Ausgabe 
21.3.1910 Erstes Blatt
 
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Tvod) mit der Prüfung der nciin ihmm vorliegenden Projekte be­schäftigt seien.

Wie die Petersburger Telegraphenagentur erfährt, ist die Meldung derNowvje Wrcmja", nach welcher das russisch­österreichische Abkommen heute vom russischen Minister des Aeußern und dem österreiclnsch-ungarischcn Botschafter in Petersburg imtereziä?net worden sei, falsch

Wie aus Athen gemeldet wird, versuchten in der Nähe von Larissa Bauerneinen Eisenbahnzug anzuhalten, wurden aber von Militär daran gehindert. Tas Militär machte von der Waffe Gebrauch, nwbei fünf Bauern getötet und fünfzehn verwundet wurden. Ungefähr 100 Bauern zogen darauf unter Lärmen nach Larissa, wo Kavallerie sie auseinandcrtrieb; habet erlitten zwei Offiziere Verletzungen.

Wie aus Fez unter hcnt 17. März gemeldet wird, soll bei den Zcmmur s zurzeit der Heilige Krieg gepredigt werden gegen die Franzosen, die wegen der Ermordung les Leutnants Meaux in das Gebiet der Laers eingerückt sind.

2$us Statt uut Laut.

Gießen, 21. März 1910.

DaS Landgraf-LudrvigS-Gymnasium hatte einschließlich der Vorschule im Schuljahre 190910 347 Schüler und 9 Schülerinnen. Im Laufe des Schul- jahres traten 15 Schüler ein und 20 aus, so daß die Gesamt- besucherzahl 371 betrug. Davon waren 287 evangelisch, 30 katholisch und 39 israelitisch; 286 waren aus Gießen, 52 aus anderen hessischen Orten und 18 aus nichthessischen Orten. Von den 26 Abiturienten des Jahres widmen sich der Heilkunde 7, Zahnheilkunde 1, Geschichte 1, Forstwissen­schaft 1, alten Sprachen 4, neueren Sprachen 1, Offiziers­laufbahn 2, evang. Theologie 3, Naturwissenschaft 3, Rechts­wissenschaft 1, dem Marinebaufach 1 und dem Eisenbahn- dienst einer. An der Anstalt unterrichteten einschließlich des Direktors Geh. Schulrat Dr. Henseü 23 Lehrer, darunter fünf außerordentliche Hilfslehrer.

** Staatsschuldbuchbureau. Der Buchhalter Wenchel wurde zum Kontrolleur bei dem Staatsschuldbuch- bureau und zum ersten Stellvertreter des Staatsschuldbuch, führers, der Staatsschuldenkassebuchhalter, Rechnungsrat Rühl, zum ersten Stellvertreter des Kontrolleurs und zum zweiten Stellvertreter des Staatsschuldbuchführers und der Finanz­aspirant Erb zum zweiten Stellvertreter des Kontrolleurs.

**DenNachweisderBesähigungz.urUeber- nahmeeines Kirchenamts erbrachten bie kath. Geist­lichen Adam Becker aus Schönberg, Peter Kirsch aus Eastel (Landkreis Trier), Friedr. L e n n e r t aus Fürth, Joh. Meffert aus Heppenheim, Joh. Baptist Schubert aus Dietersheim und Jos. Seiberz aus Birresborn.

'* Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten von Breitenbach begab sich am Samstag vormittag von hier aus nach Wetzlar zur Besichtigung der dortigen Bahnhofsanlagen. Es handelt sich, wie wir hören, um die Entscheidung der Frage, ob der jetzige Bahnhof ver­bleiben, bezw. umgebaut, oder ob ein vollständiger Bahnhofsneubau vorgenonimen werden soll. Ferner besichtigte der Minister die Wiederher st ellungsar beiten am Dom. Von Wetzlar aus begab sich Herr von Breiten- bach nach Wiesbaden zu längerem Kurgebrauch. Am Freitag nachmittag hatte er die Bahnhofsneubauten in Mar­burg besichtigt.

