glcüiifally verhaftet ivurden. Die Polizei nahm eine Haussuchung vor, die ergebnislos verlief. Der Angriff erfolgte in jo ..überraschender Weife, daß ihn niemand verhindern konnte; eine junge Dame, die Kusine Mau ras, warf sich nach dem zweiten Schuß auf den Angreifer und versuchte ihn festzuhalten, konnte ihn jedoch nicht verhindern, ein drittes Mal zu schießen. Die Polizisten und Gendarmen ergriffen Roca und machten ihn unschädlich. Der Arzt, der .die Wunden am rechten Bein und am linken Arm Mauras untersuchte, stellte fest, daß sie nur leichte sind.
Während des Verhörs durch den Untersuchungsrichter machte der Täter Roca einen S e lb st m o r d v er's u ch; er ergriff eine auf dem Tisch des Untersuchungsrichters liegende Schere und brachte sich einen Stich in die Kehle bei. Als er an der Wand des Zimmers ein Bild des Königs Alfons erblickte, rief er aus: „An allen Ereignissen sind die schlechten Ratgeber des Königs schuld; Alfons XIII. ist unschuldig." Roea erklärte weiter, er habe aus eigenem Antriebe gehandelt, habe keinen Mitschuldigen und gehöre keiner geheimen Gesellschaft oder Organisation an.
Deürtßchcs Reich.
Der etwa 14000 Mitglieder zählende größte deutsche Zollbemuteuverband, der „R e i ch s v e r b a n d deutscher Zollaufseh er, -Assistenten und -Sekretäre" hielt vom 21. bis 23. Juli in Magdeburg seinen diesjährigen 10. Reichsverbandstag ab und hat eine Entschließung gefaßt, in der es heißt:
„Der Reichsverband deutscher Zollaufseher, -Assistenten Und -Sekretäre" hält es zur gesunden Fortentwicklung unserer au: borjer e>lu[c stehenden deutschen Zoll- und Steuerbeamtenschaft für die erste Notwendigkeit, daß die fast ausschließlich für das Reich wirkenden deutschen Zoll- und Steuerbehörden sobald als möglich unter die direkte Verwaltung des Reichs kommen, und daß die bisherigen bundesstaatlichen Beamten vom Reiche übernommen werdem Nur so kann größtmöglichste Gleichheit in der Zoll- und Steuerbehandlung im Interesse von Handel und Industrie und zur Stärkung. der Reichsfinanzen erreicht werden, unter wesentlichen Ersparnissen gegen heute. Eine „Reichszollverwaltung", wie sie im Zollvereinsvertrag von 1867 schon in Aussicht genommen war, würde zugleich ein neues festes Band für den Reichsgedanken fein.
Der Verbandstag bittet die bundesstaatlichen Verwaltungen, die Zollausscher entsprechend den erhöhten Anforderungen an sie im Range zu heben, ihnen den vollen mittleren Bcamtenrang zu verleihen und ihre Beförderungsaussichten zu verbessern.
,,^us Co 1 ornb B echar wird gemeldet: Die Post zwischen Bvudeuil und Bouonan wurde am 20. Juli ange- griffen. Ein Eingeborener und ein Jude wurden getötet; der Beutel mit Telegrammen ist verschwunden. Truppen sind aufgebrochen, um die Räuber zu ergreifen.
Einer Meldung aus Melilla zufolge sind dort sechs Deutsche, welche bei der Fremdenlegion deser- t i e r t waren, eingetroffen. Nach ihrer Erzählung waren sie von Mauren gefangen, aber bald wieder freigelassen worden, als sich herausstellte, daß sie keine Frcm- zosen seien. Welches Schicksal ihre Kameraden getroffen hat, welche mit ihnen desertierten, ist ihnen nicht bekannt.
21 ii5 Ltcrdt ttnd
Gießen, 25. Juli 1910.
Schülermoral und Schulmoral.
