Montag L8. April 1910
160. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 89
Erscheint ti-Uch mit Ausnahme deS Benntegl.
mit einem Karren nach dem Haftlokal
gestern ein Handwerks-
die Erde legte gefahren.
Die .,-tetzener Zaulilleudlätler" werden dem „‘jlnadger* viermal wöchentlich beigelegt, bad „Krcisblalt für öen Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Die „landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Rotatwntzdrnck imö Verlag der Br üblichen Universilätö - Blich- und Stemdruckerei.
R. Lange. Gießen.
•• Verhaftet wurde
Redaktion. Erpeduion und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion:12. Lel.-Adr.:2lnzeigerGießen.
Sport.
— Faustball. Am Samstag sand ein Faustball - Wettspiel zwischen den 1. Mannschaften des „Vereins für Be wegungsspiele" und des „Faustballvercins" am L. L. Gymnasium statt. Gymnasium siegte nach scharfem Kampfe mit 222:220 Punkten, nachdem das Spiel bei Halozeü mit 109:90 Punkten Tür V. f. B. gestanden hatte.
bursche wegen Diebstahls und ein hiesiger Taglöhner wegen Trunkenheit und Nuhestörlmg. Letzterer zertrümmerte im Haftlokal das Fenster und die Geräte, er wird sich somit auch wegen Sachbeschädigung zu verantworten haben.
^Leihgestern. 17. April. Wiederholt hat unsere Wasserleitung versagt, die erst vor zwei Jahren mit einem Kostenaufwand von 90 000 Mk. erbaut worden war. Die Gemeinde beabsichtigt jetzt, neue Quellen am Neuhof zu erwerben und noch dieses Jahr eine Erweiterung vorzunehmen.
/X Ehringshausen, 17. April. Ein Waldbrand vernichtete vier Morgen Waldfläche im Distrikt Brückerwald. Die Feuerwehren aus Elpenrod und Hainbach löschten das Feuer.— Hier starb dec Gemeinderechner Ruckelshausen, fast 80 Jahre alt.
(.) Laubach, 16. April. Dio Gräfin Marianne., Witwe des Grafen Friedrich, die nahezu 10 Jahre ihren Wohnsitz in Schloß Arnsburg genommen hatte, ist vor kurzem mit Gefolge in das hiesige Schloß übergesiedelt. Am verflossenen Freitag nahm die Großherzogin Beraw- tassung, in ilsrem Automobil hier einen Besuch abzustatten. — Die Bereinigung zur Veranstaltung von Konzerten und Vortragsabenden schloß ihr 2. Vereinsjahr am gestrigen Mend im Hotel Solmser Hof mit einem gurbejuchten Liederabend des Hofopernsängers Alfred Stephani unter Mitwirtung der Pinanistin^Wiesi de Haan aus Darmstadt. Das Programm bestand aus 9 gut ausgewählreii Nummern, die sämtlich die Pianistin in diskreter, vorzüglicher Weise begleitete. Sämtliche Lieder brachte der Sänger in vollendeter Weise zu Gehör.
ächLaunsbach, 17. April. Heute fand auf Einladung des Bürgermeisters Braun-Krofdorf in der Restauration von Rinn hier eine öffentliche Versammlung statt, in der Direktor Stolte vom Gießener Elektrizitätswerk über die Vorteile des elektrischen Stroms als Kraft- und Lichtquelle sprechen sollte. Die Versammlung war nur von 40 Personen besucht, weshalb man davon absah, den Vortrag halten zu lasten. Die Versammelten richteten verschiedene Fragen an Direktor Stolte, die sich in der Hauptsache mit den Jn- stallationskosten für elektrisches Licht beschäftigten. Besonders ivollte man wissen, wie hoch sich diese Kosten bei der Beleuchtung einer Hofreite mit Stallung, Scheuer, Keller und Boden belaufen könnten. Direktor Stolte erklärte sich bereit, einen vollständigen Kostenvoranschlag für die gedachte Anlage aufzustellen. Bürgermeister Braun war der Ansicht, wenn der Anschluß der Gemeinde Krofdorf an das städtische Werk in Gießen erst hergestellt sei, werde Launsbach und auch Wißmar sich wohl ebenfalls anschließen.
