Die Wahren in England.
London, 20. Jan Bis li ? Uhr nachmittags waren. Bekannt als gewählt: 155 .konservative, 130 Liberale, 25 Mitglieder der Arbeiterpartei und 47 Nationalisten. Die Kvniervatiben gewannen bis v'Rt 69 Sitze, während bei den mrderen Parteien die Gewinnziffer unverändert ist.
London, 20. Jan. (3 Uhr nadint,;. Gewählt sind: 158 Unionisten, 131 Liberale, 26 Mitglieder der Arbeiterpartei und 51 Nationalisten.
Deutsches Reich.
Der Kaiser nahm Donnerstag vormittag im königlichen Schlosse die Vorträge des Kriegsministers und des Ghefs des Militärkabinetts entgegen.
Nach dem Ministerrat in Konstantinopel am Donnerstag richtete die Pforte an alle Großmächte durch Vermittelung der türkischen Botschaften eine Note, in der sie gegen den Gebrauch der n e u ü e st eilten kretischen Briefmarken mit dem Aufdruck Hellas sowie dagegen Widerspruch erhebt, daß fortgesetzt Gerichtsentscheidungen „im Namen des Königs der Hellenen" gefällt werden.
Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Dem Vernehmen nach ist für den durch das Ausscheiden des Legationsrats Prinzen v. Schönburg-Waldenburg erledigten Posten eines Generalkonsuls in Ofenpcst der bisherige Botschaftsrat in Wien, Graf v. Brockdorff-Bantzlau und für den durch die Ernennung des Dr. Michahelles zum Gesandten von Rio de Janeiro frei gewordenen Posten eines Mini sterr esid en ten in Lima der bisherige erste Sekretär Lei der Gesandtschaft im Haag, Legatwnsrat Graf p. Hacke bestinrmt.
Ausland.
Der französische Senat verwies den Antrag Humbert, wonach die gegenwärtig der Armee des Atutterlandes rinverleibten, besonders gefährlichen Apachen im Versetzungswegc den afrikanischen Tis.ttpltnarbotoillo- nen zugeteilt werden sollen, an den Heeresauoschuß. In der Begründung des Antrags heißt es, daß der gegenwärtige Zustand geradezu eine öffentliche Gefahr bilde und deshalb nicht bis zur Abänderung des Relrutengesetzes gewartet werden dürfe. Ter (Senat nahm ferner mehrere Artikel !des Gesetzentwurfs über die Altersversicherung an und setzte insbesondere fest, daß die in Frankreich wohnenden ausländischen Arbeiter bezüglich des Mersversichc- rungsgesetzes denselben Bestimmungen unterworfen roer-> den sollen wie Franzosen. Die ausländischen Arbeiter- Werden außerordentliche Zuwendungen genießen, welche aus den Beiträgen ihrer Arbeitgeber und den Budgetubcrschüs.en herrühren, wenn Verträge mit ihren Geburtsländern französischen Staatsangehörigen dieselbe Behandlung garantieren.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 21. Januar 1910.
Aus der Sitzung der Stadtverordnete».
Die erftc Sitzung des neuen Jahres brachte, wie es ttad) der langen WeihnachtsPause nicht anders zu erwarten war, eine außerordentlich reichhaltige Tagesordnung, so daß sich die öffentliche Sitzung bis um 7 Uhr hinzog. Die behandelten Gegenstände gehörten gerade nicht, zu den wichtigsten städtischen Ausgaben, brachten aber doch eine ziemliche Redeflut und manche beachtenswerte Beschlüsse und Anregungen. Dahin gehört in erster Linie die auf eine Erweiterung und Vertiefung unserer höheren Mädchenschule abzielenden Beschlüsse, die einen besseren mathema-- tischen Unterricht und die probeweise Einrichtung eines Forlbildungskursus (als event. Vorläufer für die Selekta) ermöglichen. Daß unsere staatliche Bureaukratie außer den Finanzsorgen auch noch andere Sorgen hat, geht aus der Prüfung des Ortsbau st a tuts für die Bergstraße usw. durch das Minisuwium herbor. Es änderte zwar nichts xm dem materiellen Inhalt, forderte aber in fast allen Paragraphen tmwesenttiche redaktionelle Aenderungen. Die Versammlung stimmte inner Heiterkeit den gewünschten Abänderungen zu, um die Sack)e nicht aufzuyalten. Aber mit Recht meinte Stadtv. Grünewald, ob der Staat mit seinen Sparsamkritsbesbrebungen nicht an den Leuten anfanaen solle, die in ihrem Amt Zeit zu derartigen Dingen haben. Sehr zu begrüßen sind die Anregungen, für die bei der Faidberrinigung erfolgte radikale Beseitigung der Zecken andere Nistgelegenheiten für unsere Vögel — auch an Interesse der Landwirtschaft — zu schaffen. Eine zeit- gernäße Fortbildung unserer Feuerlöscheinrichtun- ßcit wurde anläßlich der bei dem iürztichen Kellerbrand in der Liebigstraße gemachten Erfahrungen, die Stadtv. Grünewald ziemlich drastisch schilderte, ge,ordert und vom ObtTrbürgermeister wurde auch eine entsprechende Vorlage in Aufsicht gestellt. Erwähnenswert ist noch der Beschluß, die Haftpflichtversicherung und die Mobilien- v^r jicherung für die Stadt selbst in Selbstverwaltung nehmen, also die sonst für Prämien zu verausgabenden Prämien einem besonderen Fonds -zuzufuhren und etwaige Hastpflichtschäden und Brandschäden am städtischen Jn- uenrer hieraus zu bezahlen.
