Ausgabe 
20.6.1910 Zweites Blatt
 
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Der Allensteiner Mordprozeß.

<4 All en stein, 18. Juni.

Am heutigen Verhandlungstage bekundet Kriegsgerichtsrat K o n r a d i wiederholt, die Aussagen des Herrn v. Wöben seien in den Protokollen richtig wiedergegeben. Kriegsgcrichtsrat Rci- chardt: Es ist hier die Meinung ausgesprochen worden, als wenn Exzelljmz v. Scotti (ber Gerichtsherr) ein weiteres Verfahren gegen Fran v. Schönebeck nicht gewünscht lxrbe, um zu verhindern, bo.fr der Auslands und sozialdemokratischen Presse Nahrung gegeben würde. Das ist unrichtig, v. Scotti ist immer bdfiün eingetreten, bäfr die Unter­suchung gegen Fran v. Schönebeck rücksichtslos durchgesührt toerde.

Es wird dann der Stiefbruder des Hauptmanns, der 47 Jahre alte Privatier Oskar v. Wöben vernommen. Er macht Mit teUungen über die Jugendzeit seines Stieflirnders. In der Schule war er nicht einer der ersten in der Klasse, ist aber immer gut fortgekommen. Er war stiller Natur, hatte aber einen gewissen Tatendrang. Ob er durch eine unglückliche Liebe veranlaßt wurde, in den Burenkrieg zu ziehen, davon weis; der Zeuge Nichts. Von her schrecklichen Tat bekam der Zeuge Kenntnis durch ein Tele gromnt seines Bruders, bas lautete: Bin verhaftet, werbe viel" leicht verurteil!. In einem Briefe, den .Hauptmann v. Gäben an den Stiefbruder schrieb, heißt es:Mein lieber Oskar! Habe Dank für deinen lieben Brief. Ich will keine falsck>e Meinung aufkommen lassen. Ich habe seit einem halben. Jahre in entern Taumel von Verbrechen gelebt, aber ich kann versichern, daß mir erst seit gestern der ganze Umfang der Gemeinheit und Ver­blendung klar geworden ist. Jetzt ist mir klar geworden, wie schwer mich das belastet, was ich bisher aus Schonung für diese fürchterliche Frau verschwiegen höbe. Ich habe versprochen, iveiter zu leben, aber kann jeninnb weiter leben, der das Gemeinste ver­brochen hat, bas es gibt." Der Zeuge erklärt, er habe überlegt, wie er seinem Bruder helfen könne: bei einer Unterredung habe er ihm gesagt, er solle die Frau nicht schonen und an seine Familie, seine alte Mutter denken. Der Vorsitzende halt dann der AngcUagten wiederholt vor, daß sie der alten Mutter des Hauptmanns in Briefen vorspiegelte, sie wolle ihren Sohn nicht heiraten, während sie in Wirklichkeit nicht daran dachte. Die Angeklagte erklärt, die ganze Briefschreiberei mit der alten Dame habe damit angefangeii, daß sie, die Angeklagte, einmal einen Gruß einem Briefe des Hauptmanns anfügte. Daraus habe die alte Dame sehr nett geantwortet und so fei der Brief-, wechsel entstanden.

