Ausgabe 
22.7.1910 Erstes Blatt
 
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Paris, 21. Juli. Der Kriegsmini st er Hut dem 5. Genie-Regiment den Befehl erteilt, sich für den Fall eines Eisenbahn-Ausstandes marschbereit zu halten Die in Versailles liegende Abteilung des Regiments wurde bereits mit der Ueberwacbung der verschiedenen Eisenbahn­strecken des Seine- et Oise-Departements betraut. Die hie­sigen Bediensteten und Arbeiter der verstaatlichten Aest- bahnen hielten eine Versammlung ab, um zur Ausstands- frage Stellung zu nehmen. Ein Vertreter des Syndikats forderte die Eisenbahnangestellten auf, keinerlei Ungeduld Zu zeigen und ruhig das Signal des Streikausschusses ab­zuwarten. Das wichtigste sei, daß alle gleichzeitig in den Ausstand treten. Zum Schluß wurde eine Entschließung angenommen, die heftige Drohungen gegen dieschwanken­den Elemenre", sowie die Aufforderung an das Streikkomitee! enthält, denGesamtausstandsobaldalsmöglich zu proklamieren. Das Gesamtausstandskomitee des Allgemeinen Arbeitsverbandes hat für heute abend eine Sitzung einberufen, um über dieim Hinblick auf einen!

Dem Ministerpräsidenten werden nach Verlassen des Sitzungssaales, auch in den Wandelgängen, Bei falls tun d- gebungen von der Regierungspartei bereitet.

| gefangen genommen. Es werden hundert Europäer als Garnison I hort zurückgelassen werden.

I Aus Kalkutta wird gemeldet: Die Nachforschungen nach I orgeiten Waffen werden von der Polizeibehörde fortgesetzt. I einer in einem Hause von Nord-Kalkutta üorgeitommcnen un- I vermuteten Durchsuchung wurden Revolver und Kisten mit Ge­wehren und Patronen gefunden. Die Bewohner, zwei junge Bengalen, entkamen. Ein besonderer Gerichtshof ist nunmehr

- eft? ,oichrung des Prozesses gegen 13 angesehene Bengalen

S.. . rt beauftragt, die beschuldigt werden, zum Kriege gegen den König aufgereizt zu haben. Der Gerichtshof wird sich später mit einem Prozeß gegen 45 andere Personen zu befassen haben, unter denen sich einige reiche, angesehene Männer befinden. Die diesen zur Last gelegten Vergehen sind noch nicht bekannt.

tcach feiner Meldung aus Peking antwortete die chi- nefi) d) e Regierung auf die Mitteilung von dem A b s ch l u ß der r u s s i s ch - j a p a n i s ch e n Konvention, sie freue sich über das Festhalten am Vertrage von Portsmouth und an dem ^tatusquo in der Mandschurei. China werde in Zukunft im Cintlang nnt dem Vertrage von Portmouth und mit den chinesifch- ar ertragen handeln und seine Bemühungen fortfetzen in 2 Klagendesten, die sich ergeben aus der Ausübung seiner Doheitsrechte und aus der Gelegenheit zur Entwickelung von Handel und Industrie, damit die Interessen aller Sauber aut das Beste gefördert werden.

Finanz Minister Braun hat gestern eine mehr­wöchige Erholungsreise angetreten.

Bahnpersonalien. Der Großherzog hat den RegierungSbaumeister Emil Moeller aus Offenbach a. M. zum Eisenbahn-Bauinspektor in der Hessisch-Preußischen Eisen- bahngcmeinschast ernannt.

= Schotten, 21. Juli. Am nächsten Montag findet hier Bürgermeistermahl statt, da die Amtszeit unseres seitherigen Bürgermeisters Heinrich Kromm IX. demnächst abgelaufen ist. Aller Voraussicht nach wird Herr Kromm, der sich um die Entwickelung unser Stadt große Verdienste erworben hat, ohne ernstliche Gegnerschaft wieder gewählt werden.

