Ausgabe 
21.3.1910 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

tmrbe.

.mprimg der Regierung.

., 20. März, Die für heute abend von den Sozicr-

samen Seid

28tt5lanö.

Aus Rom wird gemeldet: Staatssekretär M e r r y del B a t erklärte, daß zwischen dem Vatikan und den L i o u i d a t. o r c n.' der Kvngregationsgüter niemals irgendwelche Beziehungen bestanden haben. Weder Tuez noch irgend ein anderer Liqui­dator sei jemals vom Papste empfangen worden.

Wie aus Paris gemeldet wird, ist G e n e r a l d ' A m a d c, der vor sechs Monateu wegen abfälliger Aeusternngen über beu spanisch-marokkanischen Feldzug zur Tisposition gestellt wurde, zum Kommandeur der 9. Infanteriedivision ernannt worden.

C-ine vom französischen Ministcriuni des Aeußern stammende Rote besagt, der T a r i s k r i c g zwischen Frankreich und Nordamerika ist vermieden worden: das Abkommen ist zwar noch nicht unterzeichnet, der Abschluss scheint aber unmittelbar bcvorzustehen Die Proklainatton des Präsidenten Tast, durch welche Frankreich der amerikanijcl>e Minimaltaris bewilligt tverde, dürste bald erfolgen. Die französische Regierung wird ihrerseits dem Parlament einen Gesetzentwurf vorlegen, durch welchen den Vereinigten Staaten der Minima l t a r i f für icne Er­zeugnisse zugestanden wird, welche dieses Tarifs auf Grund früherer Uebereinkommen teilhaftig sind. Ueberdies wird der Miniinaltarft für eine Anzahl in diesem Gesetzentwurf namentlich zu bezeichnender Waren bewilligt werden. Ausgeschlossen sind hiervon diejenigen Artikel, welche insbesondere die landwirtschaftlichen Erzeugnisse betreffen. Als Gegenleistung gewähren die Vereinigten Staaten von Amerika durchweg ihren Minimaltarif.

Der französische Ministerrat setzte die Neuwahl len der D e pu t i e r ten k am me r auf den 24. April an.

Die Agencc tzavas meldet, die Nachricht, zwischen der deutschen und der stanzösischen Regierung sei es bezüglich des Vogesen- durch st ich S über die Möglichkeit der Ausfüllung eines be­stimmten Projekts zu einer Einigung gekommen, sei unbe­gründet und erklärt, das- die zuständigen Ministerien immer'

Frankreich sich in Spanien niedergelassen haben, erzeugt werde.

Zwischen Tuez und einer seiner Maitressen, der Frau Po ir- rier kam es gestern vor dem Untersuchungsrichter zu einem stür­mische n A u f t r i t t e, der bald in Tätlichkeilen austzeartet wäre. Duez blieb nämlich bei seiner Behauptung, daß das graste Vermögen, das Fron Poirrier besitzt, aus Schenkungen herrühre, die ihr von lhin gemaclst worden seien. Dies' bestreitet Iran Poirrier ent- schieden imb erklärt, er sei ihr gegenüber sehr schmutzig gewesen, denn er habe ihr mir monatlich 1500 Franks gegeben. Jetzt aber wolle er den Anschein erwecken, als ob er einen großen Teil der van ihm unterschlagenen Summe mit ihr verpraßt hätte. Frau Poirrier wurde im Verlaufe des Verhörs so erregt daß sie sich wie eine fauchende Katze auf Tuez stürzen wollte, der vor ihr flüchtete und sich lachend hinter dem Untersuchungsrichter ver- sterlte. Als die Poirrier das Protokoll unterzeichnen sollte, stellte sick- heraus, daß sie nicht einmal imstande war, ihren' Namen zu schreiben, weshalb sic ein Kreuzchen darunter setzte. Eine andere

Geliebte des Duez wurde darüber vernommen, ob Tuez durch sie habe versuchen wollen, einen Redakteur derLibre Parole" mit 80000 Franks zu bestechen. Tie Frau leugnete dies entschieden ab, und es wird sich wohl auch'sckmnr ein Beweis führen lassen, denn der betreffende Redakteur ist schon über ein Jahr tot.