Zeuge Hauptmann H erdig bekundet, daß Hauptmann v. Gäben ein fester energischer Offizier und ein aufrechter Charakter war, von dem immer mit Hochachtung gesprochen wurde. Haupt mann G n d e w i l l (Itzehoe) hat Hauptmann v. Gäben nach dem Burenkriege kennen gelernt. Herr v. Göden wurde von seinen Kameraden, deren Vertrauensmann er war, geradezu vergöttert. Den Frauett gegenüber war er zurückhaltend. Gutsbesitzer Baake bekundet, daß Herr v. Gäben äußerst hilfsbereit war. Er hat einmal, als er sah, das; ein Kind gezüchtigt wurde, den Täter an gegriffen, obwohl er in Uniform war. Bon einem draufgängerischen /oder renommistischen Wesen war bei ihm keine Rede. Der Bert. Salz mann bringt zur Sprache, daß Herr v. Gäben als Quin­taner oder Quartaner einem anbereit Schüler, der in dieselbe höhere Tochter verliebt war, eine brennende Lampe an den Kopf geworsen habe. Dem Zeugen ist hiervon nichts befannl. Zeuge Hauptmann Pohl erklärt, daß Herr v. Wöben sehr diskreten Natur war. Bon den Kameraden wurde er sogar in Familien angelegenheiten zu Nate gezogen. Von der .Heiligkeit der Ehe hatte er eine sehr hohe Auffassung. In Berlin hat er viel mit Damen verkehrt, aber stets in einwandsfreier Weise. Der Bor- fitzende weist daraus hin, daß vom Chef des 7. Armeekorps aus­gesprochen worden sei, Herr v. Gäben sei lässig int Dienst. Der 'Zeuge erwidert, gerade in Münster habe damals eine Herzens- affäre des Herrn v. Gäben gespielt, der also nicht die geringste Ursache gehabt habe, zum Schürzenjäger zu werden. Der Zeuge bat Herrn v. Gäben einmal gefragt, ob er aus Begeisterung für die Buren nach Südafrika gegangen sei, dieser habe aber erwidert: Nein, aus Haß gegen die Engländer. Kriminalkommissar W a n nowski erklärt zum Schluß der Sitzung, daß er in seinem Vortrage bei Exzellenz v. Seotti mir die strafrechtlichen Momente hervorgehoben habe, da nach seiner llcberjeugung die moralische Seite nicht in die Untersuchung hineingehörte. Um Skandal zu .vermeiden, habe er an die Presse die un nm Irre Nackwicht gegeben, J.W., daß er auf einer anderen Spur sei, obwohl Herr v Gäben schon

gestanden hatte. Darauf wurde die weitere Verhandlung auf Montag vertagt. Man rechnet damit, daß der Prozeß nächsten Samstag zu Ende geht.

Landwirtschaft.

r. UI rieft ft ein, 1V. Juni. Die !. Bezirk Ls chan für Geflügel des 8. und 4. Kammerbezirks, veranstaltet vom Geflügel-nchtoerein Ulrichstein und Umgcgenb unter

: wurden bautftfätSütfr jüngere Leute von 14 küs 25 Jahren ver­langt Der ter b'ro. A r b^rt sma r kt wird durch die anä- 'gelperrten Bauarbeiter insofern beeinflußt, als dadurch die Nach­frage nach landw. beitem in einigen Arbeitsnachweisen ge­ringer war, als in früheren Jahren.

Von den Organen des Mitteldeutschen Arbeitsnachweisver- ßandes wurden, soweit Meldungen von den kommunalen bezw Kreisarbeitsnachweisen und.Herbergen zur Heimat Vorlagen, 8871 Stellen vermittelt gegen 10 409 im Vormonat), darunter: Eock- hwch 1, Homberg lBezirk '.lasset' 1, Hofgeismar 2, Schlüchtern 4, Worms ^.Herberge zur Heimat^ 4, Marburg 6, Nieder Jngel heim 6, Bad Mildnngen 6, Biebrich 6, Westerburg 6, Wildlingen 00. z. H.' 6, Eltville 8, Fuldo 10, Seligenstadt 12, Wetzlar 13, Darmstadt l.H. z. H.> 14, Weilburg 15, Kreuznach 'H. z. H.> 16, Wiesbaden /H. z H.l 17/Fechenheim a. M. 20, Kreuznach 23, Oberlahn stein 25, Diez 26, Gießen l.H. z. H.' 45, Herborn 51, Frankfurt a. M H. z. H.> 52, Binnen a. Rh. 54, Hanau n. 9Jt. 54, Marienberg 63, Mainz lH. z. H.) 75, Gießen 101, Limburg a. h. L. 112, Friedberg i H. 161, Witzenbausen 215, Darmstadt 236, Worms 238, Offenbach o. M. 270, Mainz 639, Kassel 736, Wiesbaden 1563 und Frankfurt a. M. 3959,

Nurhessifcher handwertertag.

