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Nr. 17
Ter Siebener : erscheint täglich
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[v_y Erstes Blatt 160. Jahrgang Freitag 21. Jannw. 1910
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wirtschaftliche Seitfragen ■ B B ▼ ü V H V V Chefredakteur: A Goetz.
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für die Redaktion 119, I v jkW e a m zWa < <■ aa politischen Tetl: August
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Der hessische Iuftizhaushatt.
R. B. Darmstadt, 20. Jan.
Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer setzte heute gemeinsam mit der Regierung, die durch die Herren Staatsminister Dr. Ewald, Finanzminister Dr. G n a u t h. Geh. Rat Best, Ministerialrat Süffert und Oberbaurat K l i n a e l h ö f e r vertreten war, die Beratung des - Haushalts für das Ministerium der Justiz fort. Bei Kap. 89, worin für Land- und Amtsgerichte 2 721 738 M., d. i. gegen das Vorjahr 91 468 M. mehr, verlangt werden, bemängelte Abg. Brauer, daß namentlich an kleineren Amtsgerichten die Richter außerordentlich viel freie Zeit hätten, während einzelne Gerichte in den Städten mit Arbeit überhäuft seien. Er frage deshalb an, ob nicht einige der am wenigsten be- scl)äftigten Amtsgerichte wieder aufgehoben werden tonnten, resp. ob sich nicht die Zahl der Richterstellen verhältnismäßig verringern lieste.
Staats- und Justizminister Dr. Ewald erklärte, daß von der Kammer fortgesetzt die Errichtung neuer Amtsgerichte gefordert werde und daß die Regierung sicherlich nicht die Anregung zur Vermehrung derselben gegeben habe. Die Regierung habe sich dem wiederholten Andrängen der Herren Abgeordneten manchmal nicht entziehen können; sie werde aber für die Folge genau prüfen, ob neue Amtsgerichte zu errichten seien. Ueber die Frage der Abänderung der Gerrchtsbezirke sande zur Zeit eine Prüfung statt. Abg. Dr. Weber meint, daß manche kleine Amtsgerichte nur mit einem Richter besetzt zu werden brauchten.
Dem widersprach Abg. Dr. G u t f l e i s ch, der int Interesse der Weiterbildung der Richter es für gut hält, wenn an einem Gericht mehrere Richter beschäftigt seien. Der Redner regte dann die Frage an, ob es sich nicht empfehle, angesichts des starken Andranges an Assessoren und Referendaren statt der zwei Examina jährlich nur eins ab- zuhalten. Staatsminister Dr. Ewald teilte mit, daß zurzeit 175 Gerichtsassessoren und etwa 160 Referendare in Hessen vorhanden seien, die auf Anstellung warten. Von den Gerichtsassessoren seien etwa 77 in Verwendung, die übrigen warteten noch auf Anstellung. Es würden im Jahre etwa 3, höchstens 5 etatsmäßige Stellen für Juristen besetzt. Geh! Rat Best meint, baß, eine nur einnral'ge juristische Staats^ Prüfung im Jahre wegen der Nachteile in der Anciennit-ät und im sonstigen Fortkommen, namentlich der nicht in den Justizdienst tretenden Kandidaten, aber auch wegen der prüfungs-technischen Schwierigkeiten nicht möglich sei; etwa 60 Examinanden gleichzeitig zu überwachen, sei unter den gegebenen Verhältnissen nicht durchzuführen. Abg. Dr. O s a u n fragt bei der Regierung an, ob nicht bei dem vorhandenen Ueberfluß von Assessoren und Referendaren in der Anstellung eine Auswahl zu treffen das Richtige sei. Maßgebend müsse hierbei die Güte des Examens sein. Der Redner verweist daraus, daß in Bayern nur Juristen mit der Note II oder besser im Staatsdienst angestellt würden und daß auch in Sachsen und in Baden die größte Strenge in der Prüfung der anzustellenden Anwärter obwalte. Allerdings sei in Bayern den Kandidaten möglich gemacht, ihre Note noch durch ein Nachexamen zu verbessern. Wenn man in Hessen zu der Auswahl der Inhaber der besseren Noten übergehe, so müsse jedenfalls auch ein Nachexamen ein geführt werden. Dieser Auswahl rückwirkende Kraft zu verleihen, fei aber doch bedenklich mit Rücksicht auf diejenigen, die unter den seitherigen Bestimmungen das Examen bereits bestanden hätten; auf alle Fälle müßte diese Rückwirkung davon abhängig gemacht werden, daß ein Nacheramen zugelassen werde. Abg. Molthan meint, daß die Bevorzugung Der besseren Noten in Bayern selbst
Kleines Feuilleton.
