Beremsjahr. Sn der hatte dieser die E r tv e i f e r u n g
de r Serbe nbd-aufgaben bezüglich einer günstigeren Gestaltung der Anstettungs-Möglickrkeiten und Verhältnisse der Fi- nanzbeamten und Aspirarrten, der Versorgung der ^taatsdienit- anwärter, der Sor- und Ausbildung der Knauzbeamten zum Gegenstand. Dem Berbaudsrechner, HofsekreLLr Engel-Darmstadt, wurde nach Ablage des Rechenschaftsberichts Entlastung erteilt und der Dank für seine letztjährige Tätigkeit abgestattet. Zum Ort der nächstjährigen Hauptversammlung wurde einstimmig Worms erwählt, lieber die Zeitschrift süddeutscher Finanzbeam- len berichtete Revident R v t h m u n d - Karlsruhe, indem er zu- nächst über die Verwendung der eingegangenen Beiträge imb sonstigen Eimiahmen Rechenschaft gab und im Interesse einer umfangreicheren Ausgestaltung der Zeitschrift zur weiteren fleißigen Mit arbeit aufs order te. Rechnungsrat Seitz - Offenbach, dem die Vorarbeiten für Gründung eines E r h o l u n g s he i in s für hessische Finanzbeamten in Bab-Nauheim übertragen sind, erteilte Auskunft über den derzeitigen Stand dieser cad)e. Bei der Besprechung über die Lage des Standes wurde der Reorganisation der Staatsverwaltung und der Revision der Besoldungsordnung mit einer gehaltlickn'n Besserstellung der gesamten Beamtenschaft gedacht. Wie sehr auch eine baldige Erfüllung berechtigter Wünsche des gesamten Beamtenstandes nicht allein in dessen eigenem Interesse, sondern in weit höhexem Matze im Interesse unseres ganzen Volkes, das an einer gesunden, pflichteifrigen fit’nb berichsfreudigen sowie nach aiiy'cn unabhängigen Beamtenschaft ein Eutzerordentlich schätzenswertes Gut hat, gelegen ist, haben diese einer unabweisbaren' Notwendigkeit entsprungenen Forderungen im allgemeinen nicht die verdiente Würdigung erfahren. Werden doch die Beamten von vielen Angehörigen anderer Berufsstände immer noch als Konsumenten angesehen, während sie doch im hohen Matze auch Produzenten sind. Und gerade diese höheren Gesichtspunkte mühten eigentlich für die maßgebenden Faktoren allein schon bestimmend fein, alle .Hindernisse, die einer durchgreifenden und nachhaltigen Bessergestaltung der wirtschaftlichen Lage aller Beamten entgegenstehen, zu beseitigen zur Weitererhaltung auf ihrer früheren sozialen und wirtschaftlichen Stufe. Mit Worten des Tankes schloß der 1. Vorsitzende um V2I Uhr den,' geschäftlichen Teil der Verhandlungen.
hieran anschließend fand ein gemeinsames Mittagsmahl im Hotel Schlitz statt. Während des Mahles begrüßte Revisions- Inspektor O b m a n n - Mainz die Anwesenden und schloß mit einem Hoch auf die Bundesfürsten, in erster Linie auf Großherzog Ernst Ludwig und auf bic Landesherren, der vertretenen süddeutschen Vereine. Zollinspektor Holl-Stuttgart, Rechnungsrat Bechtel - Karlsruhe unb Regierungs-Sekretär Büsseler - Straßburg bankten für die freundliche Einladung und überbrachten die Grüße ihrer Vereine. Ter spate Nachmittag wurde noch zu einem Ausflug nach der Karlsruhe benutzt.
Aus Stsdt uud Land.
Gießen, 2. Juni 1910.