M TageSkale «der für Freitag, 2 L Jan. Stad t- rheater: »Die Hosen des Herrn von Bredow^. Anfang 8 Uhr.
I w e i t e D a n c e - B o r l e s u n g von Frl. Basjermatm aus Heidewerg. Abends ö1/, Uljv im großen Hörjaal der Universität.
L. ü. Landes Universität Dr. Anton Thies aus Friedeburg, Assistent an der chirurgischen Klinik, der sich für das Jach der Chirurgie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, hält am Montag, 24. Jan., abends 0 Uhr, in der kleinen Aula eine öffentliche Probevorlesung über das Thema: lieber Radiotherapie. — Sic. theol. Dr. Phil. August Freiherr ü. Ga l l, der sich bei der theologischen Fakultät zu habilitieren wünscht, hält am Dienstag, 25. Jan., um 12 Uhr, in der kleinen Aula eine öffent- liein Probevorlesung über „Ergebnisse und Aufgaben der heutigen a l l t e st a m e n l l i ch e n W i s s e n s ch a s t".
*■* Ruhestandsversetzung. Der Groß Herzog hat den Bureauvorsleher bei dem Kreisamte Alsfeld Kanzleirat Larl Wurslius auf sein Nachsuchen unter Anerkenmmg seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zu dem Nüterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Dien ft n a di richten. Ernannt wurden Pfam- amtstandidat Weiß zu Selzen zum Pfarrverwalier in Reinheim, Pfarramts:andidat Sic. Vollrath zu Darnr statt zum P,arrverwa.lter in Lechei.n, P.arrämls.ano.dat Steiner zu Schwanheim zum P<arrvcr.oel.er m Rot!- -i berg, Pfarramts!.ciudivat Jux Ried en zu Bad Nauheim
zum Marrassistenten daselbst: Vfarramtskandidat'Äerich ?u Altenschlirf zum Pfarrassistenten in Kirchberg (mit dem Wohnsitz in Lollar, Pfari-amtskandidat Eichenauer zu Ober-Ohmen zum Pfarrvitar in Raunbeim, Pfarramts- randidat Köhler zu Wobnbach rum Dfarrassistenten an der Landpfarrei Mainz (mit dem Wohnsitz in Gonsenheim). Tie Schlußprüfung int Dezember 1909 haben bestanden: Wilh. Döll von Homberg <t. d. O. zu Wieseck, Hans Eichenauer von Engelrod zu Ober-Ohmen, Äug. Ger ich zu Altenschlirf, Wilh. Köhler von Düdelsheim zu Wohnbach, Wilh. S e h r t zu Gronau, Ernst Steiner von Zeitlofs zu Schwanheim, Lic. Wilh. Vollrath zu Darmstadt, Fritz Weiß von ALuschenheim zu Selent, Ernst Zur Nied en von Barmen zu Bad Nauheim.
