Darauf sprach Privatdozent Dr. Thomae über den Werdegang Liebigs. Er verwies einleitend auf den Vortrag, den Prof. Dr. Noll vor kurzer Zeit über dasselbe Thema im Realgymnasium gehalten halte und gab dann ein anschauliches Lebensbild des großen Chemikers, das besonders durch Aussprüche berühmrec Zeitgenossen fesselte. Aus der Fülle des Dargebotenen sei er wäynt: Nach einer in seiner Vaterstadt Darmstadt verlebten Jugendzeit, in der schon ferne Vorliebe und bedeutende Veranlagung für Ehemie deutlich zu Tage trat, kam der junge Liebig zu einem Apotheker nach Heppenheün in die Lehre. Der etwa dreivierteljährige Aufenthalt in Heppenheim verschaffte ihm die in ferner späteren Tätigkeit sehr zugute tonunende praktische Fertigreit und berei^erte seine allgemeinen Kenntnisse; wenn er chm auch keine volle Befriedigung gewähren konnte. Es folgen jetzt seine Universirärsjahre in Bozen und Erlangen, wo er ars Schüler Kastners die Auf- merksamkeit der belehrten auf sich zog. In diese Jahre
Las Licbigmuseum.
Der Dürgerverein veranstaltete gestern abend in dem großen Unwersitätshörsaal eine Versammlung, in der Prof. Dr. Sommer, Privatdozent Dr. Thomae und Architekt Burg über die Wiederherstellung des Liebig-Laboratoriums sprachen. Schon vor Jahren ist, so führte als erster Redner Professor Dr. Sommer aus, der Plan gefaßt worden, Liebigs cute Arbeitsstätte in der Liebig- straße der Nachwelt zu erhalten und sich so em historisches Denkmals ersten Ranges nicht entgehen zu lassen. Neben finanziellen Sorgen, die auch heute noch nicht überwunden sind, seien es be,anders technische Schwierigkeiten gewesen, die man aber vollkommen beseitigt habe, und der Redner konnte in einem seiner Lichtbilder, die den Vortrag erläuterten, den Grundriß des ehemaligen Liebig-Labora- toriums vorführen. Die Summe von 26 000 Mt. sei bis jetzt eingegangen und sogar von auswärtigen Universitäten, wie Bern und Graz, kamen Unterstützungen. Da sei es denn auch Pflicht des Staates und vor allem der hiesigen Vereine, von denen der Bürgerverein mustergültig voran- gegangen sei, und jedes einzelnen Bürgers, fein Scher,lein beizutragen. Das Museum solle nach seiner Vollendung Liebigs Originalschriften, Silber, die mit seiner Tätig- keit und seinem Privatleben in irgend einem Zusammenhang stehen, Briefe usw. enthalten, es soll also eine Zentralstelle für alle Liebigerinnerungen werden. Mit einem Aufruf zur Mitarbeit und einem lvarmen Appell an den hochherzigen Sinn der Liebigverehrer, denen auch das herrliche Denkmal in der Ost-Anlage zu verdanken sei, schloß Pros. Dr. Sommer seinen mit großem Beifall ausgeiwmmeneti Vortrag.
24uslanO,
Das österreichische Abgeordnetenhaus verhandelte am Donnerstag über einen Dringlichteitsantrag Beer, betressend die Ermäßigung der Frachtsätze für böhmische Braunkohlen. Der Eisenbahnminister Ste die Aufhebung des 2 Heller-Tarifes für den Braun- lentransport nach dem sächsischen Grenzgebiete und zur Elbe zu und betonte, daß die Braunkohle in Deutschland nickt nur gegenüber den englischen und schlesischen Kohlen, sondern insbesondere auch gegenüber den deutschen Dritettsabrileu eine schwere Konkurrenz zu bestehen habe.
Heer und Flotte.
Kiel, 15. Dez. Von verschiedenen Seiten wird gemeldet, daß die Linienschisfe „Schwaden" und „E l - saß" gestern abend in der Kieler Bucht infolge Nebels zusam menge stoßen seien. Der Schaden soll ganz unbedeutend sein.
Dcutichc» ZUid?.
AuS dem Wahlkreis Wetzlar-Altenkirchen wird gemeldet: Der fortschrittliche Kandidat für das Reichstagsmandat, Pfarrer Gros, hat wegen einer Operation, deren Folgen chm noch dringend Schonung auserlegen, feine Kandidatur niederlegen müssen. Die fortschrittliche Voli'spanei hat an seiner Stelle Professor Dr. Schloßmann, den vorstehenden Arzt der Düsseldorfer Städtischen Kinder- tlüdr, als Kandidaten ausgestellt. Schloßmann hat zugesagt.
