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18.2.1910 Erstes Blatt
 
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eiter Stadterw eiterungsunter nehmens ziud der bar an anschließenden Villen Kolonie bedacht werden.

Was die answärrigen Regierungen anbetrifft, so ver­lautet, daß England mit Werken des Städtebauers Ray­mond Unwin vertreten sein wird, während die Unions- regierv. it g auf der Ausstellung einige Gipsmodelle der Mdtebaulichen GntividTuitg von Groß-Boston sehen lasten will. Frankreich bereitet einige Entwürfe der Hafen- russifche Regierung in Sibirien senden.

Oie große öeutsche Landwirtschastswoche.

> .Berlin, 17. Febr.

In der fortgesetzten Beratung der Hauptversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrats teilte heute der Vorsitzende Graf v. Schwerin- Löwitz zur allgemeinen Enttäulchung der zahl­reichen Tribünenbeiucher mit, daß der Kaiser den angekündigten Besuch weaen einer leichten Erkältung nicht habe aussühren können. An erster Stelle berichtete Regierungsrat a. D. Oberförster Dr. D. Eschstruth (Knesebeck) überAussichten und Aufgaben des Ackerbaues im Norden von S ü d w e st a f r i f a". Die Möglich­keit größerer Produktionsmengen im Norden der Kolonie sei gegeben, wenn drei Voraussetzungen zutreffen, nämlich 1. bie Aus­findung und Erprobung von Kulturen, deren Erzeugnisse dauernd marktfähig find, 2. die Verbesserung und Erleichterung der in ^rage kommenden Verkehrsmittel, 3. die Gewinnung der int Bereiche der fraglichen Gebiete wohnhaften «zahlreichen kräftigen Bevölkerung zur Kulturarbeit.

In der Aussprache stimmte Staatssekretär Dernburg diesen Forderungen zu und meinte, daß nicht in den Diamanten­funden das Heil und die Zukunft der Kolonie liege, sondern in den Schätzen, welche die Erde uns bietet. Unterstaatssekretär v. L i n d e g u i ft machte verschiedene Angaben über den Stand des Baumwollbaues im Ovamboland. Die Straußenzucht die durch den Herervkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen war, blüht ebenfalls wieder aus.

Hierauf sprach Professor Dr. Sering (Berlin) überdie Herkunft der deutschen Unteroffiziere und Soldaten". Die Ver­sammlung verlangte eine statistische Aufmachung auf Grund des Materials der Ersatzbehörden, da die bisherigen Veröffentlichungen in der Sache nicht ausreichten. Prof. Sering kam in seinen Aus­führungen zu dem Schluß, daß die großen Städte der Wehrkraft des Landes Abbruch tun. Seit Jahren bleibe die Taugliehieitsziffer auf dem Lande stabil, während sie in den Städten herabgehe. Gegenwärtig stammen 62,Prozent der tauglichen Mannschaften vom Lande. In der Aussprache to-iiit Freiherr v. Getto barauf hin, daß nach den Erhebungen des Geheimrats Evert Bayern und Württemberg als durchweg Agrar­länder hinter dem industriereichen Preußen rangieren. Die Stati­stik der Wehrfähigkeit erscheine daher nicht ganz einwandsfrei. Freiherr v. Wangenheim verlangte, daß die Regierung aus den theoretischen Erörterungen auch das praktische Ergebnis ziehe. Sie sollte dem Wegzug vom Lande den Verlust des Unterstützungs- Wohnsitzes folgen lassen.

Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf das Landwirt­schaftliche Internationale Institut in Rom >dessen Errichtung allgemeinen Beifall sand. Es wurde aber gewünscht, daß neben dem Institut die landwirtschaftlichen internationalen Kongresse weiter bestehen bleiben möchten. Schließlich behandelte der Landwirtschastsrat noch die wichtige Kalifrage. Die Ver­sammlung einigt sich aus die vorgelegten Leitsätze, welche von dem neuen Kaligesetze verlangen

a) Sicherung genügender Mengen von Kalisalzen für den Jnlandstonsum:

b) Sicherung der Reellität der Lieferungen;

c) Bestimmungen über die Preisfestsetzung und oen Absatz der Kalisalze im Inland:

d) Bei der Errichtung einer Kontingentierung dieses Absatzes ist der Absatz für das Inland von ieder Abgabe befreit zu lassen. Dagegen ist der darüber hinausgehende Absatz bis Mr Füllung des Kontingents mit einer mäßigen Abgabe zu belasten, während auf das lieberkontigent eine wesent­lich erhöhte Abgabe zu legen ist.

