v Deutsches Reich.
i Eine am Montag in Re mich (Luxemburg) ab- ^gehaltene, aus allen Kreisen der Bevölkerung zahlreich besuchte Versammlung betreffend die Mosel - und Saar- -iKanalisierung nahm folgende Entschließung an:
' Die Versammlung bedauert, die am 7. April im Preußischen 'Abgeordnetenhaus bekannt gegebene Entschließung des Preußischen tStaatsministeriums, wonach die Kanalisierung der Mosel und der Saar mit Rücksicht auf die Interessen der rheinisch-westfalischen Visenindustrie und des vreußischen Eiserrbahnfiskus zurzeit nicht <für zweckmäßig und durchführbar erachtet wird. Die Versammlung Ast der Ueberzeugung, daß die Kanalisierung der Mosel sich von -größtem Nutzen lür die wirtschaftliche Entwickelung des ganzen Moselgebietes erweisen wird unb spricht sich in Uebereinstimmung unit dem verständnisvollen Beschlüsse des rheinischen Provinzial- ^tandtages vom 12. Dezember 1890 dahin aus, daß die Ausführung Dieses Projektes als eine der Landwirtschaft wie dem Weinbau an Her. Mosel und dem Rhein nützliche, dem Handel und Gewerbe Lieser Gegenden in hohem Grade fördersame und der Industrie derselben dringend benötigte Verkehrsverbesserung zu erachten ist. ,Die Versammlung erwartet, daß, nachdem der elsaß-lothringische Landesausschuß die Kanalisierung der lothringischen Moselstrecke Metz—Diedenhofen einmütig verlangt hat, auch die luxemburgische Kammer und die luxemburgische Regierung das ihrige zur Verwirklichung des großen Werkes ohne weitere Verzögerung tun werden.
der einzelnen Haushaltungen kann nunmehr begonnen werden, so daß die ersten Ausstellungen dem Bundes^ &egen Vnde Oktober bereits vorliegen werden. ' • »//’/■ »
Die französische nnd die englische Mittelmeerflotte.
Die von uns gestern besprochene französische Preß- Lußerung über die Stärkung der französischen Mittelmeer- jflotte hat schon eine Antwort aus England gefunden.
Auf die auch von anderen französischen Politikern und Marineoffizieren vertretene Ansicht, daß Frankreich! seine großen Schlachtschiffe und Kreuzer ausschließlich im Mittel- Imeere verwenden solle, um sich dort seine Stellung gegerr- lüber einer etwa vereinigten österreichisch-italienischen Flotte zu sichern, erklärte Lord Charles Bersford, der ehemalige Oberbefehlshaber der englischen Flotte:
Die gegenwärtigen Beziehungen zwilchen Frankreich und England rechtfertigen gewiß das größte gegenseitige, Bert rauen lund die Zurückziehung der französischen Schlachtschiffe aus dem jAermelmeer und aus dem atlantischen Ozean würde einen Beweis rückhaltlosen Vertrauens zu der Seemacht und /der Verläßlichkeit .Englands bilden. Es könnte deshalb im ersten Augenblick rätlich erscheinen, daß!England seinerseits wieder einen Teil seines Mittelmeergeschwaders zur Verteidigung seiner Streit- Kräfte int Aerntelkanal und atlantischen Ozean benützte und der ^anzösischlut Marine die Aufgabe überließe, die „Polizei im Mittelmeer" auszuüben. Aber auch so innig die gegenwärtigen französisch-englischett Beziehungen sein möchten, so wäre ich der Ansicht, daß iede der beiden Mächte gerade im Interesse dieser ^Beziehungen den ihnen eigenen Verantwortlichkeit eMsprechenden Bedürfnissen Rechnung zu tragen hätte. Ich würde deshalb im gegebnen Falle mit allem meinem Einflüsse dafür eintreten, daß EnglandniemandeindieSorge üb erläßt, seine Flottenstationen im Mtttelmeer und seine Verbindungen mit Indien zu verteidigen.
