Ausgabe 
21.3.1910 Erstes Blatt
 
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Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentließe Wetterdienststelle Gießen.

Allgemeine Wetterlage fett Sonntag früh: Unter dem Einfluß des hohen Druckes int Westen dauert das heitere und tvocfenc Wetter auch heute an. In der Nacht ist wieder überall Froft eiuflclretcti; auch die gestrigen Nachmtttagstemperatureil lagen bet nur -J Grad. Tie nördliche intensive Zyklone scheint wenig Einfluß ans unsere Witterung zu gewinnen und ostwärts abziiziehen, so daß der hohe Truck über Mitteleuropa bestehen bleibt.

Wetteraussichten in Hessen am Dienstag dem 22. März 1910: Anhaltend trocken, heiter, Nachtfrost, am Tage mild.

folgen, so daß England in der Lage ift einfach durch Geld­bewilligungen sofort feine Flotte erheblich zu verstärken, eine Möglichkeit, die in Deutschland nicht Vorbanden ist.

* Staaten ohne Postwesen. Während alle Killtnr- staaten der Erde von einiger Größe ihre eigene Staatspost bc- sitzen, während daneben in vielen Schutzgebieten besondere Kolon ial- posten bestehen und Deutschland in Shanghai sogar eine besondere Oberpvstdirektion eingerichtet hat, gibt es selbst in Europa noch einige Staaten, die sich ohne eigene Post behelfen. Wie die Zeitschrift für Post und Telegraphie in Wien ausführt, handelt es sich hier allerdings nur um Zwergstaaten, die bei Errichtung einer eigenen Post nidjt auf il)tc Reclmung kommen würden und sich deshalb der Posten des benachbarten größeren Landes bedienen. Die Bauernrepublik Andorra in den Pyrenäen mit ihren voll­gezählt 5300 Einwohnern spanischer Nationalität, die der franzö­sischen Republik und dem Bischof von Urgel tributpflichtig find, lätzt den gesamten Postdienst von Frankreich und Spanien be­sorgen, bereit Marken auch je nach dem Bestimmungsland zur Frankatur benutzt werden, da die Republik, keinen dritten Grenz­nachbar hat. Ebensowenig verfügt das 9177 Einwohner zählende Fürstentum Liechtenstein über eigene Post und bedient sich der im Lande befindlichen fünf österreichischen Postämter und der öster­reichischen Postwertzeichen. San Marino benutzt die italienische Post, behält sich über trotz des italienischen Protektorats das Siecht vor, eigene Pi arten drucken zu lassen. Das gleiche gilt endlich im Verhältnis zu Frankreich von dem Fürstentum Rionaco, wo zwei französische Postämter (Monaco und PLonte Carlo) amtieren, vie übrigens trotz der starken Besiedelung kein Orlssernjprechnetz besitzen. Im Fürstentum Jamos amtieren türkische Postanstalten. Gänzlich zerfahrene Zustände herrschen endlich in Krem, wo neoen den vftiziellen türkischen Postämtern und denjenigen einiger euro­päischen Grvtzstaaten auch griechisck-e Änstalien mit besonderen Pi ar len funktionieren, biejjon der Türkei nicht anerkannt werden, um so eifriger aber von Sammlern gesucht werden.