[J Kir chh ain, 19. Juni.

In Anwesenheit von etwa .500 Handwerksmeistern aus fast alten Orten Knrhessens und der f)cad)b'argebiete wurde heute in der Stadthalte hier der 8. Vertretertaq der korpo- rierten Handwerksmeister Kurhessens ckbgehalten Martin- Alsfeld entbot den Gruß des Bundes der Handwerker im Großher^oqtum Hessen. Der Syndikus der Handwerks­kammer zu Kassel Th anheiser wies dann nach, daß die Handwerkskammer schon gute Erfolge gezeitigt habe und niohl auch noch haben würde. Er erwähnte besonders die Regelung des Lehrlings- und Prüfungswesens, die Wohl- fckhrtSeinrichtungen uflp. Außerdem habe die Kammer zu 30 Gesetzentwürfen Stellung nehmen lönnen. Hierauf trat eine Dame, Frau Holzapfel aus Kassel, in glänzender Rede für die Gleichberechtigung ber, handwerktreibenden Frauen auch bezüglich der Rechte und nicht nur der Pflichten der der Handwerkslammer ein. Herr Bäckermeister Bi l- sing-Kassel wünscht in einem längeren Vortrag die Be­seitigung des den Handwerkerstand so schwer schädigenden 8 100 a der R. G. O., der den , Innungen das Recht nehme, Mindestpreise festzusetzen. Eine Entschließung hierüber an den deutschen Handwerkskammertag fand einstimmige An­nahme. Ebenso befürwortete man nach einem Vortrag des Herrn Ko h l u s - Eschwege die Errichtung einer Kranke n- kaffe f ü r s e l b st ä n d i g e Handwerker und den Bei­tritt zum deutschen Handwerkerbünd. Ferner wurde die Errichtung einer Hinterbliebenen-Versicherung angeregt. Die Wahl des Ortes für die nächste Versammlung soll der Voll­versammlung anheim^gestellt werden.

Mitwrrkrwg Landwirifchastskammer-AuKfchuffes für die Provinz Oberheffen, fand gestern und heute hier statt. Der Katalog der Ausstellung führt 84 Nummern aick. Nachdem am geftrigcit Mittag der Preisrichter feine Tätigkeit beendet hatte, begrüßte der 1. Vor­sitzende, Herr Appel- Ulrichstein, die erschiencneil Aussteller und Freunde der Geflügelzucht. Darauf eröffnete der Kreisrat des Kreises Schotten, Geh. RegierungSrat Schönfeld, der den Ehren- Vorsitz übernommen hatte, die Ausstellung. Er hielt in seiner 'stede einen Rückblick auf die Entwicklung der deutschen Landivirlschaii und der Geflüaelzncht, und erwähnte, bau heute die Geflügelzucht 6 Prozent Anteil an der Gesamtproduktion der Landwirtschaft habe. Tie ivertvollen Ehrenpreise wurden durch den Preisrichter folgenden Ausstellern zuerkannt: 1) F ü r H ü h u c r: I. Ehrenpreis, gc- stiftet vom Geh Negierungsrat Schöuield - Schotten. an Karl Appel II., Ulrichstein; II. Ehrenpreis, gestiftet von der Stadt Ulrichstein, an K. Rahn II., Attenham; III. Ehrenpreis, gestiftet vorn Ehrenansschuß, an Bühler, Babenhausen; IV. Ehrenpreis, ge­stiftet von der Spar- und Tarlelmskaste Ulrichstein, an Karl Geiß, Ulrichstein; V. Ehrenpreis, gestiftet vom Ehrenausfchuß, an Lehrer Becker, Wohnfeld; VI. Ehrenpreis, gestiftet vorn Geflügelzuchtverein Laubach, an A. Kitz, Ober-Seibertenrod; VII. Ehrenpreis, gestiftet vom Geflügelzuchtverein Ulrichstein, an Bürgermeister Schmitt- Bobenhausen II; VIII. Ehrenpreis, gestiftet von H. Scheid, Ulrich­stein, an L. Kraft, Altenhain. 2) Für Tauben: I. Ehrenpreis, gestiftet vom Geflügelzuchtverein Schotten, an K. Rahn II., Alten- bain; II. Ehrenpreis, gestiftet vom 2. Vorsitzenden des hiesigen Vereins, an K. Appel II., Ulrichstein; III. Ehrenpreis, gestiftet vom 1. Vorsitzenden an W. Schmelz, Ulrichstein. Tie von dem Land- wirlschaflskammer-Ansschuß zur Verfügung gestellten 120 Mark wurden wie folgt znerkamit: 1. Kammer-Ehrenpreise zu je 15 Dlf. an : Bühler, Babenhausen ; Rahn, Altenhain ; Kraft, Babenhausen ; Appel, Ulrichstein. 2. I. Preise zu je 8 Mk. an: Hühnergarth, Köddingen: Göbel-Langwasser 3. II. Preise zu je 5 Mark an: Schmelz, Ulrichstein: Horst, Ober-Seibertenrod: Hofmann, Sieg- mnndshänser Hof; Rahn, Altenhain; Bühler, Babenhausen; Appel, Ulrichstein, und Bühler, Babenhausen. Ter Besuch der Aus­stellung war heute überaus rege. Heute nachmittag konzertierte die Kapelle des Infanterie - Regiments Nr. 116 auf dem Aus- stetlungsplah.