Eine Richtigstellung der badischen Ministers
' v. Sodman.
Die amtliche „Karlsruher Zeitung" schreibt: Eine vom Minister des Innern, Freiherrn v. Bodman, am 13. Juli -1910 in der Ersten Kammer getane Aeußerung ist von der Wresse eifrig erörtert worden. Betrachtet man die Rede Ves Ministers ruhig in ihrem Zusammenhang und im gctn&en> sso wird man ohne weiteres zugeben, daß sie mit früheren Ausführungen von ihm völlig übereinstimmt. Nachdem
^3) Bebel auf dem Magdeburger Parteitag den Tatsachen ^sprechend bemerkt hat, der Minister habe mit seiner Aeußerung vom 13. Juli von seinen früheren Erklärungen gegenüber der Sozialdemokratie kein Jota zurückgenommen, darferwartetwerden,daßderMißbrauchauf- hört, der mit den Worten des Ministers von sozialdemokratischer Seite getrieben wird, nicht minder aber darf erwartet werden, daß die Organe der rechtsstehenden Parteien bei ihren Erörterungen mehr als bisher auf den übrigen Inhalt jener Rede und die früheren Ausführungen des Ministers berücksichtigen. Darnach kann fein Zweifel bestehen, daß der Minister nach wie vor ein entschiedener Gegner der politischen Ziele der Sozialdemokratie ist.
Ausland.
Der türkische Groß Wesir Hakki Pascha ist am Montag in Wien eingetroffen.
Nachrichten aus Petersburg zufolge soffen Chiles e n ein r u s s i s ch e s S ch i s f auf beni Sungari, 20 Kilometer von Chardin entfernt, überfallen, die Besitzer ^ermordet und die Kasse geraubt haben.
*■ Aus Mitrowitza wird gemeldet: Zwischen einer türkischen Grenzwache und einer serbischen Bande, ^die wahrscheinlich aus Schmugglern bestand, hat ein Kampf (stattgefunden, bei dem vier Serben erschossen wurden. Bei 1 E l a s s v n a kam es zu einem Kampfe zwischen den Truppen /und einer griechischen Bande, welche die Grenze über- ifchritten hatte. Zwei Griechen wurden getötet, einer wurde verwundet.
Heev und Llotte.
Dresden, 26. Sept. Der Kaiser enthob mit Aller- .höchster Kabinettsordre vom 26. September den General Don Broizem von seiner Stellung als kommandierender General des 12. Armeekorps und ernannte auf Grund des "Vorschlages des Königs den General der Infanterie d'E l s a, bisher von der Armee, zum kommandierenden General des 12. Armeekorps. General von Broizem wurde in Genehmigung setnes Abschiedsgesuches mit Pension und Erlaubnis .zum Tragen der Generalsuniform zur Disposition gestellt .unter Belassung ä la suite des Gardereiter-Regimentes; der König versieh chm den Orden der Rautenkrone.
Ans StaOt nnd Lanö.
Gießen, 27. Sept. 1910.
Die Grundbuch anleg ungin Hessen. Einer vom Landgerrchtsrat Welker m Darmstadt ausgestellten Statistik entnehmen wrr folgendes: Im Sommer 1900 wurde mit der Anlegung des reuchsrechttichen Grundbuches angefangen, am J. September 1910 waren über 85 Prozent aller hessischen Gemarkungen, auch Mainz und Worms mit /dem Grundbuch versehen, in etwa 15 Prozent aller Gemarkungen, bamnter Darmstadt, Offenbach und Gießen, ist 'das Grundbuck) noch anzulegen und in etwa 3 Prozent aller Gemarkungen mußten einzelne Grundstücke von der Anlegung ausgenommen werden. In Starkenburg sind von den gesamten 447 Gemeinden 422 mit dem neuen Grundbuch versehen, 25 sind noch ohne Grundbuch, M sieben Gemarkungen mußten einzelne Gnuröstticke von der An
legung ausgenommen werden. In Oberhesfen steffen sich diese Ziffern in gleicher Reihenfolge auf 502;- 412; 90 und 16 und in Rheinhessen auf 183; 133; 30 und 7. Im ganzen Großherzogtum auf 1132; 967; 165 und 30. — Von 53 Amtsgerichtsbezirten sind 17 mit dem neuen Grundbuch versehen.
