Ausgabe 
15.12.1910 Erstes Blatt
 
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{60. Jahrgang

Verlag u. ^Petition 51

einem>rihlichen Ende zu führen.

Ich roerbe aber mit Schaper erst dann einen Vertrag ab- schließen, nacl-dem ich die Zustimmung meiner Kollegen in bei

A. W. Hofmann.

14. Dezember 1886.

politische Tagesschau.

Ein Reichstagsabgeordneter im Gefängnis.

Erster via»

Adresse tüt Depesche«: Anzciger «irfcnu

Hochverehrter Herr Geheimrat!

Endlich erhalten Sie die versprochenen Photographien. Die Sendung hat sich so lange verzögert, weil ich immer hofft«. Ihnen noch eine Photographie meiner Gruppe von der Ausstellung beilegen zu können, es ist aber .bis jetzt noch feine gemacht worden, die ich versck-enken möchte; sobald dies geschehen ist, erhalten Sie dieselbe nachgesandt.

Ich bin jetzt mit aller Liebe an der Statue Liebigs und gebe Mch Miwia An» 'daß ßiiß wie die archepeu, damit

ELetutiv-Kommission erhalten habe.. Mit bestem Grube der Ihrige

IX. F. Schaper an H. von Rügen.

Berlin, den

F. Schaper.

VIII. A. W. Hoffmann an H'. v. Rügern

Berlin, den 10. Dezember 1886. HochgeelpTter Herr und Freund!

Vielen Dank für Ihren Brief und den einliegenden Plan. Ich habe Schaper nochmals konferiert und gestern den ein­liegenden Brief von ihm erhalten. Sie wissen, daß ich von Anfang an seine Ansicht geteilt habe.

Der Gedanke, dem Denkmal zu Liebe, den Haupteingang der Aula mit Strauchwerk zu verdecken, ist mir ein schreckenervegender. Man hat den Versuch in unerfreulichster Weise in Berlin gemacht, indem man dem VegaS'scheu Schüler-Denkmal einen grünen Hin- grund gegeben hat, wodurch Schinkels Monument so ver- imftaltet worden ift, bah das Schillerdenkmal als ein öffentliches Aergernis dasteht.

Schaper untentrannt unterdessen eine Arbeit nach der anderen Und wird, wenn das Gießener Comittz auf dem Platze besteht, mit halber Kraft und halbem Interesse an die Sack-e herantreten. Was mich anlangt, so glaube ich getan zu haben, was ich tun konnte, um ein Werk, dem ich 13Jahre meines Lebens gewidmet habe, zu

Donnerstag, 15. Dezember 1910

Ver«O4prei4: monatlich 75 Ps^ viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestell«. Zeilenpreis: lokal 15 Pf^ auswärts 20 Plenniq. Ehesredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den

Sur Geschichte der Gießener Liebigdenkmals.

II.

VI. sr. W, Hofm-ann an H. von Rügen.

Berlin, den 7. November 1886. Hochverehrter Herr und Freund!

Ich beeile mich Ihnen mitzuteilen, daß ich soeben eme Zn- schnmenkmlst mit Prof. Schaper gehabt habe.

D-er selbe sagt mir, daß er sich nach reiflicher Ueberlegung für Marmor entschiedeil habe. Es fehlt nun zum Abschluß emes Vertrags nur noch die Entscheidung der Platzfrage.

Säsoper Ijält noch wie vor an der Ansicht fest, daN das Denkmal entert grünen Hintergrund haben müsse. Er will aber die Möglichkeit, ob ein solcher vor dem Unwersüätsgebaude ge­schaffen werden könne, nochmals in Erwägung ziehen. Er bittet deshalb um einen kleinen Situationsplan, aus dem mau aber die Maße genau ersehen könne. . .

Würden Sie die Güte haben, mir einen solchen Plan, der mit in Linien ausgeführt zu sein braucht, öu übersenden.

hochachtungsvoll em Gruße freundschaftlichst bei Ihrige

QL W. Hoffmann.