** T i c Handwerkskammer für Hessen hielt am Montag eine V 0 r st a n d s s i tz u n g ab, die sich in der Hauptsache mit der Beratung über die Regierungsvorlage beschäftigte, die Ergänzungen und Abänderungen der Vorschriften über das B e r d i n g u n g S w e s e n bringt. Außer dem Staatskommissar der Kammer, Geh. Ober-Regierungs- rat Tr. Wagner, waren der Vorsitzende der Bauabteilung Geheimerat Frhr. v. B i e g c [ c b e 11 und Baurat Wagner erschienen. Tie Vorlage bringt eine größere Anzahl von Wünschen zur Erledigung, die seit Jahren aus den Kreisen der Baugewerbetreibenden geltend gemacht wurden und es kann der Befriedigung Ausdruck verliehen lverden, daß bei den eingehenden Verhandlungen über den Entwurf ein beiderseitiges Einvernehmen festgestellt werden konnte. 'Aus dem Inhalt der Vorlage erwähnen wir die Zuziehung von Sachverständigen aus den Kreisen der Gewerbetreibenden bei der Aufstellung der Verdingungsanschläge, die Frage der Vergütung von Nebenleistungen, die Honorierung einverlangter Pläne und Zeichnungen, die künftige Vergebung bei allen Hochbauten nach Anschlagstiteln, die Fristen für die AusführUiYgen, die Frage der Zuschlagserteilung, die Ausschließung solcher Bewerber, die ihren Pflichten der sozialpolitischen Gesetzgebung gegenüber nicht nachkommen, die Vergebung von Leistungen an gewerbliche Korporationen 11)to. Nachdem die Beratungen im engeren Vorstande in Gegenwart von Sachverständigen erfolgt find, nrirb die Handwerkskammer demnächst einem weiteren Kreise von Interessenten Gelegenheit geben, von der Vorlage und der Stellung der Handwerkskammer hierzu Kenntnis zu nehmen.
*' Schülerwctturnen. Bis zum 1. Juni, dem Meldeschluß für das Schülerwetturnen, haben sich aus den hiesigen Schulen insgesamt 338 Wetturner gemeldet. Am kommenden Samstag, 6 Uhr, findet auf dem Trieb vor der Festhalle (bei Regen innerhalb derselben) die erste Uebung aller Schüler, die sich gemeldet haben, nebst Einteilung in Riegen rc. statt. Der Ausschuß hat in seiner Sitzung am Montag die Klciderfrage dahin geregelt, daß für alle Schüler einfaches Turnhemd und Gürtel vorgeschrieben werden, während bezügl. Anschaffung von Turnschuhen und Turnhosen freie Hand gelassen wird. Es wird nur hierbei bestimmt vorausgesetzt, daß für Turnhosen, die eventuell neu
des Menschen zuweilen in so großer Zahl imb Virulenz zu entwickeln, daß man den Eindruck einer wirklichen Furunlelepidcmie gewinnt. Häufig bilden sich Furunkel im weiteren Verlauf bestehender Ekzenie und als Folgeerscheinung von Typhus. Besonders gefährlich aber wird ihr Auftreten während einer bestehenden Erkrankung an Zuckerharnruhr (Diabetes mellitus). Es braucht in solchen Fällen nicht ein Diabetes in Gestalt einer schweren Organerkrankung vorzuliegcn, es genügt vielmehr schon das Vorhandensein jenes als TiabetcS attmentarius bezeichneten .Zustandes von Ueberernährung, bei dem Personen mit glänzendem Appetit neben reichlicher Eiweißnahrung ein Uebermaß an zucker- bildenden Substanzen zu sich nehmen, die der Körper nicht bewältigen kann, um schwere durch Monate und Jahre andauernde Furunkulosen entstehen zu lassen, die bei Einschränkung der Nahrungsaufnahme. und entspreckxüber Auswahl des zu Genießenden alsbald verschwinden. In allen Fällen ist sofortiger operativer Eingriff ratsam, weil kein Arzt von vornherein die Möglichkeit des Eintretens einer Endocarditis «Entzündung der inneren Herzhaut mit anschließender Entzündung der Herzklappen) ausschließen kann.