* * Orden und Titel. Der Großherzog hat dem stellv. Vorsitzenden des Verbandes der Verpflegungsstationen in Hessen und Hessen-Nassau, Landrat v. Gröning zu Gelnhausen und dem kath. Pfarrer und Dekan Anton Kuhn in Bürstadt die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüttgen verliehen, sowie dem Oberlehrer an der Realschule zu Michelstadt PH. Wahl den Charakter als Professor erteilt.
* * Techn. Hochschule. Der Großher^og haben Mergnädigst geruht, am 24. September d. I. den Privatdozenten an der Universität Würzburg Dr. Wilhelm Pinder mit Wirkung vom 1. April 1911 an zum ordentlichen Professor der Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule in Tarmstadüzu ernennen.
* * Dekan Der Großherzog hat der durch die Dekanatssynode des Dekanats Zwingenberg für den Rest der im Jahre 1913 ab lau send en Wahlperiode vollzogenen Wahl des Pfarrers Karl Zaubitz zu Bensheim a. d. B. zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Zwingenberg die Bestätigung erteilt.
* * Steuer wesen Der Groß Herzog hat den Steuerkontrolleur Finanzassessor Rich. Schnupp zu Friedberg zum Revisionskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Mainz und den Hauptsteueramtsassistenten Wich. Rübe zu Offenbach zum Bezirkskasseassistenten bei der Bezirkskasse Mainz I ernannt.
* * In den Ruhestand versetzt wurden die Bahnwärter in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Joh. Barth I. in Büdesheim und Jos. Dietrich zu Ober- bimbach.
"Veränderungen im 18. Armeekorps. Schreiber, Hauptm., mit dem 1. Oktober 1910 in das 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168 versetzt, bis dahin bei der Haupt. Kadettenanstcklt, vom 1. Oktober ab zur Vertretung eines Adjutanten des Kommandos des Kadettenkorps für die Dauer dessen Erkrankung kommandiert. — v. Rostken, Hauptm. im Füs.-Regt. v. Gersdorff (Kurheff.) Nr. 80, als Verwalt.- Mitglied zur Gewehrfabrik in Danzig versetzt.
** Prüfung für den höheren Finanzdienst. Mit Ermächtigung des Großherzogs wurden nachstehende Beamte zu Vorsitzenden und Mitgliedern der Prüfungskommission für den höheren Finanzdienst im Nebenamt ernannt: I. Vorsitzender: Ministerialrat und Vorsitzender der Ministerialabteilung für Steuerivesen Geheimerat Dr. Becker; II. Mitglieder: Ordentlicher Professor der Staatswissen- schasten an der Landesuniversität Dr. jur. et phil. 93 i e r m e r; Erster Hauptstaatskassedirektor Dexheimer; Obcrsinanzräte Weißenbruch und Frenz, vortragende Nate bei der Abteilung für Steuerwesen des Ministeriums der Finanzen.
