Tid) versetzt. Das Ergebnis unseres Sieges ist dem bc« wunderungswjurdigen Feuereifer unserer Truppen und- dem vortrefflichen Schießen unserer Sektionen der Gebirgs-Artillerie zuzuschreiben. Der wütende Angriff der Marokkaner zerschellte wiederholt an unserer Infanterie. Die den Beni B'u Pahid erteilte Lektion war streng und wird sicherlich ihre Früchte tragen. Oberstleutnant Föraud blieb am Kampforte, um eine Wiederkehr der Angreifer zu vermeiden."
Vie Kämpfe mit chinesischen Seeräubern in Macao
L London, 17. Jul i. Der Korrespondent des „Mor- ning Leader" in Lissabon schreibt, daß die Regierung Einzelheiten über den zwischen portugiesischen Truppen und chinesischen Seeräubern in Macao entbrannten Kampf veröffentlicht habe. Der portugiesische Gouverneur von Macao hatte erfahren, daß chinesische Piraten in unter portugiesischen! Schutze stehende Niederlassungeneingefallen seien, viele Ansiedlergetötet,deren Heim stä tten geplündert und ei ne Anzahl von Kindern in d i' e G e f a n g e n s ch a f t f o r t g c s ch l e p p t hätten. Er sandte sofort eine Abteilung ab, unt die Seeräuber zu bestrafen. Aber die chinesischen Einwohner der Niederlassung, anstatt den Portugiesen zu helfen, nahmen Partei für die Seeräuber. Es kam zu einem heftigen Gefechte, in welchem zwei Portugiesen getötet und drei verwundet wurden, während die Chinesen schwere Verluste erlitten.
Inzwischen ist man der Seeräuber Herr geworden. Diese haben sich ins Innere von Colowan zurückgezogen, und der Gouverneur wird eine Abteilung aussenden, um sie zu verfolgen und zu vernichten. Die chinesische Regierung hat der portugiesischen ihren Dank für das energische' Vorgehen gegen die Piraten, die seit Jahren ein Schrecken der dortigen Gewässer waren, ausgesprochen.
Hongkong, 17. Juli. Die Kanonenboote „Patria"' und „Macao" erneuerten heute morgen die Beschießung des Forts Colowan. Der Kreuzer „Rainha bona Amelia" landete eine Truppenabteilung. Eine Flotte von vierzehn chinesischen Regierungsschiffen unterstützt die P o r t u g i e se n, um die Insel Colowan vollständig abzusperren. Der Kreuzer „Vasco da Gama" wurde aus Japan zurückberufen Und wird mit dem erwarteten Kreuzer „Sao Gabriel"' sofort vorgehen.
Deutsches Heid).
Aus Balestrand meldet man: Am Sonntag vormittag hielt der Kaiser Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern" ab, erledigte dann Regierungsgeschäste und nahm die Vorträge der Kabrnettschefs und des Gesandten von ^reutler entgegen. Am späten Nachmittag ließ der Kaiser die Hochseeflotte vorüberpassicren, die er Sonntag zur Fahrt ins Sognefjord benutzte.
Der Reichskanzler ist nach Hohenfinow zurückgekehrt.
2htslanö.
Aus Kristiania wird gemeldet: Kaiser Wilhelm erbot sich durch den König Haakon, dem norwegischen Volke als Dank für seine gastfreie Aufnahme während seiner Nordland- reisen eine Fridtjofs sta tue zu schenken. Der Kaiser nahm eine Anhöhe im Sogne-Fjord bei Framnes in der Nähe von Fridtjofs Grab für die Ausstellung der Statue in Aussicht. König Haakon dankte namens des norwegischen Volkes für diese Aufmerksamkeit. Prof. Unger-Steglitz wuyde mit der Ausstihrung der Statue beauftragt.
In Bilbao ist ein B e r g a r b e i t e r a u s st a n d ausgc- brochcn, der an Ausdehnung zunimmt. Die Gendarmerie ging gegen einen Trupp Streikender vor, die versuchten, Verhaftungen zu verhindern, und verteidigte sich mit Gewehrschüssen. Ein Streikender wurde verwundet. Truppen sind in das Ausstandsgebiet obgegangen.