# Schotten, 21. Juli. Die verschiedenen im Vogels­berg gelegenen Bezirksverein.e des hessischen Landes­lehrervereins veranstalten am Samstag auf dem Hoherods- kopf eine größere gemeinsame Familienfeier. In den meisten Orten unseres Kreises, wo das Einbringen des Heues die Haupternte des Jahres ist, sind jetzt noch die Heuserien im Gange, während in der Wetterau vielerorts schon die Ernteferien beginnen.

-M. Friedberg, 21. Juli. Heute sind 4 Wochen eit dem Bombeng. ttentat und Bankraub verflossen, ohne daß von dem einen überlebenden Verbrecher Werner eine Spur gefunden wurde. Ob er je erwischt wird, list raglich. Bon der für die Entdeckung der Verbrecher aus-- gesetzten Summe wird dem Chauffeur Keim bei Herrn Dr. Krombach hier ein Betrag Zufällen, denn ohne ihir hätte mvn vielleicht nie eine Spur von beiden Verbrechern gefunden. Nur durch die Ergreifung des Otto Wingeß, der ich bei seiner Festnahme erschoß, kam Licht in die Sache. Das Amtsgericht Bad-Nauheim hat bekanntgegeben, daß Über das Vermögen des Wingeß der Konkurs eröffnet wordew ist. Hauptgläubigerin ist die Stadt Friedberg, in Höhe der gesamten .Hinterlassenschaft. Der Verbrecher hatte noch 4670 Mk. in Barvermögen bei sich. Also Glück int Unglück für die Stadt.

O Fauerbach v. d. H., 21. Juli. Mit der Feld­bereinigung, die hier kürzlich zu Ende geführt wurde, hat man sehr günstig abgeschnitten. Die Gemeinde hat einen Ueberschuß von 70000 Mk. erzielt. Unsere am Fuß der

Aus Stadt und Land.

Gießen, 22. Juli 1910. Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

I .Unsere Stadtväter wollen in wenigen Wochen in die l Ferien gehen und so erklärt es sich, daß auch ihre gestrigen Beratungen eine Art Großreinemachen vorstellten. (Ane lange Tagesordnung, aber wenig wichtige Beratungsgegen­stände bildeten den Hauptinhalt der Verhandlungen, die dementsprechend sich glatt abwickelten. Aus ihr seien als allgemeiner interessierende Gegenstände erwähnt, daß auch Greßen jetzt öffentliche Bedürfnismistalten mit Abortanlagen für Herren und Damen erhalten sott, zunächst auf dem Lindenplatz und auf Oswaldsgarten. Einer Anregung, auf letzterem Platz und in der West-Aülage Ruhebänke auf­zustellen, soll entsprochen werden. Weiter wurde beschlossen, die Fortbildungsklasse an der höheren und erweiterten Mäd­chenschule, die probeweise für den Sommer eingerichtet war, auch für den Winter bestehen zu lassen. Der Vor­anschlag des Realgymnasiums und der Oberrealschule er­fordert infolge der Schulgelderhöhung einen niedrigeren Zuschuß wie seither. Auf Anfrage wurde in Aussicht gestellt, daß der Erweiterungsbau für diese Anstalt noch in diesem Herbst in Angriff genommen wird. Mit Befriedigung wurde die Mitteilung ausgenommen, daß die seit vorigem Jahr ut der Armenpflege als Helferinnen tätigen Frauen sich ganz vorzüglich bewährt haben und infolgedessen gern zu­gestimmt, daß sie in Zukunft gleiche Rechte wie die Armen­pfleger haben sollen. Der historischen Kommission für das Großherzogtum Hessen soll mit einem Jahresbeitrag von 100 Mark beigetreten werden. Der Vorsitzende stellte in der Besprechung hierüber fest, daß die kürzlich in der 2. Kammer ! gefallene Aeußerung, in 20 Jahren brauche man nicht nach Süden Ku gehen, wenn man bankerotte Städte finden wolle, auf Gießen keinen Bezug habe, denn trotzdem die staatlichen Anforderungen an die Städte immer hoher würden, seien die Finanzen Gießens durchaus gesund, so daß man nicht zu einer Steuererhöhung habe schreiten müssen, wie dies der Staat Hessen nötig gehabt habe. Die Steuerzahler werden dies mit umsomehr Freude hören, als auch für die nächste Zeit wohl kaum eine Erhöhung der städtischen Steuern kommen wird.