** Verleihung von Ehren-Urkunden an unselbständige Handwerker. Die Handwerkskammer zu Darmstadt wird, wie int Vorjahre, an unselbständige Handwerker, Gesellen, Gehilfen usw., die mindestens 25 Jahre in demselben Betriebe ununterbrochen tätig gewesen stttd, Ehren-Urkunden verleihm. Bei dem wirtschaftlichen Aufschwung, den eine große Zahl Berufsgruppen in den zwei letzten Jahrzehnten genommen hat, ist ein öfterer Wechsel in dem Personal wie früher zu verzeichnen. Ein Aushalten von 25 Jahren bei einem Meister gehört zu den Seltenheiten und setzt Treue, Fleiß, Ehvlichteit und rechtschaffenen Sinn voraus. Diesen Personen zur Anerkennung und anderen zur Aneiseruilg sollen die Ehretr-Urkünden verliehest werden. Die Verleihung erfolgt alljährlich an Weihnachten. Die Anträge zur Verleihung sind von der gewerblichen Korporatton, der der Arbeitgeber angehört, bei der Handwerkskammer zu Darmstadt bis spätestens 1. November jeden Jahres einzureichen. Den Anträgen ist ein ausführlicher Lebenslauf des zur Auszeichnung Vorgeschlagenen, sowie ein von dem Betriebsinhaber ausgestelltes, ortspolizeilich beglaubigtes Arbeitszeugnis, das gleichzeitig den Nachweis der 25jährigen ununterbrochenen Dienstzeit in ein und demselben Betriebe enthalten muß, sowie ein von der Polizeibehörde ausgestelltes Leumundszeugnis beizuschließen.
* * Besitzwechsel. Das Anwesen der Georg Eule^ Erben, zum goldenen Stern, Walltorstraße 33, wurde von H. Baurnann käuflich erworben.
* * Militär trans Porte. Gestern abend kamen die Mannschaften des Jnfanterie-Lehrbataillons, die zur Reserve entlassen werden, in einem größeren Trupp von Potsdam hier an. Es wäret: Mannschaften der Regimenter aus Nassau, der Rheinprovinz und Eljaß-Lothringen. — Eine Anzahl berittener Jäger kam aus Elsaß hier durch, um nach Hause zurückzukehren. — Heute abend um 7i/2 Uhr fährt ein Militär-Sonderzug hier durch, der Reservisten aus Norddeutschland in die Heimat befördert.
* * Ein alter Schacht. In der Sandgrube des Herrn Hch. Winn unterhalb der Liebigshöhe stießen Arbeiter gestern auf starte eichene Bohlen, die etwa 8 Meter unter der Erdoberfläche in aufgeschüttetem Boden sich befanden. Man vermutete, daß man es mit einer Grabstätte z-u tun hätte und benachrichtigte sofort den Konservator Dr. Kramer. Unter dessen Leitung wurde die Sache untersucht und festgestellt, daß es sich um einen Schacht handelte, der unter dem Abhang des Triebs nach der Germania zu laufend im vorigen Jahrhundert vielleicht zu dem Zwecke der Wasserausfindung angelegt sein muß. Dennoch war es gut, daß man Dr. Kramer von dem Vorkommnis in Kenntnis gesetzt hatte. Wenn in solchen Fällen dies stets geschieht, können wertvolle Ausschlüsse für die Wissenschaft erzielt werden, was aber unmöglich ist, wenn erst in unsachlicher Weise mit Schippe und Axt gearbeitet wird.
= Wieseck, 26. Sept. Die hiesige GemeinderatL- wahl endigte bei schwacher Wahlbeteiligung — von etwa 600 Wählern stimmten nur rund ein Viertel ab — mit den: Siege dec sozialdemokratischem Kandidaten, die zwischen 97 und 108 Stimmen erhielten, während auf die bürgerlichen Kandidaten zwischen 18 und 43 Stimmen entfielen. Gewählt wurden Heinrich Oßwald, Wilhelm Luh und Balth. Wacker. Die sozialdemokratische Partei hat nuninehr die Mehrheit im Gemeinderat.
# Klein-Linden, 26. Sept. Die heutige Versteigerung des Gemeindeobstes erfreute sich regen Zuspruches von Steiglustigen. Die erzielten Preise waren nicht schlecht, obgleich bei dem reichen Ertrag der Bäume die Käufer zu preiswerten Winteräpfeln kommen.