Aus Riga wird gemeldet: Der Kaiser und die Kaiserin sind om Sonntag an Bord der „Standard"' hier eingctroffen.
Politische Vorträge von Studierenden.
Gießen, 18. Juli.
3ii den Vorgängen bei den von einigen Angehörigen der Freien Studentenschaft veranstalteten politischen Vorträgen wird uns von zuständiger Seite geschrieben:
„Dem Bestreben von Studierenden, sich über die großen Fragen, die unser politisches und wirtschaftliches Leben bewegen, zu orientieren, indem sie sich von Vertretern der verschiedenen polit. Parteien Vorträge über die Ziele ihrer Parteien 'ljalten lassen, ist an sichntcht das Gering st e in den Weg gelegt worden. Diese Vorträge sind ohne weiteres gestattet. Es ist nur verlangt worden, daß sie lediglich vor einem aus Studenten uiib Dozenten bestehenden Hörertreise und ohne Diskussion stattfänden.""
Wie sehr die Sache in der auswärtigen Presse aufgebauscht wird und wie falsch und unzuverlässig die Darstellungen sind, die man diesen schiefen Urteilen zugrunde legt, mag aus folgender Auslassung der „Deutschen Tageszeitung" hervorgehen.
' „Aus Gießen wird ein neuer Fall einer offenbar zu weitgehenden Bevormundung oder jedenfalls einer zu scharfen Bestrafung von Studierenden gemeldet. Nach den Zeitungsnachrichten handelt es sich darum, daß das Rektorat die Genehmigung zu der Abhaltung öffentlicher sozialpolitischer Vorträge' durch die Gießener freie Studentenschaft nicht erteilen wollte. Ueber diesen Standpunkt des Rektors kann man verschiedener Ansicht sein. Wir unsererseits finden ihn in gewisser Hinsicht durchaus verständlich, denn die freie Studentenschaft wollte von Mitgliedern aller Parteien, ausdrücklich auch von Sozialdemokraten, solche Vorträge halten lassen. Die Abhaltung öffentlicher — oder auch nicht öffentlicher — sozialdemokratischer Vorträge auf akademischem Boden ist nach unserer Ansicht durchaus ungehörig und darf auf keinen Fall gestattet sein. Fraglich ist nur, ob der Rektor nicht gut getan hätte, das Verbot auf diesen speziellen Fall zu beschränken. Darin würde sich vermutlich'auch die Gießener freie Studentenschaft gefunden haben. Das Generalverbot aber hat anscheinend Erregung hervorgerufen, jedenfalls wurde es nicht beachtet, sondern die Einladung zu der beabsichtigten Vortragsreihe wurde trotz des Verbotes veröffentlicht. Wie nun gemeldet wird, sind die drei Einberufer der Versammlungen vom Rektorat sehr hart bestraft worden. Die Nachrichten darüber gehen noch auseinander, indem nach einer Version der erste Ein- beruser mit dauernder Relegation, der zweite mit Rele- ganon auf zwei Semester bestraft wurde, während der dritte mit einer Verwarnung davontam, nach einer anderen Version auch der erste Einberufer nur aus zwei Semester vom Hochschulbesuch ausgeschlossen wurde. Daß die Einberufer bestraft werden mußten, liegt klar auf der Hand, denn ein zioeifelloses und absichtliches Zuwiderhandeln gegen das Verbot der aiadcmifchen Behörden durfte nicht geduloet werden. Aber schon ein Ausschluß für zwei Semester würde xxad) unserem Empfinden eine überaus harte Strafe bedeuten,
dauernde Relegation gar, die eine völlige Vernichtung der akademischen Laufbahn bedeutet, würden wir für eine Bestrafung halten, die auf jeden Fall von der Ministerial- instanz zu korrigieren nxire. Allerdings müssen wir insofern eine Einschränkung machen, als die vorstehenden Ausführungen nur für den Fall gelten sollen, daß die Strafen wirklich nur durch das erwähnte Vergehen veranlaßt ti^vr- den sind, und nicht etwa besonders erschwerende Umstände hinzulamen, die sie gerechtfertigt erscheinen lassen könnten. Bisher ist aber von solchen Umständen nichts gemeldet worden.""