Schweres Eisenbahnunglück in Zrantreich.

Ein schauerlicher Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge ereig­nete sich am Samstag abend in dem Bahnhof deS kleinen Oertchens Villepreux bei Versailles. Seither wurden 18 Tote und nahezu 30 Verletzte festgestellt, doch dürsten die wirklichen Zahlen noch höher sein. Es gingen uns seither folg eit oc Draht­nachrichten zu:

Versailles, 18. Juni. Im Bahnhof Villepreux stießen zwei Züge zusammen. Mehrere Wagen gerieten in Brand. Man befürchtet, daß zahlreiche Personen getötet und verletzt sind.

Villepreux, 18. Juni, IO1/.- abends. Von den verunglück­ten Personen sind sechs Tote und' 18 Verletzte geborgen. Die Züge brennen n o ch.

Villepreux, 19. Juni. Der Zusammenstoß der beiden Züge ereignete sich am Nachmittag kurz nach 6 Uhr. Ter Per- souenzug stand im Bahnhof, als der um 5 Uhr 18 Min. in Paris abgegangene Schnellzug, trotzdem das Signal auf Halt stand, einlief und in voller Fahrt auf den Personen zng auf ft ic fr. Mehrere Wagen wurden zertrümmert, ein Wagen und der Speisewagen des Schnellzuges gerieten in Brand. Um UVi Uhr abends war es noch nicht gelungen, den Brand zu löschen, da nicht genügend Wasser vorhanden war. Bisher wurden z c ü n Tote und 25 Verletzte geborgen, weitere Verunglückte befinden sich noch unter den Trümmern. Minister M i l l e r a n b und der Präfekt des Departements St. Seine et Oise sind gestern abend auf der Unfallstelle eingetroffen und begaben sich bann nach Versailles, wo sie bic Verletzten besuchten.