Lich', 26. Septt Die von Tanzlehrer Schneid« Laubach in sden Sommermonaten hier veranstalteten Tanz. kUrse für Kinder unb Erwachsene wurden am Samstag abend durch einen Baff im Heiland scheu Saale beendet, der sich eines schönen Verlaufes erfreute. Besonders wurden die .fleinen sechsjährigen Schüler unb Schülerinnen bewundert, die sich flott im Saal bewegten. An den Kinderball schloß sich am Sonntag eine Nachfeier mit Tanz an, woran »sich auch die hier einquartierten Soldaten aus Wiesbaden in großer Zahl beteiligten.
b. Bellersheim, 25. Sept. Unser seitheriger Bürgermeister Bopp wurde bei der Bürgermeisterwahl einstimmig wiedergewählt. Der Gewählte versieht sein Amt schon viele Jahre und die einmütige Wiederwahl ist ein Beweis seiner allseitigen Beliebtheit.
O Laub ach 26. Sept. Die Verpflichtung und Beeidigung des neugewählten Bürgermeisters N. Ritter durch das Kreisamt Schotten findet nächsten Dienstag, 4. Ott., auf dem Rathause statt. Me im unteren Stock des Rathauses gelegenen beiden Zimmer werden zn Amtszimmern des Bürgermeisters, der feine Bureaustunden hier abhalten wird, bestimmt.
L. Bad-Nauheim, 26. Sept. Der südliche Flügel unseres Bahnhossempfangsgebäudes ist nun bis zum Dachstuhl fertiggestellt. Nach seiner Vollendung wird man den nördlichen Flügel neu erbauen und bann wird wahrscheinlich der mittlere Tell (das jetzige Stationsgebäude^ abgebrochen und neu aufgebaut.
x Bad-Nauheim, 26. Sept. Die hiesige Ortsgruppe des Oberhessischen Ob st Lauvereins veranstaltete von Samstag bis heute eine Obst- und Gartenbauausstellung in Len Räumen des Saalbaus Thalysiew Los. Der Eröffnungsfeier am Samstag wohnten u. a Kreisrat Schliephake und Bürgermeister Dr. Kayser bei. Die Ausstellung zerfällt in 11 Gruppen, etwa 65 Klassen und 75 Aussteller. Vom feinsten Tafelobst bis herab zum Wirtschastsobst ist alles, was es in unserer gesegneten Gemarkung an Obstsorten gibt, in geschmackvollster, bas Herz und Mge erfreuender Weise zusammengestellr. ‘ Gestern unb heute wurde die Ausstellung sehr gut besucht. Heute gelangten zahlreiche Ehrenpreise zur Verteilung. — Am Mittwoch wird hier in der Turnhalle der Stadtschule die Ausstellung des Tuberkulose -Wandermuseiuns der Landesversicherungsanstatt eröffnet.
L. Bad-Nauheim, 25. Sept. Den vielen Touristen^ die von Süden her dem Friedberger Promenadenweg entlang nach Nauheim kommen, repräsentiert sich unsere Badestadt gerade nicht schön. An Jahrhunderte alten rußigen Gebäuden vorüber führt der Weg zu den Parkanlagen. Das wird nun schon mit dem nächsten Sommer anders werden. Verschwinden werden diese alten Siedehäuser, verschwinden die alten Salzlagerhäuser, aus denen die Salinenknappschast schon vor drei Jahrhunderten das Salz aus weiten, geflochtenei- Trockenkörben hervorbrachte; zum Teil werden auch die von Schwarzdornreisig erbauten Gradierwerke, wie auch die unschönen, hölzernen Brücken über die Ufa weggenommen: stehen bleiben wird, gleichsam als Wahrzeichen Alt-Nauheims, nur die alte Salinenschmiede mit ihrem eigentümlich geformten Schlote. Jenseits des Bahndammes wird man du Salzgewinnungsgebäude errichten. Keine Steinkohlenlager werden aufgestapelt werden, sondern dir mächtigen Oefen wird man mit der heimischen Braunkohls aus dem nahen fiskalischen Bergwerk Melbach Heizen. A^ dem großen frei werdenden Terrain wird ein neuer Stadtteil entstehen; zunächst das viel umstrittene Riesenhotel (aber ohnr Badewasser-Abgabe). Von der Baubehörde sind die Arbeiten zur Erbauung der Salinenwerke ausgeschcleben. An dieses Gebäude anschließend, das von der Ufa bis zum Karls- brunnen reicht, kommt die große, seit vier Wochen in Angriff genommene Trinkturmanlage zu stehen.