Solche erschwerenden Umstände waren aber Vorhänden, wenn auch die „Deutsche Tagesztg." davon bis jetzt nichts gehört hat. Die Herren kannten die Meinung des engeren Senats, daß nach den Satzungen der Universität die Abhaltung solcher belehrenden politischen Borträge in öffentlichen Volksversammlungen nicht zulässig, aber in geschlossenen Versammlungen von Akademikern ohne weiteres erlaubt sei. Wenn sie dennoch auf ihrem Willen bestanden, so haben sie sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Von einer zuweitgehenden Einschränkung der studentischen Freiheit kann dabei nicht die Rede sein. Uebrigens hat bis jetzt von der großen politischen Presse außer der „D. TaLesztg."" nur noch die „Franks. Ztg." und der „Vorwärts"" zw der Sache Stellung genommen, dieser allerdings nur mit dem köstlichen Satz: „Dieser Rektor, der so drakonisch jede politische Aufklärung zu verhindern sucht, ist sicher irgend eine nationalliberale Leuchte.""
Aus Stadt nnd Land.
Gießen, 18. Juli 1910.
** Lehrerpersonalien. Ucbertragen wurde der Schulamtsaspirantin Emilie König aus Ilbenstadt eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Viernheim.
** Die Zwangsinnnng der Maler und Weißbinder in Gießen, deren Errichtung von der freien Innung beantragt war, ist nicht zustande gekommen, da bei der Abstimmung 26 Meister gegen die Errichtung einer Zwangsinnung gestimmt haben.
'* Ein nicht alltägliches Vermächtnis. Eine kürzlich hier verstorbene alte Dame hat dem Metzgermeister, der ihr 12 Jahre lang ihren kleinen Fleischbedarf lieferte, in ihren: Testament 1000 Mk. vermacht.
— Hausen (Kreis Gießen), 17. Juli. Das Dekanat Gießen feierte heute hier sein D e k a n a t s m i s s i o n s f e st, zu dem sich nicht nur die Bewohner Haufens, sondern auch viele Missionsfreunde der Nachbargemeinden eingesunden hatten. Da das Kirchlein zu klein mar, die Festgäste alle zu fassen, hatte man den Festplatz auf eine Anhöhe 'in der Nähe des Dorfes unter schattige Lindcnbäurne verlegt. Nach dem Gesang des Missions- liedes „Wach auf, du Geist der ersten Zeugen"" hielt Pfarrer B e r n b e ü - Wieseck die Festpredigt. Er zeigte, wie das Feld der Mission auch heute noch vielfach einem Totenseld /gleiche, dem durch die Misjionstätigkeit neues christliches Leben eingehaucht werden müsse. Ein im Dienst des Baseler Missionshauses stehender Missionar entwarf mit kurzen Strichen ein Bild der Missionsarbeit in Indien. Er beantwortete die Frage: Warum treiben wir Mission? dahin: Weil Gott es will, weil die Not groß ist, weil die Liebe uns treibt. Dazwischen berichtete er aus seiner vierjährigen Tätigkeit in Indien sehr interessante Einzelheiten und forderte zum Schluß die Anwesenden zu reger Mitarbeit auf. Pfarrer G u ß m a n n - Kirchberg hatte über den Stand der Mifsionsfache des Dekanats Gießen Bericht zu erstatten, der darin gipfelte, da.ß 'sich in letzterer Zeit allgemein ein regerer Geist für die Kulturarbeit der Mission geltend mache, der auch dadurch 5um Ausdruck gekommen fei, daß man jetzt mehr wie früher Missionsärzte ausbilde. Im Dekanat Gießen seien die Gaben für das Werk der äußeren Mission jm Jahre 1909 nm etwa 800 Mark mehr gewesen als im Jahre vorher, ebenfalls ein Beweis für das größere Interesse der Bevölkerung. In sehr anerkennenswerter Weise stellten der Bläserchor und Kirchengesangverein von Klein-Linden ihre Mitwirkung in den Dienst der guten Sache und verschönerten die Feier durch musikalische und gesangliche Vorträge.