** Die Minifterialabteilung für Schulangelegenheiten wird, wie man der „Darmst. Ztg," mitteilt, in den nächsten drei bis vier Monaten durch Prüfungen und andere Dienstgeschäfte so stark in Anspruch genommen sein, daß die üblichen Sprechzeiten an den Mittwochen und Samstagen nicht regelmäßig eingehalten werden können. Es empfiehlt sich deshalb, beim Sekretariat der Abteilung auf einer Postkarte mit Antwort anzufragen, ob und wann ein Besuch stattsinden kann. Dabei muß der Beamte genannt werden, mit dem man zü sprechen wünscht. Die Mitglieder der Abteilung sind gern bereit, in Schulsachen mündlich Auskunft zu geoen und Rat zu erteilen. Neuerdings aber häufen sich die Besuche so, daß es manchmal schwer wird, die laufenden Tienstgeschäfte ordnungsmäßig und rechtzeitig zu erledigen. Es llegt deshalb im Jntereise des Dienstes und aller Beteiligten, die Besuche bei den Beamten der Abteilung auf dringende und wichtige Fälle zu beschränken. Jedenfalls wolle man davon absehen, den Mitgliedern der obersten Schulbehbroe solche Angelegenheiten vorzuiragen, die zunächst von einer der Abteilung Nachgeordneten Dienststelle behandelt werden müssen.
** Burschenschafter-Reichskommers. Am nächsten Samstag veranstalten die hiesigen drei Burschenschaften in Gemeinschaft mit den drei Marburger Burschen- schasten Arminia, Alemannia und Germania zur Feier der Gründung des Deutschen Reichs wieder einen Festi.ommers, der dieses Jahr hier auf der Liebigshöhe stattfindet. Die Marburger Burschenschaften treffen mit Sonderzug gegen 4 Uhr hier ein. Dem Kommers geht nachmittags unter Vorantritt von drei Musikkapellen sowie der Chargierten in Bollwichs und den Fahnen ein Festzug voraus, der sich vom Bahnhofe aus nach dem „Andres" bewegen wird.
** Neue Grundbücher. Im letzten Jahre wurden die Grundbücher folgender oberhe,sischer Gemarkungen angelegt: Allendorf a. d. Lda. mit deni 1. Juli 1909, Altenstadt mit dem 10. Januar 1910 Bad Salzhausen mit dem 1. Sept. 1909, Bingenheim (ausschl. einiger Grundstücke) mit dem Id. Okt. 1909, Breungesheim mit dem 10. Juli. 1909, Büdingen (ausschl. einiger Grundslücke^ mit dem 25. Nov. 1909, Büdinger Martwald mit deni 25. Nov. 1909, Büdinger Wald mit dem 25. Nov. 1909, Crainfeld mit dem 10. Nov. 1909, Erbenhausen mit dem 25. Aug. 1909, Freiensteinau mit dem 1 .Oft. 1909, Friedberger Burgwald mit dem 25. April 1909, Friedeshaufen mit dem 20. Juli 1909, Geiß-Nidda mit dem 10. März 1909, Herbstein mit dem 20. März 1909, Herchenhain mit dem 1. Oft. 1909, Kessel buch mit dem 10. März 1909, Langen-Bergheim mit dem 15. März 1909, Lehrbach mit dem 15. Aug. 1909, Londorf mit dem 10. Mai 1909, Nieder-Ofleiden mit dem 20. Dez. 1909, Oppenrod mit dem 1. Oft. 1909, Qneckborn (ausschließlich einiger Grundstücke) mit dem 1. Nov. 1909, Reibertenrod mit dem 1. Sept. 1909, Reichlos mit dem 5. Dez. 1909, Rudlos mit dem 25. Juli 1909, Schotten mit dem 5. Jan. 1910, Staufenberg mit bent 20. Juli 1909, Vadenrod mit dem 1. Mai 1909, Vilbel (ausschl. einiger Grundstücke) mit dem 15. Juli 1909, Volkartshain mit dem 15. Mai 1909 und Wohnbach (ausschl. einiger Grundstücke) mil dem 15. Nov. 1909. Ferner für einige seither noch ausstehende Grundstücke der Gemarkungen Gleimenhain und Friedberg.
**JnbernichtöffentlicheuStabtverorbneten- Versammlung wurde die Anstellung eines Lehrers in der höheren Mädchenschule gutgeheißen. Als Polizeiwachtmeister wurde Schutzmann Kimmel angeftellt.
** Unfall. Hauptmann Stephan stürzte gestern, als er zum Dienst reiten Krollte, von seinem Pferde und erlitt dabei eine ziemlich erhebliche Verletzung, so daß et in die Klinik gebracht roerbat mußte. Eine unmittelbare Lebensgc'.ahr besteht nicht und die Aerzte hoffen, daß Hauptmann Stephan bald wieder bifltft> fähig wird.
