mitgliedern. Neue Vereine wurden 1910 gegründet in Messel, Raunheim, Nierstein, Hahnheim, Guntersblum, Lampertheim, Pfeddersheim, Dorn-Dürkhelm, Dreieicheichain, Hainstadt, Lich, Dau- b ring en, Nidda, Undenheim, Beerfelden und Dudenhofen.
Die Agitationstätigkett der Vereine war sehr rege, 224 Versammlungen wurden abgehalten. Neue Parteiorgane wurden, so heißt es dann weiter, gegründet in Val^Nauh im und Gießen. Der Bericht des Landesgefckstiftssührers, Stadtverordneten Henrich in Darmstadt über die „Reichstagswahlen im Jahre 1911" gab zu einer lebhaften Aussprache Veranlassung, an welcher sich beteiligten die Herren Schuckmann-Groß-Gerau, Menges-Bechtolsheim, Professor Flegler-Benshetm, Stadtverordneter Säng-Tarm- jtadt, die Landtagsabgevrdneten Dr. Wolf-Gonsenheim, Reh-Als- feld, die Justizräte Gallus-Darmstodt, Börckel-Rtalliz, Metz-Gießen, Oberlehrer Dr. Strecker-Bad-Nauheim, Dr. -»Winter-Mick-elstadt, die Rechtsanwälte Dr. Brucher-Bad-Nauheim und Carnier- Seligenstadt, Privatdozeitt Dr. VogttGießen usw. Sämlliche Redner betonten, daß die Wahlparole der fortschrittlichen Volkspartei für 1911 lauten müsse: „Gegen den schwarz-blauen Block". Ebenso einstimmig sprach mott sich gegen ein Zusammengehen mit den bündlerischen Nationalliberalen aus. Bei Stichwahlen zwischen den Parteien des schwarz-blauen Blocks und der Sozialdemokratie könne die Parole der fortschrittlichen Volkspartei nur für die Sozialdemokratie lauten.
Die einstimmig angenommene Entschließung lautet:
1. „Der Landesausschuß der fortschrittttchen Volkspartei des Großherzogtunis Hessen erachtet angesichts der derzeitigen politischen Sage die Bekämpfung des schivarz-blanen Blocks ats die vornehmste Aufgabe der Partei. Er fordert die Wahlkreis- Vereine zur alsbaldigen Aufstellung ihrer Kandidaten auf und ermächtigt den Parteivorstand, mit anderen Parteien zum (Zweck der gemeinsamen Bekämpfung des schwarz-blauen Blocks in Verhandlung zu treten. Es wird envartet, daß die einzelnen Wahlkreise ohne Zustimmung des Landeswahlausschusses Sonder- verhandlungen mit anderen Parteien nicht führen. 2. Ter Parteivorstond wird ermächtigt, mit der Leitung der hessischQi nattokuinberalen Partei ztvecks gemeinsamen Vorgehens gegen den schwarz-blauen Block in Verhandlungen zu treten."
Aus den Verhandlungen ist, so heißt es in dem erwähnten Bericht weiter, interessant, daß nach einer Mitteilung des Wahl- kreisab^eordneten von Bensheim-Erbach die Linksnativnalliberalen dieses Kreises die Kandidatur Herrn Bassermann angetragen haben. Die fortschrittliche Volkspartei irirb mit ber Wahlagitation sofort beginnen. Es ist ein aus 20 Mitgliedern bestehender La nd es wa hl aus f chu ß gebildet luorben, dem aus Rheinhessen an* gehören die Herren Justizrat Börckel und Kommerzienrat Mayer- Mainz, Justizrat Klein und Lehrer Pohl-Worms, Bürgermeister Christ-Wörrstadt und Reallehrer Baumann-Alzey.
Die zweite Lejung der Zustizgesetze im Ausschuh.
:: Berlin, 24. Ott.
Der Sttafprvzeßausschuß beriet heute nachmtttag den § 46 der Strafprozeßordnung, der die Schweigepflicht der Beamten behandelt, wenn sie als Zeugen vernommen werden. Der Paragraph lautet nach der Regierungsvorlage:
„Ein öffentlicher Beamter darf Über Tatsachen, auf die sich feine amtliche Pflicht zur Verschwiegenheit bezieht, nur mit Genehmigung ber vorgesetzten Behörde vernommen werden; ist er nicht mehr im Dienste, so bedarf es der Genehniigung der Behörde, bie ihm zuletzt vorgesetzt war. Für den Reichskanzler erteilt die Genehmigung ber Kaiser, für Minister eines Bundes- ftaates ber Landesherr, für Mitglieder der Senate der Freien
Hansastädte der Senat. Die Genehmigung darf nur versagt werden, wenn die Vernehmung dem Wohle des Reichs oder eines Bundesstaats diachtril bereiten wurde."