Aus Metz wird berichtet: Das Organ der Lothringer unabhängigen Partei „Der Lothringer" gibt bekannt, daß es am 3L Dezember 1910 fein Erscheinen ein stellt.
An- Stadt nnd Land.
Gießen, 16. Dezember 1910, AuS der Sitzung der Stadtverordneten.
Die letzte Sitzung in diesem Jahre stand unter dem Einfluß des bevorstehenden Weihnachtsfestes. Sie verlief sehr friedlich und brachte keine wichtigen Beschlüsse, wenn auch mancherlei interessantes vorkam. Das wichtigste und erfreulichste war wohl die vom Oberbürgermeister Mecum gegebene Uebersicht über den Stand der städtischen Finanzen, die großen von der Stadt in den letzten 10 Jahren gemachten Aufwendungen und städtischen Werke und die voraussichtliche Entwickelung der nächsten Jahre, eine Entwickelung, mit der die Bürgerschaft wohl zufrieden sein kann. Tie Abschiedsworte, die Oberbürgermeister Mecum den beiden mit Schluß des Jahres ausscheidenden Stadtv. Brück und Dr. Biermer widmete, werden in weiten Kreisen Zustimmung finden, ebenso auch das vom Stadtv. Grünewald dem Oberbürgermeister, der gestern auf eine zehnjährige Tätigkeit an der Spitze der hiesigen Stadtverwaltung zurückbüuen konnte, ausgestellte Zeugnis, daß er allezeit fleißig im Dienste der Stadl gearbeitet habe. Scharfe Tone gab es nur, als Stadtv. Grünewald und Oberbürgermeister Mecum die abrüLigcn Bemerkungen des Abg. Dr. Glässing über die von Der Stadtverordnetenversammlung an die 2. Ständekammer abgesandte Eingabe $ur Städteordnung zurückwiesen. Das sachliche Ergebnis der Verhandlungen finden die Leser im Sitzungsbericht.
fällt auch seine Bekanntschaft mit Platen, mit dem fintf* innige Freundschaft bis zu Platens Tode verband. Die ba* malige Demagogenhetze war die Ursache, daß er die Unix versität Erlangen verlassen mußte. Durch die Unterstützung des Großherzogs Ludwig I. konnte er feine Studien irr Paris fortsetzen. Hier trat er, hauptsächlich auf die Fürsprache Alexanders von Humboldt und des Drof. Schulz aus Gießen, in nahe Beziehungen zu G. ßuffac, dem berühmten französischen Chemiker und Physiker. Und auch Lüssac war es, der Alexander von Humboldt darauf hinzuarbeiten bewog, daß Liebig einen Lehrstuhl an der Landes- Universität zu Gießen erhielt, wo er von 1824—1852 blieb. Die glänzenden Erfolge Liebigs auf dem Gebiete der Chemie in dieser Zeit sind bekannt. Das Gießener Laboratorium war weltberühmt und nach seinem Muster sind die chemischen Laboratorien anderer Universitäten eingerichtet wor- oen. Seine letzten Jahre verlebte Liebig in München. — Arckitekt Burg setzte kurz die baulichen Verhältnisse des Liebigwboratoriums auseinander. Er faßte zusammen, was vorher schon teilweise Professor Sommer in der Erklärung seiner vorgeführlen Lichibicker angedeutet haue.
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— Tageskailender für Freitag, 16. Dez.: Stadttheater; „Durchs Ohr" und „Erster Klasse.- Aniang 8 Uhr.
**VomGroßh. Hof. Finanzminister i.P. Gnauth nahm am Mittwoch an der Fruhstüastasel im Neuen Palais zu Darmstadt teil.
** I n der nichtöffentlichen Sitzung b er Stadtverordnetenversammlung wurde die Stellung des Polizeisekretürs dem Krümmaiwachtmeilter P j e s s e r übertragen.
