Ausgabe 
19.11.1910 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Streitfrage, die einer sortschrittlickien Gesetzgebunq den Weg völlig foerrt, dem Schiedsspruch der Nation zur endgültigen Entscheidung tu unterbreiten. (Lauter Beifall aui Seiten der Ministeriellen.) Nach der Rede des Premierministers ergriff Balfour das Wort und spottete über die Entscheidung der Regierung, mir einen Teil des Budgets zur Aussprache zu bringen. Tie Negierung fürchte anscheinend, Zeit zur Erwägung der Sache zu geben: sie habe eine sehr schwere Verantwortlichkeit auf sich genommen durch den Rat, den sie dem König erteilt habe. Als ein Mann, der die Traditionen der Konstitution von Königin und Ministern respektiert zu sehen wünsche, gebe er seinem tiefen Bedauern über die Politik der Negierung Ausdruck.

Ter Abgeordnete Äelloe (liberal) lenkte die Aufmerksam-- le# des Hauses auf die Tatsache, daß Asquith nichts über die ton der Krone zu gewährenden (Garantien sagte.

Nach weiterer Aussprache wurde die anfangs beantragte Entschließung, den Nest der Session für die Regierungs­vorlagen zu verwenden, angenommen. Tie Sitzung wurde darauf vertagt. Die Anhänger der Negiertlngspartei betrachteten die zweite Erklärung Asquiths als ein Anzeichen dafür, daß er vom König ein bedingtes Ver­sprechen erhalten hat, die erbetenen Garantien zu «gewähren. Die Unionisten sind geneigt, diese Auffassung zu. bezweifeln.

L o n d o n, 18. Nvv. (Oberhaus.) EarlofErewe »gab eine ähnliche Erklärung ab wie die von A s a u i t h im Unterhaus. Lord Lansdowne bezeichnet ote Auf­lösung als ein parlamentarisch esManöver, das mit dem größten Cynismus ausgeführt werde. Er stelle die kategorische Frage, ob die Negierung die erbetenen Garantien erhalten habe und un­ter welchen Bedingungen. Earl of Crewe gab keine direkte Antwort. Er erklärte, der Rat, das Parlament auszulösen, sei der Krone auf Grund der An­nahme erteilt worden, daß die Peers die Vetobitl nicht annehmen werden. Wenn Lord Lansdowne mir die Ver­sicherung gibt, daß er die Vetobill annehmen wird, so wie sie ist, so wird die Frage erneut erwogen werden. Er nehme an, daß die Peers, wenn die Negterung mit einer genügenden Mehrheit aus den Wahlen hervorgeht, bereit sein würden, dem Willen des Volkes nachzukommen, so wie er bei den Wahlen zum Ausdruck gelangt sein wird.

Asquith erwiderte auf eine Anfrage bezüglich seiner bekannten Erklärung über die Stellung der Negierung zur Oberhaussrage, die er am 14. April abgegeben habe: Die Erklärung repräsentiert jetzt wie damals die Intentionen der Regierung; ich weigere mich und werde mich immer weigern, irgend welche Erklärungen be­züglich des Nates abzugeben, den ich als ver­antwortlicher Mini st er der Krone gegeben haben mag oder vielleicht später geben werde. Der König ^steht außerhalb der politischen und Wahlkoulroversen. Es k ist Pflicht seiner Untertanen, diese vom Parteilampse ab­gesonderte Stellung zu erhalten und zu sichern.

London, 18. Nov. 5 Uhr nachm.). Fortwährend treffen auf dem Platz vor dem Parlament Abordnungen der Änhängerinnei. des Frauenstimmrechts ein. Tie grauen stürzten sich aus die Schutzmannskette And wurden sofort nach der Wache gebracht. Eilt junged Mädchen drang durch die Reihen der Schutzleute rund lief nach dem Parlament; die Schutzleute holten sie ein und verhasteten sie. Eine Abordnung der Anhängerinnen des Frauenstimmrechts versuchte mit Gewalt in den Hos des Parlamentsgebäudes einzudringen; sie wurde aber durch eine starke Weitung berittener Polizisten daran gehindert. Die Polizei räumte den Platz vor bem Parlament und ver­haftete 23 Fr au em Bis 1 Uhr nachmittags Waren ♦82 verhaftet.

persischer Einspruch geaen Oie englisch-russische Politik.