Versailles, 19. Juni, lieber ben Eiseitbahnzusammenstoß bei Villepreux wirb no\d) gemelbet: Der Zug Nr. 467, von Paris nach Dreux gehenb, hielt auf ber Station Villepreux zur Aus­besserung eines Maschinenschadens an. Der Aufenthalt dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Reisenden verloren die Geduld und stiegen aus. Um 6 Uhr 10 Min. kam der Expreßzug Nr. 477. Der Führer des Expreßzuges, der das SignalHalt" nicht beobachtete, sah den Personenzug zu spät. Der Zusammenstoß war schrecklich. Die Maschine, ber Tenber und drei Wagen schoben sich in die fünf Hinteren Wagen und den Gepäckwagen des Zuges Nr. 467. Die Lokomotive stürzte um und setzte die Wagen in Brand: zehn Wagen wurden ein Raub der Flammen. Der M a s ch i n i st deS getroffenen Zuges wurde plötzlich irrsinnig.

Villepreux, 19. Juni. Bis heute vormittag waren acht­zehn Tote aus den Trümmern geborgen. Tie Feststellung der Persönlichkeiten ist teilweise unmöglich, da manche Körper völlig verkohlt sind.

Die Stellung der preußischen a. o. Professoren.

Wie dieHochschulkorrespondcnz" erfährt, ist in diesen Tagen von dem König von Preußen eine Aller­höchste Ordre in Ansehung der Stellung der außer­ordentlichen Professoren an den Landes-Universi­täten einschließlich deS Lyceum Hosianüm zu Braunsberg ergangen. Diese Königliche Verordnung bestimmt:

1. Daß hinfort die etatsmäßigen außerordentlichen Professoren, die ein in ihrer Fakultät nicht vertretenes Spezialfach bekleiden, jin dieser Fakultät S i tz und be­schließende Stimme haben, wenn es sich um An­gelegenheiten ihres Spezialfachs handelt;

2. daß an den Universitäten zu Berlin, Bonn, Breslau, Greifswald, .Halle, Kiel, Königsberg und Marburg so­wie au dem Lhceum Hosianüm zu Braunsberg fortab auch den etatsmäßigen außerordentlichen Professoren das Reckst zu steht, den Rektor aus der Mitte der ordentlichen Pro­fessoren zu wählen, jedoch mit der Maßgabe, daß die Gesamtzahl der hiernach wahlberechtigten außerordentlichen Professoren die Hälfte der Gesamtzahl der etatsmäßigen ordentlichen Professoren nicht übersteigen darf. Wird diese Beschränlung wirksam, so steht das Wahlrecht den ältesten etatsmäßigen außerordentlichen Professoren zu.

Diese Verordnung, auf die übrigens der Kultusminister bei den diesjährigen Verhandlungen des Kultnsetats im Abgeordnetenhause bereits hingewiescn hat, wird iu den Kreisen der Professoren, vor allem in denen der Extraoroi- narien, zweifellos mit großer Genugtuung begrüßt werden. Wenn bei der Aufzählung der Universitäten, bei denen die außerordentlichen Professoren das aktive Wahlrecht er­halten, Göttingen und Münster nicht genannt sind, so dürfte dies wohl darauf zurückzuführen sein, daß an diesen Universitäten schon von jeher den Extraordinarien das ak­tive Wahlrecht zusteht.

öermifebtes.

* Napoleon und der elsässische Maler. Es war im Mai 1815. Napoleon war soeben von der Insel Elba zurück- gekehrt und hatte im Louvre einen Besuch angekündigt. Unter den zum Empfange bestimmten Zeitgenossen befand sich auch bet elsäss. G>mremaler Martin Trolling, der, wie berAmateur d'Auto grapheS" berichtet, nach dem Besuch sogleich nach Hause ging und einen Bericht nieberschrieb. Im Museum waren gerade viel llnfhängungcn vorgenommeu worben und einzelne Bilder standen bunt durckwinander an den Wänden. Man war noch dabei, sie zu betrachten, da hieß eS plötzlich: Ter Kaiser!Ich stand etwas abseits von den anderen," so berichtet Trolling,und ber Kaiser sagte: Ah, die Herren Maler! Im gleichen Augen­blick kam er stracks auf uns zu, so daß ich beinahe glaubte, ep wolle mich beim Kragen nehmen, und fragte: Wie heißen Sie? Der Direktor des Louvre ließ mich aber gar nicht zu Worte kommen und sagte, während ich eine tiefe Verbeugung machte:Maicshät, her Herr ist ein ausgezeichneter MalerAber feinen Namen ?" 1