VII. F. Schaper an A. W. Hoffmann.

Berlin, den 9. Dezember 1886.

auch sehr gering sein und das Laubwerk immer etwas dünnes und durchsichtiges behalten. Das Maß des Universitätsgebaudcr von dem Straßentrottvrr wird 25 Meter sein. 10 Meter toürbf man als Abstand des Denkmales von dem Trottoir, um einen genügenden Abstand zur Betrachtung zu haben, brauchen. Zehr Meter müßte die Straße vor dem Gebäude selbst breit fein. 45 Meter müßte man für die Rückenansicht des Denkmales haben. Es würde also ohne eine empfüidliche Beschränkung des Raumes für Bepflanzung überhaupt kein Platz sein.

Man sollte dich in erster Linie für eine wirkungsvoll, er­freuliche Aufstellung des Deuimales sein und ist dann nod)i die Umgebung in Bezichung zum Denkmal zu setzen, so ist das gewiß wünschenswert; das geschieht aber meiner Ansicht nach zur Genüge schon dadurch, daß das Denkmal in Gießen steht.

Sollten Sie, hochverehrter Herr Geheimrat, diese meine An­sichten noch einmal zur Geltung bringen können, so würde ich Ihnen sehr dankbar fan.

Hochachkungsvoll und ergeb en st

Hochgeehrter Herr Geheimrat!

Das Material für die Ausführung des Liebigdenkmals b^ treffend, möchte ich Sie hierdurch noch einmal ersuchen, doch Ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß das ganze Denkmal in tiroler Marmor aus geführt werde. Noch auf meiner letzten Reise im Herbst habe ich mich an Ort und Stelle von der außer- videmlichen Güte dieses Materials überzeugt. Es stehen im Lintschgau Arbeiten seit mehreren Jahrhunderten, welche an der Oberfläche fast unverändert sind und nur die Farbe ist nock) wesent­lich schöner geworden, da sie einen toarmen goldigen Ton bekommen hat. Wie glücklich wäre ich gewesen, hätte ich dies herrliche Material für mein Goethedenkmal gehabt.

Die klimatischen Verhältnisse im Bintschgau sind feine besseren als bei uns, da Kälte und Wärme, Schnee und Regen mindestens so stark wechseln als bei uns. Wie viel mehr ein Denkmal aus Marmor den Beschauer befriedigt und immer zum Genüsse bin- 4ieht, als ein broncenes, welches nur zu bald ein unerfreuliches Ansehen bekommt; haben Sie ja selbst Gelegenheit genug gehabt zu beobachten. Ich würde natürlich bei der Wahl für Marmor bitten, dafür zu wirken, daß das Denkmal in den Anlagen auf- gestellt wird, da die Wirkung des Marmors im Grünen wesent­lich erhöht wird. Vor dem Universitätsgebäude würde das Denkmal zu ungünstig stehen, da es daselbst fast Nordlicht hat, also nie recht gut deleuckstet wird, was aber für Bronce fast noch empfind­licher ist. Eine Pflanzung zwischen dem Denkmal und dem Universitätsgebäude ließe sich nicht wohl anbringen, denn erstens kann man den Eingang eines momnnentalen Gebäudes nicht mit Busch- ober Laubwerk verdecken, wie man dies leider hier in Berlin dem Schiller zu Liebe mit der herrlichen Freitreppe des MhaMjelhaules gnnMt Hal tM KvesteM wiühe her Matz dafür