Deutsches Ueich.

Der Reichskanzler ist am Samstag abend 9,09 Uhr narts Rom abgereist. I

TieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Mit Rück­sicht auf frühere Mitteilungen. in der Presse, nach welchen deutsche Ballons beim Ueberfliegen der d eU ts ch - rn s s i s ch e n Grenze von russischen Soldaten beschossen würden sind, dürste die Nach­richt von Interesse sein, daß die russische Regierung den Be­teiligten die von ihr bereits früher erlassene Verordnung in Er- innerrmg gebrackst hat, wonach der Grenzwache streng verboten ist, auf Luftschiffe, welche die Landesgrcnze überfliegen, zu schießen. Tie über die Beschießung zweier deutscher Ballons eingeleiteta

Der fortschrittliche R e ichs t a g sa b g eo r dnet c He i* mes, Schriftführer des Reichstags und Dirrkttr des Berliner Aquariums, ist am Samstag nachmittag plötzlich gestorben.

Auf der Kaiserlichen Werft in Kiel wurde durch Anschlag bekannt gemacht, daß den wegen A r b e t t s m a n g e l rn Küinrngung stehenden Arbeitern Gelegenl)eit gegeben ist, bet der Vulkan werft, Abteilung Hamburg, einzutreten. ES handelt iidji um mehrere hundert Arbeiter aller Ressorts.

In H a l l c sand am Sonntag ein zahlreich besuchter M i t t el- deutscher P r i v a t b e a m t c n t a g statt. Die nach einer .nede des ReickOtagsabgcordneten S t r c s e m a n n einstimmig angenom­mene Entschließung betont, daß die Erklärung des Staatssekretärs Tr. Delbrück große Beunruhigung unter bte Privatoeannnr getragen habe und fordert, daß das Reichsamt des Eimern ein Privatbeamten-Vcrsicherungsgesctz auf der Grundlage der zweiten Regierungsoenkschrist noch in dieser Session einbrcnge.

Wie denMünchener Neuesten Nachricksten" vom bähe- rischen K r i e g s m i n i st e r i u m bestätigt wird, ist eine Fr' r- derung des Kricgsnlinistcrs durch den Abgeordneten v. Oldenburg nicht erfolgt, dem Kricgsmimstcr ist aber zur Kenntnis gebracht worden, daß v. Oldenburg sich durch, die Aeußerungen in der bayerischen Kammer, falls s»e so «lautet htwe, wie sie ein Teil der Presse brachte, sich beleidigt fühle. In de^ Voraussicht, daß di- Sache im Reichstage zur Sprache komme, wurde darauf die vom bayerischen Militärbevollmachtigten zu gA ndc Antwort fest gelegt. Ter Wortlaut der von Herrn von Gebsattckl verlesenen Erklärung entspricht dieser Festlegung, ^m übrigen wurde der Bevollmäckstigte ermächtigt, die gleiche Ant­wort erforderlichenfalls auck) dem Abgeordneten v. Oldenburg persönlich zu geben. .

Aus Stuttgart wird berichtet: In mehreren am FreiMg abend für ein allgemeines, gleiches, geheimes und direktes Wahl- reckt in Preußen abgehaltenen s o z i a l d erno kra t i s ck e n Ber- sammliingen wurde der Wunsch laut, vor die preußische Gesandtschaft 511 ziehen. Tie Anregung wurde mit leb­haftem Beifall ausgenommen In der Tübingerstraße und der Hohen stau fenstraße bildeten sich zwei Züge, die sich einigten und in der Richtung nach der preußischen Gesandtschaft ^gen. .Kurz vor der Gesandtschaft streß, der Zug nur eine schü tz- manus kette, die sein weiteres Vorgehen verhinderte. Es wurden Hockiirufe auf das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für Preußen ausgebracht. Darauf Mg die Menge nach dem Innern der Stadt und löste sich dort in Ruhe aus.