Vom Main-Rhein-Gast wirte-Verband wird uns geschrieben: Die Gastwirte machen wir hiermit nochmals auf die nächsten Mittwoch den 23. März 1910 im Hotel ,Schütz* in Gießen stattsindende große allgemeine Gastwwte- vecsammlung aufmerksam, in dec der Vecbandsvorsitzende C. Haust und dec Direktor der Bundcssterbekasic Koch aus Darmstadt über die Bestrebungen des Bundes Deutscher Gastwirte und dessen segensreich wirkende Stcrbekasse und die großen Gefahren der Haftpflicht nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch sprechen wird. Der Vor- trag dieses, in deutschen Gastwirtskreisen wohlbekannten Redners ist interessant und fesselnd, weshalb wohl auch hier ein sehr starker Besuch aus den Kreisen der Gastwirte zu er- warten ist.

** EineSondervvrftellung für den Allgemeinen Staats-Eisenbahn-Verein Gießen verunstaltete am Samstag unsere hiesige Bühne mit Niemanns nettem Lustspiel: Wre die Alten sungen. Dem Spiel voran ging ein von E. Z. verfaßtes Vorspiel, in dem Hermes (Kürt Gold­

berg) mit einein Genius (Erna Güldener) eine anmutige Verbindung zwischen Kunst und Eisenbahn herstellt. Un­mittelbar daran schloß sich die Aufführung des Lustspiels, das in seiner guten Darstellung von dem stark besuchten Hause sehr freudig ausgenommen wurde. Besonderen Beifall erhielten Hermann Bakof als Fürst, Kürt Gühne als Herre, Edgar Pauly als Herres Vater, Hermann'Nor­den als Ratsdiener.

b. Nieder-Bcs singen, 19. März. Heilte fand die Schlußprüfung der von Fcäuleili Wetzel geleiteten Kreis- h a i> s h a l t u n g § s ch u l e statt. In Vertretung der Kreisbehörde waren NegieruiigZrat Welcker und Kreisausschußmitglied Oekonomierat Hofmann, Hof-Gill, anwesend. Außer den Eltern der Schülerinnen hatten sich noch eine Anzahl Gäste eingeflinden. Die von der Lehrerin abgehaltene Prüfung erstreckte sich auf die Zubereitung verschiedener Speisen und deren Nährwert. Die Schülerinnen antworteten flott. Recht interesiant war es auch, das Geschick der Mädchen beim Hantieren mit Verbandszeug zu sehen. Unterwiesen hatte sie Dr. Schaad zu Lieh. Von hier kommt die Haushaltungs- schiile nach Heuchelheim.

L. Friedberg, 20. März. An dein Neubau unseres großen städtischen Spitals, das 200 Betten erhalten wird, schreitet mau rüstig voran. Anfang Juni soll es ein- geweiht werden. Wie man vernimmt, wird ein Kandidat der Medizin seinen einjährigen Kursils in ihm durchmachen. Unter Führung des Obersten des Thür. Ulanen-Regiments aus Hanau machte eine größere Anzahl Offiziere einen mehrtägigen Uebungsritt in her Umgebung unserer Stadt. Die Ofsiziece waren im Hotel Trapp einquartiert und die Mannschaften lagen in der Stadt.