— Aus dem Kreise Alsfeld, 17. Juli. Das Tnberkulose-Wander-Museum der Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen ist ausgestellt: zu Kirtorf im Schulsaal in der Zeit vom 15. bis einschließlich 19. Juli; zu Homberg a. d. O. im Rathaus in der Zeit vom 22. Juli bis einschließlich 26. Juli. Eröffnung am 22. Juli, nachmittags i/23 Uhr; zu Rieder-Ohmen im Schulhaus in der Zeit vom 29. Juli bis einschließlich 2. August. Eröffnung am 29. Juli, nachmittags 1/23 Ufjr. Die Ausstellung will weitere Kreise der Bevölkerung über die Gefahren der Tuberkulose und über die Mittel zu ihrer Bekämpfung belehren.
A Rieder-Eschbach, 17. Juli. Fast sämtliche Kriegervereine des Hassia-Bezirks Vilbel hatten heute Abordnungen hierher gesandt, die an der feierlichen Uebergabe der Kaiserschleise an unseren Kriegerverein teil- nahmen. Nachmittags bewegte sich ein Festzug nach dem Kriegerdenkmal, wo der Ortsgeistliche eine Ansprache hielt. Im Steinmetz'schen Saale begrüßte dann Lehrer Dirlamm die Festgäste. Die Ueberreichung der vom Kaiser gestifteten Fahnenschleise sand durch Regierungsvertreter Mu h l-Fried- berg statt. Kamerad Mohr toastete auf den Großherzog, Kamerad Stock auf die Regierung. Zum Schluß brachte Bezirksvorsteher Will-Rendel das Hoch auf das Vaterland aus.
L. R o cke nb erg, 17. Juli. Ein trauriger Zug bewegte sich in diesen Tagen vom Bahnhof Rockenberg nach dem nahen Zuchthaus Marienschloß. Es waren die weiblichen Zuchthausgesangenen, die seither in Mainz, nun aber im Zuchthaus in Marienschloß interniert werden.
L. Friedberg, 17. Juli. Der älteste Lehrer- oeteran Hessens, der 94jährige Lehrer i. P. Zehn- beuar, ist in Frankfurt dieser Tage gestorben. Zehnbauer verließ 1835 das Lehrerseminar Friedberg und wirkte dann 42 Jahre in seiner Heimatprovinz Rheinhessen. 1877 mußte er sich wegen geschwächter Gesundheit pensionieren lassen und lebte dann noch 33 Jahre als Pensionär. An demselben Tage, an dem er vor 75 Jahren seine erste Stelle antrat, wurde er von dieser Welt abgerufen.
R. B. Darmstadt, 18. Juli. (Tel.) Die Abiturienten des hiesigen Lud w i g-Georgghmna- siums von 1875 hatten gestern hier eine Zusammen- hinft. Von den 34 Abiturienten des Jahrgangs sind noch 28 am Leben, von denen 22 an der Zusammenkunft teilnahmen, darunter die Minister Braun und v. Hombergk, Oberlonsistorialpräsident Nebel, Landgerichtspräjideut Dr. Prätorius-Gießen, Justizrat Windecker-Friedberg und Oberamtsrichter Fritz-Alsseld.