** Der Abschluß des städtischen Gaswerks für 1909/10 liegt jetzt vor, er schließt nach Abzug von Verzinsung und Scl)üldentilgung mit einem Reingewinn von 80 526 Mk. ab gegenüber 87 376 Mk. im Jahre vorher. Ter Gasverbrauch [teilt sich auf 2 053 650 Rm und hat gegen 1908/09 eine Zunahme von 25 400 Rm erfahren. Dte Produktion verteilt sich wie folgt: Privatbeleuchtung 610 000 Rm, Straßenbeleuchtung 3U3 000 Rm, Koch-, Heiz- und Motorgas usw. 935000 Rm, für Zwecke und Werte 60 000 Rm. Der äidft entfällt mit 143 OOu Rm auf Verdich» tung und Verlust. Den größten Bedarf an Gas brachte Der 18. Dezember 1909 mit 9020 Rm, während der durch-» schnittliche Tagesbedarf nur 5625 Rm aus macht. Am 1. April 1910 waren an Gasmessern vorhanden für Zwecke der Beleuchtung 2184 Mk. und für wirtschaftliche, geioerb- liche und industrielle Zwecke 3047 Mk. Unter den 3047 Verbrauchern, die Gas zum Preise von 13 Pfg. für den Rm beziehen, befinden sich 1000, die fein Leuchtgas abnehmen. Das Rohrnetz des Werkes hat eine Länge von 58 Kilometer. Die Zahl der Straßenlaternen betragt 813, während vier Petroleumlaternen vorhanden sind. Die vor einem Jahre an 100 Laternen angebrachten Fernzündappa, rate Haden sich gut bewährt. Der Kohlenbedars des Werkes betrug in 1909/10 6832 Tonnen gleich 136 643 Zentner, die mit Fuhr lohn und Fracht eine Ausgabe von 146 768.84 Mark erforderten.
** Fleisch abschlag. Der Preis für Kälber ist itf den letzten Wochen erheblich herunter gegangen. Gute Ware wird jetzt unseren Metzgern mit 60—70 Pfg. ben Zentner Schlachtgewicht angeboten und ist nur schrver an» zubringen, weil das maffemjajt an den Markt kommende Geflügel und Wild den Verbrauch des übrigen Fleisches herunterdrückt. Unsere Metzger haben injolgebefien teil» weise einen Kalbfleifchabschlag von 80 auf 76 Pfg. eintreteui lassen.
** Quellwasserleitungen haben von den Landgemeinden des Kreises Gießen 79 bisher 56. In ben nachstehenden 10 Orten steht die Schaffung von Wasserleitungen unmittelbar bevor: Albach, Allendorf a. b. Lumda, Birklar (Inheiden), Göbelnrod, Grüningen, Mein-Liliden (Gießener Werk), Langsdorf (Inheiden), Rabertshausen, Steinheim: (Inheiden) und Nteder-Besstngen (Inheiden). ES fehlen bann noch folgende 13 Gemeinden: Allertshausen, Dorf-Gull, Garbenleich, Harbach, Heuchelheim, Holzhenn, Lindenstruth, Ober-Hörgern, Oppenrod, Rodheim b. Hungen, Ruttershausen, Stockhausen b. Grünberg und Saasen. Diese Gemeinden sollten alles daransetzen, schon im Interesse dev
frohen WethnachtSwunsch btc Sitzung. Die nächste Sitzung Un neuen Jahre findet am 10. Januar, nachm. 2 Uhr, statt.
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Mg. Dafsermanu in Drannfchwelg.
Der Reichstagsabg. Bassermann hat am Mittwoch abend kn Überfüllter Versammlung in Braunschweig gesprochen. Wir geben aus dem Bericht der ^Draunschw. Landesztg." die Stelle über die Wahltaktik der nationalliberalen Partei hiebet:
Wir müssen unter allen Umständen und mit aller Schärfe: ßrwnt machen gegen das Anwachsen der roten Flut, andererseits aber bemüh: sein, mit der Forts chr i 11 l ichen Volks- v a r t e i uns über die Aufstellung der Kandidaten -u einigen, weil bei Aufstellung von zwei liberalen Kandidaten vermutlich keiner in die Stichwahl gelange. Viel Bettrauen bringt Dasser- jmann dem Reichskanzler entgegen, der jetzt durch dis scharfe Absage an die Gefolgschaft deS £)erm v. Heyde- brand doch damit Ernst machen wolle, sich nicht von der schwarz- blauen Mehrheit lediglich ins Schlepptau nehmen zu lassen, auch liebe Schulmeisterung von dieser Seite sich verbitte. Allerdings fügte Wassermann hinzu, daß von letzt ab der Reichskanzler ganz andere Wege eüijchlagcn mülie. In erster Linie müsse die Regierung dafür sorgen, daß die Einmischung der Verwaltungs- junb Staatsbeamten in die Wahlgeschäste (tme sie in Cftelbien iund auch sonst hauptsächlich in Preußen üblich sind) ein für allemal Unterbleiben, und Ballermann sieht nicht mit Unrecht in vieler Einmischung einen Hauptgrund dafür, daß die Sozialdemokratie jein en ungewöhnlichen Zuzug von Mitläufern bekommt. Ferner imüsse sich die Regierung unter allen Umständen dazu verstehen, wenn sie über den Parteien stehen wolle, den Liberalismus mit» ^arbeiten zu lassen und eine ehrliche und gerechte liberale Politik SU treiben. Die weiteren Ausführungen Bassermanns gipfelten sm der Aufforderung, die Unzufriedenheit im Volko glicht mehr weiter zu schüren, sondern alle liberalen Skräste zu sammeln zum Kampfe, der und bis zu den nächsten Wahlen bevorsteht.