R.B. Darmstadt, 20. März. Die hessische An­waltskammer trat am Samstag nachmittag auf An­trag des Rechtsanwalts Dr. Enl au-Offenback) und 19 Genossen im Sitzungssaal des Oberlandesgerichts unter dem Vorsitz von Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch zu einer außer­ordentlichen Sitzung zusammen, die sehr zahlreich aus allen Landesteilen besucht war. Den tzauptgegenftand der Beratung bildete der Antrag der Vermehrung des Vor­standes von 9 auf 12 Mitglieder. Der Vorstand der An­walts Lämmer hat erwogen, daß er sich schon seither der Heranziehung auch der Amtsgerichtsanwälte zur Wahl in den Vorstand, wie es der Antrag bezweckt, nicht widersetzte; er hält jedoch deshalb eine Verstärkung des Vorstandes nicht für erforderlich. Dadurch würde der Geschäftsgang unnütz erschwert werden und die Kleinheit der Kammer erfordere eine solche Ausdehnung nicht; auch viel größere Anwalts- Lammern begnügten sich mit einem Vorstand von 9 Mit­gliedern. dtach eingehender Aussprache kam es zur Ab­stimmung, in der der Antrag Culau mit 86 gegen 39 Stim­men abgelehnt wurde. Die Wünsche der Amtsgerichts­anwälte sollen bei der Vorstandswahl nach Möglichkeit be­rücksichtigt werden. Zur Frage einer Gewerbe st euer für Rechtsanwälte beiome der Vorstand, daß er diese Steuer stets mißbilligt habe. Der Vorsitzende halte im Einvernehmen mit der Regierung diese Steuer für ver­werflich und habe bereits vor 5 Jahren in der Zweiten Kammer ihre Ablehnung durchge,etzt. Tie neueste Be­gründung dieser Ablehnung durch die Amtsgerichtsanwälte sei jedoch nicht unbedenklich, da sie die ethischen .Gründe zurücktreten lasse uird den, Widerspruch der bürgerlichen Elemente in der Volksvertretung heraus fordere. In der Debatte über diese Frage wurde namentlich betont, daß man der Sache der Anwälte keinen guten Dienst erwiesen habe, indem man durch eine Vorstellung gegen die Heran­ziehung zur Gewerbesteuer Front machte. Der dritte und letzte Punkt der Beratung betraf die Frage des Rechts­konsulentenwesens. Der Vorstand erklärte, daß er diese Frage nie aus dem Auge gelassen habe, sie aber an­gesichts der bestehenden Reichsgesetzgebung nicht leicht zu lösen sei; er werde besondere Anregungen der General­versammlung gern entgegennehmen. In der Besprechung darüber wurde allgemein über das Unwesen der sog. Rechts­konsulenten geklagt. Dr. Eckhard-Reinheim schlug vor, daß in Zukunft auf Grund des § 35 der Antrag gestellt werden möge, den Rechtskonsulenten die Ausübung ihrer Tätigkeit zu versagen. Diesen Antrag müsse aber der Vorstand der Anwalttarnmer stellen und daraus himoirken, daß die Ent­scheidung darüber in nichtöffentlicher Sitzung des Kreis- ansschnffes erfolge und der Anwalt, dec in seinem Bezirk die Tätigkeit der Rechtskonsulenten genau kennen gelernt

gewölbe, dicht daneben fand sich das zweite Grab, gleichfalls auf Steinplatten und mit einem Steingewölbe eingedeckt. Die Bei­gaben des ersten Grabes bestehen aus folgenden Gegenständen: Ein Bronzeschwert mit Griffzunge, ein Schwerthaken, ein Bconze- messer, drei lange Bronzenadeln, sieben Pfeilspitzen, eine zwei­gliedrige Bronzesibel, sieben Armringe, darunter zwei prächtige Armbergen mit Endspiralen, in gleichzeitigen Gräbern eine seltene Erscheinung, außerdem noch viele Ringe und Bronzenieten. Auch Steinbeigaben fanden sich. Die Leiche des zweiten Grabes war in einer großen Urne beigefetzt. Während Waffen fehlten, fand sich hier ein prächtiger Halsschmuck, bestehend aus fünf Gold­scheiben und zwei Gotdperlen. 'Die zwei Gräber gehören der ersten Stufe der Hallstattperiode (1200 bis 1000 v. Ehr.) an, wo die Sitte der Leichenverbrennung allgemein üblich war. In­folgedessen ist das erste Grab dadurch interessant, daß wir hier einen der wenigen glaubhaft nachgewiesenen Fälle von Leichen- bestattting aus jener Periode vor uns haben. Im ersten Grabe haben wir auf Grund des Schwertfundes sicher ein Männergrab zu erkennen, während das zweite Grab nach seinen Beigaben als ein Frauengrab anzusprechen ist. .Tie Funde werden zur Eröff­nung des neuen Museums in Speyer zum Frühjahr zur Auf­stellung kommen können. Dieser prähistorische Fund ist sick)er einer der hervorragendsten, die je in der Pfalz gemacht wurden.

Der Zusammenschluß aller französischen M u s i k g e s e l l l s ch a f t e n wird durch eine wichtige Vereinigung erreicht, die sich unter dem Patronat von Saint-Saens und dem Vorsitz von Victor Eharpelttier gebildet hat. In diesem großen Musikverein haben 12 000 einzelne Gesellschaften mit einer Mit­gliederzahl von wenigstens 300 000 Musi lern Aufnahme gefun­den. Ter Mitgliederbeitrag beläuft sich jährlich auf einen Frank; es wird dadurch ein Gesamtbetrag gesichert, den die Gesellschaft zur Ausschreibung von Wettbewerben, zur Gründung einer Biblio­thek und zur Festigung und Stärkung des Verbandes verwenden wird.