△ Griedel, 17. April. Auf der neuen Wettertal- Bahn entstand gestern abend infolge eines Unfalles eine Zugverspätung. Die Maschine ivar au einem Wegübergang auS dem Gleis gesprungen. Es entstand kein nennenswerter Schaden.
Abgeordneter Graf Waldemar von ©riola f.
R. B. Darmstadt, 17. April.
Der Telegraph hat uns am Samstag abend.die Trauerkunde überbracht, daß der Reichstagsabg. Graf Waldemar n. Oriola, der langjährige Vertreter des zweiten hessischen Rerck)Stagswahlkreises (Friedberg-Büdingen) an den Folgen zweier Schlaganfälle, die nach dem vor wenig Tagen in Berlin erlittenen Straßenunfall eintraten, verstorben ist. Das plötzliche Dahiuscheiden des so jäh aus dem Leben gerissenen oberhessrschen Reichstagsabgeordneten wird nicht nur weite Kreise unserer Provinz und des Hessenlandes, sondern auch darüber hinaus viele mit aufrichtiger Be- irübnis erfüllen. Denn in ihm verliert Oberhessen einen .Mann, der berufen war, viele Jahre hindurch in hervorragendem Maße an den Geschicken des engeren und weiteren Heimatlandes mitzuarbeiten und der seine volle Kraft für das Wohl des Landes eingesetzt hat.
o'cboren am 27. Aug. 1854 in Bonn am Rhein als Sproß eines alten angesehenen Adelsgeschlechts aus Italien, hat er in Berlin seine Jugendzeit verlebt und nach Absol- merung des dortigen Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums die Berliner Alma mater besucht, von der er nach bestandenem inristischen Examen zuerst beim (Bericht in Charlottenburg, dann in Berlin als Referendar beschäftigt wurde» Er war nicht in der Wetterau geboren, seine Wiege stand zu Bonn am Rhein, wo sein Vater damals die 7. Hn- lonunanbicrtc. Seine Mutter, eine Tochter Achim von Arnims und Bettinens, bestimmte ihn, ihren Weitesten, nicht zum Soldaten, sondern zum Beamten. Später ging er zum preußischen Staatsdienst über und wurde bei ncr Regierung in Wiesbaden angestellt, doch verließ er diesen nach wenigen Jahren, schon 1880, wieder, um seine ganze Tätigkeit der Landwirtschaft in Oberhessen zuzuwenden. Er heiratete die Tochter des verstorbenen Rentiers Ehrist aus Kesselslccht bei Hanau und Witwe des ehemaligen Frankfurter amerikanischen Generalkonsuls Bcrna, die er in Wiesbaden kennen gelernt hatte. In Büdesheim in der Wetterau, dem Vernaschen Landsitze, schlug er fortan sein Heim auf und beschäftigte sich hier vor allem mit landwirtschaftlichen und politischen Fragen. Durch das allgemeine Vertrauen, seiner Mitbürger wurde er zum Mitglied des Kreistages, des Kreisausschusses für Friedberg und Provinzialausschusses für Oberhessen berufen. Seine Vorliebe für die Landwirtschaft zeigte sich auch dadurch, daß er zum stellvertretenden Mitglied des '■ eutfck>en Landwirtschaftsrats gewählt wurde und eine besondere Vertrauensstelle inr Bund der Landwirte bekleidete. Am 24. November 1887 «wurde er auchiim ersten oberhessischen Wahlkreis Vilbel von der überwiegend landwirtschaftlichen Wählerschaft in die Zweite hessische Kammer gewählt, der von 1864—72 von dem Hofgerüb-tsrat Kempfs ui Gießen, dann drei Jähre vom Pfarrer Landmamt in Rendel, von 1875—81 vom KTeisrat Halkwachs in Dieburg und dann einige Fahre vom Mühlenbesitzer Ströbel .in Klein-Karben und Oekonom Schaum in Herrnhaag vertreten war. Graf v. Oriola verstand es, sich so sicher das volle Vertrauen seiner Wähler KU erringen, daß er regelmäßig anstandslos wiedergewählt wurde und als Vertreter des gleichen Wahlkreises von der 26. bis zur 32. Landtagsperiode ununterbrochen der Zweiten Kammer angehörte. "
