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03/09/1910 Erstes Blatt
 
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schienen am 18. August, dem 80. Geburtstag Kaiser Franz Josefs, mit der Bestimmung, daß ihr Verkauf nur bis 1. September fortgesetzt werden sollte. Beim Wiener Hauptpostamt war aber der ganze Vorrat schon nach wenigen Stunden ausverkauft, und ebenso verlief das Geschäft bei den Aemtern der meisten Provinzialstädte, wo der .Ansturm des Publikums in kürzester Zeit mit den ver­fügbaren Vorräten aufräumte. Eine nennenswerte Gegenleistung Halle die Post dabei in den meisten Fällen nicht zu gewähren, weil die Käufer die Marken sofort ,,obliterieren", d. h. mit dem Tagesstempel entwerten ließen, um sie den Sanimlerzwecken dienstbar zu machen. Es waren zum Verkauf gestellt: an 1, 2, 3, 6, 12, 20, 25, 30 und 35-Hellermarken inrr je 100 000 Stück an 5-Hellermarken 7 Millionen, an 10-HelIermarken 7 800 000, an 50- und 60-Hellcrnrarken und Marken zu einer Krone je 70000, 2- und 5-Kronenmarken je 17 000 und 10-Kronenmarken nur 11000 Stück, was dem durchschnittlichen Verbrauch von zwei Tagen entspricht und einen Wert von 1 641000 Kronen darstellt. Außerdem standen Sätze der Jubiläumsmarken bis zu einer Krone und bis zu 10 Kronen zur Verfügung im Gesamt­wert von 350 000 Kronen, so daß der Postfiskus, der dafür nur wenige Briefe und Karten zu befördern batte, dem Sammelsport eine Einnahme von rund 2 Millionen Kronen zu verdanken hat. Da die Philatelisten noch immer in ihrer überwiegenden Mehr­zahl nur abgestempelte Marken sammeln, kommen diejenigen am besten auf ihre Rechnung, die ihre Marken nicht abftempeln ließen. Diese ungebrauchten Jubelmarken sind für den Handel kaum erreichbar und haben schon heut einen bedeutend höheren Wert als die abgestempelten.

* Ein kanadischer Großschiffahrtsweg. Kanada beabsichtigt, seine großen Seen durch einen Kanal mit Montreal zu verbinden, um den Wasserweg erheblich abkürzen zu können/ Diese große neue Wasserstraße würde 704 Kilometer lang werden und imstande sein, Fahrzeuge von einer Länge bis zu 183 Meter, von 18,3 Meter Breite und 6,1 Meter Tiefgang aufzunehmen. Durch die mit bedeutendsten Kosten unternommenen Vorarbeiten ist bereits festgestellt, daß im wesentlichen^ die natürlichen Wasser­läufe und Seen benützt werden können, so daß eine Strecke von nur 45 Kilometern ausgefchachtet werden muß. Die 39,8 'Kilo­meter lange Scheitelsohle ist 201 Meter über dem Lorenzstrom und 29,87 Meter über der Georgianbah gelegen. Auf der einen Seite werden 23 Schleusen von 1,5 bis 15,2 Meter Hubhöhe, auf der andern Seite Schleusen von 6,4 bis 8,8 Meter über^ wunden werden. Die Kosten des ganzen Schiffahrtsweges sind auf 100 Millionen Dollars veranschlagt; sie werden zunächst von einer Privatgesellschaft gi.ragen werden, der die kanadische Regierung Die Ausführung und spätere Ausnutzung überlassen hat.

Kleine Tugeschronik.

Die Haarkrankheit, die unter den Schulkindern des Berliner Vorortes Schöneberg aufgetreten war, kann als erloschen betrachtet werden, nachdem sämtliche erkrankten Kinder als ge­heilt entlassen worden sind. Maßregeln gegen ein etwaiges Wieder­auftreten der Epidemie sind vorgesehen.