Ausrufen begleiteten. Mit Genugtuung erzählte Wetterle auch^ daß er im Gefängnis zugeschmuggelte Zigaretten geraucht habe. Am 29. Januar brachte der Gefängnisoirektor dem Gefangenes eine große Sck)achtel:Gemeinsam öffneten wir. Das Paket cutt hielt einen herrlichen großen Blumenstrauß, weißes Flieder und rote Nelken, mit einem breitenSei^ de nbanb in den elsässischen Farben gebunden. Eins Karte war beigefügt mit den kurzen Worten:Von Ihren Landest ausschustkollegen." Tags zuvor war das herrliche Blumengewinde während der Eröffnungssitzung unseres kleinen Parlaments auft einem Pulet aufgestellt und bezeichnete so den Platz dessen, dep nicht anwesend sein konnte." Als Abbe Wetterte aus dem Ge^ sängnis am 17. Februar entlassen wurde, begrüßte ibn draußen: der Ruf:Vive l'Alsace!" und der deutsche Reichstags* abgeordnete bemerkte zu diesem Gruß:Der Ruf freut mich <mt meisten."

Abbe Wetters ist in seinem bürgerlichen Beruf Redak-, teur. Nicht alle Preßsünder aber erfreuen sich, so schreibt dazu die freisinnigeVoss. Ztg.", der wir die vorstehenden Ausführungen entnommen Huben, im Gefängnis, auch wenn sie sich eines weniger schweren Vergehens schuldig gemacht: haben, einer so freundlichen Behandlung wie diesen- katholische Priester und fran z o s e n fr eu n d- liche deutsche Reich stac^sabgeordnete.

Die Kriminalität der Jugendliche»

Der Sieg venizelos.

Die Ergebnisse der Neuwahlen zur griechischen N«ro- mlversammlung, die am letzten Sonntag stattfanden, lassen ich bei den schlechten Berkehrsverhältnissen des Landes 'rst jetzt annähernd überblicken. Da aber aus, den bt Athen rorlieaenden Ernzelmeldungen hervorgeht, daß von den zur Doppelkammer" zn wählenden 364 Abgeordneten 260 bis >70 Anhänger deS Ministerpräsidenten Venizelos sind, darf rtlan nicht daran zweifeln, daß dieser, wenn im Januar R« griechische Nationalversammlung zusammen getreten ist, ftne feststehende Mehrheit hinter fid) hat und damit in die Lage versetzt wird, fein Revisionsprogramm in ganzem; Um­sange zu verwirklichen.

Daß die erste ariechLsche Nattonalversammlung am 25. Oktober aufgelöst und einer zweiten, nun gewählten, Phch m<id>en mußte, lag daran, daß trotz des Zusammen- brml>s der alten Personenparteien eines Theotokis, Rhal- fys, Mavromichalis und Zaimis bei den Augustwahlen ihre Parteivcrhältnisse so ungeklärt geblieben waren, daß Venb- zews keine feste Mehrheit hinter sich hatte. Es ging das wir Genüge daraus Hervar, daß, als am 22. Oktober der «ttmicrmüdfta: die Vertrauensfrage stellte, mit Ausnahme von 160 alle Abgeordneten den Saal verließen und die Versammlung dadurch beschlußunfähig machten.

So wurde der Streit, der dem Ministerpräsidenten An- loß zur Stellung der Vertrauensfrage gegeben hatte, ob nämlich die Krone oder die Nationalversammlung selbst das Privileg der Auflösung habe, durch die Tatsachen zu- amisten der Krone entschieden. Die Parteigänger der Theo­tokis, Rhallys und Mavromichalis sahen darin, da die griechische Versassungsurkunde keine Bestimmung über die Auslösung der Nationalversammlung enthält und die Re­gierung hier lediglich nach Analogie der für die Abgeord­netenkammer geltenden Vorschriften vorgegangen war, einen Staatsstreich und Verfassungsbruch, doch traten die revo­lutionären Unruhen, die man aus diesem Grunde damals befürchtete, nicht ein. Die obengenannten Parteien, die sich wohl nad) den Augustwahl en ihrer Schwäche bewußt waren und namentlich im Heer und in der Flotte allen Bo­den verloren k-atten, begnügten sich vielmehr damit, gegen die Auflösung der WaträmalDerfammhing dadurch feierlichen Widerspruch ernzulegen, daß sie beschlossen, sich an der Wahlbewegung nicht zu beteiligen.