Daß es eine besondere Schülermoral gibt, deren Gesetze zu dem allgemeinen Sittengesetz recht oft in bedenklichem Widerspruch sieben, weiß jeder, der einmal in die Schule gegangen ist. Von den meisten wird die Tatsache nicht besonders ernst genommen; aber wer gewisse in der öffentlichen Moral hervortretende Mängel nachdenkend betrachtet, dem lüirb nicht entgehen, daß sie in der Schülermoral ihren Ursprung haben, und daß diese also auch das Handeln der der Schule Entwachsenen noch ^unheilvoll beeinflußt. Deshalb sollte in der Schule alles getan werden, was geeignet i!t, dieser schädlichen Pflanze den Nährboden 511 entziehen. Drakonische Schulgesetze sind das rechte Mittel dazu nicht; unter ihrer Herrschaft entwickelt sich vielmehr die (Ecl)ii(cr=
------7 -7— ~t~ 11 «!■!■—i-»-i——rrrrrwrur»«"^ -| r ju m« greifen zu lassen und den unausbleiblichen Fortschritt in geregelte Bahnen zu lenken, ihm eine anständige Form zu geben, halte er es für eine Pflicht der Tanzlehrer, tätig einzugreifen und als geeigneten Gruß ba§ Anlegen der Hand, den deutschen Gruß, in ihren Lehrplan aufzunehmen. Nach einer ziemlich lebhaften Aussprache wurde folgende Entschließung angenommen:
„Ter 19. deutsche Tanzlehrertag hält die Bestrebungen des Vereins für deutschen Gruß für zeitgemäß und beschließt, den deutschen Gruß in feinen Lehrplan aufzunehmen."
— Der französische Gelehrte Leopold Delis leider besonders als Leiter der National-Bibliothek lange Jahre hindurch eine äußerst rührige Tätigkeit entfallet hatte, ist im Alter von nahezu 84 Jahren im Schlosse von Chantilly gestorben, zu dessen Verwalter er von der Akademie bestellt worden war .
— Kurze N a ch r i ch t e n a u s K u n st u. W i s s c n s ch a s t. Wie wir erfahren, hat der ordentliche Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie und Direktor der Frauenklinik an der Universität Kiel, Dr. Karl Franz, einen Ruf an die Berliner Universität als Nachfolger Pros. Bum ms erhalten unb angenommen: er wird mit Beginn des Wintersemesters die Leitung der Universitäts-Frauenklinik in der Charitcc übernehmen. Pros. Franz ilt am 6. April 1870 zu Arnstein in Bayern geboren.! Seine medizinische Ausbildung erhielt er in Würzburg,' wo er im Juli 1894 mit einer Arbeit „Ein Beitrag zur Aetiologic der Eiterung" promovierte. 1895 erhielt er die Approbation als Arzt. Dann war er Assistent am anatomischen Institut in Zürich und seit Januar 1897 an der Frauenklinik zu Halle unter Prof. Fehling, später unter Pros. Bumm. Ostern 1900 habilitierte er sich in Halle mit einer Schrift: „Bakteriologische und klinische Untersuchungen über leichte Fiebersteigerungen im Wochenbette" und siedelte April 1904 mit Prof. Bumm an die Frauenklinik der Charitee in Berlin über, wo er von der medizinischen Fakultät als Privatdozent übernommen wurde. Juni 1904 wurde er Titularprofessor und folgte im Herbst desselben Jahres einem Rfuse an die Universität Jena als ordentlicher Professor und Direktor der Frauenklinik als Nachfolger von Pros. B. Krönig. Im Dezember 1909 erfolgte seine Ernennung zum Nachfolger Pi f a n n e n st i e l s in Kiel. Einen Ruf nach Tübingen als Nachfolger Prof. Döderleins hat er abgelehnt (Juli 1907)'. Seine Publikationen behandeln u. a. Extrauteringravidität, Eierstocksgravidität, Bakteriologie des Wochenbetts, Physiologie des Uterus- muskels. — Professor Dr. Hubert Grimme an der Universität Freiburg (Schweiz) hat den Ruf nach M ü n st e r i. W. angenommen : er übernimmt die neuerrichtete Professur für orientalische Philologie. — In München ist am 21. d. Mts. der Porzeltanmaler Professor a. D. an der Kunstgewerbeschule Robert Ulke im Alter von 77 Jahren gestorben. Verlagsbuchhändler Dr. G u |t aw i s ch e r, Geheimer Kommerzienrat, Ehrenbürger der Llakst ^cna und Landtagsabgeordneter, ist Freitag abend in Jena gestorben.