In der nichtöffentlichen Sitzung wurde Beig. Georgi, dessen Amtszeit Mitte September abläuft, einstimmig auf die Dauer von 6 Jahren wieder gewählt.

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Vom Manöver des 18. Armeekorps.

Ernannt wurde Karl Orth in Hungen zum Ge- fangenivärter am Haftlokal in Hungen.

** Studentische U n t c r r i ch t s kur se für Arbeiter und Unterbeamte. Nächsten Sonntag, 24. Juli, nach­mittags 4 und 5 Uhr, finden zwei Führungen durch die H a n dsch ri ft e n sa m m l un g der Universitäts-Bibliothek statt. Jedermann ist willkommen.

Vom StadttHeater wird uns geschrieben: Als 9. Abonnements - Vorstellung geht am nächsten Dienstag Millöckers reizende OperetteDer arme Jonathan" in L>zene. Die Operette ist vielleicht die musikalisch wertvollste des berühmten Bettelstudentkomponisten und wird auf zahl­reichen Operettenbühnen gegenwärtig wieder mit großem Erfolg in den Spielplan aufgenommen. Die Eigenart unserer Künstler ermöglicht eine besonders glückliche Besetzung des Werkes.

** Beschleunigtes Verfahren. Unter Bezugnahme auf unsere gestrige LokalnotizMonako im kleinen" können mir mitteilen, daß die Polizei der Angelegenheit alsbald ihre Aufmerksamkeit schenkte und Anzeige gegen den Automaten­aussteller wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels erhob. Es sind gestern morgen alle 10 Automaten gerichtlich beschlag, nahmt und nach dem Justizgebäude geschafft worden. Inter­essant sollen die Versuche ausgefallen fein, die die Herren vom Gericht persönlich anstellten.

" Zur Li ebigsdenkmal-Beschädigung. Wie nunmehr festgestellt, haben die Täter, die das Liebigs- denkmal beschädigten, das Gefäß, das der Figur aufgestülpt war, auf der Mäusburg weggenommen und nach dem Liebigs- denkmal getragen. Personen, die die Täter in der Nacht das Gefäß tragen sahen, werden gebeten, der Polizei Mitteilung zu machen.

Treue Arbeit. Der Großherzog hat den nach­benannten Bediensteten der Firma Johann Andre zu Offen­bach: dem Dionysius Gerhäuser zu Offenbach a. M. das 53anb des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu dem ihm bereits verliehenen Allgemeinen Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Arbeit"; dem Robert Link und dem Phil. Lchmidt III., beide zu Offenbach, das Allgemeine Ehren­zeichen mit der InschriftFür treue Arbeit" verliehen.

** Ein Ob st - und Gernüse-VerwertungskursiiH sitzuet vorn 25.27. Juli im Saale des Hotel Einhorn statt.

-Programm, das bei Herrn Mettenheimer, Kreuzplatz 3, er- baltlid) ist, umfaßt alle Arten der Erhaltung der Früchte und Gemufe in Dauerform unter vornehmlich praktischer Vorführung der einzelnen Methoden. Der Kursus ist so zeitig wie möglich an- gefetzt, damit Gelegenheit gegeben ist, die gegenwärtigen und pateren Ernten zweckentsprechend und vielseitig zu konservieren. Wünschenswert ist, daß die, Teilnehmerinnen möglichst ihre eigenen Produkte mitbringen und für ihren eigenen Gebrauch verarbeiten^

