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2.6.1910 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 2. Juni 1910

160. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 126

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag?.

§

DieSiebener Lamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

den der für

gelten: die Kost abgesehen vom Latein der A-capella-Chörc war nicht allzuschwer, auch der Mindermustkalischc konnte den Flug zur Höhe mituurchen.

Ärbeiterversicherung." v _

Die 42 bis 46 der Regierungsvorlage werden ge|trnf)en. 47 wurde wie folgt angenommen: .

In den vorn Gesetz bestimmten Fällen sind als Beisitzer des Versicl>erungsamts Versicherungsvertreter beizuziehen Lie werden je zur Hälfte aus Arbeitgebern und aus Versicherten entnommen." _

Der Aus schütz vertagte sich bei § 49 auf morgen, Donnerstag.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität? - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: s^bl. Redaktion: 112. TeU-AdruAnzeigerGießen.

Aus dem Sttafprozetzsusschuh.

: Berlin, 1. Juni.

Ter Strafprozeßausschuß nahm bei $ 112 einen An­trag Dr Heinze inatl.t an, der den Richter des Aufenthalts­orts des Beschuldigten ebenfalls für bic Verhaltung zuständig macht 8 113 wurde mit einem Antrag Towe (Vpt.), unter Ab lehnung einer Reihe weiterer Anträge, angenommen, wonach der Haftbefehl nicht erlassen werden ban, wenn die Straftat auch im Wege der Vrivatllage verfolgt werden kann. Durch den an­genommenen Zusatz soll insbesondere der Verhaftung wegen Be- leidigung vor Stellung des Strafantrags und damit dem poli­tischen Mißbrauch der Verhaftungsbefugnis vorgebeugt werden. Ein Antrag Towe, der durch Einschiebung eines § 113 a ben Erlaß des .Haftbefehls von einem kontradiktorischen Derfahren abhängig machen will, wurde vom Antragsteller wieder zurück­gezogen, um erst die Gestaltung des im § 116 vorgesehenen Ver­fahrens auf Beschwerde abzuwarten. .

Ter Ausschuß führte die Beratung bis § 114. Bei diesem Paragraphen wurde unter Ablehnung einer Reihe anderer An­träge beschlossen, daß dem Beschuldigten auf Verlangen der Haftbefehl ausgehändigt und er am das Recht hieraus hingewiesen werden muß. Weiter muß ihm auch aur Verlangen Gelegenheit gegeben werden, seine Angehörigen oder einen dritten zu benachrichtigen.______________

Die Reichsversichenmg.

:: Berlin, 1. Juni.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesien

gestrichen. , .. .

Zur Frage des Vorsitzers liegen mehrere Abaiwerungs- anträge vor. Ein Antrag der Sozialdemokraten, daß der Vor­sitzer von den Beisitzern gewählt werden soll, erregt ungeteilte Heiterkeit. Die Antragsteller redmen allerdings selbst mit der Möglichkeit, daß*nicht alle Mitglieder des Ausschusses dafür stimmen werden. Staatssekretär Delbrück besteht aus der Not­wendigkeit des ständigen Stellvertreters des Vorsitzers, ohne, wie vom Zentrum bemerkt wird, die Folgerung zn ziehen, Jne Kosten den Bundesstaaten zu übertragen. Von freisinniger ^citc wird dargelegt, daß der ständige Stellvertreter nicht, mehr und nicht weniger bedeute, als die Verwirklichung dessen, was die Regierung von Anfang an gewollt hat. .

Mit 15 gegen 13 Stimmen, gegen Zentrum, Sozialdemokraten und Polen erhielt § 41 folgende Fassung:

Der Leiter der unteren Verwaltungsbehörden ist der Vor­sitzende der Abteilung für Arbeiterversicherung. Es kann ein Stellvertreter, der durch Vorbildung oder Erfahrung aus dem Gebiete der Ärbeiterversicherung geeignet ist, bestellt werden. Ist die Abteilung für Arbeiterversicherung bei einer gemeind­lichen Behörde errichtet, so bestellt den Stellvertreter der Ge- meindcverband, dessen Bezirk den der Abteilung für Arbeiter­persicherung umfaßt. Wo das Landesgesetz für die Wahl höherer gemeindlickur Beamter eine Bestätigung vorschreibt, gilt ne huch für die Bestellung des Stellvertreters der Abteilung sur