moral gerade zur höchsten Blüte. Sie hat überhaupt ihren Grund zumeist in der herrschenden Schulmoral, in dein Umstande, daß die Schule ihre gesetzgeberischen und richterlichen Funktionen allzusehr nach dem Muster des Polizei- Üaats übt, keine Laien-, will sagen: Schülergerichtsbarkeil kennt, und allzu selten von den Rechten bedingter Verurteilung und völliger Begnadigung Gebrauch macht. Vor allem sollte die Schule peinlichst darauf achten, daß niemals der Ehrliche nachteilige Folgen zu tragen hat, denen der standhaft Leugnende entgeht, und sie sollte den Korpsgeist der Schüler nicht durch Begünstigung gewisser Strebernaturen gegen die Schulgesetze mobil machen, sondern ihn als einen wirksamen Faktor in den Dienst der Ordnung zu stellen trachten, ftnaben, in denen sich auf solche Art ein gesunder Schüler-Ehrbegriff ausbilden konnte, die ihre Schülerpflichten treu erfüllen lernten, und denen die Beschränkung der eigenen Willkür durch die Rücksicht auf das Ganze in der Schute zur selbstverständlichen Gewohnheit lvard, werden, wenn sie Männer geworden sind, sich auch im Öffentlichen Leben keiner Gesinnungslumperei schuldig machen.
** Der preußische Gesandte Dr. Frhr. v. Ien isch hat gestern Darmstadt auf längere Zeit verlassen.
** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Phil. Roth zu Dieburg eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rieder-Olm.
** Zur Rechts Anwaltschaft Augelassen wurden: der Gerichtsassessor Dr. Rob. Wenzel zu Gießen bei dem Amtsgericht Langen; der Gcrichtsassessor Friedrich Karl Korn zu Alzey bei dem Amtsgericht Alzey; der Referendar Eduard Lucius zu Mainz bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen; Dr. Ernst Goldschmidt zu Mainz bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen.
** Ein früherer Landtagsabg. st Der Oppenheimer Ehrenbürger, Altbürgermeister Karl Hch. Ko cb ist Donnerstag im Alter von 77 Jahren gestorben. Der Verstorbene hat für seine Heimatstadt sehr viel getan, erfreute sich allgemeinen Ansehens und großer Beliebtheit und war in früheren Jahren, ehe ihn sein hohes Alter zum Stilleben zwang, ein eifriges Mitglied der nationallibcralen Partei. Er war Mitbegründer und Direktor und Aufsichtsratsvor- sitzender des Oppenheimer Spar- und Kreditvereins. Lange Jahre vertrat er im Kreistag und Kreisausschuß, im Pr'o- vinzialtag und im Provinzialausschuß die Interessen seiner Heimatstadt und von 1899—1902 war er Landtagsabgeord- ncter des Wahlkreises Oppenheim.
** Vorsichtsmaßregeln gegen Cholera. Die starke Z u n a h rn e der C h 0 1 er a i n Ru ß l a n d, wo nach einer Mitteilung des Reichskanzlers für die Woche vom 19. bis 25. Juni in 23 Gouvernements 3566 Erkrankungsst und 1420 Todesfälle verzeichnet wurden, zwingt, die Möglichkeit der Einschleppung der Seuche nach Deutschland ins Auge zu fassen. Das hessische Ministerium des Innern, Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege, bringt deshalb in einem Ausschreiben an die Kreisämter die Verfügung vom 10. Juli 1909 wieder in Erinnerung. Darin wird den Kreisämtern empfohlen, dem Zustande der nicht lediglich technischen Zwecken dienenden Wasserleitungen besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und da, wo die Revision der Leitungen längere Zeit nicht stattgefunden hat, und wo hygienische Bedenken gegen den Zu st and der Leitung und des Wassers nicht ausgeschlossen sind, eine Revision baldigst zu veranlassen. Aus demselben Grunde ist auch auf den Gesundheitszustand der aus Rußland zuziehen- den Saisonarbeiter sorgfältigst zu achten und die Gelegenheit der bereits angeordneten Nachimpfungen durch die beamteten Aerzte hierzu tunlichst zu benutzen.