* Der abnehmende Holzreich tumder E r d e. Trotz der immer lMufiger werdenden Ersetzung von Holz durch Eisen, Blech ober Emaille ist die Gesa Iw nicht von der Land zu weisen, vast die Holzvorräte der Welt in beit nächsten Jahrzehnten noch mehr zurückgehen, als das in letzter Zeit schon der Fall war. Zwar haben auch frühere Zeiten in den Wäldern des Erdballs ungeheure Verwüstungen angerichtet: Italien, Spanien, ein großer Teil der Balkanländer haben sich bereits im Mittelalter ihrer Waldungen beraubt, die Chinesen haben weite Strecken ihres Landes entwaldet, und was der Beispiele mehr sind. Aber vor 50 Jahren waren doch noch riesige Gebiete der Erdoberfläche mit Wald bedeckt, die ihn heute verloren haben: namentlich Rcord- amerika, wo ja ein arger stiaubbau mit den Waldungen getrieben worden ist. Selbst in Ländern, die eine vorsichtige Waldpolitik treiben, beginnt sich infolge der zunehmenden Bevölkerung und der steigenden wirtsck-aftlichen Bedürfnisse Holzmangel bemerkbar zu machen. Deutschland z. V., von dessen Flächeninhalt noch etwa 26 Prozent, also mehr als der vierte Teil, von Wald be­standen ist, führt jährlich für etroa 240 000 Mark Holz ein. In Großbritannien gar beträgt die jährliche Einfuhr 540 Mil­lionen Mark für den Durchschnitt der Jahre 190408. Ein Menschenalter zuvor (18891893) betrug die jährliche Einfuhr von Holz nach Gootzbritannien nur 360 Millionen Mark. Aller­dings sind die eingeführten Holzmengen nicht in gleichem Matze gewachsen wie die dafür verausgabten Summen. Tenn Holz der besten Sorten ist in England int Lause der letzten 15 Jahre um 28 Prozent im Werte gestiegen. Immerhin ist eine Zunahme der Einfuhr auf alle Fälle zu bemerken gewesen. Andererseits haben Länder, die über groben Waldreichtum verfügen, so viel Holz ausgeführt, dast sie in Gefahr sind, ihre Waldungen dadurch allzusehr zu reduzieren. Dies gilt z. B. von Schweden, das letzt Jahr für Jahr etwa 100 Millionen Kubikfutz, mehr Holz fällt als neu heranwächst. Der russische Holzexport ist in, den letzten Jahren sogar schon zurückgegangen. Kaiiada hat, um |cinc Walder vor allzugroster Ausnutzung durch Unternehmer der Vereinigten Staaten zu schützen, bereits vor einigen Jahren die Holzausfuhr mit verhältnismäßig hohen Zöllen belegt. Alle Kulturstaaten werden also ein wachsames Auge darauf haben müssen, daß, ihr Holzreichtum sich nickst allzuschnell vermindert.

* E i n zehnstöckiges F abrrigebäud e in New- york geriet durch Explosion in Brand. Acht­hund er t M äd ch en suchten sich aus Notleitern zu retten, bis die Feuerwehr anlangte. Mit Hilfe von Nettungs- teitern wurden alle gerettet bis aus ein Mädchen, das vom dritten Stock aus die Straße sprang und tot liegen blieb. Biele wurden ohnmächtig, mit brennenden

Kleidern heruntergetragen.

* Ein Zukunftsbild. ,Hn fünfzig Jahren wird man Pferde nur noch int Museum, aber nicht in den Straßen einer Groß,ladt finden!" Die,c Behausung stellte S. F. Edge bei Dem ersten Iah ressen der tziatwnal Society of Etzauffeuie in London auf.Wenn wir einmal d.e Pferde los sind," fuhr Mr. Edge fort,können wir in zehn Jahren Straßen aus I Gummi haben. Anstatt der Luftreifen würden mir ciferne 3iad- 1

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des Vormundschaftsgerichts nicht erfolgen könne. Nach An­sicht der Bank steht Frau von Schönebeck-Weber ein Ver- füaungsrecht über die Gelder nicht zu, weil die seinerzeit eingesetzte Pflegschaft über sie noch nicht aufgehoben sei. Der vom Vormundschaftsgericht bestellte Pfleger, der Bruder der Frau von Schönebeck Weber, hat jedoch seine Funk­tionen als solcher niedergelegt, weil das medizinische Ober- autachten die Frau für geistig gesund erklärte. Jedenfalls wirb Frau von Schönebeck-Weber noch bis zum Montag in Haft bleiben müssen; bis dahin ivird die verlangte Kaution beschafft sein.

OriginaL-Draht-meLSungen.

Brest, 21. März. An der Küste der Insel Gulvinest stick» Schiffstrümmer angetrieben worden. Man vermutet, dast es sich um Ueberbleibsel des belgischen Dampfers Bul­garin und des holländischen Dampfers Prtnz Wilhelm II. handelt, die vor vier Wochen an der Insel Houard untergegangen sind. .

London, 2U. 'März. Gestern sanden in Cardiff wertere 58erIjttttbhingen über ein neues Lohnabkommen zwischen den Ko hl en gruben besitzet n von Südwaies und den Vertretern der Berg­arbeiter statt. Tie Verhandlungen wurden als ergebnislos abgebrochen. Ta kein Übereinkommen für weitere Vcr söhnungsverHandlungen getroffen wurde, scheint ein Ausstand unvermeidlich, denn die jetzt bestehenden Verträge laufen mit dem 31. März ab. Etwa 2 0 0 0 0 0 Bergleute von Südwaies werden von dem Ausstand betroffen, und außerdem eine große Zahl anderer Arbeiter. Man nimmt au, daß etwa eine Million Arbeiter direkt ober indirekt in Mitleidenschaft ge­zogen werden.