Das Zentrum beantragt noch folgenden Satz hinzuzufugen: „Eine Versagung ber Genehmigung ist nicht zulässig, soweit es sich um Tatsachen handelt, bie sich auf das Dienst- oder Arbeitsverhältnis in Betneben des Reichs ober eines Bundesstaats oder auf die Ausübung des Wahlrechts bei öffentlichen Wahlen beziehen." Die Sozialdemokraten beantragen, den ganzen Paragraphen zu streichen. Für den Fall der Ablehnung dieses Antrags beantragen sie, daß die Genehmigung nur dann versagt werden darf, trenn bie Ablegung des Zeugnisses der Wehrkraft des Reichs ober eines Bundes staats oder den Beziehungen zum Aaislande ober der Bundesstaaten untereinander Nack>teile bereiten würde, lieber bie Berechtigung der Zeugnisverweigerung soll bas Gericht entschriben. Für ben Fall der Ablehnung auch dieses Antrages sollen jedenfalls die Tatsachen, die geeignet sein sollen, dem Wohle des Reichs ober eines Bundesstaats Nachtelle zu bereiten, bem Gericht schriftlich mitgeteilt werden, das dann über; bie Berechtigung ber Zeugnisverweigerung zu entscheiden hat.
Nach einer sehr ausgiebigen Aussprache wurde bie Beschlußfassung über ben § 46 ausgesetzt. Ein Unterausschuß soll ver-- suchen, eine ber Negierung annehmbare Fassung zu finden. Diesem Ausschuß würbe auch ber § 47 überwiesen, der von der Schweigepflicht der Geisllichen handell.
Der in erster Lesung in ben Entwurf eingefügte § 47a betrifft bas gerichtliche Schweigerecht der Parlamentarier. Danach dürfen Abgeordnete die Auskünfte über Personen, die ihnen in Ausübung ihres parlamentarischen Berufs etwas anvertraut haben, und über bie anvertrauten Tatsachen verweigern. Der Staatssekretär bes Reichsjustizomts gab gegen riefe Bestimmung eine scharfe Erklärung ab. Von ben Konservativen war ihre Streichung beantragt. Für bie Streichung stimmten nur bie beiden konservativen Parteien und die wirtschaftliche Vereiniguilg, im ganzen sieben Stimmen. Mit ben Stimmen aller übrigen Parteien würbe der Beschluß erster Lesung auftecksterhatten. Zum § 49, bem Presseparagraphen, hatten bie Sozialdemokraten; einige Anträge gestellt, die jedoch die Mehrheit nicht fanden. Wellerberatung Dienstag vormittag.
Die Reich;oersicherung;ordniing.
:: Berlin, 24. Ott.
Der Reichsversicherungsausschuß setzte heute nachmittag bie Beratung des Abschnittes über das Verfahren bei der Unfallversicherung fort. Ein nationalliberaler Antrag will in einem § 1564a ff. ein verbessertes Vorbescheidsverfähren rinführen. Das bisherige Vorbescheidsverfahren wird, wie aus den Darlegungen des Staatssekretärs Delbrück hervorgeht, von allen Beteiligten für wirkungslos gehalten, deshalb wird es von der Regierungsvorlage ganz beseitigt. Nach dem Aittrag eines Zentrums Mitgliedes sollen die Allen, falls der Einspruch von Seiten des Versick-erten oder dessen Hinterbliebenen ausreck)terhalten tvird, an einen besonderen AussckMß gehen zur Festsetzung des Endbescheides. Dem Ausschuß sollen außer bem Vorsitzenden ber Berussgenossenschast zwei von deren Vorftandsmllglieder und zwei Vertreter der Arbeiter angehören. Diese Anregung findet viel Sympathie. Die Beschlußfassung erfolgt Dienstag.
Dom Sordon-venneti-Rennen.
Die Dauerfahrten der deutschen Ballone.
Ueber die Dauerfahrt des Ballons „Düsseldorf erzählt sein Führer, Ingenieur Gericke, folgendes: „Wir hätten dreißig Stunden läng er in den Lüften bleiben rönnen, aber der Umstand, keinen Rückweg zu ftnden, veranlaßte den Abstieg. Bis M i ch i g a n herrschte oortresilicher Wrnd, dann begann eine fünfstündige Sturmfahrt mit 75 Meilen Geschwindigkeit in der Stunde. Dre Landung bei Kiskising erfolgte aus einer Höhe von 10 000 Fuß und war innerhalb neun Minuten bewerkstelligt. Die Wälder waren so dickt, daß die Zurücklegung einer Melle sechs Stunden erforderte., Wir übernachteten im Freien und kehrten tun nächsten Morgen zum Ballon zurück, um Proviant abzuholen. Wir verließen ein zweites Mal den Ballon. Am Donnerstag nachmtttag kamen wir während der Ballonreise sechsmal in eine Höhe von über 12 000 Fuß. Ich glaube, die bestehenden Rekords geschlagen zit haben." — Der Mitfahrer im Ballon „Germania", Kaufmann Bl ankerst aus Düsseldorf, der nach Montreal gekommen war, um sich in ärztliche Behandlung zu begeben, erzählt über den Flug dieses BallonS: „Nachdem totr den Huronsee passiert hatten, gerieten wir in einen furchtbaren Orkan und
walobrandkatastrophen.