Shacklekons neue Südpolexpedition. Vor seiner Abreise nach Amerika hat Shaaleton erklärt, daß er eine neue große Expedition nach dem Südpol internem Maßstabe plane, wie er bisher noch nicht dagewesen sei. Indessen werde er, wie der Tag berichtet, warten, bis Kapitän Scott seine Reise beendet habe. .Die Basis dieser kommenden Expedition wird die Gegend zwischen Kap Adair und Gaußberg bilden. Shackleton hofft, noch Ende 1911 dorthin aufbrechen zu können.

Das Höch st bezahlte Bild der Welt. Nach einem Telegramm aus Newyork hat der Bankier Otto K a h n das Bild Frans .Hals und seine Familie", gemalt von dem Künstler selbst, für 2 060 000 Mart erworben. Es ist dies der höchste Preis, der je für ein Bild bezahlt worden ift. Tas Bild von Franck

Hals war noch vor kurzem im Besitze des Obersten Warde in London, der es der Kunsthandlung Duveen für etwa die Hälfte des Preises, ben diese jetzt dafür erhalten hat, verkaufte.

SchwimmendeStädte. Aus ytewyort wird öerrchter: Wie die Riesenhotels, die in den Großstädten der Wett entstehen, einander rastlos an Luxus und an Größe überbieten, so wachsen auch die Maße der Schnelldampfer, und die Phantasie der Schiff- dcmingenieure überbietet sich in Bemühungen, alle Bequemlich­keiten des Festlandlevens auf die Seereise zu übertragen. Tie beiden neuen Niesenschiffe, die ,ff2lympic" und dieTitanic", die demnächst ton Stapel Laufen sollen, werden an Luxus und Komfort alle ihre Vorläufer übertreffen. An Bord ist eine riesige Empfangshalle eingebaut, der große Speisesaal bat an­nähernd die gleichen Ausmaße wie die gewaltige Speisehalle des Newyorker Wäldorf-Astvria-Hoteis, eine große Bibliothek, in der nicht nur die dichterischen Meisterwerke der Weltliteratur, sondern auch philosophische und wissenschaftliche Schriften ent- hatten sind, wird an Bord sein. Eine wesentliche Neuerung aber bedeutet vor allem der Teil des oberen Promenadedecks, der völlig mit Glas verkleidet wird. Zu allen Jahreszeiten werden hier Palmen Schatten spenden und alle Einrichtungen find getroffen, um diese große G'lashalle je nach Vedürsnis als Ballfaal oder als Schlittschulchahn zu verwenden. An Bord der Schiffe fehlen natürlich Dampfbäder nicht; vor allem aber wird in den Schisss- runtpf ein mächtiges Schwimmbassin eingebaut, mit Sprungbret­tern für die Taucher und mit allen Teilen einer großen, modernen Badeanstalt. Sie schreibt man uns!

Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Clara Viebig hat nach 2 Jahren jetzt einen neuen Roman vollendet, der den Titel »Tie vor den Toren- ftihrt und demnächst erscheint. Nachdem die ersten 20 000 Bücher der sechsbändigen Goethe-Ausgabe, die Erich Schmidt im Auftrage und mit einer Zubuße der Goethe-Gesellschaft von 20 000 Alk. im Jnsel- verlag zu Leipzig herausgab, in acht Wochen völlig ver­griffen waren, ist jetzt das 21. bis 50. Tausend erschienen. Ter Intendant des Hoftheaters in Koburg, Freiherr von 'Dienern* Hohenberg ist gestern früh an den Folgen der Influenza geftorben. (sin neueSTheaterin Frankfurt a. M., und zwar im Weftend an der Mainzer Landstraße soll von einem Konsortium erbaut werden. Tie cigentttchen Gründer sind die Mitglieder des städtlschen Schauspielhauses Max Reimann und Arthur Hellmer. Ter von der Ausstellungskommission aus* geschriebene P l a k a t w e t t b e w e r b hat folgendes Ergebnis ge­habt: Tcn ersten Preis erhielt 'Dialer Julius Klinger, Berlin, den zweiten Preis 'Dialer Marlin Lehmann, Steglitz. Zur Auslührung mürbe keiner der Entwürfe geeignet beiundee.