Damit war die heutige Tagesordnung erschöpft.

Deutsches Aeeeb.

Im Bundesrat wurde am Donnerstag der Vorlage be­treffend die Verlängerung des deutsch-schwedischen Handelsvertrages und dem internationalen ?lbkom- men über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen die Zustimmung erteilt.

Die Zweite s ä chsische Kam m er verwies die drei Anträge auf Refor in bezw. Aufhebung der E r ft e n Kammer an die Gesetzgebungs-Abordnung.

. Aus Kol in ar i. E. wird gemeldet: Als Donnerstag nachmittag ä Uhr der Abgeordnete Dr. Wetter le aus dem Gefängnis entlassen wurde, hatte sich eine bis 5000 Köpfe starke Menge in den aitliegcuben Straßen angesam­melt. Die Straßen mußten abgesperrt werden. Als Dr. Wetterte unter der Gefängnispforte erschien, wurden stür­mische Hochrufe laut. Wetterte wurde in den Wagen gehoben, B l u m e n st r ä u ß e wurden ihm z u g e w o r - jflen, und die Menge gab ihm das Geleit bis an die Woh­nung, in der sich zahlreiche Freunde zur Begrüßung Wet­terlös eingefunden hatten. Kurz darauf verlief sich die Menge. Störungen kamen nicht vor.

Ansinsid

Kaiser Franz Josef genehmigte die Verfassungs­entwürfe für Bosnien und die Horzogewina und zwar das Londcsstatut, die Wahlordnung, die Geschäftsordnung des Sanbtnge-5, das Vereins- und Versammlungsgesetz und das Gesetz über die Bczirksräte.

Am Donnerstag nachmittag fand in Paris die Kon­stituierung der Marokkogesellschaft für öffentlich e Arbeiten mit einem Kapital von zwei Millionen Francs statt; hiervon entfallen 50 Prozent auf die Franzosen, 30 Pro­zent auf die Deutschen, 20 Prozent an andere Nationalitäten, wobei die Engländer und Spanier ihrer besonderen Stellung ent­sprechend berücksichtigt werden. Der Verwaltungsrat der Gesell­schaft, zu dessen Präsident der ehemalige Minister und Leiter des Credit Foncier Algerie L e b o n, und zu dessen Vizepräsident Dr. Lauter von der Frankfurter Firma Philipp Holzmann u. Co. gewählt wurden, besteht aus 12 Mitgliedern, sechs Fran­zosen, vier Deutschen, einem Engländer und einem Spanier. Die Firma, welche sich die Prüfung und Ausführung aller öffentlichen Arbeiten in Marokko insbesondere Hafen- und Eisen­bahnbauten zur Aufgabe gemacht hat, ist als eine rein private Vereinigung dm in Marokko hauptsächlich interessierten Firmen zu betrachten. Die Adiudikationsbestimmungen der Algecirasakte 'werden durch die Gesellschaftsgründung selbstverständlich nach keiner Richtung beeinträchtigt.

Wie ans London gemeldet wird, hat Ministerpräsident Asquith dem König einen Besuch abgestattet, um über das Ergebnis"der Beratungen mit den Mitgliedern des neuen Kabinetts zu berichten. Hierauf fand ein Ministerrat statt. Hervorragende Mitglieder der liberalen Partei sind der Meinung, daß die Ver­handlungen zwischen Asquith und Redmond, dem Führer der irischen Nationalisten, gescheitert sind. Der Führer der Ar­beiterpartei, Barnes, hat erklärt, Asquith habe von dem König die erwartete Garantie für eine Einschränkung des Vetorechts der Lords nicht erlangen können. Für die Arbeiterpartei sei es unannehmbar, daß die Verhandlungen des Budgets denen über das Vetorecht der Lords vorangehen sollen. Wenn es schon zu einer

anlagen von Lyon vor, und will Entwürfe des Städtebaus

allgemeinen Trennung der Parteien komme» fülle, so fügte Barnes hinzu, so geschehe es am zweckmäßigsten so bald als möglich.

