Montag 18. Juli 1910
Erstes Blatt
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160» Jahrgang
Hix 165
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Anzeiger Gießen.
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Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Das hessische Wahlgesetz.
XX Darm stadt, 17. Juli,
Nun ist auch der zweite Teil der Wahlrechtsvorlage, die Wahlkreiseinteilung, von der Zweiten Kammer angenommen worden; das Wahlgesetz selbst ist ja vor einigen Monaten verabschiedet worben.
Kein Politiker wird an der Neuordnung der Dinge eine reine Freude haben. Das Wahlgesetz hat zwar das direkte Wahlrecht gebracht, allein es ist beschwert mit dem bedenklichen Pturalwahlrecht. Die meisten Ätitglieder der Zweiten Kammer haben sich bis zum letzten Augenblick gegen dieses Pturalwahlrecht gesträubt, sich schließlich doch für es entschieden, mit schwerem Herzen und den größten Bedenken, denn es war der Preis für das direkte Wahlrecht, das jetzt endlich nach jahrelangem Ringen erkämpft wurde.
Auch die Wahlkreiseinteilung hat die größten Schwierigkeiten verursacht. Da eine Vermehrung der ländlichen Sitze gegen früher um 3 beschlossen war, so mußte in jeder der drei Provinzen ein neuer Wahlkreis gebildet werden. Es liegt aus der Hand, daß diese Neubildung ohne eine eingreifende Aenderung und Verschiebung in allen ländlichen Wahlbezirken nicht durchgesührt werden konnte. So machten sich Regierung und alle Parteien mit Ausnahme der sozialdemokratischen an diese schwere Aufgabe. Daß das Ergebnis keines war, das alle oder auch nur eine Partei befriedigt hätte, war vorauszusehen.
Bei der Bildung der Wahlkreise war sicherlich auf die historische und wirtschaftliche Zusammengehörigkeit das entscheidende Gewicht zu legen, aber auch hier schon gingen die Meinungen auseinander. Dann aber bestrebte sich jede Partei, die bisherigen Verhältnisse fester und in ihrem Interesse besser zu gestalten. Die Interessen! ollisionen der einzelnen Parteien sind dabei nicht ausgeblieben, und so mag dieser Kampf um die Gestaltung der einzelnen Wahlkreise sich nach außen nicht besonders schön mrgesehen haben. Schließlich lagen Vorschläge der Nationalliberalen, des Bauernbundes und Zentrums einerseits und der Freisinnigen Volkspartei andererseits vor. Daß die Sozialdemokratie sich mit aller Schärfe gegen jeden dieser Vorschläge wandte, war oorauszusehen. Aber auch die freisinnige Volkspartei ließ durch ihren Sprecher, den Abgeordneten Reh, gegenüber den Vorschlägen der anderen Parteien in scharfer Weise von Ungerechtigkeit und Parteiegoismus sprechen. Es wurde indessen der freisinnigen Volkspartei nachgewiesen, wie ihr eigener Vorschlag nicht minder von Parteiinteresse eingegeben war. Allerdings waren scharfe Waffen gegen die Vorschläge der Nationaltiberalen, des Bauernbundes und Zentrums bezüglich Rheinhessens gerade von dem nationalliberalen „Mainzer Tageblatt" geliefert worden.
Die Wahlkreiseinteilung hat Annahme gefunden; für Starkenburg und Rheinhessen stimmten Nationalliberale, Bauernbund und Zentrum zusammen mit Ausnahme des Abg. Bach; bei Oberhessen trennten sich einige Nationalliberale (Bach, Dr. Glässing, Noack und Dr. Osann) von der Mehrheit, da sie mit Recht die Umgestaltung des Wahlkreises Gießen, die Hinzuziehung von Wieseck, nicht billigten und an ihrer früheren Abstimmung festhielten. Klein-Linden und Heuchelheim sind vom städtischen Wahlkreis Gießen hinweggenommen und zu dem Wablkreis Großen-Linden hinzu gerechnet. Auch keiner der zustimmenden Abgeordneten wird
reine Freude an diesem Werk haben. Zahlreiche
Wünsche auch berechtigter Art sollten aber der Einigung weichen. In manchen Wahlkreisen mußte
scharf eingeschnitten und manche Verletzungen beigefügt wer
den. 'Allein obenan stand für die Parteien, die den Vorlagen Genehmigung zuteil werden liehen, der Gedanke, nach einem jahrelangen Kampfe endlich zu einem den modernen Anschauungen nahe kommenden Wahlrechte zu gelangen. Die direkte Wahl war die Hauptsache, und dieser mußten wahrlich nicht unerhebliche Opfer gebracht werden. Aber diese direkte Wahl durchgesetzt zu haben, dürfen sich die Mehrheitsparteien zu bleibendem Verdienste rechnen.