,** B ez i r kS a ck er bau- und O b st ans st el l u n g in unberg. Am 20. b. Mts. fand auf Veranlassung des Land­wirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen eine Besprechung über die Abhaltung einer Bezirksackerbau- und Obstausstellung ur die Bezirke Gründ erg und Geilshausen-Lon­dorf un Englischen Hof zu Grünbcrg statt, an der als Vertreter des Landwirtschaftskammer-Ausschusses Oekonomierat Hoftmann-Hos-Güll und Sekretär Schwarz-Gießen, ferner meh­rere Vertrauensmänner der Landwirtschaftskammer und sonstige Interessenten teilnahmen. Als Vertreter des Oberhessischen Obst- bauvereins, der an der Durchführung der Obstausstellung be­teiligt ist, war Vereinstechniker Wenk-Friedberg aiiwesend. Den Vorsitz in der Versammlung führte Oekonomierat Hofimann. Nach Erteilung der erforderlichen Auskunft wurde beschlossen, die Aus­stellung am 22. und 23. Oktober in der Turnhalle zu Grün­berg unter Einhaltung folgender Ordnung abzuhalten: Sams­tag, 2 2. Oktober: Vormittags 8 Uhr Beginn der Prä­miierung ; nachmittags 2 Uhr Eröffnung der Ausstellung. Sonn­tag, 2 3. Oktober: Von vormittags 9 bis abends 6 Uhr Oeff- nung der Ausstellung: iiachmittags 4 Uhr öffentliche Versamm­lung mit Berichterstattung über die Ausstellung, Auszahlung der zuerkannten Preise und Abhaltung eines Vortrages über Pflanzenzüchtung und die Ergebnisse von Sortenversuchen, an­gewandt auf die Verhältnisse des Ausstellungsbezirkes. Mon­tag vormittag Schluß der Ausstellung; nachmittags 2 Uhr Beginn des Obstverpackungskurses. Mit der Ausstellung soll ein Saat gutmarkt der Hessischen Saatbaustellen durch die Land­wirtschaftskammer veranlaßt werden. Die Prämiierungsmittel für die Ackerbauausstellung betragen ca. 300 Mk. und die für dis Obstausstellung ca. 400 Mk. Es ist zu erwarten, daß sie durch Stiftung von Ehrenpreisen noch verstärkt werden. Zur Durch- führung der Ausstellung wurden folgende Ausschüsse gebildet: 1. Für die Ackerbauabteilung: Beigeordneter Fuldat, Stein, Sohrmann-Grünberg unbl der Ausstellungsordner Techniker Kreutz-Gießen. 2. Für die O b st ab teil un g: Apotheker Schäfer, Sehrt-Grünberg, Zinnner-Lauter und der Ausstellungs­ordner Dr. Hoffmann-Friedberg. Hoffentlich wird das Unter­nehmen durch reiche Beschickung und starken Besuch gefördert.

D i e Maul- und Klauenseuche ist außer in Olt- und Westpreußen überall im Deutschen Reich zurzeit erloschen.

Licev und Flotte.

... Dresden, 21. Juli. Gegenüber der Blättermeldung, daß Jur das 12. Armeekorps gegenwärtig z ,v e i komman­dierende Generäle vorhanden feien, teilt dasDresdner Journal" init, daß diese Meldung von Am'ang bis zum Ende auf Mißverstandnisien und Erfindungen beruht.' Dis heute ivurbe neben dem kommandierenden General v. B r o i z e m ein anderer kommandierender General nicht ernannt. Der frühere Divi­sionskommandeur in Leipzig, General der Infanterie d'Elfa, luurbc bereu? als Divisionskommandeur zum General der Jnianterie. niemals aber zum kommandierenden General mit den Gebührnissen eines solchen beiörbert. Im übrigen wird von demDresdner Jourmal darauf ausmerksam gemacht, daß der Kais er'die fom- '"""d'crenden Generale ernennt, schon deshalb sei ein Miß­verständnis des sächsischen Kriegsministeriums nach der Art der in der erwahiiten Blättermeldung behaupteten umnöglich.

Vie Ernte in Zrankreich.

O Paris, 21. Juli.

Die Mitteilungen über die Ernteaussichten in Frankreich lauten immer bedenklicher und lassen eine wahre Krise für die Landwirtschaft befürchten. Wenn nicht sofort in den Gegenden, in denen das Getreide noch nicht geschnitten ist und diese find weit ausgedehnt warmes und trockenes Wetter eintritt, ist ein großer Fehl­betrag in Brotfrüchten unvermeidlich. Uebrigens sind schon die Getreidepreise an der Pariser Produttenbörse erheblich gestiegen. Fasst noch schlimmer ist es um das Viehfutter bestellt, da das Heu nur in geringen Massen heimgebracht werden tonnte und da die Wiesen weithin überschwemmt sind. Man fürchtet einen MassenverkanfvonVieh, der in den nächsten Jahren natürlich großen Fleischmangel zur Folge haben müßte. Daß die Weinernte eine der^ ungunsttgsten der letzten fünfzig Jahre sein wird, ist jetzt! schon ganz sicher.Vor der Wiederholung solcher .Kometen­jahre möge das Schicksal uns bewahren," flehen die Winzer täglich.