Die geistliche Miistkaufführung des Evangelischen Uirchengesangverem;

in her Stabtftrdie brachte am Dienstagabend in ihrem

eine Neuerung mit einem alten Stuck, einer Kantate vo Boehm, einem Vorläufer Bachs. Nach turnt Argelpraludiurn m- löntcn die vom Orgelpodium aus nicht gewohnten Klavierklange zuerst fremd herunter, in ihrer Klangwirkung noch verändert durch die starke Resonanz des auf hohen maulen Podiums

Fremd, aber doch eigenartig und tu dem kurzen An,chl^ston ge- railbert durch die Begleitung des ^treichquintetts ^edenwtt^ lag ein eigner Reiz in dem Zusammenklang der verschiedenen ^n- ftruincntengattungen und die Komposition bot an vielen ^tellmi Gelegenheit, die .Klangwirkung ins Großartige zu steigern, so z. B. im Eiuaangschor beiIch lsade Mich nun ewiglich zu seiner Christenfahn verschrieben". An den Chor schlossen sich verschiedene Sologesänge, zunächst das stellenweise re-ntatioartig gehaltene Sopransolo, in dem bei den WonenNun bleibt'S dabei, denn seine Treu wird nicht geändert, noch gebroto die Stimme mono - ton und nach Art des Orgelpunktsbei demselben Tonbleibt Ter Komponist hat so daswird nicht ^andertt besonders em- druck.-ooll dertönt Tie Solvstucke waren umrahmt vom Zwischen­spiel^Ls Liers mw Streichguintetts über Motive.aus .dem öfter wiederkehrendenMein F-reund ist mein und ich bm sem - VM Altsolo erinnerte dasDie ^unbe zwar will dieses Bundn s brechen" besonders die Vertonung desbrechen an Handels Zug ins Großartige, Wirkungsvolle. Laber Komponist auch dem Koloraturgesang nicht abhold, so am Schluß des AltsoloS im Worteneigen". . ..

Tenor = und Batzsolo waren in dankenswerter Weise vftenbar von Mitgliedern des Vereins übernommen worden, wie auch sonst bei der Instrumentalbegleitung geschätzte Kräfte aus der Milte des Vereins mitwirkten.

Im Schlußchor waren besonders wirkungsvolle Stellen das ,allezeit", dasHeilig, Heilig,.Heilig".unö endlich der wuchtige Schluß:Ich glaube dies und bins gewitz usw." In dem Rahmen des Ganzen hatte der Klavierpart eine ans Dbobernc anfluigeni>9 kraftvolle Bearbeitung gefunden und fügte sich glücklich cin, so daß man sich mit diesem Wagnis rasch ausgesöhnt hatte und Ge­fallen daran finden mußte.

Die erste Hälfte des Konzerts brachte in rascher Folge als

12. Hauptversammlung des Verbandes hessischer zinanzbeamren.

. * Gießen, 1. Junr.

Der Verband hessischer Finanzbeamten hielt am Samstag, 28. und Sonntag, 29. Mai, wie schon kurz berichtet wurde, seine Hauptversammlung zum erstenmal hier ob. Am Samstag mittag fanden sich zahlreiche Kollegen, zum Teil mit ihren Manien, und die Vertreter der befreundeten Verbände von Baden, Württemberg und Elsaß-Lothringen ein. Nachmittags 31/« Uhr tagte der Zeit- fdmftbcirat des Verbandsblattes des Vereins badischer, wurttem- bergischer unb hessischer Finanzbeamten sowie des Verbandes der elsaß-lothringischen Zollbearnlen. Hieraus sand um ;> Uhr unter der Führung des Sberrn Oberstabsarztes a. x,. D r. >slegert eine Besichtigung des Museums des O b e r he s s i s ch e n Ge­schichtsvereins und der G ro ßh. Em Pfau g ? r a um c statt. Mit lebhaftem Interesse folgte man beinahe zwei stunden ben hochinteressanten Ausführungen des Führers. Am Ende des Rund- gangÄ sprach ihm Herr Ministerial-Revisor Bruchhauser-Larm - stabt den Tank auS und bat ihn, diesen Dank auch dem Geschichts- Verein zu übermitteln. Nun übernahm ^schloßverwalter DM die Fühning durch die Empfangsräume, deren schönen Einricv- hingen besonders die Damen lebhaftes Interesse entgegenbrachten. Zu Ehren der angcEommcnen auswärtigen Kollegen und Gaste hatten die hiesigen Finanzbeamten unter Leitung des Univ.- Sekretariats-Assistenten Erle einen Begrußungsabend un Winter­garten des Hotel Schütz veranstaltet. Nach einem einleitenden Musikstück ergriff Herr Erle das Wort zur Begrüßung der An­wesenden. Er dankte den Mitgliedern, den zahlreichen Tarnen unb besonders den Vertretern der befreundeten Verbände sur ihr Er­scheinen und schloß mit dem Wunsch, der 12. Berband^ag m Gießen möge sich würdig seinen Vorgängern anreihen. Zm Namen des Verbandsaussckusses sprach bann Ministerial-Revisor Bruch­häuser: sein Hoch galt den süddeutschen Finanzbeamten-Verbän- den. Hieraus dankte Rechnungsrat Lang-Stuttgart im Namen der Bruderverbände und brachte ein Hoch aus das schone Giesten aus. Es wechselten dann gesangliche, musikalische unb humoristische Darbietungen, die zum größten Teil von hiesigen Kollegen über- Twmmen worden waren.