In dem Gesetzentwurf, betreffend die Landstände, der neben dem Entwurf über die Verfassungsänderung in den beiden Arttkeln 67 und 75 im vorigen Herbst von der Zweiten Kammer verabschiedet worden ist, war die Besttmmung getroffen, daß die Zahl der Mandate von 50 auf 58 erhöht und darnach sowohl die fünf größeren Städte, wie die Landkreise der drei Provinzen um je einen Abgeordneten vermehrt werden. Es haben also in Zukunft Darmstadt und Mainz je drei, Offenbach, Worms und Gießen je zwei Abgeordnete zu wählen, während die drei privilegierten kleinen Städte Tvtsfeld, Bingen und Friedberg ihren bisherigen besonderen Vertreter beibehatten.
Es bleibt die Tatsache bestehen, daß den 4613 Einwohnern von Alsfeld, den 8835 Einwohnern von Friedberg und den 9953 Einwohnern von Bingen dieselben Rechte zugestanden werden, wie den durchschnittlich mehr als 26 000 Einwohnern der größeren Städte und den rund 20000 Einwohnern der ländlichen Wahlkreise. Auch sonst bleibt eine große, aber nicht wohl zu beseitigende Ungleichheit bezüglich der Wählerzahl insofern bestehen, als z. B. die rund 100 000 Einwohner von Mainz und die ca. 90 000 Einwohner von Darmstadt je drei Abgeordnete zu wählen haben, während Offenbach mit ca. 70 000, Worms mit ca. 45 000 und Gießen mit ca 30 000 Einwohnern je zwei Abgeordnete entsenden.
Ueber die Wahlkreiseinteilung in den genannten acht Städten wird im Art. 19 des Gesetzes über die Landstände bestimmt, daß diejenigen Städte, welche mehr als einen Abgeordneten zu wählen haben, für die Wahl in so viel Kreise ein geteilt werden, als Abgeordnete zu wählen sind; in jedem Wahlkreis wird ein Aogeordneter gewählt. Tie Wahlkreise müssen je ein zusammenhängendes Ganzes bilden und eine annähernd gleich große Zahl von Einwohnern enthalten. Die Abgrenzung dieser Wahlkreise erfolgt im Wege der Verordnung nachdem die städtische Vertretung hierüber gehört ist. — Es mag bei dieser Gelegenheit daran erinnert werden, daß die Mehrheit des Gesetzgebungs-Ausschusses bei der Beratung des Gesetzentwurfs in der Vollversammlung beantragt hatte, diese Bestimmungen des Art. 19 zu streichen und dafür folgende Bestimmung zu setzen: ,,Die Wahlen der Abgeordneten der Städte Darmstadt, Mainz, Offenbach, Worms und Gießen erfolgen nach den Grundsätzen der Listen- und Verhältniswahl."
Diese somit beantragte Einführung der Proportionalwahl in den Städten wurde jedoch bei der Abstimmung in erster und zweiter Lesung verworfen und der erwähnte Wortlaut der Regierungsvorlage angenommen.