Der drohende Eisenbahn-Ausstand.

jagung zu betreiben und ein Einvernehmen zwischen Krone und deation durch Berz-icht auf alle nationalen Bestrebungen herzusteUen, daß die Grundlage dieses Einvernehmens die aufrichtige und rückhaltlose Anerkennung des Ausgleichs gewefen fei, während die Kossuthpartei, als sie an der Spitze

RoMcrung gewesen sei, sich nur mit allerlei vorbehalt- otogen besaßt habe. Die Regierungspartei habe nie­mals den Wählern eine Zusicherung bezüglich irgendwelcher, nationaler Errungenschaften gemacht.

W eine Bemerkung, daß die gegenwärtige Regierungs­partei blos die wiedererstandene liberale Partei sei, er­widerte der Ministerpräsident, dies sei eher ein Lob als ein Tadel.

Die Regelung der Bankfrage, erttärte der Minister­präsident weiter, verfolge den Zweck, dem öffentlichen Kre­dit zu «dienen. Die gemeinsame Notenbank habe sich in schwierigen Zeiten sehr bewährt. Es sei ein charakteristischer Fingerzeig, daß das Ausland, als die Fortdauer der Bank-1 gemeinschaft zweifelhaft gewesen sei, gegen Ungarn mißtrau­isch geworden fei und dessen feste Papiere zurückgeschickt habe. Das Vertrauen in den Kredit Ungarns habe sich aber allmäh­lich erholt. Als die Unsicherheit bezüglich der Bankgemein­schaft aufhörte, da habe das Ausland die früheren, §u bil-! ligen Kursen zurückgeschickten Papiere zu höherem Kurse zurückerworben. (Lebhafter Beifall.)

^Was die Erhöhung der Armeelasten betreffe, so müsse Ungarn seine Wehrmacht im Verhältnis zu der der anderen Großmächte entwickeln. Das ganze Abgeordneten­haus und die Presse blickten mit Stolz und Befriedigung airf jene ernsten Stunden zurück, in der Ungarn, dank der Schlagfertigkeit seiner Armee zuversichtlich dem Kampfe hatte entgegengehen können, mit dem es die Verwickelung aus Anlaß der Annexion bedroht hatte.

Zu den .Beschwerden über die Wahlmißbräuche bemerkte der Ministerpräsident: Die geschlagene Partei sollte nunmehr Einkehr halten und zugeben, daß sich die öffent­liche Meinung von ihr abgewendet hat, sowie er selbst eingestehe, daß der Sieg der Regierungspartei nicht so sehr ! der Begeisterung für sein Programm zu danken sei, son- ' dern auf die große Unzufriedenheit und Enttäuschung zurück-! zusühren sei, die das Koalitionsregime erweckt habe. (Stür-, Mischer Beifall.)

............. v , Die Herbstübungen des 18. Armeekorps spielen sich

allgemeinem Aus stand der Eisenbahner zu treffenden Mast-! Jahr von Ende August bis 22. September zum größten nahmen zu beraten". Teil rm nördli ch en Ob er Hessen bis Fulda und Gers­

feld ab. Sie beginnen mit den Regiments- und Brigade­exerzieren, die mit Besichtigungen durch den Korpskom­mandeur schließen. Die 41. Brigade (87er und 88er hält Brigadeexerzieren bei Birttar und Lich ab, die 42. Brigade (80er und 81er) bei Ruppertenrod und Ulrichstein. Die 21. Kavallerie-Brigade (Dragoner Nr. 6 und Ulanen Nr. 6) übt bei Kich und Birklar, die 21. FeldartiNerie-Brigadg 163er und 27er) bei Grünberg. Diese Bpigadeübungen schließen am 12. September. Am 12. September zieht sich die 21. Division um Grünberg zusammen, hier werden sich vom 13. bis 17. September die Divisionsmanöver abspielen.