Die bulgarische Regierung brachte in der Sobranje einen Gesetzentwurf ein, durch den zur Erinnerung an die Unab- hängigkeitserklärung Bulgariens der neue Orden vom heiligen Cyrillus und Methodius gestiftet wird. Dieser Orden wird unter den bulgarischen den ersten Rang cinnehmen, eine einzige Ritter- klasse besitzen und fremden christlichen Souveränen und Prinzen, bulgarischen und ausländischen Staatsmännern, die Bulgarien große Dienste erwiesen haben, sowie Bulgaren und Ausländern, die um die Menschheit sich verdient gemacht haben, verliehen werden.

21 us Stadt und Land.

Gießen, 18. Februar 1910.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Eine sehr umfangreiche und wichtige Tagesordnung mußte unser Stadtparlament in seiner gestrigen Sitzung er­ledigen, was ihm auch trotz der vielen zur Redelust an­regenden Beratungsgegenstände gelang. Die wichtigste zur Beratung stehende Sache war die Abänderung der Ver­brauchsabgaben, die durch das am 1. April in Kraft tretende reichsgesetzliche Verbot von Oktroiabgaben auf Lebensmittel hervorgerufen worden ist. Von unseren jähr­lich etwa 111 000 Mark betragenden Oktroieinnahmen fallen nach dem Reichsgesetz 43 400 Mark weg und darüber hinaus soll noch das Ottroi auf Wildbret und Brennholz beseitigt werden, das im Verhältnis zu feinem Ertrag 1300 Mk. ungewöhnlich hohe Erhebungskosten verursacht. Man glaubt den Verwaltungsapparat für die Oktroterhebung so ver­einfachen zu können, daß mehr als diese Summe gespart wird. Zum Ersatz für den Einnahmeausfall soll vor allem eine Erhöhung der lokalen Biersteuer dienen, durch die etwa 20 000 Mark einkommen werden, ohne daß dadurch der Bierausfchankpreis erhöht wird. In einem gewissen Zusammenhang mit der Okroifrage steht auch die Er­höhung, oder, um die Sache milder auszudrücken, die Neu­regelung der Schlachtgebühren. Diese Neuregelung hätte im nächsten Jahre anläßlich der Schlachthoferweite­rung doch erfolgen müssen, aber man nahm sie jetzt schon vor, um Schwankungen in den Fleischpreisen zu vermeiden, denn erfahrungsgemäß haben Oktroierleichterungen noch niemals preisermäßigend gewirkt. Die Eigentums­frage von Stadtkirchturm und Friedhofs­kapelle beschäftigte erneut die Versammlung, nachdem die Kirchengemeindevertretung den vor dem Kreisamt ab­geschlossenen Vergleich nicht genehmigt hat. Die Versamm­lung beschloß, auf keinen Fall auf die weitergehenden An­sprüche der Kirchengemeinde bezüglich des Benutzungsrechtes der Friedhosskapelle einzugehen" Die Neigung zu einem friedlichen Ausgleich trat aber allseitig so stark hervor, daß eine gütliche Verständigung wohl zu erwarten ist, zumal ein Prozeß zwischen Kirche und Stadt doch nicht zu den schönsten Dingen gehört. Einem alten Wunsche, den An­lagen mehr schütz vor den Hunden dadurch zu gewähren, daß die Hunde dort angeletnt geführt werden müssen, fand nach längerer teilweise heiterer Debatte durch Zu­stimmung zu der vorgeschlagenen Abänderung der Polizei- verorbnung seine Erledigung.

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* * Tageskalender für Freitag, 18. Febr. Stadt- theater:Salome" undTer schlechte Ruf". Anfang 8 Uhr.

A l l d e u l s cb e r V e r b a n d : Vortrag von Proi. S ch iv a l ly: Tie jungtürkische Bewegung; LlchlbilDervoikübrung au5 Armenien und Palästina. Abends 8/4 Uhr in Steins Garten.

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* * Hoftrauer. Der Groß Herzog hat wegen des Ablebens der verwitweten Fürstin Hermine 5ti Schaum- burg-Lippe eine Hoftrauer vom 16. bis einschließlich 20. Februar angeordnet.