** Di e Tagung der deutschen T u r n e r s ch a f t in Straßburg ging am Samstag zu Ende. Von den Beschlüssen am Samstag seien erwähnt: Dem Anschluß der in der Deutschen Turnerschaft bestehenden Schwimm-, Radfahrer-, Ruder-, Fecht-, Spiel- und Leichtathletik-Riegen und -Vereine an andere Verbände steht nach Meinung des Turnausschusses nichts entgegen. Hinsichtlich einer Beteiligung an Wettkämpfen, bei denen Wertpreise verliehen werden, hält die Deutsche Turnerschaft streng an ihren bisherigen Grundsätzen fest, daß derartige Preise nicht verliehen werden mögen. Als Ort des nächsten deutschen Turnfestes wird cinftimmig Leipzig gewählt. Für 1918 kommt Straß bürg in Frage. Bezüglich des Antrages, selbständige Frauen-Turnvereine in die deutsche Turnerschaft aufzunehmen, wird beschlossen, die Frage dem nächsten Turntage zu unterbreiten. — Am Sonntag besuchten die Teilnehmer die Hohkönigsburg.
* * Die Gießener Ru d e r g e sc ll s ch a f t von 1877 hat auf der gestrigen oberrheinischen Regatta in Straßburg einen hübschen Erfolg errungen. Der Junior- Achter siegte bei dem Rennen um den Preis der Stadt Straßburg gegen die Mannschaft des Mainzer Ruder- vereins nach heftigem Kampf mit einem Meter Vorsprung, lieber den Verlauf des von Anfang bis Ende spannenden Rennens wird uns berichtet, daß die Gießener Mannschaft (Karl Petri, Karl Holzapfel, Leonh. Hoos, Rob. Oerrel, Adolf Fischer, Willy Spörhase, Paul Dotzenrodt, Rich. Holschuh, Willy Rolofs, Steuer) sehr guten Start hatte und bis zum Ziel die Führung behielt. Das Rennen mürbe Bord au Bord gefahren, doch gelang es den immer wieder vorstoßenden Mainzern nicht,'die Führung zu erlangen. Die Gießener Mannschafr siegte mit 6,384/5 Min., während Mainz 6,39 hatte. Mit diesem Sieg erhöht sich die Zahl der in diesem Sommer von unserer Rudergesellschaft errungenen Preise auf vier, u. z. wurde je ein Preis von den beiden Vierem, sowie im Zweier ohne Steuermann und im Achter errungen. Die Straßburger Regatta war die letzte dieser Saison.
* • Selbstm 0 rd. Am Samstag abend öffnete sich ein hiesiger Student in seiner Wohnung die Pulsader. Der herbeigeholte Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Das Motiv zur Tat ist unbekannt.
* * Ausgesunden. Im Bergwerkswald wurde vorigen Samstag ein junger Mann betroffen, der geisteskrank war. Die Ermittelungen ergaben, daß er von Hanau stammt; er ist dann von seinen Angehörigen abgeholt worden.
)( Hungen, 25. Juli. Nach langen Beratungen unb Verhandlungen mit den maßgebenden Behörden ist jetzt die Erbauung des neuen Schulhauses au dem ursprünglich dafür vorgesehenen Platz an der Lindenallee endgültig beschlossen loorden. Man hofft, .den Ban noch bis' zum Herbst unter Dach zu bringen. Somit ist die viel umstrittene Platzfrage endgültig gelöst und man hat die Hauptsache erkannt, nämlich die, daß überhaupt ein neues Schul- haus gebaut wird, was längst ein dringendes Bedürfnis für die hiesige Gemeinde war. Für den Bau, dessen Arbeiten möglichst nur hiesigen Geschäftsleuten übertragen werden sollen, sind 90 000 M. vorgesehen. Es wird 2 stzöchig ausgefichrt
werden und auch einige Lehrerwohnungen enthalten. Schon jetzt sind einige Liebhaber von Bauplätzen für Privathäuser in der Nähe des zu erbauenden Schulhanses vorhanden^ Man ersieht daraus, daß die Lage für das neue Schulhaus nicht so unvorteilhaft ist, wie sie vielfach hingestellt wurde. Der Platz liegt frei an der schönen Lindenallee unb ist für eine Schule wie geschaffen. In der Nähe zieht sich ein Wiesental hin, weiterhin tauchen die nahen Waldungen und in der Ferne die Höhen des Vogelsberges auf, und diese Naturschönheiten im Verein mir der gesunden frischen Luft werden ihre Wirkungen auf die Schuljugend nicht verfehlen. — Mit der Auffüllung unb Trockenlegung des unteren Teils der sog. „Pfanne", der als Marktplatz dienen soll, ist man bald zur Hälfte fertig. Es wird ein schöner Tummelplatz für die Schulkinder werden. Die Straße vom Brauhof nach der Lindenallee wird eine Verlegung von einigen Metern nach unten erfahren, um eine geradere Linie dieser Straße und mehr Raum oberhalb des Platzes für das neue Schul- Haus zu gewinnen.