Köln, 18. Novbr. DieKölnische Zeitung" meldet aus Teheran: Auf Yem Kanoncnplatz int Mittelpunkt der Stadt hatten sich viele Tausende versammelt, um in einer zweistündigen Kundgebung gegen die russische, jeglichem Fort­schritt PersienS feilidlich gesinnten Politik, die dauernde An­wesenheit russischer Truppen und die neuerdings zu­tage getretene englische Haltuttg Einspruch zu er­heben. Fünf Redner begeisterten die Menge gegen Rußland und England, empsahlen die Ältlchnuug an die Türkei und als legten Zuflucht den Schuh des Deutschen Kaisers, deS Schutzherrn aller Moslems.

Ein entsprechender Beschlußantrag luurbc gefaßt und unter lautem Beifall verlesen. Er soll allen europäischen Parlamenten und Kabinetten mitgetcilt werden. Die Versammlung verlies ungestört und machte einen tiefen Eindruck. Achuliche Kund­gebungen werden in den Pr vin en beabsichtigt "Ein Boykott gegen englische Waren wurde von virfchiebenen Seiten ms Auge gefaßt. Die Verhandlungen mit der SeligmaumGruppe über die Anleihe stocken infolge der Haltung der englischen Rc- gierung, die der per)ischeu mutcill, sie unterstütze nunmehr die Vorschläge der Jmperialbank.

Teheran, 18. Nov. Mit Nücksick-t auf die Nachricht, daß hundert russische Soldateu die Grenze bei Tschulsa überschritten, legte der Minister deS A e u ß c r n auf Grund der Erregung, die wahrscheinlich unter der Bevölkerung entstehen werde, gegen die Absendung einer neuen Truppeumacht V e r wahr n n g ei u. Er ergriff die Gelegeulxit, gegen die fortgesetzte Anwesenheit einer russischen Garmiou in SU3Win und Tähris gleichfalls Verwahrung einzulegen. Am gestrigen Nachmittage gab der russische Tragomau Biaiivfföky die Note des Ministers des Aeußeru zurück und erklärte, der rususclx Gesandte lehne es ab, weitere Proteste gegen die Anwesenheit russischer Truppen eutgegenzunehmen. Die russifctx Haltung bem Minister des Aeußeru gegenüber, wird hier lebhaft besprochen.

Ter britische Gesandte übergab gestern nachmittag die Antwort a u I d i e persische Note vom 22. Oktober über die Unruhen im Süden. Der Inhalt ist noch nicht verüssenllicht.

London, 18. Nov. TieT i m e S" bejpricht in einem Leit­artikel das russische P r v i e k t eines B a h n b a u c s durch Persien, daS in England sorgsame und nicht unsreundliche Erwägung finden würde; die Bahn könnte viel zur wirtschaftlichen Entwickelung Persiens beitragen. Früher oder später müßte sie durch den Westen Persiens mit der B a g d a d b a h n v e r b u n d e n werden. Spicrbci könnte sich Gelegenheit und Grundlage sür eine freundschaftliche Verständigung mit Deutschland finden. Der Artikel schließt: Alle. Erwägungen, die den Plan der Bagoadbahn der englischen ao empfohlen hätten, alö M vor m ihreren Jahren der Gedanke auflauchle, würben jetzt noch in höherem Maße für baß russische Projekt sprechen.

politifcbc

Tie Fleischteucinng.

AuS Berlin wird uns geschrieben:

ES bestätigt sich, daß im Staatsministerium Verhand­lungen ftattgejunben haben, die darauf hiuzielen, Maß­nahmen zu treffen zur Linderung der Fleischteuerung. Bin­dende Beschlüsse sind jedoch noch nicht gesapl worben; eS ist leboch höchst zweifelhaft, i-b der preustuche Landnnrtschastö- Minister emc Oes,nung der preußischen Grenzen für auslän­disches .Vieh, wenn auch nur in gejchlachtelem Zustande, zulasjen wird.

Wie wir hören, beabsichtigt die k v n s e r v crtiv e F r a t- tton des Reichstags in der nächsten Woche eine An- frage einzubringen, in der der Reichs.analer ge,ragt w.rb, ob die Hcuicruiia PUßnabmon getrogen habe, butdj die

die in einzelnen Bundesstaaten erfolgte Oeffnung der Grenze für ausländisches Vieh die Interessen der deutschen Viehbe-, sitter gegen die Seuchengesahr geschützt werben.