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— T i e Heidelberger Universität zählt in diesem Semester 2413 immatrikulierte Studierende. Davon studieren: in der theologischen Fakultät 99, in der juristischen 589, in der medizinisck>en 645, in der philosophischen 710 ldarunter 69 Kameralisten) und in der naturwissenschaftlich-mathematischen Fakultät 370. Ter Staatsangehörigkeit nach sind: 2169 Reichsdeutsche, davon 874 Preußen, 698 Badener, 163 Bauern und 13 5 Hessen, ferner 244 Ausländer, davon 109 Russen Dazu kommen 139 .Hörer. Ter Gesamtbesuch beträgt somit 2552.
— „T i c Blume der Barm Herzigkeit." Die Offenherzigkeit und Mitteilsamkeit der Schwaben findet man eigentlich nur in Büchern. Sonst ist wenig davon zu merken, am wenigsten in Stuttgart. Für öffentliche Veranstaltungen gesellschaftlicher Art ist die Württemberg ifebe Hauptstadt ein wenig ergiebiger Boden. Zu Pfingsten veranstaltete der Fremdenverkehrsverein einen Blumentorso. Es sollte ein gesellschaftliches Ereignis feilt, aber es war ein Neinfall, obwohl an die 60 000 Menschen gegen Erlegung eines Obolus in den Anlagen zusammengeströmt waren. Noch nicht 25 Wagen waren zusammengetom- m-en, trotzdem der Hof selbst eine ganze Anzahl gestellt hatte. In
angeschaffi werden, nur weiße, kurze Hssen m Betracht komme« unb daß die andern Schüler möglichst in dunkler, kurzer Hose erscheinen. Der vorgelegte Diplomentwurf fand wegen seiner geschmackvollen Ausführung allseitigen Beifall.
§ Nuppertenrod, 1. Juni. Ein hiesiger Landwirt fand auf seinem Acker einen wohlerhaltenen Taler mit genauer Prägung an5 dem Jahre 1796. — In dem benachbarten Walddistrikt „Heul" erhebt sich ein Steinhügel, der zweifellos ein Hünengrab ist. Man findet darin eine große Anzahl schwarz gebrannter Topfscherben. In diesem Frühjahr fanden Waldarbeiter sogar einen wohl erhaltenen ganzen Topf. Unkenntnis und Unverstand ließen den Topf als „altes Dippe" zerschlagen. Eine planmäßige Freilegung des Hügels wäre wohl empfehlenswert gewesen.
** P 0 st p e r s 0 n a 1 i e n. Angen 0 m m e n als Postgehilie Böck in Gießen; als Postageut Karl Germer in Klein-Liitdeu.
△ Aus dem Kreis Alsfeld, 1. Juni. Gegenwärtig gehen die Sammellisten in den Ortschaften zur 'Aufhebung von Beiträgen für die Opfer der Ober- Mockstädter Sparkasse. Es ist gewiß mit voller Zustimmung eine solche Hilfsaktion zu begrüßen. Was dem einen recht ist, das ist dem anderen billig. So denkt die in unserem Kreise gelegene Gemeinde Deckenbach. Wie in Ober-Mocksiadl, brach auch hier vor einigen Jahren die Sparund Kreditkasse durch einen Fehlbetrag von 117 000 Mk. zusammen. Unter den haftbaren Mitgliedern befanden sich viele kleinen Leute, die bis zu 1400 Mk. bezahlen mußten. Die Gemeinde Deckenbach mit ihren 430 Einwohnern steht wirtschaftlich weit hinter Ober-Mockstadt zurück. In letzterer Gemeinde bestehen recht bemerkenswerte Ortsbürgernutzungen, in Deckenbach und Umgegend dagegen nicht. In Oder-Mockltadt beträgt der Kommunalsteuerausschlag 119 Prozent, in Deckenbach 205 Prozent. Weiter ist die Lage der Gemarkung Ober-Mockstadt eine viel günstigere als die von Deckenbach und Umgegend. Niemand wird es darum den Geschädigten der Deckenbacher Sparkasse verübeln, wenn sie eine gleiche Unterstützung wie die Ober-Mockstädter erhoffen.