* KreisamtSbureauvorsteher. Das Großherzogl. Ministerium des Innern hat den Kreisamtsgehilfen Karl Wingefeld zu Bensheim beauftragt, die Stelle eines Bureau- vorstchers bei dem Großh. Kreisamt Schotten versehen.

* * Das Befinden der Kaiserin von Rußland. Gegenüber neueren ungünstigen Nachrichten in der Presse über das Befinden der Kaiserin Alexandra Fvodorowna von Rußland ist dieDarmst. Ztg." zu der Mitteilung er­mächtigt, daß Ihre Majestät letzthin an Neurose des Herzens gelitten hat, sich jedoch jetzt auf dem Wege völliger Ge­nesung befindet.

Stadttheater. Die Sonntagnachmittagsaus- fuhrung von Moral ist die letzte des amüsanten Werkes. Die Vorstellung, die als vorzügliche Leistung unserer Buhne anerkannt wird, findet bei kleinen Preisen statt. Am 'Abend wird Sudermanns neues SchauspielStrand­kinder" wiederholt. Das Werk, das hier in einer hervor­ragend sehenswürdigen Ausstattung gegeben wird, hat gestern am Kgl. Schauspielhause in Berlin, >vo vor 6 Wochen die Uraufführung staltfand, bereits die 25. Wiederholung erlebt.

" Konzert de§ Bauer'fchen Gesangvereins. Wie alljährlich, so veranstaltet auch in diesem Jahre der Bauer'sche Gesangverein zur Feier seines Stiftungsfestes ein Konzert. Es findet Sonntag, 27. Febr., in der neuen Aula der Universität statt. Freunde guten Gesanges seien schon jetzt darauf hingewiesen.

"Das Ehrt st en tum unter den Naturvöl­kern. Der gestern abend gehaltene Vortrag des Missionars G s e l l über dasChristentum unter den Natur­völkern" war aus allen Kreisen der Stadt sehr gut be­sucht. Der große Hörsaal der Universität war bis auf den letzten Platz besetzt ein erfreuliches Zeichen dafür, daß die Teilnahme an diesen Fragen und Aufgaben im Wachsen begriffen ist. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer den aus der Fülle eigenen Erlebens geschöpften und höchst anschaulichen Schilderungen des Redners. Den Heid- nischen Naturvölkern das Christentum zu bringen, so führte er aus, ist aus zwei Gründen unsere Pflicht. Einmal, weil es nicht wahr ist, daß diese Völker sich in ihrem Naturzustand glücklich fühlen. Sie sind vielmehr eine Beute des 9lber- glaubens, der Habgier und Grausamkeit ihrer Häuptlinge und Zauberer, der furchtbarsten Unwissenheit "gegenüber den Krankheiten und anderen Schrecknisfen, Kampf, Streit und Blutvergießen sind an der Tagesordnung und erfüllen die armen Neger mit Angst und Furcht. Zum andern richtet die durch den Verkehr mit den Weißen doch eindringende Kultur eine unsägliche Verwirrung in den Köpfen an. Das macht eine planmäßige Erziehung nötig. Es gilt dort die sittlichen Kräfte des Evangeliums im Leben dieser Völker aufzurichten. Das Christentum hat für sie einen doppelten Wert. lÄnmal als eine defensive Kraft, die die Naturvölker schützt gegen die schlechten Seiten unb Wirkungen "ber curo= fischen Kultur. Sodamr als eine Offensivmacht. Durch die Predigt des Gotteswortes werden die Naturvölker zu allem Guten ungehalten, in den christlichen Schulen wird eine langsam sich steigernde innere Kultur angebahnt

(affein auf der Goldküste hat die Basler Mission 156 Volks­schulen nrit über .200 in Seminaren ausgebildeten ein­geborenen Lehrern), dadurch wird vor allem auch das roeib li,che Geschlecht gehoben, und damit erst ein wirkliches Fa­milienleben ermöglicht, und endlich wird durch praktische Liebestätigkeit (ärztliche Mission, Erziehung zur Arbeit» dem Elend dieser Völker gesteuert. Die Missionare predigen nicht nur, sondern leisten eine vielgestaltige >tultur- und Erziehungsarbeit. Die Unentbehrlichkeit der Mission für die Erziehung der Eingeborenen hat der Staatssekretär Dernburg auf Grund eigener Anschauung nachdrücklich an erkannt. Den Schluß machte die Vorführung ausgezeichnet schöner Lichtbilder, die in fesselnder Weise durch Erzählungen und vielfach mit Humor gewürzte Schilderungen erläutert wurden.