Sonntag vormittag wurden nach vorausgegangener Besich­tigung der Universitäts-Bibliothek die geschäftlichen Ver­handlungen im großen Hörsaale der Universität gepflogen. Rechnungsrat L a n g - Tarmstadt eröffnete die Versammlung mit einer Begrüßung der in stattlicher Zahl erschienenen Kottegen ans nah und fern unb einem Hoch auf unseren Landessürsten. Nachdem er der seit der vorjährigen Hauptversammlung verstör- benen Kollegen gedacht und die Zubilare des Finanzbearntenstandes, die vor 40 und 25 Jahren die Staatsprüfung abgelegt hatten, be­grüßt hatte, erstattete er den Geschäftsbericht über das abgelauscme

Heber die Zunrnkulose.

Die Erkrankung des Kaisers an einem Furunkel des rechten Handgelenks ist geeignet, die allgemeine Aufmerksamkeit einmal aus diesen weitverbreiteten Leidenszustand zu lenken. Wie ent­steht ein Furunkel? Eine kleine entzündliche Schwellung in der Oberhaut, wie sie fast jeder dutzendmal an sich hat beobachten können, entwickelt sich nicht zu jenem unbedeutenden Eiterbläschen, das das VolkMitesser" oder Pustel nennt und mit einem ge­bohrten Schlüssel auszudrücken pflegt, sondern wächst zu einem äußerst schmerzhaften Knoten heran, der schließlich von innen aus aufbricht und eine eiterig-jauchige Flüssigkeit entleert, in vielen Fällen aber nicht schnell vernarbt, sondern durch seine wie mitt einem Locheisen geschlagene Oefftiung erkennen läßt, daß die Eiterung das Unterhautbindegewebe ergriffen hat. Nach aus­giebiger Oefftiung mit dem chirurgischen Messer pflegt die sich reinigende Wunde, die man nicht zu schnell zuheilen läßt, ohne Folgen zu vernarben. In schwereren Fällen aber entstehen wäh­rend oder nach der Zuheilung neue Furunkel, die dadurch hervor- gerufen sind, daß Eiterbakterien in die Umgebung verschleppt worden sind und zur Ursache neuer Eiterherde werden. Die Eiterherde können aber auch so dicht nebeneinander ausgesät sein, daß 'die von ihnen gebildete, oft walnußgroße GescHvulst bei ihrem Aufbruch wie siebartig durchlöchert erscheint, in welchem Falle man von einemGittergeschwür" spricht. Die bei den Kranken dabei häufig auftretenden mehr ober minder hohen Fieber- temperaturen beweisen, daß Eiterkokken oder von ihnen gebilbete! Toxine in die Blutbahn eingetreten sind, daß, es sich also um eine Erkrankung handelt, bei der unter Umständen sogar tödlich wirkende Blutvergiftung cintreten tarnt.