z$ £ i d), 30. Mai. Unser Turnverein begeht mit seinem 50jährigen Jubiläum im Sommer zugleich bas Fest der Fahnenweihe. Von ber Bürgerschaft sinb für ein neues Banner mehrere hunbert Mark bcreitwilligst gespendet worben. Größere Beträge gaben bazu auch Fürst Karl und Prinz Louis von Solms-Lich.
X. Bübingen, 1. Juni. Das Bahn Projekt .Hanau-Bübingen ist allem Anscheine nach für geraume Zeit seiner Ausführung entrückt worben. Ter preuß. Eisenbahnminister hat angesichts bes ihm nicht genügenb gesicherten Finanzierungsplanes eine Beteiligung bes Staates in Form ber Gewährung eines Baubarlehens aus Mitteln bes Kleinbahnfonbs abgelehnt. Gleichzeitig hat er angeregt eine stärkere finanzielle Beteiligung ber Kreise Hanau-Stadt und -Laub, wozu gutem Vernehmen nach keine Geneigtheit vorhanden ist.
X. Fulda, 1. Juni. Der jetzt in Wiesbaden lebende Burkard Karl Müller hat seine Vaterstadt Fulda lote auch die Arbeiter seiner früheren Fabriken, ber Filzfabrik Fulba unb Vereinigte Schuhstoffabriten Fulda, mit reichen Zuwendungen bedacht. Aus Anlaß seines 50jährigen Berufsjubiläums spendete er den älteren Arbeitern beider Fabriken Geschenke von x50 bis 200 Mk., zusammen 10 000 Mark, den Fabrik-Unterstützungskassen 20 000 Mk„ den beiden Kinderbewahranstalien Fulbas je 5000 Mk., ber Stabt Fulba für bie Errichtung eines Volksbades 5000 Mk., dem Kreise Fulba für Kinber-Ferienkolonien 5000 Mk.
Landwirtschaft.
[] Marburg, 1. Juni. Im Kreis Ihar bürg wird schon mit der Heuernte begonnen. Die Landwirte rechnen damit, daß die anhatteude Trockenheit bald einer recht wünschenswerten Regenzeit Platz macht und befürchten bann eine Verzögerung der Heuernte.
Lustschiffahrt.
Dk. Der amerikanische Flieger Glenn Curtiß stellte, wie wir schon mitgeteilt haben, einen neuen Wettsieg für Amerika auf. Er legte die Strecke von Albany nach New- york, das sind 140 englische Meilen, mit einem Halt in einem Flug zurück. Er brauchte dazu drei Stunden. Ter Zweidecker war die ganze Zeit unter Aufsicht des Fliegers, der keinerler Schwierigkeit darin fand, den von ihm selbst vorgeschriebenen Weg ganz genau einzuhalten. Während des größten Teils der Fahrt folgte er dem Lauf des Hudsoir-Flusses. Tie einzige Landung, nämlich in Poughkeepsie, geschah nur, um neues Petroleum einzunehmen. Tie endgültige Landung war auf einem freien Platz hart nördlich von Newhork. Ter Flieger gewann mit dieser Leistung einen von der Newhork World ausgesetzten Preis von 10 000 Dollars.
