das unbedingte Recht aus offene Auskunft hat, solche Me- mente von sich abschütteln kann, falls sich die Wahrheit der Wcberschen Angaben bestätigen sollte.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 3. Sept. 1910. Bom Manöver.
DaS Artillerie-Regiment Nr. 27 übte vorgestern bei Großen- Buseck und Steinbach, wo es von dem Korpskommandeur von Eichhorn besichtigt wurde. Gestern rückte das Regiment ostwärts und bezog auf einige Tage in Ettingshausen, Harbach, Münster U»rd tlmgegend Quartier. Heute beginnt bei Grünberg das Brigadeexerzieren im Verein mit den 61er, die gestern bei Ober- Ohmen angekommen sind. Bei der 41. Infanterie-Brigade weilte in dm letzten beiden Tagen der Korpskommandeur: das Regiment Nr. 87 hatte am Mittwoch Regimentsbesichtigung, der auch Fürst Karl von Lich beiwohnte. Am Donnerstag fand die Besichtigung der 88 er statt. In Lich veranstalteten die 87 er gestern eine Sedanseier, bei der die Kapelle des Regimentes spielte.
Gestern hat das B r i g a d c m a n ö v e r bei Birklar seinen Anfang genommen. Tie 21. Kavallerie-Brigade ist hier ein- gctroffen. Der Stab der 24 er Dragoner lag vorgestern in Friedberg, das Regiment war in Friedberg und Umgebung int Quartier. Auch die 6er Dragoner liegen in der nördlichen Wetterau. Das Scharfschießen der Regimenter Nr. 25 und 61 im Brigadeverband unter Hinzuziehung eines halben Bataillons schwerer Feldhaubitzen Nr. 3 fand nördlich von Lauterbach statt.
Tageskalender für Sonntag den 4. September: Kincmatograph: Neuer Spielplan.
Biograph: Neuer Spielplan.
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— Kammerherren. Der Großherzog hat den Kammerjunker und Amtsrichter Dr. Willy v. Becker zu Homberg a. d. O., sowie den Kurdircktor Major a. D. Wilh. Freiherrn v. Starck in Bad-Nauheim zu Kamnwrherren ernannt.
• • Ruhestandsversetzung. Der Großherzo g hat dem Forstmart der Forstwartei Winterstein, Förster Wilh. Frank zu Forsthaus Winterstein, aus Anlaß seiner Verletzung in den Ruhestand daS Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
• • Zahnärztliches Institut. Die Stadt hat dem Verein hessischer Zahnärzte zur Errichtung einer zahnärztlichen Klinik das ebenfalls im städtischen Besitz befindliche Baracken-Auditorium der alten Klinik zur Verfügung gestellt. Weiter hat sich die Stadt bereit erklärt, das Gebäude für seinen neuen Zweck instand zu setzen und für den Betrieb des Instituts einen jährlichen Zuschuß von 1000 Mk. zu leisten unter der Bedingung, daß dafür die Zahn- und Mundpflege der Volksschulkinder kostenlos übernommen wird. Der Verein der hessischen Zahnärzte übernimmt die Kosten der Einrichtung und des Betriebs. Man hofft bestimmt, daß der Staat für das Fach eine Profeffur errichten wird, damit die Landesuniversität nicht hinter anderen deutschen Hochschulen zucücksteht. Das neue zahnärztliche Institut soll am 1. November eröffnet werden.
* * Feuerbestattung. Unter den zahlreichen Anhängern der Feuerbestattung besteht die Absicht, in Gießen einen Verein ins Leben zu rufen. Zu diesem Zwecke wird in der zweiten Hälfte deS September eine Versammlung einberufen werden. Nach Rücksprache an maßgebender Stelle würde die Stadt bereit sein, aus dem neuen Friedhose alle Einrichtungen für Leichenverbrennung umgehend zu treffen, wenn ihr eine Verzinsung eines angemessenen Teiles des dafür aufgewendeten Kapitals gewährleistet ivürde.
•• Die Straßenbahn beförderte im August 101 162 Personen, darunter 1573 städtische und 789 Postbeamte. Die Frequenz belief sich durchschnittlich auf 3263 Personen. Die stärkste Frequenz hatte im abgelaufenen Monat Sonntag, 21. (Wiesecker Kirmes) mit 6210 Personen und die sch,nächste 'Benutzung ivieS der letzte Tag mit 2371 Fahrgästen auf. Seit dem Bestehen der Straßenbahn (also in 9V3 Monaten), sind im ganzen 1 005 791 oder täglich durchschnittlich 3579 Personen befördert worden.