Deutsches Neich.

Der Kaiser ist Freitag abend 11 Uhr 45 Mitt von Berlin nach Kiel abgereist.

Den Berliner Blättern zufolge wies der Kaiser in der 12. Hauptversammlung der Schisssbauteckn. Gesell- schäft, die am Freitag in Berlin stattsand, aus seine persön­lichen Beobachtungen, die er über die Wirkung der Geschosse an der Eiuschußstelle beim Durchgang durch den Körper und der Ausschußstelle bei Schüssen am Wild gemacht habe, hin. Er hatte seinen Leibarzt beauftragt, die Schußkanäle und die Schußwickung genau zu studieren. Die Wirkung fei einerseits auf den Drall zurückzuführen und seinen Einfluß aus die Feuchtigkeitspartikeln im Innern deS Körpers. Die Ein- schußstclle beim Wild ist sehr schwierig zu finden, da sich das Fell nach dem Kugeldurcyschlag gleich wieder schließt und ost langes Suchen notwendig macht, um die Einschußstelle zu ent­decken. Dagegen sei die Ä u s s ch u ß st e l l e sehr groß, daß man meinen könnte, sie sei von einer Granate verursacht. Die Ro­tation der Geschosse im Innern des Körpers erzeugt förmliche Explosionswirlungen und zwar aus die Wasserteile: wie Spreng­geschosse waren sie nach allen Seiten auseinander geplatzt.

Der mecklenburgische Landtag ist am Freitag er­öffnet worben. Eingegangen ist ein Reskript der Schweriner Regierung, worin angefünbigt wird, daß die Verfass ungs- Vorlage vom 19. November 1909 dem Landtag wieder m- achen wird, und zwar zunächst zur kommissarischen deputatischen Beratung. Ferner ist dem Landtag ein Entwurf zur Reform der bestehenden Steuergesetzgebung zugcgangen, welcher progrZ ive Einkommensteuer und Ergänzungsstcuer vorfieht. Außerdem sind Vorlagen eingegangen über Gehaltserhöhungen sür Beamte.

Die nationalliberale und die V o l k s p a r t c i haben sür ganz Württemberg ein Abkommen sür die Reichs­tagswahlen getroffen. Sämtliche Wahlkreise werben zwischen beiden Parteien verteilt und zwar stellen die Nationalliberalen Kandidaten in sieben, die Volkspartei in zehn Wahlkreisen aus.

2hislaiifc.

In der öfterreichischen Delegation verwies in Be­antwortung der Anfrage betreffend die Abgabenfreiheit der Elbeschiffahrt der Minister des Aeußern darauf, daß die Abgabenfreiheit durch internationale Verträge ga­rantiert sei. Die Oeflerrcichische Regierung verlieh an anderer Stelle bet Anschauung über die Aufrechterhaltung her Abgaben­freiheit Ausdruck.

Wie ein Londoner Blatt erfährt, übertrug die j spanische Regierung einer Londoner Firma den Bau eines Dreadnouahts von über 27 000 Tonnen.

Aus San Antonio (Tex.) wirb gemelbet: Die Geheimagenten der Vereinigten Staaten entdeckten eine Verschwörung gegen den Präsidenten und die Regierung von Mexiko. Die Erhebung war für Sonntag geplant. Die Verschwörer Ver­fügern über reiche Mittel und lausten in den Vereinigten Staaten Waffen. Die Wasfenbepots in San Antonio und in anberen Orten stehen unter Ueberwachung und werden mit Beschlag belegt, wenn man versuchen sollte, Waisen über bie Grenze zu schaffen.

Aus und

Gießen, 19. November 1910.

Totenfest.

Die letzten Blätter fallen rajchelnd nieder, Ein Hauch des Sterbens zieht durch die Natur;

Verklungen sind der holden Sänger Lieder, Nur Gtockenklcmg tönt durch die öbc Flur.

Wir fühlen uns so innig hingetrieben

Zur heit'gen Stätte, um zu beten heut' Für uns're heimgegang'uen teuren Lieben Und Gott zu bitten um Barmherzigkeit.