den jüngsten Tagen hat aber eine andere öffentliche Veranstaltung einen glänzenden Erfolg gehabt: Ter Tag der „Blume der Barmherzigkeit", lieber tausend Tarnen, weiß gekleidet und mit einer Erkennungsschleife in den Stuttgarter Stadt- farben geschmückt, boten vom Morgen bis zum Abend in allen Teilen der Stadt die „Blume der Barmherzigkeit" feil: eine künstliche Gänseblume, die einen Zehner kostete. Schranken waren der Mildtätigkeit natürlich nicht gesetzt. Es war für die Säuglings- und Kinderfürsorge. Tarnen walteten, in Gruppen eingeteilt, mit unermüdlichem Fleiße ihres Amtes. Sie waren nicht alte hübsch unb nicht alle jung, aber die Barmherzigkeit half. Alle Welt schmückte sich mit der Blume der Barmherzigkeit, Groß unb Klein, Alt unb Jung, ohne Unterschieb bes Ranges unb des Standes, selbst die strengen Hüter des Gesetzes.
— E i n Denkmal für die Rachel. Aus Genf wirb berichtet: Die große Tragödin Rachel, die in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Frankreich mit ihrem Ruhm erfüllte, wird nun ein Denkmal erhalten. In Genf hat sich ein Ausschuß be- bildet, der die Vorarbeiten für dieses Denkmal, wohl das erste, bas einer Schauspielerin errichtet wird, bereits begonnen hat. Die Rachel, mit ihrem wirklichen Namen Elisa-Rachel F6lix, ist in Mumpf im Kanton Argau geboren.
-— Plakatentwurf für das Bismarcknationalden k m a I. Tas Preisgericht für die Beschaffung eines Plakats zum Ausruf für das Bismarckdenlmal erteilte den ersten Preis von 2000 Mk. dem Maler A. S t r 0 e d e l in Borsdori, den zweiten Preis von 1000 Mk. an H. M nench unb E. Sigrist in Stuttgart, den dritten von 500 Mk. an Max frittier lTres- bem. Eingegangen waren 333 Entwürfe, von denen 44 in die engere Wahl tarnen. Der Stroedelsche Entwurf wirb ausgeführt.
, — T e r erste R a d i u m s ch r a n k. Der erste Schrank, der bestimmt ist, das kostbare Element, das Radium, in größeren Mengen in sich auszunehmen, ist nun in London vollendet. Der Schrank ist für bie britische Radiumgesellschaft bestimmt. Die Bauart bieses Schrankes war ein besonderes Problem, denn der ^drraitf soll nicht allein gegen Diebe unb gegen Feuer Schutz bieten, sondern auch die Krastausftrahlung und das Schwinden des Radiums zwischen seinen Metattplatten verhindern. Mit Stahl war diese Ausgabe nicht zu lösen, da die Radiumaussttahlung die dicksten Panzerplatten so leicht durchdringt, wie etwa das Sonnenlicht .klares Glas, Nach zahlreichen Versuchen entdeckte
Newhork, 1. Juni. <yur einen Flug von Newhork noch Chicago warfen mehrere Blätter einen Preis von 25000 Dollars aus. Als Bedingung wurde festgesetzt, daß die 1000 Meilen lange Strecke innerhalb drei Tagen in der Flugmaschine zurück- gelegt werden muß.
Neichsgcrichtsbricf.
(Nacktdruck verboten.) js. Leipzig, Inüi 1910.
Schadensersatz bei gefahrvollen maschinellen Einrichtungen.