rm. Worms, 17. Juli. Der Verband der hessischen V e r k e h r s v e r e i n e hielt heute hier seine Hauptversammlung ab. Fast alle Verbandsvereine waren vertreten. Im Namen des Vorortes Worms begrüßte Freiherr v. Hehl die Vertreter und Ehrengäste. Geh. Regierungsrat Dr. Kayser
und Bürgermeister Metzler begrüßten die Teünehmer im Namen des Kreises und der Stadt. Kommerzienrat Trumpler - Worms gab dann den Geschäftsbericht, aus dem hervorgehl, bar der Arbeitsausschuß im letzten Jahre fünf Sitzungen abgehalten und zahlreiche Eingaben verfaßt habe, besonders wegen der Schiffahrtsabgaben, Vermehrung der Rancherabteilungen usw., leider hatten sie nicht immer Enolg. Tie Denkschrift fei an alle maßgebenden Körperschaften verschickt worden. Schatzmeister Ebel gibt den Rechenschaftsbericht. Danach zählt ber Verband zurzeit zirka 22 Mitglieder, meist Vereine und Körperschaften mit einem Jahresbeitrag von 221 Mark. Aus das hessische Verkehrsbuch, von dem noch zirka 9000 Stück vorhanden sind, hat der Verband noch zirka 600 Mark an den Drucker zu zahlen. Dem Schatzmeister wird Entlastung erteilt. Wallmann-Bad-Nau- heim berichtet dann über die umgearbeiteten Verbandsstatuten und erbittet deren Genehmigung. W e idma n n - Isenburg bemängelt die Tätigkeit des Arbeitsausschusses, wünscht bessere Vertretung der kleineren Vereine Und beantragt, daß der nächste Verbandstag nicht vondlem Verbandsvorstand, sondern von dem vorherigen Verbandstag festgesetzt werden solle. Stadtv. H e l m - Gießen gibt einer Freude Ausdruck, daß jetzt auch der V e r k e h r s v e r e i U Gießen zur Mitarbeit aufgefordert worden sei. Die bestandene Verstimmung zwischen der Verbandsleitung und dem V.-V. Gießen ei wahrscheinlich durch eine Verwechslung mit dem Stadtvorstand herbeigeführt worden, die nach den heutigen Verhandlungen sich aufklären und beigelegt werden. Das Verbands st atut wird einstimmig angenommen. Ueber das hessische Verkehrsbuch berichtet Herbst-Worms und empfiehlt zur möglichsten Verbreitung des Werkes, daß man sich an die Schulen wende, wie es Worms mit gutem Erfolg getan habe. Er empfiehlt weiter die möglichste Unterstützung des Bundesorganes „Deutschland"". Ueber die internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in Berlin 1911 berichtet Stemmer-Darmstadt, der die außerordentliche Wichtigkeit dieser Angelegenheit für den Verband hervorhebt. Es sei Aussicht, mit der hessischen Regierung, die ür Bad-Nauheim, die hessische Weinbaudomäne und das keramische Institut an hervorragender Stelle auszustellen beabsichtige, eine Verständigung zu erzielen, wodurch die hessischen Verkehrsvereine gleichfalls zur Geltung kommen. Ld.-Abg. M o l t h a .l - Mainz empfiehlt diesen Antrag lebhaft, mit dem Hinweis, daß man die Kosten, die ja die Vereine auf zwei bis drei Jahre verteilen können, nicht scheuen sollte. Er beantragt, Stadtv. Stemmer- Darmstadt zu ermächtigen, mit Mr Negierung hierüber mit der Maßgabe zu verhandeln, daß die Vereine bis zu 2000 Mark der Unkosten aufbringen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Die Erhöhung der Verbandsbeiträge um 100 Prozent wird gegen Gießen angenommen. Als Vorort für die nächsten Jahre wird einstimmig Bad-Nauheim gewählt. Die seitherigen Mitglieder des Arbeitsausschusses werden wiedergewählt, neu kommen in den Ausschuß R.-A. Stahl-Bad-Nauheim, Helm-Gießen und Weidmann-Isenburg. Trumpler-Worms berichtet über die Anträge Mainz, betr. die Einteilung der Fahrpläne in eine 24 Stundenzeit, wie dies bisher schon in Frankreich und Italien üblich sei und des Antrags Bingen, betr. die Zuziehung von Regierungs- beiräten zu den Verhandlungen des Verbandes. Beide Anträge werden angenommen.
Frankfurt a. M., 17. Juli. Das 17jährige Dienstmädchen Louise Müller aus Kaichen bei Friedberg \ü.v bei brennender Petroleumlampe e i n g es ch l a f e n. Die Lampe stürzte nm und das Mädchen erlitt schreckliche Brandwunden, denen es heute nachmittag erlegen ist. '— Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich heute vormittag kurz vor 12 Uhr auf der Radrennbahn in d-er Arena. Aer französische Schrittmacher Antonio Gre- gori, der trainieren wollte, und sich zum ersten Male nuf der Frankfurter Rennbahn befand, sauste mit voller Wucht auf die westliche Kurve hinauf und rannte gegen die obere Brüstung, wobei er vom Motorrad flog. Er hatte den Schädel gebrochen und war sofort tot.