O ernster Tag, du mahnst atich, die jetzt wallen

Auf dieser Erde, an Vergänglichkeit

Mögst Trost und Frieden geben du doch allen

Und vorbeieiten sie zur Ewigkeit! H. Staub ach

TciqeLkalenber für Sonntag den 20. November: Stadt- thealer: AbeuöS Ui)v :Die Räuber."

Kolosseum: Täglich Vorstellung.

K i n e m a t o g r a p y Vtcner ^.clplan.

Biograph: Neuer Spielplan.

W ä h l e r v e r s a ni m t u n g der s o r t s ch r i 11 k. V o l k S p. Sonntag abtub 8 Uhr in Steins Garten. Tagesordnung: Stabt- v e r o r b n e t e u w a h t.

Voni Großh. Hofe. Das GroßherzogSpaar reiste am Freitag abend 8 Uhr 12 Min. mit Gefolge in­kognito von Darmstadt nach Paris ab, wo cs sich mehrere Tage ailfzi,halten gedenkt.

Leßrerpersonalien. Der Grobherzog hat den provisorischen Lehrer an bem Lehrerseminar zu Friedberg Joh. Kuhn zllNi Lehrer an dieser s2(iilialt ernannt. lieber- tragen wurde dein SchiilaiiitSaspiranten Phil. Schniidt auö Worms eine Lehrerstelle an der evang. Schule z,l Eich und dem Schulamtsaspirantcn Hch. Roth ails Langsdorf eme Lehrerstelle an der Gemeinbeschille zu Lanbenhausen.

NeichStigSkandidatur. Auf die letzte Erklärung des Abg. Köhler - Langsdorf teilt uns Herr Professor Gisevius folgcnbcs mit:Es freut mich, daß Herr Köhler die Oüchtigkelt meiner Grünberger Behauptungen m Nr. 269 des G. A. fchon halb zngibt. ES muß vorbehalten bleiben, aus die übrigen Aeußerungen später zurückzukommen/

* * D i e Reuterfcier am AU n tag wird .sich, wie man unS schreibt, sür bie Freunde des Dichters noch besonders inter­essant gestalten, baß außerhalb des Programms ein Gedicht zum Vortrag koinmen wirb, bas bisher nahezu unbekannt und soviel man weiß, nod) in keiner Ausgabe seiner Werke zu finden ist. Das Interesse, das der Feier schon jetzt cntgegengebracht wird, ist um so erfreulicher, als der etwaige Ueberfchuß dem Reuter- benkrnal in Stavenhagen, Reuters Heimat, zugute kommt. (Siehe Anzeige.)

* * V o m Kun st verein Wirb uns geschrieben: In der Gemälde-Ausstellung am Braud hat, wie schon kurz erwähnt wurde, ein üoil|iäubigcc Wechsel der Gemälde statt- gefuuben. Die neue Ausstellung bat 93 Gemälde und 21 Plastiken mit luitßgewetbüchen Wr6eiten aufzuweiien. Sie zeigt überwiegend LandschastSbilder und eS besiiiden sich saft durchweg hervorragende Werte dabei. Der hier gern gesehene Aquarellmaler M. Fritz hat 9 Bilder ausgestellt, Molive auS Italien, Hasen- und Scadtcbitder. O. Jung- Stuttgart hat außer cuic Anzahl Bilder, Mcuivc aus der Um* gcgenb Gießens, einige Porträts ausgestellt. Ta die Dar- gcjicUtcn, Kinder, Tarnen und Herren, sämtlich Gießener sind, werben bicie Betrachter in ber Lage sein, Bild und Wirklichkeit miuinanbcr vergleichen zu tonnen. Das wirb auch der Fall fein bei deu Porträts, die Helene O n ck e u ausgestellt hat. F. L a u g e-Dede.am-Wertheim a. M., ein hier eben,'aus gern gesehener Künstler, hat schöne Motive von der Tauber- uno Mütugegeuo ausgestellt, sowie das Porträt einer alleren Dame, die bei oicien Gießenern be-