Der Schulbiener B. in Bensheim macht gegen das Gaswerk Bensheim, Aktiengesellschaft in Bensheim, unb gegen dessen Direktor V. Schadensersatzansprüche aus einem Unfall geltend, ben seine Ehesrau am 1. Oktober 1907 in dem Hofe des Gaswerks Bensheim erlitten hat und der ans mangelhafte Betriebseinrichtungen zurückzuführen ist. Tie Klägerin hatte sich an der einen Mauer des Fabrikgebäudes ber Beklagten ausgestellt, um gegen Regen Schutz zu suchan. Ans dieser Maner ragte in der Höhe von 70 Zentimeter über dem Erdboden das Ende der Welle eines Motors etwa 22 Zentimeter weit heraus. Von dieser Welle wurde die Frau an den Kleidern ersaßt, I}crumge)d}(eubert unb schwer verletzt. Sie erhält von ber landwirtschaftlichen Berufsgenossen- schast bie Vollrente mit 300 Mark. Ter klagende Ehemann verlangt jetzt von dem bctlagtcrt Gaswerk und dessen Tirektor Ersatz des weitergehenben Schadens (Heilungskosten, Rente für Erwerbs- einbuße. Ent gang häuslicher Dienste unb Vermehrung der Bedürfnisse», sowie Schmerzensgeld. Das Landgericht sprach dem Kläger eine monatliche Rente von 30 Mark zu und erkannte den Klageanspruch int übrigen dem Grunde nach für g c r c d) t f e r t i g t an. Die Berufung der Beklagten ist vom Ober lande sgericht Darmstadt zurückgewiesen worden.
Nunmehr hat auch das Reichsgericht auf Zurückweisung der uon den Beklagten eingelegten Revision erkannt. Dar höchste Gerichtshof legt dar, daß nach der Feststellung der Vordergerichke der beklagte Direktor V. technischer Leiter des kleinen Gaswerks Bensheim war. V. sei deshalb als verfassungsmäßig berufener Vertreter der beklagten Aktiengesellschaft verpflichtet gewesen, dafür zu sorgen, daß die in den Hof hineinragende Welle, bie 240 Umdrehungen in ber Minute machte und für ein ungeübtes Auge unbeweglich zu sein schien, durch eine Verwahrung gesichert würbe. Er habe jedoch eine solche nicht anbringen lassen, sondern sich damit begnügt, einen Arbeiter zu beauftragen, gelegen!- lich die Welle zu verschalen. Ten Gasmeister R., der ihn aus die fehlende Sicherung ausmerksam gemacht habe, habe V. mit dem Hinweis auf den erwähnten Auftrag abgewiesen. Hieraus entnehme bas Oberlandesgericht mit Recht ein Verschulden des Direktors, für das auch die beklagte Aktiengesellschaft nach § 31 B. G. B. einzustehen habe.
Infolgedessen erfolgte die Zurückweisung der Revi-. si on.
ücrmi?et)tC9.
* Der deutsche Klub in Davos, der int Jahre 1897 gegründet wurde, um den in Davos .Heilung suchenden unbemittelten Deutschen die notwendige Unterstützung an» gedeihen zu lassen, wendet sich an alle Rcickfsdentschen, um einen feiten Geldbestand zu begründen. Tie steigende Inanspruchnahme des deutschen Klubs durch unbemittelte Kranke haben seine Kassen erschöpft und die OpferwilligkeU der kleinen deutschen Kolonie lann der großen Inanspruchnahme nicht mehr voll gerecht werden. Es soll deshalb ein Kapital von mindestens 300 000 Mk. aufgebracht werden, um aus seinen Zinsen die seither üblichen Unterstützun gen zu gewähren. Tie Deutsche Bank in Berlin und das Bankhaus Taeuber und Holtz in Tavos-Ptatz sind Kur Entgegennahme von Spenden bereit.
* Sängerkrieg. Nachträglich dringen Einzelheiten über den in den letzten Tagen in Essen ab gehalten en Inte r- nationalen G e s a n g s w e t t st r e i t in die Oeffentlich- i feit, wonach es dabei an ernsten Unstimmigkeiten nicht ge- I fehlt hat. Wie dem B. T. gemeldet wird, herrschte in Sängerlreisen große Entrüstung darüber, daß das Preis- richterlollegium willkürlich die Bedingungen beim Stundenchor änderte, wogegen sich der festgebende Verein energisch auflehnte, so daß zwei Preise in dieser Klasse nicht zur Ver- j teilung gelangten. Weiter passierte cs dem Preisrichterkollegium, daß infolge falscher Addition ein holländischer Verein mit dem zweiten Preise (700 Mark) bedacht wurde, während ein Bochumer Verein, .mit fünf Punkten höher bewertet, nur den dritten Preis (300 Mtzrk) erhielt. Der Bochumer Verein wurde nunmehr vorstellig auf Heraus- i Zahlung der ihm noch.zustehenden 400 Mark/die seitens des festgebenden Vereins nunmehr von den .Holländern, die inzwischen in die .Heimat abgereist sind, reklamiert werden! Sollten diese nicht gutwillig das Geld zurückgeben, so dürfte es noch zu gerichtlichem Austrag dieser peinlichen Ange- legenheit kommen.