Die russisch-österreichische Politik.

Durch Londoner Blätter, die aus Petersburg gut be­dient werden, erhalten mir interessante Einblicke in die neueste Balkanpolitik, und wir erfahren, daß die vielen Besuche von Fürsten der kleinen Staaten wetterreichenden Vereinbarungen zwischen Petersburg und Wien entspringen So namentlich der überraschende Besuch des Königs Ferdi­nand beim Sultan, worüber die Stimmung der bulgarischen Bevölierung jetzt so erregt ist und von Sofia aus amtlich beruhigt werden muß.

£ London, 19. März.

Der Petersburger Korrespondent derTimes" telegra­phiert, es heiße, daß die Verhandlungen zwischen Wien n n d Petersburg, die soeben zum Abschluß gekommen seien, dahin geführt hätten, daß beide Mächte erklärten, den Staius quo auf der B a l k a n h a l b i n s e l anerkennen zu wollen, außerdem hatten beide den Wunsch ausge­sprochen, Zueinander wieder in freundliche Beziehungen zu treten. Rußland habe schließlich nicht darauf bestanden, die Erklärung der europäischen Mächte zu verlangen, gegen die Oesterreich Einspruch erhob, was eine Verzögerung der Verhandlungen zur Folge hatte. Man sei in der russischen Hauptstadt zu der Ueberzeugung gekommen, daß eine weitere Verzögerung der Angelegenheit zu nichts gutem führen könnte. Der Korrespondent meint, die Ursache für diese Wendung in der russischen Politik müsse darin gesucht wer­den, daß eine so bedeutende Besserung in den Be­ziehungen zwischen der Türkei und Bulgarien ein­getreten sei, so daß man gute .Hoffnung auf eine zufrieden­stellende und friedliche Lösung der Balkanschwierigkeiten rechnen könne. Interessant sei in dieser Beziehung, daß der Besuch des Königs von Bulgarien bei dem Sultan in er st er Linie von dem Auswärtigen Amt in St. Petersburg vorgeschlagen worden sei. Daß die österreichischen Zeitungen den Besuch so freundlich besprechen, habe in der russischen Hauptstadt be­sondere Genugtuung hervorgerufen. Ebenso nehme man an, daß die Bereitwilligkeit Rußlands, den oben erwähnten Punkt fallen zu lassen, und die Art und Weise, wie der Minister des Auswärtigen in der Duma gesprochen habe, in Wien einen guten Eindruck machte. Der Korrespondent sagt, er habe überhaupt gefunden, daß vernünftig und ruhig bentenbe Russen im ganzen den Wunsch hätten, mit dem südwestlichen Nachbar auf gutem Fuß zu leben. Der russische Minister des Auswärtigen wird demnächst einen Urlaub an­treten, der aber nur kurze Zeit dauern wird.

Auch der Petersburger Korrespondent desDaily Tele­graph" bestätigt, daß die Verhandlungen zwischen Rußland und Oesterreich zu einem zufriedenstellenden Abschluß ge­führt haben, und daß sofort ein offizielles Eomunique dar­über veröffentlicht werden wird, es stehe aber noch nicht fest, ob in Petersburg oder in Wien oder in beiden Ländern zu gleicher Zeit. Dieser Korrespondent meint, daß bei dem Abkommen die russischen Wünsche eigentlich ganz, erfüllt worden seien, allerdings sei ja aus 'beiden Seiten ein wenig nachgege'ben worden. Rußland und Oesterreich würden in * der Vati an frage künftighin immer gemeinschaftlich vorgehen.

Sofia, 20. März. Der König und die Königin sind heute abend mit Gefolge nach Konstantinopel a b g e r e i st.

Sofia, 19. März. Infolge der Rustschuker Er­eignisse verhandeln die Nationalisten, die progressiven Liberalen, die Naduale-n, die Demokraten und die Sozialisten über die Bildung eines oppositionellen Blockes zur gemein»

Sofia. _ ......

listen und dec liberalen Partei einberufenen Widerspruchs- gerichtlich' Untersuchung schwebt neck'.