Die Ursachen sind zum größten Teile noch in tiefes Dunkel gehüllt. Es gibt augenscheinlich prädisponierte, sonst aber völlig gesunde Personen, die auf geringfügige, für andere ganz belang­lose Veranlassungen mit Furunkeln reagieren. Wahrscheinlich handelt es sich bei ihnen um eine eigenartige Beschassenljeit bet Haut, die den überaus giftigen staphhliftokken ein leichtes Ein­dringen in die Ausführungsgänge der Hautdrüsen gestatten. Andersefts aber scheinen sich die infektiösen Keime außerhalb

der Bauwerft Blohm u. Voß in Dambura zu.'.einer endgültiges Fertigstellung nach der Kaiserlichen Werft ^Kiel ubergesührt worden ist, werden durch das soeben erschienene ^unr-Het^ der ,/Surat» Rundschau" bekannt T anach hatvon der Tann eine Wasta--» Verdrängung von etwa 19000 t, übertrifft allo an Grotze ine Linienschiffe derNassau"- Klasse noch um einige fprnbmt ^orateu. Bei einer Länge von 171 m ist er bei mcitem ba* langltc 3 d: t f f unserer Marine und etwa 20 m langer als der Große KreuzerBlücher". Tie Breite betragt 26,o m der Tr^> gang 8,1 mvon der Tann" ist das erste große ^d>tn innerer marine, das mit Turbinen als Antriebsmittel, audgeni6tt ist .Bisher hatten nur die Kleinen KreuzerLübeck ,^tettm , Tresden", .Mainz" undKolberg" sowie eine Anzahl von Tor-edobooten Turbinen, und zwar verscksiedener Systemevon der Tann" erhält Parsons-Turbinen von 41 000 Wellen-Vferdi. starten, die dem Schiff eine Geschwindigkeit von über 24 >sec- meilen in der Stunde geben sollen. Wie inzwischsn üefannt ge­worden ist, hat das Schift bei den von der Bauwerft abgehaftenen vorläufigen Probefahrten diese Geschwindigkeit ganz erheblich uver- schritten Ten erforderlicheii Dampf liefern 18 engromige Ma­rinekessel. Ter Kohlenvorrat beträgt unter gewöhnlichen Ver­hältnissen 1000 t, tedoch fassen die Bunker im ganzen 2800 t Kohlen Tie Armierung besteht aus acht 28fem-, zehn 1o- env und sechzehn 8,8-om-Schnellladegeschützen. chic schweren Ge­schütze sind in vier Toppeltürmen aufgestellt in einer Anordmurg ähnlich wie auf den englischen Panzerkreuzern der^nviueible - Klasse, und zwar stehen der vordere und der achtere Turm in der Längsschisssachse, die beiden übrigen Türme seitlich nach der Bordwand zu herausgerückt, der Steuerbord-^urm weiter nack> vorn, der Backbordturm weiter nach achtern -turd) .diese Aus­stellung wird es ermöglicht, daß alle vier Türme nach beiden Seiten und je drei Türme nach vorn und nach hinten teuern können. Tie Geschütze der Mittelartillerie stehen m einer ge­panzerten Zentralkasematte. Tas Schift erhält zwei leichte Ptayl- masten und zwei Schornsteine.

Lin Hirtenbrief öes Papste; Pin; X.

Wie schon kurz mitgeteilt wurde, hat der Papst s-uin WOjahriqen Jubiläum der Kanonisation des h. Karl Borro- , maus einen Hirtenbrief erlassen. DieTeutsch-evangel. | Korrespondenz" hat daraus einige Stellen in deutscher lieber-- . setzung ftneberzjegebcn, die großes Aufsehen unb unter den : Andersgläu.bigen Entrüstung Hervorrufen mußten. Wir : haben mit der Veröffentlichung bisher zurückgehalten, um abzuwarten, in ivelcher Form die führenden Zentrumsblätter den Hirtenbrief mitteilen würden. DieKöln. Bolksztg." hat ihren Lesern bisher nur eine Inhaltsangabe übermittelt, aber in derGermania" finden wir bereits den Wortlaut des Hirtenbriefes. Danach bestätigt es sich, daß der Papst unbegreiflich schroffe Worte gegen die Modernisten nicht nur, sondern auch gegen die großen Reformatoren der Ver­gangenheit geschleudert hat. Wir zitieren nach der Ver- öfsentlichung in derGermania" (nach derDeutsch-evan­gelischen Korresp." lauten die ^Schmähungen noch schärfer):