* * Tor akademische t erbu nb veranstaltete gestern zum Besten ber Lesehalle einen Vortragsabend im Hotel Grosft Herzog, bei dem Frau A. Bering nadi einer cingcljcnben Wür­digung .Heinrich von Steins mehrere Dichtungen des früh Verblichenen vortrug. Mit erlesenem Geschmack und kühner Gc- staltungSkrast gelang es der Vortragenden ihre Hörer bis zum Schlüsse au 1'5 angenehmste zu fesseln, obwohl sie sich mit klugem Bedacht jeder Geste enthielt und nur durch, ihr lebhaftes Mienen- spiel die Worte des Dichters unterstrich. ' Dabei kam ihr die wohlklingende, gehorsame Stimme gerade bei der Art der vor­getragenen Dichtungen außerordentlich zustatten und Stücke ime Hannibal, Luther und Cromwells Tochter gelangen denn auch, vollkommen, während Friedrich ber Große seiner ganzen Natur nach weniger dramatisch wirkte. Wie Frau Bering aus ihre Zuhörer lctrE.bc, wird dadurch wohl am besten erläutert, daß lief nach Beendigung des nahezu zweistündigen Vortrages noch niemand zum Fortgehen bewogen zu fühlen schiert, bis man sich vergewissert hatte, daß. es tatsächlich Schluß fei. Hoffens lich ist auch ber klingende Erfolg des Abends derartig, daß für die Lesehalle etwas übrig bleibt.

* * V. H. C. Eine Sitzung des G c s a m tv 0 r st a nde s des Vogelsberger Höhen- Clubs findet morgen nachmittag hier int Hotel Viktoria statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Fertigstellung des Bismarcktnrmes auf dem Taus- stein, Herstellung der Wege zu dem Turm, Einweihung uud Geldbe-chassung für den Turm; Herausgabe eines Verzeichnisses ber Sommerwohnungen; Gründung eines Heimatmuseums in Helpershain.

M. T. V Der geschäftsfuhren de Ausschuß für das Iubiläumssest des Männer-TurnvereinL hielt gestern eine Sitzung ab, in der namentlich die Satzungen der einzelnen Ausschüsse festgesetzt wurden. Es bestehen da­nach ein Ehrenausschuß, ein Festausschuß und ein geschäfts­führender Ausschuß; ferner ein Finanz-, Bau- und Aus- schmücknngS-, Preß-, Turn-, WirtfchaftS-, Wohnungs-, Emp­fangs- und Verkehrsausschuß, Ausschuß für daS Schülcrturncn, Musik- und Vergnügungs-, sowie ein Zug- und Orbnunos- ausschuß. Die Einzelausschüsse werden in den nächsten Tagen ihre Tätigkeit beginnen.

* * Das Examen für mittlere Verwaltungs- beamten (Kreisamtsgehilfcn und Kreisamtsbureauvorsteher) wurde am 29. und 30. Nov. unb 1. Dez. 1909 (schriftlich) und am 14. Febr. 1910 (mündlich) zu Darmstadt ab- gehalten. Bon 19 Kandidaten wurden 4 von den münd­lichen Prüfung zurückgewiesen, von den übrigen 15 Aspiranten haben 12 bestanden und zwar Martin Alter-Bingen (Viern­heim), H. Bach- Friedberg, Max Graf-Dieburg (Westhofen). Fritz Heger-Gießen, Joseph Hirschviegel-Mainz, Karl Jhring-Mainz (Grünberg), Karl Kloos-Alzey, Will). Kloß- Darmstadt (Roßdorf), Konrad Muntler-Diebnrg, Friedrich Ring-Mainz, Vatter-Offenbach, Karl We inl-Bübmgenl