W. Weilburg, 15. Juli. Heute fand hier der 22. Verbandstag des Verbandes Nassauischer Genossenschaften statt, der von etwa 300 Genossenschaftlern besucht war. Der Verband zählt 215 Verbandsgenosseu- schaften mit 22 255 Mitgliedern, darunter 127 Kreditgenossenschaften.
Universitäts-Nachrichten.
— Der g ef ch äf t s f ü h r e n d e Au s s ch u ß des D e u t s ch e n Hochs chullehrertages hat als Ort der vierten Versammlung Berlin in Aussicht genommen, sieht sich aber dadurch, daß die Universität Berlin im Oktober d. I. ihr Jubiläum feiert, genötigt, den 4. Deutschen Hochschnllehrertag im Herbst nicht stattfinden zu lassen. Nachdem er mit hervorragenden Vertretern der Berliner Universität und der Berliner Technischen Hochschule Fühlung genommen hat, hat er beschlossen, die vierte Versammlung für das Frühjahr 1911 nach Berlin einzubernfen. Unter den Gegenständen, die für die Verhandlungen dieser 4 Tagung m A cis sicht genommen worden sind, steht an erster Stelle die Verschiedenheit der Organisation des akademischen Unterrichts an den deutsch- österreichischen und den amerikanischen Hochschulen. Tie näheren Alttteilungen über die genaue Zeit und die Tagesordnung der 4. Versammlung des Deutschen Hochschullehrertages werden im Anfang des Jahres 1911 erfolgen.
.Heidelberg, 16. Juli. Als Glanzpunkt'"der Jahrhundertfeier des Schwabeukorps fand heute abend in den prächtig geschmückten und beleuchteten Räumen der Schloßrume ein glänzend arrangiertes Schloßfest statt. Zu der Feier war Prinz Max von Baden erschienen.
* Marburg, 17. Juli. Geh. Kons.-Rat Prof. Budde! wurde zum Rektor der Universität gewählt.
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* * Vom Gießener Schöffengericht. Keine Stu-» Renten ft reiche, sondern roher Vandalismus, als solchen bezeichnete das Schöffengericht die Tat eines Studenten, der mit andern, die er aber nicht angeben wollte, nachts an der Alice- straße die von der Stadt mit großen Geldaufwendungen her- gerichteten Grotten gewaltsam zerstört hat. Der Amtsanwalt erklärte, daß derartige Anlagen besonders geschützt werden müssen und man einen Menschen, der daran seinen Mut beweisen wolle, nicht mit ein paar Mark bestrafen dürfe, damit dem Vandalismus gesteuert werde. Das Schöffengericht verurteilte den Studenten ivegen Sachbeschädigung zu 100 M art Geldstrafe. Der Vorsitzende erklärte, daß man noch einmal babc Milde walten lassen, in Zukunft werde man aber auf Gefängnis erkennen müssen, wenn der Unfug in den Anlagen nicht aufhöre.
vermi?chtc«.
* Frau v. Schönebeck-Weber. Die Angelegenheit der Fran v. Schönebeck-Weber ist nunmehr nach der F. jitg. dadurch in ein neues Stadium eingetreten, daß der Erste Staatsawoalt bei dem Landgericht III daS Entmündigungsverfahren wegen Geistesschwäck>e bei dem Amtsgericht Charlottenburg beantragt hat. Dieses hat jetzt das Entmündigungsverfahren eingeleitet und den Beschluß der Frau Weber zugestellt.. Bekanntlich war die früher gegen sie eingeleitete Pflegschaft auf Antrag des Rechtsanwalts Bahn, vom Landgericht Allenstein aufgehoben worden. Fran Weber soll noch einige Monate im Sanatorium verbleibens
* Eine folgenschwere Zugentgleisung. Die Blätter melden aus Donaueschingen: Der Personenzug) Donauesckiingm—Freiburg, mit A usflüglern voll b esetzt, entgleiste gestern in Littenwcilcr infolge falscher "Weichen- ftellung. Fünfzehn Personen sollen mehr oder weniger schwer verletzt fein.
* D e r Durst Europas. Als leistungsfähigstes Volk Europas auf dem Gebiet der Durststilluug sind zurzeit zweifellos die Dänen zu betrachten, die jährlich pro Kopf zwar nur 104 Liter Bier und nur ganz geringfügige Mengen Wem trinken, den edlen