Eine solche wunderbare Einwirkung der göttlichen Vorsehung auf die von der Kirche geförderte Reformarbeit tritt klar und deutlich in dem Jahrhundert hervor, das zur Stärkung der Guten den hl. Stär! Borromäus entstehen sah. Damals tobten die Leiden­schaften, die Kenntnis der Wahrheit war burcfjquert und ver­dunkelt, es war ein beständiger Kampf mit dem Irrtum, und die menschliche Gesellschaft stürzte sich dem Unheil entgegen und schien dem Verderben preisgcgeben. Und unter diesen Umstanden traten stolze und w ider spe n stige Me n schen auf,Feinde des Kreuzes Christi", Menschen mitirdischer Gesinnung, bereit Gott der Bauch war" (18. Diese verlegten sich natürlich nicht auf die Besserung der Sitten, sondern auf die Leugnung der Dogmen, sie vermehrten die Unorbnmig und ließen für fick und andere der Zügellosigkeit freien Lauf, oder sie untergruben wenigstens, mit Verachtung bet maßgeb.nd:n Führerschaft der .Kirche und im Gefolge der Leidenschaften ver­kommener Fürsten und Völker, mit einer gewissen Tyrannei Lehre, Verfassung und Tisziplin der Kftche. Tann ahmt e n iic jenen Gottlosen nach, denen die Drohung gilt:Wehe cud), die ihr das Ohrte bös und das Böse gut meint" (19 , und nannten, den rebellischen Wirrwarr und die Verke^t- h-it des Glaubens und der Sitten Reform und sich ftlbst Re­formatoren In Wahrheit aber waren sie Verführer, und indem sie durch Strcitigteitcn und Kriege die Kräfte Europas erlchöpten, haben sie die Empörung unb den Abfall der modernen Zeiten hör bereitet, in denen sich die drei Arten von Kamps, die früher getrennt waren, und aus denen die Kirche immer siegreich hervor- qmg, zu einem einzigen vereinigt haben: die blutigen Kämche der ersten Zeft, bann die innere Pest der Häresien, endlich, unter dem Namen der evangelischen Freiheit, lene Ver­derbtheit der Sitten und Verkehrtheit der ^sziplni, zu der vielleicht das Mittelalter nicht gelangt war. Dieser Menge von Verftihrern ftetltr Gott wirkliche Reformatoren und heftige Männer gegenüber, sei es, um jenen reißenden ström auftu- halten und jede. Siedehitze auszulöschen, sei es, um die schon verursachten Schaden wieder gutzumachen.

Es ist klar, baß solche Beschimpfungen und Weiterver hreitunq durch bic Zentrumsprcssc ben konfessionellen Frie­den nicht fördern, sondern untergraben. Auch dieKreuzztg." legte Verloahrung gegen diese Beleidigungen Anbersdenren- ber ein: r

Einem solchen Vorgeheii des Papstes gegenüber, wenn es wirklich erfolgt ist, müssen alle Versuche den äußeren Frieden nntci ben >bonfessionen zu fördern, erfolglos blechen, und me öffentliche Abwehr solck>er Beschimpfungen durch die eoangeli,chc Ehristtnheit muß bald und mit aller Entschiedenheit erfolgen. Das ge'chichftichr und moralische Urteil über die Reformation unb bic Reformatoren, das iii den oben mitgetetlten eaöcn aus- gesprochm wird, zeugt m freilich von einer so grotesken ftn- wissenheft, daß jedes Wort der Widerlegung ubersluftig ist Aber der böse Wille, der aus ihnen spricht, muß aufs fcharftte in seine Schranken gewiesen werden.

Die , No rdd. Allgem. Zt g." druckt aus der von derEiermama" veröffentlichten Uebersetzung der neuen päpstlichen Eu^)klika verschiedene gegen drc Reformatoren gerichtete Stellen ab und bemerkt, daß diese Äeutzerungcn in evangelischen Kreisen g r o ß e s Au f s c h en erregen. Sie zitiert int Anschluß daran folgende Bemerkuug derKreuz- zeitung":Einem solckien Vorgehen des Papstes En- über - wenn es wirklich erfolgt ist -, massen alle Ver­suche, den äußeren Frieden unter den Konfessionen zu for­dern, erfolglos blinden."