^Bürger-Vcreinsversamnrlung. Die gestern abend im „Einhorn" abgehaltcne Veri'anunlung des Bürger- Vereins war außerordentlich stark besucht, besonders von Lehrern, Beamten und Universitätsprofessoren, wahrend das gewerbetreibende Bürgertum im Verhältnis nur sehr schwach vertreten war. Lehrer Valentin 'Müller begrüßte die Erschienenen, besonders die Damen, von denen etwa 20—25 anweseird waren. Professor Urstadt sprach kurz über die Verbesserung der Ferienordnung. Daß die gegenwärtige Fericnordnung verbesserungsdürftig in, werde woht niemand bestreiten. Es käme nun darauf an, welch'. Abänderung int Interesse der Schüler, und nur daraus komme l5 ait, zu erstreben seien. Nach seiner 'Ansicht sei eS nicht wünschenswert, die Ferien überall auf dieselbe Zeit zu verlegen. Erstens müßten die örtlichen Verhältnisse berücksichtigt werden und außerdem müsse man eine Uebersüllung der Sommer- frischen zu vermeiden suchen, was bei gleichzeitigen Ferien der Fall wäre. Es sei daher feüt Unglück, daß in Gießen die Ferien etwa artders fallen, als in den andern hessischen Städten. Notwendig sei es aber, daß die Tauer und die Zeit der Ferien in Gießen für alle Schulen gleich seien. Es sei ein Unrecht, daß die Volksschule gegenwärtig 1 Woche weniger frei habe, als die höheren Schulen. Tie Kinder der Volksschulen empfänden dies mit Recht als eine Ungerechtigkeit, aber auch den Volks-" schullehrern gegenüber sei das eine ungerechtfertigte Maßnahme. Es liege im Interesse der geistigen und körperlichen Entwicklung der Kinder, daß kürzere Ferien die Schulzeit häufig uttterbrächen. Ter Redner begrünoet sehr eingehend diese Forderungen und bemerkt, daß man auch die klimatischen Verhältnisse unserer Stadt berücksichtigen müsse. Er ist der Ansickst, daß der August für die hiesigen Sommerferien geeigneter sei als der Juli. Tie Festlegung des Osterfestes sei auch im Hinblick auf die Ferien dringend zu wünschen, aber diese Betrachtung solle hier ausscheiden, wie auch die der Universitätsserien, die mehr in lieber- einftimmung mit den Schulferien zu bringen seien. Die Ferien unserer voch''chule sei eine wirtschaftliche Frage: auch das Manöver- und seine Vorbereitung gehöre hierher und müsse bei Rc- geßüng der Ferien beachtet werden. Eine Verlängerung der Ferien am Ende des Schuljahres sei unbedingt zu fordern. Professor Urstadt bemerkt, daß er seine Forderungen ausgestellt habe, .um für die Aussprache eine gewisse Züchtung anzugeben. 2er Redner streift dann noch den neu begründeten Bund hessischer Schulreformer, dessen Forderung nach einem Elternrat unbedingt zu '.intkn-siützen sei. An der längeren Aus'prache beteiligten »ich u. a. die Profestoren Behaghel, Biermann, Körte, die Landg. richts rdi.’ Wiener und Sckudt, die L-ehrer Dr. Krnnßmüllcr, Valentin
t ;.b ldermann Schmidt, Stadtveeordn. cer Lobrr mtö '..ichauraLur Iastoros.v, sowie Fabrikant Emil Horst. Schließlich wu.rdeij, cu'.ilimmtg Mgenomnten: la Es ist yiyt w.ünsck^enZ-