tenmt sein wird. 5*. Koberstein- Dahlem, der in der modernen Kunst seinen Platt hauptsächlicl) durch dekorative Malerei erworben hat, hat zwei Gouachcbi.der,Elfcn- nriefe",Am stillen Wccher" und ein SUllcben ausgestellt. ' Von Münchner Künstlern sind vertreten: H. v. Bar­tels, A. Bachmann, S. Boligiano, R. F. Churri, C. Gam- pert, F. Graeßel, O. Lynch of Town, P. P. Müller, L. Schoenchen, H. Tillberg u. C. Voß. Ferner noch C. Bieder- l mann, Jena, P. Rieß, Dessau, F. Ruppert, Halensee, L. Till, Karlsruhe, und Anna Bayer, Darmstadt. Werke der Bild- ; Hauerkunst sind zu sehen von PH. Schwarz-Tarmstadt, Ida Schaer-Krause, Zug i. b. Schweiz, H. H. Liebmann-Berlin, uno H. Wedbig-Flensburg, während C. Brose-Tiesdcn mit einigen kunstgewerblichen Arbeiten vertreten ist. Werke von ausländischen Künstlern sind ausgestellt von Alexis v. Hanzen, C. Pelityean, I. LanvernemParis und von E. Zier, F. WolstFerrari-Benedig. Tie Ausstellung ist täg- 4 l'.ch mit Ausnahme des Samstags von 11 bis 1 und an Sonntagen von 11 bis 3 Uhr mittags geöffnet.

Vom Stadttheater. Auf die nächste Volks­vorstellung am kommenden Dienstag fei besonders hingewiesen, da eS die letzte Aussührung von Shakespeares ,${ a n f- mann von Venedig" ist. Die Aufführung bildet schon durch bie neue Ausstattung an Dekorationen, Kostümen u. a. eine Sehenswürdigkeit.

"" Opern-Gast spiele. Die erste der Opern-Vor- stellungen, welche der Theater-Verein veranstaltet, wirb voraus­sichtlich am Montag d em 28. bs. 9)113. statlfinben und durch das Großherzogliche Hoftheater in Darmstadt und die dortige Hofmnstk auSgeführt werden. Zur Aufführung gelangt ,DaS dlachtlager von Granada", romantische Oper von Konradin Kreutzer.

Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Die naturwiffeufchastliche Abteiliing der Gesell­schaft hält am Montag dem 21. November im Hörsaale deS physikalischen Instituts (Stephanslraße 24) ihre Haupt­versammlung ab. Nach Schluß deS geschäftlichen Teiles wirb Dr. Jan VerSluyS über die Verbreitung der MeereStiere sprechen.

DeS TotenfcsteS wegen nimmt die elektrische Straßenbahn ihren regelmäßigen Verkehr nach dem neuen Friedhof schon um 10 Uhr vormittags auf.

* * 'Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus Anzig, Negierungsbczirk Ober-H bayern, Vorort Schniegling, Nüniberg-Stabt, Rcgierungs* bewirk Mittelfranken, Mönsheim, Cbcramt Leonberg, König-W reich Württemberg.

Landkreis Gießen.

A Klein-Linden, 18. Nov. Ter Kirchenvorstand bat be­schlossen, mit Beginn des nächsten Jahres eine K r a u ke n s chwe­st e r st a t i o n cinzurichten, da im zu Ende gehenden Jahre die Sterbeziffer sehr hock) war und besonders viele jüngere Leute ge­storben sind. Cs hat sich ein Ausschuß gebildet, der Die Sammlung 4 freiwilliger Beiträge vornimmt. 00)011 über 100 Frauen haben sich in die Sammellisten eingezeichnet. Die Gememdekasse ruiri durch die Neueinrichtung nicht belastet.

= Saubringen, 18. Nov. Am Mittwoch sand hier Bei geordneten ivahl statt, bei der Fabrikant Wilhelm Schäfer I, mit 70 Stimmen gewählt wurde. Schäfer I. gehört 24 Jahre dem Gemeinberat an. Auf den seitherigen 'Beigeorbneten Wilh. Albach I. entfielen 52 Stimmen.

- -- Beuern, 17. Novbr. Eine große Trauergefolgschaff geleitete gestern nachmittag bie sterblichen Uebcrriitc bes oerbienft* vollen 80jädrigen Herrn Wilhelm Otto 11. zum Friedhof, wo Pfarrverwaller Buchholb in bewegten Worten des Eutfchlafenen gedachte. Im Anjcyluß daran legten die Vertreter des Ge^ mcinderots, des KircheuvorftanbeS, ocs Schulvorstandes, deS Vor- fchußkassenvereins unb des KirchengeiangvereinS Kränze nieder. Herrn Otto ist es in erster Linie zu danken, baß eine Gemeinde­schwester hier angestcllt wurde. Der Kirchengcsa"averein trug abwechselnb mit dem Schülerchor Grablieber vor.