Inzwischen war er aber auch schon im Jahre 1893 als Vertreter des zweiten hessischen Wahlkreises Friedberg- Büdingen in den Reichstag gewählt worden, wo er der nationalliberalen Frattion als Mitglied beitrat und besonders in sozialpolitischen und landwirtschaftlichen Fragen in verschiedenen Reichstagsausschüssen eine ausgedehnte und erfolgreiche Tätigkeit entwickelte. Bei der Hauplwahl im Jahre 1907 waren in Friedberg-Büdingen 20 521 Stimmen abgegeben worden, davon erhielten die Nationalliberalen 8492, die Sozialdemotraten 7234, die Antisemiten 3299, die Freisinnigen 1472. In der Stichwahl siegte Graf £riola mit 11515 Stimmen über den Sozialdemokraten, der 8524 Stimmen erreichte. Der Wahlkreis war zweimal auch durch einen Freisinnigen Abgeordneten vertreten.
Mit den Jahren wuchs die Arbeitslast, namentlich auf sozialpolitischem Gebiete in den Ausschüssen des Reichs- Parlaments so start an, daß er sich nach seinem eigenen Bekenntnis außerstande sah, daneben auch noch das Mandat als Landtagsabgeordneter pflichtgetreu zu erfüllen, das er denn auch zum aufrichtigen Bedauern seiner parlamentarischen Freunde wie seiner Wähler im Frühjahr 1904 niederlegte An seiner Stelle wurde bekanntlich am 28. April desselben Jahres Bürgermeister Ullmcmn in Nieder-Erlen- bach gewählt, der, obgleich schon viele Jähre Vertrauensmann des Bundes der Landwirte, sich ebenfalls der nationalliberalen Landtagsftaltion als Mitglied anschloß.
Mit dem Tahingeschiedenen verliert Hessen einen Mann, wie es deren nur wenige besitzt. Er war schon infolge seiner ganzen Ausbildung und Entwickelung von sogen, modernen Geist erfüllt und jedem engherzigen Parkeistand- punlt abhold. Mit Recht galt er als ein Freund des sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts, der sich aber auch einen klaren Blick für die Interessen der einzelnen Berufsstände bewahrte und sich redlich bemühte, die dabei mannigfach zutage getretenen Gegensätze auszugleichen. Er darf für sich das Verdienst in Anspruch mehmen, mit seinem ganzen Einfluß dafür gewirkt zu haben, daß sich die hessische Politik der beiden letzten Jahrzehnte auf einer gesunden, mittleren Linie belvegte und der liberale Gedanke keinen Sckmden erlitt. Im Sommer v. I. war bekanntlich beim Abschluß der Reichsfinanzreform eine starke Mißstimmung darüber ausgebrochen, daß sowohl Graf Oriola, wie sein Freund und Fraktionsgenosse Frhr. v. Hey! im Reichstag gegen die Erbanfallsteuer gestimmt hatten. Es kam darüber zu scharfen Auseinandersetzungen in der Presse wie in der Partei, und dann beschäftigte sich im September als oberste Instanz für Hessen auch der nationalliberale Landesausschuß sehr eingehend mit der Sache, wobei von verschiedenen Seiten -eine „reinliche Scheidung", ein vollständiger Ausschluß der Beiden aus der Partei verlangt wurde. ES darf jetzt, nachdem der Eine so frühzeitig und
Llch nach Darmstadt zurückgekchrk. Die Heunrepe wurde um */83 Uhr nut einem Sonderzug angetreten.