— Die erste Spur des Halleyschen Kometen ist, tote jetzt aus Aegypten gemeldet wird, dort schon vor der Entdeckung in Heidelberg aufgefunden worden. Sie wurde nachträglich auf einer photographischen Aufnahme, die in Helwan am 24. August 1909, also 18 Tage vor der Entdeckung in Heidelberg gemacht wurde, festgestellt. — Der Halleysche Komet soll schon in einem größeren Feldstecher sichtbar sein. Am 15. Januar stand er gegen Mitternacht 2Vs Vollmonddurchmesser (1 Grad 10 Minuten) südlich vom Mars, dem er überhaupt an jenem Tage im Raume am nächsten kommt. Am 28. Januar geht er an Saturn 3 Grad 8 Min. nördlich vorbei. Er bewegt sich dann IV3 Grad bis 1 Grad nördlich an den Sternen Zeta, Epsilon und Delta der Fische entlang. In der ersten Woche des März kommt er dann der Sonne allmählich so nahe, daß er wdhl kaum noch wird verfolgt werden können. Erst Ende April, nachdem er am 20. April morgens gegen 5 Uhr feine Sonnennähe erreicht hat, wird er bann am Morgenhimmel wieder sichtbar werden.
— ©in neuer Komet ist in Johannesburg entdeckt worden. Ter Komet war nur 4 Grad von der Sonne entfernt, mußte also eine ungeheure Helligkeit haben, wenn er in dieser Stellung beobachtet werden konnte. Der Komet soll sich nördlich sorlbewegen und in diesen Tagen am Abendhimmel in unseren Gegenden sichtbar werden.
— Die kaum glaubliche Zerstörung eines Naturdenkmals wird aus Schaumburg-Lippe gemeldet. Es handelt sich um den mächtigen Findling, der im Volksmunde als der S ch ä f er ft e in von Hagenburg bekannt war. Tie Zerstörung ist, wie der B. B. C. mitteilt, auf Veranlassung der fürstlichen F 0 r st v e r w a l tu n g in Bückeburg erfolgt. Tee Trümmer des Blockes wurden zum Eindecken einet Waldstraße benutzt, die durch einen fürstlichen Forst bei Hagen- 1 bürg führt. Der Stein ragte teilweise aus der Erde und war A"ch einen vernarbten Strich in zwei Teile geteilt. Einige Vertiefungen wurden als die Abdrücke eines Menschenfußes and eines Hundes gedeutet. Einst soll, so erzählt in „Niedersachsen" mc Sage, eim Schäfer seine Herde am Waldessaum gehütet haben. Tabei ließ er es gern gesck>ehcn, daß die Tiare ein nahes Roggen- ftütf abweideten. Als später der Bauer den Feldfrevel sah, folgt» er h*n. Spuren nach in den Wald. Dort fand er den Schäfer
einen lebhaften Widerspruch gefunden hätte und daß Die Maßregel dort als geradezu rigoros bezeichnet worden fei Finanzminister Dr. Gnauth teilt mit, daß er in den ihm unterstellten Ressorts, wie der Forst- und der Bauverwaltung, nur solche Herren zulasse, die bessere Examensnoten aufzuweisen hätten.
Zur VereinfachungderSchreibarbeitenbei den Gerichten wiesen die Abgg. Molthan und Dr. Osann auf die Notwendigkeit hin, von den Gerichtsschreiber- Aspiranten und auch den Schreibyehilfen unbedingt die Kenntnis der Stenographie zu verlangen und nicht, wie dies jetzt der Fall sei, fakultativ diese Kenntnis zu belassen.
Beim Kapitel: Sachliche Ausgaben, werden 269 470 M. verlangt, darunter für Hausaufsicht, Unterhaltung, Reinigung, Heizung und Beleuchtung der Justizgebäude in Darmstadt, Mainz und Gießen 59 000 M. (g e g e n das Vorjahr mehr 19000 M), für Bureaubedürfnisse der Landgerichte 12 000 M, der Staatsanwaltschaften 7500 Mark und der Amtsgerichte und Amtsanwalte 132 000 M.; endlich für Miete der Amtsräume usw. der Gerichte 56 000 Mark. Die HöhedieserSummen wurde von mehreren Ausschußmitgliedern eingehend kritisiert. Abg Molthan meinte, daß die zurzeit bestehende unbedingte Verpflichtung zur Sparsamkeit noch nicht in alle Beamtenkreije über- gegangen sei, sondern daß noch vielfach in dem bisherigen Tempo weiter gewirtschaftet werde. Er verhängt, daß sich die Beamten ihrer Verantwortung bei der mißlichen Lage bewußt werden und mithelfen sollten zur Erzielung von Ersparnissen. Diesem Verlangen stimmten sämtliche Ausschußmitglieder bei. Staatsnuuister Dr. Ewald bemerkte hierzu, daß er bereits allen Beamten seines Ressorts die Beobachtung der größten Sparsamkeit eingeschärft habe. Er werde aber diese Maßregel nochmals allen Beamten ausdrücklich eiuschärfen.