** Rudersport. Am Bootshaus der Gießener ,.Ru d e r - Ge s e lls ch a <f t herrscht nach kurzer Zeit der 'Ruhe wieder allabendlich reges Leben. Es gilt Vorbereitungen für das Abrudern zu treffen, das'am Sonntag, 18. September stattsindet. Es sind dafür 3 Rennen und 1 Dauerrennen ausgeschrieben und Wasserspiele und Wett schwimmen in Aussicht genommen.
•* Außer Verfolgung. Der wegen Erpressung und Bedrohung vor 14 Tagen in Hast genommene Schreinergeselle Heck Hierselbst wurde wegen Geistesgestörtheit außer Verfolgung gesetzt.
•• Wegen gemeinsamer Bekämpfung der 'Mäuseplage findet heute abend eine Besprechung in der Haubach'schen Wirtschaft (Rodheimer Straße) statt/ zu .der alle Grundbesitzer der Gemarkung Gießen eingeladen sind.
A Garbenteich, 2. Sept. Ein neues Industrie- -werk ist hier nn Entstehen begriffen Am Walde nach Dorf Gill zu hat eine Aktietrgesellschast wertvolle Bodenschätze qe- fuitbcn, die angeblich Phosphor und Kreide enthalten und 'zu Düngemitteln u. bergt sich eignen sollen. Es sind schon einige Stollen und Brunnen gegraben und das Material zum Bau eines Maschineichaus ist angefahren. Gutem Vernehmen nach wird es jetzt auch mit der Verlegung der Güterverladestelle nach dem . östlichen Ende des Dorfes ernst.
sch Lich, 2. Sept. Heute weilte Staatsanwalt Trümpert aus Gießen hier und ließ durch das Amtsgericht zahlreiche Vernehmungen vornehmen. Wie man hört, handelt es sich dabei um eine Anschuldigung wegen Meineides gegen einen Arbeiter, der in einer Körperverletzungssache den Angeklagten durch seine Aussage zu Unrecht belastet haben soll. Der des Meineides Verdächtigte wurde in Haft genommen.
(!) Hungen, 2. Sept. Heute nachmittag wurde seitens der hier im Quartier liegenden 4. Kompagnie des 87. Jnf.- Regts. auf dem sog Galgcnberg eine wohlgelungene Sedanseier veranstaltet. Mit Musik zog man auf den Festplatz, wo dann Major Seib eine Ansprache an die Versammelten hielt. Hierauf sanden allerlei Volksbelusti- gungeri, Musikvorträge, Spiele und ein kleines Tänzchen statt. Bei Freibier und gespendeten Zigarren herrschte ein fröhliches Treiben, bis bei einbrechender Dummerung die Musik zum Aufbruch rief und ein lustiger Zug unter Sang und Klang den Festplatz verließ und durch unser Städtchen
Heute abend findet im jSaale der „Traube" eine weitere Feier zur Erinnerung an Sedan statt.
A N Leder-Bessingen. 2. Sept. Die Einweihung unseres Schul ha useS ist auf den 25. September festgelegt.
A Ober-Mock st adt, 2. Sept. Die S a m m l u n g für die beim Bankkrach Geschädigten hat insgesamt 34 000 Mk. ergeben, darunter beftnben sich besondere Samm
lungen für Hkitglieder der Kriegerkameradschaft „Hassia" nnd für Feuerwehrleute. Von den Hassia-Vereinen sind 5400 Mk. eingegangen, 420 Vereine haben dazu beigesteuert. In allen Teilen Hessens ist gesammelt worden, am meisten hat der Kreis Dieburg getan. Die Mitglieder des Kreditvereins Ober- Mockstadt, die den vollen Vorschußbetrag von 2300 Mk. be- Zahlt haben und Anspruch an den gesammelten Hilfsfonds machen, sollen sich bis zum 10. September bei den Bürgermeistereien ihres Wohnortes melden. Die Kapitalbeträge werben erst nach AuSgang des Konkursverfahrens ausbezahlt.