** Folgende gewerbepolizeiliche Rcv i s i o ncn tourden in der Stabt Gießen im elften Vierteljahr 1910 vor- genommen. Es wurden revidiert: 1. 38 Bäcker in bezug auf Einhaltung der Bundcsratsverordnung vom 4. März 189b, und bezüglich iftnhaltung der Pol.-Verorüi'.. vom 20. Oktober 1907 bett. Reinhaliung der Bäckereien In 12 Betrieben ergaben sich Anstände auf Reinlichkeit und Anut der Räume.^2. Bant- gefdjäfte bett. Beschäftigung von Gehilfen an Sonntagen. 3. .Trödlergesä-äste, in bezug auf Führung der vvrgeschrrebenen Bücher. 4. 20 Ziaarrenfabriken, bezüglich Reinhaltung der' zur Anfertigung von Zigarren beftiinmtcn Räume (Pol.-Verordn. v. 17. Februar 1907). 5. 60 Milchrevisioncu wurden vorgenommen. 6. Tic Sitzgelegenheit für AngesUlUe ui öffentlichen Verkaufs stellen (Verordn, vom 28. Oktober 1900). 7. Die Gesiudever Mieterinnen und Stellenvermittler, bezüglich Führung von Ge schäftsbückicr: in einem Falle würd' Anzeige wegen vollständig mücrlassenem Eintrag in das Gstcl äftsbuch bei Vermietungen und Anttogen erstattet. 8. 21 Wäsche und Kleidersabrikations- .Werkstätten, in bezug auf Beschäftigung jugendlicher Arbeiter innen, Einhaltung der Arbeitszeit und Pausen, Führung der Verzeichnisse uni) Arbeitsbücher. 9. 37 Gast und Schankwirt- schäften, betr. Ruhezeiten der Gehilfen und Lehrlinge. Die Ruhezeit wurde gewährt, jedoch fehlte in einigen Büchern der Eintrag. 10. 38 Barbier- und Friseurgewerb.', in bezug auf Pol. Verordn, vom 14. Juni 1904. Anstände ergaben sich keine. 11. Assistenz leiftung bei der Revision der landwirtschaftlichen Maschinen durch den Vertrauensmann; es ergaben sich hierbei viele Anstände. 12. Tie Feuersicherheit der Warenhäuser, der Hausierhandel nach 9 Uhr abends, Sonntag nachmittags nach 3 Uhr und der Vcr kauf von Obst pp. Sonntag nachmittags nach gesetzlichem Ladenschlüsse aus Privatplätzen: Lagerung und Aufbewahrung von Mineralölen, insbesondere Petroleum und Benzin. 13. Bei 45 hiesigen und auswärtigen Bäckern und Brotverkäufern basJBrot ans Gewicht. 14. Tic Lagerung von Sprengstoffen in den Stein brüchen: Eß- und Ausenthaltsräume der Arbeiter in Fellhandlungen und Gerbereien; die Güterhändler in bezug auf Führung von Geschäftsbüchern.
•• Ein w iderspen stiger Ga st. In einer Wirtschaft in der Bahnhofstraße hatte sich am SamStag ein fremder Hausierer einlogiert, der abends die anderen Gäste in einer Weise belästigte, daß der Wirt ihn au5roie§. DieS beachtete der Mann nicht, er wurde gegen den Wirt ausfällig und dieser nahm schließlich die Polizei in Anspruch. Aber auch der Polizei leistete er keine Folge und mußte mit Gewalt auS dem Hause entfernt werden. Aus der Straße setzte er den Lärm fort und wurde schließlich, da er sich auf
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Außerordentlicher deutscher Aerztetag.