21us Hessen.
Der Borstand des katholischen Lehrerver- eins für das Großherzogtum Hessen hat an die hessische Zweite Kammer das folgende Ersuchen ge- gerichtet:
,^>obe Zweite Kammer der Land stände wolle in Artikel 43 der Städteocdnung und in Artikel 47 der Land- gemeitrdeordnung die Wählbarkeit der Lehrer an Volksschulen in die Gemeindevertretungen beschießen".
Huartier. Wir hatten die Säbel gezogen, ich ritt vor meiner Kompagnie. Da erreichten wir das Haus. Die Damen hatten die Jalouslen vorgezogen und sahen vorsichtig hindurch auf uns herab. Sw wollten vom großen Publikum nicht gesehen fein Ick konnte mirs nicht verbeißen, ich faluticrte mit dem Säbel Hinauf. Da warfen vier Frauen Hände in der Erregung des .Augeiiblicks die Jalousien zurück und winkten mir auf das Leb- hasteite Abschicdsgrüße zu. — Ich habe die Damen nie wieder- gesehen.
Und nun rasch zurück auf unseren Rendezvous-Platz bei Orme am 7. ^ezember. Wir müssen vorwärts nach Tours oder sonst wohin. Weick-cre Gefühle dürfen uns nicht beherrschen, die taugen Tür den Soldaten nichts. Wir marschieren. Es begegnen uns Ichon^nneder offene Wagen mit verwundeten bayerischen Ossi-irren und Soldaten. Das unglückliche 1. bayerische Korps hat schon am L. Dezember allein bei Villezion gefochten und ist sehr hart mitgenommen Heute ilt es wieder allein im Kampf gewesen und wir ecken ihm zu HUse. Die verwundeten Offiziere sitzen und liegen bei der Kälte bleich und erschöpft in den Wagen. Man wagt gar nicht, sie anyirebcm Wir werden schon sehen, was da vorne los ist.
Unser Weg fühtt uns über Coulmiers, das Gefechtsfeld des 1. bayerilchen Korps am 9. November. General v. d. Tann mußte lich ui der Abenddämmerung vom Gefechtsfelde — unoerfolgt — zurück ziehen. Das führte zur Räumung Orleans mtd die Franzosen hatten ihren ersten „Sieg", den sie heute noch feiern, wie den eieg über die 22. Division bei Pougry, da wir das Schlachtfeld in ber Nacht räumten. Die Franzosen suid besck>eiden in ihren Riegen und in iljrat Siegeserinnerungen, sie feiern heute noch diese und ähnliche Siege mit großem Lärm. Darin sind sie uns guten Michel um em paar Nasenlängen voraus. Wir reden viette-lcht einmal darüber bei einer anderen Gelegenheit.