-r. Lauterbach, 24. Juli. Gleichsam als Vorläufer für das zu gründende Heimatmuseum unb um allseitig Interesse hierfür wachzurufen, will der hiesige Volksbildungsverein eine Aus- Heilung alter Möbel und sonstiger geeigneter Gegenstände veranstalten. Auch moderne Erzeugnuse des heimischen Gewerbes können ausgestellt werden. Die Aü'stellung wird gelegentlich der landw. Kreisschau (24. bis 26. September! dem Publikum zugänglich sein. Anmeldungen nimmt Herr Dr. Köhler in Lauterbach bis spätestens 15. August entgegen.
8. Ulrichstein, 23. Juli. Am Samstag, 30. Juli, findet hier die Wahl von drei G e m ei n b e ca t§m it g li e - dem statt.
s. Hö ckerSd orf, 23. Juli. Heute nacht wurde durch den Sturm ein an der Friedhofsmauer stehender Linden- baum umgerissen. Der Baum, dessen Stamm zwei Männer kaum umfassen können, zertrümmerte im Fallen acht wertvolle Grabdenkmäler.
-0. Mainz, 24. Juli. Zum ersten städtischen Kapellmeister ist an Stelle des zuerst gewählten Herrn Schuricht, der durch wiederholte Sinnesänderung veranlaßte, daß die Stadt vor dem Unterzeichnen des Vertrages zurücktrat, der auch als Komponist bekannte, zurzeit in Straßburg tätige Ka p e l l m e i st e r G 0 rter gewählt und gestern in geheimer Stadtverordnetensitzung bestätigt worden. Die Versammlung war zwar nicht beschlußfähig, aber die anwesenden 20 Herren stimmten allen Einzelheiten zu, so daß die Wiederholung der Sitzung am Montag nur von formaler Bedeutung' sein wird. Der neue Kapellmeister erhält 7000 Mk. Gehalt, 2000 Mk. mehr, als für Schuricht vorgesehen war, und ein jährliches Benefiz.
[] Marburg, 24. Juli. In Caldern fand heut^ das 12. Verbandsfest der Kriegervereine des Kreises Marburg und gleichzeitig der 26. Vertretertag statt. An dem letzteren nahmen 64 Vertreter von 51 Vereinen teil. Es wurde mitgeteilt, daß aus bem Erträgnis be§ Festspiels „Königin Luise" bem Fonbs zur Errichtung eines Kriegerdenkmals in Marburg 2186 Mk. zugeführt wurden. Im Anschluß an den Festzug, der sich nachmittags durch das festlich geschmückte Dorf bewegte, hielt der Verbandsvorsitzenbe, Geh. Rat Landrat v. Regel ein eine Ansprache.
w Wiesbaden, 23. Juli. Die neue Rennbahn in Wiesbaden wurde heute dlirch ein wohlgelungenes Eroff- nungSmeeting eingeweiht. Die Bahn steht unter der technischen Leitung des Berliner Vereins für Hindernisrennen unb ist Eigentum des Nennklubs Wiesbaden.