4 Berlin, 17. April.
Unter überaus zahlreicher Beteiligung trat heute hier im Kaisersaale des „Rheingold" ein außerordentlicher deutscher Aerzte- taa zusammen, um zu dem Entwürfe einer Reichsversicherungsordnung nochmals Stellung zu nehmen. Es waren 350 ärztliche Vereine durch 491 Delegierte mit 23 710 Stimmen vertreten.
Dr. S t r e f s e r (Leipzig) berichtete über „den neuen Entwurf einer Reichsversicherungsordnung". — Hieraus lag folgender A n - trag des Geschäftsausschusses vor:
„Der am 17. April in Berlin versammelte außerordentliche deutsche Aerztetab stellt fest, daß der dem Reichstag vorgelegte Entwurf einer Rerchsversicherungsordnung in je mit Best mmun- gen über die Ordnung des kaifenärztlichen Dienstes die seit langen Jahren immer wieder einmütig erhobenen Forderungen der im Deutschen Aerztevereinsbunde organinerten 24 000 Werkte unberücksichtigt läßt. Er erkennt in der geplanten Errichtung getrennter Vertragsausschüsse für jedes kaffenärztliche System die Gefahr, daß in die Einigkeit der Aerztefchaft Bresche gelegt, die ärztliche Organisation ausgeschaltet und vernichtet wird, und so die Aerzte wehrlos gemacht und der unbeschränkten Herrschaft der Kassenvorstände ausgeliefert werden. Eine Ordnung der Arztfrage, die selbstsüchtigen Sonderbündlern^ihre Fürsorge zu- wendet und sogar Wortbrüchige den vom Staate eingesetzten Ehrengerichten entzieht, dafür aber das jedem freien Berufe zustehende Koalitionsrecht beseitigt, lehnt der Aerztetag entschieden ab. Eine solche Ordnung ist nicht geeignet, den von allen Seiten und nicht zuletzt von der deutschen Aerzteschast im Interesse aller sozialen Fürsorgeeinrichtungen als unbedingt notwendig erkannten Frieden zwischen Aerzten und Kranleniassen herbeizuführen, sondern nur allzusehr dazu angetan, den Krieg wischen Kassen und Aerzten zu verschärfen und zu verewigen, und dazu noch Kampf und Streit der Aerzte untereinander zu entfachen. Immer und immer wieder hat der Deutsche Aerztetag seine maßvollen und gut durchführbaren Forderungen einmütig ausgestellt. Sie sind ein untrennbares Ganze und müssen es bleiben. Immer und immer wieder hat der Deutsche Aerztetag gezeigt, wie leicht man durch ihre Erfüllung im Nahmen des Gesetzes eine glückliche Lösung der Kassenarztfrage und dauernden Frieden zwischen Aerzten und Verficherungsträgern herbeiführen kann. Er will auch bis in bi_e letzte Stunde an dem Versuche einer friedlichen Regelung festhalten, und beauftragt deshalb seinen Geschäftsausschuß, dem Reichstage sofort die von ihm als unbedingt notwendig ertannten Abänderungen des Entwurfes mit Begründung zur Berücksichtigung zu unterbreiten; und er erwartet, daß die Gesetzgebung, nachdem sie den Aerzte- stand mit seinen Berufsnotwendigkeiten seit Beginn der sozialen Gesetzgebung als unbeachtlich beiseite gelassen hat, nunmehr endlich feinen Forderungen die gesetzliche Anerkennung verschafft.