Nunmehr ermannte ich mich raich wider und sagte ihm menuat Namen, worauf er wiederum weiter fragte, ob «fr ein Mässet sei. Als ich daraus zustimmte, meinte er:Tie Elsässer sind brave Leute!" Nunmehr sagte ick' ihm:?Najeftät, es kommt mir so vor, als ob Ihnen die Insel Elba ausgezeichnet bekommen scr!

Eure Majestät sehen viel besser aus als je!" Der . iser lächelte

und ging weiter. Aber was man auch sagen moc-'ne, er sah

wirklich viel besser auS und hatte vor allem 1 mehr den

gelben Teint von früher. Aus dem Rundgang burch die Säle hielt er sich bann fast bei keinem Bilde sehr lange auf, fragte bald dieses und jenes, wartete aber niemals auf die ?lntroort.

Aber damit hat die Sache noch nicht ihr Ende, so schließt Trolling, meine Kollegen erzählten nachher höchst un* angebrachterweise überall, ich hätte zum Kaiser gesagt: Elba fei ihm sehr gut bekommen, er hätte lieber dableiben sollen?"

* Die gute Stelle.Nun, Marie, ba Sie nun am Ersten ziehen, haben Sie auch schon einen neuen Dienst?" Dienstmädchen.Eine großartige Stelle, gnä' Frau." Gnädige: So, wirklich?" 'Dienstmädchen:Aus ber Visitenkarte von meiner Gnädigen steht gedruckt: zu Hause Mittwoch nachmittags von 46."

,* Fatale Verwechselung. Viehhändler (eine Ladung Ochsen erwartend, fragt durchs Telephon:Sind die Ochsen alle da?" Entrüstet tönt es zurück:Was fällt Ihnen ein, Sie Grobian!" Der Viehhändler war, statt mit Ser Güter­abfertigung, mit dem Bürgermeister verbunden, bei dem gerade eine Gemeinderatssitzung ftattfanb.

Handel.

Konkurse in Hessen, lieber den Nachlaß des am 27. April zu Oppenheim verstorbenen Notars Jnstizrat Peter Hubert wurde am 8. Juni das Konkursverfahren eröffnet, da der Nachlaß überschuldet ist und der Nachlaßpfleger Eröffnung des Konkursverfahrens beantragt hat. Rechtsanwalt Espenschied zu Oppenheim wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkurs- lorberimgen sind bis zum 27. Juni bei dem Amtsgericht Oppen- heim anzumelden. lieber den Nachlaß der am 25. April zu Darmstadt verstorbenen Bäckermeister Jakob H i n d e l Wwe., Dorothea, geb. Kunz, wurde am 13. Juni das Konkursverfahren eröffnet, da die lleberschuldung des Nachlasses glaubhaft gemacht ist und von einem Teil der Erben Eintrag auf Konkurseröffnung gestellt ist. Gerichtsvollzieher i. P. Reibstei <r in Darmstadt wurde zum Konkursverwalter ernannt. Kotitursforderuugen sind bis zum 30. Juni bei dem Amtsgericht Tarmsladt anzumelden. Heber das Vermögen des Metzgers und Wirts Heinrich Schwarz zu Gießen wurde nm 9. Juni das Konkursverfahren eröffnet. Kaufmann Althosf in Gießen wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konlursforderungen sind bis zum 1. Juli bei dem Amts­gericht Gießen anzumelden. lieber das Vermögen des Kauf­manns Anton M o r a t h in 'Singe n wurde am 7. Juni baS Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Tr. Lehr in Bingen wurde zum Konkursverwalter ernannt, Konkursfordenmgen sind bis zum 2. Juli bei dem Amtsgericht Bingen anzumelden.

vüchertisch.