Die Neueinteilung der ländlichen Wahlkreise in den drei Provinzen hätte die Zweite Kammer gern so lange verschoben, bis auch die Erste Kammer ihre Entscheidung über die beiden anderen Gesetzentwürfe getroffen hätte^ Aber da das andere Haus hierzu wenig Neigung verspürte und verfassungsmäßig verlangen kann, daß ihm nur vollständig vom anderen Hause erledigte Vorlagen zur Beratung und Beschlußfassung überwiesen werden, so blieb nichts weiter übrig als die Erledigung auch des dritten dieser Gesetzentwürfe. Der von der Regierung vorgelegten Wahlkreiseinteilung, die von den Parteien verworfen wurde, waren die Ergebnisse der Volkszählung von 1905 zugrunde gelegt tvorden, wonach die 18 ländliche Kreise der Provinz Starken
burg 394066 Einwohner, die 14 Kreise der Provinz Oberhessen 253 900 Einwohner und die 11 Kreise der Provinz Rheinhessen 208 929 Einwohner zählen: es kommen also in Starkenburg nahezu 22000, in Oberhessen ca. 18000 und in Rheinhessen ca. 19 000 Einwohner auf einen ^lbgeordneten, oder durchschnittlich genau 19 927, während sich selbst unter Hinzurechnung der drei privilegierten Städte nach der Volkszählung von 1905, seit der die Einwohnerzahl schon wieder bedeutend gestiegen ist, die Zahl der städtischen Wähler auf 332 788 stellte, so daß bei 15 städtischen Abgeordneten auf je .en 22185 Einwohner entfallen. Diese Zahlen zeigen, wie berechtigt das Verlangen der größeren Städte nach einer Vermehrung ihrer Vertreter in der Zweiten Kämmer gewesen ist.
Eine schwierige Aufgabe bei den Beratungen bildete noch die Frage der Einführung des neuen Wahlrechtsgesetzes. Da den Anträgen auf eine vollständige Neuwahl der Kammer nicht ftattgegeben wurde, so wurde besttmmt: Die bei dem Inkrafttreten dieses Gesetzes der Zweiten Kammer angehörenden Abgeordneten scheiden zu dem Zeitpuntt aus, an dem ihr Ausscheiden nach den seitherigen gesetzlichen Bestimmungen zu erfolgen hat. Die neu hinzutretenden Abgeordneten derStädteD-armstadt,Mainz!,Offenbach, Worm^ und Gießen werden bei der im Jahre 1911 stattfindenden ordentlichen Erneuerung der Kammer auf die Dauer von drei Jahren gewählt. Vom Jahre 1914 ab erfolgt dann die Wahl sämtlicher städtischen Vertreter auf die Dauer von sechs Jahren. In den ländlichen Kreisen erfolgt im Jahre 1911 und 1914 die Neuwahl für die ausscheidenden Abgeordneten jedesmal auf sechs Jahre.
Die Kämpfe an der algerisch-marokkanischen Grenze.
O Paris, 16. Juli.
Ueber den neuen Kampf an der alaerisch-maroNanischen Grenze, der am Samstag von uns kurz gemeldet wurde, liegen aus Oran folgende Einzelheiten vor:
„Eine Kundschaftsabteilung der Kolonne von Taurirt, war unter den Befehlen des Oberstleutnants Färaud nach Mul el Bascha ausgezogen, wo sich eine Furt befindet,. die die Gegend mit dem Gebiete von Kebdana und Melilla verbindet. Die Kolonne sollte auf diesem Punkte mit einer Abteilung zusammenstoßen, die von dem Posten von Taforalt im Gebiete der Beni Snassen ausgezogen war. Auf dem ganzen Wege hatte die Abteilung die beste Aufnahme bei den Stämmen gefunden, allein am 12. Juli, morgens, tauchten auf dem linken Ufer des Flusses Gruppen der Beni Bu Iaht auf, deren Haltung offenkundige feindselig war. Die unserer Sache ergebenen marok- ianischen Chefs und besonders Si Taieb Bn Amama, die^ unsere Polizeitruppen begleiteten, gingen diesen Gruppen entgegen, um sie darüber aufzuklären, daß unsere Anwesenheit auf diesem Punkte eine durchaus friedliche wäre. Während dieser Verhandlungen hatte eine ansehnliche Gruppe der Beni Bu Pahib die Muluya oberhalb der Furt- von Mul el Bascha überschritten, ging auf unser Lager los und eröffnete das Feuer auf unsere Truppen. Die Antwort darauf war kräftig unö< ein lebhafter Kampf entspann sich auf mehreren Punkten. Es gab sogar verschiedentlich Handgemenge. Das Gefecht dauerte fast den ganzen Nachmittag und enbete! erst, als die Angreifer sich dazu entschlossen, den Rückzug cnrzutreten und über die Üliuluya zurückzukehren, nachdem sie sehr ernste Verluste erlitten hatten. 5 3 Leichen von Marokkanern wurden auf dem Schlachtfelde gezählt; auf unserer Seite waren die Verluste recht empfindlich. Man zählt 11 Tote, je fünf Legionäre und Tirailleurs und einen Spahis, sowie 43 Verwundete, darunter 25 leicht. Zwei Offiziere wurden nur unerheo-
Roosevelt als Boxerfreund.