Damit wird die Sitzung abgebrochen. Nächste Sitzung Freitag vormittag.
~Dte^Lüvmtzbuchler Beschwerden.
** Berlin, 20. Jan.
Der Budgetausschuß verhandelte am Donnerstag über die LÜderitzbuchter Depesche. Sie behauptet, in bet Rcgis- rungsdenkscklrist seien absichtliche Umvrchrlxcken enthalten, vti» langt wiederum eine Untersuckmng gegen Staatssekretär Dern- burg, sagt, daß die deutsche Di<unautengesellschaft nicht allein nicht sack-gemäß arbeite, sondern auch nicht die BierteLmillion für Vorarbeiten ausgegeben habe und ähntickscs mehr. Die DepeschO ist gezeickmet: Kteplin, Bürgermeister.
Der Korreferent beantragte Uebergang zur Tagesordnung über die Depesche unter besonderer Mißbilligung des Bürgermeisters, da er in unerlaubtem Maße einen hohen Beamten strafbarer! Handlungen beschuldige. Ein nationalliberales Mitglied hob hervor, die sachliche Prüfung könne später noch erfolgen. Die Wortführer des Zentrums und der Konservativen schlugen vor, die Sache heute abzusetzen. Ein Vertreter der Reichspartei meinte dagegen^ der Staatssekretär dürfe nicht einen Monat uw- ter Verdacht stehen. Es müssen die Mißbilligtmgen sofort ausgesprochen werden, eine sachliche Prüfung könne trotzdem Vorbehalten bleiben.
Staatssekretär Dernburg wies zunächst sächlich die in den Depeschen enthaltenen Behauptungen und Anschuldigungen zurück. Hinter dem ganzen Vorgehen stecke die Pomonasache. Nach dem Wortlaut der Depesche könne er den Bürgermeister als seinen Untergebenen nid# mehr behalten.
Es entspann sich daraus eine längere Erörterung über die Frage, ob die Tepesckse als Bittschrift anzusehen fei oder ledialich als eine Mitteilung an das Präsidium, und ob ihr authentisck^r Inhalt zu veröfsentlichen sei ober nicht. Von nationalliberaler Seite wird die Veröftentlichung für notwendig erklärt, wenn man die Form mißbillige. Das Vertrauen in die vLelbstverwaltung ntadrfe nicht bei solck>ein Benelpnen der Ansiedler. Des Eindrucks im Publikum toegen müsse erklärt werden, daß die Kbinmifsion ja gerade über die Gegenstände, diq die Depesche behandle, mehrere
Tage verhandelt habe. Ein sozialdemokratisches Mitglied führte! aus, er würde begreifen, wenn der Staatssekretär gegen den Bürgermeister die Rechtsmittel ergreife, um seine Behauptungen, auf ihre Wahrheit zu prüfen imb eventuell Strafe eintreten zu lasten. Die Depesche sei als Ausfluß des Größenwahnsinns anzusehen. Die Diamanten seien den Leuten zu Kops gediegen. Ter Berichterstatter solle im Plenum erklären, der Budgetausschuß habe keinen Anlaß gehabt auf die Depesche einzugehen: er könne Dabei die Form mißbilligen. Er als prinzipieller (Gegner _ bet! Kvlonialpolitik erkenne die Erklärungen der Regierung als völlig erschöpfend an.
Ein uationalliberales Mitglied zog aus den Vorgängen die Lehre, daß man die Selbstverwaltung nickst aufschieben solle. Bestände sie schon längere Zeit, dann wäre das nicht vorgekommen.
Nach weiterer Aussprache wurde dann einstimmig der sozialdemokratische Antrag, die Depesche durch die Beschlüsse des Aus- sckmsses für erledigt zu erklären, .angenommen. Hieraus werden die Gehaltsfragen in den Kolonien beraten. Die Besoldung^ ordnung geht an einen Unterausschuß.
Am Freitag: Südwestafrika.
politische Tagesschau.
Die Bemühungen um die Universität Frankfurt.