** Vom Kolossen m schreibt man uns: Ricardo Saeco, ber berühmte Hungcrkünstlcr, beginnt am Tamstag nachmittag seine aus 4 0 Tage und 4 0 Nächte berechnete Hunger- k u r. Saeco erregte in allen Städten, wo er als Hungcrkünstier austrat, das Interesse der medizinischen Wisschenschäft, sowie der gc'amten Eimvohnerschast. Es wird dies hier in Gießen das 32. Hunger-Experiment sein. Das längste dauerte 47 Tage latb 47 Nächte. Da Saeco nach Südamerika geht, wird dies sein letztes Austreten in Deuischland sein. Zur Einglasnng, die Sams­tag nachmittag um 4 Uhr erfolgt, haben die Presse, Behörde, sowie einige Mediziner ihr Erscheinen zugesagt; Damit den Gießener Bürgern Garanti. geboten ist, daß Saceos Unternehmen streng reell durchgeführt wird, hat die Sanitätskolonne die Bewachung übernommen. Die ohne Unterbrechung Tag unD Nacht stattfindet.

Watzenborn, 17. Febr. Ter Gesangverein Harmonie" feiert nächiten Sonntag abend fein drittes Stiftungsfest im Vereinslokal. Ein recht reichhaltiges Pro- gramm, Gesang, Theateraufführung, Couplets und Konzert verspricht allen Besuchern einige genußreiche Stunden.

R. Qbenhäufen i. b. Rabenau, 17. Febr. Am Mitt- woch abend hielt Herr Stephan von Staufenberg im Saale des Herrn Bellmg einen Vortrag über seine Erlebnisse in Südwestafrika. Er schilderte den Abschied von der Heimat, bie Ueberfahrt, sowie die Gefechte in Afrika, woran er beteiligt gewesen, seine Erkrankung und den Rückmarsch bis zur Heimat. Auch sprach er über Sitten und Gebräuche der einzelnen wilden Stamme im fernen Afrika und haupt­sächlich über solche, die in unseren Kolonien wohnen. Den Vortrag begleitete er mit sehr gut gelungenen Lichtbildern. Alle Zuhörer lauschten feinen Berichten mit der größten Auf. merksamkeit, und als er geendet, lohnte reicher Beifall seine Rede. Der Vorsitzende des Kriegervereins, Bahnhofsauffeher Weber, dankte im Namen des Vereins, sowie der Gemeinde dem Redner für den Vortrag. Er hielt sodann eine längere Ansprache über die Zwecke und Ziele unserer Kolonien m Afrika, und betonte hauptsächlich, daß es notwendig sei, unsere Deutschen Brüder und Schwestern in Afrika zu unterstützen, damit sie dort festen Fuß fassen und sich eine zweite Heimat gründen können und unS ein tüchtiges Absatzgebiet für unsere Industrie ersieht und auch die dortigen Erzeugniffe zu uns herüderwaudern können. Er schloß mit einem Hoch auf unfet Vaterland, sowie auf die deutschen Kolonien. Herr Stephan sprach sodann noch über die Boden- und klimatischen Ver­hältnisse in den Kolonien.

L. Friedberg, 17. Febr. Tie Heizung unserer Stadtkirche ist nunmehr beschlossene Sache und wird im Laufe dieses Sommers ausgeführt werden, sodaß im nächsten Winter die Kirche geöffnet sein wird.

* Vv m Vogelsberg, 15. Febr. In Stunt Werten 1 0 d hat sich letzthin ein K i r che n g e s an g ver e i n gebildet, der schon 35 Sänger zählt. Unter der Leitung des Lehrers BcnDer U- cr schon fest an Der Arbeit, um an Ostern zum erstenmal tm Gottesdienst mitwirken zu tonnen. Ende Jmmar hielt ein zurzeit aus Urlaub in der Heimat weilender Ai i s s i o n a r aus Mantmm, Maier, (Basler Missiony in den Kirchspielen Obre Ohmen, Babenhausen, Stumpertenrod und Groß-Felda gut l>e suchte, interessante Lick)tbilder -Vorträge über die Mission m K a merit n. Trotz seines schon lO jähriaen Aujentl-afteS im icmvarzen, heften Erdteil, hat er sich auch im kalten, schneereichen Vogelsberg alä wetterfest erwieM.