Der Reichsversicherungsausschuß nahm auch 8 35 des Kompromißantrages Schicker und Genossen an, die Ausgaben der unteren Verwaltungsbehörden, Abteilung Versicherung, umschreibt. Die §§ 36 bis 38 der Vorlage handeln von den Sonderversicherungsämtern. Konservative, Zenttum, Volkspartei, Sozialdemokraten sprechen dagegen Tie Vertreter öes Eifenbahnressorts, des Bergbaues und der Manneverwalturig legen die Gründe für Sonderversicherungsämter dar, die nach Ansicht der Mehrheit in den Rahmen der Vorlage gar nicht hineinpassen. Die Gründe der Regierung wirken nicht uberznigend Ein Zentrumsmitglied erklärt geradezu, daß man nun erst recht Gegner- der Sonderversicherungsämter werden müsse. Von volts­parteilicher Seite wird auägefübrt, daß die Disziplin hier gar nicht in Frage kommt, sondern es sich um Rechtsprechung handele und man um der größeren Einheitlichkeit willen die ^oiiderver- sicherungsämter streichen müsse. Ein konservatives Mitglied halt zwar die Streichung einstweilen für notwendig, glaubt aber, baß poch eine besondere Aufsicht nötig wird: ähnlich äutzert sich der Spreckrer der Nationalliberalen. Die §§ 36 bis 40 werden schließlich

Heer Flotte.

S. M. S.von d-er Tann". Nähere Angaben über ben Großen Kreuzervon der Tann", der in diesen Tagen von

Eingangsstück zunächst eine Orgel-Toeeata von Muffat, einem Passauer Organisten der Vorbach,chen Zeit. An den ersten Satz, der eine weiche Stimmung weckt, schließt sich ein Mittelsatz mit fugenartiger Durchführung eines Lauf- und Trftlermotivs an, das bann, über einem Orgelpunkt verarbeitet, zu der AnsangS- ftimmung zuruckkehrt, um in einem effektvollen Schluß zu enden. Das edle Tonsttick gab dem Organisten Gör lach eine dankbare Gelegenheit, die Bewältigung schwieriger Partien zu zeigen.

Der Toecata folgten 2 Chöre a eapella aus dem 16. Jahr­hundert, beide durch vornehme Stimmenführung ausgezeichnet, anscheinend der erste Chor auch von Palestrftia, vom Verein reut und zart vorgetragen.

In der Bachschen Sopran-ArieLiebster Fefu, mein Ver­langen" sang Fräulein I. Müller (Wetzlar) die schwieriga Koloraturpartie mit Heller, schöner Stimme. Dann kamen unsere kleinen Sänger, die Kna b en ch or schul e, an die Reihe, mit dem einfachen, im Volkstone gehaltenenGen Himmel au,gefahren ist". Ten vierten VersDrum jauchzen wir mit großem schall" hcftte man wesentlich lauter singen lassen dürfen, damit das Jauchzen, mit großem Schatt" aud) zu seinem Recht kam.

Der nächste KnabenchorSchönster Herr Jesu" ist schon öfter von den Knaben gesungen worden. Er ist so lieblich, daß man ihn immer wieder gern hört. Er erinnert an die Lieder, die aus deni Land im Volk leben, hat eine wiegenliedartige, fthr zu Herzen sprechende Melodie. Betanntlich sind früher öfter Volkslieder zu Kirchenlieder gemacht worden, so soll das reizende ,,x$d) will pich lieben usw." tatsächlich einst ein Liebeslied gewesen sein, dem man später den geistlichen Text unterlegte.

An fünfter Stelle fang Fräulein Reichard (Frankfurt a. M.) mit angenehmer Stimme die Bachsche AltarieWer Gott be­kennt" zu Orgel- und Violinenbegleftung, ein edles Tonstück, bas dank der hingebenden Ausführung der drei Mitwirkenden sehr ansprach. Die oben besprochene Boehmsck>e Kantate bildete den Schluß der Aufführung, die kaum länger als eine Stunde dauerte unb sich auch dadurch vor anderen, allzureickstich besetzten Kon­zerten vorteilhaft auszeichnete.

Der Dirigent, Prof. Trautmann, unb alle Mftwirkenden haben sich erneut den Dank des Gießener Publikums verdient, soweit es neben Operetten und sonstigen leichteren Kunstgenüssen den Sinn für gediegene, ernste Musik noch nicht, verloren hat. Das. Programm muß diesmal als besonders geschickt gewählt