Der Deutsche Acrztevereinsbund erklärt nochmals feierlich, daß er jedem Versuche, die Einigkeit der Aerzte zu untergraben, ihre Koalitionsfreiheit anzutasten und Schutzmaßregeln für Schädlinge des Standes zu treffen, den äußeren Widerstand entgegenfetzen wird. Leiden dann Sozialversicherung und Ver- iid/ertc dlol, fällt allein der Gesetzgebung die Verantwortung dafür zu., So ruft heute in der Stunde der 9!ot und Gefahr der Teutschc Aerztetag von neuem die Aerzteschast auf, in festem Zusammenschluß die Waffen der Selbsthilfe bereit zu halten, und er beauftragt seine wirtschaftliche Abteilung, den Leipziger Verband, diejenigen Maßnahmen schleunigst zu ergreifen und durchzuführen, die dem ärztlichen Stande die Freiheit seiner Berufsübung auf jeden Fall zu gewährleisten und die ihm gebührende Stellung den Krankenkassen gegenüber zu sichern geeignet sind."
In der folgenden Aussprache wurde den Ausführungen des Redners allgemein zugestimmt. Zwei Vertteler aus Wattenscheid und Bochum, Tr. Deckhaus und Dr. Sauberg, verttet n dagegen den Standpunkt, daß den Bestrebungen zur weiteren Einführung der freien Arztwahl zu widersprechen sei. Tie Ausführungen dieser beiden .Herren fanden lebhaften Widerspruch.
Schließlich wurde die mitgeteilte Entschließung mit allen gegen drei Stimmen angenommen und hierauf der Aerztetag g ? f d’ losten._____________________________________________________________________
21 ii$ Stadt und Land.
Gießen, 18. April 1910.
•• V om Großherzoglichen Hofe. Die Groß- herzogltche Familie ist gestern nachmittag wieder von
unerwartet im noch nicht vollendeten 56. Leebnsjahre mitten aus seiner parlamentarischen Tätigkeit abberufen worden ist, ausdrücklich sestgeshellk werden, daß in erster Linie durch seine offenherzige Aussprache uni) die Schilderung der näheren Vorgänge im Schoße der Reichskagsfraktion die Stimmung im L-anbesausschuß umgewandelt und eine fried liche Verständigung erhielt wurde. Ein Bruch zwischen den stteitenden Gerftern häljke damals nichts weniger als eine Zerschneidung des Tischtuchs mit der ländlichen Bevölkerung bedeutet und bannt gerade die vornehmste Aufgabe des Grafen, das einmütige Zusammengehen der liberalen Elemente in Stadt und Land, zunichte gemacht. Der Ausgang des Konflikts war deshalb, auch wenn es weder Sieger noch Besiegte dabei gab, für ihn ein schöner Erfolg seiner auf Zusammenfassung aller liberalen und nationalen Elemente gericksteten Bestrebungen. Und wie vor dem Poli- ttker Oriola, so iverden Freund und Gegner auch vor der Persönlichkeit des Vevewigten ein hohes Maß von Wertschätzung und Hockzachtung besitzen, de,sen offenherziger, gerader Charatter, verbunden mit der ganzen Sch licht peil und Leutseligleit seines Wesens, seinem unermüdlichen Pflichteifer und seinem reichen Sck>atz von Wissen und Er- jafrmna ihm ein dauerndes, ehrenvolles Andenken in der politischen Geschichte Hessens und des Reiches sichern!
(Ein Beschluß zur preußischen wahlrechtssrage.
:: Berlin, 16. April. Der Wahlrechtsausschuß des preußischen Herrenhauses hat beschlossen, zwei Lesungen abzuhalten. Nach eingehender Hauptausfprache wurde der Artikel I und von dem Artikel II die §§ 1—4 unverändert in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen. Es sind die Bestimmungen über die Wahlberechtigung, über das aktive und passive Wahlrecht und außerdem die im § 4 enthaltene Bestimmung, daß die Abgeordneten von Wahlmännern in Wahlbezirken, die Wahlmunner von den Wühlern in Stimmbezirken gewählt werden und die Wahl der Wahlmänner durch verdeckte Stimmzettel erfolgt. Ter Ausschuß Hai damit die oom Abgeordnetenhaus beschlossene Beibehaltung der indirekten Wahl und die geheime Wahl bei den Wahlmännerwahlen sanktioniert. Die weitere Beratung wurde auf Montag vormittag vertagt.
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