Nr. 6fr Erstes Blatt 160. Jahrgang Montag 21. März 1810

Der Siebener Anzeiger «-- -v» ä Wlf' Q monatNch75P"viertel-

MZMbnkllkt ZUnvlUU -Zs

Anschlüsse UM M

General-Anzeiger für Oberhessen MM

üft"Ä7^esn!!m.ner ttotafton«örttd imb Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. Anzeiqen'tcck^ H^Beck. bis vormittags 9 Uhr. _______ _________.muinw

Versammlungen aus Anlaß der Rustschuker Vorfälle sind übbcrall ohne Zwischenfall verlaufen.

Belgrad, 20. Riärz. K ö n i g P e t e r trat heute vor­mittag in Begleitung des Ministerpräsidenten und des Mi­nisters des Aeußern die Reise nach Petersburg an.

Belgrad, 19. März. Der Weg für die F a h r t K ö n i g Peters von Petersburg nach Konstantinopel ist neuerdings dahin abgeändert worden, daß sich der König nicht über Belgrad, sondern über Moskau, Kiew und Reni donauaufwärts bis Somovit und sodann ü b e r S o f i a nach Konstantinopel begeben wird. Von b/m ursprünglich geplanten Wege über Belgrad wurde deshalb Abstand ge­nommen, weil die für die Dauer des Aufenthaltes des Königs Peter außerhalb des Landes vecfassungsmä'ig dem Kconpriirzen Alexander übertragene Königsgewalt bet der Turchreise des Königs durch Belgrad für diese kurze Zeit wieder von ihm selbst ausgeüot werden müßte. So wurde denn der Weg über Reni gewählt, um der Erlaisung mehrerer Proklamationen vorzubeugen.

Die Unterschlagunarenihüllungen in Zranireich.

Die Skandalgeschichte dis Liquidators Tuez hat weitere Ent- HMungeu zur Folge, die w-gen ihres teilweise delikaten Inhalts von Berliner Blättern sehr breilgetreieu werden. Wir beichrunwn uns darauf, das Weseutliche mitzuteiieii, so weit es von poli- lischäm Interesse ist. t .

TerMati n" hat gegen das Journal" eine Ver- lemndungstlage eingebracht rind verlangt eine halbe Million Entschädigung. Der Grund der Klage ist die Vehanplung i sJournals", daß der Direktor desMatin" und mehrere Grost- nlU'iuiT dieses Blattes die L>anptdesitzer jener Sckmapsbrenuerei seien, welche r<on dem Liquidator Leeouturier zur Bewirtschaftung der Chartreuse-Fabrik der Kartstiulermönche gegründet irurde. Viel bemerkt wird übrigens in Frankreich die Entscheidung des englischen Oberhauses, wonach der Schnaps, der von der Leoouturier-Gesclischaft verkauft wird, nicht als echter Chartreust anzu esteu sei und auch nicht als solcher in den Handel gebracht werden dürfe. Als Chartreuse habe nur jener Schnaps zu gelten, der von den Karthiufermönchen, die nach ihrer Vertreibung mis'

iiunftauLftellung Baden-Baden.

Wie ich Samstag hie Bergstraße hinunter fuhr, waren die Höhen des OdenwaldeS bis an die Ortschaften mit einer leichten Schneedecke überzogen, wie mit einem weißen durchsichtigen Schleier. Tie blühenden Mandelbäume hoben sich kaum davon ab, desto kecker die Weiden mit ihrem hellen und die Wiesen mit dem dunklereir Grün.

Und schon sollte eine Sommerausstellung eröffnet werden, wohl die erste deutsche in diesem Jahre, in Baden-Baden. Das kommt einem säst verfrüht vor, weil der Beginn solcher Ver­anstaltungen sonst meist in eine Zeit fällt, wo bereits alles in voller Blüte steht. Aber in Baden-Baden kehren die Gäste früher ein, als an anderen Orten: auf den Promenaden konnte man schon recht viele beobachten.