Das literarische Echo. Halbmoiiatsschrift für Lite- raturfreunde (Herausgeber Dr. Josef Etilinger, Verlag: Egon Fleifcbel u. Eo., Berlin W. 9). Das 2. Juniheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Richard M. Meyer: Amerikanische Aesthetik. Martin Brusvt: Ter moderne svanische Roman. Ernst Heilborn: Fontane - Denkmal und Fontane - Legende. W. A. Hammer u. a.: Dichter und Politiker. Wolfgang Gotther: Zum Nibelungenlied. '?(ng. Friedr. Krause u. a.: Märchen des Orients. Karl Scheffler: Ter Beruf des Schriftstellers. Zeitungen und Zeitschriften. Echo des 2luslandes (englischer, amerikanischer, holländischer, ungarischer Bries). Echo der Buhnen. Kurze Anzeigen. Nachrichten. Der Büchermarkt.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. W i s s e n s ch a s t. Professor Rudolf v. T e i tz, Ehrenkonservator des Nationalmuseums und Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste, einer ber populärsten Münchener Künstler, ist am Samstag abend gegen 11 Uhr in der KünstlergesellfchaftAllotria" von einem Schlaganfall betroffen worden und war sofort tot. Professor Dr. Arthur Meyer, Direktor des Botanischen Gartens, des botanischen und pharmakognostischen Instituts an der Universität Marburg, iuurbe zu'n Ehrenmitglied der American Pharmaceutie Associa tion gewählt. Der Professor der Archäologie Dr. phil. Adolf Michaelis in Straßburg i. Els. vollendet am 22. Ium das 75. Lebensjahr. In Freiburg i. Br. ist am 17. Juni der ord. .Honorarprofessor an der dortigen Universität, Kgl. vreuß. Geh. Regierungsrat Dr. Julius Weingarten, einer der ge­schätztesten Mathematiker, int 75. Lebensjahre gestorben.

Spielplan der vereinigten Srattffurtcr Stadttheater.

Opernhaus.

Montag, abends 7V, Ufjv:Cavalleria rusticana. Hieraus: Ter Bajazzo/ Dienstag'):Das Gluck." Hieraus:Die Dlcgi- mentstochter." Mittwoch geschlossen. Donnerstag, abends 6 Uhr: Die Meistersinger von Nürnberg." Freitag, abends 71/, Uhr:Die geschiedene Frau." Samstag:Ter Waffenschmied." Sonntag: Die lustigen Weiber von Windsor." Wontag:Tie Afrikanerin.' Dienstag :Der Gras von Luxemburg.'' Attttwoch, abends 7'/.. Uhr: Figaros Hochzeit." Donnerstag:Ter Gras von Luxemburg." (Vchlnß der Spielzeit.)

5chauspielhaus.

Montag*):Ter Raub der Sabmerinnen." Dienstag:Aioral." Aiittwoch:Ter Raub der Sabinennnen." Donnerstag, abends 7'/, Uhr:Tie Braut von Messina." Freitag, abends 7'/. Uhr: Der dimkle Punkt." Samstag:Iphigenie auf Tauris." 'Sonn-- tag:Bürgerlich und romantisch." Alontag:Bürgerlich und romantisch." Dienstag:TerRaub der Sabmerinnen." Mittwoch: «Bürgerlich und romantisch." Donnerstag, abends 7'/, Uhr:Tas Konzert."

*) Anfang, wenn Nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Verantwortlich für den politischen Teil i. V.: R. Lange.

lliiiÜerW baoeanftalt.

Mass erwärme der Lahn 1 7 0 R.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

Juni

Wetter

1910

e s

a ..

E o JO

W

Höchste Temperatur am 18. bi« 19. Juni = -s- 22,3*0.

Niedrigste , 18. , 19. = 8,7 eC.

19.

2»

752,6

21,0

4,1

22

NNW

4

7

Beiv. Himmel

19.

753,8

16 8

10,0

70

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Bed. Himmel

20.

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