Der große Weltmeister-Boxkampf in Amerika, bei dem ver Neger Johnson über seinen weißen Gegner siegte, steht wohl noch nicht in der angenehmsten Erinnerung. Denn im Anschluß daran entstanden ja große Schlägereien und Metzeleien. Gott sei Dank hat sich bei uns in Deutschland die 'Einsicht noch nicht durchgerungen, daß das Boxen eine edle Kunst, ein feiner Sport sei. Der frühere Präsident Roosevelt, von dem jüngst ein Witzblatt behauptete, er übe sich im Boxen, um die Niederlage der Weißen wieder wett zu machen, hat jetzt über das Boxen eigentümliche Ansichten veröffentlicht, die so recht zeigen, wie weit seine Rauhreiter-Kultur eigene Wege geht. Wir erhalten aus ,N e w h o r k folgende Mitteilungen:
Roosevelt spricht sich in dem amerikanischen Wochenblatte „Outlock", dessen Mittedakteur er ist, über Preis kämpfe aus. Er sagt: „Boxen hat mir stets viel Vergnügen '.gemacht, und ich halte es für einen Sport, den man unter '''Knaben und jungen Leuten ermutigen sollte. Bis vor we- sirigen Jahren pflegte ich häufig zu boxen, und als ich noch jünger war, habe ich an verschiedenen öffentlichen oder halböffentlichen Wettkämpfen te i l g e n o m m c n, zu meiner Schande muß ich sagen, meistens nicht als Sieger.
Als ich noch Polizeikommissär von Newyork war, fand ich, daß die Etablierung von Boxer-Klubs in manchen der ärmeren Distrikte die Messerstechereien bedeutend reduzierte. Der durch das Boxen erzeugte Geist hatte Messerkämpfe in Mißkredit gebracht.
Ich bin nicht nur nicht gegen Boxen eingenommen, sondern ich war ufnb bin ein warmer Fürsprecher der Kunst und habe ursprünglich auch kein Vorutteil gegen professionelles Boxen gehegt, das heißt gegen Boxen für Geldpreise. Ich zählte sogar mehrere professionelle Boxer, die für Geldpreise geboxt hatten, zu meinen persönlichen Freunden.
Ich bijn sicher, die anderen Staaten werden dem Beispiele Newyorks folgern und Preiskämpfe verbieten. Seit die Preis- kämpse in Newyork aufgehört haben, sind, wie ich höre, die Zustände dort, wo sie noch erlaubt sind, noch schlimmer geworden. Enorme Preise werden ausgesetzt, und diese an sich sind eine Lluttl« her Demoralisation, da die Bedingungen derart sind,
daß die Kämpfer zur Unehrlichkeit geradezu herausgefordert werden, oder so, daß der Besiegte beinahe ebenso viel bekommt wie der Sieger. Die bei solchen Gelegenheiten entrierten Wetten deuten auf einen durchaus ungesunden Zustand hin, und durch die Einführung der lebenden Bilder in die Arena ist der Wettkampf noch demoralisierender geworden. Der letzte große Wettkampf um die Weltmeisterschaft gab dazu noch Anlaß zur Erneuerung des unglücklichen Rassenstreites.
Ich hoffe daß das Gefühl der großen Menge so ausgerüttelt wird, und daß es sich mit solchem Nachdruck fühlbar machen wird, daß fernere Preiskämpfe in den Vereinigten Staaten nicht möglich sein werden. Es wäre von nicht zu unterschätzendem Vorteil, wenn man Mittel und Wege fürden könnte, die Vorführung der von dem letzten Wettkampfe herrührenden lebenden Bilder durchaus zu verhindern."
Das wird sich aber schwer machen lassen. Ob es jetzt Europa auch gelüsten wird, Messerstechereien durch edlen Boxergeist einzudämmen? Der Stock ist als Waffe bei Raufereien vom menschlichen Standpunkt aus dem Messer ja guch vorzuziehen; auf also zu Wettkämpfen im Stockprügeln \
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Reue werke von Reinhold Begas.