A Wendel, 2. Sept. Etwa 2 2 00 Hamster sind 1909 in unserer Gemarkung gefangen und bei der Bürgermeisterei gegen Bezahlung abgeliefert worden. In diesem 5do in in ec hat die Zahl der getöteten Schädlinge bereits etwa 1900 Stück erreicht. Für viele Leute, besonders Schulbuben, ist daß Hamitergraben eine lohnende Beschäftigung.
S. Offenbach, 2. Sept. (Wieder ein „Skandal".) Noch hat sich diie Erregung über das Vorgehen jzweier Beamten des Baupolizeiamtes gegen ihren Chef, den Beigeordneten Walter, den sie der Staatsanwaltschaft wegen angeblichen „Messens mit zweierlei Maß", also des AmtS- verbrechens, der Begünstigung denunzierten, nicht gelegt, und schon wieder kommt aus dem Stadthaus die Kunde von einer neuen ähnlichen Affäre. Der Hafenmeister Armbruster hat dem Bürgermeister eine Beschwerdeschrift über den Dezernenten des Hafenamtes, den Beigeordneten Kappus überreicht, worin er diesem beleidigende Aeuße- rungen über ihn, den Beschwerdeführer, zum Vorwurf macht. Die eingeleitete Untersuchung ergab aber, daß der Fall gerade umgekehrt liegt, daß nämlich der Hafenmeister über den Beigeordneten Kappus, seinen Vorgesetzten, in Gegenwart von Stadtverordneten in äußerst beleidigender Weise geäußert hat. Beigeordneter Kappus hat bei oenr Bürgermeister beantragt, die Akten über den Fall dem Kreisamt zur disziplinarischen Bestrafung zu übermiUeln.
! Mainz, 2. Sept. Gestern nacht u a r b der in Mainz und weit darüber hinaus sehr bekannte und angesehene Geh. Iustizrat Struve. — Von der Mainzer Stadtbrücke aus bot sich den Vorübergehenden ein schönes Bild militärischen Lebens nnd Treibens. DaS 21. Pionier-Bataillon veranstaltete eine Preis wettfahrt zwischen der Brücke und dem Pionier-UebungSplatze. Es müße z. B. der Rhein ohne Ruder, nur mit Stangen durchquert werden, oder ein ander Rial galt c8 sogar, nur vermittels des Steuers diese Leistung zu vollbringen.
W Frankfurt a. M-, 2. Sept. Heute nachmittag tötete sich der 40 Jahre alte Invalide Spensny auf dem Goethevlatz durch einen Schuß in den Mund. Tas Motiv der Tat ist unbekannt. — In der Eschersheimer Landstraße, wurde heute nachmittag ein älterer schwerhöriger Mann von der Straßenbahn erfaßt und zu Boden geschleudert, wobei ec sich einen Schädelbruch zuzog. Der Verunglückte ist aus dem Transport zum Krankenhause g e st orb e n.
Höchst a. M., 3. Sept. Die Stadtverordneten beschlossen, den Veteranen mit einem Einkommen bis 2100 Mk. im laufenden Jahre die Gemeindesteuer zu erlassen. -Eine dauernde Befreiung ist für später in Aussicht genommen.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. An typhusähnlichen Magen- und Darrn- krankheiten sind in dein benachbarten Dorfe Lutterberge bei Kassel einige 20 Personen schwer erkrankt, einige davon hoffnungslos.
Gießener Strafkammer.
) ( G i e ß e n, 2. Sept.