Aui Abend sind wir in Charsonville, ein großes Dorf oder Städtchen, das ,ich zu beiden Seilen der Straße lang hinaus-icht. ^ter werden wir einquartiert. Wie maus uns vorausgesägt hatte, io wars. Hier krähte kein Hahn mehr, vielweniger bruttte eine itub. Mt Einwolmer waren gcstohen und hatten die letzten Lebensmittel mügejiammcn. Auch wir hatten nur noch Spuren von Eßwaren.^ 2ttn Vvrmtttage hatten wir lange Zeit gehabt, zu srüh- lmcketi. «n den unergründlichen Mägen war alles verschwunden. Es tragt ,ich da auch am leichtesten. Leichtsinnig waren wir ja. Jian ivuute auch nw, ob man nach Stunden noch lebte unb deshalb aud) tot jeber das Seute, um nicht etwa zu kurz zu kommen. Mit Dem Sianee wars auch so eine Sache. Früher wurde immer retchlui) gebrannter Kapee geliefert, dazu hat.en wir eigens zu oem Jwett mttgebrachte .staf,eemühlen, um dm ttasiee zu mahlen. Jene hatten lange Dienst getan, aber bann ftreiteii sie und eine nacQ oer anderen flog als unnützes Möbel in den Straßengraben
jc-ün uurben auf einmal in Ermangelung von gebrannten Lohnen, ungebrannte gelte,ert. In dm uns feindlich geiinnten iKtyen fanden nn)ere Burgen keine Kassceorenner. Sie nahmen w üan öioea die Pjanneutuchenpsamien. Die Bol-iien wurden
Oat, "cktts Fett, das in den Pfannen hing, hüllten noa> M üie, una^ndetten Kaftcebvhnen ein. Zum Mahlen wurden ]ie io auf den Tuch ausuebdettet ppd mit eurer geke.rten, ikouo&uu
stasche bearbeitet. Dadurch wurden die ungaren Bohnen platt I gedrückt unb so groß wie ein P,ennigstück. Aus bic)ein Material' mürbe durch Ausgietzen von kochendem Wasser eine grünlich braune' Brüde gewonnen, die unsere Burichen mit wenig Versländnis für Die Sache, Kaffee nannten. Vor einer solchen Brühe saßen wir an bief em Abend unb gedachten des gestrigen, so fetten Tages.
Ta fahren zahlreiche Batterien im tiefen Dunkel an unserem Hause vorbei unb zwischen das Getöse der Mder mischt sich das klägliche Blöcken von Schafen. Wie ein Blitz bin ich draußen, mit raschem Griff habe ich einen Hammel am Hinterbein. Jch Zliehe ihn durch die Haustür in ben Flur, hilfreiche Hände nehmen mir ben Hammel ab, ber nach einer halben Stniide sck>on zerlegt am Haken Ijängt. An diesem Abend konnte bas Hammelfleisch nicht mehr fertig werden, aber für morgen früh mußten wir Bouillon haben statt Kaffee unb gares Fleisch zum Mttnehmen.
Ich lasse den größten eisernen Tops bes Hauses mit Wasser auf bas Kaminfeuer stellen und so viel Fleisch hinciittun, wie lstneingeht. In französischen Quartieren war immer bas Brennholz rar, man ging trotz der Kälte sehr sparsam damit um. Auch Daran waren wir nicht gewöhnt. Ick hatte nun Hutten im Hose einen Scl/wei ne stall im Fachwerkbau gesehen, nehme zwei Bursä-eii mit, lasse die Lehntwäiide aus den Gesack-en schlagen, hinterher die kurzen Riegel unb dieses feste trockene Eicheiihvlz um den schon ins Sieden geratenen Kessel herulnlegen. Ich Durfte hoffen, baß dies Holz utehrere Slmtden brennen würde, bann mußte auch der Hammel gar fein. Wir hatten gleichzeitig eine warme Stube. Auf einer Streu rings um den Kantin legten wir uns sckstasen. Daß die ganze Einrickstung feuergefährlich war, kümmerte uns nicht.
Am anderen Morgen galt mein erster Blick dem Topf. Er Mar kalt, bie Bouillon bildete eine einzige Geleemasse, in der das Fleisch steckte. Nun ihr Burschen, Feuer unter den Tops! In iurzer Zeit hatten wir eine roammelbouckum, mit der man ttnodjen zufammeicheilen koiutte. Das Fleisch nahmen wir zum Frühstück mit.
Solche Dinge müssen er&äblt werden, damit das heutige Geschlecht begreift, was ein energisch geführter Krieg für Opfer verlangt von den ^Kriegsteilnehmern. Heule droht in Folge von Nahrungsmangel der Tod durch Erschöpfung unb am selben Tage aoch der durch Pulver und Blei. Wie viere mögen zugruiide gegangen sein, die energielos nur von Hunger unb Erschöpfung sprachen und sich nicht selbst halfen. Gestern war uns nock) mit» geteilt, da,; wir uns selbst tinuidjft mit Lebensmitteln versorgen sollten. Damit war gesagt: wir können nichts liefern, helft Euch selbst!