Wie weit diese Wahlenthaltung bei den jetzigen Wahlen tatsächlich geübt worden .ist, läßt sich aus den bis heute vorliegenden Meldungen noch nicht seststeUen. Auch die Frage, ob Theotolisten, Mavromichalisten und Rhalliisten etwa vereinigt, wie sie planten, unter republikanischer Flagge an den Wahlen teilgenommen haben, bleibt vorläufig un­beantwortet. Als sicher kann nur gelten, daß sich die Oppo­sition in der neuen Nationalversammlung ans den thessali­schen Agrariern und sonstigen, mit dem Regierungspro- arcmrm unzufriedenen Abgeordneten, denUnabhängi-gen", rusammenjetzt, während die revisionistische Mehrheit nicht nur direkte Anhänger des Ministerpräsidenten enthält, son­dern auch Zaimisten, die die Regserungspolitik bei den Dahlen unterstützten. ____________________________________

Reichstaasabg. Wetterle, der bekannte Franzosen­freund, erzählt in feiner BroschüreZwei Monate Gefäng­nis Erinnerungen und Beobachtungen" (Colmar i. E., Verlag von I. B. Jung u. Cie.) Geschichten, die wie eine Schilderung aus einem fidelen Gefängnis anmuten.

Er berichtet, daß er als Gefangener jeden Morgen in der Gefängniskapelle seine Messe lesen durfte. Als er sich zum Antritt seiner Strafe meldete, wurde ihm vom Gefängnisdirektor alles Geld ab genommen; seine Uhr aber burttc er behalten, weil es nur eine Stahluhr war. Auf die Frage des Abg. Wetterls:Und wenn sie aus Gold gewesen wäre?" antwortete der Gelängnisinspektor: Dann würde ich Sie gebeten haben, uns die Uhr zur Anf- betvahrmig anzuvertranen."Warum?" fragte Wetteritz und der Gcfängnisinspektor erwiderte:^hnx, weil nirgends s o viel ae stöhlen wird wie im Gefängnis!" In der Zelle, die Abbö Wetterlä zwei Monate lang bewohnte, befanden sich fünf Maueranschläge. Eine der drei Hausordnungen enthielt den wie Wetteritz sagt entzückmden Satz:Es ist dem Gefangenen verboten, sich durch einen Fluchtversuch ober Selbstmord der Strafe zu entziehen." Auf einen Hinweis erwiderte der Wächter: ,/Denken. Sie nicht, daß das ein Witz sein soll." Mit Vergnügen den ko Wetteritz an seinen Aufenthalt imGasthaus der Regierung" zurück:Die Zeit vergeht rasch im Gefängnis für diejenigen, die es verstellen, sie anzuwendeii. . . . Und dann war da das köst­liche Gefühl der Freiheit ja Wohl, wahrhaftig der Freiheit! beim Manne, der sonst nie sich selbst gehört, beim Sträfling der Presse, der immer und überall verpflichtet ist, zur bestimmten Stunde Mairuskript zu liefern und der jetzt hinter den Mauern seiner Zelle jeden Morgen mit dem fröhlichen Ge danken erwachte: Heute werde ich schreiben, aber zu meinem Vergnügen; ich werde studieren, aber einfach, um mich zu zer­streuen. Meine Arbeit wird kein Pensum sein, sondern eine Er­holung. Und wenn ich mich langweile,, mm, bann werde ich sinnen fmb träumen." Seine besten 'Freunde waren es, die es fast erreichten, dem Abgeordneten Wetteritz ,chas Gefängnis müUelig zu machen", indem sie mitleidig, mit gerührtem Blicke, hundert Fragen stellten und dabei die lustigsten Antworten mit trostlosen

X. H. von Rügen an F. Schaper.

Gießen, den 20. Dezember 1886. Verehrtester Herr und Freund!