toerf, daß ine Feriert int ganzen Land gleich liegen. 2. E. ist novvendig, daß die Gesteurtdau-n- inT ''.erieu und deren Verteilung auf da- Schulwbr in derielö-nt Stad für alle Sst cn gleich nnd. 3. Ti' bisherigen jiDti Wochen F-eri.'n am des Schuljahres genügen nicht, deshalb werden drei Wochen s? itcr-- ferien vorgeschlagen. 4. Tic einzelnen Ärbeits peri öden dürfen nicht so lang werden: aus di-"'em'Grunde muß zioifchctt eüinmi'r- und Äeihnachtsferien eine Ruhepause non zwei Wochen stattsinden. 5. Es werden daher vier Wochen August- und zwei Wochen Oktoberferien vorgeschlagc-n. 6. Wünschenswert ist eine Vermehrung der Ferien für alle Schulen auf 12 Wochen im Jahr .'jetzt höhere Schulen 11, Volksschulen 10 Wochern. Tie Oster ferien^wären hiernach von 2 auf 3 Wochen zu verlängern (Schluß des Schuljahrs^ 7. Als neue Fcrienordnung wird in Vorschlag gebracht: a> Pfingsten 1 Woche; b) August 4 Wochen «Beginn an demjenigen Samstag, der dem 5. August am nächsten liegt : c) Oktober 2 Wochen (Beginn an dem dem 15. Oktober vorausgehenden Samstag : d) Weihnachtsferien 2 Wochen, wie bisher; e) Ostern 2 resp. 3 Wochen (wenn Ostern früh fällt, 1/3 vor und % der Ferien nach dem Feste, fällt der Feiertag später im Jahre, dann sollen die Ferien 14 Tage vor und 1 Woche nach Ostern eingerichtet werden. Gel' Rat Prof. Dr. Schmidt ist der Ansicht, daß die Schulbehörde gar kein Interesse daran hat, den einmütigen Wünschen nicht zu entsprechen. Wenn die Wünsche zur Kenntnis des,Ministeriums gebracht und von den Vertretern unserer Stadt kräftig unterstützt würden, so sei viel Aus'icht, daß die vorgeschlagene Ferienordnung noch bei Beginn des neuen Schullahres in Kraft treten werde. Ter Vorstand des Bürgervereins wird von der Versammlung beauftragt, die Wünsche und Anträge an die Regierung und an die Schulbehörden unserer Stadt gelangen zu lassen. Ebenso soll die städtische Verwaltung gebeten werden, int gleichen Sinne zu wirken. Wegen der vorgerüalen Zeit wurden die übrigen Punkte vertagt.
** „Es ist ndQ) tcin Winter verfault." Diese ländliche Trosiregel trifft für den diesjährigen Winter bis jetzt nicht zu. Ter ver,ault — und zwar tüchtig. Regen, Nebel, Duft und Schneematsch, das ist der Wechsel, den die Wintertage bringen. Schlimm ist dieser faulende Winter für unsere Schuljugend. Sie kommt um jedes Wintervergnügen. Keine Schlittenfahrt, kein Eisgleiten, keinen Schneemann, kein Schneeballwerfen, lauter 10 gesunde Bc lvegungen, die die Wangen röten, die Brust weiten, den Appetit fördern! Dafür tagtägliches Srubenbocken hinter trüben, feuchten Fensterschetben. Feuchte Strümpfe und kälte Fuße bei nicht handfestem Schuhwerk, wenn nur die notwendigen Gänge im Freien gemacht werden müssen. Ta leidet die Gesundheit, und die Kcanlyeiten finden einen fruchtbaren Boden. Unb was müssen die Eltern in biefept Winter für eine Geduldsprobe durchmachen! Tie Wohnstube tvird zum Spiet- und Tummelplatz der Kleinen, die sonst das Wintervergnügen ins Freie lockt. Und Kinder tonnen doch nicht den ganzen Tag still sitzen: sie müssen Bewegung haben. Da gibt nur der Gedanke Trost: es muß doch Frühling werden.