—r. Lauterbach, 23. Huli. Die Hauptversammlung des landw. Bezirksvereins Lauterbach fand heute im Saale zum Johannisberg statt. Der Vorsitzende, Kreisrat v. Bechtold, eröffnete die Versammlung mit der Vorlage der Rechnung für 1909, die genehmigt wurde und verlas sodann den Voranschlag für 1910, der mit 1690.58 Mark abschließt. Es soll zunächst wieder Pettkuser Saatroggen bezogen werden, weiter soll versucht werden, beim Chilisalpeter im Herbst einen billigeren Preis zu erzielen. Land- wirtschastslehrer Heck-Alsfeld hielt hierauf einen Vortrag über öie, Vorbereitungen zur Kreisscha u im September. Die Kreisschau umfasse alle Zweige der Landwirtschaft, die Viehzucht sowohl als die Erzeugnisse des Bodens einschließlich Obst, Bienenwirtschaft usw. In seinen weiteren Ausführungen legte der Redner den Landwirten nahe, rechtzeitig Vorbereitungen für die Ausstellung.zu treffen, damit etwas Vollständiges zustande käme, zumal der hiesige Bezirk sein bestes aufbieten müsse, wenn er an die vorjährige Kreisschau, in dem von der Natur begünftigteren, Friedberg, heranreichen wolle. Ncöglichst zahlreiche Beteiligung der Landwirte an der Ausstellung sei geboten, um ein richtiges Bild von der Leistungsfähigkeit unseres Kreises zu gewinnen und außerdem dem Hauptzweck der Ausstellung, der Belehrung zu dienen, i zu genügen. Die kleinen Landwirte sollten nicht etwa meinen, nur die größeren Betriebe könnten erfolgreich ausstellen. Die Ausstellung stehe dieses Jahr insofern unter einem ungünstigen Zeichen, als der Stand der Feldfrüchte zu wünschen übrig lasse, die Halmfrüchte hätten vielfach durch Unwetter gelitten, die Kar-- tosseln seien häufig krank. Eine doppelt sorgfältige Auslese des Ausstellungsgutes sei deshalb geboten. Weiter sei rechtzeitige Anmeldung und pünktliche Anlieferung vonnöten. Darauf verbreitete sich der Redner noch über die Vorrichtung der Ansstellungs- | gegenstände. Die Tiere sollen längere Zeit vorher schon gut l gepflegt und sauber gehalten werden, außerdem sind sie nicht durch zu reichliche Gaben von Grünfutter aufzuschwemmen, sondern sie sollen mehr Kraftfutter erhalten. Das auszustellende Getreide 3 sei gut zuzurichten und mit sicheren Bänden zu versehen, nicht - etwa struppig cmzuliefern, am Ausstellungsort gebe es keine Zeit Z mehr zum Ordnen. Es seien dann nicht lauter Riesenhalme.? auszusuchen, sondern nur Halme und Aehren, die die für eine bestimmte Getreideart charakteristischen Merkmale zeigen, darauf D komme es bei der Preisverteilung in der Hauptsache an. Die Halme sind mit den Wurzeln herauszunehmen und sauber abzuklopfen unter Schonung der Wurzeln, ein Teil der Blätter ist zu entfernen, darauf werden etwa hundert der schönsten Halme für die eigentliche Ausstellung ausgewählt und mit geschmackvollen Bändern und Schleifen, etwa in den Landesfarben, befestigt. Den Halmen wird noch ein Körnerfortiment beigegeben von der gleichen Sorte in gleichfalls sorgfältigster Auswahl von schönen, vollen Körnern mit allen Merkmalen ihrer Art, frei von Unlraut oder fremden Körnern. Bei den Kartoffeln ist ebenfalls nicht etwa eine Auslese von Riesenknollen vorzunehmen, sondern hier soll auebi: der Ertrag der einzelnen Sorten int Bezirk festgestellt werden.: Es empfiehlt sich deshalb gleich die ganze Kartoffelpflanze mit Anhang aus dem Boden zu nehmen und die Köllen vorsichtig abzuwischen, nicht etwa abzuwaschen, was das schnelle Verderben, der Kartoffeln zur Folge hätte. Beim Obst ist darauf zu sehen, daß nur gleichmäßige, fehlerlose, mittlere Früchte ausgewälilt werden, solche mit fleckiger, unsauberer Schale ober mit Druckstellen finden keine Anerkennung. An allen Früchten ist der Stiel unbeschädigt zu lassen. Auch sei auf richtiges Verpacken des Obstes zu sehen, wofür auch Preise ausgesetzt sind. Der Vorsitzende gab bekannt, daß die Anmeldungen für die Ackerbau- und Obst- ausstellungsgruppen bis 1. September beim Landwirtschasts-ch kammerausschuß in Gießen zu bewirken seien, Anmeldebogen sind von da zu beziehen, ebenso von den Vertrauensmännern der, Landwirtschaftskammer und der Zuchtvereine. AuS der Besprechung des Programms ist hervorzuheben, daß Gruppe 5 «veredelte Landschafe) diesmal neu ausgenommen ist, ebenso Gruppe 10