Wie soll ich Ihnen danken für die mir übersandten Phot^t graphieu nach Ihren wunderschönen Werken? Sie haben mip dadurch eine recht große Freride bereitet, meine Kunstsammlung um herrliche Beiträge bereichert und mich zum herzlichsteni Tanke verpflichtet. Indem ich Ihnen dieses ausspreche, danke» ich Ihnen zugleich für Ihre Briese vom 9. und vom 14. Dezember« itnb habe mich inzwischen bemüht, die Müglieder vom Liebigs Komitee für Ihre Wünsche M stimmen.

Tarin sind jetzt alle einverstanden, daß das Denkmal ans! dem von Ihnen enväblten tiroler Marmor ausgeführt werder lewer aber scheint die gleiche Uebereinftimmung hinsichtlich de^ Wahl des Platzes kaum zu erreichen. Ich selber bin ja mit Ihnen! und Herrn Geheimrat Hoftnaim überzeugt, daß der Platz inti Grünen der Anlage weit günstiger ist, als jener vor der Aula, aber die hiesigen Herren wollen das nicht zugestehen, dennochi werde ich nicht ermüden, immer wieder für die Aufstellung in beu Anlage zu sprechen und Ihre Wünsche unb Gründe zur Geltung zlU bringen- Sollte dieses Ziel jetzt nicht erreichbar fein, so wird es geiviß gelingen, wenn Sie demnächst Ihren Entwurf in natür­licher Größe im Umriß auf Papier zeichnen lassen, diesen Umri8 hierher senden und wir ihn hier auf Bretter geklebt, ausschneiden, uni> diese Silhouette bann an Ort und Stelle aufrichten lassen, bemtf nur so läßt sich den Herren eine genügende Vorstellung von bet; späteren Wirkung des Denkmals geben.

Es freut mich, daß Sie jetzt mit Liebe an der Statue LiebigZ arbeiten und hoffe ich, daß es mir hier gelingt, auch Ihre Wünsch^ zu erfüllen.

Bitte grüßen Sie Herrn Geheimrat Hosmaim und dessen FrarE». Gemahlm von mir und halten Sie sich wohl und heiter.

In Hochachtung und Treue Ihr ergebenster

H. v. Rügen.

Glücklichenveise brangen Schaper und seine Anhänger, bar* unter A. W. Hofmann und H. von R i t g e n mit ihrer An­sicht durch. Am 28. Juli 1890, 17 Jahre nach Beginn der aui rin Liebig-Denkmal in Gießen gerichteten Bewegung, wurde das» Meisterwerk Sck-apers a,n per von ihm gewünschten Stelle in ba> Anlage ytthüllt^ N. Sommer.

zeigt im letzten Jahre einen überaus erfreiiliäjiert Rückgang, den wir als den ersten Erfolg der auf biet Fürsorge für die verwahrloste Jugend gerichteten Bestre-. bungen begrüßen können. Es sind nämlich im Jahre 1909 in Deutschland wegen Verbrechen und Vergehen gegeit Reichsgesetze nur 49 703 Personen int Alter von weniger als 18 Jahren verurteilt worden gegen 54 074 t I. 1908 und 55 211 i. I. 1907, so daß im letzten Jahre eine Ab-i nähme um 4371 oder 8,1 v. H. stattgefunden hat^ während die allgemeine Kriminalität nur um 0,8 v. H.. gesunken ist. Nicht verschwiegen darf allerdings werden-, daß ein Teil des Rückganges darauf zurückzuführen feilt wird, daß durch die Unterbringung zahlreicher auf Abwege­geratenen Jugendlichen in Fürsorgeerziehungsanstaltew. einem bedeutenden Teile der mit verbrecherischen Neigungen Behafteten die Möglichkeit entzogen ist, diese Neigunae« zu betätigen. Inwieweit etwa ferner der Rückgang Der Verurteilten auf eine mildere Handhabung der Strafjustizl seitens der neuen Jugendgerichte zurückzuführen ist- wird sich erst zeigen, wenn die genaueren Ergebnisse der Kriminalstattsttk, insbesondere hinsichtlich der Freisprech^. ungen, vorlikgeü.