. Die Hammelbouillon im Magen, sahen wir den kommenden Ereignissen mit einem gewißen Vertrauen entgegen und das war notig, es flanD uns em fast immer Dag bevor. Tas sat>en mir )>d)jan an den Wiitd mühten, fu-on seit Den Lu ob erlagen wußte das auä) der eiii,OQ>,te Soi-dat. Drehten sich die tymgei lustig im Winde, bann hatten mir feinen Zusammenstotz mit dem Feinoe zu erwarten, standen sie still, dann siet ganz, geioiß bald ber erste Schutz. Stauden die Bauern in den Dörfern, Die luir gestern panierten, in Gruppen auf ber Dorsftraße, warfen sie uns höhnische, spottende, Hatz- er.ullte Bucke zu, bann lasen wir ans den Gelichtern, marschiert chr nur, ba vorn werdet st« die Sckwernot irfm» ttueaeu.
Das traf heute wieder alles zu. Irgendwo biegen wir bett der Straße linls ab und marschieren an er selbe in über flaches Gelände, das teilweise mit Reben bepflanzt ist. Bald schon tannen wir die feindliche Stellung erkennen, Sckfrapnells krepieren immer wieder für uns unschädlich hoch in der Luft. Trotz einem vorüber^ gehenden Schneefall erkennen wir die Steilung des Gegners immer Deutlicher. Die Bayern sind links von uns, sie stehen un Zentrum. Rechts von ihnen marschieren wir an, links von den Bayern bei Beangency an der Loire, ficht die 17. Division. Die 22. Division zählt vielleicht noch 3—4000 Mann Infanterie, das 1. bayerische Korps v. d. Tann ist noch mehr zusammengeschniotten und wird nach diesen schweren Tagen zurückgeschickt nach Ärtenais, mm fick) dort in Ruhe zu erholen, es ist nicht mehr kampffähig. Die 17. Division war sicher noch am fiärfften. Man Hal offenbar großes Vertrauen zu ber Armeeabteilung, denn sie marschiert eben dem französischen 16., 17. und 21. Korps entgegen, die Stellung genommen haben hinter der Straße Beaugency an ber Loire bis hinauf bis Binas. Die Franzosen haben den großen Wald, bert Marche noir im Rucken, in den sie sich im schlimmften Falle verkrümeln können. Die französisck-e Armee nhrb geführt von dech energischen General Chancy, sie tst dreimal stärker als wir.
De^- Uurück -um Bataitton. Unsere ArtiUerie jährt neben, und au, und feuert Vor uns in einer Senkung an der Straße liegt das Dors Erayant. Wir sehen alle, daß französische Infamer« durch die Sieben hertuttersteigt unb sich diesem Dorfe näherte, auch Batterien fahren drüben auf, um das Vorgehen ihrer Jnsanteris zu decken. Wir haben den Auftrag, EravaM zu besetzen, wir müsse» also versuchen, vor der französisck-en Infanterie hineinzukomme» Wer zuerst drin ist, ist Vieister.
Das 2. und Füstlierbaialllon unseres Regiments marschiert in weiten Abständen rechts von uns. Wir sind wieder in ber unglückseligen Kolonne nach der Mitte, die vier Kompagnien beS Bataillons bilden einen nicht zu quadratischen Hausen, dicht zw« fammengebtängier Menschenleiber. Wir können uns diese vorzüg, liebe Scheibe für die feiiidlichc Artillerie immer noch nicht abgt< wohnen. Sie hat ein alles Gewohnheitsrecht bei uns.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u.Wissenschaft. Tie öOiähnge Tollorfubelieler begeht am 18. Dezember der Pro- iessor der klassischen Phstologie an ber Universität Freiburg L B; Diel). Hoi rat Dr. pbil. Bernhard Schmidt. Pro iessor Schmidt, em geborener Jenenser, steht un 74. Lebensjahre. Ter Gelehrte gedenkt am 1. Apnl n. I. in den Ruhestand zu treten. — In Köln ist der einer, ord. Proiessor der Geodäsie an der Technischen Hoch- schicke in Braun schweig. Geh. Holrat Dr. phü. Karl Koppe, gestorben. Er war am 9. Jaiiirar 1844 zu Soest in Äest'alen geboren und trat _19u7 anfl Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand. Als -itglteb der Sonnenfulsteriiis-Expedinon nach Ostüidien (1868), als Ingenieur bei dem Gotthardbaynbau, als 'Dhtglieb des Aus- schuses für inleri.anonale Eidmessung unb als Riitgued deS wissen- schacklichen 'Ausschusses für den Bau der ^ungfraubahn tst Tr. Hoppf ivett bekannt geworden. — Ter deutsche Techniker-Per» band halt im Jahre 1911 im Rahmen der Jmernattonal«< pygiene-AussleUnng in Dresden seine Wand er-Versammlung ab, die vom L bis 6. Juli bauert.