Eine Anzeige wegen unlauteren Wettbewerbs
brachte den Kaufmann M. Sch. von Friedberg auf die An- klagcbank. In den Anpreisungen des Angeklagten, der 95- Pfennigwochen, 8 Schürzen-Ausnahmetage u. dergl. veranstaltete, erblickte der Detaillistenverein einen Verstoß gegen ba3 Gesetz, weshalb er Strafantrag stellte. Er war der Ansicht, die Annoncen seien geeignet, das Publikum irre zu führen, da es nicht richtig sei, daß die von dem Angeklagten in sechs Serien angepriesenen Schürzen im Preise von 98 Pfennig an bis 2,25 Mark einen Wert von 1,75 Mark bis 5,50 Mark hätten. Ferner sei die Fassung der Annonce zur Irreführung des Publikums geeignet, die z. B. besagt: „Es ist mir gelungen, einige 1000 Damen- und Kinder schürzen spottbillig ein-ukaufen, die Preise ind bedeutend linier Herstellungspreis, daher nie wiederkehrende Kaufgelegenheit", und ferner: „Es kommen 3000 Damen- Mädchen, Knaben- und Kinderschürzen unter Herstellungspreis zum Verkauf". Nach den Sin gaben der Mitglieder des Detaillisten- Vereins, die sich durch Andere Waren aus dem Geschäfte des Angeklagten holen ließen, handelte es sich größtenteils um Aus- ckmßware, die in den meisten Geschäften nicht geführt werde So beispielsweise ein halbes Dutzend Taschentücher, das vermiedene Größen und Qualitäten aufwies: ein Weinservice, bei dem ein Glas fehlte, Porzellanwaren nut Flecken und Rissen, eine Waschgarnitur als „groß" und „gut" angepriesen, die in der Fabrikrechnung als „Nein" und „Ausschuß" bezeichnet ist llcbrigcnd bat der Angeklagte beim Bezug eines Waggons Steinguts 7? Ausschuß und Bruchware erhalten. Die Mitglieder des Detaillistenverems hielten die Annoncen für übertrieben und unreell, da man beispielsweise einen für 95 Pfennig den Meter bezahlten Cheviotstofs nicht als „prima gut" bezeichnen darf: cbenlo sei der Ausdruck „nie wiederkehrende Gelegenheit" unrichtig. Andererseits wurde von Zeugen angegeben, sie seien mit den Waren zufrieden nfb sic seien preiswürdig. Die Gutachten der Sachverständigen gingen auch sehr auseinander. Während der Vorsitzende des hiesigen Detaillistenvereins die Anpreisungen als bewußte unwahre Behauptungen bezeichnete, waren andere der Meinung, das Publikum sei nicht getäuscht worden, da tatsächlich viel unter dem Herstellungspreis verkauft worden fei: wenn die Sachen auch an Schönheitsfehler litten, bezw. nicht mehr modern feiert, so dürften sie trotzdem als „gut" bezeichnet werden, da sie den Käufern die nämlichen Dienste leisteten wie die anderen. Nach den Ausführungen der Staatsanwaltschaft ist unter der Bezeichnung „gute Qualität" auch tatsächlich gute, ehlerfreie Ware zu verstehen. Das Publikum glaubt für geringes Geld gute Ware zu bekommen und ist getäuscht, ohne eS zu wissen. Jedenfalls handle eS sich um unrichtige Bezeichnungen, die Ausschussware hätte nicht als gute Qualität bezeichnet werden dürfen. Von der Verteidigung wurde die Irreführung des Publikums bestritten, zum mindesten habe es der Angeklagte nicht wissentlich getan. Nackibem die Staatsanwaltschaft wegen eines Falles 500 und wegen zwei weiterer Fülle je 300 Mark Geld träfe beantragt hatte, wurde verkündet, dass das Urteil nächsten ftrerttig vormittag 8 Uhr verkündet werden soll.
Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit
wurde der Schneidergeselle H. O. von Ehringshausen wegen widernatürlicher Unzucht nach § 175, begangen an einem Schneider- lehrling, mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten belegt, worauf drei Wochen llutersuchungsliaft in Anrechnung kommen Einerseits wirkte straserschnierend der Umstand, daß in morn- Uscher Hinsicht auf den missbrauchten Jungen verderblich eingewirkt wurde, während andererseits die geistige Beschränktheit des Angeklagten, die ihn die schweren Folgen nicht überblicken, ließ, ftrafütiLhcnU) in Betracht kam.