Wer seine Kinder lieh hat

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reifen haben und auf Weichen Stillsten fuhren. Das, mürbe1 niedrigere Preise bedeuten. Motorwagen für 3 4 Personen würden dann für 800 Mark erhältlich sein, und Taxameter­droschken, die heute 60008000 Mark kosten, könnten für 2000 Mark gebaut werden."

Meine TageSchrottik.

Wegen Nichtversetzung brachte sich am ^anivtag ein i_/bcr- Sckundaner im Flur brr Öberroalsckmle zu Brom en einen Schutz, in den Kopf bei. Er ist seinen Verletzungen erlegen

An der O st k ü st e Japans sind bei einem Siur m a 0 Fahrzeuge n n t e r g e g a n g en, wobei 800 Menschen nmgekonnnen sein tollen.____________

Handel.

Berlin, 19. März, än der heutigen Austichtsratssitzuns der Deutsch-Luxemburgischen B e r g we rkS - und Hütte naktiengesell schäft wurde beschloisen, der auf den 16. April nach Bochum cinzulwrusenden aiiserordentlick?n .Hauvt Versammlung die Erhöhung des Aktienkapitals um 15000000 Mari vvrzuichlagcn. Von di. scr Kapfta.serl lm.ig sollen 10 GOOÜGO Mark, zum Eintausch von lOOuOOOu Marr Aktien der ^aar> und Mo sc l-- Bcr gw er Is-Gese l11 ch a s t in Stärlingen iLottzringen- 1500 000 Mark zum Erwerbe von 1000 Kuxen der E<werkschaft Kaiser Friedrich in Barop und der Ziest von 3 500 000 Piark zur Abstoßung der Sclsuiden der Zeche Kaiser Friedrich sowie zum Aufschluß von Erzkonzessionen im In- und Auslände dienen. Tie Beteiligung an der Saar- und Moscl-Bergweris-Ge|ellschast mürbe schon inehrfack) erwogen und die Durchführung der Aonckä mutzte jetzt erfolgen, da die Gesellschaft nach Lern Aufsustietzen zach- reicher mächtiger Fttlbochenslöz zur Errichtung von Nolereien üß?r- gcgangen i|l und mit der ersten Anlage ichon im Srplemver d. Js. in Betrieb kommt. Die Saar- und Mosel-Bcrgwerisgciel 1 .chaft verfügt in ihrer Gereckstsame von 78 Lothringer Aormalieldem gleich 150 000 G00 Quadratmeter über eine in achehoarer Zeit unerschöpfliche 9Jtcngcn stöhlen, insoesanberc auch Fettkoh­len, die in mäßiger Teufe anstehen. Tie Angliederung der Ge­sellschaft als westlichste SUld produzierende Kohlenzec^o ist des­halb mit Rücksicht auf die Frachtlage zu der luxemourgisch-lothrm gischen Eisenindustrie von grosser Bedeutung. Die Frachtersparnis beträgt ca. 4,50 Mark pro Tonne. Aus den gleichen Gründen lat sich die Gesellschaft Deutscher Kaiser die andere Hälfte des Unternehmens gesichert. Die ut Umtausch gegebenen 10 000 000 Mark Deutsch-Luxemburger-Altien erhallen erst Dividende m bered) tigung mit dem Jahre 1911, weil die bis zu diesem Zeitpunkt voraussichtlich in Karlin gen erzielten Ueberschüsse nur zur Deckung der Abschreibungen aus reich en werden und indem voraussichtlich erst nach Fertigstellung zweier im Abteufen be­griffener fetter Förderschächre im ersten Halbjahr 1911 entsprechende Gewinne erzielt werden können.

Vermischtes.

* Das Emser K an Heater, über dessen Brand wir mehrfach beridsteten, wird so rasch wieder hergestellt, daß die Spielzeit ohne lebe Beeinträchtigung ww seither am 1. Juni be- guuien raun. Die Kurdirektwn hat alle erFinoerlidjen Mastrcgetti getroffen, um das Dl-eatcr in der alten, stimmungsvollen Aus- pattuiig herricksten zu lassen.