Bei einem Rundzange durch den deutschen Dom in Berlin fand ein Beamter des Domes die blutüberströmte Leiche eines jungen Mannes im Vorflur; es handelt sich vermutlich um den städtischen Gärtnergehilfen Gärtig, der Selbstmord ver­ursacht haben dürste.

Nach dem Genuß von Rindfleisch sind in Herne 46 Personen an Vergiftungserscheinungen erkrankt. Auch in Langendreer ist eine Anzahl Personen erkrankt. Die Er­krankten wurden in bedenklichem Zustande dem Krankenhause zu­geführt.

In F r e i st e d t (Kreis Marienwerder) sind 23 Mann des 176. Infanterieregiments infolge Genusses von rohem Hack­fleisch unter Vergiftungserscheinungen erkrankt. Eine direkte Lebensgefahr besteht zurzeit nicht. Der Quartier­geber sowie seine Familienangehörigen sind ebenfalls erkrankt. Auch sollen in Riesenburg, woher das Fleisch bezogen worden ist, 30 Soldaten erkrankt dar niederlieg en.

In Börning, Sodingen und Holthausen sind Massenerkrankungen vorgekommen, deren bakteriologische Unter­

suchung Caratyphus ergab. Die Erkrankten, insgesamt 114, be­finden sich auf dem Wege der Besserung. Ursprünglich nahm man Fleischvergiftung an.

Von der Flut im Watt bei Lessens wurden zwei Knaben überrascht, .wovon es nur einem gelang, sich in Sicherheit zu bringen; der andere, ein Düsseldorfer, ertrank. D^ Leiche wurde später geborgen.

Der Brand des Karerseeho tels forderte, wie erst letzt bei den Abräumungsarbeiten entdeckt wurde, ein M en s ch e n - leben. Unter den Trümmern wurde die verkohlte Leiche eines Soldaten gefunden, der bei den Löscharbeiten verunglückte. Sein Verschwinden erklärte man bisher mit Fahnenflucht.

Aus einzelnen Gebieten Vorarlbergs treffen Nach­richten über Unwetterschäden und Hochwassergefahr ein. Infolge der andauernden Regengüsse sind überall die Flüsse und Bäche iml Steigen; teilweise sind bereits Straßen und Felder überflutet. Der angerichtete Schaden ist sehr beträchtlich.

Auf dem Ostende des Bahnhofs Langwedel fuhr nach amt­licher Mitteilung gestern 3 Uhr 13 vormittags der Arbeiter- zug Nr. 381 dem Güterzug 7646, welcher nicht zum Halten gebracht werden konnte, in die Flanke. Personen wurden nicht verletzt. Beide Gleise der Strecke Langwedel-Uelzen sind ge­sperrt. Der Personenverkehr für Schnellzüge wird umgeleitet, für Personenzüge wird er durch Umsteigen aufrecht erhalten., Die Störung wird im Laufe des heutigen Tages gehoben werden. Untersuchung ist eingeleitet.

Einem Telegramm aus Simferopol zufolge überfielen drei bewaffnete Verbrecher in einem Eisenbahnzuge einen An­gestellten der Petersburger Internationalen Bank und raubten 30 0 0 0 Rubel, die in einem Kissen eingenäht waren. Gestern wurden aus der Filiale der gleichen Bank in Sinelnikowo (Gouvernement Jekaterinoslaw) 64 000 Rubel geraubt.

Mit einer Schußwunde im Kopfe wurde eine junge Dame aus Triest namens Bardos tot in ihrem Hotelzimmer zu Dresden aufgefunden. Ihr Bräutigam, ein Student der tech­nischen Hochschule, wurde vorläufig in Gewahrsam genommen, da er möglicherweise als Urheber des Dramas in Frage kommt.

In Jglau in Mähren wurden beim Einsturz eines Neu­baues eine Anzahl Arbeiter verschüttet. Zwei von ihnen wurden tot, zwei andere schwer verletzt geborgen. Man vermutet, daß noch sieben andere unter den Trümmern liegen.