habe, nicht gezwungen werde, öffentlich als Zeuge bagegen aufzu treten. Tr. Katz-Offenbach beklagte, daß Anwälte selber an sog. Rechtskonsulenten Sachen abgeben. Auch Tr. Enlui- Offenbach und Soldan-Mainz sprachen zur Sache. Es wurde auch angeregt, daß der Vorstand gegen die Bestellung der Rechtskonsulenten als Konknrsvcrnxttter vorstellig to-erbeu möge. Beschlüsse wurden nicht gefaßt.

sc. Dar m st a d t, 20. März. Hier fand heute eine Ver­sammlung desBundes der V i c h h ä n d l e r D e n t s ch lands (e. V.)" unter dem Vorsitz des Wilhelm Molker Westhofen statt, die von zahlreichen Viehhändlern aus Hessen und dem Regielungsbezirt Wiesbaden besucht war.' Ter erste Vorsitzende derViehhändler-Vereinigung Deutsch­lands" Herm. Daniel-Tierdorf berichtete überTie Or ganisation des deutschen Viehhandels, ihre Zwecke und Ziele". Er führte aus, daß der Viehhändler erst seit zehn Jahren eine Standesvertretung in demBund der Vieh' Händler Deutschlands" besitze, diese in der Zeit Ersprieß­liches «geleistet, aber noch nicht so festgefügt sei, wie die der mit dem Viehhandel verbundenen Landwirte und Fleischer. Seit dem 1. Januar habe der Bund um 2000 Mitglieder zugenommen; bis jetzt bestehen 70 einzelne Vieh - Händler-Vereine, die mit der Zeit nach dem Muster des Fleischerverbandes in Bezirlsvereine verbunden werden sollen. Mit der Landwirtschaft und den Fleischern müsse der Viehhandel auf gutem Fuße stehen. Wirtschaftliche Gegensätze dürfen nicht auftauchen. Der Großgrundbesitz müsse dahin wirken, daß der viehlose Grundbesitz ver­schwindet. Der Bund widerspricht der Oeffnung der Grenzen. Um politischen Einfluß zu gewinnen, ist der Bund der Viehhändler demHansabund" beigetreten, da derHansa- bund" die deutsche Landwirtschaft nicht bekämpfe. Der Bund bezwecke nun, dem Viehhändlerstand, der unentbehrlich sei, den nötigen Schutz zu gewähren und das Standesbewußtsein zu heben, die Erfolge des Bundes seien mannigfacher Art, besonders auf dem Gebiete der Viehbeförderung durch die Eisenbahn seien viele Mißstände abgestellt worden. Nament­lich die Eisenbahndirektion Mainz sei in dieser Beziehung sehr entgegenkommend gewesen. Der beabsichtigten Ver­frachtung nach Gewicht habe der Bund den Todesstoß ge­geben. Der Bund erstrebe Reichsviehseuchenversicherung, Äenderung der Gewerbeordnun.g, Uebernahme der veterinär- ärztlichen Unterfuchungslosten auf den Staat sowie Errich­tung einer Viehhändlerschule (etwa in Berlin). Weiter sprachen der Vorsitzende des Nassauischen Viehhändler- Vereins Kahn-Biebrich, der Vertreter des Mannheimer Vereins Louis Loeb sttn.-Mannheim, der sich gegen die Agrarier" und dieMetzger-Innungen" wandte, Levi Wassersleben-Oberramstadt und der Vorsitzende des Vogels- berger Viehhändler-Vereins Sehuster-Oberseemen einer Viehhändler-Organisation für die Provinzen Starkenburg und Rheinhessen das Wort, worauf diese Vereinigung unter dem NamenViehhändler-Lercinigung für Darmstadt und Umgegend" einsttmmig gegründet und ein vorläuffger Aus­schuß gewählt wurde. Zum Schlüsse wies Daniel-Dierdorf auf die für die Händler trostlosen Zustände in Frankfurt a. M. hin, wo nunmehr auf dem dortigen Viehhof der Vertreter der Viehverwertungszentrale herrsche und zwar deshalb, weil keine berufene Viehhändlervertretnng vor­handen sei. Nm den J-been des Bundes in Frankfurt Ein­gang zu verschaffen, tvird dort demnächst eine Versamm­lung cchgehalten werden.