Tas furchtbare Schauspiel ber amerikanischen Waldbrande, das chon vor wenigen Wochen bie Welt erschütterte, hat sich in ben eBten Tagen an ber kanadischen Grenze in noch schrecklicherer nb verheerenderer Form wiederholt. Gegen tausend Tote sind u beklagen, deren verkohlte Leichen zum größten Tell noch esacht werden; viele tausend Personen stnd obdachlos; sieben Ortschaften sind vollständig zerstört, acht attoere zum Teil Der- rannt, lieber bie Ursache unb die Bedeutung dieser alljährlich uh wiederholenden Katasttophen äußert sich ein guter Kenner n Verhältnisse, Ingenieur Max Brünner, in einem Artikel er Umschau. Tie furchtbare Ncacht des Feuers, die die Ver- uiigten Staaten jährlich 100—200 Millionen Mark kostet, Hal tan erst in den letzten Jahren systematisch zu bekäntpsen gesucht, cellich bisher ohne durchgreifenden Erfolg. Von dem Forstbureau es Ministeriums für Landwirtschaft sind Beobachtungsposten nach 11 ben riesigen Wäldern entsandt worden, üt denen man der baldbrände gewärtig sein muß. Dadurch waren zuerst genaue ^Bungen ber Verluste möglich, bie häufig viele, viele Millionen trugen. Außer diesen Sck)äden müssen aber auch noch die. furchigen Folgen solcher Waldbräude berücksickstigt werden, die in der 'ernichtung des jungen, noch ntcht holzliesemden, aber für die Anpflanzung eines Waldes so wichtigen Bestandes und in der lllchadigung des seiner Fruchtbarkell beraubten Erdbodens liegen, ne Ursack)en ber Katastrophen liegen in einer ganzen Kette von wiländen: in nassen Sommern häuft sich Brennmaterial an, Q5 dann in einem trockenen Sommer wie Zunder in Flammen ufgeht. Ter Leichtsinn ber Arbeiter und Touristen, bie fünfen- vwhenben Lokomotiven, unvorsichtige Schüsse, der Blitzstrahl tönen bann sofort einen Niesenbrand Hervorrufen; daneben kommt uch Selbstentzündung sehr trockenen Holzes und Grases vor. Der ^uerbämon rast dann mit einer Schnelligkeit vorwärts, die etwa b Kilometer in ber Stunde beträgt und tagelang andauert. In em furchtbaren Wettrennen um Tob und Leben, das Menschen nd Tiere mit bem Feuer aufnehmen, werden sie nur allzuoft °n bem gierigen Element besiegt und verschlungen. Tie Eßen- ll)nzuge, die durch den in Flammen stehenden Wald rasen, suchen 111 Ausbietung aller Kräfte der Lvkonwtive ben Flammen zuvor- trommen. Aber nicht immer fuhrt bie wilde Fahrt zur Rettung; te hölzernen Schienenschwellen, über bie die Räder dahmeilen, mgen an zu brennen, oder plötzlich sieht sich der Zug vor einer
Holzemen Brücke, die schon vom Feuer ergriffen ist, in einem Flammenmeer, oder stürzt in den Abgrund, wenn das schon schwelertde Holz ber Brücke nicht mehr hält. Am schlimmsten wütet solch ein Waldbrand in den Bergen; mit wachsender Wmdeseile wälzen sich die Flammenmassen bergauf, well ia die Flamme immer nach oben schlägt. 30 Meter ragt bie mächtige Feuerzunge oft über bie Gipfel der Baumriesen, 60 Meter über ben Erbboden. Ein heulender Orkan ellt mit heißem Atem bem Flammenmeer voraus unb bringt allen Lebewesen bie entsetzliche Botschaft. Wer bann nickst Zuflucht findet in einem Fluß oder Tetch, muß des Feuertodes sterben. In solch einem vom Feuer verwüsteten Gebiet trifft bie Vernickstung nicht nur die ans- gewachsenen Stämme und Anpflanzungen, sondern, wie man durch Experimente nack-gewiesen hat, auch ben Samen, der ben Grundstock für einen künftigen Forst bilden könnte. Tie Fortpslanzungs- kaft ist in riefen Brandgebieten auf viele Jahre hinaus zerstört Die Waldbrandkatasttophen haben auch noch einen anderen enormen Schaden, unb zwar für bas Klima unb bie VolkSgesunbheit Tie entsetzlichen Hitzwellen, von beiten die Vereinigten Staaten jetzt so oft heimgesucht werden, lassen sich durch bie zunehmende Entwaldung Amerikas erklären, beim bie Lust büßt dadurch an vTüchtigkeit em. Ist dock) jeder Wald gewissermaßen eine Sauer- Itoffabru, und man sck-ätzt, daß eine kräftige Eiche ober Pappel etwa 75 Liter Wasser täglich ausatmet. Tie Ansttengungen ber amerikanischen Regierung sind diesen eiwrmen Schädigungen gegenüber bisher ziemlich minimal; bie erlassenen Verordnungen werden weiiig beachtet, und eine geregelte Forstwirtsckwft ist nur zum fleuien Teck durchgeführt. Tennvch ist vorauszusehen daß bie furchtbaren Waldbrände in bet Union allmählich seltener werben well es jetzt weniger Wald gibt und man ben Wert bes Holzes' der in den letzten acht Jahren um volle 50 Prozent gestiegen ist' immer mehr schätzen lernt.