Ein gewalttätiger Mensch
wurde in der Person des Schmieds H. P. von Schlitz vom Schöffengericht wegen Bedrohung in drei und weaen Hausfriedensbruchs in zwei Fällen zu 4 Monaten und 28 Tagen Gefängnis verurteilt. Ter Angeklagte suchte in einer Wirtschaft Streit und ohrfeigte einen Gast, weshalb ihn der Wirt vor das Lokal brachte. Er fam mit einem geladenen Revolver wieder und drohte den Wirt totzuschießen. Trotzdem er mit Hilfe der Gäste wieder hinausgebracht und ihm das Betreten des Lokals verboten wurde, kam er wieder. Am anderen Morgen früh kam er abermals und fragte die Wirtin, weshalb ihr Mann ihm das Lokal verwiesen habe, und drohte dabei, den Wirt zu erschießen. Der inzwischen eingetretene Wirt suchte den Eindringling los zu werden, uwem er ihm mit einem Metzgermesser blutende Verletzungen am Kopfe beibrachte. Dieses hinderte den Angeklagten, der tags zuvor wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt hatte, nicht, l^inc frühere Arbeitsstelle aufzusuchen und dort einen Arbeiter ebenfalls mit dem Revolver zu bedrohen. Da er flüchtig ging, erfolgte seine Verhaftung. Der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft fochten das Urteil an. Das Urteil wurde jedoch bestätigt, indem es bei der Anrechnung von 4 Wochen Unter' suchungshaft fein Bewenden behielt.
Vergehen im Amte
ist dem Briefträger G. R. von Frischborn zur Last gelegt. Er J’t geständig, vor etwa fünf Jahren ein an eine hiesige Kunsthandlung gerichtetes Kunstwerk und im Verlaufe der zwei letzten Jahre eine grosse Anzahl Brief- und Paketsendnngen unterdrückt zu haben. Durch einen Zinskupon, den er während seines Urlaubs bei einer Bank in Lauterbach einlöste, kam sein Treiben an den Tag. Im ^rühiahr letzten Jahres sandte der Vater eines Stu- denten seinem Sohn zwei Zwanzigmarkscheine und einige Kupons verschiedener Hypothekenbanken in Höhe von 33,25 Mk. in einem gewöhnlichen Bries. Da der Adressat nicht in den Besitz des Brieses gelangte, machte er Anzeige und erhielt später die Mit-- teilung, daß ein Koupon in Lauterbach eingelöst worden sei, und zwar in der Zeit, wo sich der Angeklagte in Lauterbach aufhielt.
loses gab der Behörde Anlaß, eine Haussuchung bei dem An- geklagten vorzunehmen, bei dem sich eine große Anzahl unter» oruffter Brief- und Paketsendungen vorfanden. Es wurde eine ' i m *wn Wertsachen, die teilweise aus den beraubten Briefen und Paketen stammten, beschlagnahmt, und der Angeklagte flüchtete, wahrend die Haussuchung stattfand. Er stellte sich aber später freiwillig und gestand zu, daß er beim Abstempeln der Briefe ein Kästchen, das ein goldenes Armband und eine Damenuhr enthielt, sich angecignet hat. Auf gleiche Weise ist er in den -oositz oiner Brosche gelangt. Er öffnete ferner zwei Briefe mit je zwei Messern und eine Sendung mit einem hiesigen Burschen- Ln Laufe des Winters eignete er sich etwa
40 Briefe, in denen er Wertsachen vermutete, an, öffnete sie und verwendete den Geld- und Markeninhalt für sich. Im Winter zuvor unterschlug er einen Brief mit einem Zehnmarkschein, zwei mit je 5 Mk., einen mit drei Fünfmarkscheinen und mehrere mit Jreirnarken, ferner einen Brief mit einem österreichischen Zehu- kronenschein und einen mit ausländischen Marken. Er gibt zu, ^uß er sich nicht in Not befunden hat, vielmehr hat er während dieser Zeit eine Spareinlage von 1400 Mk. gemacht: er behauptet aber, das Geld hätten seine Sohne verdient und es rühre nicht aus den Veruntreuungen. Die in seiner Wohnung gefundenen Briefe will er nicht in der Absicht, sie zu berauben,
'H°use genommen haben, er habe sie vielmehr aus Nachlässigkeit nicht ausgetragen und zu Hause aufgestapelt. Weder Not noch Habsucht hätten ihn auf die Bahn des Verbrechens gebracht, er weiß nicht, wie er dazu gekommen ist. Das Gericht zog den erheblichen Wert und die große Zahl der unterdrückten Sendungen straferschwerend in Betracht und es diktierte ihm 1 I a h r u n d 3 M o n a t e Gefängnis zu, worauf zwei Monate Untersuchungshaft in Anrechnung kommen. Ferner wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre abgesprochen.