* Der Kampf gegen die Riesen-Hutn adeln. Die gefährliche Gewohnheit der Damen, die Hutnadeln oft weit herausragen zu lassen, erfährt jetzt, nach dem vorbildlichen Vorgang mancher amerikanischer Staaten, auch in Wien eine scharfe Bekämpfung. Wie das „Neue Wiener Tagblatt" berichtet, zirkuliert gegenwärtig bei sämtlichen
man schließlich, daß Blei das einzige Mittel ist, das Radium nicht durchläßt. So wurde bann ein doppelter Schrank gebaut: ein Bleischrank, ber bas Radium aufnimmt, unb eine mächtige Stahlhütte, die wiederum das Bleigehäuse vor Dieben schützen soll. Das Innere des Radiumschrankes ist nur 18 Zoll lang und 12 Zoll breit, doch der kleine Raum würbe ansreichen, um einen ganzen Zentner Radium aufzunehmen. Da das Pfund Radium heute etwa 200 Millionen Mark kostet, so kann der Schrank insgesamt Radium im Werte von 20 000 Millionen Mark auf nehmen. Eine besondere Vorrichtung dient ber Aufgabe, beim Oeffnen bes Schrankes den Verlust von Kraftausftrahlung zu verhindern. In ber inneren Tür liegen zwei Walzen, bnrch die vor dem Oeffnen zwei Tuben mit Quecksilber eingeführt werden, die die Ausstrahlungen aufsaugen und bewahren.
— T i e Hauptversammlung des Rhein-Mai- nische n V erbau des für Volksbildung findet am Sonntag den 5. Juni, im Vereinshaus, Stiftstraße 32, zu FrankfurÜ a. M. statt. In der um ’All Uhr beginnenden Bormittagsversammlung, die nur Mitglieder zugänglich ist, werben die üblichen geschäftlichen Erledigungen stattfinden: es wird der Spielplan des Wandertheaters für nächsten Winter feftgclegt, die Vortragstätigkeit für den kommenden Winter vorbereitet unb über den durch die Verbandsbuchhandlung eingeleiteten SckfriftenvertrieÜ zum Kampf gegen die Schundliteratur verhandelt werden. Die um i'o4 Uhr nachmittags beginnende öffentliche Versammlung behandelt die Veredelung der Volksgesettschaft.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. W i s s e n s ch a f t. Der 9111 g c m e 1 n e Deutsche Mufikverein wirb sein nächstes Tonkünstterfest voraussichtlich Aniang Juni 1911 in Weimar feiern unb zwar als Doppelfeier anläßlich des 100. Geburtstages von Franz Liszt und der 50. Wiederkehr de§ Gründungstagcs des Vereins. — Die Columbia-Universität hat denAustauschprofessor R unge- Göttingen zum Ehrendoktor der Rechte ernannt. — Professor Max Reinhardt begann gestern abend im Parktheater in Brüssel mit einer Truppe des Deutschen Theaters in Berlin ein auf zehn Abende berechnetes Gastspiel klassischer Stücke. Aufgeführt wurde „Ein Sommern achtstrau m". — Ter Dichter Jul. Wolff verbrachte den größten Teil der Nacht vom Mittwoch 3um Donnerstag ohne Besinnung. Zu den rheumatischen Erkrankungen ist eine Lungenentzüirdung hinzugetreten.
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