** Thicrleben, beobachtet und dargcstelll von alten uitd modernen Meistern, zeigt die neue Ausstellungsscric der Lesehalle; zumeist sind es farbige Wiedergaben von Gemälden aus den Galerien von Dresden, Karlsruhe, Kassel, Hamburg, Berlin, -Petersburg, London, Paris, Amstcrdant usw. — Eine Gruppe moderner Künstler bringt Tarstellungen der verschiedensten Tier-^ und Tiergruppen, die sich durch Form, Farbe und Stimmung auszeichnert. — Andere Meister geben mehr die charakteristische Eigenart der Ticrc wieder. Wir finden sodann Tiere bei Spiel unb Arbeit, sowie im Dienst des Menschen. Manche dieser Tar stellungen sprühen von Leben, eine weitere Gruppe von Tier malern zeigt den Zusammenhang des Tierlcbens mit der Natur und der heimischen Landschaft. — Sodann solgm Tieranekdoten und Fabeln. — Auch das deutsche Märchen und -ein menschlich intimes Verhältnis zur Tierwelt ist vertreten durch Luowig jüd;. . 2 Waldidplle „Schneewittchen bte Rehe und Vögel fütternd". J't letztgenannten beiden Gruppen sinden sich u. a. »wch Schwinv „Rosse tränkender Etnsiedleri', Spitzweg „Klapperstorch", Böcklin „Schweigen im Wald", Thoma „Wandervögel", Savetp „Tie Fabel vom Hirsch unter den Kühen", Oberländer „Siesta". — In den crstgenanMen Gruppen sind die namhaftesten deutschen und ausländischen Tiermaler vertreten, 5. B. Meyerhrim, Brendel, Kröner, SeibelS, Zügel, Hegenbarth, Weißhanpt, Braüh, Bergmann. Fikentscher, Potter, d'Hondecöter, Kemv-Welch, Landircr, Ronner, Lilieförs, Drohn, Rosa Bonheur, Pirie usw. Auch finden wir Uhde „Wäü;ter des Hauses", Lübermamt „Pferde werden in das Meer geritten", Mittet „Tie Kuh". — Dieses Büd oes befamu^it französischen Malers ruft die Erinnerung an ein Erlebni - wach, das ein Berliner Fabrikant, geborener Hesse, gehalr har. — Aur Wunsch der Kaiserüt Augusta geleitete er während des deutsch-französischen Krieges einen Transport Liebesgaben zum Äugusta-Regimem. In einem ftanzösischen Torfe Irogenetejt ihm einige baperische Soldaten mit eurer requirierten Kuh, da- Himer stürzte aus einem Häuschen eine alte Frau und jammerte händeringend „ma vachc, nta fortune". Unser Landsmann konnte den Soldaten sagen, daß ein für ihren Truppentell bestimmte VervtlegungSzug am nächsten Tage eintresfen müsse und bat. wenn nrögttch, die Kuh der armen Frau zu schonen. Tie Bayern gingen daraus -u einem Gebüsch, schlugen Zweige ab, bekränzttm die Kuh und brachten sie in den Stall zurück — T-as Bild von Meister Mittet zeigt im Hin ergründe ein kleines Häuschen, vorne eine Kuh, aus dem Teich trinkend. Daneben eine alte 5rau, sie stützt sich aus einen Stock, mit der anderen Hand streichelt sie ihr liebes Tier: „nta vachc, ma fortune". Ein heller, freundlicher Himmel beleuchtet die friedliche sSzene aus dem französischen Dorfleben.
** Städtische Bekanntmachungen. Die Bürger- meifterei ersucht uns, darauf hinzuweisen, daß die Veröffentlichungen der Stadt Gießen im Gießener Anzeiger künftig in der Regel n u r D i e n L t a g 8 und Freitags unter der Aufschrift .Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen' erscheinen.
** Alte Erinnerungen. Aus Groß,eu-Buseck wird uns gesebrieben: Alle, bte meinen, daß wir in früheren Jahren eine.solche warme Witterung wie heuer int Januar nicht zu verzeichnen gehabt l-ätten, sei gesagt, daß in den 20er Jahren dcs vorigen Jahrhunderts int Jamtar die Vögel Nester gebaut hatten, daß im selbigen Jahr während der Koinblitte Schnee fiel, lutb daß die keine Kvrn- ernte bekamen, die mit gespannten Seilen den Schnee von der Blüte (oder besser gesagt mit der Blüte) abgestreift hatten. Wer den Schnee liegen ließ, hatte keinen Schaden erlitten. — Im Jahre 1834 brannten hier zwei Tage lang einige Straßeit ab. Die Feuersbrunst war so arg, daß man die Frankfurter Spritzen zu £>itfe rief, die jedoch unterwegs wieder umkehren tonnten. An die Abgebrannten wurde Geld und anderes verteilt. Tie Verteitttug nahm der Pachter Güngerich vor unb die Berteilungsalten befinden sich noch im Besitz eines Gießener Bürgers.
? Garbcnteich, 20. Jan. Der Gesangverein .Viktoria" hielt dieser Tage seine Jahresversammlung ab, die einen sehr befriedigenden Jahresabschluß ergab. Es wurde beschlossen, demnächst einen VeremSball adzuhalten und im Laufe des Jahres wieder an einem Gcsangsmcttilreit teilzunehmen.
-- Lollar, 20. Jan. D-^r Geflügel- u. Vogel- zuchtvereir: hält am Sonntag, -3. d. M., seine vierte Loka lau: - \ c 11 u it g im Saale der „Germania" ob. Die ännieibiutgcn hierzu sind sehr zahlreich eingciiutjen. Als Preislich/.e.r iß, wieder Herr. M., Södler aus. ^leder-Gc.-i