Professor Reinhold Begas, der am 15. Juli seinen 79. Geburtstag feierte und aus alten Teilen der Welt, darunter auch vom kaiserlichen Haus, Glückwunschtelegramme erhielt, hat, wie uns mitgeteilt wird, kürzlich, trotz seines hohen Alters, mehrere neue Werke in Angriff genommen. Die Vollendung schreitet allerdings ziemlich langsam vorwärts, da der Gesundheitszustand, des Meisters, dessen Kunst übrigens, wenn sie auch vom Kaiser stets' gefördert worden ist, nicht überschätzt werden darf, sich in letzter Zeit durchaus nicht günstig gestaltet hat. Eine jähe Altersschwäche hat ihn übermannt und aus dein noch vor kurzem durch seine Riesengestalt Imponierenden, einen hilflosen Greis gemacht, der nur selten mehr sein Atelier betreten barf und auch dann nur kurze Zeit mehr darin verweilt. Mit Vorliebe kehrt er, wenn er neue Werke beginnt, zu alten Motiven zurück, die au5 der Epoche stammeln, in der er seine Jugendjahre unter ben Fittichen von Anselm Feuerbach und Böcklin in Rom verlebte. So datiert auch der erste Entwurf zu einem Herkules-Brunnen, den man
gegenwärttg unter seinen Händen entstehen sieht, aus jener Zeit. Cs handelt sich nicht mehr um eine Monumentalschöpfung, sondern um ein kleines zierliches Werk, das nach! feiner Vollendung' in Silber getrieben als Tafelaufsatz dienen soll. Herkules lagert als Kind .auf dem Schilde seines Vaters und erwürgt die böse Schlange, die ihn tückisch überfällt. Der Kopf des, Reptils ist vertikal nach aufwärts gerichtet und wird nach seiner Fettig- stellung eine kleine Parfümfontaine enthalten. Vor einigen Mv- naten schuf Begas ein reizvolles graziöses Werk, die „Tanz- pause". Leider wurde das Werk nicht mehr öffentlich ausgestellt, sondern ging sofort nach seiner Vollendung in Privatbtzsitz über. Die Tänzerin dürste zu den schönsten Akten gehören, die er jemals geschaffen hat. Eine junge Frau lehnt sich, vom Tanken ermüdet, gegen eine Balustrade. Einige Bronzeskizzen, die gleichfalls kürzlich eittstanden, sollen demnächst iveiter ausgesührt und in Marmor übertragen werden. Die meisten von ihnen stellen' Ringerfiguren dar, was bei der ausgesprochenen Vorliebe dos Meisters für Athleten und Athletenkämpfe begreiflich erscheint. Aber auch biblische Smets sind Der treten, so z. B. „Adam unh' Eva", ferner „Kain und Abel", ein Motto, welches in feinem Oeuvre des öfteren wieder kehrt. „Pan und Psyche", die gelungenste Schöpfung der Feuerbach-Epoche, führt er neuerdings» in Marmor aird, da eine Bestellung vorliegt. Aus einem Tische fesselt eine lange schmale Hand aus Gips die 9(11 fin.ertfantfc.it des Beschauers. Es ist ein Abguß der Hand ber Kaiserin, welcher vor einigen Jahren auf ihren Wmrsch geschaffen wurde, um, in Marmor übertragen, als' Geburtstagsgeschenk für den Kaiser zü dienen. Er selbst ist noch immer recht heiteren Gemi'ltes, obwohl CT feine Lebensarbeit als für abgeschlofsen erachtet und, einer pessimistischen Anwandlung folgend, an die Vollendung seiner begonnenen Werke nicht mehr glaubt
Brüssel, 16. Juli. In Anwesenlieit der Königin fand heute in ber Festhalle ber Ausstellung das erste Konzert eines deutschen Gesangvereins statt, nämlich des Kölner Gürzenichchvrs imb des Gürzenichorchesters unter Leitung des Generalmusikdirektors Steinbach. Zant Vortrag gelangten die neunte Sinfonie von Beethoven und Bach'scl)e Motetten, 'die mit großem Beifall auf genommen wurden.
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