Kreis Büdingen.

X. Bahnprojekt Büdingen Hanau. Eine Vorlage, mit der vorn preußischen Ministerium an die. am Bahnbau Hanau Büdingen interessierten Ge­meinden zwecks Leistung eines erhöhten Zuschus,eS heran- getrelcn Wurde, hat der Magistrat der Stadl Hanau durch solgeudes Scl)reibeu an den Regieruugsprasidenten zu Kassel beantwortet:Wir sind nicht in der Lage, unseq Interesse an dem Bau der Kleinbahn Hanau- Büdingen durch weitere Erhöhung unserer Beteiligung an den Kosten des Unternehmens zu betätigen. "Nach den bisherigen Ver« Handlungen haben wir folgende Lasten übernommen: Wir stellen 1. das int Stadtkreis Hanau belegeue, für den Bahn­bau erforderliche Gelände unentgelllicy dem Unternehmen zur Verfügung. Das ist nichts besonderes, vielmehr ja Die Voraussetzung der Unterstützung des Unternehmens durch Staat und Provinz. Wir zahlen 2. von dem sogenannten verlorenen Zuschuß, den die Gcsellschast verlangt, 30 000 Mark, während der Landkreis 20 000 Mk. Übernommen hat, 3. aber, und das ist die Hauptsache, zahlen wir zu den vom Landkreis auszuwendeudeu D-runoerwerbStoslen 2/3, jedoch nicht mehr aks 80000 Mk. Bei den bisher an* gestellten Ermittelungen sind die Kosten des GrunderwerbS im Landkreise aus cuoa 12J 000 Mk. geschätzt, so daß wir mit der Außvendung dieses Betrages uou 8J 000 Mk. un­bedingt zu rechnen haben. Der Landkreis will nicht mehr als 2u OüO Ml. verlorenen Zuschuß und bis zu 40 000 Mk.' GrunderwerbSkosten ausbringen. Ob er angesichts der For­derung des Herrn Ministers weitere Opfer zu bringen! bereit ist, enlzieht sich unjerer Kenntnis. Wir unserer)eits können weitere Opfer nicht bringen. Der Gruuderwerb^ im Stadtkreise Hanau ist geschäht aus etwa 80 000 Müi bis 100 000 Mk., so daß die gesamten Opfer, die wir bringen hatten, 200000 Mk. betragen Würben. Dabei rst noch zu erwägen, daß durch die lungere Verzögerung des Projekts, die rnzwischen erfolgte Bebauung des Geländes in der Nähe ber neuen Bahn, vor allen Dingen die Er­bauung des Eijenbayner-KaseruementS, die Booeupreise ge- ftiegen sind, jo daß wir vorauSstchtucy mit der angcgeocneif Summe von 80 0u0 Mk. bis 100 UDO Mk. für den Grund- erwerb nicht werben auskommen, timen höheren Wert als in dem angegebenen Zuschuß enthalten, hat die Bahn für unS nicht. Wir find sogar der Meinung, daß, weint Die Beschlüsse der Körperschaften nochmaiS zu lassen wären, im Stadtverordneteu Kollegium kaum eine Mehrheit zur Aufwendung so erheblicher Mittel für das Bahuunterneh" men zu erlangen sein würde. Ob der Landkreis ein größeres Interesse an der Bahn hat, als in den von ihm über­nommenen 60 000 Mk. zum Ausdruck gelangt ist, lassen wir baljingejlcllt jein." Mit dem Beschluß des Magistrats erklärte j ia) auch die Stadtver 0 rdnetenversamm > Hing, der gestern das Schreiben zur Kenntnisnahme vor* lag, ei n v e r st a n d e n.

-1- Büdingen, L8. Nov. Die Feier dcS Geburts* tag beß Groß Herzogs, bic ursprünglich am 21. d. M. abends, im Rathausfaal itatltütbcn jollke, wirb, da bis zu PeM.