Lftainz, 20. Riärz. Das von den Mitgliedern des hiesigen Stadttheaters und dem Journalisten- und Schrift­steller-Verein veranstaltete Frühlingsfest in der Stadthalle war so stark besucht, daß alle Erwartungen weit übertroffen wurden. Das reichhaltige und geschmackvolle Programm, an dem unter anderen auswärtigen Gästen auch Freiherr v. Wolzogen und Frau mitwirkten, wurde aufs beste durch­geführt. Gegen 12 Uhr begann der gemütliche Teil, ein­geleitet mit einem hübschen Reigen des verstärkten hiesigen Ballettkorps. Bis in die Morgenstunden währte das lustige Treiben in der kunstvoll geschmückten Stadthalle und es dürfte ein schöner Reingewinn zu wohltätigen Zwecken übrig bleiben.

hc. Frankfurt a. M., 20. März. Eine zweistündige Vorlesung über ,SozialismuS und Kommunismus" wird im Sommersemester an der Akadenlie für Sozial- und Handelswissenschaften Stadtrat Pros. Dr. PH. Stein, Ge­schäftsführer des Instituts für Gemeinwohl, halten.

X Hanau, 19. März. Als vor längerer Zeit die Stadt­verwaltung in Erfahrung brachte, das; zur Entlastung ber Bahn st recke . Fr a n k f urt - S a chs e n h a u s e n - O s fe im bach-Hanau ein Teil der Schnellzüge nach Ferttgstellung des Frankfurter Ostbahnhofs von Frankfurt a. M. Hauptbahnhos über Sachsenhausen-Frankfurt (Ostdahnhos) Hanau (Westbahnhof' und Hanau (Ostbahnhof) geleitet werden sollte, trat sie mit bet Eisen- bahndirektion Frankfurt in Unterhandlung, um zu verhüten, daß eine noch größere Unterbindung des Verkehrs von Hanau nach Steinheim wie nach Kesselstadt eintrete, als sie bisher schon be­stand unb daß Hanau von dem durch die Bahn gezogenen eisernen Gürtel befreit würde. Nach anfänglichem Widerstande zeigte sich die Eisenbahndirektton hierzu geneigt, vorausgesetzt, daß die Stadt Hanau ihr Interesse durch einen Beitrag bekunde. Die einzige Möglichkeit, die Verkehrserschwernisse zu beseitigen, die durch die Eisenbahnübergange hervorgerufen werden, ist die Hebung des Bahndamms von Wilhelmsbad ab bis zum Ostbahnhof Hanau unter Wegfall der Güterverladestellen am Westbahnhofe und der Wiener Spitze. Die Eisenbahndireklion hat ein entsprechendes Projett ausarbeiten lassen, das die Genehmigung des Eisenbahm Ministers gesunden hat. Ter Minister hat Jidf grundsätzlich da mit einverstanden erklärt, daß die auf 3 055 000 Mark veran­schlagten Kosten durch pen Staat bis auf einen Bettag von 300 000 Mark zu übernehmen seien. Bon den auf 3055 000 Ml. veranschlagten Baukosten glaubt der Fiskus durch Bettiebs- ersparnisse und Geländeverwertung 2 456 000 Mark wieder ein­zubringen, so daß rund 600 000 Mark ungedeckt bleiben, wo­von der Staat die eine Hälfte und die Stadt Hanau die andere Hälfte tragen soll. Die Stadtverordnetenversammlung hat gestern in nichtöfsenllicher Sitzung beschlossen, diese 300 000 Mark zur Verfügung zu stellen, daran aber einige Bedingungen.hinsichtlich der Herstellung von Unterführungen geknüpft und^weiterhin ge­wünscht, daß die Güterladestelle an der Wiener Spitze erhallen bleibt.

Sport»

O Fußball. DerSportverein Gießen* und der FtlßballklubMercur" traten zu einer Vereinigung unter dem Namen ^Sportverein-Dierkur" zusammen. Der neue Klub ift dadurch in die Lage versetzt, drei vollständige Mannschaften stellen zu können.

Gericht-scral.

Berlin, 20. März. Nach einer Atttteilnng des Rechts­anwalts der Fran von Schönebeck-Weber in Allenstein verweigert die Görlitzer Bank, auf der die Verhaftete ihr Vermögeir in Höhe von mehreren hunderttausend Mark liegen hat, die Auszahlung der vl>n der Staatsanwaltschaft geforderten Kaution in Höhe von 50000 Mk. mit der Moti­vierung, daß eine Ausfolgnng der Gelder ohne Genehmigmtg