* Die deutsche Forschungsreise nach dem Süd­pol. Eine Ersorichung des Südpollontiiients Plant, wie wir i|djpn früher mitte Uten, der Oberleutnant Fi 1 chner. Bon eng- 'liidjer Seite sieht man, wie der D. T. Z. msitgeteilt wird, aller* duigs mit nicht allzu freundlichen Blicken auf diese deutsche Unternehmung, yat sogar in der Presse mll einer gewesen Siim- mungsmack,e dagegen begonnen. Die Engländer sehen nämlich in Fitchners Absicht, die Wedellsee als Opera!lonsbasis zu benutzen, eine Verletzung derPoiar-Etiletle", trotz Shackleton ist doch aber der Südpo l teilt Monopol! Außmdem be­absichtigt Filchner nixljt etioa ein Rennen noch dem Pol ü la Cook ober Peary anzustellen, sondern er strebt die Erforschung des Innersten Teiles des Südpolkontinents und die Feststellung der Beziehungen zwisckMi den westantarltischen und ostantarktischen Landmassen au. Bor der Hand ist er allerdings noch mit den Vorbereitungen zu seiner Forschungsreise beschäftigt, die kaum vor Sommer 1911 beginnen dürfte. Zu diesen Vorbereitungen gehört auch die Beschaffung der nötigen Geldmittel zwei Millionen, an weicher Summe noch ein beträchtlicher Teil

* Gin neuer Riesenbahnhvs. Tas kleine Dover, das neuerdings als Anlegehasen der graten Amerikadampfer erhöhte Bedeutung gewonnen hat, macht gciualtige Anstrengungen, sich vollends zu einer Hafenstadt ersten Ranges zu entwickeln. Augen- Midlich ist dort ein neuer Bahnhof der South Eastern und Chatham Railwav im Entstehen, der die meisten ähnlichen Anlagen dieser Art in den Schatten stellen wird. Gegenüber dem Lord Warden- Hotel wird gegenwärtig eine steinerne Mole nach der See hinaus erridtet, die nut dem gcof.cn Admiralitäts-Pier parallel verläuft. Ter Raum zwischen diesem und ter Mole wird nachher mit Kreide aus den benachbarten Cliffs zugeschüttet und auf dem so der See abgewonnenen Boden der neue Bahnhof errichtet. Zur Aus­schüttung sind nicht weniger als 1300O0O Tonnen Kreide erforder­lich. Das Bahnhofsgebäude wird 235 Meter lang und 52 Meter breit und in seiner ganzen Ausdehnung überdacht, alt Länge sonach nur von den Bahnhofshallen in Köln, Dresden, Pia in z und Paris iOrlsans) übertroffen. Die Kosten der Erdarbeiten >inb auf 8 Millionen Mark, die des Bahnhofsbaues auf 2,8 Millionen ver­anschlagt. Die gesamte Anlage l-offt man in fünf Jahren dem Verkehr übergeben zu können.

* Kriegsschiffbau ohne Auftrag. Eine eigentüm­liche und neuartige Erscheinung im Kriegsschiff bau tritt dem aufmerksamen Beobachter der Vorgänge in den Marinen in Italien und England entgegen. Es gibt dort Etablissements, die Knegs- schiffe und Fahrzeuge, anscheinend ohne Auftrag von irgend einer Seite erhalten zu haben, bauen, und sie merkwürdigerweise vor der Fertigstellung verkaufen. Einige Beispiele aus letzter Zeit werden das erläutern. Die italiennchen Firmen Oderv, ^>e|tti- -ponente bei Genua und Orlando, Livorno bauten bie Panzerkreuzer Amalfi" undPisa", von denenPisa" am 5. September 1907, Amalfi" am 5. Mai 1908 ablief.Pisa" wurde Ende April 1908 vorn Staate übernommen.Amalft" 1909. Gelder für diese Bauten waren im Marineetat 190708 nicht ausgelvorfen, übiwlfl sie zum Lauprogramm 190506 gehörten. Ottando legte dann einen zweiten Panzerkreuzer gleichen Typs auf Stapel, der sc! ui 1909 ablaufen sollte. Auch hier lag keine Bestellung vor. Aber ein Käufer sand sich Ende 1909. Es war Griechenland, ras Swftf für 26,65 Millionen Lire erwarb und esGiorgio Mveioss" nannte. In der englischen Flotte gingen zwei Torpedo­bootzerstörer,Blachvater" undLee" verloren. iOlan kaufte einfach von der Firma Ehammel, Laird und Co. zwei dort vor- i>aitbcne Ersatzfahrzeuge des neuesten, desRioer"-Typs und nannte sieStvur" undTest", dciemand wußte etwas davon, daß. die Firma von irgendwelcher Seite Aufträge auf die Zerstörer er­halten hat sie hat nur gerechnet, daß mjan solche F-ahrzruge brauchen werde, sie dann für eigene Rechnung gebaut und merk­würdigerweise mich gleich verkauft. Es erschaut immerhin möglich, daß noch andere britische« Werftetablisseinclns solchen Vorgängen

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