Dieser Weltbadeort ist seit dem vorigen Sommer in die Reihe der Städte gerückt, die jährlich eine größere Kunstaus­stellung veranstalten, uiid zwar durch die Gunst des dort ansässigen Malers Professor Cngelhorn. Er gab 200 000 Mart zur Er­richtung eines Kunsttempels, der Staat das Grundstück, und so entstand ein schlichtes, sclwneS Ausstellungsgebäude mit präch­tigen, zweckentsprechenden Räumen.

Wie der Regierungsvertreter in seiner Ansprache beim Fe>t- essen aussührte, gestaltete sich der Absatz der Kunstwerke im letzten Jahre so günstig etwa ein Drittel wurde verkauft, daß die Jurh letzt wegen der Fülle der Einsendungen keine leichte Arbeit hatte und stark sickften mußte. So ist denn eine Samin lung zu stände gekommen, auf der schlechte Sachen eigenttich ganz fehlen. In zwei Räumen des Erdgeschosses sind Aquarelle, Steindrucke, Radierungen, in zehn Rmimen des Hauptgeschosses Gemälde und Skulpturen untergebracht und, wie ich gleich be merten möchte, sehr gut, meist in "Augenhöhe. Am stärksten sind natürlich die badisck>en Künstler vertreten, es haben aber auch viele auswärtige Künstler als Eingeladene die Ausstellung be­schickt. In einem Saal ist eineAbteilung älterer Kunst oor- geführt, die charakteristische, Werke hervorragender, hauptsächlich deutscher (oder damals in Deutschland lebender) Meister, vor­nehmlich aus den 60 er bis SO er Jahren des vergangenen Jahr­hunderts umfaßt. Von Anfang August bis zum Schluß wird derselbe Saal eine Abteilung österreichischer Kunst ausnehmen." In diesem Ehrenraum sind unter anderen vertreten Böcklin, Canon, Duveneck, Feuerbach, Kaulbach, Leibl, Liebermann, Menzel,

Au; einem altägypnschen Postamt.

. Ein rheinisches Fürstengrab der Urzeit. In der zwischen Rhein und Haardtgebirg liegenden Ebene bet dem Dorfe Wollmesheim in der Nähe von Landau ist ein mit reichen Beigaben ausgestattetes Skelett gesunden worden. Bei sofort durch den historischen Verein der Pfalz vorgenommenen Ausgrabungen fand sich dicht neben dem ersten Grabe noch em zweites, das eine verbrannte Leiche in einer großen Urne enthielt, lieber dem Skelett der ersten Grabes, das aus eine Reihe von Steine

V. Müller (der früh oerftorbene Freund Thomas), Schönleber, Schuch, Thoma, Trübner. .Es ist interessant, gute ältere Kunst­werke mit den neuesten Erzeugnissen vergleichen zu können. Unter den jüngeren Künstlern sind viele, die einfach darauf los patzen, um nur leidlich die Augenblicksstimmuiig festzuhalten: solchen Elementen ist ein Vergleich mit sorgfältig durchgcführten Werken sehr bienlid?. Am kecksten sind in dieser Hinsicht wohl die von derScholle". Wenn sich eine solche Manier mit hervor­ragendem Können paart, geht eS immerhin, unerträglich wird es aber, sowie das Können sehlt und nur das Wollen, die Manier zurückbleibt. Kürzlich sah ich in Münster eine ganze Anzahl Bilder von jungen Karlsruher Malern, wo die Wirkung eine vernichtende, brutale war. .In Baden-Baden waren der- artige Erzeugnisse doch in der starken Minderheit, dafür sorgen schon die gewissenhaften, älteren Meister wie Thoma, Sck)ön- leber, Dill, v. Volkniann. Trübner malt ja allerdings breit und flächig, aber er ist gewissenhaft und würde nie zu weit gehen, das verbietet ihm sein seines Kunstempsinden. ,