Heftige Wolkenb rüch e richteten im Koloczer Ko­rn itat durch Ueberschwemmungen ungeheuren Schaden an. In dem Dorfe Bacz sind sechzig Häuser eingestürzt; es sollen viele Menschen umgekommen sein.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Die Generalversammlung der Freien Vereinigung der Deutschen medizinischenFach presse findet am 17. Sept. 1910 in Berlin statt. Das Befinden von Joses Kainz soll nach einer Meldung aus Wien äußerst ungünstig sein. Die Aerzte planen eine abermalige Operation. Irr Landsberg a. W. ist am 31. Aug. der Direktor der dortigen Landes-Irrenanstalt, Geh. SanitätsratDr.nred.Hermann G o tf im 63. Lebensjahre gestorben. In Luxemburg wurde am 2. Sept, der Kongreß der Jnternationäleli G e nossenschaft für Literatur und Kunst eröffnet, der bis nächsten Montag währen wird.

Vörserr-Wochenbericht.

= Frankfurt a. M., 2. Sept.

Mit der Ultimoregulierung, die bei reichlichem Geldangebot zu 4%4 Prozent eine glatte^Erledigung gefunden hatte, ist wieder etwas zuversichtlichere Stimmung zum Durchbruch ge­kommen. Sie stützte sich darauf, daß die Besorgnisse, die man hinsichtlich der Entwicklung der G e l d v e r h ä l t n i s s e hegte, etwas zurückgedrängt wurden.^ Der Wettbewerb um die Gold- anfünfte in London hat vorerst an Schärfe verloren und die An­nahme, daß die Bank von England ihren Diskont erhöhen werde, hat sich als verfrüht erwiesen. Der Londoner Privatdiskont bewegt sich zwar immer noch über der offiziellen Rate, indessen fühlt die englische Bank sich stark genug, um mit der Diskont­erhöhung zu warten. Daß die Reichsbank nach den Erklärungen

in der letzten Zentralausschußsitzung ebenfalls noch keine Ver­anlassung sieht, ihren Diskont zu erhöhen, trug dazu bei, die Tendenz zu befestigen. Guten Eindruck machte, daß die New- Porker Börse trotz der unerhörten Vorgänge am Baumwoll­en arkte eine leidlich gute Haltung zeigte. Bestimmend dafür war, daß die industriellen Nachrichten in Amerika wieder etwas zu­versichtlicher lauteten. Die Fabriken aller Branchen berichten über ein Anwachsen der Aufträge, auch am amerikanischen Eisen- marft ist die Stimmung besser geworden. Menn dennoch die Spekulation in Wallstreet Zurückhaltung zeigt, so ist dies auf die ungeklärten politischen Verhältnisse und die Besorgnisse wegen der Tarifresorm zurückzuführen. Die Zuversicht der heimischen Märkte^ hatte eine wesentliche Stütze in den Meldungen aus dem Wirtschaftsleben, vor allem aus der Eisenindustrie. Nicht nur in Amerika, England und Belgien wird eine Besserung am Eisenmarkt konstatiert, die in Preiserhöhungen zum Ausdruck gelangt, auch an den heimischen Märkten hat das Geschäft sich belebt. Die Ausgestaltung des Rvheisen-Syrrdikats hat weitere Fortschritte gemacht und auch die noch außerhalb stehenden Gruppen werden schließlich zu einer Verständigung mit dem Syndikat kommen. Auch in anderen Industriezweigen, mit Ausnahme der Zemen.tindustrie, regt sich die Unternehmungslust und nimmt die Beschäftigung zu. Die zuversichtliche Stimmung wurde nod) ge­nährt durch Gerüchte über bevorstehende große Transaktionen in der Elektrizitäts-Industrie. Nachdem die Lahmeyer- werke an die Gruppe der A.-E.-G. Anschluß gefunden haben, wird nun auch das letzte große alleinstehende Werk, die Berg- mann-Elektrizitätsgesellschaft, Anlehnung suchen, wie angenommen wird, an die Siemens-Gruppe. Kommt die Vereinigung zustande, dann stehen nur noch zwei große Elektrizitätsgruppen in Deutsch­land einander gegenüber. Die Börse verspricht sich davon einen neuen Aufschwung und begünstigt demgemäß elektrische Werte. Neben diesen galt die Gunst der Spekulation Montan- papieren, von denen Phönix im Hinblick auf die zu erwarten­den sehr günstigen Abschlußziffern und Gelsenkirchener auf die bevorstehende Inbetriebnahme der neuen Werke in Lothringen- Luxemburg erhöhtem Interesse begegneten. Westeregeln Alkali gewannen 7 Prozent auf den guten Absatz der Kaliindustrie und Gerüchte über neue Verschmelzungen. Von anderen Industrie- papieren gewannen Verzinkerei Hilgers 4V2 Prozent, Kleyer 9 Prozent, während Höchster Farbwerke auf Gewinnrealisationen! 8 Prozent verloren. Lebhaftere Kauflust zeigte sich nach längerer Stagnation auch für B a n k a k t i e n und Schiffahrtswerte, während die Umsätze auf den übrigen Gebieten in engen Grenzen blieben. Privatdiskonto 39/16 Prozent.