Von 100 Verurteilten waren 9,13 jugendlich gegen 9,99 i. I. 1908, 10,19 t I. 1907, 10,34 L I. 1906 unb 9,97 im Durchschnitt der voraufgegangenen 13 Jahre. Amr größten war, wie stets, der Anteil der Jugendlichen an den Verbrechen u s w. gegen das Vermögen mit 15,5 v. H. aller Verurteilten, aber der Rückgang ist hier schon seit Jahren ofsensichMch, da der Anteil L I. 1906 19,0, 1907 18,2 und 1908 17,1 v. H. betragen hat. Immer­hin sind ru>ch 36 749 (im Vorjahr 38 824) Jugendliche wegen Eigentumsdelikte bestraft. Der Diebstahl spielt banuiter die Hauptrolle.

Bei den Verbrechen usw. gegen die Per soitz hatten die Jugendlichen einen Anteil von 5,1 v. H. allen

Für den Ausgang der Wahlen scheint neben diesem Umstande und der Tatsache, daß ft£nig Georg sich wieder­holt mit Venizelos solidarisch erklärt hat, die Rundreise sehr ins Gewicht gefallen zu sein, die der Ministerpräsi­dent im November durch Griechenland unternahm, und auf der er in zahlreichen Städten fein Programm entwickelte. Er stellte hier die Forderung auf, daß die neue National­versammlung so schnell wie möglich mit der Revision der Verfassung zu Ende kommen müsse, um dann noch einige wichtige Resormgesetze zu votieren. Unter diesen ist her­vorzuheben: die Herabsetzung der indirekten Steuern, die Errichtung eines neuen Ministeriums für Ackerbau und ! Gewerbe, die Lösung der thessalischen Agrarfrage, die Errich­tung von Kreditbanken und die Crnführung von Maßregeln zur Verringerung der Auswanderung, sowie vor allem eine durchgreifende Reform in Heer und Marine.

Athen, 14. Dez. Die Ruhe wurde bisher nirgends gestört. Wahrscheinlich werden die Anhänger Veni­zelos mindestens 300 (Stimmen auf sich ver­einigen. Nach einer Meldung der ZeitungAthenia" erklärte Venizelos, die Kammer werde sich ausschließ­lich mit der Revision der Verfassung zu befassen haben.

Dec fitem»

erscheint tätlich, autzer Sonntag«. - Beilagen: viermal wöchentlich KützenerFamlllenblatter, »we,mal wöchentüUrei5- blatt für de« Xrcis Sietzev (Dienstag und Freitags; iiveimal monatl. Land» vtttschastliche Stitfiaaai ,>ernsprech - Anschlüße: ür die Redaktion 112,

einverstanden sind, daß dieselbe in Marmor ans geführt werden imb baß bann entsprechend auch rin Platz aufgefunden werde, baf das Denkmal bann zu der entsprechenden Wirkung bringt.

Herr Geh. Rat Prof. Hofmann wollte diese Angelegenheit in Ördirung bringen, was auch mm nm des Kontraktes Wille« wünschenswert wäre.

Hoffentlich ist Ihnen Ihr Aufenthalt hier in Berlin gut bei kommen unb Sie denken noch mit Genuß daran.

Ich bin auch froh, daß der Ausstellungstrnbel hinter uns liegt und denke nun um so fleißiger zu arbeiten.

hock)ack)tungsvollem Gruß ergebenft

F. Schaper.

w __ politischen Teil: August

General-Anzeiger für Oberhessen

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