ft- Friedbcr g, 26. Sept. Bankdirettor Mey er, der bei dem Attentat auf die Reichs bank durch Wingeß uni) Werner verletzt wurde, ist heute abend aus ber Sommerfrische wieder hier eingetroffen. Die auf ihn abgegebene Kugel konnte noch nicht entfernt werden, sie machte ihm' bisher keine Beschwerden.
w. Frankfurt a. M., 26. Septbr. Der Zar von Rußland, der Großherzog von Hessen, Prinzessin Heinrich von Preußen, Prinz Waldemar von Preußen, Prinzessin Luise von Württemberg und Prinzessin von Battenberg besuchten heute vormittag mit Gefolge den Zoologischer Garten. Nach dem Diner im Hotel „Englischer Hof" wurdr um 31/* Uhr die Rückreise nach Friedberg angetreten.
w. Hanau, 26. Sept. Der bei den: Tonwerk Sterb- fritz bei Schlüchtern beschäftigte Maurer Hufnagel am Sterbfritz wurde durch herabstürzendes Gestern erschlagen
Sport.
** F u ß b a l l. Ter G i c ß e n e r S p o r t v e r e i n von 19(X weilte Sonntag mit feinen Mannschaften auswärts und könnt überall gut abschneiden. Die erste Mannschaft spielte in Mar bürg gegen den V. f. B. Dlarburg und gewann sicher mit 2:( Toren, während die 3. Mannschaft, die gegen die erste Mannschai: des F.-K.-Wetzlar in Wetzlar spielte, knapp m:t 2:1 Tow unterlag. Auf den nationalen olympischen Spielen in Hombuu v. d. H. gewann H. Noll Gießen die süddeutsche Meisterschaft tir Wettsprung. Des wetteren wurde er in: Dreikampf und Kugel stoßen erster, während er im Diskuswerfen und Hochsprung der 2. Platz belegte. Im Dreikampf konnte außerdem noch H. Clariu- vom Gießener Spottverein von 1900 den 3. Platz belegen
• Laubach, 26. Sept. .Zwischen dem Fußballk'lul des Gymnasrums Lu Friedberg und dem hiesigen fwü gestern em Wettkampf statt. Friedberg gewann ein und Laubai drei Wettspiele^
Schwurgericht.
th. Gießen, 26. September.
Heute vormtttag eröffnete Landgerichtsrat Neuenhagen bi- erste Verhandlung der diesmaligen Tagung des Schwurgerichts fw Oberhessen, die sich gegen den 30 Jahre alten, wegen ähnliche' Vergehen vorbestraften Dienstknecht Wilhelm Müller uoi Ruppertsburg, zuletzt in Bettenhausen wohnhaft, richtete. Er is geständig, versucht 51t haben, am 4. Juli d. Is., vormittags un 11 Uhr, auf freiem Felde eine 66 Jahre alte Witwe von Atuschen heim zu vergewaltigen. Die Anklage vertrat Staalsanwal Trümperi und die Verteidigung führte Rechtsanwalt Schneider Es waren 11 Zeugen und als medizinischer Sachverftandige^ Kreisajiistenzarzt Dr. Laugermann-Gießen zu hören. Die Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erfolgte, ergab daß der Angeklagte die rohe Tat unter dem Einfluß des vorhc' aus Anlaß eines Kriegerfestes in Birklar mehr wie reichlich ge «offenen Alkohols begangen hat, doch war nach der Bekundung der Zeugen der Angeklagte mcht so betrunken, daß bet Begehun- der Tat dessen freie Willensbestimniung ausgeschlossen war.
Dre Geschworenen bejahten die Schtlldfrage, bewilligten abe entgegen der Ansicht des Anklagevertreters dem Anqeklaglc' mildernde Umstände, worauf der Gerichtshof auf zwei Jahre Ge