Deckauf der Witterung seit gestern früh: Die nordwestliche Zyklone ist ostwärts nach Norwegen gezogen. Aus ihrer Vorder­seite war die vergangene Nacht anfangs klar, so daß infolge Aus­strahlung die Temperatur stärker sank. Beim weiteren Vordringen der Nordzyklone trat dann Trübung, Nebel und Regen ein. Es ist Fortdauer zu erwarten.

Wetteraussichten in Hessen am Sonntag dem 4. Sept. 1910: Wolkig und vielfach Regen, anhaltend sehr kühl.

Griginar-Drahtincldnngen.

Mannheim, 3. Sept. Das Luftschiff Z. 6, das heute vormittag 9 Uhr in Baden-Baden aufstieg, ist um 10.45 Uhr hier glatt gelandet.

Kiel, 3. Sept. Die Hochseeflotte, die gestern zur Einnahme von Materialien hier einlief, wird heute nach­mittag zur Fortsetzung der Herbstübungen nach dem Katie- gat in See gehen.

HÜBEST LE

Giessen, den 2. September 1910.

(O7245

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A

Im Namen der Hinterbliebenen: Familie Bocher.

Danksagung,

Für die vielen Beweise herzlicher Teil­nahme beim Hinscheiden unseres lieben

Herrn Christian Best

sprechen den tiefgefühltesten Dank aus

Aislasmg non SWnrschmbiMi.

Bei der für das Rechnungsjahr 1910 vorgenommenen Auslosung von Schuldverschreibungen der evang. Kirchen­gemeinde Gießen wurden nachverzeichnete Stücke zur Heim­

zahlung gezogen:

1. Von den 3 früheren Anlehen:

Don Lit. A = 50 Mark Nr. 67

B = 100 , 13, 42, 174, 213, 250

* 0 300 a u 30, 34, 85, 87

" ' D = 500 22, 96, 121, 205, 233, 286

" " E = 1000 , 31, 66, 145.

2. Von den späteren Anlehen:

von Lit. A = 100 Mark Nr. 61

, , B = 300 14, 28.

Die Rückzahlung dieser Schuldverschreibungen geschieht am 1. Oktober 1910 zum Nennwerte gegen Einlieferung derselben nebst den noch nicht verfallenen Zinsscheinen und zugehörigen Zinsscheinanweifungen bei der Bank für Handel und Industrie, Depositenkasse Gießen. Vom 1. Oktober d. I. in hört die Verzinsung der ausgelosten Schuldverschreibungen

auf.

Gießen, den 2. September 1910.

Der evangel. Gesamtkirchenvorstand:

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_© e ipel, Gerichtsvollzieher.

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