1 Am 18. September ist Ruhetag, am 19. Marschtag mit be­ginnendem Korpsmanöver. Die Regimenter der hessischen Division treffen am 25. August im Manövergelände ein; die 49. Infanterie-Brigade (115er, 116er und 168er) übt bei Fulda, die 50. Brigade (117er und 118er) bei Alsfeld. Die 49. Brigade hält ihr Brigademanöver voni 9. bis 12. Sep­tember bei Gersfeld, die 50. Brigade vom 8. bis 10. Sep­tember bei Lauterbach ab. Die 25. FeldartiNerie-Brigad« (25er und 61er) manövriert bei Lauterbach; die 25. Ka- vatterie-Brigade (23er und 24er Dragoner) hat vom 31. Aug. bis 7. September Aufklärungsdienst. Die Divisionsma­növer der 25. Division finden vom 14. bis 17. September bei Fulda statt. Außer obigen Regimentern nehmen noch an den Divisions- und Korpsmanövern teil: die Unterosfi- zierschule Mebrich, das Trainbabaillon Nr. 18, die Pionier­bataillone |97r. 21 und 25 und Teile des Fußartillerie- Regiments Nr. 3. Letzteres nimmt hauptsächlich am Korpsmanöver teil, das sich vom 20. bis 22. Sep­tember zwischen Ulrichstein, Grünberg, Alsfeld und Rup­pertenrod abspiett.

DieHohenzo 11 ern" mit dem Kaiser an Bord ist am Donnerstag nachmittag in Molde eingetroffen.

Die bayerische Abgeordneten -Kammer bewilligte sechs Millionen Mark als erste Rate zum Bau eines Walchen­see k r a f t w e r k e s für hie Elektrisierung der Eisenbahnen und Abgabe elettrischer Kraft .an Private.

Ausland.

Bei jwundervollem Wetter wurde am Donnerstag in Bem das eidgenössische Schützenfest offiziell eröffnet. Ein glanzender rZ-eitzug mih Vertretern der Behörden bewegte sich durch die Stadt nach ver Festhalle. An dem offiziellen Festbankett beteiligten sich alle Mitglieder des Bundesrates und das diylo-j matische Korps. Bundespräsident C o m t e s se brachte einen Trink­spruch auf das Vaterland aus und betonte, die stets wachsende Beteiligung an den eidgenössischen Schützenfesten beweise, daß das Schweiz^rvolk mehr als je an feinen militärischen Einrichtungen hänge als Schutzwehr seiner Unabhängigkeit.

In London wurde der Oeffentlichkeit unter dem üblichen Zeremoniell bekannt gegeben, daß die Krönung des Königs und der Königin im Juni 1911 stattfindet.

Aus Newcastle on Ty ne wird gemeldet: Wegen des Eisenbahnerausstandcs stellten eine Anzahl Eisen- und Stahlwerke in Middlesborough den Betrieb ein, da es an Feuerungsmaterial fehlt. Ueber 5000 Arbeiter sind dadurch be­schäftigungslos und durchziehen die Straßen. Die Kohlenversckftf- Tungen am Tynedock haben vollständig aufgehört. Es gelang her Eisenbahnverwaltung, eine Anzahl Züge abzulassen; trotzdem liegen Hunderte von Gallonen Milch und anderen leicht dem Ver­derben ausgesetzten Waren unabgeliefert da.

Aus Fez wird vom 18. Juli gemeldet: Die Stämme der Umgebung von Ta.za sandten an Mu 1 ay Hafid eine Ab­ordnung, die ihn um Waffen bat, damit der M a r s ch d e r Fran­zosen auf Taza aufgehalten werden könne. Ntulay Hafid er- widcrte, er werde die Angelegenheit in Ordnung bringen. Die Bitttteller wurden zurückgesandt.

Nach einem amtlichen Telegramm aus Macao sind die I ?ottugiesueheii Truppen nunmehr Herren der Insel Colowan; sie haben 16 Personen aus der Gefangenschaft befreit und 44 Piraten