Die demokratische „Franks. Ztg." läßt in ihren Bemühungen um die Schaffung einer Universität in Frankfurt nicht locker. Außerhalb Frankfurts hat an dem „hohen Ziele" wohl fein Mensch Interesse, aber auch in der Goethestadt selbst scheinen keineswegs alle Gemüter schon überzeugt zu fein, denn der neueste Artikel des genannten Blattes erschöpft sich hauptsächlich in einer Aufzählung der Vorteile, die Frankfurt von der Gründung haben würde. Andere Leute denken mehr an das allgemeine Staatsinteresse und besorgen nicht nur die Schädigung anderer Universitäten und das Anwachsen des Gelehrtenproletariats, sondern auch tendenzpolitische a^adem. Bestrebungen. Die „Fr. Z." protzt mit dem großen Geldsack der Frankfurter und läßt sich wie folgt in die Karten blicken:
„Grundsätzlich ist die Frage der Gründung von Universitäten, die nicht vom Staat unterhalten werden, zu bejahen, grundsätzlich muß aber gleich von vornherein die Forderung erhoben, werden, daß den Geschenkgebern der nichtstaatlichen Universitäten ober) der durch sie repräsentierten Körperschaften bei der Verwaltung gewisse Rechte, unbeschadet der staatlichen Mitwirkung zu- gestanden werden. Es wäre verfrüht, diese Rechte heute schon! im Einzelnen festzusetzen. Zwar hat sich auch für unsere Universitäten aus der m ittelalterlichen Berfas sungeintge Selbstverwaltung erhalten, sie dürfen z. D. ihren Rektor, ihren Senat und ihre Dekane selbst wählen. Aber man weiß aus der Univ-ersitätsge;ckstchtc der letzten Jahrzehnte, daß die r^iha Hand der Regierrmg mitunter störend in die Speichen des afa- bemifdjeu Getriebes eingegriffen hat. Glücklicherweise hat dick Freiheit der wissensckwftlichen Forschung dadurch noch keine Not gelitten, dank dem inneren Wesen unserer Universitäten, und, wenn aicch das stolze Wort, daß die Universitäten ehemals schützend« Burgen freiheitlicher Gesinnung gegenüber kirchlicher und poli- tifcher Reaktion waren, heute nicht mehr un ganzen Umfang gilt, so empfindet man bod) Genugtuung über ihr Zusammenwirken und Ineinander fließen von wissensckwftlicher Forschung und wissen- sckmftlichem Unterrickst. Man soll sich aber nicht darauf verlassen, das; bis heute im Wesentlichen die wissenschafttiche Freiheit noch nickst ernstlich ramvvniert ist. Wir dürfen die Möglichkeit einer fotogen Gefahr nicht aus dem Auge verlieren und müssen chv vvrzubeugen suchen."
Hoffentlich wird der preußische Staat sich dagegen wehren, daß eine „kommunale Universität (in dem wohl die Stadtväter über die Qualität der Dozenten entscheiden sollen?) sich anmaßen möchte, der Förderung von Kultur und Wissensckstlft besser dienen zu können, als es durch die bewährte Verfassung unserer Universitäten gewährleistet wird. Im andern Fall würde es freilich am besten sein, gleich das Frankfurter Stadtparlament die Geschäfte des Reichs- und Landtags besorgen zu lassen.
auf jenem Felsblock, umlagert von der übersatten Herde. In heftigen Worten fährt der Bauer den gewissenlosen Mann an. Ter aber leugnet frech und verflucht sich obendrein, er wolle auf der Stelle untergehen, wenn er der Uebeltater wäre. Ta klafft der Stein auseinander, Schäfer und Hund versinken. Riß und Spuren aber blieben sichtbar und verkündeten die Geschichte vom Schäferstein zu Hagenburg. Die Zerstörung eines solchm Denkmals ist zurzeit der immer mehr erstarkenden Heimatsckwtz- beroegung und besonders, weil auf Befehl einer Behörde erfolgt, für uns einfach unverständlich.