(ßeridHsiaüL
r • m-. dingen, 2. Sept. Zwei Milchfrauen von Münster bei Bingen hatten sich wegen Milchfälschung vor dem Schöffengericht zu verantworten. Sie hatten an einen hiesigen Bäckermeister Milch geliefert, bie sich bei einer vorgcnommenen Kontrolle als gefälscht auswies. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, daß die Milch 20V3 Proz. Wasser enthielt. Der Staatsanwalt beantragte je 100 Mark Geldstrafe, das Gericht erkannte auf je 50 Mark Geldstrafe.
Nttlvcrsitätr-Nachriehten.
R. B. B r e s l a u. Die Ernennung des o. Professors an der Technischen Hochschule zu Darmstadt Dr. Rud. Kautzsch zum ordentlichen Professor für mittlere und neuere Kunstgeschichte art der Universität Breslau als Nachfolger von Prof. Mnther ist erfolgt. Prof. Kautzsch ist seit Ostern 1910 beurlaubt zwecks Bearbeitung nnd Herausgebung des Werkes „Kunftdenkmäler im Großherzogtum Hessen" und für die Einrichtung des Denkmalarchivs. Das Breslauer Lehramt wird er Ostern 1911 übernehmen.
Luftschiffahrt.
Angouleme, 2. Sept. Der Flieger Bielovucie, der gestern m Jssy-les-Moulineaux zu einem Fluge nach Bordeaux aufstieg und in Orleans eine Zwischenlandung vornahm, ist dort heute wieder aufgestiegen und hierher geflogen^ Die heute zurückgelegte Strecke beträgt in der Luftlinie rund 270 Kilometer.
Die Cholera.
Berkin, 3. Sept Hier wurden keine neuen chokera verdächtigen Fälle festgestellt. Auch in Spandau ist der Zustand der int Krankenhause befindlichen Personen ein guter: nur der Zustand des Desinfektors Neumann läßt zu wünschen übrig.
Rom, 2.. Sept. In den letzten 24 Stunden wurden in T rani drei Erkrankungen und drei Todesfälle an Cholera festgestellt, in Barletta zwei Erkrankungen und zwei Todesfälle in A n dria eine Erkrankung und ein Todesfall, in Mol- f c 11 a drei Erkrankungen, in C a n o s a di P u g l i a ein Todesfall, in Margherita bi Savoia fünf Erkrankungen unb ein Tobesfall, in Trinitapoli zwei Erkrankungen und zwei Twdesfälle, in San Ferdi nando zwei Erkrankungen und ein Todesfall.
Niutschwana, 2. Sept. Unter den Chinesen wurden einige TodesfäNe an Cholera festgestellt. Auch ein Japaner ist daran gestorben.
Konstantinopel, 1. Sept. Im Vilajet ErzEim sind am 29. und 30. August 12 Cholerafälle vorgekommen, von denen acht einen tödlichen Verlauf nahmen.
2>ermifcbte».
* Ein verunglückter Ueberfall wird aus Newyork gemeldet. In der Nähe der Stabt D i v i b e in Colorabv wurde ein Zug von 3 Banditen überfallen und zum Halten gebracht. Zwei der Räuber hielten durch ein Gewehrfchnellfeuer die Passagiere im Schach, während der dritte den Maschinisten zwang, den Postwagen zu öffnen. Der Lokomotivheizer lenkte jedoch für einige Augenblicke durch ein geschicktes Manöver die Aufmerksamkeit aus sich. Dieses benutzte der Lokomotivsülirer, den Räuber mit einem S t e i n nie d e r z u st r e ck e n. Die beiden anderen Räuber ergriffen darauf die Flucht, verwundeten aber den Ma- chinisten durch einen Schuss ins Bein.
* Ein gutes G e s ch ä f t. Man schreibt aus Wien: Welch ausgezeichnete Geschäfte der Fiskus zuweilen bann macht, mtiui er den Liebhabereien unb Geschmacksrichtungen des Publikums mtgcgenfonimt unb dieses zu freiwilligen Kontributionen zu ver- anlaficn weiß, zeigt bas Beispiel der neuen österreichischen! Jubiläu msbrief mar len, an denen der Staat bedeutende mummen fast ohne jebe Gegenleistung verdient hat. Die vom Volk kurzweg als „Jubelmarken" bezeschneten Poststiertzeichen cr-t