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_ — Eine neue M i 1 li o n e n sti st un g Rockesellers Ans Neuyork wird berichtet: Mit großer Feierlichkeit ist nun das neue ötockefeller-Jnstttut für medizinische Forschung eröffnet worden, für das der berühmte Philanthrop über 20' Millionen m&V Ocftiftet hatte. Der Festakt gipfelte in der überrafdjenrin Mitteilung, daß Rockefeller dem Jnstitiit weitere 15 Millionen Atark zugewiesen hat, so daß seine Auswendungen nunmehr 36 Millionen erreicht haben. Das prachtvoll eingerichtete Krankenhaus nimmt nur eine verhältnismäßig geringe Zahl von Patien
ten auf: in der Tat sollen nur 70 Kranke gleichzeitig im Institut behaiidelt werden. Die Patienten werden ausgewähll mit Rück- chst aus die wissensckiaftlichen Interessen, die das Sturium ihres
Leckens bieten kann.
an "7 hat die Frau en schön heil Bankrott g e macht? Marcel Prövost behauptet bas kurz unb bünbtg: nach seiner Ansicht ist Die Schönheit der Frauen von der Eleganz ber Frauen entthront worden. „Alles dreht sich jetzt um bie Toiletten,". Iriaewt er, „mehr als die Schönheit, die nach Renan eine Tug eich i|t, entzückt uns bie Eleganz, also etivas, was nicht göttlich ist, etwas, bei bem Kunst unb Laune eine Rolle spielen. Heben riefe ketzerischen Aeutzerungen des Herrn Prövost ist bie Zeitschrift „Femina" außer sich geraten: sie hat sich sofort an mehrere Künstler als beste Kenner auf diesem interessanten Gebiete gewandt, um sie zu fragen, was sie von bem „Gebankensplitter" des Herrn Prövoft hielten. August Rodin antwortete in seiner bestimmten Art: „Tie Schönhell ist überall. Es ist nicht wahr, datz teuie Schönheit mehr als Augenweide vorhatiden ist- sie ist vorhanden nur unsere Augen (eben sie nicht. Die Künstler
AUerttlms hatten Augen, die Sck-önl-eit zu sehen, während ^Künstler von heute blind sutd: bas ist ber ganze Unterschieb Tie ariechischen Frauen waren schön, aber ihre Schön- beU lag auch im Auge des Beschauers, in dem Ange ber Künstler, darstellten." Nach Robin ist es ein unverzeih- lidjer Fehler, wenn man bie Frauen bes Altertums, wie wir fte aus ben ttassischen Statuen kenneti, mit ben Frauen von Hb"/?, die wir in Fleisch unb Blut vor uns sehen, vergleick-en will. Bon einem ,^Krach" ber Schönheit könne jedenfalls unter keinen Umständen die Rede sein. Der Maler Charles Del- v ail le gibt zu, baß rie Mode launenhaft ist und die meiblidh* Silhouette zu verändern und nicht immer zu ihrem Vorteil, zu verändern Vermag; aber die Reinheit der Linien unb bie plastiscyen Korpersormen bleiben, und das ist schließlich die Hauvt. ,ack)e Die Toilette ist nichts als etwas Künstliches, GekunWs-
Merkmal eines Tages oder eines Jahres' Paul Adam geht noch einen Schritt weiter: er ist fest übenemt" baß wieder ein g o l b e n e s Z e 11 a 11 e r weiblich Graz e^nd w e i b l i ch e r K ö r p e r , ch o n h e i t, die durch Plasllsche Körver- sormen beriet wird un Anzüge iji. Die Frauen werrin^.^ !Ä0i‘ wtat aSS« «