Tiese intime Ausstellung bildet nach al>aemeinem Urteil einen wesentlichen Fortschritt gegen die vorjährig.. Sie berechtigt zu der Annahme, daß Baden-Baden sick) unter den Ausstellungsorten einen guten Platz erringen wird. L.

mungSort nahm und die dort fällige auf dem Heimweg zurück brachte, so daß also durch einen Briefträger innerhalb der zwei benackbartm Aemter sowohl die von Norden nach Süden als auch die umgekehrt bestimmte Post besorgt wurde. Jeden zweiten Tag sand eine Ausreise und jeden weiteren zweiten eine Heimreise: statt: der Briefträger Theochrestos z. B. reist am 17. früh nach Süden ab und trifft am 18. von dort wieder ein: am! 19. früh reift er wieder ab, um am) 20. zurückzukehren und so fort. Aber dieser eine Briefträger hatte nicht die ganze Post: aus dem Papy­rus geht hervor, daß auf dem Nordsüdkurs täglich mehrere (Reise­beamte tätig waren: die in dem 'Postjournal regelmäßig be­zeichneten Tagesstunden betveisen, daß täglich mehrere Brief-- träger sowohl ankamen wie abgingen. Drei ständig wieder­kehrende Stimden sind genannt: 6 Uhr morgens, 12 Uhr nnttags und 6 Uhr abends. Zur ersten Zeit kam eine Post wem Süden: an und ging nach Norden weiter: um 12 Uhr kam eine Post von Norden, die nach Süden weitergeschickt wurde, und um 6 Uhr abends fand eine Kreuzung statt; es kam je icinc Post von Norden und von eübeu an und wurde nach der ^entgegengesetzten Richtung weiter befördert. Es bat also sowohl Tages- wie Macht- d-ienst im alten Aegypten bestanden. Nun setzt ein so -häufiger Posteinlauf voraus, daß täglieb eine Menge Briese und De veschen zu erledigen waren. Aber die geringe Anzahl, die (der Papyrus aufweist, nötigt zum Schück, daß in dieses Jvumal mrr eine ganz bestimmte Sorte von Briefen eingetragen wurde, b. h. daß der genannte Briefbote eine spezielle Mission hatte, und zwar hatte er, wie Tr. Preisigke meint, ausschließlich ,Te pcschen des .Königs imb seiner Umgebung zu versorgen. Tadurch ist auch die Tatsache erklärt, daß der Papynis- nur 'ben Depeschen wechsel des Königs mit seinem Finanzminister und einige Briefe an den Hof aufzählt: Theochrestos hatte also wahrscheinlich den Titel Hvfkurier. ' L>. K.

Int Reichspostmluseum zu Berlin ist seit kurzer Zeit eine Posturkunde aus dem alten Aegypten zu sehen, über die der Strasburger Telegraplsendireltor Tr. Preisigke imArchiv für Post und Telegraphie" interessante Mitteilungen macht. Tie Ur' Vunbe ist der Rest eines Postkurstagebuches, das ein griechisch schreibender Postbeamter in einem Postamt Mittelägyptens um das Jahr 255 v. Ehr. geführt bat. Dieses Postamt war, wie aus der alten Urkunde hervvrgeht, ein Glied iln einer großen ft'ctlc ähnlicher Aemler, die von Alexandrien bis zum südlichsten Puntte des Landes reichte. Diese Post war eine mit Pferden betriebene Reiterpoß. Tie Aufzeichnungen des Beamten auf unserm Papyrus denn ein solcher ist die Urkunde gestatten nun näheren Einblick in das altägyptische Pvstwcsen. Jeder Reisebeamte der Papyrus nennt als Jourhabenden einen ge­wissen TH'Mchrestvs hatte von einem bestimmten Amt zum nächsten zu reisen und zwar so, daß er auf dem Hinweg die bei uum oicicu vev viur.iu wluv«, y«»Y" XV""

seinem Ausgangspostcwtt eütgeLaufene Post nach dem Bestim-1 platten gebettet war, befand sich ein mächtiges eiligesturztes Stein-

l