— Lessing in England. (Zum 21. Januar.) Lessings „Minna von Barnhelm" ist, was wenig bekannt sein dürfte, im Jahre 1786 in einer Ueberfefcung des Engländers Johnson unter dem Titel „Baroneß Bruchsal" über die Bühne des Londoner Haymarket-Theaters gegangen. Heber die Aufnahme, die das Werk beim englischen Publikum fand, berichtet der Korrespondent eines in jenen Tagen viel gelesenen deutschen Journals: „Der Stoff dieses Stückes, meinen die dramatischen Aristarchen, sei für das englische Theater zu dürr und zu mager, ob es schon eine Ader voll Gefühl und eine Wärme der Großmut umfasse, welche alle Szenen beseele und die Ermüdung verhindere. Doch sähe ich bei der Ausführung mehrere Zuschauer, besonders Männer, bei den herrlichen Zügen, durch die Lessing seinen Just und den Major so interessaM zu machen weiß, helle Tränen vergießen, und der Uebersetzer Johnson selbst gestand ein, daß er keine vollkommene Uebersetzung geben könnte, indem Lessing's Witz, Feinheit und schöne Diktion bei jeder llcbcrtragung unendlich verlieren müsse." Diese abschwächende Wirkung der Uebersetzung zeigte sich besonders auch bei der Aufführung von Lessings „Emilia Galotti" in der erbärmlichen llcbcrtragung von Tr. Barringt»n. Obwohl bei der Ausführung des Dramas im Oktober 1794 auf der. Bühne des Drurh-Lane-Theaters hervorragende Kräfte mit- wirkten, war der Erfolg nur sehr mäßig. Trotzdem die berühmte Schauspielerin Siddvns, die Joshua Reynolds so meisterlich porträtiert hat, die Gräfin Orsina gab und Cumberland den Prolog zu dem Stück gedichtet hatte, verhielten sich die englischen Kunst- richter kühl. Wenngleich sie den drei ersten Akten eine große Wirkung zuerkannteu, rügten sie doch außer der Mangelhastigteit der Uebersetzung einen gänzlichen Mangel an Wahrheit und an Wahrscheinlichkett in der Charakterzeickmung. „Ter Engländer," so glossiert der Korrespondent, „verlangt auch in feinen besten
Trauerspielen gewisse substantielle Derbheiten, die freilich mit dem Geschmacke Lessings unvereinbar sein mußten."
— Christine Hebbel feiert am 9. Februar ihren 93. Geburtstag. Sie erfreut sich noch geistiger Frische und ist auch körperlich int Verhältnis zu ihrem Älter noch rüstig. Ihre Woh-- nug hat sie, wie aus Wien berichtet wird, schon seit geraumer Zeit nicht verlassen. Ihre Tochter und Enkel statten ihr fleißig Besuche ab, sonstige Gäste aber empfängt sie nicht mehr. Sie lebt nur in Erinnerung an „ihren Hebbel".
— Ter Afrikaforscher „Slavi k". Dem kühnen Polarforscher Shackleton ist, wie wir jüngst mitgeteilt haben, von der Geographischen Gesellschaft in Berlin die nach dem berühmten bcutfdjen Afrikaforscher Nachtigal genannte Medaille verliehen worden. Tschechische Blätter haben, so wird den „Münch. N. N." aus Prag geschrieben, die Nachricht auch gebracht, merkwürdigerweise war aber in den Meldungen von einer Sla 0 ik- Medaille die Rede. Des Rätsels Lösung ist leicht. Tie guten] Tschechen haben einfach den Namen des Vogels Nachtigall in ihre Muttersprache übersetzt und so aus dem Nachtigalpreis einen Slavikpreis gemacht.
— Ein Nationalgeschenk PaderewskiS. Der bekannte Pianfft I. Padereivski macht der Stadt Krakau ein großartiges Ges tzenk, das die pohufebe Nationalfeier der 500. Wiederkehr des Schlacyttages von Tannenberg am 15. Jult 1410, ivo das polnische Heer unter Jagiello den Deutschordeu besiegte, verherrlichen soll. Es ist ein Denkmal des Königs Wladyslaiv Jagiello, ein Reiterbildnis aus Marmorsockel mit vier symbolischen 6kupuen, das 300 <>00 Frks. kosten wird. Das Denkmal wird, wie im ,,6icerone' mitgeteilt wird, in Pares von dem polnischen Bildhauer Wtivulski geschaffen und am 15. Juli bereite fertig- gestellt seiit.
— Kleine Ehr on iJLa u§ Kunst und Wissenschaft. Die Stadtverordneteit von Prosen bciDilligtcn 100 000 Mk. für dte im Jahre 1911 zu veranstaltende ostdeutsche A u s st e l l u n g. — Int Rathaus-Wettbewerb in Wilmersdorf wurde Batirat K ö g e r-Wilmersdorf einftimmig den erste n Preis zuerkanut. — Int Besitze eines alten weunarischen Offiziers mürbe eine bisher unbekannte B n st e v 0 n Karl A u g u ft aufgeiunben, die sehr wahrscheinlich ein Werk Martin Klauers ist. — Ter 3 9. K oit- g r e ß der Deuts chenGesellschaft fürChirurgie findet 00m 30. März bis 2. Aprtl 1910 in Berltn im Langenbeck- hause statt.


